{"id":16567,"date":"2013-03-18T16:31:26","date_gmt":"2013-03-18T15:31:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16567"},"modified":"2015-07-17T08:55:35","modified_gmt":"2015-07-17T06:55:35","slug":"zypern-wer-rettet-europa-vor-diesen-eurorettern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16567","title":{"rendered":"Zypern \u2013 wer rettet Europa vor diesen \u201eEurorettern\u201c?"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Sparer in Zypern zahlen. Damit l&ouml;st man die heutigen politischen Probleme Deutschlands auf Kosten k&uuml;nftiger &raquo;Bank Runs&laquo; in anderen Eurostaaten&ldquo;, so fasst der belgische &Ouml;konom Paul De Grauwe das Ergebnis des &bdquo;Rettungsgipfels&ldquo; am Wochenende kurz und knackig <a href=\"https:\/\/twitter.com\/pdegrauwe\/status\/313253265288622080\">zusammen<\/a>. Mit der Entscheidung, die zypriotischen Bankkunden &uuml;ber eine Sondersteuer an den Kosten zur Refinanzierung des zypriotischen Bankensystems zu beteiligen, haben die &bdquo;Euroretter&ldquo; einmal mehr den Rubikon &uuml;berschritten. Die Folgen werden fatal sein. Im g&uuml;nstigsten Falle wird das Ergebnis des letzten Rettungsgipfels &bdquo;nur&ldquo; eine schwere Rezession in Zypern sein. Im ung&uuml;nstigsten Falle erleben wir in den n&auml;chsten Wochen eine neue, so noch nie dagewesene, Kapitalflucht aus den europ&auml;ischen &bdquo;Problemstaaten&ldquo;, die den Auftakt einer neuer Eskalationsstufe der Eurokrise markieren k&ouml;nnte. Und wieder einmal waren es drei Deutsche, auf deren Mist die fatalen Fehlentscheidungen gewachsen sind: Angela Merkel, Wolfgang Sch&auml;uble und J&ouml;rg Asmussen. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nZur Vorgeschichte siehe: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13713\">Zypern &ndash; ein weiteres Opfer der Finanzkrise<\/a><\/p><p>Zypern ist ein weiteres exzellentes Beispiel daf&uuml;r, dass die Eurokrise keine Staatsschuldenkrise ist. Im Vorkrisenjahr 2008 hatte Zypern noch eine Staatsschuldenquote von <a href=\"http:\/\/www.indexmundi.com\/cyprus\/public_debt.html\">lediglich<\/a> 48,3% &ndash; weit unter den sogenannten EU-Konvergenzkriterien. Zyperns Problem ist es jedoch, dass die Insel ein vergleichsweise gro&szlig;er Finanzstandort ist, dessen Banken aufgrund kultureller und geographischer Gr&uuml;nde besonders stark in Griechenland investiert sind. Die falsche &bdquo;Rettungspolitik&ldquo; der Troika brach auch dem zypriotischen Bankensystem das Genick. Alleine die Beteiligung des Privatsektors am griechischen Schuldenschnitt f&uuml;hrte dazu, dass die beiden gr&ouml;&szlig;ten zypriotischen Banken rund drei Milliarden Euro abschreiben mussten. Dem folgten hohe Abschreibungen auf Kredite f&uuml;r die &ndash; im freien Fall befindliche &ndash; griechische Privatwirtschaft und ein massiver Konjunktureinbruch f&uuml;r die eng mit Griechenland verzahnte zypriotische Wirtschaft. Um seine Banken zu rekapitalisieren und den Staatshaushalt bis 2015 zu sichern, meldete die Republik Zypern nun einen