{"id":17382,"date":"2013-05-27T10:19:43","date_gmt":"2013-05-27T08:19:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17382"},"modified":"2015-08-08T11:00:06","modified_gmt":"2015-08-08T09:00:06","slug":"paul-krugman-japan-the-model-japan-als-vorbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17382","title":{"rendered":"Paul Krugman: Japan the Model \u2013 Japan als Vorbild"},"content":{"rendered":"<p>Noch vor einer Generation wurde Japan allgemein als wirtschaftlicher Musterknabe bewundert &ndash; und gef&uuml;rchtet. Business Bestseller hatten Samurai Krieger auf dem Einband und versprachen eine Einf&uuml;hrung in die Geheimnisse des japanischen Management; Thriller von Autoren wie Michael Crichton stellten japanische Unternehmen als nicht aufzuhaltende Brummer dar, die ihre Vorherrschaft auf den Weltm&auml;rkten rapide verfestigten. <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2013\/05\/24\/opinion\/krugman-japan-the-model.html?ref=paulkrugman&amp;gwh=51E2EE487F880D3DCE67339F17DB4A04\">New York Times Opinion Pages, 23.Mai 2013<\/a> (Aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Tober&Uuml;bersetzungenBerlin).<br>\n<!--more--><br>\nDann verfiel Japan in eine scheinbar endlose Rezession, und die Welt verlor weitgehend das Interesse. Die wichtigsten Ausnahmen waren so eine Handvoll Wirtschaftler, und in dieser Gruppe waren auch der jetzige Pr&auml;sident der Federal Reserve Ben Bernanke und meine Wenigkeit. Diese von Japan besessenen &Ouml;konomen betrachteten die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Inselstaates nicht als Beweis japanischer Inkompetenz, sondern als Omen f&uuml;r uns alle. Wenn so ein gro&szlig;es, wohlhabendes und politisch stabiles Land derart stark ins Straucheln kommen konnte, k&ouml;nnte dann nicht, so fragten sie sich, ziemlich das Gleiche auch anderen L&auml;ndern passieren? <\/p><p>Tats&auml;chlich konnte und tat es das dann auch. Dieser Tage sind wir alle, wirtschaftlich gesprochen, Japaner &ndash; und darum ist das anhaltende wirtschaftliche Experiment in dem Land, wo alles anfing, so bedeutsam, nicht nur f&uuml;r Japan, sondern f&uuml;r die ganze Welt. <\/p><p>In gewisser Weise ist das wirklich Erstaunliche an &ldquo;Abenomics&rdquo; &ndash; diesem scharfen Wechsel zu geld- und fiskalpolitischen Anreizen, den die Regierung von Ministerpr&auml;sident Shinzo Abe unternommen hat &ndash; dass niemand sonst in den hochentwickelten L&auml;ndern &Auml;hnliches versucht. Tats&auml;chlich scheint die westliche Welt in wirtschaftlichem Def&auml;tismus gefangen zu sein. <\/p><p>Zum Beispiel gibt es in Amerika noch immer vier mal so viele Langzeitarbeitslose wie vor der Wirtschaftskrise, doch die Republikaner wollen anscheinend nur &uuml;ber angebliche Skandale reden. Und fairerweise muss auch gesagt werden, dass es lange her ist, dass Pr&auml;sident Obama eine starke &ouml;ffentliche Aussage zur Arbeitsbeschaffung gemacht hat. <\/p><p>Aber zumindest wachsen wir ja noch. Europas Wirtschaft ist wieder in der Rezession, und in den vergangenen sechs Jahren ist das Wachstum tats&auml;chlich sogar schw&auml;cher gewesen als in der Zeit von 1929 bis 1935; Und die Arbeitslosigkeit erreicht immer neue H&ouml;chstst&auml;nde. Trotzdem gibt es keinerlei Anzeichen f&uuml;r einen gr&ouml;&szlig;eren politischen Wandel. Bestenfalls kann man eine leichte Lockerung bei den grausamen Austerit&auml;tsprogrammen erkennen, die Br&uuml;ssel und Berlin den Schuldnerl&auml;ndern auferlegen.<\/p><p>Die japanischen Politiker k&ouml;nnten einfach die selben Entschuldigungen f&uuml;r tatenloses Zusehen hervorbringen, die man &uuml;berall am Nordatlantik h&ouml;ren kann: Eine stark alternde Bev&ouml;lkerung wirkt l&auml;hmend; Die Wirtschaft wird von strukturellen Problemen erdr&uuml;ckt ( und Japans strukturelle Probleme, besonders die Benachteiligung von Frauen, sind legend&auml;r ); Die Verschuldung ist zu hoch ( im Vergleich zur Gesamtwirtschaft bedeutend h&ouml;her als die Griechenlands ). Tats&auml;chlich haben japanische Politiker bisher auch sehr gerne solche Entschuldigungen gebraucht. <\/p><p>Die Wahrheit aber ist &ndash; und die Abe Regierung scheint das zu verstehen &ndash; dass all diese Probleme durch eine wirtschafliche Stagnation verschlimmert werden. Ein kurzfristiger Wachstumsansto&szlig; wird kaum all die Probleme l&ouml;sen, die Japan hat, aber wenn es gut geht, kann das ein erster Schritt auf eine bessere Zukunft hin sein.