{"id":16573,"date":"2013-03-19T09:26:23","date_gmt":"2013-03-19T08:26:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16573"},"modified":"2015-07-17T11:17:44","modified_gmt":"2015-07-17T09:17:44","slug":"unternehmen-universitat-wie-die-manageriale-revolution-die-akademische-forschung-und-lehre-verandert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16573","title":{"rendered":"Unternehmen Universit\u00e4t &#8211; Wie die manageriale Revolution die akademische Forschung und Lehre ver\u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p>Die unternehmerische Universit&auml;t entmachtet  die wissenschaftliche und die akademische Gemeinschaft und die Fachgesellschaften als Treuh&auml;nder des Erkenntnisfortschritts im inneren Kern der Wissenschaft und der Wissensvermittlung in ihrem Au&szlig;enverh&auml;ltnis zur Gesellschaft. Die kollektive Suche nach Erkenntnis als Kollektivgut und der kollektive Prozess der Bildung und des Wissenstransfers in die Gesellschaft in der Hand der wissenschaftlichen und der akademischen Gemeinschaft sowie der einzelnen Fachgesellschaften wird von der privatisierten Nutzung des Erkenntnisfortschritts, der Bildung und des Wissenstransfers durch unternehmerische Universit&auml;ten im Wettbewerb um Marktanteile abgel&ouml;st. Dieser grundlegende institutionelle Wandel bedroht die innere akademische Freiheit und unterwirft Bildung und Wissenstransfer &auml;u&szlig;eren Zwecken. Er bedeutet eine zunehmende Engf&uuml;hrung der Wissensevolution und die Schrumpfung des aus dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt resultierenden Erneuerungspotentials der Gesellschaft. Die Gleichschaltung aller Funktionsbereiche der Gesellschaft im Zuge der globalen Hegemonie des Marktparadigmas und der Umwandlung von Organisationen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben in Unternehmen ist ein Beweis daf&uuml;r, wie weit die Verarmung des Wissens in den Gesellschaftswissenschaften schon fortgeschritten ist.<br>\nVon <strong>Richard M&uuml;nch<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16573#foot_n\" name=\"note_n\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\nDie Selbststeuerung der Forschung und Lehre durch die wissenschaftliche Gemeinschaft, deren disziplin&auml;re Spezifizierung in der Treuh&auml;nderschaft der Fachgesellschaften und die akademische Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden in der Universit&auml;t bilden die institutionelle Grundlage f&uuml;r die funktionale Ausdifferenzierung der Wissenschaft in der Moderne. Diese funktionale Ausdifferenzierung der Wissenschaft hat einerseits das ungehinderte Vorantreiben des Erkenntnisfortschritts und andererseits die produktive Umsetzung von unverf&auml;lschtem wissenschaftlichem Wissen in der Gesellschaft erm&ouml;glicht. Es ist daran zu sehen, dass die funktionale Ausdifferenzierung der Wissenschaft und ihre Leistungsverflechtung mit der Gesellschaft auf h&ouml;chst singul&auml;ren institutionellen Bedingungen beruht, die sich keineswegs von selbst in einem evolution&auml;ren Prozess herausbilden. Sie sind in einem historischen Vorgang entstanden und k&ouml;nnen ebenso in einem historischen Prozess wieder verschwinden und einem anderen institutionellen Arrangement Platz machen.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p><strong>Wissenschaft als &ouml;konomischer Prozess<\/strong><br>\nEs gibt deutliche Zeichen daf&uuml;r, dass sich in der Gegenwart ein historischer Wandel der Wissenschaft vollzieht. Im Zentrum dieses Prozesses steht die Abl&ouml;sung der Treuh&auml;nderschaft der wissenschaftlichen und der akademischen Gemeinschaft sowie der Fachgesellschaften f&uuml;r den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt und dessen Verbreitung in der Gesellschaft durch einen Markt, auf dem unternehmerisch gef&uuml;hrte Universit&auml;ten miteinander um Wettbewerbsvorteile in der Attraktion von Forschungsgeldern, Wissenschaftlern und Studierenden konkurrieren.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Dieser Wettbewerb ist so angelegt, dass es Sieger und Besiegte geben muss. Darin unterscheidet sich der neue Wettbewerb zwischen unternehmerisch gef&uuml;hrten Universit&auml;ten grunds&auml;tzlich vom Wettbewerb der Forscher um Anerkennung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft. Die Forscher verstehen ihre Beitr&auml;ge zur Forschung als Erwiderung des Geschenks der Mitgliedschaft in dieser mit h&ouml;chster Ehre ausgestatteten Gemeinschaft. Sie forschen in kollektiver Anstrengung zwecks Erzeugung von neuem wissenschaftlichem Wissen als einem Kollektivgut.