{"id":16641,"date":"2013-03-24T19:30:31","date_gmt":"2013-03-24T18:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16641"},"modified":"2015-07-22T10:23:02","modified_gmt":"2015-07-22T08:23:02","slug":"nachtrag-zur-verlogenen-emporung-uber-das-geschaftsmodell-zypern-erganzende-informationen-zum-fall-luxemburg-und-zum-unvernunftigen-zeitdruck-bei-der-notwendigen-konversion-der-finanzsektoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16641","title":{"rendered":"Nachtrag zur verlogenen Emp\u00f6rung \u00fcber das \u201eGesch\u00e4ftsmodell Zypern\u201c &#8211; Erg\u00e4nzende Informationen zum Fall Luxemburg und zum unvern\u00fcnftigen Zeitdruck bei der notwendigen Konversion der Finanzsektoren"},"content":{"rendered":"<p>Zu meinem Beitrag vom 21. M&auml;rz 2013 &bdquo;Emp&ouml;rung &uuml;ber das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16616\">&bdquo;Gesch&auml;ftsmodell Zypern&ldquo; &ndash; warum erst jetzt und warum nur bei Zypern?&ldquo;<\/a> erhielten wir zwei Mails von Niels Kadritzke. Sie erweitern die Informationen zum Verh&auml;ltnis des Finanzsektors Zypern zu Luxemburg zum Beispiel und gehen auf den zeitlichen Druck ein, der jetzt entgegen fr&uuml;heren Versprechungen und auch gegen alle Vernunft auf Zypern ausge&uuml;bt wird. Dabei geht es um die Frage, wie schnell ein Land den &uuml;berdimensionierten Finanzsektor abbauen, also konvertieren kann. Die Menschen, die bei Banken arbeiten, sind mehrheitlich nicht Investmentbanker mit Millionen-Verg&uuml;tungen. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDa Deutschland und die europ&auml;ische Union insgesamt den wahnsinnigen Ausbau des Gesch&auml;ftsmodells Finanzsektor incl. Steueroase bisher wohlwollend begleiteten, haben die Verantwortlichen auch eine Mitverantwortung bei der Begleitung des Umbruchs. Was der sich als Zuchtmeister aufspielende Sch&auml;uble dazu <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/euro-krise-schaeuble-kuendigt-haerte-gegen-zypern-an-a-890623.html\">von sich gibt<\/a>, soll offensichtlich nicht der Sache dienen, sondern dem Applaus im eigenen Land.<\/p><ol>\n<li><strong>Die erste Mail von Niels Kadritzke an AM:<\/strong>\n<p>&bdquo;Vorz&uuml;glich, dass du in der n&ouml;tigen Klarheit auf die double standards im Fall Zypern hingewiesen hast. Und genau so richtig ist nat&uuml;rlich, dass die EU bzw. Eurozone reichlich Zeit hatte, die suspekten Seiten des zypriotischen Banksektors aufzukl&auml;ren und den ganzen Laden durchzul&uuml;ften. Aber zum Zeitpunkt des Zypern-Beitritts war ja gerade die gro&szlig;e Mode, m&ouml;glichst geringe Steuerbelastungen f&uuml;r &ldquo;Anleger&rdquo; und m&ouml;glichst umfassende Deregulierungen f&uuml;r den gesamten Sektor zu bejubeln.<\/p>\n<p>Unter dem Aspekt des Kampfs gegen verd&auml;chtige Finanzgesch&auml;ft, bis hin zur eindeutigen. Geldw&auml;sche, w&auml;re es in der Tat viel wirksamer, den Laden Luxemburg genau so streng zu durchleuchten wie das offshore-Paradies Zypern. Und es ist gewiss kein Zufall, dass Luxemburg bei den Euro-Finanzministern eine der wenigen Stimmen gegen den Zypern-Beschluss war. Bei denen lautet das Verh&auml;ltnis von Finanzsektor zu BIP nicht 8:1 wie bei Zypern (und Malta), sondern 20:1. <\/p>\n<p>Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied: In Luxemburg machen ausl&auml;ndische Banken (und Filialen) &uuml;ber 90 Prozent des Finanzsektors aus, in Zypern dagegen nur 37 Prozent. Auf dem zypriotischen Finanzmarkt dominieren also zypriotische Banken (der Vergleich mit Luxemburg und anderen Euro-Staaten findet sich im statistischen Anhang einer Analyse von Konstantinos Stephanou in der Zeitschrift: CyprusEconomicPolica Review). Und das hei&szlig;t, dass dieselben Banken, denen die