<\/p><p>Wie also funktioniert Abenomics? Wenn man sicher gehen will, muss man sagen, dass es noch zu fr&uuml;h f&uuml;r eine Antwort ist. Aber die ersten Zeichen sind positiv &ndash; und, nein, der pl&ouml;tzliche Einbruch bei den japanischen Aktien am Donnerstag macht da keinen Unterschied. <\/p><p>Die gute Botschaft beginnt mit dem &uuml;berraschend guten japanischen Wirtschaftswachstum im ersten Quartal des Jahres &ndash;  ein erheblich besseres Wachstum tats&auml;chlich als das der Vereinigten Staaten, w&auml;hrend Europas Wirtschaft weiter schrumpfte. Die Ergebnisse nur  eines Quartals d&uuml;rfen nicht &uuml;berm&auml;ssig bewerten werden, aber genau so etwas w&uuml;nscht man sich. <\/p><p>Inzwischen sind die japanischen Aktien enorm angestiegen, und der Yen ist gefallen. Falls Sie sich das fragen sollten, ein schwacher Yen ist f&uuml;r die Japaner sehr gut, weil das die Wettbewerbsf&auml;higkeit der Exportindustrie des Landes st&auml;rkt. <\/p><p>Einige Beobachter haben sich besorgt &uuml;ber die steigenden Langzeitzinsen Japans gezeigt, obwohl die noch immer unter 1% liegen. Aber gemeinsam sind die steigenden Zinsen und die steigenden Aktienpreise ein Hinweis darauf, dass nicht die Sorge sondern der Optimismus bez&uuml;glich der japanischen Solvenz w&auml;chst. <\/p><p>Es stimmt schon, dass der Ausverkauf  der japanischen Aktien am Donnerstag dieser optimistischen Einsch&auml;tzung einen kleinen D&auml;mpfer gibt. Aber die Aktien stehen noch bedeutend h&ouml;her als im vergangenen Jahr, und ich bin alt genug, mich an den Schwarzen Montag von 1987 zu erinnern, als die amerikanischen Aktien aus unersichtlichem Grund pl&ouml;tzlich um &uuml;ber 20%  abst&uuml;rzten, was den damaligen wirtschaftlichen Aufschwung &uuml;berhaupt nicht behindert hat. <\/p><p>So weit, so gut,  das kann man insgesamt zu Japans Bem&uuml;hungen, seine Wirtschaft zu retten, sagen. Und man kann nur hoffen, dass diese Beurteilung Bestand haben kann und sich mit der Zeit noch mehr best&auml;tigt. Denn wenn Abenomics funktioniert, hat das einen doppelten Vorteil, n&auml;mlich Japan den so ben&ouml;tigten Ansto&szlig; zu geben und uns &Uuml;brigen das noch viel mehr ben&ouml;tigte Gegenmittel gegen die politische Lethargie.<\/p><p>Wie schon zu Beginn gesagt, momentan scheint die westliche Welt in tiefen wirtschaftlichen Def&auml;tismus verfallen zu sein; Wir versuchen noch nicht einmal, unsere Probleme zu l&ouml;sen. Das muss anders werden &ndash; und vielleicht, ganz vielleicht kann Japan der Ausl&ouml;ser sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch vor einer Generation wurde Japan allgemein als wirtschaftlicher Musterknabe bewundert &ndash; und gef&uuml;rchtet. Business Bestseller hatten Samurai Krieger auf dem Einband und versprachen eine Einf&uuml;hrung in die Geheimnisse des japanischen Management; Thriller von Autoren wie Michael Crichton stellten japanische Unternehmen als nicht aufzuhaltende Brummer dar, die ihre Vorherrschaft auf den Weltm&auml;rkten rapide verfestigten. <a<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17382\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[20,30],"tags":[1498,1499,1497,474],"class_list":["post-17382","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-landerberichte","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-abe-shinzo","tag-abenomics","tag-japan","tag-krugman-paul"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17382"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17382\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27102,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17382\/revisions\/27102"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}