{"id":16916,"date":"2013-04-18T09:18:00","date_gmt":"2013-04-18T07:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16916"},"modified":"2015-08-07T09:36:57","modified_gmt":"2015-08-07T07:36:57","slug":"wenn-die-klapperstorche-vor-dem-1-april-die-grenze-zwischen-elsass-und-sudpfalz-uberfliegen-dann-steigt-die-geburtenrate-in-der-sudpfalz-im-januar-des-folgenden-jahres-um-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16916","title":{"rendered":"Wenn die Klapperst\u00f6rche vor dem 1. April die Grenze zwischen Elsass und S\u00fcdpfalz \u00fcberfliegen, dann steigt die Geburtenrate in der S\u00fcdpfalz im Januar des folgenden Jahres um 10 %."},"content":{"rendered":"<p>Jetzt ist diese f&uuml;r die Gestaltung des demographischen Wandels wichtige Erkenntnis der neoliberalen Theoretiker von Wissenschaftlern widerlegt worden. Sie haben nachgewiesen, dass die Theorie auf einem peinlichen Excel-Fehler aufbaute. Der erkennbare Unsinn der These wie auch der erkennbare Unsinn der Korrektur ist direkt auf eine gestern ausgebrochene Debatte anzuwenden. Ich zitiere <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,894893,00.html\">SpiegelOnline<\/a>: &bdquo;Schulden-Theorie: Excel-Panne&nbsp;stellt Europas Sparpolitik in Frage. &ndash; Die US-Forscher Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart lieferten den wissenschaftlichen &Uuml;berbau f&uuml;r die weltweite Sparpolitik: Bei Staatschuldenquoten von mehr als 90 Prozent leide das Wachstum.&ldquo; Jetzt h&auml;tten drei Forscher  von der Universit&auml;t Massachusetts die wissenschaftliche Grundlage des politischen Spardogmas ins Wanken gebracht.  Sie seien zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Dar&uuml;ber wird nun in den Medien und zwischen den Wissenschaftlern feurig diskutiert. Eine absolute Unsinnsdebatte. Die Theorie war grotesk. Deshalb ist auch ihre Widerlegung grotesk. Zeitverschwendung. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7880\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-16916-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130418_Die_Klapperstoerche_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130418_Die_Klapperstoerche_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130418_Die_Klapperstoerche_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130418_Die_Klapperstoerche_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=16916-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130418_Die_Klapperstoerche_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"130418_Die_Klapperstoerche_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die H&ouml;he der Staatsschuldenquote soll etwas sagen &uuml;ber die Wachstumschancen. Abstrus. Die Staatsschuldenquote besteht aus zwei Komponenten: dem Schuldenstand eines Staates und dem Bruttoinlandsprodukt. An einem solchen Quotienten die Chancen einer Entwicklung und einer m&ouml;glichen Wirtschaftpolitik festzumachen, ist schon per se komisch. Und dann auch noch festzustellen, dass bei einer bestimmten Zahl (=90 %) der Bruch stattfinde, auch das ist grotesk. Warum nicht 95% oder 60 oder 160%. Hier haben zwei als Wissenschaftler getarnte Ideologen eine Regel erfunden, die ihrem Wunsch entsprach.<br>\nHinzu kommt, dass der Schuldenstand nicht die ma&szlig;gebliche Gr&ouml;&szlig;e zur Beurteilung der M&ouml;glichkeiten einer besch&auml;ftigungsorientierten Wirtschaftspolitik ist. Daf&uuml;r sprechen auch empirische Daten. Belgien und Italien lagen schon in den ganzen neunziger Jahren &uuml;ber 90 %, Japan ab 1996. Ich f&uuml;ge als Anhang die Tabelle A3 aus meinem Buch &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo; an. Sie zeigt, wie grotesk insgesamt die Theorie des Herrn Rogoff ist. Zum Beispiel gab es in den neunziger Jahren in einigen L&auml;ndern hohe Wachstumsraten und gleichzeitig einen Anstieg der Staatsschuldenquote. Zum Beispiel in Schweden. Meist ist die Korrelation von BIP-Wachstum und Staatsschuldenquote nicht signifikant.