{"id":16648,"date":"2013-03-25T08:51:41","date_gmt":"2013-03-25T07:51:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16648"},"modified":"2015-07-22T10:27:09","modified_gmt":"2015-07-22T08:27:09","slug":"bundesprasident-a-d-horst-kohler-ohne-amt-mehr-verstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16648","title":{"rendered":"Bundespr\u00e4sident a.D. Horst K\u00f6hler \u2013 Ohne Amt mehr Verstand"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand&ldquo;, so lautet ein Sprichwort, das der gro&szlig;e deutsche Geschichtsphilosoph Hegel einen &bdquo;alten Scherz&ldquo; <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=H7NDAAAAcAAJ&amp;pg=PR16#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">bezeichnet hat<\/a>. Bei Horst K&ouml;hler scheint es umgekehrt zu sein. Ohne Amt zeigt er mehr Verstand als in seinen fr&uuml;heren &Auml;mtern, etwa als Finanzstaatssekret&auml;r und Sherpa von Bundeskanzler Kohl auf Wirtschaftsgipfeln, als <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=194\">Direktor des IWF<\/a> und zuletzt als Bundespr&auml;sident. In allen diesen &Auml;mtern war er ein Wegbereiter und eifriger Propagandist der neoliberalen Ideologie.<br>\nGeh&ouml;rt K&ouml;hler, nun, da er au&szlig;er Amt ist, zu den Konservativen wie <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/politics\/8655106\/Im-starting-to-think-that-the-Left-might-actually-be-right.html\">Charles Moore<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/buergerliche-werte-ich-beginne-zu-glauben-dass-die-linke-recht-hat-11106162.html\">Frank Schirrmacher<\/a>, die zu glauben beginnen, dass die Linke doch Recht hat?<br>\nIn einer Rede, gar noch vor dem Mitglieder-Forum einer <a href=\"http:\/\/www.vb-herrenberg-rottenburg.de\/mitglieder\/exklusiv-fuer-sie\/mitglieder-forum.html\">Volksbank<\/a> schlug er ganz andere T&ouml;ne an als in seinen fr&uuml;heren &Auml;mtern <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/130325_Koehler_Rede_Herrenberg.pdf\">[PDF der Rede &ndash; 113 KB]<\/a>. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nWir haben auf den NachDenkSeiten oft genug den Bundespr&auml;sidenten Horst K&ouml;hler wegen seiner politischen Haltung kritisiert. Schon in Zeiten der Gro&szlig;en Koalition haben wir ihn als &bdquo;schwarz-gelben Pr&auml;sidenten&ldquo; und als einen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=709\">&bdquo;Parteig&auml;nger der neoliberalen &acute;Reformer`&ldquo;<\/a> <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2864\">eingeordnet<\/a>, dem die Agenda-&bdquo;Reformen&ldquo; gar <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=3848\">nicht weit genug gehen konnten<\/a>.<\/p><p>Ist Horst K&ouml;hler nach seinem R&uuml;cktritt vom Amt vom Saulus zum Paulus geworden? Ist er eines Besseren belehrt worden?<\/p><p>In fr&uuml;heren Zeiten w&auml;re ihm jedenfalls schon der Name nicht &uuml;ber die Lippen gekommen, es w&auml;re geradezu so gewesen, als h&auml;tte er den Teufel angerufen. Aber jetzt: K&ouml;hler zitiert in der Einleitung seines Referat eine leibhaftige Sozialistin, Sahra Wagenknecht: <\/p><blockquote><p>&bdquo;In der ersten Ausgabe des Heftes DER SPIEGEL in diesem Jahr reklamiert Frau Wagenknecht von der Partei &ldquo;Die Linke&rdquo; das Ideengut des Ordoliberalismus. Sie wissen: Das Stichwort Ordoliberalismus benennt Erkenntnisse, die in der Politik von Ludwig Erhard ein zentrales R&uuml;stzeug f&uuml;r die Soziale Marktwirtschaft waren. Frau Wagenknecht verkn&uuml;pft dieses Ideengut nun mit Forderungen nach einer radikalen wirtschafts-, finanz- und sozialpolitischen Wende. Sie sagt S&auml;tze wie: &ldquo;Der damalige Neoliberalismus war das Gegenteil des stumpfsinnigen Glaubens an den Segen deregulierter M&auml;rkte, den man heute mit diesem Begriff verkn&uuml;pft. &Ouml;konomen wie Wilhelm R&ouml;pke, Walter Eucken und Alfred M&uuml;ller-Armack waren &uuml;berzeugt, dass der Markt nicht alles richten kann, der Staat muss die Regeln und den Ordnungsrahmen setzen.