Refinanzierungsbedarf von 17 Mrd. Euro beim ESM an &ndash; dies entspricht mehr als 90% des zypriotischen BIP. Diese Zahlen klingen auf den ersten Blick katastrophal, Zypern hat jedoch noch ein Ass im &Auml;rmel. Vor den K&uuml;sten des Landes wird gerade eben ein Erdgasvorkommen erschlossen, dessen Reserven laut Experten einen Marktwert von 600 Mrd. Euro haben sollen. Prognosen <a href=\"http:\/\/www.naturalgaseurope.com\/cyprus-natural-gas-sector-sails-on-fast\">zufolge<\/a> wird die Republik Zypern nach den Jahre 2020 pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro Einnahmen aus den F&ouml;rderlizenzen verbuchen k&ouml;nnen. Wenn diese Zahlen zutreffend sind, w&auml;re die R&uuml;ckzahlung des ESM-Kredits gesichert.<\/p><p>Beim Unternehmen Eurorettung spielen finanzielle Kalkulationen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Obgleich L&auml;nder wie Spanien, Italien und Frankreich ebenfalls gro&szlig;e Volkswirtschaften sind und mehrere Milliarden Euro in den ESM beisteuern, kaprizieren sich die gro&szlig;en deutschen Parteien so, als ginge es bei der gesamten Eurorettung ausschlie&szlig;lich um das Geld der deutschen W&auml;hler, die von den gro&szlig;en Medien und Teilen der Politik seit Monaten gegen weitere ESM-Kredite aufgeputscht wurden. Obgleich man keine belastbaren Beweise <a href=\"http:\/\/lostineu.eu\/bewusste-irrefuhrung\/\">hatte<\/a>, lancierte Berlin bereits im November letzten Jahres Meldungen &uuml;ber &bdquo;Geldw&auml;sche russischer Oligarchen&ldquo; in Zypern und stellte die Insel damit als &bdquo;nicht rettungsw&uuml;rdig&ldquo; dar. Wie so oft musste die deutsche Regierung jedoch zur&uuml;ckrudern. Um das Zypern-Paket schadlos durch den Bundestag zu bringen und von der kl&auml;ffenden Medienmeute nicht zerrissen zu werden, brauchten Angela Merkel und Wolfgang Sch&auml;uble nun ein Argument, um der &Ouml;ffentlichkeit zu versichern, man habe hart verhandelt und diesmal w&uuml;rden sich zum ersten Mal auch die &bdquo;Geretteten&ldquo; an den Rettungskosten beteiligten. Mit diesen Vorgaben kam es in Br&uuml;ssel von Freitag auf Samstag zur Nacht der langen Messer. <\/p><p><strong>Vorhang auf f&uuml;r Angela Merkel<\/strong><\/p><p>Rekonstruiert auf Insiderberichte der Financial Times und der zypriotischen Kathimerini spielte sich der Verhandlungspoker folgenderma&szlig;en ab: Bereits am Nachmittag <a href=\"http:\/\/www.ft.com\/cms\/s\/0\/f890566a-8f24-11e2-a39b-00144feabdc0.html\">setzte<\/a> Angela Merkel dem neuen zypriotischen Pr&auml;sidenten Nikos Anastasiades &ndash; ein konservativer Politiker, der mit Merkels Unterst&uuml;tzung im Wahlkampf vor wenigen Wochen seinen kommunistischen Vorg&auml;nger Christofias abl&ouml;sen konnte &ndash; die Pistole auf die Brust. ESM-Gelder g&auml;be es nur, wenn die Zyprioten ihre Sparer an den Kosten beteiligen. Anastasiades stimmte daraufhin einer &bdquo;moderaten&ldquo; Sondersteuer i.H.v. 3,5% auf Bankguthaben unter 100.000 Euro und 7,5% f&uuml;r Bankguthaben &uuml;ber 100.000 Euro zu. Wenn sich heute die Leitartikler