{"id":16652,"date":"2013-03-25T12:27:56","date_gmt":"2013-03-25T11:27:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16652"},"modified":"2015-07-22T10:29:51","modified_gmt":"2015-07-22T08:29:51","slug":"zypern-eine-hilfreiche-gesamtschau-von-heiner-flassbeck-a-erganzt-um-eindrucke-zur-traurigen-rolle-unserer-medien-b","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16652","title":{"rendered":"Zypern &#8211; eine hilfreiche Gesamtschau von Heiner Flassbeck (A) &#8211; erg\u00e4nzt um Eindr\u00fccke zur traurigen Rolle unserer Medien (B)"},"content":{"rendered":"<p>Heiner Flassbeck hat gestern Abend auf seinem Blog einen <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/zypern-oder-wie-man-ein-kleines-land-und-eine-grose-wahrungsunion-zugleich-zerstort\/2\/#sthash.Qj0qBy4t.dpuf\">Beitrag<\/a> ver&ouml;ffentlicht, den wir hier in den NachDenkSeiten nicht nur verlinken sondern &uuml;bernehmen. Es ist eine treffende Analyse der jetzigen Situation im Euroraum und in Europa. Ich habe &ndash; sozusagen zu Erkl&auml;rung des skizzierten Desasters unter B. &ldquo;Anmerkungen zum Totalversagen der Mehrheit der deutschen Medien in der Eurokrise\/Zypernkrise&rdquo; hinzugef&uuml;gt. Beide Texte lassen sich gut nacheinander lesen. &ndash; Wenn Sie sie informativ und hilfreich finden, dann w&auml;ren wir dankbar, Sie w&uuml;rden die Texte &uuml;ber ihren E-Mail-Verteiler oder auf Papier weiter verteilen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Zypern oder: wie man ein kleines Land und eine gro&szlig;e W&auml;hrungsunion zugleich zerst&ouml;rt<\/strong>\n<p><em>Heiner Flassbeck \/ 24. 3. 2013<\/em><\/p>\n<p>Heute Abend wird man sich auf eine &ldquo;Rettung&rdquo; Zyperns einigen. Nur, die Art der Rettung wird die Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion (EWU) zerst&ouml;ren. Im Management der Zypern-Krise ist nicht nur alles schief gelaufen, was dieses kleine Land betrifft, es sind auch die gravierenden Fehler der vergangenen Ratsentscheidungen in der EWU voll zu Tage getreten. Die v&ouml;llige Konzeptionslosigkeit der sogenannten Retter (der Gl&auml;ubigerstaaten und der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF) ist endg&uuml;ltig enttarnt worden.<\/p>\n<p>Nachdem nun zum ersten Mal seit Einf&uuml;hrung des Euro Kapitalverkehrskontrollen auf unbestimmte Zeit eingef&uuml;hrt werden, wird der in den Augen vieler Menschen entscheidende Vorteil einer W&auml;hrungsunion, n&auml;mlich &uuml;ber eine international anerkannte, sichere W&auml;hrung zu verf&uuml;gen, f&uuml;r die Zyprioten beseitigt und damit gleichzeitig das Vertrauen aller &uuml;brigen Menschen, die mit dem Euro umgehen, in diese Eigenschaft der W&auml;hrung stark besch&auml;digt. Niemand der Verantwortlichen scheint sich dar&uuml;ber Gedanken zu machen, dass mit dieser Ma&szlig;nahme das Gegenst&uuml;ck zur Freiheit des Kapitalverkehrs, n&auml;mlich die Freiheit des Warenverkehrs, auch bekannt unter dem Begriff Freihandel, in Frage gestellt wird.<\/p>\n<p>Gar nicht zu denken wagt man an die dauerhaften politischen Sch&auml;den, die mit dem von Deutschland angef&uuml;hrten Rigorismus beim Diktat der Gl&auml;ubigerl&auml;nder angerichtet worden sind und werden. Ganz zu schweigen von dem menschlichen Leid, das mit den aufgezwungenen Ma&szlig;nahmen verbunden ist. Das Schlimmste daran ist, dass sich alle Versprechen, nach einiger Zeit werde das Tal der Tr&auml;nen durchschritten sein und alles wieder besser werden, nicht erf&uuml;llen werden, solange die bisherige &ldquo;Rettungslogik&rdquo; beibehalten wird, weil sie tiefer und tiefer in die Krise hineinf&uuml;hrt. Je klarer das den Betroffenen wird, desto gr&ouml;&szlig;er wird ihr Zorn auf diejenigen werden, die diese Versprechen gegeben haben, und desto eher werden sie sich vom europ&auml;ischen Einigungsgedanken abwenden.