{"id":17287,"date":"2013-05-17T09:54:58","date_gmt":"2013-05-17T07:54:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17287"},"modified":"2015-08-08T10:44:12","modified_gmt":"2015-08-08T08:44:12","slug":"gerechtigkeit-das-institut-der-deutschen-wirtschaft-musste-in-den-medien-jegliche-glaubwurdigkeit-verloren-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17287","title":{"rendered":"Gerechtigkeit \u2013 Das \u201eInstitut der deutschen Wirtschaft\u201c m\u00fcsste in den Medien jegliche Glaubw\u00fcrdigkeit verloren haben"},"content":{"rendered":"<p>Die neoliberalen Propagandaagenturen haben erkannt, dass das Thema &bdquo;soziale Gerechtigkeit&ldquo; zu einem f&uuml;r sie gef&auml;hrlichen Feld im Wahlkampf werden k&ouml;nnte. Kein Wunder also, dass sich diese neoliberalen Speerspitzen der Manipulation der &ouml;ffentlichen Meinung in Stellung bringen, um die Stimmungslage beim Stimmvolk zu wenden und die ver&ouml;ffentlichte Meinung auf ihre Seite zu ziehen oder wenigstens zu verunsichern.<br>\nAn der Spitze dieses &bdquo;Klassenkampfs von oben&ldquo; stehen nat&uuml;rlich die Propagandaorganisation der Arbeitgeber, die &bdquo;Initiative Neue Marktwirtschaft&ldquo; (INSM) und deren &bdquo;wissenschaftlicher Schreibtisch&ldquo;, das &bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; (IW).<br>\nWenn es noch eines Beweises bedurft h&auml;tte, dass es dem angeblich wissenschaftlichen IW um nichts anderes geht, als um Propaganda f&uuml;r die politischen Interessen der Arbeitgeberverb&auml;nde, dann ist er mit dieser aktuellen Pressekampagne geliefert.<br>\nWer in den Medien bereit ist, auch nur einen kritischen Blick auf diese Ver&ouml;ffentlichungen des IW zu werfen, der d&uuml;rfte als verantwortlicher Redakteur den Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael H&uuml;ther, nie wieder zitieren oder vor die Kamera holen.<br>\nSp&auml;testens mit dieser Pressekampagne m&uuml;sste das IW und zumal  ihr omnipr&auml;senter Direktor f&uuml;r jeden einigerma&szlig;en unvoreingenommenen Beobachter jede Glaubw&uuml;rdigkeit verloren haben. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDie neoliberalen Propagandaagenturen haben erkannt, dass das Thema &bdquo;soziale Gerechtigkeit&ldquo; zu einem f&uuml;r sie gef&auml;hrlichen Feld im Wahlkampf werden k&ouml;nnte.<br>\nNach einer j&uuml;ngsten Umfrage des konservativ ausgerichteten Allensbach Instituts empfinden n&auml;mlich  70 Prozent der Deutschen eine Gerechtigkeitsl&uuml;cke bei uns im Lande und fast genauso viele Menschen meinen, dass Einkommen und Verm&ouml;gen nicht gerecht verteilt sind und dass die Ungerechtigkeit im Lande in den letzten Jahren zugenommen hat. 60% der befragten Bev&ouml;lkerung sagen, dass sie von dem st&auml;ndig behaupteten gro&szlig;artigen Wirtschaftswachstum <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16201\">nicht profitierten<\/a>.<\/p><p>Wahlanalysen der Landtagswahl in Niedersachsen haben gezeigt, dass Thema &bdquo;soziale Gerechtigkeit&ldquo; offenbar eine viel gr&ouml;&szlig;ere Wichtigkeit f&uuml;r die Menschen hat, als das &uuml;blicherweise &ouml;ffentlich thematisiert wird. Das Gef&uuml;hl, dass es in unserm Land ungerecht zugeht, konnte offenbar auch einem popul&auml;ren Amtsinhaber den <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15908\">Wahlsieg kosten<\/a>. Das soll und darf nach dem Willen der Arbeitgeber, der Kanzlerin nicht passieren.<\/p><p>Kein Wunder also, dass sie ihre Speerspitzen der Manipulation der &ouml;ffentlichen Meinung in Stellung bringen, um die Stimmungslage beim Stimmvolk zu wenden und die ver&ouml;ffentlichte Meinung auf ihre Seite zu ziehen oder zumindest zu verunsichern. An der Spitze dieses &bdquo;Klassenkampfs von oben&ldquo; stehen nat&uuml;rlich die wichtigste Propagandaorganisation der Arbeitgeber, die &bdquo;Initiative Neue Marktwirtschaft&ldquo; (INSM) und deren &bdquo;wissenschaftlicher Schreibtisch&ldquo;, das &bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; (IW).<\/p><p><strong>INSM startet eine Wahlkampagne des &bdquo;Gro&szlig;en Geldes&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die INSM preschte mit einer Anzeigenkampagne <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/kampagne\/gerechtigkeit\/gerechtigkeitsfragen-der-insm.html\">&bdquo;Gerechtigkeit 2013&ldquo;<\/a> vor. Bei acht Gerechtigkeitsthemen soll mit Anzeigen und Plakaten Meinungsmache im Sinne der Arbeitgeber betrieben werden. <\/p><p>Da wird dann die verbreitete Kritik an der bestehenden Einkommens- und Verteilungsungerechtigkeit umgeleitet in das vage Zukunftsversprechen von mehr &bdquo;Chancengerechtigkeit&ldquo;. Da soll der Zorn &uuml;ber die dramatisch gesunkenen Steuern f&uuml;r Unternehmen und Verm&ouml;gensbesitzer umgelenkt werden auf die Lohnempf&auml;nger betreffende &bdquo;kalte Progression&ldquo; der Lohnsteuerzahler. Da wird mit <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/38\/38801\/1.html\">manipulierten Umfragen<\/a> gegen die Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;gensteuer oder gegen eine Reform der Erbschaftssteuer angegangen. Und nat&uuml;rlich wird &uuml;ber den Mindestlohn als Arbeitsplatzvernichter hergezogen. Es wird die Facharbeiterschaft gegen die Studiengeb&uuml;hrenfreiheit aufgewiegelt und der kalte Kaffee nochmals aufgew&auml;rmt, wonach angeblich die Verk&auml;uferin das Studium ihres zuk&uuml;nftigen Chefs bezahle (Siehe zu diesem Ablenkungsman&ouml;ver vor einer gr&ouml;&szlig;eren Steuergerechtigkeit z.B. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15911#h13\">hier<\/a>). Nat&uuml;rlich wird wieder einmal der demografische Wandel als Hebel zur Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit eingesetzt. (Siehe dazu auch zum <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17269#h01\">sog. Demografie-Gipfel<\/a>)  Nicht fehlen darf nat&uuml;rlich die Behauptung, dass die Agenda 2010 &uuml;ber 2 Millionen Arbeitspl&auml;tze entstehen lie&szlig;. (Siehe zur Widerlegung dieser Behauptung <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16451#h03\">hier<\/a>)<br>\nKurz: Es handelt sich mal wieder um eine Wahlkampagne des &bdquo;Gro&szlig;en Geldes&ldquo; mit der Stimmen f&uuml;r den Machterhalt der derzeitigen Regierung &bdquo;gekauft&ldquo; werden sollen. <\/p><p><strong>Das &bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; zieht mit einer Pressekampagne nach<\/strong><\/p><p>Mit einer Pressekampagne zog nun vor wenigen Tagen das arbeitgeberfinanzierte &bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; (IW), belegt mit mehreren &bdquo;Studien&ldquo; nach. &Uuml;ber die Pressematerialien wurden nat&uuml;rlich brav von alle wichtigen Medien reportiert &ndash; nat&uuml;rlich ohne dass man sie vorher gr&uuml;ndlich &uuml;berpr&uuml;fen konnte. Wenn man das Medienecho wahrnimmt, ist die PR-Ma&szlig;nahme erfolgreich. <\/p><p>Die bislang von allen Untersuchungen gest&uuml;tzte Feststellung, dass Einkommen und Verm&ouml;gen zunehmend ungleich verteilt seien, sei &bdquo;nicht haltbar&ldquo;. Diese Botschaft <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/presse\/veranstaltungen\/beitrag\/pressegespraech-gerechtigkeit-verteilung-und-soziale-mobilitaet-in-deutschland-112223?relatedarticles.p=2#related-articles\">verbreiteten<\/a> die Mietm&auml;uler der Arbeitgeberverb&auml;nde, angeblich belegt durch zahlreiche Einzelstudien und Statements, am 13. Mai der erstaunten &Ouml;ffentlichkeit.<\/p><p>Alle anderen und widersprechenden Befunde werden also f&uuml;r falsch erkl&auml;rt. <\/p><p>Die selbst im <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16407\">gesch&ouml;nten regierungsoffiziellen Armuts-Reichtumsbericht<\/a> nicht bestreitbare Feststellung,  dass die Haushalte in der unteren H&auml;lfte der Verteilung nur &uuml;ber gut ein Prozent des gesamten Nettoverm&ouml;gens verf&uuml;gen, w&auml;hrend die verm&ouml;gensst&auml;rksten zehn Prozent der Haushalte &uuml;ber die H&auml;lfte des gesamten Nettoverm&ouml;gens auf sich vereinen, und dass der Anteil des obersten Dezils im Zeitverlauf <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16435\">immer weiter angestiegen ist<\/a>, soll also &bdquo;nicht haltbar&ldquo; sein? <\/p><p>Die Grafik des Statistischen Bundesamtes also eine Irref&uuml;hrung der &Ouml;ffentlichkeit?<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_01.gif\" alt=\"Verteilung des Privatverm&ouml;gens in Deutschland\" title=\"Verteilung des Privatverm&ouml;gens in Deutschland\"><\/p><p>Der Bericht <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/publikationen\/dividedwestand-whyinequalitykeepsrising.htm\">&bdquo;Divided we Stand &ndash; Why Ineqality Keeps Rising&ldquo;<\/a> der gewiss wirtschaftsfreundlichen OECD aus dem Jahre 2011, dass <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/einkommensungleichheitnimmtoecd-weitzuindeutschlandbesondersschnell.htm\">&bdquo;in Deutschland (&hellip;) die Einkommensungleichheit seit 1990 erheblich st&auml;rker gewachsen als in den meisten anderen OECD-L&auml;ndern&ldquo;<\/a>, soll wohl nur ein Propagandast&uuml;ck sozialistischer Umverteilungsideologen sein?<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_02.gif\" alt=\"Entwicklung der Einkommensungleichheit\" title=\"Entwicklung der Einkommensungleichheit\"><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_03.gif\" alt=\"Entwicklung der Einkommensarmut\" title=\"Entwicklung der Einkommensarmut\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/social\/soc\/41525386.pdf\">OECD [PDF &ndash; 250 KB]<\/a><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_04.gif\" alt=\"Soziale Ungleichheit in der OECD nimmt zu\" title=\"Soziale Ungleichheit in der OECD nimmt zu\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/einkommensungleichheitnimmtoecd-weitzuindeutschlandbesondersschnell.htm\">OECD 2011<\/a><\/p><p>Oder hat etwa das DIW  &ndash; um nur eines der Forschungsinstitute zu nennen, das eine signifikante Zunahme der Ungleichheit auf einem historischen H&ouml;chststand beobachtet hat &ndash;  dasselbe statistische Material nur falsch ausgewertet?