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] In diesem Wettbewerb der Forscher um Anerkennung gibt es keine Gewinner und keine Verlierer, weil jeder Erkenntnisfortschritt und die damit verbundene Ehre letztlich der gesamten wissenschaftlichen Gemeinschaft zugutekommt, an der jeder einzelne Forscher einen Anteil hat. Auch der am wenigsten erfolgreiche Forscher bekommt etwas von dem aus vielen Einzelleistungen zusammengesetzten Glanz einer ganzen Disziplin ab. Nat&uuml;rlich gibt es unterhalb dieser Illusio der wissenschaftlichen Praxis immer schon auch den Kampf um Prestige.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Er wurde jedoch von einer vitalen wissenschaftlichen Gemeinschaft in denjenigen Grenzen gehalten, die f&uuml;r eine kollegiale Zusammenarbeit noch zutr&auml;glich waren. Dieser Kollegialit&auml;t setzt die unternehmerische Universit&auml;t ein Ende.<\/p><p>Was bedeutet es aber, wenn die Wissenschaft in einen Markt umgestaltet wird, auf dem Universit&auml;ten um Markanteile konkurrieren? Das Neue ist zun&auml;chst, dass die Universit&auml;t einen Akteursstatus erh&auml;lt, den sie zuvor nicht hatte, und dass dieser Akteursstatus in Analogie zu Wirtschaftsunternehmen interpretiert wird.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Das Unternehmen Universit&auml;t muss demgem&auml;&szlig; mit analogen Mitteln des strategischen und operativen Managements gef&uuml;hrt werden. Zu diesem Zweck muss die Universit&auml;tsleitung das Heft in die Hand bekommen und nach strategischen Entscheidungen Ressourcen in erfolgversprechende Forschungs- und Lehrfelder investieren sowie aus weniger erfolgversprechenden Feldern abziehen. Was den strategischen Zielen im Wege steht, muss abgesto&szlig;en werden. In operativer Hinsicht muss sich die universit&auml;re Unternehmensf&uuml;hrung von den Fesseln der akademischen Selbstverwaltung befreien und sich einen Durchgriff in alle Abteilungen hinein verschaffen. &Uuml;ber die Einstellung eines Mitarbeiters an einem Lehrstuhl entscheidet deshalb nicht mehr der Lehrstuhlinhaber, sondern die Universit&auml;tsleitung. Der in eigener Verantwortung handelnde Professor wird zum Angestellten des Universit&auml;tsunternehmens degradiert. In diesem anscheinend unbedeutenden Schritt zeigt sich die ganze Tragweite der sich vollziehenden Machtverschiebung. Sie impliziert, dass nun ein Universit&auml;tsmanagement weit ab vom realen Geschehen von Forschung und Lehre das Heft in die Hand nimmt, nach global verbreiteten Rationalit&auml;tsmodellen &uuml;ber das strategische Gesch&auml;ft entscheidet und die Operationen kontrolliert. Der Professor muss sich nun sagen lassen, was zu tun ist, um zu punkten. Sein eigenes Wissen ist nur noch Rohmaterial, das es per R&uuml;ckmeldung in das &bdquo;moderne&ldquo; Wissensmanagement einzuspeisen gilt.<\/p><p>Per Gesetz wird den Universit&auml;ten eine Kosten- und Leistungsrechnung verordnet. Der ganze Betrieb wird einem von oben gesteuerten und &uuml;berwachten &bdquo;Prozess-Management&ldquo; unterworfen, bei dem das Endprodukt &ndash; der Student und der Wissensverwerter als zufriedener Kunde &ndash; vorgibt, was von der Universit&auml;tsleitung, &uuml;ber die Verwaltung bis zum einzelnen Lehrer\/Forscher getan werden muss, um ans Ziel zu gelangen. Von dieser managerialen Umgestaltung der Wissenschaft verspricht man sich messbare Effizienzgewinne, das hei&szlig;t mehr und tiefgreifendere wissenschaftliche Durchbr&uuml;che sowie reflektiertere und erfolgreichere Absolventen in k&uuml;rzerer Zeit. Es wird auf diese Weise ein klassisches professionelles T&auml;tigkeitsfeld einer externen Kontrolle unterworfen, das ein H&ouml;chstma&szlig; an grunds&auml;tzlich nicht messbarer, auf Abweichung von Standards zielender und nicht voraussagbarer Kreativit&auml;t verlangt und von einem kaum zu &uuml;bertreffenden Ma&szlig; an intrinsischer Motivation mit einem Arbeitseinsatz von gut 60 bis 80 Stunden in der Woche gepr&auml;gt ist.<\/p><p>Um diese Transformation der akademischen Lehre und Forschung zu vollenden, muss ein wachsender Kontrollapparat mit neuen Verwaltungsstellen aufgebaut werden, der die Forscher und Lehrer mit laufender Berichterstattung &uuml;ber ihr Tun in Atem h&auml;lt und f&uuml;r Forschung und Lehre keine Zeit l&auml;sst. Es w&auml;chst der Verwaltungsapparat und es schrumpfen Forschung und Lehre. Die versprochenen Effizienzgewinne k&ouml;nnen deshalb nicht als eine tragf&auml;hige soziologische Erkl&auml;rung daf&uuml;r dienen, dass sich die manageriale Umgestaltung von Forschung und Lehre so unaufhaltsam ausbreitet, wie es in der Gegenwart zu beobachten ist. Vielmehr bietet sich eine neoinstitutionalistische Erkl&auml;rung an.