{"id":16666,"date":"2013-03-26T09:16:53","date_gmt":"2013-03-26T08:16:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16666"},"modified":"2019-01-30T10:46:56","modified_gmt":"2019-01-30T09:46:56","slug":"lackierte-kampfhunde-der-strasenverkehr-als-ventilsitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16666","title":{"rendered":"Lackierte Kampfhunde &#8211; Der Stra\u00dfenverkehr als Ventilsitte"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wer bremst, verliert!&ldquo;, lautet das Motto des Lebens unter den Bedingungen entfesselter Konkurrenz. Der andere ist der Feind &ndash; Gl&uuml;ck ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Nirgends zeigen sich die Folgen einer systematisch betriebenen Entgesellschaftung und Entsolidarisierung so deutlich wie im Stra&szlig;enverkehr. Von <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn Thomas Pynchons Roman <em>Vineland<\/em> begegnen wir einem Burschen namens Frenesi. Er ist Aushilfsarbeiter, Biertrinker, Wellenreiter und spielt am Wochenende in einer Band, die <em>Corvairs<\/em> hei&szlig;en. <em>&bdquo;Neben der gemeinsamen Vorliebe f&uuml;r Bier teilten die Anh&auml;nger beider Subkulturen, ob sie auf dem Surfbrett standen oder hinter dem Steuer eines 409ers sa&szlig;en, den Nervenkitzel und die Ekstase der passiven Bewegung, des Ausgeliefertseins<\/em> &hellip; <em>Nach ihren Auftritten zog es die Corvairs ruhelos nach drau&szlig;en, wo sie in den l&auml;ndlichen Nebeln das Roulette der Motorfreaks spielten. &hellip; Das Spiel bestand darin, mit einem Tempo, das deutlich &uuml;ber dem erlaubten Limit lag, in die bleiche Mauer des Nebels hineinzurasen und seinen Kopf darauf zu setzen, dass der wei&szlig;e Tunnel keine anderen Fahrzeuge, keine Kurven und keine Baustellen enthielt, nur ein glattes, ebenes, leeres St&uuml;ck Stra&szlig;e, das sich in die Unendlichkeit erstreckte &ndash; die Motorfreak-Version eines Surfertraums.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Dieses Vabanque-Spiel, das eine kleine exzentrische Subkultur von Surfern und Rockmusikern in den 80er Jahren des 20. Jahrhundert in der amerikanischen Provinz als Nervenkitzel betrieb, hat sich bei uns zum Volkssport verallgemeinert, der die Nebelb&auml;nke des n&auml;chtlichen Kaliforniens durch rote Ampeln ersetzt. Mehrfach am Tag erlebt man folgende Szene: Man f&auml;hrt auf eine Ampel zu, die gerade auf Gelb umspringt. Eigentlich m&uuml;sste man jetzt bremsen, aber man f&auml;hrt noch durch. &bdquo;Puh, gerade nochmal gut gegangen&ldquo;, denkt man, und sieht dann im R&uuml;ckspiegel, dass die beiden Wagen hinter einem auch noch die Ampel passieren, die inzwischen l&auml;ngst auf Rot umgeschaltet haben muss. Aus der anderen Perspektive sieht das so aus: Man wartet, dass die Ampel, vor der man steht, &uuml;ber Gelb auf Gr&uuml;n schaltet, f&auml;hrt los und merkt mit Schrecken, dass von der Seite noch Autos vor&uuml;berschie&szlig;en, die in die Rotphase ihrer Ampel hineingefahren sein m&uuml;ssen. Inzwischen riskiert, wer bei Gelb bremst, einen Auffahrunfall. Unl&auml;ngst habe ich vor einer auf Gelb umgesprungenen Ampel gebremst, da schert der hinter mir Fahrende aus und &uuml;berholt mich, wobei er noch Zeit fand, mir einen Vogel zu zeigen und damit zu bedeuten, dass er mich f&uuml;r einen Spinner und ein Weichei h&auml;lt. <\/p><p>&bdquo;Irgendwann wird es krachen&ldquo;, dachte ich in den letzten Jahren immer h&auml;ufiger. Inzwischen hat es gekracht und mein Freund Michael h&auml;tte um ein Haar sein Leben verloren, weil ihm eine Frau, die bei Rot &uuml;ber eine Kreuzung