<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_05.gif\" alt=\"Entwicklung des Gini-Koeffizienten und der Armutsrisikoquote in Deutschland\" title=\"Entwicklung des Gini-Koeffizienten und der Armutsrisikoquote in Deutschland\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120330_vjh_2E80_2E4_2E5.pdf\">DIW [PDF &ndash; 90 KB]<\/a><\/p><p>Wie erkl&auml;rt sich nun, dass das IW bei einigen ausgew&auml;hlten Indikatoren der sozialen Gerechtigkeit, der Verteilung und der sozialen Mobilit&auml;t zu so vollkommen anderen Ergebnissen kommt, als nahezu alle anderen Studien, die sich mit diesen Themen auseinandersetzten?<\/p><p>Wie bei jeder sozialwissenschaftlichen Studie h&auml;ngen deren Ergebnisse, von der Fragestellung, von den herangezogenen statistischen Grundlagen, von der Methodik der Auswertung der Daten und nat&uuml;rlich von der Bewertung der Befunde ab. <\/p><p><strong>Das IW behauptet: &bdquo;Die Umverteilung in Deutschland funktioniert&ldquo;<\/strong><\/p><p>Da f&auml;llt bei den im Internet zug&auml;nglichen Materialien und Studien zun&auml;chst einmal auf, dass nirgendwo und schon gar nicht in den Pressestatements die derzeit schon vorhandene Verm&ouml;gensverteilung eine Rolle spielt. Es geht haupts&auml;chlich nur um die Verteilung der laufenden Einkommen &uuml;ber einen Zeitabschnitt. <\/p><p>Wie ungleich jedoch die Verteilung des Nettogesamtverm&ouml;gens ist, wird in der folgenden Grafik abgebildet:<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_06.gif\" alt=\"Verm&ouml;gensverteilung in Deutschland\" title=\"Verm&ouml;gensverteilung in Deutschland\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=12782\">Jens Berger<\/a><\/p><p>Jens Berger kommt in seinem Artikel &bdquo;Was hat es mit der Spreizung der Verm&ouml;gensschere und der Steigerung der Kapitaleinkommen auf sich?&ldquo; zu folgendem Fazit:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die Auswertung, wie sich dieses Verm&ouml;gen verteilt, ist erschreckend. Die oberen 0,1% der Verm&ouml;gensskala besitzen 22,5% des Nettoverm&ouml;gens, die oberen 0,5% besitzen 31,2%, das obere Prozent 35,7%, die oberen 2,5% 44,7% und die oberen 7,5% bereits 61,0% des Nettoverm&ouml;gens. Auf der anderen Seite der Skala besitzen die unteren 50% gerade einmal 1,4% des gesamten Nettoverm&ouml;gens.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das IW l&auml;sst diese ungleiche Verm&ouml;gensverteilung nahezu komplett au&szlig;en vor. Einzig mit der Verteilung des Immobilienverm&ouml;gens besch&auml;ftigt sich eine Studie von Tim Calmor und Ralph Hegener.<\/p><p>Die Autoren kommen zu folgendem Fazit:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Das private Immobilienverm&ouml;gen in Deutschland verdoppelte sich in den vergangenen 20 Jahren auf 6 Billionen Euro. Mit gut der H&auml;lfte am Privatverm&ouml;gen stellt es weiterhin die wichtigste Anlageklasse dar. Das Immobilienverm&ouml;gen ist analog zu anderen Verm&ouml;genspositionen ungleich zwischen Gering- und Gutverdienenden, Alten und Jungen, Erwerbs- und Nichterwerbst&auml;tigen sowie zwischen Westdeutschland und Ostdeutschland verteilt. Rund die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung verf&uuml;gt &uuml;ber Haus- und Grundbesitz. Das reichste F&uuml;nftel besitzt 75 Prozent des Immobilienverm&ouml;gens. In den letzten Jahren war keine merkliche Ver&auml;nderung der Verteilung zu erkennen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>(Vgl. <a href=\"http:\/\/www.iwkoeln.de\/de\/presse\/veranstaltungen\/beitrag\/pressegespraech-gerechtigkeit-verteilung-und-soziale-mobilitaet-in-deutschland-112223?relatedarticles.p=2#related-articles\">IW-Trends zum Download hier<\/a>)<\/p><p>Selbst dieser nun selbst ermittelte Befund, dass das reichste F&uuml;nftel 75 % des Immobilienverm&ouml;gens besitzt, bleibt aber nat&uuml;rlich im Pressestatement des IW-Direktors H&uuml;ther  unerw&auml;hnt. <\/p><p>Dass die Autoren beim Immobilienverm&ouml;gen in den letzten Jahren keine merkliche Ver&auml;nderung eingetreten ist, spricht jedenfalls nicht dagegen, &bdquo;Einkommen und Verm&ouml;gen&ldquo; ungleich verteilt blieben und nach wie vor sind.<\/p><p>H&uuml;ther behauptet vielmehr die Umverteilung in Deutschland funktioniere. Im unteren Einkommensbereich bestehe das Nettoeinkommen zu &uuml;ber 60 Prozent aus Transferleistungen. <\/p><p>Auf einen solchen Prozentsatz kann man nur kommen, wenn man die Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, die staatlichen Pensionen, das Kindergeld, das Elterngeld, das Arbeitslosengeld I und II bzw. das Sozialgeld und andere Leistungen addiert. Und nat&uuml;rlich rechnet das IW die Rentenzahlungen oder das Arbeitslosengeld I zu den &bdquo;staatlichen Transferleistungen&ldquo;, obwohl sie umlage- oder beitragsfinanziert sind. Bei einem umlagefinanzierten System entspricht das in etwa der absurden Rechenmethode, dass man bei Sparkonten ausschlie&szlig;lich errechnen w&uuml;rde, welche Summe von den Konten abgehoben werden, ohne gleichzeitig gegenzurechnen, wie viel von anderen Sparern (also bei der Rente oder beim Arbeitslosengeld I von den Lohnempf&auml;ngern) gleichzeitig wieder auf die Sparkonten einbezahlt wird. Die gesetzliche Rentenversicherung finanziert sich z.B. zu 74% aus Beitr&auml;gen und zu 26% aus staatlichen Zusch&uuml;ssen (wobei die Zusch&uuml;sse &uuml;berwiegend f&uuml;r versicherungsfremde Leistungen bezahlt werden). <\/p><p>Der Hinweis, dass Deutschland auf Platz 6 jener L&auml;nder liege, in denen die unteren Einkommensbereiche am meisten von den staatlichen Transferleistungen profitieren, sagt &uuml;ber die steigende Ungleichheit in Deutschland nichts oder nur wenig aus. Die umverteilende Wirkung solcher Transfersysteme ist zwar in Deutschland relativ gro&szlig;: Im Jahr 2008 verminderten Steuern und Transfers die Ungleichheit hierzulande um knapp 29 Prozent, verglichen mit 25 Prozent im OECD-Mittel. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_07.gif\" alt=\"Ausgleich durch Steuern und Transfers\" title=\"Ausgleich durch Steuern und Transfers\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/einkommensungleichheitnimmtoecd-weitzuindeutschlandbesondersschnell.htm\">OECD<\/a><\/p><p>Aber im OECD-Bericht hei&szlig;t es dazu zur&uuml;ckhaltend: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Komplett verhindern konnte das deutsche Steuer- und Transfersystem das Auseinanderdriften von Arm und Reich allerdings nicht. Erstens verringerte sich der Umverteilungseffekt von Steuern und Sozialleistungen seit dem Jahr 2000 um vier Prozentpunkte, und zweitens gingen Unterst&uuml;tzungsleistungen, wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, merklich zur&uuml;ck (wenngleich das Niveau im internationalen Vergleich weiterhin relativ hoch ist).&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Und dieses Auseinanderdriften <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/einkommensungleichheitnimmtoecd-weitzuindeutschlandbesondersschnell.htm\">erkl&auml;rt die OECD wie folgt<\/a>:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich geht vor allem auf die Entwicklung der L&ouml;hne und Geh&auml;lter zur&uuml;ck. Diese machen etwa 75 Prozent des Haushaltseinkommens aus. In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Lohnschere zwischen den obersten und untersten zehn Prozent der Vollzeitarbeitenden um ein F&uuml;nftel erweitert. Aber auch zunehmende Teilzeitbesch&auml;ftigung ist ein Faktor, der zur Einkommensungleichheit beitr&auml;gt: Seit 1984 ist der Anteil der Teilzeitarbeiter in Deutschland von 11 auf 22 Prozent gestiegen, das hei&szlig;t von knapp drei auf mehr als acht Millionen Menschen. H&auml;ufig handelt es sich hierbei um Frauen, die noch immer weniger Lohn erhalten als ihre m&auml;nnlichen Kollegen. Hinzu kommt eine Ver&auml;nderung von Arbeitszeiten: Kamen deutsche Geringverdiener vor 20 Jahren im Durchschnitt noch auf 1000 Arbeitsstunden pro Jahr, so hat sich ihre Arbeitszeit jetzt auf 900 Stunden reduziert. Menschen aus den oberen Einkommensklassen hingegen arbeiten weiterhin rund 2250 Stunden pro Jahr.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Auch &uuml;ber diese Kluft bei den L&ouml;hnen und beim Einkommen schweigt sich das IW aus.<br>\n(Siehe dazu auch oder das <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/38555_40935.htm\">Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK)<\/a>) <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_07-2.gif\" alt=\"Einkommen: Die untere H&auml;lfte abgeh&auml;ngt\" title=\"Einkommen: Die untere H&auml;lfte abgeh&auml;ngt\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/hbs_showpicture.htm?id=40853&amp;chunk=1\">IMK<\/a><\/p><p>Dass die Lohnquote von 72,1 % im Jahre 2000 (nachdem sie 2007 gar nur auf 63,2 % gesunken war) bis 2012 auf 68,1% gesunken ist, die Gewinnquote jedoch von 27,9 % auf &uuml;ber 31 % <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/130408_hinweise_antwort_bilanz_der_agenda_2010-politik_17-12750.pdf\">gestiegen ist [PDF &ndash; 105 KB]<\/a>, bleibt vom IW unerw&auml;hnt. <\/p><p>Ein wenig (bitteren) Honig saugen k&ouml;nnte das IW ausschlie&szlig;lich daraus, dass die Markteinkommen aus Arbeit und Kapital in den letzten Jahren leicht anstiegen, dass die relative Armut ein klein wenig zur&uuml;ckgegangen und der sog. Gini Koeffizient einen winzigen Bruchteil gesunken ist. Das Verh&auml;ltnis der Durchschnittseinkommen der oberen 10 % zum Durchschnittseinkommen der unteren 10 % klafft jedoch nach wie vor weit auseinander.<br>\nDass die Verm&ouml;genden in der Finanzkrise leichte Einbu&szlig;en hinnehmen mussten, &auml;ndert nichts daran, dass in Deutschland die Einkommensungleichheit f&uuml;r Markt- und verf&uuml;gbare Einkommen <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/einkommen-verteilung-ungleichheit.htm\">auf Vorkrisenniveau verharrte<\/a>, das Verm&ouml;gen jedoch weiter angestiegen ist und zwar ungleich.<\/p><p>Daraus jedoch den Schluss zu ziehen die Ungleichverteilung sei ein &bdquo;Mythos&ldquo; ist eine glatte T&auml;uschung.<\/p><p><strong>Das IW behauptet: &bdquo;Die Staatseinnahmen folgen weitgehend der Leistungsf&auml;higkeit&ldquo;<\/strong><\/p><p>Als Zweites weist H&uuml;ther darauf hin, dass die Staatseinnahmen &bdquo;weitgehend der Leistungsf&auml;higkeit&ldquo; folge. Wieder wird hier nur auf die Einkommensteuer und die Mehrwertsteuer abgestellt. Die veranlagte Einkommensteuer, die K&ouml;rperschaftssteuer, die Steuern auf Kapitaleink&uuml;nfte oder die Gewerbesteuer, die nun gerade in den letzten Jahren deutlich gesenkt worden sind (siehe unten stehende Grafik), bleiben au&szlig;en vor.