konservativer Zeitungen dar&uuml;ber echauffieren, dass die Sondersteuer de facto den Einlagenschutz f&uuml;r Sparguthaben aushebeln w&uuml;rde, dann sollten sie auch Ross und Reiter beim Namen nennen. Die Idee, auch Kleinsparer zur Kassen zu beten, stammte offenbar von IWF-Chefin Christine Lagarde, wurde den Zyprioten jedoch von Angela Merkel aufgezwungen. <\/p><p><strong>Vorhang auf f&uuml;r Wolfgang Sch&auml;uble<\/strong><\/p><p>In den darauf folgenden Verhandlungen der Finanzminister ging es dann nicht mehr um die Frage, ob die Sparer beteiligt werden, sondern nur noch um die Frage, wer in welcher H&ouml;he zur Kasse gebeten wird. Nachdem die zypriotische Seite bereits grunds&auml;tzliche einer &bdquo;moderaten&ldquo; Beteiligung der Sparer zugestimmt hatte, nutzte nun Wolfgang Sch&auml;uble die Gunst der Stunde und setzte Anastasiades erneut die Pistole auf die Brust. Nun ging es nicht mehr um 3,5% bzw. 7,5%, sondern um die Gesamtsumme, die mit der Sondersteuer einzunehmen sei. Die sieben Milliarden Euro, die Sch&auml;uble festlegte, entsprechen jedoch fast dem Doppelten der zuvor als &bdquo;moderat&ldquo; titulierten Beteiligung. Anastasiades verlie&szlig; <a href=\"http:\/\/www.ft.com\/intl\/cms\/s\/0\/f890566a-8f24-11e2-a39b-00144feabdc0.html#axzz2NsJqpKti\">w&uuml;tend<\/a> den Raum und grollte, &bdquo;Ihr versucht uns kaputt zu machen&ldquo;. <\/p><p><strong>Vorhang auf f&uuml;r J&ouml;rg Asmussen<\/strong><\/p><p>Daraufhin betrat EZB-Vorstand J&ouml;rg Asmussen die B&uuml;hne[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] und machte den Zyprioten klar, dass die EZB im Falle eines Scheiterns der Gespr&auml;che bereits am Dienstag ihre Kreditlinien f&uuml;r die zweitgr&ouml;&szlig;te zypriotische Bank kappen w&uuml;rde, was dann unmittelbar zu einem Zusammenbruch des zypriotischen Bankensystems f&uuml;hren w&uuml;rde. Die zypriotische Regierung hatte keine Wahl &ndash; friss oder stirb. <\/p><p>Das schlussendlich ausgehandelte Ergebnis wirft jedoch kein gutes Licht auf den zypriotischen Pr&auml;sidenten. Die Beteiligung von Kleinsparern an der Sondersteuer war n&auml;mlich keine direkte Forderung der Deutschen, des IWF, der Eurogruppe oder der EZB. Gefordert war &bdquo;lediglich&ldquo;, dass Zypern sieben Milliarden Euro &uuml;ber diese Sondersteuer einzunehmen habe. Diese Summe w&auml;re auch ohne Probleme ohne eine Beteiligung der Kleinsparer erzielbar gewesen. Nach Berechnungen von <a href=\"http:\/\/ftalphaville.ft.com\/2013\/03\/18\/1426012\/the-cyprus-depositor-pain-distribution-ratio\/?\">Barclays Capital<\/a> h&auml;tte Zypern die sieben Milliarden Euro auch mit einer Sondersteuer erzielen k&ouml;nnen, bei der Bankguthaben unter 100.000 Euro &uuml;berhaupt nicht und Bankguthaben &uuml;ber 100.000 Euro mit 15,5% besteuert werden. <\/p><p>Es lag allein an Pr&auml;sident Anastasiades, ob er die Kleinsparer oder die &ndash; nicht selten russischen &ndash; Gro&szlig;sparer an den Kosten der Bankenrettung beteiligt. Anastasiades w&auml;re jedoch wohl kein waschechter Konservativer, der Merkels Wahlkampfhilfe in Anspruch genommen hat, wenn er sich f&uuml;r die Kleinsparer und gegen die Gro&szlig;sparer entschieden h&auml;tte. Ob er mit diesem Modell morgen die Zustimmung des Parlaments in Nikosia bekommt, steht jedoch in den Sternen. <\/p><p><strong>Warum eigentlich die Sparer?