{"id":16601,"date":"2013-03-21T09:34:06","date_gmt":"2013-03-21T08:34:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16601"},"modified":"2015-07-22T09:29:59","modified_gmt":"2015-07-22T07:29:59","slug":"weltwassertag-einige-gute-gelegenheit-ihre-abgeordneten-auf-ihr-abstimmungsverhalten-zur-privatisierung-der-wasserversorgung-anzusprechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16601","title":{"rendered":"Weltwassertag \u2013 einige gute Gelegenheit Ihre Abgeordneten auf ihr Abstimmungsverhalten zur Privatisierung der Wasserversorgung anzusprechen"},"content":{"rendered":"<p>Am 22. M&auml;rz ist <a href=\"http:\/\/www.unesco.de\/wasserjahr2013.html\">Weltwassertag<\/a> und das Jahr 2013 ist <a href=\"http:\/\/www.unesco.de\/wasserjahr2013.html\">Weltwasserjahr<\/a>. Um der Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage der Menschheit Nachdruck zu verleihen, hat die UN-Vollversammlung 1992 dem Weltwassertag ausgerufen.<br>\nVor wenigen Tagen, am 28. Februar, fand im Deutschen Bundestag eine geradezu peinliche Debatte &uuml;ber eine EU-Dienstleistungskonzessions-Richtlinie statt, die der Privatisierung der Wasserversorgung in Europa eine Hintert&uuml;r &ouml;ffnen will und damit das Menschenrecht auf Wasser zum Objekt der Spekulation machen w&uuml;rde.<br>\nAm Weltwassertag werden Sie wieder einmal zahlreiche wunderbare Erkl&auml;rungen &uuml;ber die Bedeutung des Wassers und die hervorragende Wasserversorgung in Deutschland h&ouml;ren und lesen.<br>\nFragen Sie aber doch bei dieser Gelegenheit einmal bei Ihrem Abgeordneten an, warum er sich bei den Abstimmungen im Bundestag gegen das Menschenrecht auf Wasser und f&uuml;r eine Privatisierung der Wasserversorgung ausgesprochen hat. Nehmen Sie diesen Tag als Ansto&szlig; den Aufruf der der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative zu &bdquo;<a href=\"https:\/\/signature.right2water.eu\/oct-web-public\/?lang=de\">Wasser ist ein Menschenrecht<\/a>&ldquo; zu unterzeichnen. Von <strong>Christine Wicht<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDen Aufruf der Europ&auml;ischen B&uuml;rgerinitiative zu &bdquo;<a href=\"https:\/\/signature.right2water.eu\/oct-web-public\/?lang=de\">Wasser ist ein Menschenrecht<\/a>&ldquo; haben hierzulande mittlerweile mehr als eine Million Menschen unterst&uuml;tzt. Damit ist Deutschland in der Europ&auml;ischen Union absoluter Spitzenreiter. (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/130319_zu_wicht_wasser.pdf\">siehe aktuelle Aufstellung [PDF &ndash; 153.3 KB]<\/a>)<br>\nHintergrund f&uuml;r diese Petition ist eine vom EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier vorgelegte <a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/internal_market\/publicprocurement\/docs\/modernising_rules\/COM2011_897_de.pdf\">EU-Dienstleistungskonzessions-Richtlinie [PDF &ndash; 348 KB]<\/a>, in der <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/monitor\/sendungen\/2012\/1213\/wasser.php5\">im Kleingedruckten<\/a> einer europaweiten Privatisierung der Wasserversorgung eine <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15941\">Hintert&uuml;r<\/a> ge&ouml;ffnet werden soll. <\/p><p>Unter dem Eindruck des weitverbreiteten Protests ist der Binnenmarktkommissar Barnier inzwischen ein St&uuml;ck weit zur&uuml;ckgerudert. W&auml;hrend die EU-Kommission und der Binnenmarktausschuss des