<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_08.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_08_th.gif\" alt=\"Aufkommen verschiedener Steuern als Anteil am Gesamt-Steueraufkommen, 1961 und 2011, Deutschland. Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung und Darstellung.\" title=\"Aufkommen verschiedener Steuern als Anteil am Gesamt-Steueraufkommen, 1961 und 2011, Deutschland. Quelle: Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung und Darstellung.\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.annotazioni.de\/post\/1113\">annotazioni<\/a><\/p><p>Dazu muss man wissen, dass die Lohnsteuer im Jahr 2012 mit 149.064.613 Tausend Euro der gesamten Steuereinnahmen in H&ouml;he von 551.784.950 TSd. Euro nur 27 %, also nur ein gutes Viertel ausmacht. Selbst wenn man die veranlagte Einkommensteuer mit 37.262.402 Tsd. Euro zur Lohnsteuer addiert, macht die gesamte Einkommensteuer gerade ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen aus.<\/p><p>Den gr&ouml;&szlig;ten Batzen der Steuereinnahmen macht &uuml;brigens die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) aus, n&auml;mlich 194.634.876 Tsd. Euro. Diese indirekte Steuer belastet alle Einkommensbezieher vom Hartz IV-Empf&auml;nger bis zum Spitzenverdiener und Verm&ouml;gensmilliard&auml;r gleich. Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass niedrigere Einkommensbezieher einen viel h&ouml;heren Anteil ihres verf&uuml;gbaren Einkommens (mehrwertsteuerpflichtig) konsumieren als die &bdquo;Bestverdiener&ldquo;. D.h. gemessen am Gesamtsteueraufkommen wird der Umverteilungseffekt bei der Einkommensteuer weitgehend &uuml;ber die indirekten Steuer weitgehend wieder aufgefangen.<\/p><p>Die K&ouml;rperschaftssteuer tr&auml;gt mit 16.934.457 Tsd. Euro gerade mal  3 % zu den gesamten Steuereinnahmen bei, die nichtveranlagten Steuern vom Ertrag mit 20.059.468 Tsd. Euro rd. 3,6 % und die Abgeltungssteuer von den Zinsertr&auml;gen mit 8.234.069 Tsd. Euro nur noch 1,5%.<\/p><p>Man sollte sich nur das einmal vor Augen halten: Die K&ouml;rperschaftssteuer (16.934.457 Tsd. Euro), also die Steuer auf das Einkommen von juristischen Personen, in der Regel also von Unternehmen liegt etwas &uuml;ber den Steuereinnahmen &uuml;ber die Tabaksteuer (14.143.447 Tsd. Euro).<\/p><p>Eine Verm&ouml;gensteuer wird seit dem Jahr 2000 &uuml;berhaupt nicht mehr erhoben und f&uuml;r Kapitaleink&uuml;nfte gilt ein pauschaler Steuersatz von 25% w&auml;hrend auf Arbeitseink&uuml;nfte bis zu 45% Steuern erhoben werden. Auch die Erbschaftssteuer ist nur ein winziger Restposten.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Standardartikel\/Themen\/Steuern\/Steuerschaetzungen_und_Steuereinnahmen\/2013-01-18-Steuereinnahmen-Kalenderjahr-2012.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=9\">Bundesfinanzministerium [PDF &ndash; 40 KB]<\/a> <\/p><p>Das alleinige Abstellen des IW auf die umverteilende Wirkung der Einkommensteuer und der f&uuml;r alle gleiche Mehrwertsteuer ist also ein sehr selektiver Blick. Die Aussage, dass die Staatseinnahmen der Leistungsf&auml;higkeit folgten, ist jedenfalls im Hinblick auf die Verteilungsgerechtigkeit somit eine grobe Irref&uuml;hrung. <\/p><p><strong>Das IW sagt: Die Armutsquoten liegen im oberen Mittelfeld<\/strong><\/p><p>Weiter wird vom IW verharmlosend darauf hingewiesen, dass die Armutsquoten im europ&auml;ischen Vergleich &bdquo;im oberen Mittelfeld&ldquo; l&auml;gen. Das &auml;ndert jedoch nichts an der Tatsache, dass in Deutschland knapp 9 % der Menschen <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/einkommen-verteilung-ungleichheit.htm\">in relativer Armut leben<\/a>.<\/p><p>Ist es eine Erfolgsmeldung, dass das &bdquo;reiche&ldquo; Deutschland nur knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 11,3 % liegt? <\/p><p>Es ist im &Uuml;brigen eine sehr selektive Betrachtung nur auf die Armutsquote abzustellen. Nach den j&uuml;ngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes gelten 15,8 % der Bev&ouml;lkerung, also jeder Sechste in Deutschland als armutsgef&auml;hrdet gilt. EU-weit waren es nur geringf&uuml;gig mehr Menschen, die armutsgef&auml;hrdet sind, <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2013\/03\/PD13_121_634.html\">n&auml;mlich 16,9%<\/a>. <\/p><p>Im aufw&auml;ndig gestalteten Begleitmaterial im <a href=\"http:\/\/www.arm-und-reich.de\/stimmen\/\">Internetauftritt &bdquo;arm und reich&ldquo;<\/a> des IW darf dann auch noch der Kuratoriumsvorsitzende der INSM und ehemalige &bdquo;Superminister&ldquo; Wolfgang Clement per Video ran und in seiner typisch agitatorischen Manier, Armut als ein &bdquo;statistisches Problem&ldquo; abtun. Dass Clement nur noch ein geifernder Agitator ist und nicht einmal verstanden hat, was ihm vorgesagt wird, beweist er einmal mehr damit, dass er in seinem Video-Statement &ndash; f&auml;lschlicherweise &ndash; die Armutsgrenze an 60 Prozent des Durchschnittseinkommens, statt wie statistisch korrekt am Medianeinkommen misst. (Siehe zu dieser Unterscheidung etwa <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14856\">hier<\/a>)<br>\nWas Clement als absurd bezeichnet, zeigt nur wie absurd seine Einlassung selbst ist.   <\/p><p><strong>Das IW behauptet: Arbeitspl&auml;tze helfen, Armut zu vermeiden<\/strong><\/p><p>Es ist klar, dass das Arbeitgeberinstitut auf das Loblied der Bundesregierung mit Blick auf den (wohlgemerkt) statistischen R&uuml;ckgang der Arbeitslosigkeit und auf das angebliche Rekordhoch bei der Anzahl der Erwerbst&auml;tigen singt. <\/p><p>Was das Arbeitgeberinstitut nat&uuml;rlich nicht erw&auml;hnt, das ist die Tatsache, dass sich das Arbeitsvolumen der besch&auml;ftigten Arbeitnehmer seit dem Jahr 2000 mit 48.650 Mio. Stunden bis 2012 mit 48.814 Mio. Stunden im Jahr 2012 <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/130408_hinweise_antwort_bilanz_der_agenda_2010-politik_17-12750.pdf\">kaum ver&auml;ndert hat [PDF &ndash; 105 KB]<\/a>.<\/p><p>Das hei&szlig;t konkret, dass sich die Arbeit unter der steigenden Zahl der Erwerbst&auml;tigen nur anders verteilt hat. Nur noch die H&auml;lfte der Arbeitnehmer ist <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.400060.de\/12-21-1.pdf\">in Vollzeit t&auml;tig [PDF &ndash; 440 KB]<\/a>. Das Institut f&uuml;r Arbeitsmarkt- und Berufsforschung meldete im M&auml;rz, dass von 2005 bis 2012 die Vollzeitbesch&auml;ftigung um 4,2 %, die Teilzeitbesch&auml;ftigung jedoch um das Dreifache, n&auml;mlich um 12,7 % <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15631\">zugenommen hat<\/a>. <\/p><p>Dann wird vom IW noch behauptet, dass der Anteil von Niedriglohnbesch&auml;ftigten seit 2007 stagniere. Das Statistische Bundesamt teilt in seiner j&uuml;ngsten Statistik vom September 2012 dagegen mit: Der &bdquo;Anteil der Besch&auml;ftigten mit Niedriglohn ist gestiegen&ldquo;; ein langfristiger Trend <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/09\/PD12_308_62.html;jsessionid=58223F34505E484A029E8FA6CF81A8D0.cae2\">setze sich fort<\/a>. <\/p><p>Es ist und bleibt ein gesellschaftspolitischer Skandal, dass bei nicht tarifgebundenen Arbeitgebern fast ein Drittel der Besch&auml;ftigten einen Niedriglohn (31,0 %) erhielt. Besonders hoch war 2010 der Anteil von Besch&auml;ftigten mit Niedriglohn bei Taxifahrer\/-innen (87,0 %), Friseurinnen und Friseuren (85,6 %) und im Reinigungsgewerbe (81,5 %). Aber auch in Restaurants, Caf&eacute;s und Gastst&auml;tten (77,3 %), in W&auml;schereien und chemischen Reinigungen (73,6 %) sowie in Kinos (73,5 %) gab es besonders viele Besch&auml;ftigte mit Niedriglohn.<\/p><p>Zudem wird vom IW weiter behauptet, dass Niedriglohnbesch&auml;ftigung nicht gleichbedeutend mit Armut sei, immerhin h&auml;tten Besch&auml;ftigte im Niedriglohnbereich mit rund 17 % eine geringere Armutsgef&auml;hrdungsquote als Nicht-Erwerbst&auml;tige. <\/p><p>Den Vergleich der Armutsgef&auml;hrdung von Niedrigl&ouml;hnern etwa mit Arbeitslosen kann man eigentlich nur als zynisch bezeichnen. <\/p><p>Schlie&szlig;lich behauptet das IW noch, dass es nicht stimme, dass immer mehr Vollzeitbesch&auml;ftigte von ihrer Arbeit nicht leben konnten. Die Anzahl der Aufstocker sei in den vergangenen Jahren um 50.000 auf 290.000 (2011) zur&uuml;ckgegangen. <\/p><p>Es ist schon nur die halbe Wahrheit, wenn man die Aufstocker nur auf die Vollzeitbesch&auml;ftigten bezieht. Ja, die Zahl der vollzeitbesch&auml;ftigten Aufstocker ist etwas zur&uuml;ckgegangen. Dass das damit zu tun haben k&ouml;nnte, dass in einigen Branchen inzwischen Mindestl&ouml;hne eingef&uuml;hrt worden sind, wird nat&uuml;rlich geleugnet, da das IW sowieso gegen Mindestl&ouml;hne eintritt. <\/p><p>Was aber diese halbe Wahrheit zu einer ganzen L&uuml;ge macht, ist die Tatsache, die Zahl der Hilfeempf&auml;nger in sozialversicherter Teilzeit gegenl&auml;ufig anstieg. Will das IW sagen, dass diese Aufstocker alle freiwillig nur Teilzeit arbeiten? <\/p><p>Mitte 2011 gab es 570.000 Besch&auml;ftigte, die einen sozialversicherten Job aus&uuml;bten und Sozialbeitr&auml;ge zahlten, von ihrer Arbeit nicht leben konnten und auf Hartz IV angewiesen waren. Nimmt man noch die geringf&uuml;gig Besch&auml;ftigten oder &ldquo;Selbstst&auml;ndigen&ldquo; hinzu, so erh&ouml;ht sich die Zahl der erwerbst&auml;tigen Hartz-IV-Bezieher <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/120125_hinweise_hartz_IV_beduerft_von_erwerbstaet.pdf\">auf 1,36 Millionen [PDF &ndash; 470 KB]<\/a>.<\/p><p>Siehe dazu folgende Grafik:<\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_09.png\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_09_th.gif\" alt=\"Erwerbst&auml;tige ALG II-Empf&auml;nger 2007 - 2012\" title=\"Erwerbst&auml;tige ALG II-Empf&auml;nger 2007 - 2012\"><\/a><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sozialpolitik-aktuell.de\/tl_files\/sozialpolitik-aktuell\/_Politikfelder\/Sozialstaat\/Datensammlung\/PDF-Dateien\/abbIV81b.pdf\">Sozialpolitik aktuell [PDF &ndash; 130 KB]<\/a><\/p><p>&Uuml;ber die Ausweitung der Leiharbeit die bis zu 40 Prozent unter dem Tariflohn verdienen schweigt sich das IW g&auml;nzlich aus. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_10.gif\" alt=\"Entwicklung der Leiharbeit in Deutschland seit 1996\" title=\"Entwicklung der Leiharbeit in Deutschland seit 1996\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++3418e2be-1e97-11e2-8d4b-00188b4dc422\">DGB<\/a><\/p><p><strong>Das IW behauptet: &bdquo;Ein gesetzlicher Mindestlohn ist kein Instrument der Armutsbek&auml;mpfung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Richtig ist die Argumentation des IW, dass die Einf&uuml;hrung einer Lohnuntergrenze in H&ouml;he von 8,50 Euro kein effizientes Instrument der Armutsbek&auml;mpfung darstellt. Dazu ist dieser Betrag auch schlicht zu niedrig. Aber dass der Mindestlohn ein effektives Instrument zur Armutsbek&auml;mpfung sei, behauptet auch kaum jemand. Es ist bestenfalls ein Instrument, um der Lohndr&uuml;ckerei nach unten eine Grenze zu setzen. <\/p><p>Dass die Arbeitgeberseite gegen den gesetzlichen Mindestlohn ist, das ist bekannt, dass auch alle praktischen Gegenbeispiele, dass ein Mindestlohn eben keine negative Besch&auml;ftigungseffekte  haben muss, geleugnet werden auch. Dazu haben wir uns auf den NachDenkSeiten schon in vielen Beitr&auml;gen besch&auml;ftigt.<br>\n(Siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16360#h07\">aktuelle Forschungsergebnisse zum Mindestlohn<\/a>) <\/p><p><strong>Das IW sagt: &bdquo;Die Lohnmobilit&auml;t ist stabil, die Einkommensmobilit&auml;t aber leicht r&uuml;ckl&auml;ufig&ldquo;<\/strong><\/p><p>Einmal abgesehen, dass die Autoren dieser Studie einen zweifelhaften Index verwenden, kommen sie keineswegs zu einem f&uuml;r das IW erfreulichen Befund.<\/p><p>Die Lohnmobilit&auml;t, also dass Arbeitnehmer im Laufe ihres Erwerbslebens ihre Position in der Einkommensverteilung der Bev&ouml;lkerung verbessern k&ouml;nnen, sei &bdquo;nicht gesunken&ldquo; schreiben die Autoren Sch&auml;fer\/Schmidt\/Schr&ouml;der. Das hei&szlig;t die Lohneinkommenspositionen sind quasi zementiert. Es ist &bdquo;nicht der Fall&ldquo;, dass die Aufstiegschancen &bdquo;im Zuge der Erfolge auf dem Arbeitsmarkt&ldquo; gr&ouml;&szlig;er geworden seien, schreiben sie. Aber was sagen schon Lohneinkommenspositionen, wenn Arbeitnehmer in Teilzeit oder in Leiharbeit abgedr&auml;ngt werden. <\/p><p>Unerkl&auml;rlich ist f&uuml;r diese &bdquo;Forscher&ldquo;, warum die Einkommensmobilit&auml;t r&uuml;ckl&auml;ufig ist, also die Chancen in eine bessere Einkommensschicht aufzusteigen abgenommen haben. Dabei w&auml;re die Antwort so einfach. Die Reichen sind reicher geworden, die Armen &auml;rmer und im besten Falle stagnierten die mittleren Einkommen oder sie sanken herab.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130515_neoliberale_propaganda_11.gif\" alt=\"Einkommensmobilit&auml;t der Mittelschicht\" title=\"Einkommensmobilit&auml;t der Mittelschicht\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/wirtschaftlichefreiheit.de\/wordpress\/?p=11396\">Wirtschaftliche Freiheit<\/a><\/p><p><strong>Das IW behauptet: &bdquo;Bildungsabschl&uuml;sse: Mehr Aufsteiger als Absteiger&ldquo;<\/strong><\/p><p>Wie im konservativen Lager &uuml;blich, will man von der bestehenden Ungleichheit der Einkommensverteilung und der auseinandergehenden Lohnschere ablenken. Man ergreift die Flucht in eine bessere Zukunft durch das Versprechen des (k&uuml;nftigen) Aufstiegs durch Bildung. Der Fluchtpunkt ist deshalb <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16201\">&bdquo;Chancengerechtigkeit&ldquo; in der Bildung<\/a>.<\/p><p>Interessant ist dabei die Altersgruppe der Bildungsaufsteiger, die das IW f&uuml;r seine Behauptung heranzieht &ndash; n&auml;mlich die 35- bis 44-J&auml;hrigen. Also diejenigen, die vor 10 oder gar 20 Jahren ihren (formalen) Bildungsgrad abgeschlossen haben. Diese Altersgruppe profitierte noch von den Ausl&auml;ufern der damaligen Bildungsexpansion. <\/p><p>Blickte man jedoch auf die 25- bis 34-J&auml;hrigen, so sieht das Bild ganz anders aus. Nach der j&uuml;ngsten OECD-Publikation &bdquo;Bildung auf einen Blick&ldquo; erreichen nur 20 % dieser Altersgruppe ein h&ouml;heres Bildungsniveau als ihre Eltern und 22 % verschlechtern sich sogar. Im OECD-Durchschnitt steigen dagegen viel mehr, n&auml;mlich 37 % bildungsm&auml;&szlig;ig auf und nur 13 % <a href=\"http:\/\/www.oecd.org\/berlin\/presse\/hohererbildungsstandgarantiertbesserejobchanceninderkrise.htm\">steigen gegen&uuml;ber ihren Eltern ab<\/a>. <\/p><p>Deutschland landet bei den Chancen auf sozialen Aufstieg durch Ausbildung auf einem blamablen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=7884\">Rang 22 unter 31 untersuchten L&auml;ndern<\/a>. Nach wie vor spielt das Verm&ouml;gen der Eltern eine <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/sixcms\/detail.php?id=diw_01.c.411448.de\">zentrale Rolle f&uuml;r den Erfolg der Kinder<\/a> und die Herkunft spielt f&uuml;r sozialen Aufstieg eine <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dkultur\/sendungen\/thema\/1727258\/drucken\/\">st&auml;rkere Rolle als vor 30 bis 40 Jahren<\/a>.