<\/strong><\/p><p>Selbst Marktliberale k&ouml;nnen nicht wirklich glauben, was beim &bdquo;Zypern-Gipfel&ldquo; da eigentlich verabschiedet wurde. In der Theorie sollten in F&auml;llen von Liquidit&auml;tsproblemen bei Banken stets zun&auml;chst die Aktion&auml;re, dann die Besitzer nachrangiger Anleihen, dann die Besitzer vorrangiger Anleihen (also die Gl&auml;ubiger) und erst ganz zuletzt die Einleger zur Kasse gebeten werden. Dies h&auml;tte im Falle Zypern aber selbst bei einer kompletten Enteignung und Abschreibung der Forderungen nicht das gew&uuml;nschte Ergebnis gebracht. Die Aktien der gr&ouml;&szlig;ten zypriotischen Bank (Bank of Cyprus) stehen momentan bei 20 Cent, die gesamte Bank ist somit rund 370 Mio. Euro wert. Die Aktien der zweitgr&ouml;&szlig;ten Bank (Cyprus Popular Bank) stehen bei vier Cent, die Bank ist 162 Mio. Euro wert. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Die beiden Banken, f&uuml;r die der ESM rund zehn Milliarden Euro locker machen soll, sind zusammen gerade einmal etwas mehr als eine halbe Milliarde Euro wert. Da bringt es dann auch nicht viel, die Eigent&uuml;mer zu beteiligen, da Aktion&auml;re grunds&auml;tzlich nicht nachschusspflichtig sind.<\/p><p>Im Vergleich zu anderen Banken haben die zypriotischen Banken auch kaum ausstehende Bankanleihen (egal ob nach- oder vorrangig). Summiert <a href=\"http:\/\/www.weitwinkelsubjektiv.com\/2013\/03\/17\/zypern-rettung\/\">sind dies<\/a> aktuell rund 1,7 Mrd. Euro. Selbst wann man die Besitzer und die privaten Gl&auml;ubiger komplett enteignen w&uuml;rde, k&auml;me man also gerade einmal auf 2,2 Mrd. Euro &ndash; weit weniger als Sch&auml;ubles Vorgabe i.H.v. sechs Milliarden Euro. <\/p><p><strong>Und was ist mit der Einlagensicherung?<\/strong><\/p><p>Auch wenn vor allem die zypriotischen Kleinsparer dies vermutlich anders sehen &ndash; grunds&auml;tzlich ist eine Sondersteuer auf Bankeinlagen nicht durch die Einlagensicherung abgedeckt. Die Einlagensicherung sch&uuml;tzt die Ersparnisse im Falle einer Insolvenz der betreffenden Bank. Die zypriotischen Banken sind jedoch (noch) nicht insolvent und die Gelder, die nun an den Staat abzuf&uuml;hren sind, werden &ndash; zumindest nach dem momentan kursierenden Gesetzesvorschlag &ndash; als Steuer deklariert. Ob ein Staat Bankeinlagen besteuern darf, ist eine Frage, die anhand der jeweiligen Landesverfassung zu kl&auml;ren ist. Grunds&auml;tzlich spricht jedoch wenig dagegen. Dies ist jedoch nur die juristische Seite. Nicht alles, was rechtlich m&ouml;glich ist, ist auch &ouml;konomisch sinnvoll. Und die zu verabschiedende Sondersteuer auf die zypriotischen Bankeinlagen ist &ouml;konomisch im allerh&ouml;chsten Ma&szlig;e sinnlos.