{"id":16976,"date":"2013-04-22T13:03:50","date_gmt":"2013-04-22T11:03:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16976"},"modified":"2015-08-07T10:02:35","modified_gmt":"2015-08-07T08:02:35","slug":"uli-hoenes-der-tiefe-fall-des-vater-teresa-vom-tegernsee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16976","title":{"rendered":"Uli Hoene\u00df \u2013 der tiefe Fall des \u201eVater Teresa vom Tegernsee\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Uli Hoene&szlig; gab sich stets redlich M&uuml;he, sich selbst als moralisches Vorbild zu stilisieren. Durch tatkr&auml;ftige Mithilfe der Medien avancierte er in den letzten Jahren zum integren Sprachrohr konservativer Politik. Sp&auml;testens seit den Steuerhinterziehungsvorw&uuml;rfen von diesem Wochenende ist jedoch klar, dass der FC-Bayern-Boss und Wurstoligarch Hoene&szlig; h&ouml;chstens als Vorbild f&uuml;r konservative Doppelmoral taugt. Ob Hoene&szlig; die Spiele des FC Bayern k&uuml;nftig hinter schwedischen Gardinen verfolgen muss, ist derzeit noch offen. Eine &ndash; vielleicht entscheidende &ndash; Frage wird von den Medien bislang noch nicht gestellt: Warum erhielt Hoene&szlig; &bdquo;um das Jahr 2000 herum&ldquo; ein Darlehen des damaligen Adidas-Chefs? 2002 beteiligte sich Adidas mit 10% am FC Bayern M&uuml;nchen. Es ist nicht auszuschlie&szlig;en, dass sich Hoene&szlig; durch Annahme des Darlehens auch der Untreue schuldig gemacht hat. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2756\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-16976-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130429_Hoeness_Doppelmoral_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130429_Hoeness_Doppelmoral_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130429_Hoeness_Doppelmoral_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130429_Hoeness_Doppelmoral_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=16976-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130429_Hoeness_Doppelmoral_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"130429_Hoeness_Doppelmoral_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Siehe dazu auch: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16959\">Albrecht M&uuml;ller &ndash; Fall Hoene&szlig;: Die Einschl&auml;ge im Milieu der Regierungsparteien werden heftiger<\/a><\/p><p><strong>Der Saubermann als Spekulant<\/strong><\/p><p>Vor gerade einmal zwei Monaten verriet Uli Hoene&szlig; einem <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lLsE4yDthI0&amp;list=UUMpW4tdyZUid2Ka9_FuDDhQ&amp;index=51\">Videoblog des Handelsblatts<\/a> seine pers&ouml;nliche Anlagestrategie: &bdquo;Ich bin da sehr aufgeschlossen f&uuml;r Aktienk&auml;ufe und auch mal f&uuml;r eine Devisenspekulation&ldquo;. Nat&uuml;rlich wei&szlig; ein Finanzprofi wie Hoene&szlig;, dass Spekulationsgewinne steuerpflichtig sind. Und da er offenbar bereits seit mehr als zehn Jahren von seinem Schweizer Depot aus an den Finanzm&auml;rkten spekuliert und damit offenbar Millionengewinne realisiert hat, muss man ihm durchaus unterstellen, dass er sich mit Vorsatz der schweren Steuerhinterziehung strafbar gemacht hat. Seine Verteidigung, er h&auml;tte das von Schwarz-Gelb geplante Steuerabkommen mit der Schweiz abwarten wollen, klingt da wie ein schlechter Witz. Wie viele Amnestieangebote f&uuml;r reuige Steuerhinterzieher hat es seitens der Finanzministerien in den letzten Jahren gegeben?