EU-Parlaments bislang eher nur rein kommunale Wasserbetriebe von der Ausschreibung ausnehmen wollten, soll jetzt auch die Wassersparte von Stadtwerken von der Ausschreibungsverpflichtung freigestellt werden. Voraussetzung ist allerdings, dass die Buchhaltung der Wassersparte v&ouml;llig von der Buchhaltung der Energiesparte getrennt wird, dass also zwischen Wassersparte einerseits und sowie dem Gas- und Strom-Gesch&auml;ft andererseits eine &bdquo;chinesische Mauer&ldquo; eingezogen wird. Damit sollen angeblich intransparente Geldfl&uuml;sse von der <a href=\"http:\/\/www.wasser-in-buergerhand.de\/nachrichten\/2013\/eu_dienstleistungsrichtlinie_barnier_lenkt_ein.htm\">Wassersparte ins Wettbewerbsgesch&auml;ft verhindert werden<\/a>.<br>\nNicht nur von den betroffenen kommunalen Wasserversorgern wird bezweifelt, ob damit dem von dem Europ&auml;ischen Kommission ausgehenden Privatisierungsdruck (auch auf die Strom- und Gasnetze) ein Riegel vorgeschoben wird. Aber das soll hier nicht diskutiert werden. <\/p><p>Hier soll vielmehr auf ein parteipolitisches Possenspiel um die Privatisierung der Wasserversorgung und die Frage des Menschenrechts auf Wasser im Deutschen Bundestag eingegangen werden:<\/p><p>Es war wohl die millionenfache Unterst&uuml;tzung der B&uuml;rgerinitiative &bdquo;Wasser ist Menschenrecht&ldquo;, die die Oppositionsparteien im Bundestag angesto&szlig;en hat, das Thema auf die Tagesordnung des Bundestages zu setzen. Die Fraktion der <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/123\/1712394.pdf\">Gr&uuml;nen hat am 20. Februar [PDF &ndash; 74.4 KB]<\/a> und <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/124\/1712482.pdf\">Linksfraktion am 26. Februar [PDF &ndash; 158 KB]<\/a> jeweils einen Antrag gestellt, in denen die Bundesregierung aufgefordert wird, das Br&uuml;sseler Wasserprivatisierungsvorhaben &bdquo;zu stoppen&ldquo; bzw. &bdquo;abzulehnen&ldquo;. Am 27. Februar gab auch noch die SPD-Fraktion eine Stellungnahme ab, in der die Bundesregierung aufgefordert wird, sich der Auffassung des Bundesrates anzuschlie&szlig;en, &bdquo;dass es keiner europ&auml;ischen <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/125\/1712519.pdf\">Rechtsetzung zur Vergabe von Dienstleistungskonzessionen bedarf und diese abzulehnen ist&ldquo; [PDF &ndash; 104 KB]<\/a>.<\/p><p>Am 28. Februar fand dann im Bundestag die Debatte &uuml;ber diese Antr&auml;ge statt. <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btp\/17\/17225.pdf#P.27973\">Gerade mal eine halbe Stunde war daf&uuml;r vorgesehen [PDF &ndash; 2.8 MB]<\/a>.<\/p><p>Dazu muss man wissen: Die Bundesregierung hatte zuvor (am 11. Dezember 2012) der EU-Richtlinie im EU-Ministerrat und in den entsprechenden Aussch&uuml;ssen zugestimmt und hat sich bisher auch &Auml;nderungen verweigert. Vor allem der FDP-Wirtschaftsminister war dabei die treibende Kraft. Doch auch die Kanzlerin hat sich in einem Schreiben an ver.di und den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft anfangs des Jahres grunds&auml;tzlich hinter den Vorschlag der Kommission gestellt. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/monitor\/sendungen\/2013\/0314\/wasser.php5\">Den Vorsto&szlig; der Europ&auml;ischen Kommission begr&uuml;&szlig;e ich grunds&auml;tzlich. Damit wird f&uuml;r Kommunen und Unternehmen ein verl&auml;sslicher Rechtsrahmen geschaffen<\/a>.