<\/p>\n<p>Der eigentliche Irrtum im Umgang mit der Krise lag gleich am Beginn und wurde mit Gewalt von den deutschen Autorit&auml;ten und den deutschen Medien betrieben: die Umdeutung der Folgen der Finanzkrise (die eine Krise der Finanzm&auml;rkte war) und einer spezifischen, seit langem angelegten Eurokrise (die eine W&auml;hrungskrise war und ist) in eine &bdquo;Staatsschuldenkrise&ldquo;. Das hat die Weichen grundlegend falsch gestellt und erkl&auml;rt alle folgenden Fehlentscheidungen.<\/p>\n<p>Der Keim der Zypern-Krise wurde sp&auml;testens mit der gescheiterten Griechenland-Rettung gelegt. Der in h&ouml;chstem Ma&szlig;e naive Glaube, ein Schuldenschnitt (de facto war die Griechenland-Umschuldung ein Schuldenschnitt) bei einem souver&auml;nen Staat w&uuml;rde ohne Kollateralsch&auml;den bleiben und das urs&auml;chliche Problem l&ouml;sen, war von Anfang an absurd. Nicht nur, dass in Griechenland der Schuldenstand heute h&ouml;her ist als vor dem Schnitt, es war auch klar, dass ein Staat nicht einfach Schulden streichen kann ohne erhebliche Auswirkungen auf die Banken (die nun mal in der ganzen Welt &ndash; man mag es f&uuml;r richtig halten oder nicht &ndash; zusammen mit Versicherungen diejenigen sind, die einen gro&szlig;en Teil der Staatsanleihen halten). <\/p>\n<p>Von den vom Kapitalmarkt abgeschnittenen L&auml;ndern wurde und wird fiskalische Restriktionspolitik (Wolfgang Sch&auml;uble in der britischen Financial Times vom 5.9.2011: Austerit&auml;t ist die einzige L&ouml;sung f&uuml;r die Eurozone) und Lohnk&uuml;rzung (&uuml;blicherweise &bdquo;Strukturanpassung&ldquo; genannt) verlangt. Diese Art der &ldquo;Anpassung&rdquo; muss jeden Finanzsektor eines Landes in Bedr&auml;ngnis bringen. Immer gibt es in Rezessionen und Depressionen eine dramatische Zunahme von faulen Krediten und die drohende Insolvenz von Banken in einem (wiederum in der ganzen Welt) unterkapitalisierten Bankensektor. Und immer muss der Staat eingreifen und die Sparer absichern, die sich als sichere Einleger w&auml;hnen und nicht als &bdquo;Investoren in Banken&ldquo;.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf diese Probleme eine &bdquo;Europ&auml;ische Bankenunion&ldquo; zu fordern, war politisch naheliegend, aber auch nicht Ziel f&uuml;hrend. Das zentrale Problem der Finanzkrise von 2008 waren der Finanzsektor und die Banken, die Investment-Banking betrieben. Doch daran hat man nicht wirklich gearbeitet. Die Bankenprobleme, die durch eine Depression und durch Staatsschuldenschnitte ausgel&ouml;st werden, kann man mit einer Bankenunion nicht beseitigen, h&ouml;chstens abmildern, wenn man den besonders betroffenen L&auml;ndern hilft, ihre Finanzstrukturen allm&auml;hlich und nicht &uuml;ber Nacht anzupassen. Auch nach der Asienkrise 1997\/1998 hatte man im Westen gro&szlig;spurig davon gesprochen, die Banken in Asien seien &bdquo;verrottet&ldquo;. Das war aber Bl&ouml;dsinn: Es gab eine W&auml;hrungskrise mit scharfer Rezession. Nach der Abwertung der meisten W&auml;hrungen und einem neuen Aufschwung war die Bankenkrise dort vollkommen vergessen.