{"id":17107,"date":"2013-05-02T10:32:53","date_gmt":"2013-05-02T08:32:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17107"},"modified":"2019-07-31T12:37:06","modified_gmt":"2019-07-31T10:37:06","slug":"die-austeritatspolitik-gefahrdet-den-europaischen-zusammenhalt-und-die-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17107","title":{"rendered":"Die Austerit\u00e4tspolitik gef\u00e4hrdet den europ\u00e4ischen Zusammenhalt und die Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>Was von vielen kritischen Beobachtern seit langem vermutet wurde, l&auml;sst sich jetzt belegen: Die Eurokrise hat das Vertrauen vieler Menschen in die Europ&auml;ische Union zerst&ouml;rt. Der britische &bdquo;Guardian&ldquo; ver&ouml;ffentlichte in der letzten Woche Daten der EU-Meinungsumfrage &bdquo;Eurobarometer&ldquo;, die von der unabh&auml;ngigen Stiftung European Council on Foreign Relations (ECFR) ausgewertet wurden. Das Ergebnis: Ein massiver Vertrauensverlust in die EU in L&auml;ndern wie Spanien, Deutschland und Italien, die traditionell eigentlich pro-europ&auml;isch eingestellt sind. Ein Gastartikel von <strong>G&uuml;nther Grunert<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDer &bdquo;Guardian&ldquo; kommentiert die Resultate, die in Gro&szlig;britannien exklusiv in dieser Zeitung ver&ouml;ffentlicht wurden, wie folgt:<\/p><blockquote><p><em>&bdquo;Nach Finanz-, W&auml;hrungs- und Schuldenkrisen, schmerzlichen Haushalts- und Ausgabenk&uuml;rzungen, Bailouts der armen durch die reichen Nationen und der &Uuml;bergabe hoheitlicher Befugnisse zur Politikgestaltung an internationale Technokraten steigt die Euroskepsis sprunghaft an &ndash; und zwar in einem Ausma&szlig;, das wahrscheinlich populistische Anti-EU-Politiken sch&uuml;ren und die Versuche der europ&auml;ischen F&uuml;hrungskr&auml;fte, die zusammenbrechende Unterst&uuml;tzung f&uuml;r ihr Projekt aufzuhalten, zunichtemachen wird.&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote><p>(The Guardian, 24.4.2013; &Uuml;bersetzung G. G.)<\/p><p>Die Ergebnisse f&uuml;r die sechs gr&ouml;&szlig;ten EU-L&auml;nder, die zusammen mehr als zwei Drittel der Gesamtbev&ouml;lkerung der Europ&auml;ischen Union auf sich vereinen, sind in der folgenden Abbildung wiedergegeben:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130502_01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Am gravierendsten ist der Vertrauensverlust in die EU in Spanien. Seit das Land nach dem Platzen der Immobilienblase in den Jahren 2007\/2008 in eine Bilanzrezession <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15854\">st&uuml;rzte<\/a>, hat sich der Anteil der spanischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, die kein Vertrauen in die EU haben, von 23 Prozent auf nunmehr 72 Prozent erh&ouml;ht. Und es ist keine Besserung der wirtschaftlichen Lage &ndash; und folglich der Stimmung &ndash; in Sicht: Dazu w&auml;re vor allem eine Umkehr der Lohnst&uuml;ckkostenpfade und damit eine Beseitigung der au&szlig;enwirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der EWU erforderlich. Als Sofortma&szlig;nahme m&uuml;sste die EU Spanien und den anderen Krisenl&auml;ndern erlauben, ihre staatlichen Budgetdefizite um mehrere Prozentpunkte des BIP zu erh&ouml;hen &ndash; und zwar jeweils auf ein Niveau, das den einzelnen L&auml;ndern zu einem angemessenen Wachstum und einem hohen Besch&auml;ftigungsstand verhelfen w&uuml;rde. In Spanien w&auml;ren diese relativ hohen Staatsdefizite &uuml;ber mehrere Jahre aufrechtzuerhalten, n&auml;mlich solange, bis dort der H&auml;usermarkt wieder in Ordnung gebracht w&auml;re und die privaten Haushalte und Unternehmen (incl. der Banken) ihre Bilanzen saniert h&auml;tten (wobei der Staat umso st&auml;rker entlastet w&uuml;rde, je mehr sich die Leistungsbilanz des Landes <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15854\">verbesserte<\/a>). Soll der hochverschuldete Privatsektor Spaniens in die Lage versetzt werden, mehr zu sparen, um seinen Schuldenabbau voranzubringen, so geht das nur bei Wirtschaftswachstum und dieses muss mit &ouml;ffentlichen Defiziten gef&ouml;rdert werden.