{"id":1658,"date":"2006-09-01T12:04:56","date_gmt":"2006-09-01T10:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1658"},"modified":"2016-01-28T11:14:19","modified_gmt":"2016-01-28T10:14:19","slug":"kein-problembewusstsein-bei-phoenix-ua-bezuglich-pr-journalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1658","title":{"rendered":"Kein Problembewusstsein bei Phoenix u.a. bez\u00fcglich PR-Journalismus"},"content":{"rendered":"<p>Ein interessanter, nochmaliger Hinweis und Briefwechsel eines Freundes der NDS. Die Briefe von Phoenix sind ein &bdquo;dolles&ldquo; St&uuml;ck:<br>\nDonnerstag, 31.8. um 19:15 Uhr wiederholt Phoenix den Beitrag &raquo;Die ewige Rentenl&uuml;ge&laquo;, zwei weitere Termine zur Wiederholung sind im September vorgesehen (5. September 8:15 Uhr und 6. September 18:30 Uhr). In diesem Zusammenhang habe ich erneut an Phoenix geschrieben und darum gebeten, dass man doch darauf hinweisen m&ouml;ge, dass der in dem Beitrag immer wieder auftretende Prof. Dr. Meinhard Miegel Lobbyist der privaten Versicherungswirtschaft sei. Den Mailwechsel m&ouml;chte ich Ihnen nicht vorenthalten, zumal er einmal mehr zeigt, wie gering das Problembewusstsein bez&uuml;glich PR-Journalismus und unterschwelliger Beeinflussung der Zuschauer bei den Fernsehanstalten ist:<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Mein Anschreiben:<\/strong><\/p><p>U.E. 30.8.2006<\/p><blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>am morgigen Donnerstag wiederholen Sie um 19:15 Uhr den Beitrag &raquo;Die ewige Rentenl&uuml;ge&laquo; von Joachim Schr&ouml;der, in dessen Rahmen Prof. Meinhard Miegel als Rentenexperte vorgestellt wird, ohne seinen lobbyistischen Hintergrund bei dem Deutschen Institut f&uuml;r Altersvorsorge (DIA) zu erw&auml;hnen oder seine T&auml;tigkeit als Sprecher des B&uuml;rgerKonvents, der sich f&uuml;r neoliberale Reformen im Sinne der Arbeitgeberverb&auml;nde einsetzt.<\/p>\n<p>Der Autor Joachim Schr&ouml;der diskreditiert mit st&auml;ndiger Unterst&uuml;tzung Prof. Miegels die gesetzliche Rente. Zudem empfiehlt Miegel, wie gesagt Lobbyist der privaten Versicherungswirtschaft, eindringlich die Privatvorsorge und nennt sogar Prozents&auml;tze an Einkommen, die man vorsorgen soll.<\/p>\n<p>Wie ich Ihnen schon bei der letzten Ausstrahlung dieses Beitrags schrieb, halte ich es f&uuml;r hochproblematisch, dass hier im Gewande der Dokumentation ein Lobbyist eine Dreiviertelstunde lang eine Plattform erh&auml;lt, Werbung f&uuml;r die private Rentenvorsorge zu betreiben, dies mit einem scheinbar wissenschaftlichen Anstrich.<\/p>\n<p>Neben dem Sendetermin am morgigen Donnerstag um 19:15 Uhr planen Sie zwei weitere Ausstrahlungen dieses Beitrags am 5. September 2006 um 8:15 Uhr und am 6.<br>\nSeptember 2006 um 18:30 Uhr. Auch f&uuml;r diese Termine w&auml;re es angebracht, auf den Hintergrund Prof. Miegels als Lobbyist der privaten Versicherungswirtschaft hinzuweisen.<\/p>\n<p>Ich kann Ihnen diesen lobbyistischen Hintergrund Miegels belegen: <a href=\"http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/institut.htm\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/institut.htm\">http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/institut.htm<\/a><\/p>\n<p>Sie finden dort neben dem Hinweis, dass Prof. Dr. Meinhard Miegel wissenschaftlicher Berater ist, die Information, dass die Gesellschafter des Instituts f&uuml;r Altersvorsorge unter anderem die Deutsche Bank und der Deutsche Herold sind. Als Auftrag sieht sich das Institut in der Pflicht, das Bewusstsein f&uuml;r die Notwendigkeit von Privatvorsorge f&uuml;r die Alterssicherung zu st&auml;rken &ndash; angesichts des Umstandes, dass dort Anbieter von Altersvorsorgeprodukten Gesellschafter sind, eine eindeutige Lobbyt&auml;tigkeit.