{"id":1738,"date":"2006-09-08T09:52:50","date_gmt":"2006-09-08T07:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1738"},"modified":"2016-01-26T16:52:15","modified_gmt":"2016-01-26T15:52:15","slug":"kurt-becks-programm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1738","title":{"rendered":"Kurt Becks Programm"},"content":{"rendered":"<p>Kurt Beck ist schwer zu packen. Wenn er redet oder schreibt, l&auml;sst er bei jeder Aussage, die er macht, ein oder manchmal sogar mehrere Hintert&uuml;rchen offen, um wieder entwischen zu k&ouml;nnen, sobald man sich darauf einl&auml;sst. Das ist vermutlich der Grund, warum sich vom &bdquo;Seeheimer Kreis&ldquo;, &uuml;ber die &bdquo;Netzwerker&ldquo; bis hin zu den &bdquo;Jusos&ldquo; alle in seinem als programmatisch erkl&auml;rten Beitrag (bezeichnenderweise) in der <a href=\"http:\/\/www.wams.de\/data\/2006\/08\/20\/1003713.html?s=1\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.wams.de\/data\/2006\/08\/20\/1003713.html?s=1\">&bdquo;Welt am Sonntag&ldquo;<\/a> wieder finden k&ouml;nnen.<br>\n<!--more--><br>\n&bdquo;Leistung muss sich wieder lohnen&ldquo;, so lautet etwa die &Uuml;berschrift auf der parteiamtlichen Website der SPD, unter der auf einen Namensbeitrag von Kurt Beck f&uuml;r die &bdquo;Welt am Sonntag&ldquo; vom 20.8.06 hingewiesen wird. Diese &Uuml;berschrift findet sich in dem langen Beitrag jedoch gar nicht wieder. Der Kernsatz lautet in der Langfassung vielmehr: &bdquo;Leistung muss sich lohnen, durch Anerkennung und Respekt ebenso wie durch gerechten Lohn, durch materielle Sicherheit ebenso wie durch eine Perspektive, die eigene soziale Lage zu verbessern.&ldquo;<\/p><p>Wer wollte bestreiten, dass Leistung anerkannt, respektiert, gerecht entlohnt, Sicherheit geben soll und eine soziale Aufstiegsperspektive haben sollte?<\/p><p>Das ist etwas anderes, als wenn Guido Westerwelle mit dieser Parole nur an die Besserverdienenden denkt und diese von Steuern und Gesetzen befreien will, weil sie, die angeblichen &bdquo;Leistungstr&auml;ger&ldquo; der Gesellschaft, sich noch mehr durchsetzen k&ouml;nnen sollen. Das h&ouml;rt sich auch anders an, als wenn Helmut Kohl schon im Wahlkampf 1983 mit dieser Formel vor allem solche Menschen ins Visier nehmen wollte, die es sich in der angeblichen &bdquo;sozialen H&auml;ngematte&ldquo; gem&uuml;tlich gemacht h&auml;tten.<br>\nDennoch bestreitet Beck gar nicht, dass er sozusagen das Copyright f&uuml;r diesen Spruch von Kohl und Westerwelle &uuml;bernommen hat, aber er habe diese Formulierung als &bdquo;Appetitmacher&ldquo; verwendet, sagte er im <a href=\"http:\/\/www.kurt-beck.de\/servlet\/PB\/menu\/1687029\/index.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.kurt-beck.de\/servlet\/PB\/menu\/1687029\/index.html\">Stern-Interview<\/a>.<br>\nAppetitmacher? Also doch nur eine Provokation oder ein Werbungsversuch an die W&auml;hlerklientel von CDU und FDP?<\/p><p>Auffallend in seinem programmatischen Namensartikel ist der lange verbale Anlauf bis Beck auf den Begriff &bdquo;Leistung&ldquo; zu sprechen kommt. Da wird zun&auml;chst in populistischer Manier &uuml;ber die Diskrepanz zwischen exorbitanten Millionengeh&auml;ltern bei gleichzeitigen Entlassungen geredet. Es wird auf die knappen Lohnsteigerungen verwiesen, auf die Widerspr&uuml;che zwischen den Erfolgen der Wirtschaft und der Tatsache, dass viele von diesen Erfolgen ausgeschlossen bleiben. Beck kritisiert die &ldquo;Winner-takes-it-all-Gesellschaft&rdquo; und klagt &uuml;ber die wachsende Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern. Er spricht die ungleichen Bildungschancen an, und stellt fest, dass &bdquo;der soziale Aufstieg in Deutschland&hellip;blockiert&ldquo; ist.