{"id":16819,"date":"2013-04-10T13:38:54","date_gmt":"2013-04-10T11:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16819"},"modified":"2015-08-05T17:08:25","modified_gmt":"2015-08-05T15:08:25","slug":"arme-deutsche-wie-eine-statistik-zur-meinungsmache-verbogen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16819","title":{"rendered":"Arme Deutsche? Wie eine Statistik zur Meinungsmache verbogen wird"},"content":{"rendered":"<p>Aus Statistiken kann man viele Schl&uuml;sse ziehen &ndash; richtige wie falsche. Man kann beispielsweise statistisch &bdquo;belegen&ldquo;, dass Babys in Wirklichkeit doch <a href=\"http:\/\/www.math.uni-paderborn.de\/~agbiehler\/sis\/sisonline\/struktur\/jahrgang21-2001\/heft2\/Langfassungen\/2001-2_Matth.pdf\">vom Storch gebracht werden [PDF &ndash; 180 KB]<\/a>. Und man kann auch statistisch belegen, dass die Deutschen die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/ezb-umfrage-deutsche-sind-die-aermsten-im-euroraum-12142944.html\">&bdquo;&Auml;rmsten in Euroraum&ldquo;<\/a> sind. Doch nicht alles, was statistisch belegbar ist, ist auch logisch nachvollziehbar. Die Ergebnisse der j&uuml;ngst ver&ouml;ffentlichten Notenbank-Statistik, die von einigen Meinungsmachern als <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/kommentar-arme-deutsche-12143183.html\">&bdquo;unglaubliche Fakten&ldquo;<\/a> f&uuml;r die Armut Deutschlands interpretiert werden, lassen beispielsweise sehr viele hoch interessante Schl&uuml;sse zu. Nur einen Schluss l&auml;sst die Statistik nicht zu: Dass die Deutschen die &bdquo;&Auml;rmsten im Euroraum&ldquo; sind. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5127\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-16819-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130411_Arme_Deutsche_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130411_Arme_Deutsche_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130411_Arme_Deutsche_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130411_Arme_Deutsche_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=16819-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130411_Arme_Deutsche_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"130411_Arme_Deutsche_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ist der durchschnittliche Grieche wirklich doppelt so reich wie der durchschnittliche Deutsche? Wenn man die aktuelle <a href=\"http:\/\/www.bundesbank.de\/Redaktion\/DE\/Kurzmeldungen\/Fokusthemen\/2013_03_21_phf.html\">PHF-Studie<\/a> der Notenbanken der Eurol&auml;nder nicht korrekt liest, k&ouml;nnte man zu diesem Ergebnis kommen. Tats&auml;chlich hat der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Median\">Median<\/a> der griechischen Haushalte ein Verm&ouml;gen von 102.000 Euro, w&auml;hrend der Median der deutschen Haushalte nur &uuml;ber ein Verm&ouml;gen von 51.000 Euro verf&uuml;gt. Beim Durchschnitt, bei dem einige wenige extreme Ausrei&szlig;er den Wert verzerren, sieht es jedoch g&auml;nzlich anders aus: Der deutsche Durchschnittshaushalt verf&uuml;gt laut PHF-Studie &uuml;ber eine Verm&ouml;gen von 195.000 Euro, w&auml;hrend der griechische Durchschnittshaushalt nur &uuml;ber 148.000 Euro verf&uuml;gt. Der Teich war im Schnitt einen Meter tief und trotzdem ersoff die Kuh, sagt ein russisches