fuhr, in die Seite gerast ist. Sie h&auml;tte es eilig gehabt, weil sie ihre kleine Tochter vor der Arbeit in den Kindergarten bringen wollte, lie&szlig; sie sp&auml;ter verlauten. Michael ist noch einmal glimpflich davongekommen: Nach einem Tag konnte er das Krankenhaus wieder verlassen. Er trug Stauchungen, Prellungen und ein Schleudertrauma davon. Auch Mutter und Tochter sind inzwischen wieder wohlauf. <\/p><p>Vier Wochen sp&auml;ter fuhr ein paar hundert Meter weiter im Morgengrauen ein mit zwei Personen besetztes Auto bei Rot &uuml;ber eine Ampel, wurde von einem Bus erfasst und mitgeschleift. Noch an der Unfallstelle starb der Fahrer des PKWs, sein Beifahrer wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Busfahrer und zwei Passagiere erlitten leichte Verletzungen. Nach diesem Unfall fuhr Michael der Schreck noch einmal in die inzwischen wieder einigerma&szlig;en funktionst&uuml;chtigen Glieder. Der pl&ouml;tzliche Einbruch des Unvertrauten ins Reich des Vertrauten war ein Schock, der ein Trauma hinterlassen hat. Sein Urvertrauen darauf, dass man sich grunds&auml;tzlich auf das richtige Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer verlassen kann, ist irreparabel besch&auml;digt. Ohne diesen sogenannten <em>Vertrauensgrundsatz<\/em> ist aber der moderne Verkehr nicht denkbar. Denn ein Gebot, jedes m&ouml;gliche verkehrswidrige Verhalten der anderen zu ber&uuml;cksichtigen, w&uuml;rde den Verkehr lahmlegen, ja verunm&ouml;glichen. Daher hat die Rechtsprechung den <em>Vertrauensgrundsatz<\/em> geschaffen: Es ist nur mit solchen Fehlern zu rechnen, die erfahrungsgem&auml;&szlig; vorkommen k&ouml;nnen. Das systematische &Uuml;berfahren roter Ampeln geh&ouml;rt sicher nicht zu den erwartbaren Ereignissen. <\/p><p>Wolfgang Herrndorf, in dessen Kopf sich ein b&ouml;sartiger Tumor eingenistet hat und f&uuml;r den der Gedanke an den Selbstmord sicher keine intellektuelle Koketterie ist, hat am 11. Februar 2013 in seinem Blog <em>Arbeit und Struktur<\/em> geschrieben: &bdquo;Und Selbstmord ist doch nicht so schwierig, wie ich lange dachte. Es reicht, die F&ouml;hrer Stra&szlig;e bei Gr&uuml;n zu &uuml;berqueren. Weder Linksabbieger noch Geradeausfahrer erkennen in den verschieden bunten Lichtern etwas anderes als einen unverbindlichen Vorschlag der Beh&ouml;rden.&ldquo;<\/p><p>Die sogenannte R&auml;um- oder Schutzzeit, die in die Ampelschaltung als Sicherheitsmarge eingebaut ist, wird gnadenlos genutzt, um einen kleinen zeitlichen Vorteil im t&auml;glichen Rattenrennen zu erzielen. Dabei trifft man sich dann eh an der n&auml;chsten Ampel oder im Stau wieder. Geht es, wie bei den Corvairs, um den Kick, den Nervenkitzel, der darin besteht herauszufinden, ob es auch heute gerade noch einmal gut geht? Eine Art von russischem Roulette im Stra&szlig;enverkehr? Oder ist es eine Facette der universalen Schn&auml;ppchenjagd, hier bezogen auf kleinste Zeitvorteile? Oder liefert uns dieses Verhalten lediglich  ein Beispiel f&uuml;r die Wirksamkeit des Mitnahmeeffekts? <\/p><p>Ich kenne Leute, die das geschilderte Ph&auml;nomen als einen Akt zivilen Ungehorsams und gewisserma&szlig;en Einzug italienischer Zust&auml;nde in den deutschen Verkehrs-Alltag betrachten und feiern. Freilich k&ouml;nnte man es begr&uuml;&szlig;en, wenn Formen blinden Gehorsams sich zur&uuml;ckbildeten und die Seele der Deutschen nicht mehr ausschlie&szlig;lich aus verinnerlichtem Staat best&uuml;nde. <\/p><p>Max Horkheimer stand die Ampel symbolisch f&uuml;r einen neuen, gleichsam nachb&uuml;rgerlichen Modus der Verhaltenssteuerung: Die Subjekte sollen sich von