<\/p><p>Die meisten dieser durchaus kritischen Realit&auml;tsbeschreibungen k&ouml;nnte man ja unterschreiben, sucht man aber nach Antworten, wie diese Entwicklung umzukehren w&auml;re, erf&auml;hrt man nichts, au&szlig;er einem uneingeschr&auml;nkten Lob auf die SPD-gef&uuml;hrten Bundesregierungen, kulminierend in dem Satz: &bdquo;Als radikale Stimmen ein Ende der sozialen Marktwirtschaft forderten, haben wir hart daran gearbeitet, das Modell Deutschland zu erneuern.&ldquo;<\/p><p>Wie kommt es bei derart harter Arbeit an der Erneuerung des Modells Deutschland dazu, dass &ndash; wie Beck schreibt &ndash; &bdquo;konfrontiert mit Reformen und Ver&auml;nderungen, das zeigen uns neue Umfragen, &hellip; zwei von drei Deutschen (sagen), das mache ihnen Angst. Sie empfinden ihr Leben als permanenten Kampf&ldquo;?<\/p><p>Wo hat sich denn von 1998 bis 2005 unter den Regierungen Schr&ouml;der, an den von Beck zurecht kritisierten Zust&auml;nden etwas ge&auml;ndert, sind die Bildungschancen besser geworden, sind die Managergeh&auml;lter nicht weiter explodiert, gab es nicht Lohnstagnation, ist die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter gewachsen? All das kann er doch wohl mit der &bdquo;Erneuerung des Modells Deutschland&ldquo; nicht gemeint haben. Und er schreibt auch nichts zur Mitwirkung der Regierungen Schr&ouml;der und Merkel, also unter Mitbeteiligung von Becks Partei, an der Verschlechterung der Lage und der Perspektiven der Mehrheit der Menschen.<\/p><p>Statt einer Analyse der Ursachen f&uuml;r diese von ihm beschriebene kritische &bdquo;Entwicklung&ldquo; oder statt auch nur Teilantworten darauf zu geben, fl&uuml;chtet sich Beck in eine weitere Beschreibung der vorgefundenen Gesellschaft. Im zweiten Anlauf etwas abstrakter mit der vom verstorbenen Peter Glotz in die die politische Debatte eingef&uuml;hrten &bdquo;Dreidrittelgesellschaft&ldquo;, einer Gesellschaft der &bdquo;die Mitte zerbricht&ldquo;.<\/p><p>Peter Glotz, der ja bis zu seinem Tod, als Theoretiker der SPD galt, hat diese dreigeteilte Gesellschaft in seinem Aufsatz &bdquo;R&uuml;ckblick auf das 21. Jahrhundert&ldquo; wie folgt beschrieben: &bdquo;Oben der &ldquo;produktivistische Block&rdquo;, der sich als Weltoberschicht konstituiert, darunter das weite Feld der &ldquo;Gemeinwirtschaft&rdquo;, schlie&szlig;lich die Verweigerer und Ver&auml;chter der Arbeitsgesellschaft, die man durchzuf&uuml;ttern sich entschlossen hat.&ldquo;<\/p><p>So brutal formuliert das Kurt Beck nat&uuml;rlich nicht. Er meint vielmehr damit eine Gesellschaft &bdquo;in der das Oben und das Unten immer sch&auml;rfer auseinander treten und gerade auch die Mitte von dauerhafter Verunsicherung betroffen ist.&ldquo;<\/p><p>Nach Beck gibt es in unserer Gesellschaft drei Hauptgruppen: &bdquo;Erstens die Gesicherten und Chancenreichen in stabiler Besch&auml;ftigung bis hin zu den Spitzenverdienern. Zweitens die Menschen, die in Unsicherheit leben, die nur befristet und schlecht bezahlt Anstellung finden; junge Leute, die sich &ndash; vor allem auch in den neuen kreativen Berufen &ndash; von einem &ldquo;Projekt&rdquo; zum n&auml;chsten hangeln und deshalb auch lange z&ouml;gern, Kinder zu bekommen; &Auml;ltere, die nach langj&auml;hriger Arbeit f&uuml;r ihren Betrieb ihre Stellung verlieren. Drittens die Ausgeschlossenen, die glauben, dass sie keine Chance mehr bekommen.