<\/p>\n<p>Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Mail darlegen, in welcher Weise dieser Beitrag &raquo;Die ewige Rentenl&uuml;ge&laquo; problematisch ist, und hoffe, dass Sie die dreifache Ausstrahlung dieses Beitrags kritisch &uuml;berdenken, zumindest aber die Zuschauer darauf hinweisen, aus welcher Ecke Prof. Dr. Miegel stammt.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<\/p>\n<p>Udo Ehrich<\/p><\/blockquote><p><strong>Die Antwort:<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrter Herr Ehrich,<\/p>\n<p>vielen Dank f&uuml;r Ihr Interesse am Sender PHOENIX und Ihre e-mail. Es ist kein Geheimnis, dass Herr Miegel in Berlin als Lobbyist t&auml;tig ist. Dies ist, glaube ich, in Deutschland nicht verboten.<\/p>\n<p>Die Dokumentation &ldquo;Die ewige Rentenl&uuml;ge&rdquo; haben wir von Joachim Schr&ouml;der vom Bayerischen Rundfunk &uuml;bernommen. <\/p>\n<p>Anfragen dazu, sowie Kritik und Anregungen wollen Sie deshalb bitte direkt an den Bayerischen Rundfunk senden unter: zuschauerservice@br-online.de oder Tel. 089\/3806-02 oder Bayerischer Rundfunk, Rundfunkplatz 1, 80335 M&uuml;nchen.<br>\nLeider liegen uns von Beitr&auml;gen, die wir von anderen Sendern &uuml;bernehmen, keine Detailinformationen vor.<\/p>\n<p>Die geplanten Sendetermine f&uuml;r diesen Beitrag werden wir einhalten.<\/p>\n<p>Mit freundlichem Gru&szlig;<br>\nMarlene K&uuml;nster<br>\nPHOENIX<br>\nZuschauerservice<\/p><\/blockquote><p><strong>Daraufhin habe ich noch einmal versucht, mein Problem mit dem Beitrag deutlich zu machen:<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrte Frau K&uuml;nster,<\/p>\n<p>zum einen teile ich Ihre Auffassung nicht, dass es in Deutschland allgemein bekannt ist, dass Prof. Miegel als Lobbyist der Versicherungswirtschaft t&auml;tig ist, zum anderen, selbst wenn es so w&auml;re, ist dies kein Grund, dies im Beitrag zu verschweigen.<\/p>\n<p>Problematisch ist diese Lobbyt&auml;tigkeit, wenn sie verdeckt stattfindet, so wie im Beitrag. Ich hatte auch schon mit dem Bayerischen Rundfunk diesbez&uuml;glich Kontakt und auch dort herrscht offensichtlich &uuml;berhaupt kein Bewusstsein daf&uuml;r, dass es problematisch ist, wenn ein Lobbyist in einem Fernsehbeitrag, der als Dokumentation ausgewiesen ist, seine Lobbyarbeit betreibt. Ich finde es da wenig hilfreich zu sagen, dass er doch in Berlin als Lobbyist bekannt, denn ich bin sicher, dass dies nur Leuten bekannt sich, die sich intensiver mit dieser Thematik befassen.<\/p>\n<p>Es ist ja auch gerade die Strategie des Lobbyismus im Rahmen von PR-Journalismus die Interessen, die hinter einem Beitrag stehen, zu verschleiern, und die vermeintliche Wissenschaftlichkeit herauszustreichen. Dies spielt sich auch in diesem Beitrag ab, und ich kann nur noch einmal meine Verwunderung dar&uuml;ber zum Ausdruck bringen, dass dies weder bei Ihnen noch beim Bayerischen Rundfunk als Problem betrachtet wird.<\/p>\n<p>Sicher, Lobbyismus ist nicht verboten in Deutschland, aber es ist auch nicht verboten, darauf hinzuweisen, und ich halte es schon f&uuml;r eine Sorgfaltspflicht von Journalismus, auch die m&ouml;glichen Interessen, die hinter einem Beitrag stehen, hervorzuheben, so dass der Zuschauer wei&szlig;, woher einem der politische Wind aus dem entsprechenden Beitrag um die Ohren weht.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<\/p>\n<p>Udo Ehrich<\/p><\/blockquote><p><strong>Erneut jedoch bestand die Frau vom Zuschauerservice von Phoenix darauf, da&szlig; Prof. Miegels Rolle bekannt sei:<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrter Herr Ehrich,<\/p>\n<p>danke f&uuml;r Ihre Antwort.