&rdquo; Ich glaube, die meisten von uns teilen diese &Uuml;berzeugung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Dann beklagt K&ouml;hler die Lobbyarbeit der Banken und die Zerst&ouml;rung, die von den Finanzm&auml;rkten auf Wohlstand und Demokratie ausgehe:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Nun, zehn Tage nach dem Interview von Frau Wagenknecht hie&szlig; es im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der &Uuml;berschrift &ldquo;Bankenaufseher knicken ein&rdquo;, die in Basel verhandelten Standards zur Regulierung der Kreditwirtschaft w&uuml;rden dank erfolgreicher Lobbyarbeit der Banken zusehends verw&auml;ssert und aufgeweicht&hellip;<br>\nDie Zerst&ouml;rung, die von den Finanzm&auml;rkten ausgegangen ist und weiter auszugehen droht, wenn das Ziel einer wirksameren Regulierung verfehlt wird, sie bedroht die k&uuml;nftige Prosperit&auml;t des Westens und seine demokratische Legitimit&auml;t.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>K&ouml;hler, der noch zu Beginn seiner Amtszeit als Bundespr&auml;sident das hohe Lied auf &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=492\">gesungen hat<\/a>, wird pl&ouml;tzlich zum fundamentalen Kritiker der herrschenden &bdquo;Theorie&ldquo;. Vielleicht stimmt ja F.W. Bernsteins Spruch doch: &bdquo;Die sch&auml;rfsten Kritiker der Elche, waren fr&uuml;her selber welche&ldquo;:  <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir leben aber m&ouml;glicherweise nicht zuletzt deshalb heute in so unruhig-interessanten Zeiten, weil wir die vergangenen zehn, zwanzig Jahre ohne die Sehhilfe der Theorie verbracht haben oder mit den falschen Theorien, zum Beispiel mit der Theorie, dass man die M&auml;rkte und besonders den Finanzmarkt am besten sich selbst &uuml;berlasse, weil der freie Wettbewerb und die &ouml;konomische Rationalit&auml;t der Marktteilnehmer schon f&uuml;r ausreichende Transparenz und Kontrolle sorgen w&uuml;rden&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Altbundespr&auml;sident kritisiert die &bdquo;Sonderinteressengruppen&ldquo;, die nur ein gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ck vom Kuchen abhaben wollen und die den Staat zum Diener ihrer Interessen machen: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Kleine Sonderinteressengruppen bilden sich leicht und sind aktiv, weil ihre Mitglieder daf&uuml;r starke &ouml;konomische Anreize haben. Das Handeln von Sonderinteressengruppen vermindert das gesellschaftliche Gesamteinkommen, weil solche Gruppen vor allem auf den eigenen Vorteil bedacht sind und diesen Vorteil auch dann verfolgen, wenn er gesamtgesellschaftlich hohe Kosten verursacht. Sie streben nicht danach, die gesamte Gesellschaft produktiver zu machen &ndash; das rechnet sich nicht, weil die Anstrengung die Gruppe zu viel kosten w&uuml;rde und der Anteil der Gruppe an einer produktiveren Gesamtgesellschaft verschwindend gering w&auml;re &ndash; sondern diese Gruppen streben danach, exklusiv f&uuml;r ihre Mitglieder einen gr&ouml;&szlig;eren