<\/p><p><strong>Die Kapitalflucht kehrt zur&uuml;ck<\/strong><\/p><p>Keine Bank der Welt w&uuml;rde es &uuml;berleben, wenn ein Gro&szlig;teil der Kunden von heute auf morgen seine Einlagen abziehen w&uuml;rde. Ein solcher &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bank_Run\">Bank Run<\/a>&ldquo; ist der Albtraum jedes &Ouml;konomen. Wenn nun aber die akute Gefahr einer Sondersteuer auf Bankeinlagen zu einem bestimmten Zeitpunkt besteht, ist es verst&auml;ndlich, dass Bankkunden ihre Konten aufl&ouml;sen und\/oder ihr Geld an eine Bank in einem &bdquo;sicheren&ldquo; Land transferieren. Mit der zypriotischen Sondersteuer ist nun der Geist aus der Flasche. Viele Iren, Spanier, Portugiesen und Griechen werden sehr genau auf die Entwicklungen in Zypern schauen und &ndash; sofern sie es noch nicht getan haben &ndash; ihre Konten pl&uuml;ndern. Das Versprechen der &bdquo;Euroretter&ldquo;, dass die zypriotische Sondersteuer eine einmalige Ausnahme ist, ist keine Cent wert. <\/p><p>Es sind jedoch keinesfalls &bdquo;nur&ldquo; die Kleinsparer, die sich durch Sondersteuern auf Bankguthaben verunsichern lassen. Was f&uuml;r sie gilt, gilt in noch gr&ouml;&szlig;erem Ma&szlig;e f&uuml;r die Einlagen gro&szlig;er Unternehmen und Investoren. Ohne Not haben die &bdquo;Euroretter&ldquo; an diesem Wochenende die vermeintliche Rechtssicherheit von Bankeinlagen in der Eurozone au&szlig;er Kraft gesetzt. Wallstreet und Mayfair werden sich freuen und f&uuml;r &bdquo;dezente&ldquo; L&ouml;sungen haben nicht nur die Schweiz, sondern auch Hong Kong, Singapur, Liechtenstein und zahlreiche Inseln auf der ganzen Welt bereits ma&szlig;gefertigte Angebote parat. Das ist freilich nichts f&uuml;r Kleinsparer, aber um die geht es bei der gesamten Diskussion ja ohnehin nicht mehr, sind sie doch mittlerweile zur Verf&uuml;gungsmasse im internationalen Geldpoker verkommen.<\/p><p>Just zu einem Zeitpunkt, an dem die Kapitalflucht aus Spanien, Portugal, Griechenland und Irland endlich nachlie&szlig;, sorgen die &bdquo;Euroretter&ldquo; nun daf&uuml;r, dass sich dieser Trend wieder umkehren wird. Schon bald wird man diesen Trend anhand der Target-2-Salden pr&auml;zise nachverfolgen k&ouml;nnen. Die Banken der &bdquo;Probleml&auml;nder&ldquo; werden dadurch noch abh&auml;ngiger von der EZB und ben&ouml;tigen noch mehr Eigenkapital. Um sieben Milliarden Euro ESM-Gelder zu sparen, provozieren Merkel, Sch&auml;uble und Asmussen eine Situation, die dazu f&uuml;hren k&ouml;nnte, dass hunderte von Milliarden neuer ESM-Kredite f&auml;llig werden k&ouml;nnten, um das geflohene Geld zu ersetzen. Und die Banken in den sicheren H&auml;fen, zu denen auch Deutschland mit Abstrichen geh&ouml;rt, wissen &uuml;berhaupt nicht, wohin mit ihrem Geld, bricht ihnen mit der Konjunktur doch auch die Nachfrage f&uuml;r Kredite weg. Dieses Wochenende bedeutet eine weitere Z&auml;sur in der Eurokrise. Am Schlimmsten ist jedoch, dass diese Z&auml;sur ohne Not und offenbar nur aus parteipolitischen Gr&uuml;nden in Deutschland ausgel&ouml;st wurde.<\/p><p><strong>Was w&auml;ren die Alternativen?