autonomen Denk- und Ich-Funktionen verabschieden und nicht mehr selber kritisch pr&uuml;fen, ob man die Stra&szlig;e gefahrlos &uuml;berqueren kann, sondern blind auf Zeichen reagieren: Bei Gr&uuml;n stehen bleiben, bei Rot marschieren! Ein Automatismus ersetzt die geistige Spontaneit&auml;t, Reflexe treten an die Stelle von Reflexion. <\/p><p>Ist der Modus des bewusstlosen Reflexes und des prompten Reagierens auf Zeichen einmal gesellschaftlich etabliert, muss man sich im Grunde blind darauf verlassen k&ouml;nnen, dass alle Verkehrsteilnehmer sich mit absoluter Zuverl&auml;ssigkeit an ihn halten. Die massenhafte Aufk&uuml;ndigung die Farbenlehre der Ampeln ist schlichtweg lebensgef&auml;hrlich, es sei denn, wir w&uuml;rden zur Praxis eigener Urteilsbildung zur&uuml;ckkehren und vor jeder Ampel&uuml;berquerung kritisch pr&uuml;fen, ob von links und rechts nicht jemand heranrast. Einmal au&szlig;er Kraft gesetzt und nicht l&auml;nger einge&uuml;bt, lassen sich gewisse abgestorbene menschliche F&auml;higkeiten aber nicht nach Belieben wiederbeleben. <\/p><p>Zun&auml;chst, und daran kann mich noch gut erinnern, haben leibhaftige Schutzm&auml;nner in wei&szlig;er Kleidung den Verkehr mit tai-chi-artigen Bewegungen geregelt. Solchen Polizisten begegnete man in Deutschland mit einer Haltung, die Heinrich Mann in seinem Roman Der Untertan geschildert hat: <em>&bdquo;Ecke Meisestra&szlig;e hinwieder musste man an einem Polizisten vor&uuml;ber, der, wenn er wollte, ins Gef&auml;ngnis abf&uuml;hren konnte! Diederichs Herz klopfte beweglich; wie gern h&auml;tte er einen weiten Bogen gemacht! Aber dann w&uuml;rde der Polizist sein schlechtes Gewissen erkannt und ihn aufgegriffen haben. Es war vielmehr geboten, zu beweisen, dass man sich rein und ohne Schuld f&uuml;hlte &ndash; und mit zitternder Stimme fragte Diederich den Schutzmann nach der Uhr.&ldquo;<\/em> <\/p><p>Das b&uuml;rgerlich-autorit&auml;re Zeitalter beruhte auf der bruchlosen Verzahnung von innerer und &auml;u&szlig;erer Polizei, von Gewissen und Herrschaftsstruktur. Das &Uuml;ber-Ich des Untertanen war verinnerlichter Staat und der Staat war die Externalisierung seines &Uuml;ber-Ichs, und das Zusammenspiel beider bewirkte die freiwillige F&uuml;gsamkeit und Unterwerfung, welche die gesellschaftliche Praxis in einem so erstaunlichen Ma&szlig;e kennzeichneten. <\/p><p>Sp&auml;ter hat man &uuml;ber gro&szlig;en Kreuzungen sogenannte Verkehrsl&uuml;ster aufgeh&auml;ngt, die von einem inzwischen auf dem Gehsteig postierten Polizisten von Hand gesteuert wurden. Erst nach und nach hat sich die Technik von der polizeilichen Anwesenheit emanzipiert, aber ihre Autorit&auml;t hat sie lange noch von dieser geerbt und bezogen. Die Ampel galt als eine Art st&auml;hlerner Polizist, dem man genauso Gehorsam schuldete wie einem Polizisten aus Fleisch und Blut. Die &auml;u&szlig;ere Polizei konnte sich in die Kulissen des Alltags zur&uuml;ckziehen, f&uuml;r den Normalfall durfte man sich &uuml;ber weite Strecken der j&uuml;ngsten Geschichte auf die Wirksamkeit des &Uuml;ber-Ichs verlassen, das den seelischen Innenraum beobachtete und eingriff, wenn sich Impulse bemerkbar machten, die das Verhalten in eine gesellschaftlich nicht lizenzierte Richtung lenken wollten. Eine Facette des &Uuml;ber-Ichs ist das Verkehrs-&Uuml;ber-Ich, ohne dessen Herausbildung und Funktionieren der moderne Massenverkehr nicht denkbar w&auml;re. Es sorgte daf&uuml;r, dass die Menschen sich im Regelfall verkehrsgerecht verhielten. <\/p><p>Um auf die eingangs geschilderten Ph&auml;nomene zur&uuml;ckzukommen, so liefern sie