Sprichwort. Da die PHF-Studie auf einer interviewgest&uuml;tzten Umfrage unter rund 3.000 Haushalten pro Land basiert, an der die Befragten freiwillig teilnehmen konnten und ihre Angaben auch nicht weiter &uuml;berpr&uuml;ft wurden, sollte man sich tunlichst davor h&uuml;ten, diese Ergebnisse all zu ernst zu nehmen. Welcher reiche Grieche w&uuml;rde einem Interviewer im Auftrag der Notenbank schon freiwillig von seinen schwarzen Konten in der Schweiz berichten? Welcher reiche Deutsche erz&auml;hlt den Interviewern freiwillig von seiner Liechtensteiner Stiftung oder seinem Trust auf den Caymans? <\/p><p><strong>Ohne die Anspr&uuml;che aus dem Rentensystem einzurechnen, sind die Ergebnisse nicht vergleichbar<\/strong><\/p><p>Die mangelnde Transparenz &uuml;ber die Richtigkeit und Vollst&auml;ndigkeit der Antworten erkl&auml;rt vor allem den vielfach zu geringen Unterschied zwischen dem Median und dem Durchschnitt. F&uuml;r die teilweise unerkl&auml;rlich gro&szlig;en nationalen Unterschiede der Medianwerte ist er jedoch keine Erkl&auml;rung. Doch auch hier gibt es zahlreiche Gr&uuml;nde, warum die erhobenen Werte nicht seri&ouml;s vergleichbar sind.<\/p><p>Der wohl wichtigste Grund ist der, dass bei der Erhebung zwar die private Altersvorsorge als Verm&ouml;genswert angerechnet wurde, die Anspr&uuml;che aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente jedoch elegant ignoriert wurden. Dabei stellen die Anspr&uuml;che an die gesetzliche Rente und das &ouml;ffentliche Pensionssystem gerade in der deutschen Unter- und Mittelschicht den gr&ouml;&szlig;ten &bdquo;Verm&ouml;gensbestandteil&ldquo; dar, wenn man denn &uuml;berhaupt Anspr&uuml;che aus einer Altersvorsorge zu den Verm&ouml;genswerten z&auml;hlen will. Der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Eckrentner hat beispielswiese einen Anspruch auf eine Nettomonatsrente in H&ouml;he von 1.236 Euro. Bei einem Zweipersonenhaushalt und einer durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 13 Jahren entspricht dies [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] einem Altersvorsorgeanspruch in H&ouml;he von 358.632 Euro. Selbst wenn man nicht den Eckrentnerhaushalt, sondern den Durchschnittsrentner nimmt, bezieht ein Zweipersonenhaushalt mit Mann und Frau im Schnitt 1.435 Euro im Monat, was sich in 13 Jahren auf 223.860 Euro summiert. Randnotiz: Ein durchschnittlicher Zweipersonen-Beamtenhaushalt k&auml;me nach dieser Rechnung auf Pensionsanspr&uuml;che in H&ouml;he von 801.840 Euro.<\/p><p>Nat&uuml;rlich haben auch Griechen Anspruch auf eine gesetzliche Rente, nur dass der durchschnittliche griechische Rentner (nach Vorkrisenzahlen) gerade einmal die H&auml;lfte an Rente bezieht wie sein deutsches Pendant. Bezogen auf den Durchschnitt m&uuml;sste das derart &bdquo;gemessene&ldquo; Verm&ouml;gen der Deutschen somit um fast 120.000 Euro h&ouml;her sein als das der Griechen und die &bdquo;sch&ouml;ne&ldquo; Statistik, nach der &bdquo;der Grieche&ldquo; doppelt so reich wie der &bdquo;der Deutsche&ldquo; ist, w&auml;re schon mal f&uuml;r die Katz. Und da &bdquo;der Grieche&ldquo; von seiner niedrigen Rente nicht leben kann, muss er privat vorsorgen. Die Anspr&uuml;che aus dieser privaten Altersvorsorge z&auml;hlen jedoch laut PHF zu den Verm&ouml;genswerten und bl&auml;hen daher den griechischen Wert &uuml;berdies auch noch auf. Bezieht man diese Effekte mit ein, d&uuml;rfte das &bdquo;Verm&ouml;gen&ldquo; der Deutschen im Median rund doppelt so hoch wie das der Griechen sein, womit die Eingangsthese in ihr exaktes Gegenteil umgewandelt w&auml;re.