<br>\nSo unsinnig wie die Theorie war, so unsinnig ist auch die Widerlegung. Wenn ich den angeblichen Experten Rogoff und Reinhart Rechenfehler nachweise, dann akzeptiere ich das Prinzip ihrer seltsamen Herstellung von Relationen. <\/p><p>Nicht sonderlich erstaunlich ist das gro&szlig;e Medienecho. (Ein Beispiel noch: die S&uuml;ddeutsche Zeitung meldete: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/streit-ueber-sparpolitik-forscher-attackieren-goldene-schuldenregel-1.1650859\">Forscher attackieren goldene Schuldenregel<\/a>&ldquo;) Wer den neoliberalen Theorien glaubt, der muss sich auch &ouml;ffentlich dar&uuml;ber wundern, wenn sie durch Nachweis von Rechenfehlern ersch&uuml;ttert werden. Und wenn der zust&auml;ndige Kommissar in Br&uuml;ssel, Herr Rehn, den Theorien geglaubt hat, dann muss man ihn wohl auch auf Rechenfehler in der Basis seines seltsamen Gedankengeb&auml;udes aufmerksam machen. So grotesk das ist.<br>\nDer Vorgang ist ein guter Beleg daf&uuml;r,<\/p><ul>\n<li>dass die &ouml;konomische Wissenschaft unter Dogmatismus und dogmatisch orientierten schlechten &Ouml;konomen leidet, und<\/li>\n<li>dass die Medien ihrer Funktion als kritische Begleiter nicht gerecht werden. Mit gro&szlig;en Kinderaugen begleiten sie deshalb einen Vorgang wie die gestrige Offenbarung von Rechenfehlern.<\/li>\n<\/ul><p>Die wirklich schlimme Seite der gesamten Debatte ist die Tatsache, dass das Schicksal von Menschen in Europa von solchen Typen von Wissenschaftlern und der entsprechenden Ausrichtung von Kommissaren, Bundeskanzlern und Bundesfinanzministern abh&auml;ngt. Und dass sie unter diesen Dogmatikern ganz konkret leiden.<\/p><p><strong>Anlage: Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: Reforml&uuml;ge (2004), Seite 408<\/strong><\/p><p><em>Tabelle A3: Staatsschuldenstand im Verh&auml;ltnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in vergleichbaren L&auml;ndern<\/em><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130418_tabelle_01.png\" title=\"\" alt=\"\"><\/p><p><em>Quelle: OECD (Hrsg.): Economic Outlook 2003, Paris 2003, S. 227<\/em><\/p><p><strong>P.S.:<\/strong> Jens Berger schreibt mir als Anmerkung zu dem obigen Artikel:<\/p><blockquote><p>Ich stimme Deinem Artikel voll und ganz zu. Nur ein Satz st&ouml;rt mich ein wenig:<br>\n&ldquo;Meist ist die Korrelation von BIP-Wachstum und Staatsschuldenquote nicht signifikant.&rdquo;<br>\nIch wei&szlig; ja, wie Du das meinst, aber das k&ouml;nnte auch in der Form missverstanden werden, dass es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Werten gibt. Das BIP-Wachstum hat freilich eine gro&szlig;e Bedeutung f&uuml;r die Staatsschuldenquote, schlie&szlig;lich steht es ja im Nenner. Umgekehrt hat die Staatsschuldenquote jedoch keinen signifikanten Einfluss auf das BIP-Wachstum. So h&auml;tte man das m.E. auch schreiben sollen. Einige Leser, die den Begriff &ldquo;Korrelation&rdquo; nicht genau definieren k&ouml;nnen, k&ouml;nnten hier zu einem falschen Urteil kommen.<\/p><\/blockquote><p><strong>AM:<\/strong> Jens Berger hat recht. Deshalb diese Erg&auml;nzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt ist diese f&uuml;r die Gestaltung des demographischen Wandels wichtige Erkenntnis der neoliberalen Theoretiker von Wissenschaftlern widerlegt worden. Sie haben nachgewiesen, dass die Theorie auf einem peinlichen Excel-Fehler aufbaute. Der erkennbare Unsinn der These wie auch der erkennbare Unsinn der Korrektur ist direkt auf eine gestern ausgebrochene Debatte anzuwenden. Ich zitiere <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,894893,00.html\">SpiegelOnline<\/a>: &bdquo;Schulden-Theorie: Excel-Panne&nbsp;stellt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16916\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,13,156,11],"tags":[423,1484,325],"class_list":["post-16916","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-schulden-sparen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-austeritaetspolitik","tag-reinhartrogoff","tag-staatsschulden"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16916","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16916"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16916\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27074,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16916\/revisions\/27074"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16916"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16916"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16916"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}