<\/p><p>Von all dem sind wir meilenweit entfernt. Stattdessen ist besonders in Deutschland der Glaube an den angeblich alternativlosen Austerit&auml;tskurs ungebrochen. Auch die Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit in Spanien jetzt zum ersten Mal in der Geschichte des Landes die Sechs-Millionen-Grenze &uuml;berschritten hat (6,2 Millionen Spanier im erwerbst&auml;tigen Alter sind im ersten Quartal 2013 ohne Besch&auml;ftigung; die Arbeitslosenquote liegt damit bei 27,2 Prozent) und dass auch Frankreich im vergangenen Monat eine Rekordarbeitslosigkeit verzeichnete (mit 3,225 Millionen Arbeitslosen wurde der bisherige H&ouml;chstwert von Januar 1997 &uuml;bertroffen), ersch&uuml;ttert nicht die Zuversicht, auf dem richtigen Weg zu sein: &bdquo;Entscheidend ist, den Konsolidierungskurs fortzusetzen,&ldquo; so Sch&auml;uble noch am Donnerstag letzter Woche im Deutschlandfunk.<\/p><p>Eine andere, ebenfalls in der vergangenen Woche ver&ouml;ffentlichte Studie des European Social Survey (<a href=\"http:\/\/www.europeansocialsurvey.org\/images\/downloads\/Dec2012\/ESS%20Topline%20Results%20Issue%203%20%20Economic%20Crisis%20Quality%20of%20Work%20and%20Wellbeing_%20Gallie.pdf\">&bdquo;Economic Crisis, Quality of Work and Social Integration&ldquo; [PDF &ndash; 1.7 MB]<\/a>) zeigt ein &auml;hnliches Bild wie die Analyse auf Basis von Eurobarometer. Sie weist nach, dass die stark gestiegene Arbeitslosigkeit und die damit verbundene gr&ouml;&szlig;ere Arbeitsplatzunsicherheit in vielen EU-L&auml;ndern das Vertrauen in das politische System untergraben haben. Dies beschr&auml;nkt sich nicht auf die unmittelbar von Erwerbslosigkeit und Armut Betroffenen, sondern hat weite Teile der Gesellschaft erfasst, die sich um die Zukunft ihres jeweiligen Landes sorgen.<\/p><p>Die folgende Abbildung aus der Untersuchung verdeutlicht, dass im Zeitraum 2004 bis 2010 die Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie in einigen L&auml;ndern betr&auml;chtlich abgenommen hat &ndash; dies gilt f&uuml;r Spanien, Slowenien, Frankreich und insbesondere f&uuml;r Griechenland. Die negativen Auswirkungen des wirtschaftlichen R&uuml;ckgangs auf die Zufriedenheit mit der Demokratie zeigen sich gerade bei den L&auml;ndern des Euroraums. Hier besteht ein systematischer Zusammenhang zwischen der Schrumpfung des BIP (zwischen 2004 und 2010) und der Ver&auml;nderung in der Demokratiezufriedenheit. Offenbar wird den Regierungen der Eurol&auml;nder mit der Verschlechterung der &ouml;konomischen Lage immer weniger zugetraut, auf nationaler Ebene politische L&ouml;sungen f&uuml;r die Krise zu finden.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130502_02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><p>Zu beachten ist, dass die Untersuchung nur die Effekte der Wirtschaftskrise bis zum Jahr 2010 aufzeigt. Man kann fast sicher davon ausgehen, dass das Vertrauen in die Politik und in die existierenden demokratischen Institutionen mit der Versch&auml;rfung der Eurokrise nach 2010 nochmals sp&uuml;rbar zur&uuml;ckgegangen ist.<\/p><p>Wenn die Politik gerade in Deutschland nicht bald umschwenkt, sieht es d&uuml;ster f&uuml;r die Zukunft Europas aus. Die Gefahr ist real, dass eine wachsende Welle des Populismus und Nationalismus entsteht, alte Ressentiments wiederbelebt und neue Feindschaften erzeugt werden, so dass am Ende gar Demokratie und Frieden gef&auml;hrdet sein k&ouml;nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was von vielen kritischen Beobachtern seit langem vermutet wurde, l&auml;sst sich jetzt belegen: Die Eurokrise hat das Vertrauen vieler Menschen in die Europ&auml;ische Union zerst&ouml;rt. Der britische &bdquo;Guardian&ldquo; ver&ouml;ffentlichte in der letzten Woche Daten der EU-Meinungsumfrage &bdquo;Eurobarometer&ldquo;, die von der unabh&auml;ngigen Stiftung European Council on Foreign Relations (ECFR) ausgewertet wurden. Das Ergebnis: Ein massiver Vertrauensverlust<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17107\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,126,22,50],"tags":[423,1489],"class_list":["post-17107","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-erosion-der-demokratie","category-europaische-union","category-finanzkrise","tag-austeritaetspolitik","tag-eurobarometer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17107"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53872,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17107\/revisions\/53872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}