&ldquo; <\/p><p>Die Gr&uuml;nen hatten in ihrem Antrag die Chuzpe, auf den Beschluss der CDU auf ihrem Parteitag vom November in Hannover Bezug zu nehmen. Dort hei&szlig;t es:<\/p><p>&bdquo;&bdquo;Dienstleistungskonzessionen ber&uuml;hren viele Leistungen der Daseinsvorsorge.<br>\nDies betrifft z. B. Wasserver- und -entsorgung, Rettungs- und Gesundheitsdienstleistungen und soziale Dienstleistungen. Diese Dienstleistungen werden sowohl aufgrund ihrer Art als auch ihres Umfangs zum gro&szlig;en Teil vor Ort und nicht grenz&uuml;berschreitend erbracht&hellip; Die im Entwurf vorgeschlagene europaweite Ausschreibungsverpflichtung w&uuml;rde nicht nur zu einer erheblichen Einschr&auml;nkung der kommunalen Selbstverwaltung und Handlungsspielr&auml;ume, sondern auch de facto zu einer Liberalisierung insbesondere der Wasserversorgung in Deutschland durch die Hintert&uuml;r f&uuml;hren und bew&auml;hrte, gewachsene Strukturen zerst&ouml;ren. Dies wird die CDU im Interesse der Menschen in Deutschland nicht zulassen&ldquo;, (<a href=\"http:\/\/www.hannover2012.cdu.de\/sites\/default\/files\/media\/121205-sonstige-beschluesse.pdf\">Beschluss C 86, S. 8 [PDF &ndash; 175 KB]<\/a>)<\/p><p>In Hannover hatte sich die Kanzlerin noch gegen die Richtlinie ausgesprochen. <\/p><p>Auch die CSU-gef&uuml;hrte Bayerische Landesregierung hat im Bundesrat gemeinsam mit Nordrhein-Westfalen eine Entschlie&szlig;ung gegen diese EU-Richtlinie in den Bundesrat eingebracht. <\/p><p>Der Sprecher f&uuml;r die Fraktionen von CDU und CSU Ulrich Lange hatte nun im Parlament die unangenehme Aufgabe die Antr&auml;ge zur&uuml;ckzuweisen.  Sie h&auml;tten &bdquo;populistischen Charakter&ldquo;. Lange schob die Verantwortung an &bdquo;die Technokraten&ldquo; nach Br&uuml;ssel ab. Aus Gr&uuml;nden des Subsidiarit&auml;tsprinzips sah er keinen Regelungsbedarf auf der europ&auml;ischen Ebene. Auch mit den &Auml;nderungen Barniers sei er &bdquo;nicht zufrieden&ldquo;. Wasser d&uuml;rfe nicht zum Spekulationsobjekt werden, hier h&ouml;re die Liberalisierung auf. Es gehe jetzt darum, dass wir versuchten, diese Dienstleistungskonzessionsrichtlinie in Br&uuml;ssel zu kippen oder wenigstens den sensiblen Bereich der Wasserversorgung aus der Richtlinie zu nehmen. &bdquo;Dazu stehen wir als CDU\/CSU, auch in dieser Deutlichkeit.&ldquo;<\/p><p>Der parlamentarische Staatsekret&auml;r im FDP-gef&uuml;hrten Wirtschaftsministerium, Hans-Joachim Otto, wies nat&uuml;rlich die Kritik an der Richtlinie zur&uuml;ck und behauptete, dass sich materiell an der Rechtslage nichts &auml;ndere sondern nur Rechtssicherheit geschaffen werde. Die Sorge von Gr&uuml;nen und SPD seien &bdquo;&uuml;bertrieben&ldquo;. Die Europ&auml;ische B&uuml;rgerinitiative wolle vielmehr das kommunale Selbstverwaltungsrecht beschr&auml;nken und die Kommunen zwingen die Wasserversorgung zu verstaatlichen. Es gebe aber keinerlei Erkenntnisse, dass die Qualit&auml;t oder der Preis von privaten Versorgern schlechter sei als die von &ouml;ffentlichen.