<\/strong><\/p><p>Zypern ist aufgrund seines gro&szlig;en Bankensektors eines der wenigen L&auml;nder, auf die man die isl&auml;ndische L&ouml;sung <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=13760\">&uuml;bertragen k&ouml;nnte<\/a>. W&uuml;rde man die zwei gro&szlig;en zypriotischen Banken geordnet abwickeln und die inl&auml;ndischen Gesch&auml;fte in zwei neue &bdquo;Good-Banks&ldquo; &uuml;berf&uuml;hren, w&auml;re das Bankensystem von heute auf morgen saniert. Der Preis daf&uuml;r w&auml;re jedoch hoch, da ausl&auml;ndische Investoren hohe Abschreibungen vornehmen m&uuml;ssten. Zypern ist hier jedoch sehr exponiert &ndash; beispielweise sind rund 50% der zypriotischen Stadt Limassol in russischer Hand. Die Vorteile einer geordneten Abwicklung k&ouml;nnten von den Nachteilen einer Kapitalflucht somit durchaus zunichte gemacht werden.<\/p><p>Schaut man sich die Bilanz des zypriotischen Bankensystems jedoch genau an, entdeckt man eine ganz andere m&ouml;gliche Finanzquelle. Hinter den Kundeneinlagen <a href=\"http:\/\/www.nakedcapitalism.com\/2013\/03\/will-cyprus-become-creditanstalt-2-0.html\">rangieren<\/a> die Verbindlichkeiten beim Zentralbanksystem bei zypriotischen Banken mit rund 30% der Bilanzsumme an zweiter Stelle. Was spr&auml;che dagegen, diese Forderungen in einen Sonderfonds auszulagern, der &ndash; zu vertraglich festgelegten Konditionen &ndash; in Zukunft vom zypriotischen Staat bedient wird? Die Forderungen der zypriotischen Zentralbank gegen das Bankensystem w&auml;ren dann aus der Bilanz der Banken verschwunden, eine Rekapitalisierung w&auml;re nicht mehr n&ouml;tig, die Banken k&ouml;nnten bereits morgen wieder Kredite vergeben und man k&ouml;nnte sich die Sondersteuer sparen.<\/p><p>Stattdessen h&auml;tte die zypriotische Zentralbank dann Forderungen gegen den Sonderfonds. Diese Forderungen k&ouml;nnte die Republik Zypern beispielsweise mit ihren k&uuml;nftig zu erwartenden Konzessionen aus der Erdgasf&ouml;rderung ab 2020 komplett bedienen. Ein vergleichbares Modell konnte erst vor wenigen Wochen die Republik Irland <a href=\"http:\/\/www.forbes.com\/sites\/karlwhelan\/2013\/02\/11\/irelands-promissory-note-deal\/\">durchsetzen<\/a>. Auch im Falle Irlands wurden zun&auml;chst schlimme Fehler gemacht, aus denen man jedoch offenbar gelernt hat. Leider &uuml;bertr&auml;gt man die Lehren aus der gescheiterten Irland-&bdquo;Rettung&ldquo; jedoch nicht auf das aktuelle Fallbeispiel Zypern. Der Schaden, den man damit anrichtet, k&ouml;nnte verheerend sein.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Anhang: Bericht von unserem Griechenland-Korrespondenten Niels Kadritzke:<\/p>\n<p>Aus: Kathemirini (Zypern) vom 16. 03. 2013:<br>\n&bdquo;Wie aus einer direkt beteiligten Quelle verlautet, kam es in der Sitzung der Eurogruppe morgens um 3 Uhr (also in den fr&uuml;hen Stunden des Samstags, NK) zu folgendem Dialog, mit dem die nackte Erpressung der europ&auml;ischen Seite vollends besiegelt wurde.