{"id":17164,"date":"2013-05-06T16:24:52","date_gmt":"2013-05-06T14:24:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17164"},"modified":"2015-08-08T10:08:14","modified_gmt":"2015-08-08T08:08:14","slug":"uber-pawlowsche-hunde-im-deutschen-medien-und-politikzirkus-und-die-dringende-aufforderung-an-frankreich-etc-eine-publizistische-gegenmacht-aufzubauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17164","title":{"rendered":"\u00dcber Pawlow\u2019sche Hunde im deutschen Medien- und Politikzirkus und die dringende Aufforderung an Frankreich etc., eine publizistische Gegenmacht aufzubauen"},"content":{"rendered":"<p>Unter den nicht zum neoliberal verseuchten Club geh&ouml;renden &Ouml;konomen herrscht weit gehender Konsens dar&uuml;ber, dass ohne die Angleichung der Wettbewerbsf&auml;higkeiten im Euroraum die Karre der von uns allen gew&uuml;nschten gemeinsamen W&auml;hrung an die Wand f&auml;hrt. Diese Tatsache beeindruckt bisher die handelnden Personen in Berlin und die sie unterst&uuml;tzenden Medien nicht. Dort herrscht eine unverantwortliche Nach-uns-die-Sintflutmentalit&auml;t. Diese gef&auml;hrliche Position ist publizistisch und semantisch kr&auml;ftig unterf&uuml;ttert &ndash; <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17111\">siehe hier<\/a>. Bisher setzen viele von uns darauf, dass sich Berlin doch noch bewegt und eine innere Aufwertung auf deutscher Seite m&ouml;glich macht; andere haben die Hoffnung aufgegeben. Zu Letzteren z&auml;hlt Oskar Lafontaine. Von ihm erschien am 30. April ein Diskussionsbeitrag unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.oskar-lafontaine.de\/links-wirkt\/details\/f\/1\/t\/wir-brauchen-wieder-ein-europaeisches-waehrungssystem\/\">&bdquo;Wir brauchen wieder ein europ&auml;isches W&auml;hrungssystem&ldquo;<\/a>. Von <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nObwohl er in vier Abs&auml;tzen und damit &uuml;ber zwei Drittel seines Textes klarmacht, dass die reale Aufwertung &uuml;ber steigende L&ouml;hne auch f&uuml;r ihn die erste Priorit&auml;t hatte, st&uuml;rzte sich nach Erscheinen seiner resignierenden Abw&auml;gung eine Meute aus Medien und Politik auf ihn, genauso wie auf Sahra Wagenknecht, die sich &auml;hnlich ge&auml;u&szlig;ert hatte. Nur zwei Beispiele daf&uuml;r: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kB4eTrguyR4\">Walde in Berlin Direkt im ZDF<\/a> und  <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Die-Linke-und-AfD\/!115526\/\">Stefan Reinecke in der TAZ vom 1.5.2013<\/a>: &ldquo;Lafontaine will den Euro nicht. <em>Was haben Oskar Lafontaine und die AfD gemeinsam? Beide sind gegen den Euro. Gut m&ouml;glich, dass sein Euro-Nein die Linkspartei im Westen spaltet.<\/em>&rdquo;&nbsp;Auf dieses Schmierentheaterst&uuml;ck wies Axel Troost in seinem Newsletter ausdr&uuml;cklich hin. Das passt ins Bild der innerparteilichen Diskussion bei der Linkspartei und ist zugleich ein Beleg f&uuml;r den von Pawlow erforschten Mechanismus.<\/p><p>Den Hinweis auf den russischen Forscher hatte ich auf der Zunge. Ich verdanke die Konkretisierung diesem Blog-Beitrag: <a href=\"http:\/\/www.readers-edition.de\/2013\/05\/03\/fass-die-linken-uber-beiss-reflexe-gegen-linke-positionen\/\">&bdquo;Betreff:&nbsp;Fass die Linken: &Uuml;ber Beiss-Reflexe gegen linke Positionen&ldquo;<\/a><\/p><p>Man kann die Position von Lafontaine und <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/820665.kein-bedingungsloses-bekenntnis-zum-euro.html\">Wagenknecht<\/a> und im Grunde auch Heiner Flassbecks Sorge f&uuml;r falsch halten. Man kann die konkreten &Uuml;berlegungen zur langsamen Aufl&ouml;sung der Eurozone f&uuml;r falsch halten. Dann sollte man aber angesichts der dramatischen Entwicklung in den s&uuml;deurop&auml;ischen L&auml;ndern und der deshalb nahe liegenden Suche nach L&ouml;sungen zu einer sachlichen Debatte bereit sein und nicht zur Verteilung von Etiketten. Man kann glauben, es k&ouml;nnte sich in Berlin und Br&uuml;ssel doch noch etwas bewegen. Aber dann sollte man auch zur Kenntnis nehmen, wie clever der falsche Kurs der Angela Merkel propagandistisch abgesichert ist. Dann sollte man &uuml;berlegen, wie man endlich Druck machen kann gegen die Berliner Ideologen der Sparabsichtspolitik.<\/p><p><strong>Frankreich, Italien und die anderen Staaten, die unter Deutschlands Export von Arbeitslosigkeit leiden, sollten eine gemeinsame politische und publizistische Strategie entwickeln.