<\/p><p>H&auml;tte Hoene&szlig; auch nur einen Hauch Unrechtsbewusstsein, h&auml;tte er ohne Probleme auf diese Angebote eingehen k&ouml;nnen. Als positiver Nebeneffekt der Aff&auml;re Hoene&szlig; ist jedoch zu verbuchen, dass nun auch einen breiten &Ouml;ffentlichkeit der eigentliche Zweck dieses Steuerabkommens klar wird &ndash; das Steuerabkommen w&auml;re, wenn es den Bundesrat passiert h&auml;tte, eine &bdquo;Lex Hoene&szlig;&ldquo;, ein Generalamnestie f&uuml;r s&auml;mtliche Gro&szlig;kopferten, um der Strafverfolgung zu entgehen.<\/p><p><strong>Kredit vom Freund? Das h&ouml;rt sich sehr merkw&uuml;rdig an<\/strong><\/p><p>Wenn sich die Meldungen der s&uuml;ddeutschen Zeitungen, die sich mit der Sache intensiv besch&auml;ftigen, best&auml;tigen, hat Uli Hoene&szlig; von seinem Schweizer Konto aus mit vermeintlich &bdquo;sauberem&ldquo; und &bdquo;versteuertem&ldquo; Geld Spekulationsgewinne erzielt, die er bei seiner Steuererkl&auml;rung nicht angegeben hat. Je nach Quelle handelt es sich dabei um einen niedrigen zweistelligen bis zu einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Dank seiner offenbar gerade noch rechtzeitig gestellten Selbstanzeige d&uuml;rfte Hoene&szlig; dabei &ndash; wenn nicht noch mehr herauskommt &ndash; straffrei aus der Sache gehen. Ein entscheidendes Detail wird dabei jedoch vergessen. Nach Informationen der SZ stammt der Grundstock von Hoene&szlig; Spekulationskasse aus einem &bdquo;Darlehen&ldquo; in der Gr&ouml;&szlig;enordnung &bdquo;von 10 bis 15 Millionen Euro&ldquo;, das Hoene&szlig; &bdquo;um das Jahr 2000&ldquo; herum vom damaligen Adidas-Chef und &ndash;Gro&szlig;aktion&auml;r und Hoene&szlig;-Freund Robert Louis-Dreyfus erhalten haben soll. <\/p><p>Das ist bemerkenswert, schlie&szlig;lich wurde der mittlerweile verstorbene Robert Louis-Dreyfus Jahre sp&auml;ter wegen Steuerhinterziehung im Umfeld des zum Dreyfus-Imperiums geh&ouml;renden Fu&szlig;ballclubs Olympique de Marseille in den Jahren 1997 bis 1999 zu einer dreij&auml;hrigen Haftstrafe <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/obituaries\/robert-louisdreyfus-businessman-who-helped-resurrect-olympique-marseille-football-club-1749706.html\">verurteilt<\/a>. 2001 stieg der, ebenfalls zum Dreyfus-Imperium z&auml;hlende, Adidas-Konzern mit 10% beim FC Bayern M&uuml;nchen ein und zahlte daf&uuml;r 150 Millionen D-Mark. Verhandlungsf&uuml;hrer des FC Bayern M&uuml;nchen war zu jener Zeit Uli Hoene&szlig;. <\/p><p>Ob es sich bei dem ungew&ouml;hnlichen &bdquo;Darlehen&ldquo; an Hoene&szlig; um eine &bdquo;selbstlose&ldquo; Tat des Milliard&auml;rs Robert Louis-Dreyfus handelte, oder ob Dreyfus nicht ganz so selbstlos war und f&uuml;r das &bdquo;Darlehen&ldquo; eine wie auch immer geartete Gegenleistung von seinem Freund und Gesch&auml;ftspartner Hoene&szlig; erhalten hat, werden sicher die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufdecken. Sollte Hoene&szlig; eine Gegenleistung erbracht haben, h&auml;tte er sich auch der Untreue gegen&uuml;ber dem FC Bayern M&uuml;nchen schuldig gemacht. Und dann w&uuml;rde sein Denkmal endg&uuml;ltig vom Sockel fallen.<\/p><p><strong>Demontage einer lebenden Legende<\/strong><\/p><p>Uli Hoene&szlig; ist eine lebende Legende. 1974 erschien er &ndash; als einer der ganz wenigen lebenden Menschen &ndash; auf einer Briefmarke der Bundespost. Nach seiner Karriere als Profi-Fu&szlig;baller verhalf er nicht nur seiner eigenen Wurstfabrik, sondern auch dem FC Bayern M&uuml;nchen als Manager und Vereinsvorsitzender zu durchschlagendem Erfolg. Doch Uli Hoene&szlig; vermochte es stets, in der &Ouml;ffentlichkeit nicht als kalter Kapitalist, sondern als Mann mit gro&szlig;em Herz dargestellt zu werden. &ldquo;Ich bin der sozialste Mensch, den ich kenne&rdquo;, sagte Hoene&szlig; einst g&auml;nzlich unbescheiden in einem Interview des Tagesspiegels. Sein soziales Engagement in seinem unmittelbaren Umfeld ist unbestritten. F&uuml;r aktuelle und ehemalige Profis des FC Bayerns zeigte Hoene&szlig; stets ein gro&szlig;es Herz und sp&auml;testens seit seinem Engagement f&uuml;r den vom Konkurs bedrohten Klub FC St. Pauli galt Hoene&szlig; auch bei Fu&szlig;ballfans mit einer anderen Weltanschauung als Kapitalist mit dem Herzen am rechten Fleck. Wie man sich doch t&auml;uschen kann.