<\/p><p>Das Einbeziehen von Forderungen aus der Altersvorsorge ist jedoch f&uuml;r eine Verm&ouml;gensstatistik generell problematisch, da B&uuml;rger von L&auml;ndern mit einem gr&ouml;&szlig;tenteils privatisierten Altersvorsorgesystem dadurch stets &bdquo;verm&ouml;gender&ldquo; dargestellt werden. W&uuml;rde man beispielsweise von heute auf morgen das deutsche umlagefinanzierte System abschaffen und die B&uuml;rger zwingen, privat vorzusorgen, w&uuml;rde im Laufe der Zeit das &bdquo;Verm&ouml;gen&ldquo; unweigerlich stark steigen. Wenn ein Arbeitnehmer beispielsweise gezwungen w&auml;re, jeden Monat 300 Euro in ein privates Altersvorsorgemodell einzuzahlen, h&auml;tte er [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] nach zehn Jahren 36.000 Euro Anspr&uuml;che angesammelt, die in der PHF-Studie ausgewiesen w&uuml;rden. Dennoch h&auml;tte er &ndash; systembedingt &ndash; geringere Rentenanspr&uuml;che als im Umlagesystem. Er w&auml;re also in Wirklichkeit &auml;rmer als vorher, w&uuml;rde jedoch von der Statistik als verm&ouml;gender gef&uuml;hrt. <\/p><p>Die Nichteinbeziehung von Rentenanspr&uuml;chen ist somit der gewichtigste Faktor, warum die Ergebnisse der einzelnen L&auml;nder nicht seri&ouml;s vergleichbar sind. So ist es beispielsweise gar kein Wunder, dass ein Land wie die Niederlande mit seinem hohen privaten Altersvorsorgeanteil bei der PHF-Studie im Median ein doppelt so hohes Verm&ouml;gen wie Deutschland erzielt. Man kann eben &Auml;pfel nicht mit Birnen vergleichen. <\/p><p><strong>Mein Haus, mein Auto, mein Boot<\/strong><\/p><p>Ein weiterer gewichtiger Grund, warum die Ergebnisse nicht vergleichbar sind, ist die Bemessung der einzelnen Verm&ouml;gensbestandteile. Hier verlassen sich die Statistiker voll und ganz auf die freiwilligen Angaben der Befragten. Nun mag ein spanisches Haus vor dem Platzen der Immobilienblase [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] auf dem Papier einen gigantischen Wert gehabt haben &ndash; den Wert f&uuml;r Immobilien auf dieser Basis zu kalkulieren, ist jedoch hoch unseri&ouml;s. So werden aus Bauruinen und Bruchbuden Luftschl&ouml;sser gemacht. <\/p><p>Die Daten aus L&auml;ndern mit einem sehr hohen Hausbesitzeranteil und unrealistisch hohen &bdquo;Marktpreisen&ldquo; f&uuml;r Immobilien sind daher bei seri&ouml;ser Betrachtung ohnehin nicht mit den deutschen Daten vergleichbar. Damit fallen die hohen Werte aus Zypern, Malta, Spanien und Portugal bereits aus der Vergleichbarkeit heraus. Ein &auml;hnliches Problem gibt es bei der Bewertung von Aktien und anderen Verm&ouml;gensgegenst&auml;nden, die hohen Preisschwankungen ausgesetzt sind. Hier wurde bei der PHF-Studie auf Basis des Marktwertes bilanziert. Dies ist ein eklatanter Versto&szlig; gegen die Grunds&auml;tze ordnungsgem&auml;&szlig;er Buchf&uuml;hrung, bei der stets nur die Anschaffungs- und Herstellungskosten aber nicht der Marktwert bilanziert werden darf. F&uuml;r die Auftraggeber der Studie, also die Zentralbanken, ist der Marktwert der Verm&ouml;gensgegenst&auml;nde freilich sehr interessant. Das schlie&szlig;t jedoch eine Vergleichbarkeit der Wert &uuml;ber die Grenzen hinweg aus.