<\/strong><\/p><p>Die von der deutschen Uneinsichtigkeit betroffenen L&auml;nder sollten um vieles offensiver werden. Zum Beispiel:<\/p><ul>\n<li>Dass Holland seine Partei zur&uuml;ck pfeift, wenn sie endlich offensiv wird, ist nicht zu verstehen. <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2013\/05-06\/021.php\">Siehe dazu hier.<\/a><\/li>\n<li>Wenn der deutsche Vorsitzende des Europaparlaments die deutsche Bundeskanzlerin gegen die Kritik aus Frankreich in Schutz nimmt, wie in den letzten Tagen geschehen, dann muss die Fraktion der Sozialdemokraten und Sozialisten im Europ&auml;ischen Parlament dagegen aufstehen.<\/li>\n<li>Die S&uuml;dl&auml;nder m&uuml;ssen ihre &Ouml;ffentlichkeitsarbeit in Deutschland verst&auml;rken. Dabei w&uuml;rden die vern&uuml;nftigen &Ouml;konomen in Deutschland helfen. Eine unfreundliche Frage in diesem Zusammenhang: Gibt es in den Presseabteilungen der Botschaften der betroffenen L&auml;nder und unter den Botschaftern selbst ausreichend kluge Leute, die das notwendige Spindoctoring zu betreiben f&auml;hig sind?<\/li>\n<li>So wie die neoliberal eingef&auml;rbten Austerit&auml;ts- und &bdquo;Reform&ldquo;-Politiker offensichtlich eine semantisch abgefederte agitatorische Strategie entwickelt haben, so muss das auch die Gegenseite tun. Ich sehe nicht, dass auf franz&ouml;sischer, italienischer oder griechischer und spanischer Seite eine solche Strategie zur Aufkl&auml;rung der europ&auml;ischen und deutschen &Ouml;ffentlichkeit entwickelt wird. Das ist fahrl&auml;ssig.<\/li>\n<\/ul><p>Das alles ist nicht leicht. Aber den Karren einfach so weiterlaufen zu lassen, f&uuml;hrt auch zu keinem leicht zu bew&auml;ltigenden Ergebnis.<\/p><p><strong>Wenn Deutschland sich nicht bewegt, dann soll es um Gott&rsquo;s Namen seine aufgewertete DM wiederhaben<\/strong><\/p><p>In der Sache w&auml;re zu erw&auml;gen, ob Frankreich und alle anderen Betroffenen nicht einen eigenen Vorsto&szlig; zur begrenzten und zu bew&auml;ltigenden Aufl&ouml;sung der Eurozone unternehmen sollten &ndash; und sei es nur, um die deutsche Betonfraktion unter Druck zu setzen: die Euro L&auml;nder mit Ausnahme von Deutschland, &Ouml;sterreich und Finnland k&ouml;nnten den Vorschlag unterbreiten, dass Deutschland, &Ouml;sterreich und Finnland aus dem Euro Raum ausscheiden, ihre eigenen W&auml;hrungen wieder einf&uuml;hren und gleichzeitig gem&auml;&szlig;igt und geplant um 20 % oder 25 % aufwerten. Die Kapitalverkehrskontrollen w&auml;ren dann auf die Grenzen von Deutschland, &Ouml;sterreich und Finnland begrenzt. Wenn der Anpassungsprozess vollzogen ist, kann man dann m&ouml;glicherweise wieder zusammenkommen.<\/p><p>Ein solcher Vorschlag muss ernsthaft ausgearbeitet sein und ernst gemeint sein. Aber er hat zu aller erst die Funktion, den Druck auf Deutschland, &Ouml;sterreich und Finnland zu erh&ouml;hen. Wenn das nicht gelingt und keinen Erfolg hat, dann wird man sehr schnell bei den Vorschl&auml;gen von Lafontaine, Wagenknecht und Flassbeck angekommen sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter den nicht zum neoliberal verseuchten Club geh&ouml;renden &Ouml;konomen herrscht weit gehender Konsens dar&uuml;ber, dass ohne die Angleichung der Wettbewerbsf&auml;higkeiten im Euroraum die Karre der von uns allen gew&uuml;nschten gemeinsamen W&auml;hrung an die Wand f&auml;hrt. Diese Tatsache beeindruckt bisher die handelnden Personen in Berlin und die sie unterst&uuml;tzenden Medien nicht. Dort herrscht eine unverantwortliche Nach-uns-die-Sintflutmentalit&auml;t.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17164\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,11,157],"tags":[1043,499,330],"class_list":["post-17164","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-strategien-der-meinungsmache","category-wettbewerbsfaehigkeit","tag-frankreich","tag-handelsbilanz","tag-lafontaine-oskar"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17164","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17164"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17164\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17166,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17164\/revisions\/17166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17164"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17164"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17164"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}