<\/p>\n<p>Nat&uuml;rlich sind von solchen in der EU hausgemachten &bdquo;Bankenkrisen&ldquo; vor allem die L&auml;nder betroffen, die &uuml;ber einen aufgebl&auml;hten Bankensektor verf&uuml;gen. Davon gibt es einige, und Zypern ist bei weitem nicht das Schlimmste. Statistiken der <a href=\"http:\/\/www.bis.org\/\">Bank f&uuml;r internationalen Zahlungsausgleich<\/a> zeigen: Die Relation von Einlagen der Banken insgesamt zum nominalen Bruttoinlandsprodukt liegt in Zypern bei etwa drei zu eins, bei Luxemburg aber etwa bei neun zu eins (und bei den Cayman Islands beispielsweise noch weit dar&uuml;ber). Gro&szlig;britannien schafft etwa eins zu eins, und in Deutschland und Frankreich ist es grob eins zu zwei. Was ist also ein tragf&auml;higer, &ldquo;ungef&auml;hrlicher&rdquo; Wert f&uuml;r ein Land?<\/p>\n<p>In den vergangenen Zeiten der gro&szlig;en Finanzeuphorie sind viele L&auml;nder geradezu dazu gedr&auml;ngt worden, sich mit der Spezialisierung auf internationale Bankgesch&auml;fte eine L&uuml;cke zu suchen, in der auch ein kleines Land schnell und erfolgreich prosperieren konnte. Hinzu kommt, das muss man immer bedenken, dass der Bereich der Industrie von einigen gro&szlig;en L&auml;ndern mit Z&auml;hnen und Klauen und auch &uuml;ber den <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/africa-and-china-and-a-grave-misunderstanding-of-real-world-free-trade\/\">Umweg China<\/a> verteidigt wird, so dass dort f&uuml;r kleine L&auml;nder mit schwacher Infrastruktur von vornherein praktisch nichts zu holen ist.<\/p>\n<p>Wenn in der W&auml;hrungsunion aus welchen Gr&uuml;nden auch immer Mitglieder mit Leistungsbilanzdefiziten in Finanzierungsschwierigkeiten geraten (also der Staat oder die Banken und Unternehmen nur noch zu prohibitiv hohen Zinsen Kredite aus dem Ausland erhalten), muss von der EZB kurzfristig Finanzierungshilfe ohne Wenn und Aber geleistet werden. Das ist die Aufgabe einer Notenbank, und die EZB ist die Notenbank Zyperns. Dass dar&uuml;ber hinaus in allen L&auml;ndern einschlie&szlig;lich Deutschland mit seinem Exportsektor in der Folge einer Krise die Wirtschaftsstrukturen auf dem Pr&uuml;fstand stehen und langfristig angepasst werden m&uuml;ssen, ist auch keine Frage. Aber das funktioniert in praktisch allen F&auml;llen nur in einem Aufschwung und nicht mitten in der Rezession. Wer also mit seiner allgemeinen Wirtschaftspolitik Rezession produziert, provoziert solche &bdquo;Strukturkrisen&ldquo; am Flie&szlig;band (in wenigen Wochen wird mit Slowenien ein ehemaliger industrieller Musterknabe in die Mangel genommen werden). Dass die EZB im Falle Zyperns die Konditionalit&auml;t mitmacht und sogar noch mit Entzug der Liquidit&auml;t droht, ist ein nicht wieder gut zu machender Fehler.<\/p>\n<p>Wenn man dann versucht, die Strukturreformen als &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/zypern-gerettet-wahrungsunion-naher-am-abgrund\/\">Konditionalit&auml;t<\/a>&ldquo; der kurzfristigen Rettung durchzusetzen, st&uuml;rzt man jedes Land in absolute Verzweiflung, weil es einfach nicht ohne katastrophale Folgen gehen kann. Zypern kann eben nicht &uuml;ber Nacht seinen Bankensektor auf irgendein Normalma&szlig; (das deutsche oder das britische?) reduzieren, genauso wenig wie es Luxemburg k&ouml;nnte, ohne das Modell, auf dem man die gesamte Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre aufgebaut hat, &uuml;ber Nacht zu zerschlagen. Das ist absurd, selbst wenn man der Meinung ist, diese Wirtschaftsstruktur sei auf Dauer in einer Welt mit geschrumpfter Bedeutung der Finanzm&auml;rkte nicht haltbar.