Anteil an der Produktion der Gesellschaft zu erlangen. Ihre zentrale Absicht ist es also nicht, den Kuchen zu vergr&ouml;&szlig;ern, sie wollen &ldquo;nur&rdquo; ein gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ck davon. Sie suchen daf&uuml;r h&auml;ufig eine Symbiose mit den Inhabern der politischen Macht &ndash; man trifft sich in der Parlamentslobby, und nicht nur dort. Sie nutzen die Komplexit&auml;t und Un&uuml;bersichtlichkeit unserer modernen Lebensverh&auml;ltnisse, um zum Beispiel im Regelungsdickicht ihre Sonderinteressen zu verfolgen oder gar selber an der staatlichen Regulierung mitzuwirken, wie das derzeit ja auch die Banken und die gro&szlig;en Wirtschaftskanzleien tun. Ihre Lobby-T&auml;tigkeit erh&ouml;ht die Komplexit&auml;t der Regulierung, verringert aber nicht unbedingt die Zahl der Schlupfl&ouml;cher und Umgehungsm&ouml;glichkeiten.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Er beklagt die Ohnmacht der B&uuml;rger und das Versagen der Medien: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die special interest groups nutzen au&szlig;erdem den Umstand aus, dass es f&uuml;r die Masse der &ldquo;Normalb&uuml;rger&rdquo; &ouml;konomisch rational ist, sich wenig &uuml;ber politische und &ouml;ffentliche Angelegenheiten zu informieren und wenig &uuml;ber sie nachzudenken. Denn selbst wenn sie das unter betr&auml;chtlichem Zeitaufwand t&auml;ten, k&ouml;nnten sie als relativ schwache einzelne an den herrschenden Verh&auml;ltnissen selbst bei gr&ouml;&szlig;ter Anstrengung kaum etwas &auml;ndern; und selbst wenn ihnen das doch gel&auml;nge, dann w&uuml;rden sie von verbesserten allgemeinen Verh&auml;ltnissen als einzelne nur wenig profitieren. Also verharrt die breite Mehrheit der B&uuml;rger in &ldquo;rationaler Ignoranz&rdquo;, &hellip; und also haben wir auch zu wichtigen politischen Fragen Medien, die mehr der Unterhaltung dienen als der Information&hellip;<\/p>\n<p>Sonderinteressengruppen m&uuml;ssen nicht besonders sichtbar organisiert sein, mit Wappen am Sakko und Stammtischglocke. Man kennt sich, man hilft sich, das reicht&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>K&ouml;hler beschreibt die Zerst&ouml;rungskraft und das kriminelle Zusammenspiel der Akteure auf den Finanzm&auml;rkten sowie den &bdquo;Dreht&uuml;reffekt&ldquo; zu Lasten der Nationen und der Allgemeinheit: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn wir die Banken-, Finanz-, und Staatsschuldenkrise mit dem Instrumentarium untersuchen, das uns Schumpeter, Olson, Acemoglu und Robinson an die Hand geben, dann ergibt sich so etwas wie ein Anfangsverdacht. Er lautet: Auf den Finanzm&auml;rkten und in ihrem rechtlichen und politischen Umfeld sind zulasten der Nationen und zum Nutzen einer kleinen Oligarchie extraktive Institutionen aufgebaut worden.<\/p>\n<p>Eine vergleichsweise kleine Sonderinteressengruppe, die Akteure auf den internationalen Finanzm&auml;rkten n&auml;mlich und im Besonderen die Gruppe der sogenannten Investmentbanker, hat in der Bankenwelt, im Finanzsystem und in der Weltwirtschaft auf jede von Schumpeter vorausgesehene Art einen Schub der Zerst&ouml;rung ausgel&ouml;st: (1) mit neuen Produkten in Gestalt der Finanzderivate, (2) mit neuen Produktionsmethoden dank Internet, komplexer mathematischer Modelle und Supercomputer, (3) durch die Erschlie&szlig;ung neuer Absatzm&auml;rkte zum Beispiel in der Immobilienfinanzierung f&uuml;r Habenichtse, in der Spekulation mit Rohstoffen und durch den Absatz von Schrottpapieren beim dumb