&ldquo;<\/p><p>Korrekterweise h&auml;tte Beck allerdings hinzuf&uuml;gen m&uuml;ssen, dass die Gruppe der Ausgeschlossenen in den letzten beiden Jahrzehnten zahlenm&auml;&szlig;ig dramatisch angestiegen ist und die Gruppe der in prek&auml;ren Arbeitsverh&auml;ltnissen lebenden st&auml;ndig w&auml;chst und dass die Verunsicherung und die Sorge gesellschaftlich und beruflich abzust&uuml;rzen, inzwischen weit in die soziale Mitte der Gesellschaft hinein reichen. Siehe dazu unseren <a href=\"?p=1662\">Eintrag vom 4.9.2006<\/a>.<\/p><p>Wenn man dieser neuen Schichteneinteilung der Gesellschaft &uuml;berhaupt eine Aussage- und Unterscheidungskraft zubilligen kann, so vielleicht die, dass sich Beck mit der &bdquo;Dreidrittelgesellschaft&ldquo; erstens vom etablierten Begriff der &bdquo;Zweidrittelgesellschaft&ldquo; abwendet und dass ihm offenbar zweitens die &bdquo;neue Mitte&ldquo;, um die sein Vorg&auml;nger k&auml;mpfte, abhanden gekommen zu sein scheint. (Wenn es sie denn jemals gegeben haben sollte.)<\/p><p>Der von Beck jetzt ersetzte Begriff der &bdquo;Zweidrittelgesellschaft&ldquo; wiederum hatte im Zusammenhang mit der aufkommenden &bdquo;neuen Armut&ldquo; Eingang in die politische Debatte gefunden. Damit sollte ausgedr&uuml;ckt werden, dass zwei Drittel der Gesellschaft am Wohlstand der Gesellschaft und am Wachstum der Wirtschaft mehr oder weniger partizipierten und das untere Drittel eine soziale Unterschicht bildet, die zunehmend und dauerhaft von Erwerbsarbeit ausgeschlossen und aktuell oder perspektivisch unter die Armutsgrenze absinkt.<br>\nBis zu den Hartz-Gesetzen galt es als wichtiges Motiv gerade auch sozialdemokratischer Politik, dieses untere Drittel solidarisch &uuml;ber den Sozialstaat aufzufangen und in die Gesellschaft zu integrieren und in jedem Falle die &bdquo;Exklusion&ldquo; aus der Gesellschaft durch die Garantie eines &bdquo;soziokulturelles Existenzminimum&ldquo; abzuwehren.<\/p><p>Von diesem Drittel ist in dem als programmatisch bezeichneten Beitrag von Kurt Beck nicht mehr die Rede und im Stern-Interview findet sich dar&uuml;ber auch nur noch die Floskel: &bdquo;Dass die Hilfsbed&uuml;rftigen dabei nicht zur Seite geschoben werden, ist selbstverst&auml;ndlich.&ldquo;<\/p><p>Beck spricht nicht vom &bdquo;Skandal der Armut&ldquo; in unserer Gesellschaft, sondern f&uuml;r ihn ist es der &bdquo;Skandal&ldquo;, wenn der &bdquo;individuelle Lebenslauf nicht mehr durch individuelle Leistung zum Besseren zu wenden ist&ldquo;. Diesen Skandal &ndash; und nicht die Armut &ndash; will er &bdquo;keinesfalls auf sich beruhen lassen&ldquo;. Im Stern-Interview f&uuml;gte er noch hinzu: &bdquo;Ich f&uuml;rchte, wir haben diesen Teil der Menschen zu wenig beachtet&ldquo;. Soll das hei&szlig;en, dass man das untere Drittel zu viel beachtet hat? Noch deutlicher wird die Hinwendung zum mittleren Drittel durch den Satz: &bdquo;Der erfolgreiche Facharbeiter oder Angestellte ist genauso Leistungstr&auml;ger wie der Selbstst&auml;ndige oder der Ingenieur. Das ist auch unser Klientel, um die m&uuml;ssen wir uns wieder st&auml;rker k&uuml;mmern.