<\/p>\n<p>All das ficht die Troika und ihre deutschen Antreiber nicht an. Man verlangt aus heiterem Himmel und ohne eine ernst zu nehmende sachliche Begr&uuml;ndung sechs Milliarden Beteiligung, was f&uuml;r ein Land mit einem Bruttoinlandsprodukt von sage und schreibe 17 Milliarden Euro einfach nicht ohne katastrophale Folgen zu stemmen ist. Das w&auml;re so, als w&uuml;rde man in Deutschland eine Beteiligung von 800 Milliarden fordern, das ist mehr als das zweifache des Steueraufkommens. Dass dann in Deutschland auch noch gegen die Nutzung eines Rentenfonds gewettert wird, was nichts anderes bedeutet, als die Umwandlung des Rentensystems von Kapitaldeckung zu Umlagesystem (ohne dass davon die zuk&uuml;nftigen Rentenzahlungen betroffen sein m&uuml;ssen), setzt dem Ganzen die Krone auf. In Wirklichkeit zeigt es nur, dass wir auch die Logik von Rentensystemen einfach nicht begriffen haben.<\/p>\n<p>Aber man will ein Exempel statuieren. Man will die Gelegenheit nutzen, den russischen Anlegern in Zypern eine Lektion zu erteilen (welche eigentlich?) und ein f&uuml;r allemal in einem kleinen Land aufr&auml;umen. Dass dabei das Wichtigste zerst&ouml;rt wird, was eine gute W&auml;hrung ausmacht, n&auml;mlich Vertrauen im In- und Ausland, begreifen weder die Regierungen noch die EZB. Leider gibt es dazu kaum Opposition. Auch auf der linken Seite des politischen Spektrums wird zu gerne und zu emotional  &uuml;ber &bdquo;die Banken&ldquo; und die &bdquo;russischen Geldw&auml;scher&ldquo; hergezogen, als dass man noch einen klaren Gedanken fassen k&ouml;nnte. <\/p>\n<p>Insgesamt zeigt sich, dass die Unf&auml;higkeit der Politik und der &Ouml;konomen, komplexe Zusammenh&auml;nge zu durchschauen, solche Systeme wie den Euro scheitern l&auml;sst. Zypern markiert den Kulminationspunkt der systematischen Fehlentscheidungen. Danach wird es nur noch bergab gehen und wom&ouml;glich rasend schnell.  <\/p><\/li>\n<li><strong>Anmerkungen zum Totalversagen der Mehrheit der deutschen Medien in der Eurokrise\/Zypernkrise von Albrecht M&uuml;ller\n<p><\/p><\/strong>\n<p>Die Medien haben die Aufgabe, die Politik kritisch zu begleiten. Nur dann haben wir eine Chance, dass die Probleme einigerma&szlig;en zutreffend analysiert werden und ann&auml;hernd sachlich richtige L&ouml;sungen der schwierigen Probleme gefunden werden. Von Anfang der Finanzkrise an hat die Mehrheit der deutschen Medien und vor allem die weit verbreiteten und bestimmenden Medien von der Bild-Zeitung bis zu SpiegelOnline keine eigene Meinung gehabt und sich bis ins Detail, bis in den Wortgebrauch und die Gestik an die Wortf&uuml;hrer und Verantwortlichen in der Politik angelehnt. Ein paar Beispiele, ich fange mit kleinen aber symptomatischen Dingen an:<\/p>\n<ol>\n<li>Der Pr&auml;sident des Europ&auml;ischen Parlaments sprach gestern davon, die Zyprer w&uuml;rden <strong>pokern<\/strong>. Das wurde dann prompt von Medienschaffenden &uuml;bernommen, statt zu fragen, in welcher kritischen Lage die zyprischen Politiker wie auch die Zyprer insgesamt sind. Wie anders als z&ouml;gernd und suchend sollten sie auf eine &bdquo;Vogel friss oder stirb Politik reagieren?<\/li>\n<li>Bundesfinanzminister Sch&auml;uble, Bundeskanzlerin Merkel, der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier und andere f&uuml;hrten den Begriff des zyprischen <strong>&bdquo;Gesch&auml;ftsmodells&ldquo;<\/strong> ein, von dem Zypern Abschied nehmen m&uuml;sse. Viele Medien haben den Sprachgebrauch und die Sto&szlig;richtung gegen Zypern &uuml;bernommen. Sie haben nicht gefragt, ob das nicht gerade das Modell war, das auch die deutsche Politik im letzten Jahrzehnt verfolgt hat. Sie haben nicht gefragt, wieso denn nur Zypern und