uns Hinweise darauf, dass die &Auml;ra des &bdquo;innengeleiteten Charakters&ldquo; (David Riesman) ihrem Ende entgegengeht. Das &Uuml;ber-Ich bildete sich im Rahmen der patriarchalisch strukturierten Traditionsfamilie dadurch aus, dass sich das Kind &ndash; zun&auml;chst aus Furcht vor Strafe, sp&auml;ter im g&uuml;nstigsten Fall aus Einsicht und freien St&uuml;cken &ndash; mit den Eltern identifizierte und ihre Ge- und Verbote in sich hineinnahm. In der Folge wurde das &Uuml;ber-Ich auf andere Personen und Instanzen wie Lehrer, Schule, Vorgesetzte, Fabrik und die Inhaber politischer Macht &uuml;bertragen, die von der familialen Vorunterwerfung profitierten und sie beerbten. <\/p><p>Irgendwann geht die gesellschaftliche Entwicklung &uuml;ber die traditionelle Familie hinweg und &uuml;berantwortet sie einem galoppierenden Funktionsverlust und Erosionsprozess. Mit dem Anbruch des konsumistischen Zeitalters, vollends aber mit dem &Uuml;bergang zum System des &ldquo;flexiblen Kapitalismus&rdquo; (Sennett) erweisen sich ihre Produkte als dysfunktional. Dem gepr&auml;gten und mit einem Charakter ausgestatteten Mensch mangelt es an Konsumlust und Wendigkeit. Der autorit&auml;re Untertan mit seiner zwanghaften Neigung zu Sparsamkeit und Routine war der erw&uuml;nschte Sozialcharakter des 19. und der ersten H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts. Der Massenabsatz von Waren und die ver&auml;nderten Verhaltensanforderungen der Industrie verlangen nun nach einem Menschentyp, der s&uuml;chtig konsumiert und offen ist f&uuml;r st&auml;ndige berufliche und &ouml;rtliche Ver&auml;nderungen. Der charakterlich gepr&auml;gte und lebensgeschichtlich an ein B&uuml;ndel fester Eigenschaften fixierte Mensch musste durch den &ldquo;flexiblen Menschen&rdquo; abgel&ouml;st werden, der sich im Gleitflug &ndash; Sennett spricht von Drift &ndash; wechselnden Marktwinden &uuml;berl&auml;sst und seine Bindungen an Menschen und Orte aufzugeben bereit ist. <\/p><p>Die Markt- und Kapitallogik r&auml;umt nicht nur alle ihren expansiven Drang behindernden &auml;u&szlig;eren Barrieren und Kontrollen beiseite, sondern auch die im Inneren der Menschen. Der flexible Mensch soll alle Bindungen und Hemmungen ablegen, damit er zu allem f&auml;hig werde. So ist es denn auch. Man kann offensichtlich nicht beides zugleich haben: den hochflexiblen, wendigen, allseits anschlussf&auml;higen Menschen und einen Fundus von in der Person fest verankerten handlungsleitenden Normen und Werten. Wer unter der &Auml;gide des losgelassenen Marktes aufw&auml;chst, lernt, Normforderungen auf jenes Minimum zu reduzieren, das gerade noch vor strafrechtlicher Verfolgung sch&uuml;tzt. Wer im Kampf um Erfolg sittlichen und moralischen Normen gerecht werden m&ouml;chte, muss private Standortnachteile und einen rapiden Verfall des Kurswerts seiner Ich-Aktien in Kauf nehmen.<\/p><p>Deswegen darf man sich nicht wundern, wenn an die Innenlenkung gebundene und auf sie angewiesene Regelungen nicht mehr eingehalten werden und es vermehrt zu unkontrollierten Impulsdurchbr&uuml;chen und Regelverletzungen kommt. <\/p><p>Wenn die innere Polizei des Gewissens das Verhalten der Menschen nicht mehr mit ausreichender Zuverl&auml;ssigkeit reguliert, muss die &auml;u&szlig;ere Polizei verst&auml;rkt in Erscheinung treten. Die Disziplinargesellschaft entwickelt sich zur Kontrollgesellschaft. Flankiert wird die verst&auml;rkte Pr&auml;senz der uniformierten Polizei in Fu&szlig;g&auml;ngerzonen, auf Stra&szlig;en und Pl&auml;tzen durch neuartige Kontroll- und &Uuml;berwachungstechniken. Die Moral und