{"id":1732,"date":"2006-09-07T15:15:29","date_gmt":"2006-09-07T13:15:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1732"},"modified":"2016-01-26T18:49:06","modified_gmt":"2016-01-26T17:49:06","slug":"auch-die-besten-gleiten-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1732","title":{"rendered":"Auch die Besten gleiten ab"},"content":{"rendered":"<p>Bettina Gaus halte ich f&uuml;r eine sehr ehrenwerte und ausgezeichnete Journalisten. Deshalb habe ich zun&auml;chst ihrem Kommentar in der heutigen taz &uuml;ber die au&szlig;enpolitische Rede von Oskar Lafontaine eine gewisse Glaubw&uuml;rdigkeit gegeben. Dann habe ich mich aber entschlossen, die Rede von Lafontaine zu lesen. Danach kann ich die meisten Urteile von Bettina Gaus nicht mehr nachvollziehen. Im Folgenden finden Sie den Kommentar von Bettina Gaus mit kleinen Bemerkungen von mir und dann die Rede von Lafontaine mit dann gefetteten Passagen, wenn sie mit dem Kommentar von Gaus etwas zu tun haben. Armes Deutschland, wenn sich auch noch die wenigen kritischen Journalisten an den Kommentaren der Regierenden orientieren.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>1. KOMMENTAR VON BETTINA GAUS vom 7.9.2006<\/strong><br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/09\/07\/a0060.1\/textdruck\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/09\/07\/a0060.1\/textdruck\">taz<\/a><br>\n(Anmerkungen von mir in Klammern:)<\/p><p>Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hat seinem ehemaligen Parteifreund Oskar Lafontaine vorgeworfen, im Bundestag eine besch&auml;mende Rede gehalten zu haben. Recht hat er. (AM: Diese Bewertung kann ich nach Lekt&uuml;re der Rede nicht mehr nachvollziehen) Es gibt eine Reihe guter Gr&uuml;nde, den geplanten Marineeinsatz der Bundeswehr im Nahen Osten abzulehnen. Die Angst vor terroristischen Angriffen im eigenen Land geh&ouml;rt nicht dazu. Wer &ndash; wie Lafontaine, Fraktionschef der Linkspartei &ndash; diesen Grund f&uuml;r das ma&szlig;gebliche Kriterium einer politischen Entscheidung h&auml;lt, unterwirft sich den Anspr&uuml;chen von Gewaltverbrechern. Die man &uuml;brigens, wenn man denn konsequent jeden Racheakt vermeiden m&ouml;chte, besser gar nicht als Verbrecher bezeichnen sollte. Das ist absto&szlig;end opportunistisch. (AM: Warum sollte die Angst vor terroristischen Angriffen im eigenen Land kein au&szlig;enpolitisch relevantes Kriterium sein? Damit unterwirft man sich nicht den Anspr&uuml;chen von Gewaltverbrechern. Man macht aber vielleicht eine andere Au&szlig;enpolitik. Diese andere Linie hat Lafontaine an &uuml;berparteilichen Beispielen der Vergangenheit skizziert. So wie Gaus haben &uuml;brigens die Christdemokraten und Konservativen bei uns im Dezember 1979 und im Fr&uuml;hjahr 1980 argumentiert, als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschiert war. Strau&szlig; und sogar auch Genscher sahen das Ende der Entspannungspolitik gekommen. Die Regierung Schmidt hat dennoch den Dialog fortgesetzt. Sie hat sich &ndash; in heutiger Sprache &ndash; mit Gewaltverbrechern eingelassen.) Oskar Lafontaine hat versucht, diese Haltung zu bem&auml;nteln, und daf&uuml;r einige Nebelwerfer eingesetzt. Er erinnerte an zur&uuml;ckliegende Verletzungen des V&ouml;lkerrechts, beispielsweise beim Kosovokrieg. Die haben aber mit dem m&ouml;glichen Einsatz der Bundeswehr im Libanon gar nichts zu tun. Was immer daf&uuml;r oder dagegen spricht: Ein Bruch des V&ouml;lkerrechts w&auml;re er nicht. Wenn Lafontaine das Kosovo jetzt als Argumentationshilfe f&uuml;r seine Position im Libanonkonflikt benutzt, dann setzt er sich dem Verdacht aus, zynisch nicht an den Verstand, sondern an die Emotionen von Kritikern milit&auml;rischer Eins&auml;tze appellieren zu wollen. (AM: Eine v&ouml;llig &uuml;berzogene Kommentierung. Lesen Sie die entsprechende Passage in der Lafontaine Rede. Die ist in diesen Teilen wenig emotional. Und von Nebelwerfern habe ich wenig bemerkt. Auch der Hinweis auf die V&ouml;lkerrechtswidrigkeit bisheriger milit&auml;rischer Eins&auml;tze kommt nicht als Nebel daher. &ndash; Damit, dass der Einsatz im Libanonkonflikt nicht v&ouml;lkerrechtswidrig w&auml;re, hat Frau Gaus wohl recht. Aber dass wir auf diese Weise in einen Konflikt eintreten, in dessen Vollzug V&ouml;lkerrecht immer wieder gebrochen wird, ist wohl nicht zu bezweifeln. Also, hier kann man streiten, aber kein so hartes Urteil f&auml;llen wie Frau Gaus.) Daf&uuml;r sind Kriege und die Missachtung von internationalem Recht jedoch allzu ernste Angelegenheiten. Lafontaine besch&auml;digt damit die Glaubw&uuml;rdigkeit der Linkspartei.