warum nicht auch Gro&szlig;britannien, Luxemburg und andere Finanzkasino-Betreiber davon Abschied nehmen sollen. (Siehe mein Beitrag vom 21. und 24. M&auml;rz). Sie haben nicht gefragt, warum die deutsche und die europ&auml;ische Politik nicht schon fr&uuml;her den Zypern geraten hat, das Gesch&auml;ftsmodell aufzugeben. Sie haben nicht gefragt, ob es &ouml;konomisch sinnvoll und m&ouml;glich ist, die Fixierung auf Finanzgesch&auml;fte von heute auf morgen los zu werden. (Siehe dazu unter A. den Beitrag von Heiner Flassbeck) Das ist schlie&szlig;lich eine gravierende Ver&auml;nderung der Wirtschaftsstruktur. Die deutschen Medien haben selbstverst&auml;ndlich nicht gefragt, wie das denn eigentlich mit unserem Gesch&auml;ftsmodell steht. Wenn alle L&auml;nder im Euroraum unser Gesch&auml;ftsmodell des Exports der Arbeitslosigkeit durch st&auml;ndige Export&uuml;bersch&uuml;sse &uuml;bernehmen wollten, dann ginge das nicht. Das Gesch&auml;ftsmodell l&auml;uft nur, wenn andere Leistungsbilanzdefizite hinnehmen. &ndash; Die deutschen Medien haben alle diese Fragen nicht gestellt, weil es gerade popul&auml;r ist, gegen die Gepflogenheiten eines Finanzcasinos anzugehen. Das hat etwas damit zu tun, dass davon Russen betroffen sind. Die Russen sind schon immer, von den Nazis &uuml;ber die F&uuml;nfzigerjahre bis heute neu belebt, die Zielscheibe der Aggressionen des deutschen Spie&szlig;b&uuml;rgers &ndash; in der Politik, im konservativen Teil des Volkes und in den Medien.<\/li>\n<li>Die Verantwortlichen in der deutschen Politik haben auch nicht andeutungsweise verinnerlicht, dass eine <strong>gemeinsame W&auml;hrung gemeinsames Handeln<\/strong> und in einigen Bereichen auch den Gleichschritt der Entwicklung verlangt &ndash; zum Beispiel bei der Wettbewerbsf&auml;higkeit. Die deutsche Politik behandelt Partner im Euroraum wie Gegner, fast wie Feinde. Sie ma&szlig;t sich an, anderen den Weg zu weisen und sie zu g&auml;ngeln. Typisch daf&uuml;r ist die &Uuml;berschrift bei SpiegelOnline: &bdquo;Merkel ist sauer auf Zypern&ldquo;. Oder die Gestik auf einem Foto bei SpiegelOnline, das die Bundeskanzerlin mit strengem Blick und ausgestrecktem Zeigefinger zeigt, Motto: Da gehts lang.\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130325_scSPON.jpg\" alt=\"Merkel sauer auf Zypern\" title=\"\"><br>\n<em> Screenshot: SPIEGEL Online<\/em><\/p>\n<p>Die Mehrheit der deutschen Medien kritisiert diese Art des Umgangs mit Partnern in einem gemeinsamen W&auml;hrungsgebiet nicht. Unterschwellig oder offen wird sogar applaudiert.<\/p>\n<p>Eine eindrucksvolle Demonstration dieser Art von Gleichschaltung der Medien mit Inhalten, Methoden und Auftreten der Politik konnte man in der vergangenen Woche in den Tagesthemen erleben: Tom Buhrow und der Br&uuml;sseler Korrespondent der ARD Rolf Dietrich Krause wahrten kein bisschen Distanz zum Berliner Gehabe. Im Gegenteil, in Wortwahl und Gestik haben diese beiden Vertreter eines &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks die dumpfe Linie Berlins verst&auml;rkt. Besonders eindrucksvoll war das bei Tom Buhrow zu sehen, der die N&ouml;te eines Volkes und den Niedergang einer gemeinsamen W&auml;hrung mit einem immer wiederkehrenden h&ouml;hnischen Gesichtsausdruck begleitet. &ndash; Die beiden Journalisten werden dabei hilfreich unterst&uuml;tzt von Wolfgang Sch&auml;uble, dessen beliebtestes Worte wohl hart und H&auml;rte sind. Und viele Journalisten reihen sich ein in den Applaus und nennen Merkel die &bdquo;eiserne&ldquo; Kanzlerin. Auf Eisen kommt es aber in der jetzigen Situation in nicht an. Das haben die deutschen Medien nicht verstanden.