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Nachdem die Protagonisten von New Public Management mit weltweitem Erfolg zuerst einmal erz&auml;hlt haben, wie ineffizient &ouml;ffentliche Einrichtungen arbeiten und die Erfahrung aus der Praxis dieser Einrichtungen nicht mehr z&auml;hlt, herrscht totale Unsicherheit, die dadurch bew&auml;ltigt wird, dass man den Propheten der Effizienzsteigerung und damit der Herde folgt. Wenn das alles auch noch so viel kostet und mehr Effizienzverluste als &ndash;gewinne bringt, ist man in der Herde gut aufgehoben.<\/p><p>Aufw&auml;ndige Verfahren des Qualit&auml;tsmanagements m&uuml;ssen jetzt die &bdquo;Qualit&auml;t&ldquo; von Forschung und Lehre sichern.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Die Verwaltung ist nicht l&auml;nger Diener der Professoren, sondern operatives Kontrollorgan der Universit&auml;tsleitung. Sie betreibt nicht mehr &bdquo;altmodische&ldquo; Kameralistik und b&uuml;rokratische Aktenf&uuml;hrung nach Sachgebieten, sondern &bdquo;modernstes&ldquo; Prozessmanagement, gleichwohl in der &Uuml;bergangszeit noch mit altgedientem Personal, das mit seiner neuen Rolle noch nicht richtig zurechtkommt, in der Regel schlicht &uuml;berfordert ist. Weil die Umstellung von B&uuml;rokratie auf Prozessmanagement zun&auml;chst noch als Fassadenbau betrieben wird, gibt es f&uuml;r das wissenschaftliche Personal noch eine Atempause. Richtig treffen wird das neue Universit&auml;tsmanagement erst die n&auml;chste Generation von Wissenschaftlern.<\/p><p>Jetzt schon sichtbar wird aber die zunehmende Aufbl&auml;hung der Management- und Kontrollakte. Dazu kommt noch, dass alte Verwaltungst&auml;tigkeiten wie die F&uuml;hrung von Pr&uuml;fungsakten und die Buchf&uuml;hrung &uuml;ber eingenommene und ausgegebene Drittmittel und neue Aufgaben der Administration &ndash; wie die Dokumentation von Forschungs- und Lehrt&auml;tigkeit zwecks Kontrolle durch das Universit&auml;tsmanagement &ndash; den Lehrst&uuml;hlen aufgeb&uuml;rdet werden. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Sekretariate m&uuml;ssen einen zunehmenden Teil ihres Zeitbudgets f&uuml;r diese &bdquo;fortschrittliche&ldquo; Art der Administration verwenden. F&uuml;r Forschung und Lehre selbst bleibt immer weniger Zeit. Im Interesse der strategischen Positionierung ihrer Universit&auml;tsunternehmen m&uuml;ssen sie au&szlig;erdem einen wachsenden Aufwand der Initiierung, Beantragung, Koordination, Dokumentation, Vor-, Begleit- und Nachevaluation von Forschungsverb&uuml;nden betreiben und selbst regelm&auml;&szlig;ig als Gutachter an der Evaluation anderer Forschungsverb&uuml;nde teilnehmen.[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] Damit kann ein Professor mit Mitarbeitern Woche f&uuml;r Woche, Jahr f&uuml;r Jahr sein gesamtes Zeitbudget aufbrauchen. Umso mehr Mitarbeiter werden deshalb ben&ouml;tigt, damit &uuml;berhaupt noch geforscht, publiziert und gelehrt werden kann. Typischerweise will das neueste Programm der Forschungsf&ouml;rderung, die selbst diese totale Fesselung von Forschung und Lehre verursacht hat, einzelnen gl&uuml;cklichen Forschern eine Auszeit gew&auml;hren, z.B. an einem der neu geschaffenen Centres for Advanced Studies der neuen &bdquo;Exzellenz-Universit&auml;ten&ldquo;. Oder sie d&uuml;rfen sich in ein neu geschaffenes geisteswissenschaftliches Forschungszentrum zur&uuml;ckziehen. Gleichzeitig wird zur Kompensation dieses neuen akademischen Luxus eine wachsende Schar von habilitierten Ersatzlehrkr&auml;ften ben&ouml;tigt. Man forciert auf diese Weise die Trennung von Forschung und Lehre und entzieht der Wissenschaft eine wesentliche Ressource ihrer st&auml;ndigen Erneuerung. Die Geisteswissenschaften verlieren die Bodenhaftung in der akademischen Lehre und verirren sich in H&ouml;hen, zu denen die Studierenden keinen Zugang mehr finden. Letztere wandern deshalb gleich in die praxisorientierten Studieng&auml;nge ab. Die Geisteswissenschaften machen sich so f&uuml;r das normale Studium &uuml;berfl&uuml;ssig.[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p><strong>Akkumulation von Kapital<\/strong><\/p><p>Im strengen Sinn muss es unternehmerischen Universit&auml;ten in erster Linie um die Akkumulation von Kapital gehen. Sie investieren in Bildung und Forschung, um daraus Renditen zu erzielen, die wiederum in Bildung und Forschung flie&szlig;en k&ouml;nnen.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Erfolgreiche Unternehmen, wie die amerikanischen Privatuniversit&auml;ten, sind in der Lage, gr&ouml;&szlig;ere Teile ihres Kapitals in anderen Gesch&auml;ften z.B. in Finanzgesch&auml;ften, anzulegen, die h&ouml;here Renditen versprechen. Dass damit auch gr&ouml;&szlig;ere Risiken einhergehen, mussten sie im Gefolge der globalen Finanzkrise im Herbst 2008 erfahren. Sie haben schwere Verluste hinnehmen m&uuml;ssen. Das Gesch&auml;ft mit der Bildung und Forschung tr&auml;gt sich nicht direkt durch Studiengeb&uuml;hren und Patenteink&uuml;nfte, sondern indirekt durch die Steigerung des Prestigewertes der Universit&auml;t als Marke, der Staat, Stiftungen, Privatunternehmen und individuelle Sponsoren veranlasst, Geld zu geben. Dazu geh&ouml;ren umfangreiche Fundraising-Aktionen, um den Kapitalstock zu erh&ouml;hen. Es gilt, materielles Kapital (Geld) und symbolisches Kapital (Prestige) in einem zirkul&auml;ren Prozess zu akkumulieren.