<br>\nDas gilt umso mehr, als er es somit dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle &uuml;berlassen hat, im Bundestag ernsthafte Argumente gegen deutsche Operationen in libanesischen Gew&auml;ssern vorzubringen. Man kann es zu Recht seltsam finden, wenn ausgerechnet die Liberalen pl&ouml;tzlich Skepsis gegen&uuml;ber Milit&auml;reins&auml;tzen entwickeln. Das macht die Warnungen vor einem unklaren Mandat und die Sorge, dass die Bundeswehr zur Kriegspartei mutieren k&ouml;nnte, nicht unbegr&uuml;ndet. Die Frage, wie Israel ohne internationale Milit&auml;rs zu einem Ende der Seeblockade veranlasst werden k&ouml;nnte, lie&szlig; aber auch Westerwelle unbeantwortet.<\/p><p><strong>2. Rede<\/strong><\/p><p>06.09.2006 &ndash; Oskar Lafontaine<\/p><p><strong>Au&szlig;enpolitischer Irrweg der Gro&szlig;en Koalition erh&ouml;ht die Unsicherheit in Deutschland<\/strong><\/p><p>In der Haushaltsdebatte um den Etat des Bundeskanzleramtes &ndash; traditionell Elefantenrunde genannt &ndash; antwortet Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE., auf die Ausf&uuml;hrungen von Kanzlerin Merkel.<\/p><p>Herr Pr&auml;sident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! <\/p><p>Zwei Fragen besch&auml;ftigen derzeit die deutsche &Ouml;ffentlichkeit: zum einen die Frage, ob die Au&szlig;enpolitik der Bundesregierung geeignet ist, die Sicherheit in Deutschland zu erh&ouml;hen, und zum anderen die Frage, ob die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung geeignet ist, Wachstum und Besch&auml;ftigung zu unterst&uuml;tzen und zu f&ouml;rdern. Zu beiden Fragen m&ouml;chte ich f&uuml;r die Fraktion Die Linke Stellung nehmen.<br>\nDie Bundeskanzlerin hat versucht, die Au&szlig;enpolitik ihrer Regierung zu rechtfertigen, und ist, was nicht &uuml;berrascht, zu dem Ergebnis gekommen, dass die Au&szlig;enpolitik sehr wohl geeignet ist, die Sicherheit in diesem Lande zu verbessern. Das Urteil der &Ouml;ffentlichkeit f&auml;llt aber ganz anders und sehr differenziert aus. Auch aus den eigenen Reihen, meine sehr verehrten Damen und Herren von der Regierungsbank, werden in der &Ouml;ffentlichkeit Aussagen getroffen, die Sie, Frau Bundeskanzlerin, zumindest h&auml;tten ansprechen m&uuml;ssen, wenn Ihr harsches Urteil &uuml;ber die Opposition irgendeine Grundlage h&auml;tte haben sollen. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>Ich will mit einer Aussage beginnen. Wenn der Innenminister Bayerns feststellt, dass unsere Beteiligung am Libanonkrieg die Terroranschlagsgefahr in Deutschland erh&ouml;ht, dann ist es nicht zul&auml;ssig, dass Sie einen solch gravierenden Vorwurf einfach &uuml;bergehen und so tun, als sei alles in bester Ordnung und als m&uuml;sse &uuml;berhaupt nicht &uuml;ber die Au&szlig;enpolitik diskutiert werden.<\/strong><\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>H&auml;tte er n&auml;mlich mit dieser Feststellung Recht, w&auml;re dies ein vernichtendes Urteil &uuml;ber Ihre Au&szlig;enpolitik.<br>\nSie werden nicht &uuml;berrascht sein, dass in den letzten Jahren auch aus den Sicherheitsdiensten immer wieder angemahnt worden ist, dass unser milit&auml;risches Engagement am Hindukusch und sonst wo nicht dazu geeignet ist, die Terroranschlagsgefahr in Deutschland zu mindern, sondern dass es vielmehr so ist, dass durch dieses milit&auml;rische Engagement die Gefahr, dass terroristische Anschl&auml;ge auch hier in Deutschland unternommen werden, immer weiter steigt. <\/strong><\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Wir kommen also zu einem ganz anderen Ergebnis. Wir glauben, dass die Au&szlig;enpolitik Deutschlands sich schon seit vielen Jahren auf einen Irrweg begeben hat.<br>\nSchwerpunktm&auml;&szlig;ig auf milit&auml;rische Eins&auml;tze zu setzen und die klassischen Traditionen der deutschen Au&szlig;enpolitik, mit denen sie jahrzehntelang Erfolg hatte, zu vernachl&auml;ssigen, ist ein Irrweg, der nicht zu mehr Sicherheit in Deutschland f&uuml;hrt, sondern die Unsicherheit der Bev&ouml;lkerung eher erh&ouml;ht. Damit handeln Sie eklatant gegen Ihren Auftrag. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Ich hatte schon mehrfach die Frage aufgeworfen, ob es nicht notwendig sei, Frau Bundeskanzlerin, dass Sie, wenn Sie den Terrorismus bek&auml;mpfen wollen, einmal sagen, was Sie unter Terrorismus verstehen. Sie sind dazu nicht in der Lage; ich wiederhole diese Feststellung hier im Deutschen Bundestag. Eine Kanzlerin, die nicht in der Lage ist, zu definieren, was sie unter Terrorismus versteht, ist ihren Aufgaben nicht gewachsen, weil sie nicht f&auml;hig ist, eine Politik zu formulieren, mit der der Terrorismus bek&auml;mpft werden kann.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Dass dies schwierig ist, hat zuletzt die ehemalige Pr&auml;sidentin des Bundesverfassungsgerichtes dargelegt, als sie auf das Gesetz zur Antiterrordatei zu sprechen gekommen ist. Ich zitiere:<br>\nDer Gesetzentwurf offenbart, wie schwer es ist, jene Personen hinreichend klar zu bestimmen, die sich in einem terroristischen Kontext bewegen: wenn zum Beispiel darin von Personen die Rede ist, &bdquo;die rechtswidrig Gewalt als Mittel zur Durchsetzung international ausgerichteter politischer oder religi&ouml;ser Belange anwenden oder solche Gewaltanwendung unterst&uuml;tzen, bef&uuml;rworten oder durch ihre T&auml;tigkeiten vors&auml;tzlich hervorrufen&ldquo;. So lautet also im Gesetzentwurf die Definition des Terrorismus.<br>\nDie ehemalige Pr&auml;sidentin des Bundesverfassungsgerichtes sagt hierzu weiter: Gewiss, es geht hier nicht um Sprach&auml;sthetik. Aber was kann man nicht alles unter &bdquo;international ausgerichteten politischen oder religi&ouml;sen Belangen&ldquo; begreifen? L&auml;sst sich darunter nicht auch ein Krieg subsumieren, der die Absetzung eines Diktators zum Ziel hat?<\/p><p>(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)<\/p><p>Ich wiederhole: Es ist wirklich nicht m&ouml;glich, eine in sich konsistente Au&szlig;enpolitik zu formulieren, wenn man nicht in der Lage ist &ndash; Frau Bundeskanzlerin, Sie sind es nicht -, zu definieren, was Terrorismus eigentlich ist. Ich wiederhole: Terrorismus ist f&uuml;r viele, die sich auf internationaler Ebene an der Diskussion beteiligen, das T&ouml;ten von Menschen zum Erreichen politischer Ziele. Etwa so lautet auch die Definition in dem angesprochenen Gesetzentwurf.<br>\nVor diesem Hintergrund sind nicht nur das Attentat auf das World Trade Center und Selbstmordattentate, an die Sie erinnert haben, Terrorismus, sondern auch die Kriegsf&uuml;hrung im Nahen Osten, die Tausende unschuldiger Menschen ums Leben bringt.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>F&uuml;r die Linke erkl&auml;re ich hier: Man kann Terrorismus nicht durch Terrorismus bek&auml;mpfen. Das tun zu wollen, ist ein gravierender Irrtum der amerikanischen Politik<\/strong><\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>und es ist an der Zeit, dass Sie sich bereit finden, zu erkl&auml;ren, wie Sie Terrorismus definieren und wie Sie diesen Terrorismus bek&auml;mpfen wollen.<br>\nDer Terrorismus kann nicht bek&auml;mpft werden, wenn man das V&ouml;lkerrecht ignoriert.<\/strong> Sie tun das in ununterbrochener Folge. Dass Sie das tun, ist keine Erfindung der Linken. Es w&auml;re gut gewesen, wenn Sie sich hier einmal zum V&ouml;lkerrecht ge&auml;u&szlig;ert h&auml;tten. Eine deutsche Au&szlig;enpolitik, die das V&ouml;lkerrecht ignoriert, kann nicht erfolgreich sein. Dies galt nicht nur f&uuml;r den Jugoslawienkrieg, wo das unstreitig ist; das gilt nicht nur f&uuml;r den Afghanistankrieg, wo das mehr und mehr unstreitig ist; das gilt vielmehr auch f&uuml;r den Irakkrieg, der mit L&uuml;gen und dem Bruch des V&ouml;lkerrechts begonnen wurde und der so immer weiter gef&uuml;hrt wird. Ich erinnere daran, dass das Bundesverwaltungsgericht festgestellt hat, dass wir durch die Bereitstellung von Flugh&auml;fen, das Einr&auml;umen von &Uuml;berflugrechten, durch Waffenlieferungen usw. mittelbar am Bruch des V&ouml;lkerrechts beteiligt sind. Das ist keine Grundlage f&uuml;r eine erfolgreiche Au&szlig;enpolitik und man kann dar&uuml;ber nicht hinwegl&auml;cheln und hinwegreden.