<br>\nDie Kritiker f&uuml;hrten ideologische Kampagnen. <\/p><p>Die &bdquo;Ideologen&ldquo; sind f&uuml;r die FDP eben immer die anderen, die gegen eine Privatisierung der Wasserversorgung sind. <\/p><p>&Uuml;ber den Antrag der SPD wurde im Plenum abgestimmt. Zun&auml;chst stellte der Pr&auml;sident fest, dass dieser Antrag angenommen wurde. Die CDU\/CSU habe sich der Stimme enthalten und nur die FDP habe abgelehnt. Da gab es pl&ouml;tzlich Unruhe innerhalb der Unionsfraktion. Dann beantragte die CDU\/CSU eine Wiederholung der Abstimmung, der Antrag der SPD wurde nunmehr mit den Stimmen der Regierungsparteien abgelehnt. <\/p><p>&Uuml;ber die Antr&auml;ge der Gr&uuml;nen und der Linksfraktion gab es namentliche Abstimmungen. <\/p><p>Den Antrag der Gr&uuml;nen &bdquo;Keine Privatisierung der Wasserversorgung durch die Hintert&uuml;r&ldquo; haben 212 Mitglieder der CDU\/CSU-Fraktion abgelehnt, nur  Peter Gauweiler, Josef G&ouml;ppel, Peter Aumer, Alois Karl, Max Lehmer stimmten zu und es gab 6 Enthaltungen. Auch alle anwesenden Abgeordneten der SPD stimmten zu. Von der FDP haben sich zwei MdBs enthalten und ansonsten haben deren Fraktionsmitglieder den Antrag abgelehnt. <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/bundestag\/plenum\/abstimmung\/grafik\/index.jsp?id=212\">Die anwesenden Abgeordneten der Fraktion der Linken haben f&uuml;r den Antrag der Gr&uuml;nen gestimmt<\/a>. <\/p><p>Der CSU-Abgenordnete Johannes Singhammer antwortete auf die Frage eines Reporters von Monitor, warum nur f&uuml;nf Unions-Abgeordnete daf&uuml;r, 212 aber mit der FDP dagegen gestimmt haben: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/tv\/monitor\/sendungen\/2013\/0314\/wasser.php5\">Wir lassen uns als Union beim Einsatz f&uuml;r das Lebensmittel Nummer eins, das Trinkwasser, von den Gr&uuml;nen in keiner Weise &uuml;bertreffen<\/a>&ldquo;<br>\nWarum haben CDU\/CSU dann aber keinen Antrag eingebracht, in dem sie die Gr&uuml;nen bei ihrem Einsatz f&uuml;r das Trinkwasser h&auml;tten &uuml;bertreffen k&ouml;nnen?<\/p><p>Den Antrag der Fraktion der LINKEN &bdquo;Wasser ist Menschenrecht &ndash; Privatisierung verhindern&ldquo;<br>\nhaben 219 Abgeordnete der CDU\/CSU Fraktion und 79 von der FDP abgelehnt. Je zwei anwesende Abgeordnete der Regierungskoalition haben sich enthalten. Die SPD-Fraktionsmitglieder haben sich nahezu komplett enthalten. Nur die Anwesenden Mitglieder der Fraktionen der LINKEN und der Gr&uuml;nen haben zugestimmt http:\/\/www.bundestag.de\/bundestag\/plenum\/abstimmung\/grafik\/index.jsp?id=212.<\/p><p>Die Abstimmungsposse im Deutschen Bundestag hat in den Medien kaum eine Rolle gespielt. Die Redaktionen folgten wohl dem zynischen Rat, der Reichskanzler Otto von Bismarck zugeschrieben wird: &bdquo;Je weniger die Leute davon wissen, wie W&uuml;rste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie&ldquo;.<\/p><p>Wieder einmal hat sich gezeigt, dass die Regierungsparteien sich wie Marionetten ihrer Regierung verhalten. Obwohl es in der CDU einen Parteitagsbeschluss gibt und obwohl die CSU einen entsprechenden Antrag im Bundesrat eingebracht hat, haben die Parlamentarier der Unionsparteien gegen ihre eigene Meinung und gegen den Beschluss ihrer Partei gestimmt, weil es der FDP-Wirtschaftsminister verlangte. Wieder einmal stand die Koalitionsdisziplin &uuml;ber dem &bdquo;Gewissen&ldquo; der einzelnen Abgeordneten. Sie trinken eben lieber Wein und predigen gegen&uuml;ber den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern vom guten Wasser. <\/p><p>Bedauerlich ist weiter, dass die Oppositionsparteien SPD, Gr&uuml;ne und LINKE, obwohl in der Sache weitgehend einig, offenbar nicht in der Lage waren, sich auf einen einheitlichen Antrag gegen die Regierung zu verst&auml;ndigen. Die Gr&uuml;nen und die Linken stimmten immerhin einem Antrag der SPD zu und die SPD-Fraktionsmitglieder gaben auch noch dem  Antrag der Gr&uuml;nen ihre Stimme. Im Gegensatz zu den Gr&uuml;nen hatte die SPD aber nicht den Mut einem Antrag der Linksfraktion zuzustimmen; die Fraktionsmitglieder der SPD enthielten sich versch&auml;mt.