[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>] Neu mit einem Globalhaushalt in die Autonomie entlassene universit&auml;re Unternehmen verstehen das ihnen zur Verf&uuml;gung stehende Budget nicht mehr kameralistisch als einen Betrag, den man bis Jahresende zu verausgaben hat, um im folgenden Jahr vom Wissenschaftsministerium erneut mit einem Budget ausgestattet zu werden. Das Budget ist nun ihr Kapital bzw. ihr Kapitalstock, den es strategisch zum Zweck der Vermehrung des Kapitals zu investieren gilt. Unternehmerisch gef&uuml;hrte Universit&auml;ten m&uuml;ssen deshalb in erster Linie an T&auml;tigkeiten interessiert sein, die Geld einbringen, und zwar mehr als vorher verausgabt wurde. Die st&auml;ndige Erh&ouml;hung des verf&uuml;gbaren Kapitals muss Ziel jeder einzelnen Entscheidung sein. Um das zu erreichen, wirbt man um Sponsoren, die damit geehrt werden, dass die gestifteten Einrichtungen &ndash; Professuren, Bibliotheken, Geb&auml;ude, Forschungszentren &ndash; ihren Namen tragen. Man bem&uuml;ht sich um reputierte Forscher, die Drittmittel einwerben oder den Namen der Universit&auml;t durch viel beachtete Publikationen in die &Ouml;ffentlichkeit tragen, und man sucht Studierende, die selbst schon viel kulturelles Kapital mitbringen, um als erfolgreiche Absolventen die Universit&auml;t in den h&ouml;heren R&auml;ngen von Wissenschaft, Wirtschaft, Medien, Politik und Verwaltung zu repr&auml;sentieren.[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>] All das ist nur f&uuml;r solche Universit&auml;ten m&ouml;glich, die schon &uuml;ber die n&ouml;tige kritische Masse an materiellem (Geld, attraktive Lage) und symbolischem (Tradition, Reputation) Kapital verf&uuml;gen. Wer das nicht hat, kann an diesem Wettbewerb &uuml;berhaupt nicht teilnehmen.<\/p><p>Wird ein Studiengang als ein auf einem Markt zu ver&auml;u&szlig;erndes Produkt begriffen und werden Studierende nicht mehr als Teil einer akademischen Gemeinschaft betrachtet, in der sie in ihrer Rolle eine Mitverantwortung an der Gestaltung des Studiums tragen, sondern als Kunden, die es zu bedienen gilt, dann m&uuml;ssen Studieng&auml;nge durch Programme angereichert werden, die weit &uuml;ber die rein akademisch Lehre hinausgehen, z.B. durch ein umfangreiches Angebot an Sprach-, Kommunikations- und Trainingskursen zur Selbstvermarktung und durch einen attraktiven Service der Jobvermittlung an renommierte Arbeitgeber. All das verlangt Investitionen in Begleitprogramme, die der akademischen Lehre selbst entzogen werden m&uuml;ssen, wenn das Unternehmen nicht in Geld schwimmt.[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Die Erh&ouml;hung der Attraktivit&auml;t von Studieng&auml;ngen geht deshalb unter Bedingungen der Finanzknappheit &ndash; das hei&szlig;t im mittleren und unteren Preissegment &ndash; mit der Senkung ihrer wissenschaftlichen Qualit&auml;t einher. Der Wettbewerb um Studierende ist demnach ein &Uuml;berbietungswettbewerb, der das Studieren immer teurer macht. Das ist ganz nahe liegend, wenn Universit&auml;ten in Unternehmen umgewandelt werden. Unternehmen wollen Geld verdienen und erreichen das in der Regel dadurch, dass sie mit hohem Marketingaufwand die Bereitschaft von Ministerien, Sponsoren und Studierenden erzeugen, Geld in das Produkt zu investieren, weil sie sich davon selbst materielle (bessere Verdienstchancen) oder symbolische (h&ouml;here Reputation) Gewinne versprechen.<\/p><p>Daran ist zu erkennen, dass sich auf dem universit&auml;ren Bildungsmarkt &ndash; wie in den USA zu beobachten &ndash; eine Stratifikation in ein Premiumsegment der teuren Elitebildung, eine kosteng&uuml;nstigere standardisierte Ausbildung f&uuml;r die Mittelschichten und eine billige Notbildung f&uuml;r die neue Unterschicht herausbildet. Dabei wird der Markt f&uuml;r das Premiumsegment in den USA von den privaten Universit&auml;tsunternehmen mit exorbitant hohen Studiengeb&uuml;hren und nur noch wenigen konkurrenzf&auml;higen staatlichen Universit&auml;ten beherrscht, w&auml;hrend sich die gro&szlig;e Mehrheit der Staatsuniversit&auml;ten mit ihren lokalen Dependancen das Gesch&auml;ft mit der regionalen Mittelklasse teilt und die Communnity Colleges die unterste Bildungsschicht versorgen.