{"id":17465,"date":"2013-06-03T09:29:01","date_gmt":"2013-06-03T07:29:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17465"},"modified":"2015-08-08T11:17:16","modified_gmt":"2015-08-08T09:17:16","slug":"from-the-mouths-of-babes-aus-kindermund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17465","title":{"rendered":"From the Mouths of Babes  \u2013  Aus Kindermund"},"content":{"rendered":"<p>Warum geht es unserer Wirtschaft so schlecht? Weil viele Wirtschaftsakteure ihre Ausgaben zur gleichen Zeit drastisch gek&uuml;rzt haben, w&auml;hrend sich nur relativ wenige bereit zeigen, mehr auszugeben. Und weil eine Volkswirtschaft anders als ein Privathaushalt funktioniert &ndash; deine Ausgaben sind mein Einkommen, und meine deins &ndash; f&uuml;hrt das zu einem allgemeinen Sinken der Einkommen und einem Einbruch am Arbeitsmarkt. Wir brauchten (und brauchen) dringend &ouml;ffentliche Ma&szlig;nahmen zur tempor&auml;ren Ankurbelung des Ausgabeverhaltens &ndash; und eine Ausweitung der food stamps, die Familien am Rande der Gesellschaft unterst&uuml;tzen w&uuml;rde und sie mehr Geld f&uuml;r alle m&ouml;glichen G&uuml;ter des t&auml;glichen Bedarfs ausgeben lie&szlig;e, w&auml;re genau so eine Ma&szlig;nahme.<br>\n<a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2013\/05\/31\/opinion\/from-the-mouths-of-babes.html?_r=0\">Paul Krugman, NYT , 30.Mai 2013<\/a><br>\n(Aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Tober&Uuml;bersetzungenBerlin)<br>\n<!--more--><br>\nWie viele Leute lese ich normalerweise Berichte &uuml;ber das politische Tagesgeschehen mit resigniertem Zynismus. Von Zeit zu Zeit aber machen Politiker solch fundamentale und moralische Fehler, dass Zynismus als Reaktion einfach nicht mehr ausreicht; Dann ist es Zeit f&uuml;r richtige Wut. Diese Zeit ist jetzt bei dem h&auml;sslichen, zerst&ouml;rerischen Kampf gegen die food stamps (Lebensmittelkupons) erreicht. <\/p><p>Das Food-Stamp-Programm &ndash; das dieser Tage tats&auml;chlich mit Debitcards funktioniert und offiziell Hilfsprogramm zur Nahrungserg&auml;nzung genannt wird &ndash; versucht, notleidenden Familien moderate aber dringend ben&ouml;tigte Unterst&uuml;tzung zukommen zu lassen. Und es l&auml;sst sich eindeutig nachweisen, dass die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Empf&auml;nger die Unterst&uuml;tzung auch wirklich braucht, und dass das Programm mit gro&szlig;em Erfolg die &ldquo;Ern&auml;hrungsunsicherheit&rdquo; bek&auml;mpft, die Familien zumindest zeitweilig hungern l&auml;sst.<\/p><p>Food stamps haben in den letzten Jahren eine besonders gro&szlig;e &ndash; eigentlich eine fast schon heroische &ndash; Rolle gespielt. Tats&auml;chlich hatten sie eine dreifache Funktion.<\/p><p>Zun&auml;chst wandten sich viele Familien an food stamps als &Uuml;berlebenshilfe, als Millionen Besch&auml;ftigte ohne eigenes Verschulden ihre Arbeit verloren &ndash; und wenngleich Unterst&uuml;tzung mit Lebensmitteln kein Ersatz f&uuml;r einen guten Job ist, sie hat enorm dazu beigetragen, die Not zu lindern. Food stamps waren besonders wichtig f&uuml;r Kinder, die andernfalls in extremer Armut gelebt h&auml;tten, was als Einkommen unterhalb der H&auml;lfte der offiziellen Armutsgrenze definiert wird.<\/p><p>Aber das ist nicht alles. Warum geht es unserer Wirtschaft so schlecht? Weil viele Wirtschaftsakteure ihre Ausgaben zur gleichen Zeit drastisch gek&uuml;rzt haben, w&auml;hrend sich nur relativ wenige bereit zeigen, mehr auszugeben. Und weil eine Volkswirtschaft anders als ein Privathaushalt funktioniert &ndash; deine Ausgaben sind mein Einkommen, und meine deins &ndash; f&uuml;hrt das zu einem allgemeinen Sinken der Einkommen und einem Einbruch am Arbeitsmarkt. Wir brauchten (und brauchen) dringend &ouml;ffentliche Ma&szlig;nahmen zur tempor&auml;ren Ankurbelung des Ausgabeverhaltens &ndash; und eine Ausweitung der food stamps, die Familien am Rande der Gesellschaft unterst&uuml;tzen w&uuml;rde und sie mehr Geld f&uuml;r alle m&ouml;glichen G&uuml;ter des t&auml;glichen Bedarfs ausgeben lie&szlig;e, w&auml;re genau so eine Ma&szlig;nahme. <\/p><p>Nach Einsch&auml;tzung der Beratungsgesellschaft Moody&rsquo;s Analytics erh&ouml;ht jeder bei schwacher Wirtschaftslage f&uuml;r food stamps ausgegebene Dollar das B.I.P. um etwa $1.70  &ndash; was nebenbei bemerkt bedeutet, dass ein Gro&szlig;teil der Mittel zur Unterst&uuml;tzung notleidender Familien tats&auml;chlich gleich wieder dem Staat in Form eines h&ouml;heren