<\/p>\n<p>Nur wenige Medien greifen kritisch auf, was die Verantwortlichen einschlie&szlig;lich der Medienschaffenden zulasten unseres Volkes bei anderen V&ouml;lkern anrichten. Wir verlieren unseren guten Ruf und die Zuneigung von ehemaligen Freunden. Alleine dies m&uuml;sste die Mehrheit der Medien zum Aufwachen bringen. Tut es aber nicht. Eine Ausnahme fiel mir gestern Abend auf: Udo von Kampen im ZDFheute war  nachdenklich und regte zur Nachdenklichkeit an. Die Ausnahmen best&auml;tigen die Regel.<\/p><\/li>\n<li>Die Aggression gegen Partner im Euroraum von Griechenland bis Zypern und von Portugal bis Italien hat f&uuml;r die amtierenden Politiker eine klare Funktion und wird wahrscheinlich auch deshalb so beh&auml;nd eingesetzt: <strong>Je mehr ich mein Gegen&uuml;ber abwerte, umso mehr werte ich mich spiegelbildlich auf.<\/strong> Diese Methode der Manipulation &ndash; Besch&ouml;nigung der eigenen Lage mittels aggressiver Niedermache des Partners, den man als Gegner darstellt &ndash; wird in der Politik oft benutzt. Die konservativen Politik-Vertreter in Berlin haben diese Methode perfektioniert. Fr&uuml;her, im Kanzleramt musste ich mich bei einem viel unbedeutenderen Thema mit der gleichen Methode herumschlagen: Helmut Schmidts Spindoktoren einschlie&szlig;lich des Regierungssprechers Klaus B&ouml;lling bef&ouml;rderten das Image von Helmut Schmidt als Bundeskanzler dadurch, dass sie st&auml;ndig an der SPD herumm&auml;kelten. Der Erfolg war eklatant: Je schlechter das Image der SPD, umso mehr erstrahlte Bundeskanzler Schmidt. Die Mehrheit der Medien haben dieses Spielchen damals mitgemacht. Sie machen es bei der um vieles ernsteren Frage nach der Zukunft eines gemeinsamen Europa auch mit &ndash; unkritisch und verst&auml;rkend.<\/li>\n<li>Heiner Flassbeck weist in seinem Beitrag auf die betriebene <strong>Umdeutung der Finanzkrise in eine Staatsschuldenkrise<\/strong>. Auch diesen Vorgang haben die deutschen Medien mehrheitlich unkritisch begleitet und sogar mitgemacht. Ohne ihre Unterst&uuml;tzung w&auml;re diese grandiose totale Manipulation unseres Volkes nicht m&ouml;glich gewesen.<\/li>\n<li>Die von Deutschland ohne R&uuml;cksicht auf die eigenen und andere historische Erfahrungen <strong>geforderte Austerit&auml;tspolitik<\/strong> macht die Mehrheit der deutschen Medien ohne Z&ouml;gern mit. Dieses Ph&auml;nomen muss irritieren, weil die Weltwirtschaftskrise mit all ihrem Leid ja eigentlich in Deutschlands Wohnstuben und Redaktionsb&uuml;ros pr&auml;sent sein m&uuml;sste.<\/li>\n<li>Vielleicht glauben diese Multiplikatoren, dieser Kelch realen Leids und realer Verzweiflung ginge an uns vorbei. Dieser Glaube ist vermutlich ein Irrglaube. Er ist ein Zeichen f&uuml;r das <strong>Verschwinden jeglichen Solidarit&auml;tsgef&uuml;hls<\/strong>. Die Repr&auml;sentanten eines Volkes, das in den vergangenen 65 Jahren mehrmals die Solidarit&auml;t anderer V&ouml;lker erfahren hat, streichen diese Erfahrung aus ihrem Ged&auml;chtnis und ihrem Wertekatalog. Und die Mehrheit der Medien macht das mit.