German money, (4) dank der Erschlie&szlig;ung neuer Bezugsquellen, beispielsweise in Form von Regelungsarbitrage und von Wetten auf neuen Gebieten, vom Neuen Markt bis zu den emerging markets, und (5) schlie&szlig;lich durch den Aufbau einer m&auml;chtigen Interessenvereinigung mit Kartell- und Lobbycharakter in der Wall Street und in der City of London, die kollusiv zusammenwirkt &ndash; Beispiel Libor-Skandal -, die eine enge Symbiose und sogar eine massive Personalrotation mit dem politischen System einiger Staaten aufgebaut hat und die ihre Gesch&auml;ftspraktiken dank staatlicher Deregulierung institutionalisieren konnte.<\/p>\n<p>Der von der Finanzindustrie ausgel&ouml;ste Schub an &ldquo;kreativer Zerst&ouml;rung&rdquo; kam finanziell in allererster Linie den handelnden Individuen dieser Sonderinteressengruppe zugute. Sie haben Geh&auml;lter und Boni in obsz&ouml;ner H&ouml;he und satte Dividenden eingestrichen und sind, als es dann krachte, der pers&ouml;nlichen Haftung f&uuml;r ihre Entscheidungen fast v&ouml;llig entgangen. Dagegen hat die angerichtete Zerst&ouml;rung die Produktivit&auml;t der Nationen nicht in einem Ma&szlig;e gehoben, das diese &ldquo;Pioniergewinne&rdquo; der Finanzindustrie rechtfertigen k&ouml;nnte, im Gegenteil: Wir erkennen mittlerweile, wie teuer die Zerst&ouml;rung durch finanzielle weapons of mass destruction (Warren Buffett) unsere Nationen zu stehen kommt&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>K&ouml;hler kritisiert die Entwicklung zur &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo;:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die von den Finanzmarktakteuren angerichtete Zerst&ouml;rung belastet die Allgemeinheit durch &ouml;ffentliche Schulden, wirtschaftlichen Abschwung und Arbeitslosigkeit. Den Sparern droht finanzielle Repression. Das demokratische System ver&auml;ndert sich durch die Entscheidungszw&auml;nge des Krisenmanagements, es tendiert zur Schlie&szlig;ung, zur Verlagerung der Entscheidungen in zentralisierte, wenig transparente, exekutiv dominierte Gremien, auch wenn die Parlamente und Verfassungsgerichte sich dem erfreulicherweise entgegenstemmen und dabei Erfolge vorweisen k&ouml;nnen&hellip;<\/p>\n<p>Das angels&auml;chsische Modell des Finanzkapitalismus hat, zumindest in den USA und in Gro&szlig;britannien, auch einen Wandel in der gesellschaftlichen Entwicklungsrichtung bewirkt, weg von der Industrieproduktion, hin zur Finanzindustrie, die mit anderer Leute Geld spekuliert und daf&uuml;r &ldquo;Geb&uuml;hren&rdquo; nimmt&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>K&ouml;hler gei&szlig;elt den politischen Einfluss und die Meinungsmacht der Finanzindustrie:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Aber t&auml;uschen wir uns nicht: Jeder Versuch, Oligarchien von ihren extraktiven Positionen zu vertreiben, wird Widerstand ausl&ouml;sen, von gespielter Zerknirschung und zur Schau getragener Demut bis zum Versuch, in jeder nur denkbaren Weise eine ordnungspolitisch wirksame Gesetzgebung zu hintertreiben. Daf&uuml;r gibt die Finanzindustrie dem Vernehmen nach l&auml;ngst Hunderte Millionen Euro j&auml;hrlich aus&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>K&ouml;hler erkennt den Vertrauensverlust f&uuml;r die Demokratie:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Wenn der skizzierte Anfangsverdacht zutrifft und die tiefgreifende Fehlentwicklung auf den westlichen Finanzm&auml;rkten nicht radikal korrigiert wird, dann k&ouml;nnte das unsere Nationen