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Neben der Tatsache, dass Sie nicht in der Lage sind, zu sagen, was Terrorismus ist, und neben der Tatsache, dass Sie eine Politik fortsetzen wollen, die das V&ouml;lkerrecht bricht, ist festzustellen, dass Sie bei Ihrem Handeln im Vorderen Orient nicht konsistent sind. Wir h&ouml;ren mit gro&szlig;em Interesse, dass wir ein robustes Mandat brauchen &ndash; so haben Sie das hier wieder formuliert &ndash; und dass dieses robuste Mandat angewendet werden soll, um Waffenlieferungen in den Libanon zu unterbinden. Bis dahin k&ouml;nnte man dieser Argumentation ja noch etwas abgewinnen. Wenn aber gleichzeitig die Bundesrepublik Deutschland Israel Waffen liefert &ndash; und zwar U-Boote, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie nuklear bewaffnet werden k&ouml;nnen -, dann ist das so widerspr&uuml;chlich, dass eine solche Au&szlig;enpolitik schlicht und ergreifend niemals Erfolg haben kann.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>Grundlage f&uuml;r die Ver&auml;nderung der letzten Jahre ist, dass sich die deutsche Au&szlig;enpolitik mehr und mehr auf das Milit&auml;rische verlegt hat. Dies ist mit der Aussage begr&uuml;ndet worden: Wir k&ouml;nnen uns in der Welt nicht heraushalten; wir haben eine gr&ouml;&szlig;ere Verantwortung und diese gr&ouml;&szlig;ere Verantwortung m&uuml;ssen wir wahrnehmen. &ndash; Diese Redensarten, die zu dieser Fehlentwicklung gef&uuml;hrt haben, beinhalten eine Verkennung der Erfolge der deutschen Au&szlig;enpolitik nach dem Kriege. Ich m&ouml;chte hier sagen, dass f&uuml;r mich die Westintegration Adenauers sehr wohl ein wichtiger Beitrag zu einer Weltau&szlig;enpolitik war, der weit &uuml;ber die deutschen Belange an der Nahtstelle des Kalten Krieges hinausreichte. Ich m&ouml;chte ferner nat&uuml;rlich sagen, dass die Ostpolitik Willy Brandts, die nicht darauf angewiesen war, Soldaten in alle Welt zu schicken, sehr wohl ein ganz wesentlicher Beitrag Deutschlands zum Frieden in der Welt war. Auch diese Politik war nicht auf deutsche Belange begrenzt. Ich m&ouml;chte weiterhin erw&auml;hnen, dass die Politik Helmut Schmidts, Weltwirtschaftsgipfel zu initiieren, um auf diese Art und Weise zum Frieden in der Welt beizutragen, sehr wohl ein politischer Ansatz war, der durchaus in den Geschichtsb&uuml;chern erw&auml;hnt werden wird. Schlie&szlig;lich m&ouml;chte ich sagen, dass Helmut Kohls europ&auml;ische Integration ebenfalls ein politischer Ansatz war, der eine Bedeutung weit &uuml;ber die deutschen Belange hinaus hatte. Diese erfolgreichen Epochen der deutschen Au&szlig;enpolitik heben sich wohltuend von einer &Auml;ra ab, in der immer mehr auf das Milit&auml;r gesetzt worden ist und solche konzeptionellen Ans&auml;tze, wie ich sie eben erw&auml;hnt habe, nicht verfolgt wurden.<\/strong><\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Ich habe etwas zum V&ouml;lkerrecht gesagt. Dazu noch zwei weitere Bemerkungen. Es ist f&uuml;r uns wohltuend, wenn ein Mitglied der Bundesregierung, Frau Wieczorek-Zeul, etwas zum Einsatz von Streubomben im Libanon sagt. Es verst&ouml;&szlig;t gegen das V&ouml;lkerrecht, wenn Streubomben &uuml;ber Wohngebieten abgeworfen werden, und es ist gut, dass wenigstens ein Mitglied der Bundesregierung an diesen Bruch des V&ouml;lkerrechtes erinnert.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>Es w&auml;re ebenfalls gut, wenn die Politik, die Sie gegen&uuml;ber dem Iran verfolgen, einmal auf eine einigerma&szlig;en rational nachvollziehbare Grundlage gestellt w&uuml;rde. Wir haben es hier schon mehrfach erw&auml;hnt: Man kann keine Politik der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen nach dem Motto betreiben: Wir brechen den Atomwaffensperrvertrag; er interessiert uns im Grunde genommen nicht. Aber Teile des Atomwaffensperrvertrages wenden wir an, um gegen&uuml;ber dem Iran Politik zu betreiben. &ndash; Was meine ich damit? Der Atomwaffensperrvertrag hat nur eine Ratio; sie lautet: Wir wollen keine Nuklearwaffen in der Welt haben.<\/strong><\/p><p>(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t, dass die Staaten, die keine haben, keine bauen sollen, aber das hei&szlig;t auch &ndash; das wird weitgehend vergessen -, dass die Staaten, die Nuklearwaffen haben, verpflichtet sind, abzur&uuml;sten. Das haben sie unterschrieben.