<br>\nHerr Miegel &auml;u&szlig;ert sich zu einem Thema, dass er als Lobbyist betreut.<br>\nDies ist allgemein bekannt, zumal er ja auch in diversen Talkshows als solcher auftritt. Dass in diesem Beitrag eine verdeckte Lobbyt&auml;tigkeit stattfindet, unterstellen Sie dem Autor.<\/p>\n<p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en<br>\nMarlene K&uuml;nster<br>\nPHOENIX<br>\nZuschauerservice<\/p><\/blockquote><p><strong>Dass Prof. Miegel in zahlreichen Talkshows auftritt, ist nicht zu leugnen, nur wird er dort eben auch nicht als Lobbyist eingef&uuml;hrt, sondern in der Regel als Rentenexperte. Dies schrieb ich auch noch mal an den Zuschauerservice:<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrte Frau K&uuml;nster, <\/p>\n<p>vielen Dank f&uuml;r Ihre Antwort! <\/p>\n<p>Auch wenn Herr Miegel in Talk-Shows auftritt, wird er in der Regel als Rentenexperte und nicht als Vertreter der privaten Versicherungswirtschaft vorgestellt. Das sind zwei verschiedene Dinge!<\/p>\n<p>In dem Beitrag &raquo;Die ewige Rentenl&uuml;ge&laquo; wird, wie schon in meiner ersten Mail erw&auml;hnt, die gesetzliche Rente als gescheitert dargestellt, Norbert Bl&uuml;m bez&uuml;glich der Sicherheit der Rente L&uuml;ge vorgeworfen, und als Gipfel empfiehlt Prof. Miegel den um die 40j&auml;hrigen, mit etwa 8% ihres Einkommens privat vorzusorgen. Da Prof. Miegel zu keinem Zeitpunkt als Lobbyist der Versicherungswirtschaft vorgestellt wird, kann man dies doch eigentlich nur als verdeckte Lobbyarbeit bezeichnen, denn es wird ja in dem Beitrag nicht auf seine Verbindung zur privaten Versicherungswirtschaft hingewiesen. <\/p>\n<p>Man k&ouml;nnte ja dar&uuml;ber reden, wenn in diesem Beitrag auch andere Auffassungen zu Worte k&auml;men, was jedoch nicht der Fall ist. Insofern ist es eben ein problematischer Beitrag, der da im Gewande der Dokumentation einherkommt.<\/p>\n<p>Im &uuml;brigen verstehe ich auch nicht, was daran ein Problem sein soll, auf Miegels Verbindung mit der privaten Versicherungswirtschaft hinzuweisen, au&szlig;er eben, dass er dann nicht mehr als der neutrale, wissenschaftliche Rentenexperte auftreten kann, als der er im Beitrag dargestellt wird.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<\/p>\n<p>Udo Ehrich<\/p><\/blockquote><p><strong>Jedoch war der Zuschauerservice von Phoenix hier inzwischen am Ende der Argumente angekommen. Die Antwort:<\/strong><\/p><blockquote><p>Sehr geehrter Herr Ehrich, <\/p>\n<p>ich bitte Sie um Verst&auml;ndnis, dass PHOENIX den Beitrag nicht produziert hat. Alle Rechte liegen beim Bayerischen Rundfunk. Ich bitte Sie deshalb noch einmal, sich direkt mit dem Bayerischen Rundfunk oder dem Autor, Herrn Schr&ouml;der, in Verbindung zu setzen. Er kann Ihnen sicher am besten sagen, warum er diesen oder jenen in seinem Beitrag zu Wort kommen l&auml;sst oder nicht.<\/p>\n<p>Mit freundlichem Gru&szlig;<br>\nMarlene K&uuml;nster<br>\nPHOENIX<br>\nZuschauerservice<\/p><\/blockquote><p><strong>Daraufhin antwortete ich, dass doch nun der Sender Phoenix diesen Beitrag &raquo;Die ewige Rentenl&uuml;ge&laquo; bringe, und ob sich der Sender da nicht in der Pflicht sehe, noch einmal redaktionell &uuml;ber den Beitrag zu schauen, zumal doch Phoenix eine eigene Programmgestaltung habe, bekam jedoch hierauf keine Antwort mehr. Es kann jedoch auch sein, dass die Mail die Zuschauerredaktion erst nach Dienstschluss von Frau K&uuml;nster erreicht hat und die Antwort erst morgen kommt.<\/strong><\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<\/p><p>Udo Ehrich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein interessanter, nochmaliger Hinweis und Briefwechsel eines Freundes der NDS. 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