andere synthetisierende und einheitsstiftende F&auml;higkeiten des Ichs wandern aus den Subjekten aus und in technische Ger&auml;te ein, die das menschliche Verhalten fl&auml;chendeckend und l&uuml;ckenlos steuern, &uuml;berwachen und kontrollieren. Der in den Einkaufswagen gesteckte Euro steigert die Bereitschaft, den Wagen zur&uuml;ckzubringen, die elektronische Diebstahls-&Uuml;berwachung f&ouml;rdert die Neigung, zu bezahlen. <\/p><p>Die Apparate werden immer intelligenter, die Menschen im gleichen Ma&szlig; d&uuml;mmer. Wie die Navigationsger&auml;te den geographischen Orientierungssinn verk&uuml;mmern lassen, die Internet-Suchmaschinen das Erinnerungsverm&ouml;gen obsolet werden lassen, so untergr&auml;bt die Apparate-Moral das kritische Urteilsverm&ouml;gen und die moralische Substanz im Menschen. In verschiedenen Konzernen wird an der Entwicklung einer satellitengesteuerten Bremse gearbeitet. Verst&ouml;&szlig;t ein Fahrer gegen ein Tempolimit, setzt die Bremse automatisch ein. <em>Big-Brother-Stopper<\/em> wird dieses GPS-System bezeichnenderweise genannt, das eines Tages serienm&auml;&szlig;ig in die PKWs eingebaut werden wird. So wird man auch das Verhalten an Ampeln steuern k&ouml;nnen: bei Rot werden die Wagen automatisch lahm gelegt, die Bremsen setzen ein, das Gas wird weggenommen. Die niederl&auml;ndische Stra&szlig;enverkehrsbeh&ouml;rde hat eine <em>Alcoholslot<\/em> genannte Wegfahrsperre f&uuml;r Fahrzeuge zugelassen. In das am Fahrzeug angebrachte Messger&auml;t muss vor jeder Fahrt geblasen werden &ndash; bei mehr als 0,2 Promille Alkohol im Blut springt der Wagen nicht an. <\/p><p>Immer mehr einstmals autonome Ich-Leistungen und Gewissensentscheidungen werden quasi outgesourct und an Apparate delegiert. Ursache ist meist eine vorangegangene Schw&auml;chung der verhaltenssteuernden Kraft des &Uuml;ber-Ichs, dann aber arbeiten die Apparate, wenn sie erst einmal das Kommando &uuml;bernommen haben, an seiner weiteren Entmachtung und f&ouml;rdern seine Erosion und Abdankung. Warum soll ich mich m&uuml;hsam selbst orientieren, wenn ich mich von Ger&auml;ten orientieren lassen kann? Warum soll ich einen Handlungsimpuls an verinnerlichten Normen pr&uuml;fen, wenn Apparate mir sagen, was das Richtige ist, das ich zu tun, und was das Falsche, das ich zu unterlassen habe? Das menschliche Bewusstsein wird als blo&szlig;es Durchgangsmoment in die Schaltung von verselbst&auml;ndigten Apparaten eingespannt und damit ein St&uuml;ck weit entbehrlich. Die weitgehend bewusstseinsferne, technokratische Organisation des sozialen Lebens enteignet die Subjekte und l&auml;sst sie verarmen &ndash; ihre Erfahrungswelt, hei&szlig;t es in der <em>Dialektik der Aufkl&auml;rung<\/em>, &auml;hnelt sich &bdquo;tendenziell wieder der der Lurche an&ldquo;.<\/p><p>&bdquo;Mit solchen Leuten wird man niemals den Sozialismus aufbauen&ldquo;, sagte angesichts des Pariser Stra&szlig;enverkehrs ein Freund aus Ostdeutschland zu Andr&eacute; Gorz. Wenn es wahr ist, &bdquo;dass man eine Nation erst dann wirklich kennt, wenn man in ihren Gef&auml;ngnissen gewesen ist&ldquo;, wie Nelson Mandela gesagt hat, so k&ouml;nnte man auch den Stra&szlig;enverkehr zum Gradmesser daf&uuml;r machen, wie es um die Zivilisiertheit einer Gesellschaft bestellt und wie hoch ihr Aggressionspegel ist. <\/p><p>Autos sind keine Fortbewegungsmittel, sondern &bdquo;lackierte Kampfhunde&ldquo; (Norbert Kostede), die ihre Besitzer aufeinander loslassen. Das Auto ist das nach au&szlig;en verlagerte Aggressionspotenzial seines Besitzers, dient als Entlastungsmittel von inneren