<\/strong><\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Und wenn sie nicht abr&uuml;sten, dann brechen sie diesen Vertrag in Permanenz. Dieser Punkt ist eine Grundlage des Vertrages und muss ber&uuml;cksichtigt werden, andernfalls h&auml;tte dieser Vertrag &uuml;berhaupt keinen Sinn. Man kann doch nicht sagen: Wir, die guten Nationen in der Welt, verf&uuml;gen &uuml;ber Nuklearwaffen, aber die b&ouml;sen Nationen d&uuml;rfen keine haben. Auch in diesem Punkt ist die Anlehnung an die amerikanische Politik v&ouml;llig widerspr&uuml;chlich und &uuml;berhaupt nicht akzeptabel. Wenn Amerika beispielsweise sagt, es m&ouml;chte dazu beitragen, dass der Iran keine Atomwaffen produziert, dann ist doch zun&auml;chst einmal die Frage aufzuwerfen, warum die amerikanische Politik weiterhin neue Nuklearwaffen entwickeln l&auml;sst, die sogar schon einsatzf&auml;hig sein sollen. Es stellen sich beispielsweise auch die Fragen, warum die Aufr&uuml;stung Indiens mit Nuklearwaffen von Amerika unterst&uuml;tzt wird, warum man Pakistan erlaubt, Nuklearwaffen zu besitzen, und warum selbstverst&auml;ndlich auch Russland Nuklearwaffen f&uuml;r sich beansprucht. Wie kann man da sagen: &bdquo;Einem Staat verwehren wir den Besitz von Nuklearwaffen&ldquo;? So wird man eine nuklearwaffenfreie Welt niemals erreichen k&ouml;nnen und so wird man nicht zum Frieden beitragen. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Es tut mir Leid: Die gesamte Au&szlig;enpolitik dieser Koalition hat keine rationale Grundlage. Im Vergleich zur Au&szlig;enpolitik fr&uuml;herer Jahre kann man von einer Fehlentwicklung sprechen; denn in den letzten Jahren &ndash; auch schon zu Zeiten der rot-gr&uuml;nen Koalition &ndash; wurde immer mehr auf milit&auml;rische Interventionen gesetzt, weil man glaubte, man k&ouml;nne damit etwas Gutes bewirken.<br>\nWie gef&auml;hrlich milit&auml;rische Interventionen sind, haben nicht zuletzt die drei Ehrenvorsitzenden der FDP k&uuml;rzlich in einem Schreiben an Sie, Frau Bundeskanzlerin, zum Ausdruck gebracht. Darunter sind zwei ehemalige Au&szlig;enminister, Herr Genscher und Herr Scheel, die an der deutschen Au&szlig;enpolitik beteiligt waren, die ich vorhin erw&auml;hnt habe. Es ist ein Irrtum, deutsche Soldaten in alle Welt zu schicken. Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt. Es ist ebenfalls ein gravierender Irrtum, Kampftruppen in den Libanon zu schicken. Dort haben wir nun wirklich nichts zu suchen.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Die Tatsache, dass die Soldaten nur auf See t&auml;tig werden, ist kein Argument. Sie werden in Auseinandersetzungen verwickelt werden.<br>\nDiejenigen haben gute Argumente, die darauf hinweisen, dass die Libanonkrise im Zusammenhang mit Planungen zu sehen ist, ebenfalls den Iran anzugreifen. Es ist zwar gut, wenn Sie festgestellt haben, dass die Bundesregierung keine milit&auml;rischen Optionen gegen den Iran unterst&uuml;tzt. Aber man kann in einen Krieg auch hineinschlittern. In den letzten Monaten konnte man beobachten, dass von den Mitgliedern der Regierung unter Einschluss der Bundeskanzlerin, die das Gespr&auml;ch offensichtlich sehr liebt, immer wieder &uuml;ber Truppenentsendung schwadroniert wurde, sodass am Ende &uuml;berhaupt keine Klarheit dar&uuml;ber herrschte, in welcher St&auml;rke und in welchem Auftrag &ndash; wenn &uuml;berhaupt &ndash; Truppen in dieses Gebiet entsandt werden sollen. Das ist so unprofessionell, dass es einfach nicht mehr nachvollziehbar ist.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p><strong>Ich fasse zusammen. Es mag ja sein, dass Ihrer Au&szlig;enpolitik gute Absichten zugrunde liegen. Wer w&uuml;rde das bestreiten und wer w&uuml;rde sich anma&szlig;en, zu sagen, es gebe keine guten Absichten, die zu diesen Entscheidungen f&uuml;hren? Aber wenn man nicht in der Lage ist, Terrorismus zu definieren, wenn man nicht in der Lage ist, zu sagen, ob das V&ouml;lkerrecht in Zukunft respektiert werden soll, wenn man den Atomwaffensperrvertrag einseitig interpretiert und wenn man die guten Traditionen der deutschen Au&szlig;enpolitik zugunsten einer Au&szlig;enpolitik verl&auml;sst, die immer mehr auf milit&auml;rische L&ouml;sungen setzt, dann ist man auf dem falschen Weg und wird nicht zur Sicherheit Deutschlands beitragen.