<\/p><p><strong>Armutsrisiko Singlehaushalt?<\/strong><\/p><p>Unverst&auml;ndlicherweise arbeitet die PHF-Studie auf Basis von Haushalten und nicht auf Basis von Einzelpersonen. Dies f&uuml;hrt zwangsl&auml;ufig dazu, dass L&auml;nder mit h&ouml;heren Haushaltsgr&ouml;&szlig;en als &bdquo;verm&ouml;gender&ldquo; gelten als L&auml;nder mit niedrigen Haushaltsgr&ouml;&szlig;en. Deutschland weist einen doppelt so hohen Anteil an Singlehaushalten im Vergleich zu den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern auf, was auch ein Grund f&uuml;r die vermeintlich schlechten Ergebnisse ist. Es ist freilich eine Binse, dass eine Gro&szlig;familie, bei der mehrere Generationen unter einem Dach leben, &bdquo;verm&ouml;gender&ldquo; als ein Einpersonenhaushalt sein muss. Aber welchen geistigen Mehrwert bringt diese Erkenntnis?<\/p><p>Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in S&uuml;deuropa f&uuml;hrt so paradoxerweise dazu, dass die Haushalte dieser L&auml;nder auf dem Papier &bdquo;verm&ouml;gender&ldquo; werden. Schlie&szlig;lich k&ouml;nnen sich die arbeitslosen jungen Menschen schlicht keinen eigenen Haushalt leisten und sind gezwungen, weiterhin im Elternhaushalt zu leben. Statistisch wird so aus zwei potentiellen Haushalten einer. Das &ndash; nicht vorhandene &ndash; Verm&ouml;gen des jungen Arbeitslosen f&auml;llt dadurch statistisch unter den Tisch.<\/p><p>Auch in Deutschland wei&szlig; man eigentlich, dass es kein Zeichen von &bdquo;Armut&ldquo; ist, wenn man seinen Kindern erm&ouml;glicht, trotz mangelnden Einkommens einen eigenen Haushalt zu f&uuml;hren. Was eigentlich ein Luxus ist, wird durch die fragw&uuml;rdige Berechnungsgrundlage zu einem Armutsrisiko. Der Singlehaushalt ist eher ein Anzeichen von gesellschaftlichem Wohlstand. In der PHF-Studie f&uuml;hrt er jedoch dazu, dass statistisch eine Armut produziert wird, die so &uuml;berhaupt nicht vorhanden ist. Fast jeder zweite Haushalt, der von der deutschen Sektion der PHF-Studie befragt wurde, ist ein Einpersonenhaushalt. <\/p><p><strong>&Ouml;ffentliche G&uuml;ter fallen ebenfalls unter den Tisch<\/strong><\/p><p>Auch der hierzulande vergleichsweise gut funktionierende Markt f&uuml;r gemieteten Wohnraum dr&uuml;ckt die deutschen Ergebnisse in einer Art und Weise, dass man sie schlecht mit den Ergebnissen anderer L&auml;nder vergleichen kann. So tauchen beispielsweise die zahlreichen Wohnungen in &ouml;ffentlichem Besitz in der PHF-Studie nicht auf. W&uuml;rde die &ouml;ffentliche Hand sich von diesen Wohnungen trennen, h&auml;tte dies paradoxerweise einen positiven Effekt auf die Verm&ouml;gensbilanz, die ja nur das Verm&ouml;gen der Privathaushalte beinhaltet.<\/p><p>Ganz &auml;hnlich verh&auml;lt es sich mit immateriellen G&uuml;tern und &ouml;ffentlichen Dienstleistungen. Wenn beispielsweise die Eltern und Gro&szlig;eltern f&uuml;r die Studienkosten ihrer Kinder sparen m&uuml;ssen, so hat dies einen positiven Effekt auf die Verm&ouml;gensstatistik. Zahlt der Staat das Studium, bleibt dieser Effekt aus. Gleiches bei der Pflegeversicherung &ndash; wer f&uuml;r die zu erwartenden Pflegekosten privat spart, ist &ndash; auf dem Papier &ndash; verm&ouml;gender. Wird die Pflege &uuml;ber die Sozialsysteme gezahlt, hat dies &ndash; ebenfalls auf dem Papier &ndash; einen negativen Effekt auf das Verm&ouml;gen. Das ist paradox.