Spannungen und Konflikten. Das Gaspedal ist der einzige Hebel, den der heutige Mensch noch bet&auml;tigen kann. Hier kann er sich als Herr der Lage empfinden, hier &uuml;bt er die Kontrolle &uuml;ber die Maschine aus, die seinen Befehlen gehorcht. Im Rausch der Geschwindigkeit vergessen M&auml;nner ihre reale Schw&auml;che. Ein Machtgef&uuml;hl schlagen sie daraus, einer Maschine zu befehlen oder mit einer Maschine zu verschmelzen. Das Auto selbst ist eine Waffe, die es im Konfliktfall erlaubt, missliebige Rivalen abzusch&uuml;tteln oder sich ihrer durch eine leichte Drehung der Servolenkung zu entledigen. Das automobile Cockpit bildet eine g&ouml;ttliche Machtzentrale, und die Lust, die auf allen Bedienungselementen blinkt und aus dem Display springt, ist kaum noch zu steigern. Nirgends wird so viel geflucht wie hinter dem Steuer, die Nerven liegen blank, die Stimmung ist aggressiv aufgeladen und gereizt. Wenn wir wegen unserer hinter dem Steuer ausgesprochenen Verw&uuml;nschungen, Fl&uuml;che und Drohungen vor Gericht m&uuml;ssten, landeten wir alle im Gef&auml;ngnis. <\/p><p>&bdquo;L&auml;ngst ist der PKW zu einem gesellschaftlich akzeptierten Instrument der Realisierung homocidaler und suizidaler Tendenzen geworden&ldquo;, hei&szlig;t es bei Peter Br&uuml;ckner. Mord und Selbstmord liegen oft dicht beieinander, f&uuml;r einen Moment ist in der Schwebe, in welche Richtung die destruktiven Energien sich wenden. Das Auto erlaubt die Verkn&uuml;pfung beider in Gestalt einer spezifischen Form des erweiterten Suizids. Wie vollzogene Selbstmorde eine Tendenz aufweisen, eine Epidemie auszul&ouml;sen, so zieht auch der erweiterte Suizid mittels Auto Nachahmungstaten nach sich. Bundesweit gab es im Herbst 2012 immer wieder Geisterfahrer-Kollisionen mit mehreren Toten. So starben allein im Oktober 2012 mindestens 13 Menschen durch Falschfahrer. Es mag unter den sogenannten Geisterfahrten auch Irrfahrten &auml;lterer oder berauschter Menschen geben, aber im Kern geht es dem Geisterfahrer darum, in den beschlossenen eigenen Untergang andere Menschen mitzurei&szlig;en. Der Geisterfahrer ist ein Amokt&auml;ter, der zur Realisierung seiner Absichten das Automobil als Waffe einsetzt. <\/p><p>Dass der Stra&szlig;enverkehr zu einer Form des Krieges geworden ist, zeigt unter anderem der Siegeszug der Gel&auml;ndewagen, der SUVs und Humers, die vom milit&auml;rischen Bereich, f&uuml;r den sie entwickelt worden sind, in den zivilen Stra&szlig;enverkehr eingedrungen sind und mit Slogans wie diesem beworben werden: &bdquo;Man kann seine Natur ignorieren, oder sie einfach ausleben.&ldquo;<\/p><p>Auf der Autobahn: Die Heckscheibe verfinstert sich und der K&uuml;hlergrill eines SUV (Sports Utility Vehicle) schiebt sich wie eine aggressive Pitbull-Schnauze bis auf Zentimeter an die Sto&szlig;stange meines Kleinwagens heran und wird mich wegbei&szlig;en. Statt zu bellen oder zu knurren, werden gleich die Scheinwerfer aufflammen und mir signalisieren, dass ich gef&auml;lligst zu weichen habe.<\/p><p>Statt an der Entbrutalisierung des Verkehrs zu arbeiten, r&uuml;sten die Leute auf. Man will eine m&ouml;glichst gro&szlig;e Knautschzone vor sich haben. Gleichzeitig wird gerast wie nie. Dort oben, im Cockpit eines SUV, w&auml;hnt man sich sicher. Man f&auml;hrt mit Licht, statt die wechselseitige Aufmerksamkeit zu sch&auml;rfen. Wenn die Aufmerksamkeit auf Licht eingestellt ist, wird alles Unbeleuchtete &ndash; Radfahrer, Fu&szlig;g&auml;nger &ndash; umso weniger wahrgenommen. <\/p><p>Man klettert an Bord, sinkt in die Ledersitze und l&auml;sst die T&uuml;r ins