<\/strong> Insofern hat die schlichte Einsicht des Herrn Beckstein viel f&uuml;r sich: Wer sich &uuml;berall einl&auml;sst &ndash; und zwar so einl&auml;sst wie Sie hinsichtlich des Libanon -, der erh&ouml;ht die Gefahr f&uuml;r Terroranschl&auml;ge in Deutschland und verletzt den Eid, den Sie hier geleistet haben, n&auml;mlich Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Ich m&ouml;chte mich nun der zweiten Fragestellung zuwenden, ob Ihre Wirtschaftspolitik geeignet ist, den beginnenden Aufschwung zu unterst&uuml;tzen. Nat&uuml;rlich werden die Regierenden f&uuml;r sich immer in Anspruch nehmen &ndash; das kennen wir ja und das ist wohl unvermeidlich -, der Aufschwung sei ihr Werk. Am&uuml;siert haben wir den Streit verfolgt, ob der Aufschwung ein Aufschwung Schr&ouml;ders oder ein Aufschwung Merkels ist. Es w&auml;re allerdings gut, einmal in die deutsche Presse zu schauen. Auch heute kann man dar&uuml;ber Kommentare lesen, in denen eine andere Meinung vertreten wird und in denen darauf hingewiesen wird, dass die Wirtschaftspolitik der jetzigen Regierung &uuml;berhaupt nicht geeignet ist, den Aufschwung zu unterst&uuml;tzen. Das ist die Wahrheit.<br>\nEin einfacher Blick auf die Zahlen zeigt, dass Ihre Wirtschaftspolitik nichts mit dem Aufschwung zu tun hat. Im zweiten Quartal gibt es gegen&uuml;ber dem ersten Quartal 2006 folgende Bilanz: Die Bauinvestitionen &ndash; &uuml;berwiegend Wirtschaftsbauinvestitionen &ndash; wachsen um 4,6 Prozent. Die Ausr&uuml;stungsinvestitionen mit einem Wachstum von 2,5 Prozent machen den L&ouml;wenanteil des Aufschwungs aus. Die Exporte wachsen nur noch schwach. Unter Ber&uuml;cksichtigung des Vorquartals sind es 0,7 Prozent. Die Importe sind um 0,5 Prozent gestiegen. Aber dann kommt das Entscheidende: Die Staatsausgaben sinken um 0,2 Prozent und der private Konsum um 0,4 Prozent. Die beiden Schwachpunkte des Wirtschaftsaufschwungs sind also die Staatsausgaben und der private Konsum. Wer in einer solchen Situation die Mehrwertsteuer erh&ouml;ht und soziale Leistungen k&uuml;rzt, zeigt, dass er das Einmaleins der Wirtschaftspolitik nicht verstanden hat. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN &ndash; Ernst Hinsken (CDU\/CSU): Sie haben es nicht kapiert!)<\/p><p>Es ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt, sich die Statistiken anzusehen. Dann stellt man n&auml;mlich fest, wo wir Schw&auml;chen haben. Und wir m&uuml;ssen genau dort etwas tun. Es ist aber v&ouml;llig unverst&auml;ndlich, dass diese Regierung sich alle M&uuml;he gibt, diese Schw&auml;chen weiter zu versch&auml;rfen. <\/p><p>In gr&ouml;&szlig;eren Industriestaaten ist &ndash; in kleineren kann das anders sein &ndash; in den letzten Jahren kein Aufschwung beobachtet worden, der nicht wesentlich vom privaten Konsum gest&uuml;tzt wurde. Sie hingegen geben sich gro&szlig;e M&uuml;he, den privaten Konsum abzuw&uuml;rgen. Das ist der Strukturfehler Ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik. Bald werden Sie sich streiten k&ouml;nnen, wem der Abschwung zu verdanken ist: der Vorg&auml;ngerregierung oder der jetzigen Regierung. F&uuml;r die Betroffenen ist das aber irrelevant. Angesichts der hohen Zahl an Arbeitslosen und der vielen jungen Menschen, die keine Lehrstelle finden, handeln Sie schlicht und einfach falsch. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Die Behauptung, die Arbeitsmarkreform sei die Grundlage des Aufschwungs, wird durch die Statistiken widerlegt. Es gibt keinen Aufschwung, der nicht mit einer besseren Situation auf den G&uuml;term&auml;rkten unterlegt ist. Der jetzige Aufschwung basiert auf einer besseren Situation auf den G&uuml;term&auml;rkten. Das &bdquo;Fummeln&ldquo; am K&uuml;ndigungsschutz, am Arbeitslosengeld II oder an den Tarifvertr&auml;gen f&uuml;hrt &uuml;berhaupt nicht zum Aufschwung. Es ist nun einmal so &ndash; das zeigen die aktuellen Zahlen -, dass der Aufschwung von den G&uuml;term&auml;rkten und nicht vom Arbeitsmarkt induziert wird. Deshalb muss man alles tun, damit der Aufschwung auf den G&uuml;term&auml;rkten erhalten bleibt. Das geht nur durch die St&auml;rkung des privaten Verbrauchs. Die Bundesregierung hat das offensichtlich nicht verstanden.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Frau Bundeskanzlerin, Sie haben gesagt &hellip;<br>\n(Gespr&auml;ch zwischen der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und der Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul auf der Regierungsbank)<br>\n&hellip; Vielleicht sind Sie ja gerade dabei, die Ministerin zu unterst&uuml;tzen; dann will ich gerne innehalten. Das w&auml;re sicherlich etwas Gutes.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Sie haben gesagt, dass in Deutschland derjenige, der arbeitet, mehr Geld zur Verf&uuml;gung haben m&uuml;sse, als derjenige, der nicht arbeitet. Sie handeln aber eklatant gegen diesen Grundsatz. Ihre Regierung sagt, sie wolle keinen gesetzlichen Mindestlohn. Das zeigt, dass Sie nicht begriffen haben, was Sie hier vortragen.