&ldquo; Das sind nach seiner Einsch&auml;tzung 40 bis 50 Prozent in der Mitte der Gesellschaft und aus dieser Mitte erhofft er sich &bdquo;35 plus ein dickes X&ldquo; der W&auml;hlerstimmen f&uuml;r seine SPD.<\/p><p>Lassen wir einmal dahingestellt, ob ein Parteivorsitzender, der ja seine Partei an die Regierung f&uuml;hren soll, klug beraten ist, nicht f&uuml;r eine eigene Mehrheit zu k&auml;mpfen, sondern sich mit &bdquo;35 plus x&ldquo; von vorneherein nur als m&ouml;glicher Koalitionspartner anzudienen. Eine &bdquo;linke Volkspartei&ldquo; m&uuml;sste sich jedenfalls, wenn sie noch den Namen &bdquo;Volkspartei&ldquo; beanspruchen m&ouml;chte und wenn man schon von einer &bdquo;Dreidrittelgesellschaft&ldquo; spricht, mindestens um die unteren zwei Dritteln k&uuml;mmern und sogar dar&uuml;ber hinaus auch denjenigen vom oberen Drittel ein Angebot machen, die bereit w&auml;ren, Solidarit&auml;t gegen&uuml;ber den &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; und gegen&uuml;ber den &bdquo;in Unsicherheit&ldquo; Lebenden, zu &uuml;ben. <\/p><p>Kurt Beck will dagegen, dass die SPD vor allem die &bdquo;beachten&ldquo; und sich um die &bdquo;k&uuml;mmern&ldquo; soll, wof&uuml;r der jetzige Finanzminister Steinbr&uuml;ck schon im Jahre 2003 warb, als er in einem <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2003\/47\/Steinbr_9fck?page=6\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.zeit.de\/2003\/47\/Steinbr_9fck?page=6\">Zeit-Interview<\/a> sein Verst&auml;ndnis von sozialer Gerechtigkeit zum Besten gegeben hat: &bdquo;Soziale Gerechtigkeit muss k&uuml;nftig hei&szlig;en, eine Politik f&uuml;r jene zu machen, die etwas f&uuml;r die Zukunft unseres Landes tun: die lernen und sich qualifizieren, die arbeiten, die Kinder bekommen und erziehen, die etwas unternehmen und Arbeitspl&auml;tze schaffen, kurzum, die Leistung f&uuml;r sich und unsere Gesellschaft erbringen. Um die &ndash; und nur um sie &ndash; muss sich Politik k&uuml;mmern.&ldquo;<\/p><p>Wohin eine auf diese &bdquo;Leistungstr&auml;ger&ldquo; ausgerichtete Politik die SPD bringt, das haben wir schon empirisch erh&auml;rtet: Steinbr&uuml;ck ist 2005 mit seiner SPD in NRW um 5,7% abgesackt und hat mit 37,5% der Stimmen das schlechteste Wahlergebnis in Nordrhein-Westfalen seit 50 Jahren erzielt. <\/p><p>Aber es soll hier nicht um die vorhersagbaren weiteren Wahlniederlagen der SPD, sondern um das Selbstverst&auml;ndnis der SPD gehen.<br>\nBeck behauptet keck: &bdquo;Die Leistungsgesellschaft ist ein traditionelles Leitbild der SPD.&ldquo;<\/p><p>Das wagt nicht einmal mehr die CSU so platt zu postulieren: Sie spricht immerhin, von der <a href=\"http:\/\/www.bayern.de\/imperia\/md\/content\/stk\/berlin\/reden_veranstaltungen\/rede_050414_zukunft_glueck.pdf?PHPSESSID=4abd6f1b91ab9c6575afe5c295a1c8c4#search=%22solidarische%20Leistungsgesellschaft%22\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.bayern.de\/imperia\/md\/content\/stk\/berlin\/reden_veranstaltungen\/rede_050414_zukunft_glueck.pdf?PHPSESSID=4abd6f1b91ab9c6575afe5c295a1c8c4#search=%22solidarische%20Leistungsgesellschaft%22\">&bdquo;solidarischen&ldquo; Leistungsgesellschaft als Alternative zum Wohlfahrtsstaat und der Ellbogengesellschaft [PDF &ndash; 146 KB]<\/a>.