Schloss fallen. Alle Ger&auml;usche verebben, nichts kann einem mehr etwas anhaben. SUV-Fahrer haben das Gef&uuml;hl, in einer Burg zu sitzen. Je h&ouml;her man sitzt, desto eher untersch&auml;tzt man die Geschwindigkeit und man neigt dazu, riskanter zu fahren. Ein kleiner Druck aufs Gaspedal und schon bewegt man sich mit 160 oder 180 Stundenkilometern auf der Autobahn fort. Der Wind macht einen gro&szlig;en Bogen um die Karosse. Der starke Motor brummt, umsichtige Assistenzsysteme warnen vor Geschwindigkeits- und Spur&uuml;berschreitungen &ndash; und werden ignoriert. Klein- und Mittelklassewagen weichen vor der schieren Masse dieser Wagen erschrocken aus. Man ist Herr der Lage. Man reitet eine Kanonenkugel. Man ist der King. Schei&szlig; auf die anderen!<\/p><p>Die eingangs geschilderten Ph&auml;nomene haben sich uns im Laufe unserer &Uuml;berlegungen als Erscheinungsformen der Erosion des Verkehrs-&Uuml;ber-Ichs erschlossen. Diese haben nicht nur eine erfreulich-heitere, gleichsam italienische Seite, die man begr&uuml;&szlig;en k&ouml;nnte, sondern auch eine weniger erfreulich d&uuml;stere. Der entfesselte Egoismus zersetzt die R&uuml;cksichtnahme und das Gef&uuml;hl des wechselseitigen Aufeinander-Angewiesen-Seins. Jeder Dritte telefoniert w&auml;hrend der Fahrt mit dem Handy oder hat sein Smartphone, das auch als Navi fungiert, auf dem Oberschenkel liegen und wischt mit dem Finger &uuml;ber den Touchscreen. Man k&ouml;nnte sonst ja wom&ouml;glich den Eingang einer Nachricht verpassen. Immer weniger Autofahrer zeigen eine Richtungs&auml;nderung noch durch Setzen des Blinkers an.  Es wird abgebogen, ein- und ausgeparkt, &uuml;berholt und die Spur gewechselt ohne jedes Signal an die anderen. Immer mehr Autofahrer verfahren nach dem Motto: &bdquo;Was geht es die anderen an, wenn ich vorhabe abzubiegen oder zu &uuml;berholen!&ldquo; Was dr&uuml;ckt sich darin aus? Eine Aufk&uuml;ndigung gesellschaftlicher Bezogenheit, ein Schwund der F&auml;higkeit zum Perspektivenwechsel, eine Entsolidarisierung. Das Blinken ist ja ein Signal an den Anderen, dem ich auf diese Weise meine Absichten kundtue, damit er sie in seine Handlungsperspektiven einbeziehen und ber&uuml;cksichtigen kann. Der Moral ist wesenseigen die Beziehung zum anderen und die Einnahme von dessen Perspektive, die Einf&uuml;hlung in ihn. Das verbreitete Ignorieren von Regeln und das Roulette an den Ampeln ist Ausdruck einer moralverzehrenden  Enthemmungstendenz. Es ist neoliberale Deregulierung &ndash; angewandt auf den Stra&szlig;enverkehr. Der &bdquo;flexible Mensch&ldquo; (Richard Sennett) empfindet die Regulierung des Verkehrs durch Ampeln und Verkehrszeichen als unzul&auml;ssige und l&auml;stige Beschr&auml;nkung seiner Freiheit. &bdquo;Wer bremst, verliert!&ldquo;, lautet das Motto des Lebens unter den Bedingungen entfesselter Konkurrenz. Der andere ist der Feind &ndash; Gl&uuml;ck ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Nirgends zeigen sich die Folgen der systematisch betriebenen Entgesellschaftung und asozialen Individualisierung so deutlich wie im Stra&szlig;enverkehr.