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>In der Praxis liegt der Mindestlohn &ndash; zumindest in Ostdeutschland &ndash; bei 3 Euro. Sie sagen, dass derjenige, der arbeitet, so viel verdienen m&uuml;sse, dass ihm mehr Geld zur Verf&uuml;gung steht als demjenigen, der soziale Leistungen bezieht. Sie haben nicht verstanden, was das bedeutet. Wenn Sie das wollen, m&uuml;ssen Sie zumindest &ndash; ebenso wie andere europ&auml;ische Staaten &ndash; einen angemessenen Mindestlohn einf&uuml;hren, damit sichergestellt ist, dass die flei&szlig;ige Arbeit nicht schlechter entlohnt wird als der Bezug von sozialen Leistungen. Das ist eine Dimension des Mindestlohns, der Sie sich n&auml;hern sollten.<br>\nFrau Bundeskanzlerin, Sie haben zwar sehr sch&ouml;ne Worte gefunden, Sie wurden aber nicht konkret. Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht verstanden haben, was Sie hier eigentlich vorgetragen haben.<\/p><p>(Ernst Hinsken (CDU\/CSU): Sie haben es nicht kapiert!)<\/p><p>Sie haben gesagt: Wir m&uuml;ssen die Zukunft sichern. Was tun Sie aber f&uuml;r die Sicherung der Zukunft? Wer klatscht denn nicht Beifall, wenn jemand hier sagt: &bdquo;Wir m&uuml;ssen die Zukunft gewinnen&ldquo;? Es gibt zwei Zahlen, die Sie widerlegen: Die &ouml;ffentliche Investitionsquote Deutschlands ist &ndash; das gilt auch f&uuml;r diesen Haushalt, Herr Bundesfinanzminister &ndash; nur halb so hoch wie die der europ&auml;ischen Nachbarstaaten. Das ist schon seit vielen Jahren so. Wie soll dieser moderne Industriestaat denn die Zukunft gewinnen, wenn Sie nur halb so viel investieren wie die Konkurrenz. Wir brauchen mehr &ouml;ffentliche Investitionen. Dieses Vers&auml;umnis ist ein gravierender Fehler Ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Was n&uuml;tzt all das sch&ouml;ne Gerede &uuml;ber das Gewinnen der Zukunft, wenn wir bei den Bildungs- und Forschungsausgaben nach wie vor &ndash; das zeigt die OECD-Statistik &ndash; weit zur&uuml;ckliegen. Sie offenbaren einen Widerspruch: Sie haben hier zwar hehre Absichten verk&uuml;ndet, aber keinen Ansatz vorgetragen, wie dieses Land, das eine franz&ouml;sische Dichterin fr&uuml;her einmal &bdquo;das Land der Dichter und Denker&ldquo; nannte, auf dem Gebiet der zukunftsentscheidenden Investitionen gewinnen kann.<br>\nFr&uuml;her hatten wir einmal hervorragende Forscher und ein Bildungssystem, das beispielhaft in der Welt war. Diese Situation k&ouml;nnen wir aber nicht wieder erreichen, wenn die &ouml;ffentlichen Haushalte, insbesondere die der L&auml;nder, weiterhin unterfinanziert sind und wir keinen Weg aufzeigen, wie die H&ouml;he der Bildungsausgaben an das internationale Niveau angeglichen werden kann.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Ich m&ouml;chte einige kurze Ausf&uuml;hrungen dazu machen, wie man den privaten Konsum unterst&uuml;tzen kann. Die Situation der Haushalte, die durch die seit vielen Jahren stagnierende Lohnentwicklung ohnehin schlecht ist, wurde durch die Entwicklung der Energiepreise weiter versch&auml;rft. Durch die Deregulierung der Energiem&auml;rkte haben Sie wesentlich dazu beigetragen.<br>\nMittlerweile m&uuml;ssen Haushalte bis zu mehrere Monatsmieten aufbringen, um die h&ouml;heren Energiepreise bezahlen zu k&ouml;nnen. Deswegen w&auml;re es eine erstrangige Leistung, zu erreichen, dass die Energiepreise in Deutschland nicht weiter so steigen k&ouml;nnen und dass auf Monopolm&auml;rkten nicht weiter so abgezockt werden kann, wie es derzeit geschieht.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Wir haben zwar geh&ouml;rt, Sie h&auml;tten irgendein Konzept im Kopf, mit dem Sie in diesem Bereich etwas ver&auml;ndern wollen. Aber wie sieht es denn aus, Frau Bundeskanzlerin? Haben Sie irgendeinen Ansatz, wie Sie die steigenden Energiepreise in den Griff bekommen wollen? Mittlerweile haben einige L&auml;nderregierungen den Vorwurf der Linken aufgegriffen, die schon mehrfach vorgetragen hat, dass es ein Fehler war, die staatliche Energiepreiskontrolle auslaufen zu lassen. Jawohl, bei monopolartigen M&auml;rkten hat das Gerede &uuml;ber Marktwirtschaft wenig Sinn. Dort muss es eine staatliche Energiepreiskontrolle geben. Ich begr&uuml;&szlig;e es, dass drei CDU-gef&uuml;hrte L&auml;nder das jetzt erkannt haben, entsprechende Initiativen machen wollen und unseren Ansatz insoweit aufgreifen. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Dasselbe gilt &ndash; damit bin ich wieder beim gesch&auml;tzten Bundesfinanzminister &ndash; hinsichtlich der Entwicklung der Mietpreise. Sie begl&uuml;cken die deutsche &Ouml;ffentlichkeit immer wieder mit der Absicht, die REITs auch in Deutschland zuzulassen, also private Immobilienfonds, die hohe Renditen erwirtschaften. Verehrter Herr Bundesfinanzminister, glauben Sie mir, die hohe Renditen kommen nicht vom lieben Gott. Sie kommen woanders her, <\/p><p>(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)<\/p><p>und zwar von den Mieterinnen und Mietern. Anders ist das nicht zu machen. Irgendjemand muss f&uuml;r diese hohen Renditen zahlen. Das hei&szlig;t, Ihre Kritiker in der eigenen Fraktion und die ehemalige Ministerin Anke Fuchs haben v&ouml;llig Recht, wenn sie sagen, dass die Einf&uuml;hrung solcher Fonds nur dazu geeignet ist, die Mietpreise ansteigen zu lassen, was insbesondere f&uuml;r sozial schw&auml;chere Schichten unakzeptabel ist. <\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Wenn man also diese Kombination sieht &ndash; auf der einen Seite stagnierende L&ouml;hne, auf der anderen Seite steigende Energiepreise und steigende Mietpreise; alles verursacht durch das Handeln dieser Regierung -, dann stellt sich tats&auml;chlich die Frage, welche Vernunft der Arbeit dieser Regierung zugrunde liegt.<br>\nEin Letztes. Wenn ich jetzt wieder lese, dass zum 1. September gemeldet worden ist, dass die Zahl der jungen Menschen, die noch keine Lehrstelle haben, weiter im Anstieg ist, dann komme ich zu dem Schluss, dass das ein eklatantes Versagen Ihrer Regierung ist.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Es hat doch keinen Sinn, &uuml;ber Zukunft zu reden, wenn wir dieses Problem nicht in den Griff bekommen.<br>\nNun m&ouml;gen die Ans&auml;tze f&uuml;r L&ouml;sungen, die hier vorgetragen werden, nat&uuml;rlich da oder dort auf Einwendungen sto&szlig;en. Die L&ouml;sung, eine Ausbildungsplatzabgabe einzuf&uuml;hren &ndash; sie wurde jahrzehntelang in der SPD mit gro&szlig;en Mehrheiten bef&uuml;rwortet -, funktioniert ja beispielsweise in der Bauwirtschaft und auch in den nordischen Staaten. Warum sind wir nicht in der Lage, auch in Deutschland eine solche L&ouml;sung zu finden? Ich pl&auml;diere im Namen meiner Fraktion nachhaltig f&uuml;r eine solche L&ouml;sung.<\/p><p>(Beifall bei der LINKEN)<\/p><p>Ich begr&uuml;&szlig;e es ausdr&uuml;cklich, dass ein Ministerpr&auml;sident der CDU, Herr Koch aus Hessen, sagt: Wenn die Situation so eng ist, wie sie derzeit ist, dann braucht es ein &ouml;ffentliches Programm zur Bereitstellung von Ausbildungspl&auml;tzen. Auch dieser Ansatz wird von unserer Fraktion nachhaltig unterst&uuml;tzt.<\/p><p>(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)<\/p><p>Ich fasse zusammen. Die zwei Fragen, die ich aufgeworfen hatte, lauteten: Tr&auml;gt die Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik der Bundesregierung dazu bei, die Sicherheit in unserem Lande zu erh&ouml;hen? Tr&auml;gt die Wirtschaftspolitik dazu bei, das Wachstum zu f&ouml;rdern und die Arbeitslosigkeit abzubauen? Ich komme zu dem Ergebnis, dass beide Fragen verneint werden m&uuml;ssen.<\/p><p>(Widerspruch des Abg. Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU\/CSU))<\/p><p>&ndash; Ich an Ihrer Stelle w&auml;re hier sehr vorsichtig.<br>\nDie Au&szlig;enpolitik erh&ouml;ht in nicht verantwortbarer Weise die Gefahr terroristischer Anschl&auml;ge in Deutschland. <\/p><p>(Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU\/CSU): So ein Bl&ouml;dsinn!)<\/p><p>Und die Wirtschafts- und Finanzpolitik versch&auml;rft die Ungleichheiten und ist nicht dazu geeignet, einen dauerhaften Aufschwung zu initiieren, den wir brauchen, um die Arbeitslosigkeit nachhaltig abzubauen. <\/p><p>(Anhaltender Beifall bei der LINKEN &ndash; Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU\/CSU): Meine G&uuml;te!)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bettina Gaus halte ich f&uuml;r eine sehr ehrenwerte und ausgezeichnete Journalisten. Deshalb habe ich zun&auml;chst ihrem Kommentar in der heutigen taz &uuml;ber die au&szlig;enpolitische Rede von Oskar Lafontaine eine gewisse Glaubw&uuml;rdigkeit gegeben. 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