normalen B&uuml;rger ihre Einlagen anvertraut haben, sich als Finanzhafen oder Durchgangsstation f&uuml;r ausl&auml;ndische Anleger anbieten. Es ist diese hochgradige Vermischung, die beide gro&szlig;en Banken in Zypern in die faktische Insolvenz getrieben hat. Die w&auml;re fr&uuml;her oder sp&auml;ter sowieso eingetreten, wurde aber enorm beschleunigt durch die Auswirkungen des griechischen PSI (Verluste durch den haircut in H&ouml;he von mehr als 70 Prozent vom Februar 2012). Dabei haben die zypriotischen Banken dank ihrer Best&auml;nde an griechischen Staatsanleihen 4,5 Milliarden Euro eingeb&uuml;&szlig;t &ndash; ohne dass ihnen daf&uuml;r eine Rekapitalisierung aus dem EFSF geboten wurde, wie es bei den griechischen Banken der Fall war. &ndash; (Erg&auml;nzung zu diesem Thema und Luxemburg siehe unten unter 2.)<\/p>\n<p>Die Laiki Bank, die jetzt in eine goodbank und eine badbank aufgespalten wurde, war nur deshalb noch nicht bankrott, weil sie im Sommer 2012 quasi verstaatlicht wurde. Diese Bank war urspr&uuml;nglich, wie schon der Namen sagt, die Sparkasse des kleinen Mannes. Wenn sich so eine Bank &ndash; inzwischen l&auml;ngst von einer Investment-Gruppe &uuml;bernommen &ndash; als offshore-Institution anbietet und mit ausl&auml;ndischen Einlagen dann das gro&szlig;e Rad mitdrehen will,&nbsp; ist das nat&uuml;rlich &ldquo;systemisch&rdquo; weit bedenklicher, als wenn eine gro&szlig;e ausl&auml;ndische Bank &uuml;ber ihre Filiale auf dem Finanzplatz Luxemburg alle m&ouml;glichen mehr oder weniger grauen Gesch&auml;fte abwickelt, sich aber ansonsten nicht um Einlagen luxemburgischer B&uuml;rger bem&uuml;ht. Denn die Anlagen der Luxemburger sind damit nicht direkt gef&auml;hrdet.&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist also im Fall Zypern prinzipiell v&ouml;llig berechtigt, und im Interesse der &ldquo;kleinen&rdquo; Bankeinlagen, dieses unheilvolle Modell abwickeln zu wollen. Und die politische Klasse, die das in Zypern verhindern wollte, ist hochgradig mit dem Offshore-Banksektor verbandelt, z.B. als Rechtsanw&auml;lte, die viel Geld mit der juristischen Betreuung dieser Unternehmen machen. Nat&uuml;rlich waren es diese Leute (und nicht die Eurozonen-Minister, erst recht nicht der IMF &ndash; Anmerkung AM: So sicher bin ich da nicht), die die Guthaben unter 100 000 belasten wollten, weil sie die Sondersteuer f&uuml;r die ausl&auml;ndischen Anleger (&uuml;brigens nicht nur Russen, sondern auch Ukrainer, Polen, Engl&auml;nder und andere clevere Leute) unbedingt unter 10 Prozent halten wollten. In diesem einen Punkt hat Sch&auml;uble v&ouml;llig recht, obwohl das nicht erkl&auml;rt, warum sie nicht darauf bestanden haben, dass Einlagen bis &ndash; sagen wir &ndash; 50 000 Euro v&ouml;llig unbelastet bleiben (in anderen F&auml;llen k&uuml;mmern sie sich ja auch um h&ouml;chst kleinformatige Details!). <\/p>\n<p>Die Sauerei der EU-Partner ist also eine andere: Sie besteht darin, dass sie Zypern f&uuml;r die Halbierung des Sektors (also Schrumpfen auf den europ&auml;ischen Durchschnittswert von 3,5 im Verh&auml;ltnis Bankensektor zu BIP) eigentlich Zeit bis 2018 geben wollten, jetzt aber auf einmal das ganze Modell auf einen Schlag liquidieren wollen. Deshalb fiel der Anastasiades (= Pr&auml;sident Zyperns), der noch im Wahlkampf mit der Unterst&uuml;tzung aus Berlin und Br&uuml;ssel geworben hatte (obwohl das nicht wahlentscheidend war) aus allen Wolken. Er hatte sich auf die Abmachungen verlassen und sah sich vor einem Ultimatum, mit dem er nie gerechnet hatte. In diesem Punkt haben sogar die meisten Linken in Zypern (von denen es weniger gibt, als man sich w&uuml;nschen m&ouml;chte), ein ziemlich gro&szlig;es Mitleid mit diesem armen Wicht.