{"id":17167,"date":"2013-05-07T08:34:38","date_gmt":"2013-05-07T06:34:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17167"},"modified":"2015-08-08T10:10:10","modified_gmt":"2015-08-08T08:10:10","slug":"paul-krugman-the-chutzpah-caucus-der-chutzpe-klub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17167","title":{"rendered":"Paul Krugman: The Chutzpah Caucus  \u2013  Der Chutzpe-Klub"},"content":{"rendered":"<p>Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Argumente f&uuml;r die Austerit&auml;tspolitik &ndash; scharfe Einschnitte bei den Staatsausgaben selbst angesichts einer schwachen Wirtschaftslage &ndash; in sich zusammen gefallen. Behauptungen, Ausgabensenkungen wirkten vertrauensbildend und f&uuml;hrten deshalb zu einem Aufschwung am Arbeitsmarkt, haben sich als falsch erwiesen. Es hat sich auch gezeigt, dass die Behauptung, es g&auml;be da so eine Art roter Linie bei der Verschuldung, die Staaten nicht &uuml;berschreiten sollten, auf schwammigen und zum Teil schlicht falschen Berechnungen basierte. Voraussagen von Haushaltskrisen bewahrheiten sich nicht; Voraussagen von Desaster infolge der strengen Austerit&auml;tspolitik aber haben sich als nur allzu zutreffend erwiesen.  <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2013\/05\/06\/opinion\/krugman-the-chutzpah-caucus.html\">New York Times Opinion Pages, 5.Mai 2013<\/a><br>\n(Aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Tober&Uuml;bersetzungenBerlin)<br>\n<!--more--><br>\nTrotzdem werden die Rufe nach einer Abkehr von der zerst&ouml;rerischen Wende zur Austerit&auml;tspolitik kaum beachtet. Zum einen zeigt sich darin der Einfluss von Interessengruppen, denn die Sparma&szlig;nahmen liegen im Interesse der reichen Gl&auml;ubiger; Und zum anderen zeigt sich da der Widerwille ma&szlig;geblicher Politiker, zuzugeben, dass sie falsch liegen. Ich glaube aber, es gibt noch eine weitere H&uuml;rde f&uuml;r eine Umkehr: einen weitverbreiteten, tiefsitzenden Zynismus bez&uuml;glich der F&auml;higkeit demokratischer Regierungen zum Kurswechsel, wenn sie erst einmal einen Kurs zur St&uuml;tzung der Wirtschaft eingeschlagen haben. <\/p><p>Darum denke ich, jetzt ist es an an der Zeit, darauf hinzuweisen, dass dieser Zynismus, so realistisch und abgekl&auml;rt er auch wirkt, tats&auml;chlich nichts anderes ist als reine Fantasterei. Programme zur St&uuml;tzung der Wirtschaft zu beenden, war nie ein Problem &ndash; tats&auml;chlich zeigt ein Blick auf die Geschichte, dass sie fast immer zu fr&uuml;h beendet werden. Und in Amerika zumindest sind wir nachweislich gut darin, in unserer Haushaltspolitik Verantwortungsbewusstsein zu zeigen, wenn auch mit einer Ausnahme &ndash; der haushaltspolitischen Verantwortungslosigkeit, die dann und nur dann herrscht, wenn kompromisslose Konservative das Sagen haben.<\/p><p>Beginnen wir mit der weitverbeiteten Behauptung, Programme zur St&uuml;tzung der Wirtschaft f&auml;nden nie ein Ende. <\/p><p>In den Vereinigten Staaten sind Regierungsprogramme zur St&uuml;tzung der Wirtschaft tats&auml;chlich selten &ndash; F.D.R.s New Deal und Obamas viel schmaler angelegter Recovery Act sind die einzigen nennenswerten Beispiele. Und beide blieben nicht dauerhaft bestehen &ndash; tats&auml;chlich wurden beide viel zu fr&uuml;h eingeschr&auml;nkt. F.D.R. machte schon 1937 tiefe Einschnitte und st&uuml;rzte Amerika damit wieder in die Rezession; Der Recovery Act erreichte seinen H&ouml;chststand 2010 und siecht seitdem dahin, wobei dieses Dahinsiechen eine der Hauptursachen f&uuml;r unsere schwache Erholung ist. <\/p><p>Wie steht es mit Programmen zur Unterst&uuml;tzung der von der Wirtschaftsflaute Betroffenen? Werden die nicht zu Dauereinrichtungen? Die Antwort ist wieder ein Nein. Die