<\/p><p>Auf diesem Bildungsmarkt entscheidet das verf&uuml;gbare materielle und symbolische Kapital dar&uuml;ber, in welchem Segment eine Universit&auml;t t&auml;tig ist. Von einem offenen Wettbewerb kann hier nicht wirklich die Rede sein. Lediglich die Privatuniversit&auml;ten und einige wenige staatliche Universit&auml;ten einzelner Bundesstaaten liefern sich einen harten &Uuml;berbietungswettbewerb durch luxuri&ouml;se Studienbedingungen und den Prestigewert ihrer Abschl&uuml;sse. Die lokalen Campuse der State Universities haben lange Zeit in der Regel als einzige Anbieter den regionalen Markt in ihrer unmittelbaren Umgebung, die Community Colleges einen lokalen Markt bedient. Dabei ergibt sich eine starke &Auml;hnlichkeit des Angebots im jeweiligen Segment. Profilbildung durch Spezialisierung findet infolge der segment&auml;ren und regionalen Aufteilung der Klientel nur sehr begrenzt statt. Von einer Differenzierung durch Wettbewerb kann deshalb nicht gesprochen werden. Die tats&auml;chliche Differenzierung bedeutet vielmehr eine segment&auml;re, regionale und lokale Beschr&auml;nkung des Wettbewerbs.<\/p><p>Seit den 1980er Jahren haben sich im mittleren Segment private Anbieter von berufsqualifizierenden Abschl&uuml;ssen deutlich vermehrt, die Bildung explizit als ein Gesch&auml;ft zwecks Erzielung von Renditen f&uuml;r beide Seiten &ndash; Anbieter wie Abnehmer &ndash; betreiben.[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Die Staatsuniversit&auml;ten sehen sich zum Mithalten gezwungen. Infolgedessen sind die eher allgemeinbildenden Programme der Humanities im Sinne eines Liberal Arts College und mit ihnen die Professoren der Humanities in den Staatsuniversit&auml;ten vom Aussterben bedroht, wie eine aktuelle Studie feststellt. Sie &uuml;berleben nur noch unter dem Schutzschild der mit<br>\nbesonderem Prestige versehenen Bachelorabschl&uuml;sse der reicheren Spitzenuniversit&auml;ten, das hei&szlig;t als Statusgut, aber nicht als Bildung f&uuml;r gute Staatsb&uuml;rger.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/p><p>Profilbildung soll aber auch durch die Konzentration auf besonders starke &ndash; in der Regel schon besser ausgestatte &ndash; F&auml;cher geschehen. Zu diesem Zweck soll das Universit&auml;tsmanagement schwach &bdquo;aufgestellte&ldquo; F&auml;cher schlie&szlig;en und schon starke F&auml;cher bzw. Teilgebiete in diesen F&auml;chern ausbauen, vor allem, wenn damit eine &bdquo;Alleinstellung&ldquo; erreicht wird. Dabei ist &bdquo;internationale Sichtbarkeit&ldquo; zum Ma&szlig; der Dinge geworden. Das l&auml;sst sich nur mit F&auml;chern erreichen, die schon weitgehend internationalisiert sind, so dass Fachkulturen und ihre Verwurzelung in nationalen Traditionen gar keine Rolle mehr spielen. Im Sog von Sonderforschungsbereichen und Exzellenzclustern erfolgt dann ein Ma&szlig; der Konzentration von Forschungsgebieten auf wenige Standorte, das den Wettbewerb ganz gegen die Begleitrhetorik gerade nicht bef&ouml;rdert, sondern beseitigt. An den dominanten Standorten wird mit sinkendem Grenznutzen immer mehr Forschungskapital angeh&auml;uft, w&auml;hrend der Rest der Standorte an Unterinvestition leidet und im Kampf um Sichtbarkeit untergeht.[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>] In den wenig internationalisierten Disziplinen &ndash; wie den Geisteswissenschaften &ndash; hat diese Strategie noch nicht einmal den Effekt, international einflussreicher zu werden. F&uuml;r das Studienangebot bedeutet diese Profilbildungsstrategie ein &Uuml;berangebot des Gleichen und einen Mangel an Vielfalt am Studienort. Als Unternehmen k&ouml;nnen Universit&auml;ten gar nicht mehr Universit&auml;ten im urspr&uuml;nglichen Wortsinn bleiben, vielmehr mutieren sie zu Spezialhochschulen mit eingeschr&auml;nktem Lehrangebot und Forschungsprofil. Nur die reichsten Universit&auml;ten sind kapitalkr&auml;ftig genug, um im symbolischen Kampf um Sichtbarkeit noch ein breiteres Spektrum an Studieng&auml;ngen und Forschungsprogrammen finanzieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Gewiss ben&ouml;tigt ein Fach oder ein Fachgebiet die jeweilige kritische Masse, um in Forschung und Lehre mithalten zu k&ouml;nnen. Bei welcher Ausstattung dieser Punkt erreicht ist, jenseits dessen jede weitere Investition mit einem sinkenden Grenznutzen verbunden ist, ergibt sich keineswegs von selbst aus dem Profilierungswettbewerb zwischen den Universit&auml;ten. Vielmehr tendiert dieser Wettbewerb unreguliert zur Konzentration von Forschungsmitteln auf wenige Zentren, gegebenenfalls nur auf ein Zentrum, weil sich der Wettbewerb als &Uuml;berbietungswettbewerb vollzieht, der nicht auf Effizienz, sondern auf Effektivit&auml;t im Aufbau symbolischer Macht in einem Feld zielt. Es obsiegt nicht die effizientere, sondern die durch Gr&ouml;&szlig;e und reichhaltigeres Kapital sichtbarere Institution. Es entwickelt sich eine Art von akademischem Kannibalismus, der vom alten Modell der Forschung und Lehre als Gabe f&uuml;r die wissenschaftliche und die akademische Gemeinschaft weit entfernt ist. Die reicheren Universit&auml;ten werben den &auml;rmeren die besten Forscher ab. Wer nicht reich ist, kann in dieser Ordnung des Kannibalismus nur durch extreme Spezialisierung auf ganz wenige F&auml;cher &uuml;berleben.