<\/p><p><strong>Das IW behauptet: &bdquo;Das Bildungssystem ist durchl&auml;ssiger geworden&ldquo;<\/strong><\/p><p>Es gebe immer weniger Kinder aus &bdquo;bildungsfernen und Migrantenhaushalten&ldquo;, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss erreichten, hei&szlig;t es beim IW. <\/p><p>Auf dem von der Kanzlerin gro&szlig; gefeierten &bdquo;Bildungsgipfel&ldquo; im Herbst 2008 wurde versprochen, die Quote der Schulabbrecher zu halbieren. Die Quote konnte seit nunmehr f&uuml;nf Jahren gerade einmal um 1,2 Prozentpunkte von 7,4 auf 6,2 Prozent abgesenkt werden. Auch die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss konnte nur unwesentlich von einem Anteil von 17,2 auf 15,9 Prozent verringert werden. <\/p><p>Hauptschulen besuchen &uuml;berdurchschnittlich viele Kinder aus armen und benachteiligten Elternh&auml;usern und vor allem auch aus Familien mit Migrationshintergrund. An Gymnasien sind solche Kinder hingegen stark unterrepr&auml;sentiert. Sage und schreibe 40,7 Prozent der Hauptsch&uuml;lerinnen und Hauptsch&uuml;ler aber gerade einmal 9,2 Prozent der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten haben Eltern mit Volks- bzw. Hauptschulabschluss. Gemessen an ihrem Anteil an der gesamten Bev&ouml;lkerung besuchen Kinder, deren Eltern einen Volks- bzw. Hauptschulabschluss haben, doppelt so h&auml;ufig eine Hauptschule und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5422\">nur halb so h&auml;ufig ein Gymnasium<\/a>. Selbst bei gleicher Leistung hat das Kind eines Akademikers gegen&uuml;ber einem Arbeiterkind eine <a href=\"http:\/\/schule.dgb.de\/++co++ab29691e-f32f-11e0-6d11-00188b4dc422\">drei Mal so gro&szlig;e Chance<\/a> ein Gymnasium zu besuchen.<\/p><p>Die Parole &bdquo;Leistung muss sich lohnen&ldquo; hat gerade auch hinsichtlich der Bildungschancen kaum einen Bezug zur Realit&auml;t. Die Chance, die allgemeine Hochschulreife (&bdquo;klassisches&ldquo; Abitur) zu erreichen, ist f&uuml;r Sch&uuml;ler aus gebildeten Elternh&auml;usern noch immer etwa siebenmal h&ouml;her als f&uuml;r Sch&uuml;ler aus bildungsfernen Familien.<\/p><p>Angefangen von der UNO, &uuml;ber die OECD bis hin zu den Pisa-Studien, alle bescheinigen Deutschland eines der &bdquo;sozial selektivsten Bildungssysteme&ldquo;. Diese Tatsache mit der Behauptung, das Bildungssystem sei durchl&auml;ssiger geworden, sch&ouml;n reden zu wollen, kann man nur noch als Manipulation bezeichnen.<\/p><p><strong>Fazit:<\/strong> Ich behaupte nicht, dass alle hier den IW-Behauptungen entgegengestellten Untersuchungen und Statistiken richtig sind. Im Gegenteil, teilweise sind sie sogar noch im Sinne der herrschenden Regierung sch&ouml;ngef&auml;rbt. <\/p><p>Aber die unter dem Tarnmantel der Wissenschaftlichkeit daherkommende Pressekampagne des IW &uuml;ber Gerechtigkeit in unserem Land ist in der Auswahl ihrer Themen derart interessensbezogen und in ihren Behauptungen und deren Belegen so einseitig und parteilich, wie man das sonst nur selten findet.<\/p><p>Wenn es noch eines Beweises bedurft h&auml;tte, dass es dem &bdquo;Institut der deutschen Wirtschaft&ldquo; um nichts anderes geht, als um Propaganda f&uuml;r die politischen Interessen der Arbeitgeberverb&auml;nde, dann ist er mit dieser Pressekampagne geliefert.<\/p><p>Wer in den Medien bereit ist, auch nur einen kurzen kritischen Blick auf diese Ver&ouml;ffentlichungen zu werfen, der d&uuml;rfte als verantwortlicher Redakteur den Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael H&uuml;ther, nie wieder zitieren oder vor die Kamera holen. <\/p><p>Sp&auml;testens mit dieser Kampagne m&uuml;sste das IW und ihr Direktor f&uuml;r jeden einigerma&szlig;en unvoreingenommenen Beobachter jede Glaubw&uuml;rdigkeit verloren haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neoliberalen Propagandaagenturen haben erkannt, dass das Thema &bdquo;soziale Gerechtigkeit&ldquo; zu einem f&uuml;r sie gef&auml;hrlichen Feld im Wahlkampf werden k&ouml;nnte. Kein Wunder also, dass sich diese neoliberalen Speerspitzen der Manipulation der &ouml;ffentlichen Meinung in Stellung bringen, um die Stimmungslage beim Stimmvolk zu wenden und die ver&ouml;ffentlichte Meinung auf ihre Seite zu ziehen oder wenigstens zu<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17287\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,12,146,11],"tags":[1383,550,291],"class_list":["post-17287","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-manipulation-des-monats","category-soziale-gerechtigkeit","category-strategien-der-meinungsmache","tag-armuts-und-reichtumsbericht","tag-iw","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17287","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17287"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17287\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17296,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17287\/revisions\/17296"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17287"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17287"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17287"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}