Arbeitslosenunterst&uuml;tzung fluktuiert im Einklang mit dem Konjunkturzyklus, und als prozentualer Anteil des BIP steht sie nur bei knapp der H&auml;lfte ihres k&uuml;rzlichen H&ouml;chststandes. Wegen der noch immer schrecklichen Arbeitsmarktlage werden Lebensmittelgutscheine auch noch zunehmend gebraucht, aber die geschichtliche Erfahrung legt nahe, dass auch das rapide abnehmen wird, falls und wenn die Wirtschaft sich richtig erholt. <\/p><p>Die Entwicklungen im Ausland folgen &uuml;brigens demselben Muster. Japan wird oft als ein Land dargestellt, das den Pfad nie endender Konjunkturspritzen eingeschlagen hat. Tats&auml;chlich hat es sich auf  eine Politik des Hin und Her eingelassen und bei schwacher Wirtschaftslage die Staatsausgaben erh&ouml;ht, um sich bei den ersten Anzeichen einer Erholung wieder zur&uuml;ckzuziehen ( und sich somit zur&uuml;ck in die Rezession zu sto&szlig;en ). <\/p><p>Die ganze Vorstellung einer dauerhaften Konjunkturst&uuml;tze ist also nichts als Fantasterei, die sich als n&uuml;chterner Realismus ausgibt. Aber von der Dauerhaftigkeit von Konjunkturspritzen einmal abgesehen, die keynesianische Wirtschaftstheorie besagt nicht nur, dass man in schlechten Zeiten Defizite machen, sondern auch, dass man in guten Zeiten Schuldenabbau betreiben soll. Und es ist t&ouml;richt, zu glauben, dass das auch passiert, nicht wahr? <\/p><p>Falsch. Die wichtigste Ma&szlig;gabe, die man beachten sollte, ist das Verh&auml;ltnis zwischen Verschuldung und BIP, das mehr &uuml;ber den Haushalt einer Regierung aussagt als eine blo&szlig;e Dollarzahl. Und wenn man die Geschichte der Vereinigten Staaten seit dem Ersten Weltkrieg betrachtet, sieht man, dass von den 10 Pr&auml;sidenten vor Obama sieben ihr Amt mit einer geringeren Verschuldung als bei ihrem Amtsantritt verlassen haben. Wer die drei Aussnahmen waren? Ronald Reagan und die beiden George Bush. Eine h&ouml;here Staatsverschuldung, die weder von Kriegen noch von au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Finanzkrisen verursacht wurde, ist also ausschlie&szlig;lich mit kompromisslosen konservativen Regierungen verkn&uuml;pft. <\/p><p>F&uuml;r diese Verkn&uuml;pfung gibt es einen Grund: US-Konservative folgen schon lange der Strategie, &ldquo;die Bestie auszuhungern&rdquo;, also Steuern drastisch zu k&uuml;rzen, um so der Regierung Gelder vorzuenthalten, die sie zur Unterhaltung popul&auml;rer Programme braucht. <\/p><p>Der Witz bei der Sache ist, dass gerade jetzt genau dieselben unnachgiebigen Konservativen sagen, in Zeiten der Wirtschaftskrise d&uuml;rften wir keine Defizite aufbauen. Warum das? Weil, so sagen sie, Politiker in guten Zeiten nicht das Richtige tun und den Schuldenberg abbauen. Wer aber sind diese verantwortungslosen Politiker, von denen die Rede ist? Na ja, sie selber. <\/p><p>In meinen Ohren klingt das wie eine finanzpolitische Version der klassischen Definition von Chutzpe &ndash; wonach man seine Eltern umbringt und dann um Mitleid bittet, weil man doch ein Waisenkind ist. Jetzt sagen uns die Konservativen, wir m&uuml;ssten trotz der Massenarbeitslosigkeit unseren G&uuml;rtel enger schnallen, weil sonst k&uuml;nftige Konservative in besseren Zeiten den Staat weiter verschulden w&uuml;rden. <\/p><p>So ausgedr&uuml;ckt klingt das nat&uuml;rlich albern. Aber das ist es nicht; Es ist tragisch. Die unselige Wende zum Austerit&auml;tskurs hat Millionen Jobs vernichtet und viele Leben ruiniert. Und jetzt ist es Zeit f&uuml;r eine Kehrtwende. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Argumente f&uuml;r die Austerit&auml;tspolitik &ndash; scharfe Einschnitte bei den Staatsausgaben selbst angesichts einer schwachen Wirtschaftslage &ndash; in sich zusammen gefallen. 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