<\/p><p><strong>Verlust der akademischen Freiheit, externe Instrumentalisierung der Wissenschaft<\/strong><\/p><p>Wie man sieht, ist das ein ganz anderer Wettbewerb, der zwischen universit&auml;ren Unternehmen ausgetragen wird, als es dem Wettbewerb der Forscher und Lehrer um Anerkennung durch die wissenschaftliche und die akademische Gemeinschaft entsprechen w&uuml;rde. Die Forscher und Lehrer sind nicht mehr selbst&auml;ndige Akteure in diesem Wettbewerb, sondern Humankapital, das von einem starken Universit&auml;tsmanagement investiert wird, um Rendite zu erzielen. &Uuml;ber das, was geforscht und gelehrt wird, muss deshalb das Universit&auml;tsmanagement entscheiden. Das kann nicht mehr den Forschern und Lehrern allein &uuml;berlassen bleiben, schon gar nicht der korporativen Selbstverwaltung der Universit&auml;t durch die Professoren. Die Folge davon ist, dass Studieng&auml;nge nicht nach ihrer von Fachgesellschaften treuh&auml;nderisch bestimmten sachlichen Notwendigkeit, sondern nach Marktg&auml;ngigkeit angeboten und deshalb von wissenschaftlichem Ballast befreit und um allerlei Begleitprogramme angereichert werden. Forschung findet in Forschungsverb&uuml;nden statt, die das Potential zur Akkumulation von umfangreichen Drittmitteln haben. Das hat zur Folge, dass trotz Profilbildungsrhetorik je nach &ouml;ffentlichem Interesse vielerorts versucht wird, gleichartige Zentren aufzubauen, die f&uuml;r &ouml;ffentliche und private Drittmittelgeber attraktiv erscheinen. Unter dem OECD-Regime der Mobilisierung von Bildung als Humankapital f&uuml;r zuk&uuml;nftiges Wirtschaftswachstum ist z.B. die Bildungsforschung zu einem solchen Renner geworden.[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>] Auf der Suche nach Kapitalgebern verfallen deshalb gleich alle Universit&auml;ten auf die Strategie, ihre alte Erziehungswissenschaft in empirische Bildungsforschung umzuwandeln. Es gibt dann von anderen Teilgebieten des Faches zu wenig und von einem Teilgebiet zu viel. Wenn man das Angebot an Studieng&auml;ngen ganz dem strategischen Management &uuml;berl&auml;sst und keine Fachgesellschaft dar&uuml;ber wacht, kann offensichtlich die Vielfalt des Angebots leicht dem Einheitsbrei modischer Str&ouml;mungen weichen.<\/p><p>Der H&ouml;hepunkt dieser &Ouml;konomisierung der Wissenschaft findet sich in der strategischen Verwertung von Forschungsergebnissen f&uuml;r Patente, deren Erl&ouml;se von den Universit&auml;ten zur Kapitalbildung genutzt werden. Das Tor zu dieser lukrativen Welt eines akademischen Kapitalismus hat in den USA 1980 der Bayh-Dole-Act ge&ouml;ffnet. Seitdem k&ouml;nnen Universit&auml;ten Patente verwerten, die aus Forschung resultieren, zu der vom Bund Zusch&uuml;sse beigesteuert wurden. Anschlie&szlig;end ist die Zahl der von Universit&auml;ten angemeldeten Patente sprunghaft angestiegen.[<a href=\"#foot_18\" name=\"note_18\">18<\/a>] Der deutsche Gesetzgeber hat gut ein Vierteljahrhundert sp&auml;ter nachgezogen und verspricht sich ein &auml;hnlich florierendes Gesch&auml;ft f&uuml;r die Universit&auml;ten. Das Neue daran ist die tendenzielle Umwandlung von wissenschaftlichem Wissen als Kollektivgut in ein privates Gut, dessen Ertr&auml;ge von dem universit&auml;ren Unternehmen, an dem es generiert wurde, exklusiv verwertet werden. Die Forscher m&uuml;ssen deshalb dem Verwertungsinteresse der Universit&auml;t den Vortritt vor der Erstver&ouml;ffentlichung ihrer Ergebnisse &uuml;berlassen. Sie selbst werden nur marginal an den Ertr&auml;gen beteiligt. Vor allem werden sie vom Status des Mitglieds der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf den Status eines Unternehmensmitarbeiters reduziert, der\/die das Unternehmensinteresse &uuml;ber das Wohl der wissenschaftlichen Gemeinschaft stellen muss.<\/p><p>Hier sieht man den entscheidenden Punkt des sich vollziehenden Wandels. Die wissenschaftliche Gemeinschaft und ihre Fachgesellschaften und die akademische Gemeinschaft werden entmachtet. An ihre Stelle tritt das universit&auml;re Unternehmen, das wissenschaftliches Wissen und akademische Bildung allein unter dem Gesichtspunkt betrachtet, welche Kapitalertr&auml;ge sich damit erwirtschaften lassen, einschlie&szlig;lich der Attrahierung von Sponsorengeldern, was durchaus auch geisteswissenschaftlichen Zentren zugutekommen kann. Die Voraussetzung daf&uuml;r sind Sponsoren, die daran ein ausdr&uuml;ckliches Interesse haben. Davon kann am ehesten die Pflege klassischer Disziplinen wie Arch&auml;ologie, Fr&uuml;h- und Kunstgeschichte profitieren. Die generelle Folge aber ist die Einschr&auml;nkung der akademischen Freiheit im Interesse der unternehmerischen Kapitalakkumulation im Innenverh&auml;ltnis der Wissenschaft und die Instrumentalisierung f&uuml;r externe Zwecke im Au&szlig;enverh&auml;ltnis. Die Universit&auml;t verliert die innere Freiheit und die &auml;u&szlig;ere Balance, die Talcott Parsons und Gerald M. Platt als eine Errungenschaft der amerikanischen Universit&auml;t im 20. Jahrhundert beschrieben haben.