<\/p><p>So darf es uns eigentlich nicht wundern, dass die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder gestiegen ist. Im Jahr 2011 starben &ndash; trotz der ganzen in die PKWs eingebauten Sicherheitstechnik &ndash; 4009 Menschen bei Verkehrsunf&auml;llen. Das entspricht einem Anstieg von fast 10 Prozent. Besonders die Lage der Radfahrer ist prek&auml;r. Laut <em>S&uuml;ddeutscher Zeitung<\/em> vom 6. September 2012 kamen im Jahr 2011 614 Menschen mit ihren Fahrr&auml;dern ums Leben. An fast jedem siebten Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch verletzt wurde, war ein Radfahrer beteiligt, zwanzig Jahre zuvor nur an jedem zehnten. An drei Vierteln der Fahrradunf&auml;lle ist ein Auto beteiligt und an drei Vierteln dieser Zusammenst&ouml;&szlig;e sind die Autofahrer schuld. Diese Zahlen sind ein Indikator daf&uuml;r, dass Aggressivit&auml;t und R&uuml;cksichtslosigkeit zunehmen und sich &uuml;ber das Auto einen Weg der Ent&auml;u&szlig;erung suchen. Dass f&uuml;r viele Radfahrer rote Ampeln nur Schmuckleuchten und Verkehrszeichen allenfalls unverbindliche Empfehlungen sind, wird in dem Artikel der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> allerdings auch erw&auml;hnt. <\/p><p>Der Verkehr ist neben dem Sport zu einer wichtigen <em>Ventilsitte<\/em> geworden, die diese Kultur ihren Mitgliedern zur Verf&uuml;gung stellt. Ventilsitten f&uuml;hren Wut und Aggression auf eine Weise ab, die den Fortbestand des herrschenden Systems nicht gef&auml;hrdet, sondern es noch in seiner scheinbaren Negation am Leben erh&auml;lt. Sie dienen der Aufrechterhaltung inhumaner gesellschaftlicher Zust&auml;nde, indem man die Menschen im Krieg auf fremde V&ouml;lker losl&auml;sst. Da man sich nicht immer schlagen kann, haben klassengespaltenen Herrschaftskulturen f&uuml;r die Friedenszeiten innenpolitische Entlastungsmechanismen ersonnen. Man lenkt die gestaute Wut der anst&auml;ndigen B&uuml;rger auf die &bdquo;B&ouml;sen&ldquo;, die Verbrecher, und gegen Minderheiten. Der Rest der destruktiven und aggressiven Energien wird von Arbeit und Konsum absorbiert oder entweicht durch gesellschaftlich lizenzierte Ventile wie den Stadionbesuch am Wochenende oder das Autofahren. Im Auto steckt die gestaute Aggression der Unm&uuml;ndigkeit und des ungelebten Lebens.  <\/p><p>Viele Zeitgenossen favorisieren ein <em>Leben auf der &Uuml;berholspur<\/em>, finden Bremsen extrem &bdquo;uncool&ldquo; und etwas f&uuml;r &bdquo;Loser&ldquo;. Wer Zeichen von M&uuml;digkeit und Depression zeigt, fliegt aus dem Rennen, dessen Ziel und Sinn niemand kennt: Rasend schnell nach Nirgendwo! Mit Thomas Pynchon habe ich meine &Uuml;berlegungen zum Stra&szlig;enverkehr begonnen und ich lasse sie auch mit ihm ausklingen. In seinem 1973 erschienenen Buch Die <em>Enden der Parabel<\/em> hat er die Hochgeschwindigkeits- und Spa&szlig;gesellschaft der Gegenwart und ihren wahrheitsvergessenen Aktivismus bereits k&uuml;hn vorweggenommen: <em>&bdquo;Innerhalb des Systems zu leben ist wie eine &Uuml;berlandfahrt in einem Bus, der von einem Wahnsinnigen gesteuert wird, der seinen Selbstmord plant &hellip; obwohl er ein netter Kerl ist und st&auml;ndig Witze &uuml;ber den Lautsprecher l&auml;sst.&ldquo;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wer bremst, verliert!&ldquo;, lautet das Motto des Lebens unter den Bedingungen entfesselter Konkurrenz. Der andere ist der Feind &ndash; Gl&uuml;ck ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Nirgends zeigen sich die Folgen einer systematisch betriebenen Entgesellschaftung und Entsolidarisierung so deutlich wie im Stra&szlig;enverkehr. Von <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[161],"tags":[866,2447],"class_list":["post-16666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wertedebatte","tag-konkurrenzdenken","tag-strassenverkehr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16666"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48848,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16666\/revisions\/48848"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}