<\/p><\/li>\n<li><strong>Erg&auml;nzende Mail von Niels Katritzke:<\/strong>\n<p><strong>Apropos Luxemburg\/Zypern:<br>\nDazu eine interessante Notiz aus der heutigen Sonntags-Kathimerini (24.03)<\/strong><br>\n(= in Griechenland erscheinende Zeitung)<\/p>\n<p>Ahead of a decisive Eurogroup meeting on Sunday evening, when it will be decided whether Cyprus can receive an EU-IMF bailout, eurozone members have given an indication of how split they are over how to deal with the island&rsquo;s economic problem.<\/p>\n<p>Cyprus has been told that it must reduce its banking sector to the EU average of 3.5 times the country&rsquo;s GDP and many within the eurozone have blamed the current crisis on the island&rsquo;s overblown financial sector.<\/p>\n<p>&ldquo;To all those who say that we are strangling an entire people &hellip; Cyprus is a casino economy that was on the brink of bankruptcy,&raquo; French Finance Minister Pierre Moscovici told Canal Plus television.<\/p>\n<p>However, Luxembourg, whose banking sector is more than 20 times the country&rsquo;s GDP, is critical of the way the eurozone has dealt with the Cypriot crisis.<\/p>\n<p>&ldquo;Some countries, such as my country and Cyprus also, have legally built something up over the past decades and you should not disparage that on principle,&rdquo; Luxembourg&rsquo;s Foreign Minister Jean Asselborn said at a meeting of EU foreign ministers in Dublin on Friday, according to German press agency DPA. <\/p>\n<p>&ldquo;There is no one who says that the automobile industry or the weapons industry are over-proportional in Germany,&rdquo; he added, saying that Berlin should watch out not to speak in a &ldquo;hurtful&rdquo; tone to fellow EU members.<\/p>\n<p><strong>AM:<\/strong> Die &Auml;u&szlig;erungen von Luxemburgs Au&szlig;enminister gibt es <a href=\"http:\/\/www.wort.lu\/de\/view\/luxemburg-warnt-deutschland-kleine-laender-nicht-verletzen-514d4db3e4b07ffad0c2eb32\">auf Deutsch<\/a>. Dies nachzulesen lohnt sich, wenn man die jetzige Diskussion und die Spannungen zwischen den Euro Staaten verstehen will. Den Unwillen des Luxemburger Au&szlig;enministers gegen&uuml;ber den Berliner Politikern verstehe ich. Diese haben jahrzehntelang jene L&auml;nder mit einem &uuml;berdimensionierten Finanzsektor nicht nur geduldet, sondern bewundert und selbst nach gro&szlig;en Finanzsektoren gestrebt. Siehe den Beitrag vom 21. M&auml;rz. &ndash; Des Au&szlig;enministers Hinweis auf die Gr&ouml;&szlig;e des deutschen Automobilsektors ist ziemlich abwegig, offensichtlich aus der Not geboren.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu meinem Beitrag vom 21. M&auml;rz 2013 &bdquo;Emp&ouml;rung &uuml;ber das <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16616\">&bdquo;Gesch&auml;ftsmodell Zypern&ldquo; &ndash; warum erst jetzt und warum nur bei Zypern?&ldquo;<\/a> erhielten wir zwei Mails von Niels Kadritzke. Sie erweitern die Informationen zum Verh&auml;ltnis des Finanzsektors Zypern zu Luxemburg zum Beispiel und gehen auf den zeitlichen Druck ein, der jetzt entgegen fr&uuml;heren Versprechungen und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16641\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,20,138],"tags":[241,293,1346],"class_list":["post-16641","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-landerberichte","category-steuerhinterziehungsteueroasensteuerflucht","tag-bankenrettung","tag-finanzwirtschaft","tag-zypern"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16641"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16641\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26892,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16641\/revisions\/26892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}