<br>\nSarris (Zyperns Finanzminister) erkl&auml;rte vor der Eurogroup: Wir akzeptieren den &bdquo;Haircut&ldquo; bei den Einlagen (der zypriotischen Banken) nicht und reisen ab.<br>\nDaraufhin griff Asmussen zum Telefon und sagte (offenbar laut): &bdquo;Herr Pr&auml;sident (am anderen Ende war EZB-Chef Mario Dragi), bereitet euch bei der Bank auf den Zusammenbruch der zwei (gr&ouml;&szlig;ten) zypriotischen Banken vor.&ldquo;<br>\nZu diesem Zeitpunkt lag &ndash; im Einvernehmen mit IWF-Pr&auml;sidentin Christine Lagarde &ndash; die Bedingungen eines Haircut der Einlagen von 12,5 Prozent auf dem Verhandlungstisch. Pr&auml;sident Anastassiadis erkl&auml;rte gegen&uuml;ber seinen Gespr&auml;chspartnern &ndash; wie schon sein Finanzminister &ndash; er ziehe sich aus den Verhandlungen zur&uuml;ck, weil er den Schnitt von 12,5 Prozent nicht hinnehmen k&ouml;nne.<br>\nAls Anastassiadis von Sarris mitgeteilt bekam, welche Botschaft Asmussen an Dragi (in Sachen der zypriotischen Banken) abgesetzt hatte, kam nach einer Intervention von dritter Seite der Vorschlag &uuml;ber einen Haircut von 9,9 Prozent auf den Tisch. Zugleich best&auml;tigten Freunde Zyperns gegen&uuml;ber Anastassiadis, man werde sein Land f&uuml;r den Fall, dass er dieses letzte &sbquo;Zugest&auml;ndnis&lsquo; der Europ&auml;er nicht akzeptiere, bankrott gehen lassen, weil man den Fall Zypern f&uuml;r &bdquo;nicht systemrelevant&ldquo; halte.<\/p>\n<p>Angesichts dieser aktuellen Sachlage traf der zypriotische Pr&auml;sident die Entscheidung, den Zusammenbuch der Banken und den Staatsbankrott abzuwenden. Erst die Geschichte wird erweisen, ob die Europ&auml;er geblufft haben oder nicht. Kathimerini wurde jedoch aus glaubw&uuml;rdigen diplomatischen Quellen der EU versichert, dass diese &ndash; noch nie dagewesene &ndash; Drohung durchaus ernst gemeint war.<\/p>\n<p>Die hier &uuml;bermittelten internen Informationen sind nat&uuml;rlich nicht verifizierbar. Aber Kathimerini ist eine seri&ouml;se Zeitung und ihr Br&uuml;sseler Korrespondent Nikos Chrysoloras gilt als gut vernetzt. Sein Bericht wird im &uuml;brigen indirekt auch durch die Aussagen von Pr&auml;sident Anastassiadis best&auml;tigt, der bei seiner R&uuml;ckkehr aus Br&uuml;ssel von einem &bdquo;erstickendem Druck&ldquo; sprach, der auf die zypriotische Delegation ausge&uuml;bt wurde. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Beschl&uuml;sse bereits vorher feststanden, sodass er sich letztlich vor &bdquo;vollendete Tatsachen&ldquo; gestellt sah (Kathimerini\/Zypern vom 17.03.)<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/6ca1223bdd054fb9bb6695f83b7e475c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Die Sparer in Zypern zahlen. Damit l&ouml;st man die heutigen politischen Probleme Deutschlands auf Kosten k&uuml;nftiger &raquo;Bank Runs&laquo; in anderen Eurostaaten&ldquo;, so fasst der belgische &Ouml;konom Paul De Grauwe das Ergebnis des &bdquo;Rettungsgipfels&ldquo; am Wochenende kurz und knackig <a href=\"https:\/\/twitter.com\/pdegrauwe\/status\/313253265288622080\">zusammen<\/a>. 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