<\/p><p>Solche parlamentarischen Gepl&auml;nkel sind umso bedenklicher als die vom Europ&auml;ischen Gewerkschaftsverband f&uuml;r den &Ouml;ffentlichen Dienst (EGO&#776;D) und dessen europa&#776;ischen Mitgliedsgewerkschaften (in Deutschland Verdi) und von vielen Gruppen und Organisationen der Zivilgesellschaft unterstu&#776;tzte B&uuml;rgerinitiative &bdquo;Wasser ist ein Menschenrecht&ldquo; bislang die erfolgreichste ihrer Art ist. &Uuml;ber 1,3 Millionen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger vor allem aus Deutschland, Belgien und &Ouml;sterreich haben diese Petition bisher unterzeichnet. Eine erste Wirkung hat sie schon erzielt. Der zust&auml;ndige EU-Kommissar ruderte ein St&uuml;ck zur&uuml;ck. Obwohl Stimmen aus mindestens sieben EU-L&auml;ndern ben&ouml;tigt werden, damit sich das EU-Parlament und die Kommission mit dem Anliegen besch&auml;ftigen m&uuml;ssen, werden die europ&auml;ischen Institutionen wohl kaum darum herumkommen sich weiter damit zu befassen. Die Initiative &bdquo;Right 2 Water&ldquo; strebt 2 Millionen Unterschriften an.<\/p><p>Damit w&uuml;rde jedenfalls mehr bewirkt, als durch Antr&auml;ge und Debatten im Bundestag, wo es nicht um die Sache, sondern parteipolitisch motivierte Machtspiele geht.<br>\nDeshalb nehmen Sie den Weltwassertag als Ansto&szlig; f&uuml;r Ihre Unterschrift.  <\/p><p><strong>P.S.: Kleiner Exkurs ins Br&uuml;sseler Lobbyistenlabyrinth<\/strong><br>\nDie Regeln der EU-Konzessionsrichtlinie greifen, wenn eine Kommune ihre kommunale Aufgaben durch die Vergabe einer Konzession an ein Privatunternehmen &uuml;bertr&auml;gt. W&uuml;rde die Konzessionsvergabe so belassen wie sie ist, w&uuml;rden <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3861\">keine neuen M&auml;rkte f&uuml;r global agierende Konzerne geschaffen<\/a>. Das federf&uuml;hrende Bundeswirtschaftsministerium unterst&uuml;tzt die Pl&auml;ne der EU-Kommission f&uuml;r die Richtlinie. Die EU-Kommission wird unterst&uuml;tzt von einem Sonderausschuss f&uuml;r Au&szlig;enhandelsfragen, dem sogenannten 133er-Ausschuss. Der Ausschuss tagt w&ouml;chentlich. Zugang zu den Sitzungen des Ausschusses haben au&szlig;er den Vertretern der Wirtschafts- und Handelsministerien auch Vertreter des European Services Forum (ESF) und der European Services Leaders Group (ESLG). Das ESF setzt sich aus Banken, Versicherungen und anderen Unternehmen des Dienstleistungssektors zusammen. In der ESLG sitzen mehr als vierzig Topmanager aus dem Bereich Energie. Mit dieser Pr&auml;senz der Lobbygruppen hat die export- und rohstoffinteressierte Wirtschaft einen entscheidenden Einfluss auf die europ&auml;ische Handelspolitik. Diese Vertreter der Wirtschaft haben naturgem&auml;&szlig; ein gro&szlig;es Interesse an der Liberalisierung und Privatisierung der Bereiche in L&auml;ndern, die noch in staatlicher Hand sind. Die Mitglieder des Europ&auml;ischen Parlaments haben keinen Zugang zu den Sitzungen. Die Lobbyistenvereinigungen in Br&uuml;ssel haben enormen Einfluss auf die EU-Politik. Beispielsweise empfahl 1993 der ERT