<br>\nMan kann die Programme der SPD herauf und herunter buchstabieren, von der &bdquo;Leistungsgesellschaft&ldquo;, gar als Leitbild findet sich darin jedenfalls nichts. Das immer noch geltende Berliner Grundsatzprogramm spricht von einer &bdquo;freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft&ldquo;. Leistungsgesellschaft kommt als Begriff darin nicht vor. Auch Willy Brandts Vision einer Gesellschaft, die mehr Freiheit bietet, mehr Mitverantwortung und Mitbestimmung (Teilhabe) fordert, hat mit dem Leitbild einer Leistungsgesellschaft kaum etwas zu tun.<br>\nSchon der Gr&uuml;ndervater und Theoretiker der sozialen Demokratie hat darauf hingewiesen, &bdquo;dass die ungehinderte freie Bet&auml;tigung der individuellen Kr&auml;fte durch das Individuum f&uuml;r sich alleine noch nicht ausreiche, sondern dass zu ihr in einem sittlich geordneten Gemeinwesen noch hinzutreten m&uuml;ssen: die Solidarit&auml;t der Interessen, die Gemeinsamkeit und Gegenseitigkeit der Entwicklung.<\/p><p>Aber auch um Textexegese soll es hier nicht gehen, denn seit die SPD von einer Programm- zu einem Basta-Kanzler-Wahlverein mutiert ist, und die Regierungspraxis das Grundsatzprogramm ersetzt, haben programmatische Aussagen ohnehin kaum noch einen Wert.<br>\nDennoch, so naiv und neu auf der Welt kann doch wohl auch Kurt Beck nicht sein, dass er nicht wissen k&ouml;nnte, dass der Begriff der &bdquo;Leistungsgesellschaft&ldquo; doch l&auml;ngst von denjenigen besetzt ist, denen es im Kern um nichts anderes als eine Legitimierung der gro&szlig;en sozialen Unterschiede und einem grundlegenden Umbau des Bildungssystems zu ihren Gunsten geht. (Vgl. etwa Michael Hartman (2002): Der Mythos der Leistungseliten).<\/p><p>Kurt Beck m&ouml;chte, dass sich die SPD vor allem um die k&uuml;mmert, die &bdquo;leistungsf&auml;hig sind und zufassen wollen, aber kein Pack-Ende finden.&ldquo;<br>\nWenn er schon dem Drittel der &bdquo;Ausgeschlossenen&ldquo; kein anderes Angebot mehr machen kann, als dass sie &bdquo;nicht zur Seite geschoben&ldquo; werden, kann er dann wenigstens den &bdquo;Leistungstr&auml;gern&ldquo; ein Pack-Ende bieten? Was f&uuml;r eine Antwort hat er auf die Frage, warum &bdquo;ein Kernversprechen der sozialen Marktwirtschaft, Sicherheit und Aufstieg durch Arbeitsleistung zu bieten, immer wieder gebrochen wird&ldquo; und warum das &bdquo;die Moral unserer gesamten Gesellschaft ruiniert&ldquo;. <\/p><p>Das einzige, was Kurt Beck als Antwort darauf bietet, ist: Es seien &bdquo;neuartige, anonyme Risikom&auml;rkte entstanden, auf denen die Leistung eines Menschen Lohn, Erfolg und Sicherheit weniger als fr&uuml;her bestimmt.&ldquo;<\/p><p><strong>&bdquo;Neuartige, anonyme Risikom&auml;rkte&ldquo;, sind die Wurzel des &Uuml;bels. Das ist also das analytische Niveau auf dem die SPD gelandet ist. Wenn schon keine Analyse der Probleme mehr vorhanden ist, kein Wunder, dass man nur noch an Symptomen kuriert und dem Zeitgeist hinterher l&auml;uft.<br>\nWenn der programmatische Beitrag Kurt Becks Programm der SPD wird, kann man sich ein neues Grundsatzprogramm auch ersparen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Beck ist schwer zu packen. Wenn er redet oder schreibt, l&auml;sst er bei jeder Aussage, die er macht, ein oder manchmal sogar mehrere Hintert&uuml;rchen offen, um wieder entwischen zu k&ouml;nnen, sobald man sich darauf einl&auml;sst. 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