<\/li>\n<li>In deutschen Medien ist es in den letzten Wochen, Monaten und Jahren &uuml;blich geworden, die Worte von Kirchenoberen besonders ernst zu nehmen. Jetzt hat sich einer aus Nikosia, Erzbischof Chrysostomos, das Zyprische Kirchenoberhaupt, mit vier kurzen treffenden Worten gemeldet. Er sprach von <strong>&ldquo;diesen Genies in Br&uuml;ssel&rdquo;<\/strong>, unter deren Anleitung &bdquo;die W&auml;hrungsunion ohnehin auseinanderfliegen&ldquo; werde. Das war ironisch gemeint und gef&auml;llt der Mehrheit der deutschen Medien &uuml;berhaupt nicht. Die Mehrheit der Medien ist gegen&uuml;ber den in Br&uuml;ssel Verantwortlichen in einer Weise unkritisch, die man als k&auml;uflich betrachten muss. In der Europ&auml;ischen Kommission sind Ideologen und Flaschen (der Gebrauch dieses Begriffs tut mir leid, er ist aber zu treffend, um darauf zu verzichten) versammelt: Sie haben Zypern nicht davon abgehalten, das jetzt kritisierte Gesch&auml;ftsmodell zu w&auml;hlen. Sie haben bisher keinen wirklich konzeptionellen Beitrag zur Rettung der Eurozone geleistet. Sie haben nichts Entscheidendes gegen die Austerit&auml;tspolitik getan, weil sie aus ideologischen Gr&uuml;nden mehrheitlich dahinter stehen und deshalb den angerichteten Schaden nicht mehr sehen. Die deutschen Medien schweigen mehrheitlich dazu, wie sie auch die <strong>Konzeptionslosigkeit<\/strong> der deutschen Bundesregierung mit Angela Merkel an der Spitze nicht zum Thema machen. Nicht einmal die st&auml;ndige Revision von Vorschl&auml;gen und Entscheidungen der deutschen Bundeskanzlerin und des Deutschen Bundesfinanzministers wird einer kritischen Betrachtung unterzogen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Liste k&ouml;nnte um vieles verl&auml;ngert werden. Es reicht aber zum Beleg des Versagens der Mehrheit der deutschen Medien. Wenn diese ihr bisheriges Verhalten im Umgang mit den Verantwortlichen nicht &auml;ndern, wird sich bei Angela Merkel und auch bei der Opposition nicht viel &auml;ndern. Denn das wesentliche Charakteristikum ihrer Politik ist der Finger im Wind und nicht das sachlich und konzeptionell Notwendige. Wenn der Wind nicht anders weht, dann bleibt es bei der fehlerhaften Politik in Berlin und Br&uuml;ssel. Und dann werden wir kr&auml;ftig daf&uuml;r zahlen. Nicht Angela Merkel. Sie wird wieder gew&auml;hlt, weil in der Politik Leistung nicht z&auml;hlt. Es kommt allein auf die Zustimmung der ver&ouml;ffentlichten Meinung an.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heiner Flassbeck hat gestern Abend auf seinem Blog einen <a href=\"http:\/\/www.flassbeck-economics.de\/zypern-oder-wie-man-ein-kleines-land-und-eine-grose-wahrungsunion-zugleich-zerstort\/2\/#sthash.Qj0qBy4t.dpuf\">Beitrag<\/a> ver&ouml;ffentlicht, den wir hier in den NachDenkSeiten nicht nur verlinken sondern &uuml;bernehmen. Es ist eine treffende Analyse der jetzigen Situation im Euroraum und in Europa. Ich habe &ndash; sozusagen zu Erkl&auml;rung des skizzierten Desasters unter B. &ldquo;Anmerkungen zum Totalversagen der Mehrheit der deutschen Medien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16652\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,139,41,156],"tags":[423,364,1346],"class_list":["post-16652","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-euro-und-eurokrise","category-medienanalyse","category-schulden-sparen","tag-austeritaetspolitik","tag-flassbeck-heiner","tag-zypern"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16652","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16652"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16652\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16657,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16652\/revisions\/16657"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16652"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16652"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16652"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}