{"id":1657,"date":"2006-09-01T12:01:15","date_gmt":"2006-09-01T10:01:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1657"},"modified":"2016-01-28T11:15:58","modified_gmt":"2016-01-28T10:15:58","slug":"statistisches-bundesamt-arbeitskostenvergleich-und-die-mar-von-den-zu-hohen-lohnebenkosten-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1657","title":{"rendered":"Statistisches Bundesamt: Arbeitskostenvergleich und die M\u00e4r von den zu hohen Lohnebenkosten in Deutschland."},"content":{"rendered":"<p>Nach dem IW und dem IMK legt nun auch das Statistische Bundesamt einen <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/arbeitskosten_2004i.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/arbeitskosten_2004i.pdf\">Arbeitskostenvergleich [PDF &ndash; 846 KB]<\/a> vor. Wir haben zwar schon mehrfach dargelegt, dass f&uuml;r einen Vergleich der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit die Lohnst&uuml;ckkosten viel aussagekr&auml;ftiger sind, aber immerhin widersprechen die Daten der Wiesbadener Statistiker, sowohl der Legende dass die deutschen Arbeitskosten im internationalen Vergleich zu hoch seien und sie widerlegen auch die M&auml;r von den zu hohen Lohnnebenkosten. Dar&uuml;ber hinaus darf man auch mal fragen, woraus demn die Arbeitgeberpflichtbeitr&auml;ge alternativ bezahlt werden sollten, wenn nicht dann ausschlie&szlig;lich aus den L&ouml;hnen der Arbeitnehmer.<br>\n<!--more--><br>\nWie nicht anders zu erwarten liegen nach einem Vergleich des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/data\/pdf\/content\/trends03_06_3.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.iwkoeln.de\/data\/pdf\/content\/trends03_06_3.pdf\">deutschen Arbeitskosten mit am h&ouml;chsten [PDF &ndash; 85 KB]<\/a>, (<a href=\"?p=1504\">wir haben dar&uuml;ber berichtet<\/a>) , w&auml;hrend sie nach der Auswertung Eurostat-Statistik des eher arbeitnehmerorientierten Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) jedenfalls im privaten Sektor allenfalls im <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_11_2006.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_11_2006.pdf\">Mittelfeld liegen [PDF &ndash; 507 KB]<\/a>.<\/p><p>Jetzt hat auch das Statistische Bundesamt seine Zahlen ver&ouml;ffentlicht. Danach liegen die Arbeitkosten zwar im &bdquo;verarbeitenden Gewerbe&ldquo; 2004 hinter Belgien am h&ouml;chsten, im &bdquo;produzierenden Gewerbe und in den marktbestimmten Dienstleistungsbereichen&ldquo; aber allenfalls im Mittelfeld der westeurop&auml;ischen Staaten (siehe Grafiken S.20ff.). Interessant ist auch, dass ganz entgegen dem st&auml;ndigen Lamento der Wirtschaft die Arbeitskosten fl&auml;chendeckend mit 1,8 bis 2,1 Prozent von 2000 bis 2004 mit deutlichem Abstand zum EU-Durchschnitt (3,6 &ndash; 3,5) am geringsten angestiegen sind (Grafik S. 22). Kein Wunder also, die Binnennachfrage in Deutschland stagniert und deutlich geringer ist als bei unseren Nachbarn.<\/p><p>Wie wenig die Arbeitskosten &uuml;ber die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit aussagen, ergibt sich auch schon daraus, dass in den eher wenig exportorientierten kleinen Unternehmen mit 10 bis unter 50 Arbeitnehmern die Arbeitskosten mit 21,44 Euro je Arbeitsstunde nur 52% des Niveaus der Arbeitskosten der eher exportorientierten Unternehmen mit 1 000 und mehr Arbeitnehmern (37,37 Euro) erreichten. Im Jahr 2000 waren es 54%, 1992 noch 64%, <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2006\/p3550043.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pm2006\/p3550043.htm\">die Schere ging also auseinander<\/a>. (Herr Westerwelle kann sich also seine Polemik ersparen, wonach die Handwerkerstunde in Deutschland so hoch liege, dass man sie nicht mehr bezahlen k&ouml;nne.)<\/p><p>Offenbar der politischen Debatte nachgebend, besch&auml;ftigt sich das Statistische Bundesamt auch mit den sog. Lohnnebenkosten.