{"id":16611,"date":"2013-03-21T14:03:47","date_gmt":"2013-03-21T13:03:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16611"},"modified":"2020-02-20T10:26:18","modified_gmt":"2020-02-20T09:26:18","slug":"eine-schmalspur-theorie-des-aufschwungs-fur-die-neuen-bundeslander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16611","title":{"rendered":"Eine \u201eSchmalspur\u201c-Theorie des \u201eAufschwungs\u201c f\u00fcr die Neuen Bundesl\u00e4nder"},"content":{"rendered":"<p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Ostdeutschland vor der wirtschaftlichen Renaissance?&ldquo; erschien vor Kurzem <a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\/artikel\/2013\/03\/ostdeutschland-vor-der-wirtschaftlichen-renaissance\/\">eine Studie<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\/autoren\/frank-bickenbach\/\">Frank Bickenbach<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\/autoren\/eckhardt-bode\/\">Eckhardt Bode<\/a>, &Ouml;konomen am Institut f&uuml;r Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Die Autoren argumentieren gegen die weit verbreitete These, dass sich nach 20 Jahren der deutschen Vereinigung das Ost-West-Gef&auml;lle in Deutschland verh&auml;rtet habe, ja dass das Gef&auml;lle sogar zunehme.<br>\nAus der Sicht einer neuen &ouml;konomischen Geographie (NEG) seien &ndash; so die beiden Autoren &ndash; die Perspektiven Ostdeutschlands dagegen gar nicht so d&uuml;ster. J&uuml;ngere theoretische Ans&auml;tze legten im Lichte der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland nahe, dass Ostdeutschland die wirtschaftliche Talsohle mittlerweile erreicht habe und in Zukunft wieder an Wirtschaftskraft gegen&uuml;ber Westdeutschland gewinnen werde. Karl Mai[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16611#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] lieferte uns dazu einen Kurzkommentar.<br>\n<!--more--><br>\nDie Popularisierung einer &bdquo;Neuen &ouml;konomischen Geografie&ldquo; (engl.: NEG) zwecks einer neuen Konstruktion eines &bdquo;Aufschwungs&ldquo; der Neuen Bundesl&auml;nder (NBL)  muss auf Skepsis, ja sogar Ablehnung sto&szlig;en &ndash; auch wenn sie deutschlandpolitisch durchaus willkommen w&auml;re. <\/p><p>Die schwache oder unzureichende methodologische Grundlage dieser interpretierenden Theorie-Konzeption l&auml;sst zu viele wirkungsm&auml;chtige Faktoren der ostdeutschen Gesamtrealit&auml;t au&szlig;er Betracht und wir daher m.E. nur eine  zeitbegrenzte Propaganda-Nutzenfunktion erreichen k&ouml;nnen. Die Popularisierer dieser Lesart der Entwicklung der NBL sind sich ihrer Sache auch durchaus nicht sicher, was man der folgenden Formulierung entnehmen kann: Durch &bdquo;einen Abbau der staatlichen Transfers nach Ostdeutschland [&hellip;] k&ouml;nnte die Westmigration wieder etwas zunehmen, wenn der weitere Fall der Mauer in den K&ouml;pfen [&hellip;] die Migrationsneigung erh&ouml;ht.&ldquo; Hier schimmert eine erkennbare Neigung von NEG-Theoretikern durch, die <em>Stimmung<\/em> in der NBL-Wohnbev&ouml;lkerung f&uuml;r die Migration verantwortlich zu machen &ndash; also vorwiegend psychologische Faktoren.<\/p><p>Auf welche Indikatoren st&uuml;tzt sich diese neue NEG? Dies sind vordergr&uuml;ndig das instabile Verh&auml;ltnis von &bdquo;Agglomeration&ldquo; und &bdquo;Dispersion&ldquo; der Wohnbev&ouml;lkerung. Darunter werden die Prozesse von &bdquo;Zusammenballung\/Verdichtung&ldquo; sowie &bdquo;Verd&uuml;nnung\/Zerstreuung&ldquo; im geografischen Raum verstanden. Diese Prozesse stellen jedoch im Grunde nur die Folgewirkungen oder Begleitumst&auml;nde der regional&ouml;konomischen Labilit&auml;t dar.  <\/p><p>Die NEG l&ouml;st sich damit von der prim&auml;ren &ouml;konomischen Realit&auml;t in den NBL ab und orientiert sich auf die indirekte Umschreibung von &bdquo;Agglomeration&ldquo; und &bdquo;Dispersion&ldquo; einer neuen Forschungsrichtung. &bdquo;Aus der Sicht der neuen &ouml;konomischen Geographie (NEG) sind die Perspektiven Ostdeutschlands dagegen gar nicht so d&uuml;ster (Bickenbach und Bode 2013). J&uuml;ngere theoretische Ans&auml;tze legen im Lichte der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland nahe, dass Ostdeutschland die wirtschaftliche Talsohle mittlerweile erreicht hat <em>und in Zukunft wieder an Wirtschaftskraft gegen&uuml;ber Westdeutschland gewinnen wird.&ldquo;<\/em> (Hervorhebung von K.M.)<\/p><p>Diese Vision ist gewagt, wenn man die regionalgeografische Leistung der NBL an ihrem zuk&uuml;nftigen Anteil am gesamtdeutschen BIP bemisst. Dieser Anteil kann nur relativ steigen, wenn die absolute Stundenproduktivit&auml;t in den NBL die westdeutsche absolute Stundenleistung in den vergleichbar gro&szlig;en Fl&auml;chenl&auml;ndern andauernd wenigstens f&uuml;r die Zeitperiode eines hypothetischen (Wieder-)Anstiegs &uuml;berholen k&ouml;nnte. <em>Ein solcher empirischer Befund liegt jedoch z. Z. nicht vor und ist auch auf real-&ouml;konomisch Sicht nicht prognostizierbar.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Karl Mai ist Diplomwirtschaftler in Halle an der Saale. Er besch&auml;ftigt sich seit vielen Jahren mit der &ouml;konomischen Entwicklung der Neuen Bundesl&auml;nder. 2012 hat er eine Sammlung seiner Streitschriften und Analysen der letzten 25 Jahren herausgegeben. &bdquo;Ausgew&auml;hlte Schriften&ldquo;, ver&ouml;ffentlicht als Privatdruck im September 2012.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Ostdeutschland vor der wirtschaftlichen Renaissance?&ldquo; erschien vor Kurzem <a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\/artikel\/2013\/03\/ostdeutschland-vor-der-wirtschaftlichen-renaissance\/\">eine Studie<\/a> von <a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\/autoren\/frank-bickenbach\/\">Frank Bickenbach<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\/autoren\/eckhardt-bode\/\">Eckhardt Bode<\/a>, &Ouml;konomen am Institut f&uuml;r Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Die Autoren argumentieren gegen die weit verbreitete These, dass sich nach 20 Jahren der deutschen Vereinigung das Ost-West-Gef&auml;lle in Deutschland verh&auml;rtet habe, ja dass das<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16611\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,129],"tags":[625,575,402],"class_list":["post-16611","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-lobbyorganisationen-und-interessengebundene-wissenschaft","tag-ifw","tag-ostdeutschland","tag-wachstum"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16611"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58657,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16611\/revisions\/58657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}