[<a href=\"#foot_19\" name=\"note_19\">19<\/a>] Die Forscher im inneren Kern sind nicht mehr Herr des Verfahrens, sondern verwertbares Humankapital. Die Professoren und Studierenden sind nicht mehr Teil einer akademischen Gemeinschaft, die autonom bestimmt, was es zu wissen gilt. Die einen werden zu Verk&auml;ufern, die anderen zu K&auml;ufern eines Bildungszertifikats, &uuml;ber dessen Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr der Sachwert, sondern der Prestigewert entscheidet. Die akademische Bildung in der Hand der akademischen Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden weicht einem segment&auml;r, regional und lokal differenzierten Bildungsmarkt.<\/p><p>Der Transfer des wissenschaftlichen Wissens in die Praxis verliert die Anbindung an die Grundlagenforschung, verselbst&auml;ndigt sich und ger&auml;t unter das Diktat der externen Verwertungsinteressen. Die Protagonisten dieses Wandels beschwichtigen Kritiker mit dem Hinweis, dass heute gar nicht mehr eindeutig zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung unterschieden werden k&ouml;nne, vielmehr beides in eins falle. Die Wissenschaftsforschung beschreibt diese Entwicklung als anscheinend zwangsl&auml;ufigen Prozess hin zum &bdquo;mode 2&ldquo; der Wissensproduktion.<\/p><p>Auch im Verh&auml;ltnis zur &Ouml;ffentlichkeit macht sich eine Instrumentalisierung der Wissenschaft f&uuml;r externe Zwecke bemerkbar.[<a href=\"#foot_20\" name=\"note_20\">20<\/a>] Auf der Suche nach Kapital und Leistungspunkten rei&szlig;en Wissenschaftler in der politischen Beratung die Trennz&auml;une zwischen Wissenschaft und Politik ein, indem sie im Interesse des politischen Erfolgs die Augen vor nichtintendierten Folgen ihrer Vorschl&auml;ge schlie&szlig;en. Zu beobachten ist das z.B., wenn &Ouml;konomen in Regierungskommissionen bei der Frage der Rentenreform nicht mehr nur beraten, sondern gezielt eine Strategie wie z.B. die hoch riskante Privatisierung der Altersvorsorge durchzusetzen versuchen und in der &Ouml;ffentlichkeit daf&uuml;r werben. Die dadurch erfolgende Korrumpierung des wissenschaftlichen Wissens findet ihren H&ouml;hepunkt darin, dass dieselben &Ouml;konomen Gutachten f&uuml;r die profitierenden Versicherungskonzerne verfassen und gegen Bezahlung Vortr&auml;ge vor deren Mitarbeitern halten. Auf derselben Linie liegt der Wechsel eines Wissenschaftlers in die Vorstandsr&auml;nge eines Finanzdienstleisters, nachdem er als Leiter einer Regierungskommission eine Rentenreform eingeleitet hat, von dem Finanzdienstleister erheblich profitieren, weil nun viele Millionen verunsicherte B&uuml;rger Beratung ben&ouml;tigen, wie sie ihr Geld in einer privaten Rentenversicherung anlegen sollen. Auch das ist &bdquo;mode 2&ldquo; der Wissensproduktion.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>Die unternehmerische Universit&auml;t entmachtet  die wissenschaftliche und die akademische Gemeinschaft und die Fachgesellschaften als Treuh&auml;nder des Erkenntnisfortschritts im inneren Kern der Wissenschaft und der Wissensvermittlung in ihrem Au&szlig;enverh&auml;ltnis zur Gesellschaft. Die kollektive Suche nach Erkenntnis als Kollektivgut und der kollektive Prozess der Bildung und des Wissenstransfers in die Gesellschaft in der Hand der wissenschaftlichen und der akademischen Gemeinschaft sowie der einzelnen Fachgesellschaften wird von der privatisierten Nutzung des Erkenntnisfortschritts, der Bildung und des Wissenstransfers durch unternehmerische Universit&auml;ten im Wettbewerb um Marktanteile abgel&ouml;st. Dieser grundlegende institutionelle Wandel bedroht die innere akademische Freiheit und unterwirft Bildung und Wissenstransfer &auml;u&szlig;eren Zwecken. Er bedeutet eine zunehmende Engf&uuml;hrung der Wissensevolution und die Schrumpfung des aus dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt resultierenden Erneuerungspotentials der Gesellschaft. Die Gleichschaltung aller Funktionsbereiche der Gesellschaft im Zuge der globalen Hegemonie des Marktparadigmas und der Umwandlung von Organisationen mit ganz unterschiedlichen Aufgaben in Unternehmen ist ein Beweis daf&uuml;r, wie weit die Verarmung des Wissens in den Gesellschaftswissenschaften schon fortgeschritten ist. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_n\" name=\"foot_n\">&laquo;*<\/a>] <strong>Richard M&uuml;nch<\/strong>, Professor f&uuml;r Soziologie an der Universit&auml;t Bamberg, hat uns diesen Beitrag zur Verf&uuml;gung gestellt.<br>\nEr ist erstmals erschienen in: Aus Politik und Zeitgeschichte 45\/209, 2. November 2009, S. 10-16.<br>\nSiehe auch Kapitel 2 des Buches &bdquo;Akademischer Kapitalismus &ndash; &Uuml;ber die politische &Ouml;konomie der Hochschulreform&ldquo;, 2011, edition suhrkamp 2633,<br>\nISBN: 978-3-518-12633-2<br>\n459 Seiten, 18,00 Euro<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Vgl. J. Ben-David, The Scientist&rsquo;s Role in Society, Englewood Cliffs, N.J. 1971; R. M&uuml;nch, Die Struktur der Moderne, Frankfurt a.M.: 1984\/1992, S. 200-260; N. Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt a.M. 1991; R. Stichweh, Der fr&uuml;hmoderne Staat und die europ&auml;ische Universit&auml;t, Frankfurt a.M. 1991.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Vgl. B. Clark, Creating Entrepreneurial Universities. Organizational Pathways of Transformation, Oxford und New York 1998.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Vgl. M. Mauss, Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften, Frankfurt a.M. 1968; R.K. Merton, The Normative Structure of Science, in: R.K. Merton, The Sociology of Science, Chicago 1973, S. 267-278.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Vgl. P. Bourdieu, Homo academicus, Frankfurt a.M. 1992.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Vgl. F. Meier, Die Universit&auml;t als Akteur, Wiesbaden 2009.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Vgl. J.W. Meyer und B. Rowan, Institutionalized Organizations. Formal Structure as Myth and Ceremony, in: American Journal of Sociology 83 (2), 1977, S. 55-77.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Vgl. M. Power, The Audit Society, Oxford 1997.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Vgl. K.P. Liessmann, Theorie der Unbildung. Die Irrt&uuml;mer der Wissensgesellschaft, M&uuml;nchen, Z&uuml;rich 2008, S. 88-103.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Vgl. F. Donoghue, The Last Professors. The Corporate University and the Fate of the Humanities, New York 2008.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Vgl. D. Bok, Universities in the Marketplace: The Commercialization of Higher Education. Princeton, N.J. 2003.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Vgl. R. M&uuml;nch, Globale Eliten, lokale Autorit&auml;ten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey &amp; Co., Frankfurt a.M. 2009, S. 148-164.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Vgl. J. Karabel, The Chosen. The Hidden History of Admission and Exclusion at Harvard, Yale, and Princeton. Boston 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Vgl. W.N. Espeland und M. Sauder, Rankings and Reactivity. How Public Measures Recreate Social Worlds, in: American Journal of Sociology 113(1), S. 1-40.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Vgl. G.A. Berg, Lessons from the Edge: For-Profit and Nontraditional Higher Education in America. Westport, CT 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Vgl. F. Donoghue, The Last Professors.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Vgl. R. M&uuml;nch, Die akademische Elite, Frankfurt a.M., S. 205-296.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Vgl. G.S. Becker, Human Capital, Chicago 1993.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_18\" name=\"foot_18\">&laquo;18<\/a>] Vgl. S. Slaughter und G. Leslie, Academic Capitalism: Politics, Policies and the Entrepreneurial University, Baltimore und London 1997; S. Slaughter und G. Rhoades, Academic Capitalism and the New Economy. Markets, State, and Higher Education, Baltimore und London 2004; J. Washburn, University Inc. The Corporate Corruption of Higher Education, New York 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_19\" name=\"foot_19\">&laquo;19<\/a>] Vgl. T. Parsons und G.M. Platt, Die amerikanische Universit&auml;t, Frankfurt a.M. 1990.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_20\" name=\"foot_20\">&laquo;20<\/a>] Vgl. P. Weingart, Die Stunde der Wahrheit. Zum Verh&auml;ltnis der Wissenschaft zu Politik, Wirtschaft und Medien in der Wissensgesellschaft, Weilerswist 2001.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unternehmerische Universit&auml;t entmachtet die wissenschaftliche und die akademische Gemeinschaft und die Fachgesellschaften als Treuh&auml;nder des Erkenntnisfortschritts im inneren Kern der Wissenschaft und der Wissensvermittlung in ihrem Au&szlig;enverh&auml;ltnis zur Gesellschaft. 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