dauerhaft Prosperit&auml;t und wirtschaftliche und politische Freiheit kosten und dann k&ouml;nnte das ein Beitrag zum Niedergang des Westens sein&hellip;<\/p>\n<p>Es geht also im Gefolge der Krise auch darum, unsere inklusiven politischen und wirtschaftlichen Institutionen zu verteidigen gegen m&auml;chtige Sonderinteressen und unsere Institutionen gerade dadurch zu bew&auml;hren und zu st&auml;rken, dass diese Sonderinteressen wirksam gez&uuml;gelt werden, dass ihnen wirksame Grenzen gesetzt werden. Sonst leidet unsere Prosperit&auml;t, sonst werden ungez&auml;hlte weitere B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger f&uuml;r die angerichtete Zerst&ouml;rung und f&uuml;r extraktive Strukturen mit individueller Perspektivlosigkeit und mit dem Gef&uuml;hl politischer Ohnmacht zahlen, und sonst verlieren unsere demokratischen und marktwirtschaftlichen Institutionen an Macht, Vertrauen und Legitimit&auml;t&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>K&ouml;hler fordert mehr direkte Demokratie:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das hei&szlig;t: Frau Wagenknecht hat Recht, wenn sie unsere Zeit als eine historische Stunde f&uuml;r bessere Ordnungspolitik begreift. Und die Schweizer geben uns ein Beispiel daf&uuml;r, wie sich mit einer griffigen Kampagne die rationale Ignoranz der Allgemeinheit hinsichtlich der komplexen Fragen des wirtschaftlichen und politischen Lebens &uuml;berwinden l&auml;sst und wie Elemente direkter Demokratie die Responsivit&auml;t des politischen System verbessern und ihm &ldquo;indirekte Gegenvorschl&auml;ge&rdquo; entlocken. Die Krise sollte uns Anlass sein, die Vitalit&auml;t unserer parteienstaatlichen Demokratie zu pr&uuml;fen und nach Wegen zu suchen, den Einfluss der B&uuml;rger auf politische Entscheidungen zu st&auml;rken, auch um ihr b&uuml;rgerschaftliches Interesse an den &ouml;ffentlichen Angelegenheiten zu beleben und den Fatalismus zu bek&auml;mpfen, der bei den W&auml;hlern um sich greift. Das gilt f&uuml;r Deutschland, und das gilt f&uuml;r die demokratische Dimension der Europ&auml;ischen Union&hellip;&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Lob der Linken aus dem Mund eines Konservativen:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Es geht nicht um Charakterfragen, wenn der Einfluss von Sonderinteressengruppen bek&auml;mpft wird, sondern um Ordnungspolitik, die einer Gruppe den &ouml;konomischen Anreiz daf&uuml;r nimmt, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern. Deshalb geht es auch nicht darum, einzelne schwarze Schafe in der Interessengruppe auszusondern. Es geht darum, von bestimmten Weidefl&auml;chen die ganze Herde auszusperren&hellip;<\/p>\n<p>Die Z&auml;hmung des Finanzkapitalismus ist f&uuml;r die freiheitlichen Demokratien und f&uuml;r ihre k&uuml;nftige Prosperit&auml;t eine Wegscheide. Welchen Pfad wir nehmen, wird zeigen und wird pr&auml;gen, wie gut unser politisches System und wie gut wir alle mit krisenhaften Herausforderungen umgehen k&ouml;nnen. Was wir brauchen, ist eine breite Koalition f&uuml;r die n&ouml;tigen ordnungspolitischen Ver&auml;nderungen&hellip;<\/p>\n<p>Wir sollten uns dar&uuml;ber freuen, dass aktuelle Studien wie Why nations fail die Ideen und die politische Praxis des deutschen Ordoliberalismus so eindrucksvoll best&auml;tigen. Und wir sollten es nicht allein der Partei &ldquo;Die Linke&rdquo; &uuml;berlassen, dieses Erbe zu erwerben, um es zu besitzen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Zugegeben, schon auf dem H&ouml;hepunkt der Finanzmarktkrise bezeichnete K&ouml;hler die <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/banker-schelte-koehler-bezeichnet-finanzmaerkte-als-monster-a-553143.html\">Finanzm&auml;rkte als &bdquo;Monster&ldquo;<\/a>. Er &uuml;bte z.B. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/weltfinanzen-koehler-ruegt-krisenmanagement-der-politiker-a-653275.html\">massive Kritik<\/a> an den Beschl&uuml;ssen des Weltfinanzgipfels von Pittsburg im Jahre 2009: &bdquo;Ich sehe das &bdquo;Monster&ldquo; noch nicht auf dem Weg der Z&auml;hmung&ldquo;. <\/p><p>Vielleicht dachte er ja schon damals so, wie er heute redet und das Amt hatte ihm nur Fesseln angelegt. M&ouml;glicherweise war die Finanzkrise sein &bdquo;Damaskuserlebnis&ldquo;, das ihm ganz neue Erkenntnisse vermittelte und ihn von einem Getriebenen der Finanzm&auml;rkte zu ihrem scharfen Kritiker bekehrte. Dessen Kritik aber von Politik und Medien nicht der ihr geb&uuml;hrende &bdquo;Respekt&ldquo; entgegengebracht wurde. Das w&auml;re zumindest eine plausible Erkl&auml;rung f&uuml;r seinen damaligen, f&uuml;r die meisten unverst&auml;ndlichen R&uuml;cktritt vom Amt des Bundespr&auml;sidenten. <\/p><p>Ohne das Amt besteht an solchen kritischen Reden allerdings kein &ouml;ffentliches Interesse mehr, m&ouml;gen sie auch zutreffender sein, als die meisten Ansprachen die K&ouml;hler im Amt gehalten hat und f&uuml;r die er den Applaus der Eliten erhielt. Apostelgeschichten gibt es eben nur in der Bibel.<\/p><p>Man kann den Finanzmarktkapitalismus nat&uuml;rlich auch aus noch ganz anderer Perspektive kritisieren als vom Standpunkt des deutschen Ordoliberalismus oder aus Joseph Schumpeters Sicht des &bdquo;sch&ouml;pferischen Unternehmers&ldquo;. Aber gemessen am heutigen Buhlen der Politik &bdquo;um das Vertrauen der M&auml;rkte&ldquo; w&auml;re die Besinnung auf die wirklichen Theoretiker der Sozialen Marktwirtschaft oder die schumpetersche Unterscheidung zwischen dem &bdquo;Arbitrage-Unternehmern&ldquo; und den &bdquo;sch&ouml;pferischen Unternehmer&ldquo; schon ein gro&szlig;er Gewinn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand&ldquo;, so lautet ein Sprichwort, das der gro&szlig;e deutsche Geschichtsphilosoph Hegel einen &bdquo;alten Scherz&ldquo; <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=H7NDAAAAcAAJ&amp;pg=PR16#v=onepage&amp;q&amp;f=false\">bezeichnet hat<\/a>. Bei Horst K&ouml;hler scheint es umgekehrt zu sein. Ohne Amt zeigt er mehr Verstand als in seinen fr&uuml;heren &Auml;mtern, etwa als Finanzstaatssekret&auml;r und Sherpa von Bundeskanzler Kohl auf Wirtschaftsgipfeln,<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16648\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[96,126,127,160],"tags":[531,233,632],"class_list":["post-16648","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundespraesident","category-erosion-der-demokratie","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-markt-und-staat","tag-koehler-horst","tag-marktliberalismus","tag-wagenknecht-sahra"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16648","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16648"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16648\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16650,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16648\/revisions\/16650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16648"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16648"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}