der EU-Kommission, eine Europ&auml;ische Wettbewerbskommission (European Competitiveness Council) zu gr&uuml;nden, um die Wettbewerbsf&auml;higkeit als h&ouml;chste Priorit&auml;t auf die politische Agenda zu setzen. Dies war der Anfang der Lissabon-Strategie. Der European Round Table of Industrialists (ERT), an welchem 45 Vertreter der Europ&auml;ischen Konzerne vertreten sind, war an der Uruguay-Runde beteiligt. Damit die Industrie mehr Einfluss auf die GATS-Verhandlungen nehmen konnte, wurde seinerzeit auf Vorschlag des EU-Handelskommissars, Leon Brittan, 1998 ein europ&auml;isches Netzwerk gegr&uuml;ndet, das oben erw&auml;hnte European Services Forum (<a href=\"http:\/\/www.esf.be\/\">ESF<\/a>), dem 30 der gr&ouml;&szlig;ten europ&auml;ischen Konzerne, europ&auml;ische Dachverb&auml;nde wie Businesseurope (europ&auml;ischer Arbeitgeberverband) und 20 Unternehmen aus dem Servicesektor angeh&ouml;ren, u.a. Veolia. Ziel des ESF ist es die Liberalisierung der Dienstleistungsm&auml;rkte mit <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15980\">Hilfe von GATS weltweit voranzutreiben<\/a>. Beim Thema Wasser werden die politischen Kr&auml;fte offensichtlich. Entscheidungstr&auml;ger hierzulande versuchen gern ihre H&auml;nde in Unschuld zu waschen und verweisen auf Br&uuml;ssel, wenn unpopul&auml;re Entscheidungen anstehen gegen die angeblich nichts mehr unternommen werden k&ouml;nne. Dabei entscheidet der Ministerrat, in welchem die Fachminister der EU-Staaten abstimmen, so auch &uuml;ber die Konzessionsrichtlinie. Es gibt Abstimmungen, von welchen der B&uuml;rger nichts erf&auml;hrt, doch beim Thema Wasser sind die B&uuml;rger wachsam. Die Bundestagsreden und die Abstimmung &uuml;ber die Antr&auml;ge der Gr&uuml;nen und der Linken haben B&uuml;rger verfolgt, ihrer Aufmerksamkeit ist es zu verdanken, dass die namentliche Abstimmung und die Reden im Bundestag bekannt wurden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. M&auml;rz ist <a href=\"http:\/\/www.unesco.de\/wasserjahr2013.html\">Weltwassertag<\/a> und das Jahr 2013 ist <a href=\"http:\/\/www.unesco.de\/wasserjahr2013.html\">Weltwasserjahr<\/a>. Um der Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage der Menschheit Nachdruck zu verleihen, hat die UN-Vollversammlung 1992 dem Weltwassertag ausgerufen.<br \/> Vor wenigen Tagen, am 28. Februar, fand im Deutschen Bundestag eine geradezu peinliche Debatte &uuml;ber eine EU-Dienstleistungskonzessions-Richtlinie statt, die der Privatisierung der Wasserversorgung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16601\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,143,178,150],"tags":[305,335],"class_list":["post-16601","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","category-ressourcen","category-verbraucherschutz","tag-menschenrechte","tag-wasserversorgung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16601","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16601"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16601\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26889,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16601\/revisions\/26889"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16601"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16601"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16601"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}