<\/p><p>Noch 2005 sagte Hoene&szlig;: &bdquo;Ich wei&szlig;, dass es doof ist. Aber ich zahle volle Steuern&ldquo;. Drei Jahre zuvor begl&uuml;ckte er das Land mit der Weisheit, es k&ouml;nne &bdquo;doch nicht der Sinn der Sache sein, ins Gef&auml;ngnis zu wandern, nur um ein paar Mark Steuern zu sparen&ldquo;. &bdquo;Es ist doch unklug, so was zu machen. Es kommt doch immer alles raus&ldquo;. Wie recht Hoene&szlig; mit diesen S&auml;tzen doch hatte. Im Nachhinein klingen solche S&auml;tze schizophren. Der Mann, der einst Oskar Lafontaine seine soziale Kompetenz aufgrund dessen &ndash; vergleichsweise bescheidenen &ndash; Verm&ouml;gen <a href=\"http:\/\/www.express.de\/politik-wirtschaft\/nach-kritik-an-lafontaine-herr-hoeness--ist-das-eine-sozialwohnung-,2184,19131604.html\">absprach<\/a>, hat offenbar selbst jahrelang Wasser gepredigt und Wein gesoffen. <\/p><p><strong>B&uuml;rgerliche Doppelmoral<\/strong><\/p><p>Hoene&szlig; ist dabei geradezu ein Musterbeispiel konservativer Doppelmoral. Diejenigen, die von der Kanzel Treue und famili&auml;re Werte predigen, sind nicht selten auch diejenigen, die sich heimlich eine Geliebte halten. Diejenigen, die Homosexualit&auml;t als eine Gei&szlig;el Gottes bezeichnen, sind nicht selten auch diejenigen, die sich nach getaner Arbeit einen &bdquo;Puppenjungen&ldquo; in ihre Limousine einladen. Da &uuml;berrascht es nicht, dass auch diejenigen, die sich in Sonntagsreden ihrer sozialer Ader r&uuml;hmen, insgeheim in der Schweiz Millionen gebunkert haben, die sie dem Fiskus entziehen.<\/p><p>Dabei stellt Steuerhinterziehung in der b&uuml;rgerlichen Doppelmoral offenbar immer noch eine Art &bdquo;Selbstverteidigung gegen den Staat&ldquo; dar. Es ist unwahrscheinlich, dass es Personen wie Uli Hoene&szlig; dabei &bdquo;nur&ldquo; um das Geld an sich geht. Gier ist hier offenbar nicht der entscheidende Triebfaktor. Die Hoene&szlig; dieser Welt sind vielmehr &uuml;berzeugt davon, dass der Staat mit &bdquo;ihrem Geld&ldquo; keine sinnvollen Dinge anstellt und sie lieber selbst zu entscheiden sollten, f&uuml;r welche Wohltaten &bdquo;ihr Geld&ldquo; verwendet wird. F&uuml;r Menschen, die stets in Selbstzufriedenheit baden, ist es offenbar schwer hinzunehmen, dass ein b&uuml;rokratischer Beamtenapparat ihnen derart &bdquo;elementare&ldquo; Entscheidungen abnimmt. Und mit der positiven PR, die jede &ouml;ffentliche zelebrierte Gro&szlig;spende mit sich bringt, kann der Steuerbescheid auch nicht mithalten. Wer meint, Gesetze nach dem eigenen Gusto umzubiegen und das Strafgesetzbuch f&uuml;r sich selbst als unverbindliche Empfehlung zu interpretieren, hat jedoch auch jedes Recht verspielt, in der &Ouml;ffentlichkeit als Moralapostel aufzutreten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/e0789dda81ca454e86a659a86ef43e11\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uli Hoene&szlig; gab sich stets redlich M&uuml;he, sich selbst als moralisches Vorbild zu stilisieren. Durch tatkr&auml;ftige Mithilfe der Medien avancierte er in den letzten Jahren zum integren Sprachrohr konservativer Politik. 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