{"id":1665,"date":"2006-09-04T12:19:58","date_gmt":"2006-09-04T10:19:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1665"},"modified":"2016-01-28T10:54:13","modified_gmt":"2016-01-28T09:54:13","slug":"nachtrag-zu-kurt-becks-treppenwitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1665","title":{"rendered":"Nachtrag zu Kurt Becks Treppenwitz"},"content":{"rendered":"<p>Die SPD F&uuml;hrung scheint keine Ahnung davon zu haben, was sie mit Hartz IV zusammen mit den Gr&uuml;nen und der Bundesratsmehrheit der Union angerichtet hat. Sie begreift offenbar nicht, dass weite Teile der Arbeitnehmerschaft, auch die so genannten Leistungstr&auml;ger, mit Hartz IV der Unsicherheit preisgegeben worden sind. Ich komme darauf zur&uuml;ck, weil ich gerade einen Beitrag von Kurt Beck im sozialdemokratischen &bdquo;Informationsdienst f&uuml;r aktive Mitglieder&rdquo;, dem so genannten INTERN, gelesen habe.<br>\n<!--more--><br>\nUnter der &Uuml;berschrift &bdquo;Die soziale Leistungsgesellschaft&ldquo; steht in INTERN zu lesen:<\/p><blockquote><p>Drei Hauptgruppen bestimmen unsere Gesellschaft. Erstens die Gesicherten mit stabiler Besch&auml;ftigung bis hin zu den Spitzenverdienern. Zweitens die Menschen, die immer wieder nur befristet und schlecht bezahlt Anstellung finden, darunter junge Leute, die sich &ndash; vor allem auch in den neuen kreativen Berufen &ndash; von einem &bdquo; Projekt&ldquo; zum n&auml;chsten hangeln und die deshalb auch lange z&ouml;gern, Kinder zu bekommen; &Auml;ltere, die nach langj&auml;hriger Arbeit f&uuml;r ihren Betrieb pl&ouml;tzlich ihre Stellung verlieren. Drittens die Ausgeschlossenen und Hoffnungslosen, die glauben, dass sie keine Chance mehr bekommen.<\/p><\/blockquote><p>Diese Aufteilung entspricht nicht mehr der Realit&auml;t. Durch Hartz IV in Kombination mit der miserablen Konjunktur- und damit Arbeitsmarktlage ist der Kreis der wirklich Gesicherten in der ersten Gruppe auf ein unerhebliches Minimum geschrumpft. Beck verkennt, dass die Gesicherten mit stabiler Besch&auml;ftigung wegen Hartz IV gro&szlig;enteils in die Unsicherheit und damit in die zweite Gruppe entlassen worden sind. Sie unterliegen der Drohung, ein Hartz IV-Opfer zu werden. Ihre Arbeitslosenversicherung ist ihres Versicherungscharakters beraubt. Dies wird von vielen Arbeitgebern ausgenutzt.<\/p><p>Ein Freund der NachDenkSeiten hat uns, angesto&szlig;en durch die Lekt&uuml;re des vorigen Beitrag zum Thema, den folgenden Bericht geschickt:<\/p><blockquote><p>4.9.2006<br>\n<strong>Arbeitgeber nutzen die Hartz-IV-Reformen, um die immer latente Angst vor Arbeitslosigkeit sichtbar zu machen.<\/strong><\/p>\n<p>Dazu ein Bekannter: Er wurde vom Arbeitsamt in einen Betrieb geschickt, um dort eine einmonatige, kostenlose Trainingsma&szlig;nahme abzuleisten. Dies, obwohl der Betrieb daf&uuml;r bekannt war, diese kostenfreie Arbeit lediglich auszunutzen, um nach einen Monat neue Gratis-Arbeitskr&auml;fte zu erhalten. Zudem: Arbeitsschutzbestimmungen wurden nicht eingehalten (es gab f&uuml;r das Lackieren keine Atemschutzmasken etc.), nicht einmal eine Uhr in der Werkstatt gab es, so da&szlig; regelm&auml;&szlig;ig in die Pause hineingearbeitet wurde. Dies alles nur nebenbei, doch wirft es ein bezeichnendes Bild auf dies Unternehmen.<\/p>\n<p><strong>Zum Punkt:<\/strong> Am Schwarzen Brett der Firma, im Vorraum zu den Werkshallen, ein Schreiben des Patrons der Firma. Er wird zum 1.1.2005 die Urlaubstage von 30 auf 25 reduzieren, eine 42-Stunden-Woche wird eingef&uuml;hrt (vorher 38), dies nat&uuml;rlich ohne Lohnausgleich. &Uuml;berhaupt, so ganz zynisch, sollten sich die Angestellten nicht so anstellen, denn er arbeitet schlie&szlig;lich mehr als 14 Stunden am Tag. Die Stundenl&ouml;hne, die sowieso gering waren (10-13 Euro\/Stunde), wurden somit durch unbezahlte Mehrarbeit noch weiter gesenkt. Um seiner Belegschaft Beine zu machen (sprich: sie trotz der Ma&szlig;nahmen bei Laune zu halten), wies er auf die neuen Reformen Hartz IV hin. Diese waren damals noch nicht wirksam, aber in aller Munde &ndash; Sie erinnern sich bestimmt. Man solle, ganz platt stellte er dies fest, froh sein nicht arbeitslos zu werden, nicht in dieses Hartz IV zu rutschen. Fehlinformationen zudem: Er verk&uuml;ndete am Schwarzen Brett, da&szlig; jeder sofort ins ALG-II rutschen w&uuml;rde, wohl um die Drohung zu untermauern. Da klopft sich der Patron auf die Schulter und meint, um die Belegschaft vor diesem Absturz zu bewahren, m&uuml;sse sie entgegenkommen und die Ma&szlig;nahmen Ihres Arbeitgebers dulden.<\/p>\n<p>Freilich, ein dumpfes Vorgehen, direkt ersichtlich, aber so wird es wohl in vielen Betrieben vonstatten gehen. Hartz IV ist das Schlagwort, welches Marx als &ldquo;industrielle Reservearmee&rdquo; bezeichnet hat. Ein Druckmittel f&uuml;r Arbeitgeber, eine reale Angstvision f&uuml;r Arbeitnehmer. Und w&auml;re man ganz zynisch, so k&ouml;nnte man die Behauptung aufstellen: Dies schmarotzende Hartz-Pack (wie es die Eliten ja sehen) hat auch seine Aufgabe und tr&auml;gt zur Wertsch&ouml;pfung unserer Unternehmen bei: Als schwarze Masse im Hintergrund, welche Arbeitnehmer durch ihre Existenz dazu zwingt, alles mit sich machen zu lassen.<\/p>\n<p>R. J. De L.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die SPD F&uuml;hrung scheint keine Ahnung davon zu haben, was sie mit Hartz IV zusammen mit den Gr&uuml;nen und der Bundesratsmehrheit der Union angerichtet hat. Sie begreift offenbar nicht, dass weite Teile der Arbeitnehmerschaft, auch die so genannten Leistungstr&auml;ger, mit Hartz IV der Unsicherheit preisgegeben worden sind. 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