<br>\nDanach zahlten im Jahr 2004 die Arbeitgeber im Produzierenden Gewerbe und in den marktbestimmten Dienstleistungs bereichen pro 100 Euro Bruttolohn und -gehalt im Durchschnitt zus&auml;tzlich gut 33 Euro Lohnnebenkosten. Davon entfielen 20 Euro auf die Arbeitgeberpflichtbeitr&auml;ge zur Sozialversicherung, 6 Euro auf die betriebliche Altersversorgung, knapp 3 Euro auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und im Mutterschutz, rund 2 Euro auf Kosten des Personalabbaus (?) sowie fast 3 Euro auf sonstige Lohnnebenkosten (das sind etwa das 13. Monatsgehalt oder Pr&auml;mien bei Erreichung von Leistungszielen).<\/p><p>Leider beschr&auml;nkt sich der internationale Vergleich auf unsere unmittelbaren Nachbarstaaten. In den Niederlanden liegen jedoch nach den Berechnungen des statistischen Bundesamtes die Lohnnebenkosten kaum niedriger als bei uns, n&auml;mlich bei 32 Euro. (Rechnet man die Kosten f&uuml;r den Personalabbau oder die sonstigen Lohnnebenkosten, die das Bundesamt einfach so dazu z&auml;hlt, ab, dann liegen bei uns diese Kosten sogar noch niedriger als bei unserem westlichen Nachbarland.)<\/p><p>Selbst im Billiglohnland Polen zahlten die Arbeitgeber 25 Euro Lohnnebenkosten zus&auml;tzlich zu je 100 Euro Bruttolohn. Die Arbeitgeberpflichtbeitr&auml;ge zur Sozialversicherung haben dort mit 18 Euro inzwischen ein &auml;hnliches Niveau wie in Deutschland. Vor allem die &ndash; nicht gesetzlich vorgeschriebene, also tarifvertraglich geregelte &ndash; betriebliche Altersversorgung spielt allerdings in Polen noch kaum eine Rolle und daraus ergibt sich im Wesentlichen die Diskrepanz zu Deutschland.<\/p><p>Die st&auml;ndige Dramatisierung der gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitgeberpflichtbeitr&auml;ge an den Lohnnebenkosten entpuppt sich jedenfalls wieder einmal als eine gezielt eingesetzte M&auml;r, um damit den Abbau von parit&auml;tisch finanzierten Sozialleistungen voranzutreiben.<\/p><p>Im &Uuml;brigen l&auml;sst auch das Statistische Bundesamt nat&uuml;rlich die Kernfrage unbeantwortet: Wenn nicht parit&auml;tisch finanziert, woraus sollten denn die Pflichtbeitr&auml;ge zu den Sozialversicherungen (also Rente, Krankheit, Arbeitslosigkeit), die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und im Mutterschutz anders bezahlt werden, als ohne Arbeitgeberanteil dann ausschlie&szlig;lich aus den L&ouml;hnen. Ohne Arbeitgeberanteil, m&uuml;ssten sie eben komplett aus der Lohnt&uuml;te der Arbeitnehmer finanziert werden. Und w&uuml;rden sich die Arbeitnehmer diese zus&auml;tzlichen Belastungen wieder &uuml;ber Forderungen nach entsprechend h&ouml;heren L&ouml;hnen zur&uuml;ckholen, dann w&auml;ren halt wieder die Arbeitskosten zu hoch. So bei&szlig;t sich dann die Katze in den Schwanz und das Erpressungsman&ouml;ver mit den zu hohen Arbeitskosten als Wettbewerbsnachteil beg&auml;nne von vorn.\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem IW und dem IMK legt nun auch das Statistische Bundesamt einen <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/arbeitskosten_2004i.pdf\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.destatis.de\/presse\/deutsch\/pk\/2006\/arbeitskosten_2004i.pdf\">Arbeitskostenvergleich [PDF &ndash; 846 KB]<\/a> vor. Wir haben zwar schon mehrfach dargelegt, dass f&uuml;r einen Vergleich der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit die Lohnst&uuml;ckkosten viel aussagekr&auml;ftiger sind, aber immerhin widersprechen die Daten der Wiesbadener Statistiker, sowohl der Legende dass die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1657\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,25,133],"tags":[405],"class_list":["post-1657","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-lohnnebenkosten","category-wichtige-wirtschaftsdaten","tag-statistisches-bundesamt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1657","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1657"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1657\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30651,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1657\/revisions\/30651"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1657"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1657"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1657"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}