<\/p><p><strong>Wie werden wir reicher?<\/strong><\/p><p>W&uuml;rde man die Krokodiltr&auml;nen der FAZ ernst nehmen, so k&ouml;nnte man einen klaren Ma&szlig;nahmenkatalog entwerfen, wie &bdquo;die Deutschen&ldquo; reicher werden: Zun&auml;chst m&uuml;sste man daf&uuml;r sorgen, dass das Rentensystem komplett privatisiert wird, auch wenn dies negative Auswirkungen auf die zu erwartenden Eink&uuml;nfte im Alter h&auml;tte. Dann m&uuml;sste man noch daf&uuml;r sorgen, dass die Menschen sich seltener scheiden lassen und die Kinder l&auml;nger bei ihren Eltern leben, um die statistische Haushaltsgr&ouml;&szlig;e zu erh&ouml;hen. Bei einer h&ouml;heren Jugendarbeitslosigkeit und weniger Studienpl&auml;tzen w&auml;re dies der Fall. Als N&auml;chstes m&uuml;sste man dann das Sozialsystem privatisieren und Leistungen auf ein Minimum herunterfahren. Denn wenn der Deutsche, angefangen bei der Schulausbildung seiner Kinder, unerwarteten Krankheitskosten bis zum Platz im Altenheim, f&uuml;r alles und jedes R&uuml;cklagen bilden muss, wird er &ndash; auf dem Papier &ndash; auch verm&ouml;gender. <\/p><p>Die entscheidende Frage ist jedoch: W&uuml;rden wir durch diese Ma&szlig;nahmen &auml;rmer oder reicher? Dies ist nat&uuml;rlich eine rhetorische Frage. Aber was nutzt eine Verm&ouml;gensstatistik, die Ergebnisse liefert, die nicht international vergleichbar sind? Einiges, dazu werden die NachDenkSeiten in der n&auml;chsten Woche noch zur&uuml;ckkommen. Die PHF-Studie liefert n&auml;mlich durchaus interessante Ergebnisse. Als Vergleichsstudie f&uuml;r die Verm&ouml;gen in den Eurol&auml;ndern war diese Studie jedoch nie gedacht. Warum picken sich dann aber die Journalisten von FAZ und Co. ausgerechnet den Punkt aus der PHF-Studie heraus, der &uuml;berhaupt nicht daf&uuml;r geeignet ist, seri&ouml;s aufgegriffen zu werden? K&ouml;nnte es sein, dass die Argumentation, nach der die &bdquo;armen Deutschen&ldquo; nicht l&auml;nger die &bdquo;reichen S&uuml;deurop&auml;er&ldquo; retten sollten &ndash; so falsch sie auch ist &ndash; FAZ und Co. sehr gut ins Konzept passt? K&ouml;nnte es ferner sein, dass die Journalisten von FAZ und Co. mit den hier genannten absurden Ma&szlig;nahmen zur &bdquo;Steigerung des Verm&ouml;gens&ldquo; sympathisieren? Beides d&uuml;rfte zutreffen. Aber wer wei&szlig;? Vielleicht werden die Babys ja doch vom Storch gebracht.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] vereinfachte Rechnung ohne Sonderkosten, Verzinsung u.&auml;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] ebenso: vereinfachte Rechnung ohne Sonderkosten, Verzinsung u.&auml;.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] in Spanien wurde &ndash; anders als im Rest der L&auml;nder &ndash; die Befragung im Jahre 2008 durchgef&uuml;hrt, w&auml;hrend alle L&auml;nder die Befragung 2010\/2011 durchf&uuml;hrten.<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/ffa764c8dc254ce689cc54b8b11aa14c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Statistiken kann man viele Schl&uuml;sse ziehen &ndash; richtige wie falsche. 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