Steueraufkommens zugutekommt. <\/p><p>Moment mal, damit hat sich&rsquo;s noch nicht. Food stamps vermindern die Ern&auml;hrungsunsicherheit bei Kindern aus einkommensschwachen Familien, und das wiederum erh&ouml;ht ihre Chancen auf Schulerfolg gewaltig und damit auch darauf, ein erfolgreicher und leistungsf&auml;higer Erwachsener zu werden. Food stamps sind also im wahren Sinne des Wortes eine Investition in die Zukunft des Landes &ndash; eine Investition, die auf lange Sicht mit gro&szlig;er Sicherheit das Haushaltsdefizit senken wird, denn die k&uuml;nftigen Erwachsenen werden auch die k&uuml;nftigen Steuerzahler sein. <\/p><p>Und was wollen die Republikaner mit diesem Superprogramm machen? Es erst schrumpfen, und es dann so gut wie abschaffen.<\/p><p>Die Absicht des Schrumpfens wird aus dem neuesten vom Agrarausschuss des Kongresses verabschiedeten Agrargesetz ersichtlich ( historisch bedingt wird das Food-Stamp-Programm vom Landwirtschaftsministerium verwaltet ). Diese Gesetzgebung w&uuml;rde ungef&auml;hr zwei Millionen Menschen aus dem Programm dr&auml;ngen. Man sollte sich auch vor Augen halten, dass infolge des Sequesters ein weiteres &auml;hnliches Programm zur Ern&auml;hrungshilfe f&uuml;r Millionen von Schwangeren sowie Klein- und Schulkindern ernsthaft gef&auml;hrdet ist. Zu gew&auml;hrleisten, dass die Nachfolgegeneration mit Ern&auml;hrungsdefiziten aufw&auml;chst &ndash; also das nenne ich nun wirklich weise Voraussicht.<\/p><p>Und warum muss das Food-Stamp-Programm beschnitten werden? Wir k&ouml;nnen es uns nicht leisten, sagen Politiker wie der Abgeordnete Stephen Fischer, Republikaner aus Tennessee, der seinen Standpunkt mit Bibelspr&uuml;chen untermauert &ndash; und der, wie sich herausstellt, selbst &uuml;ber die Jahre Millionen an Agrarsubventionen erhalten hat. <\/p><p>Solche Einschnitte sind aber erst der Beginn der Attacke auf die food stamps. Man erinnere sich, der  Haushaltsplan des Abgeordneten Paul Ryan ist noch immer der offizielle Standpunkt der Republikaner zur Fiskalpolitik, und der verlangt nach der Umwandlung des Food-Stamp-Programms in ein Pauschalprogramm mit stark beschr&auml;nktem Budget. W&auml;re dergleichen zu Beginn der Gro&szlig;en Rezession wirksam gewesen, h&auml;tte das Food-Stamp-Programm sich nicht wie gehabt ausdehnen k&ouml;nnen, und das h&auml;tte noch viel mehr Not bedeutet mit jeder Menge regelrechten Hungerns f&uuml;r Millionen Amerikaner, besonders f&uuml;r Kinder. <\/p><p>Nat&uuml;rlich verstehe ich die angebliche Begr&uuml;ndung: Wir werden zu einer Nation von Empf&auml;ngern, und wenn man Dinge tut wie notleidenden Kindern zu Essen oder zu angemessener Gesundheitspflege zu verhelfen, dann schafft man doch blo&szlig; eine Kultur der Abh&auml;ngigkeit &ndash; und eben diese Kultur der Abh&auml;ngigkeit war es doch, die irgendwie die derzeitige Krise verursacht hat, nicht etwa die wildgewordenen Banker.<\/p><p>Ich frage mich ja, ob es Republikaner gibt, die diese Geschichte wirklich glauben &ndash; oder ob sie ihrer Diagnose zumindest gen&uuml;gend trauen, um eine Politik rechtfertigen zu k&ouml;nnen, die das Essen sozusagen aus dem Mund hungriger Kinder nimmt. Wie gesagt, es gibt Zeiten, in denen Zynismus einfach nicht ausreicht; Jetzt ist es an der Zeit, so richtig und sehr w&uuml;tend zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum geht es unserer Wirtschaft so schlecht? Weil viele Wirtschaftsakteure ihre Ausgaben zur gleichen Zeit drastisch gek&uuml;rzt haben, w&auml;hrend sich nur relativ wenige bereit zeigen, mehr auszugeben. Und weil eine Volkswirtschaft anders als ein Privathaushalt funktioniert &ndash; deine Ausgaben sind mein Einkommen, und meine deins &ndash; f&uuml;hrt das zu einem allgemeinen Sinken der Einkommen und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17465\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,174,30],"tags":[423,474],"class_list":["post-17465","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-usa","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-krugman-paul"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17465","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17465"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17465\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17467,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17465\/revisions\/17467"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17465"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}