{"id":17471,"date":"2013-06-03T16:10:56","date_gmt":"2013-06-03T14:10:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17471"},"modified":"2024-09-27T05:42:00","modified_gmt":"2024-09-27T03:42:00","slug":"der-einfluss-der-eliten-auf-deutsche-journalisten-und-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17471","title":{"rendered":"Der Einfluss der Eliten auf deutsche Journalisten und Medien"},"content":{"rendered":"<p>Die Doktorarbeit von <strong>Uwe Kr&uuml;ger<\/strong> untersucht, welchen Einfluss Eliten auf die Berichterstattung haben und zeigt die Netzwerke der wichtigen Menschen in Wirtschaft, Politik und Journalismus. Statt einen offenen Marktplatz an Ideen abzubilden, vertreten Journalisten demnach oft die Positionen der Herrschenden.&nbsp;Nach Uwe Kr&uuml;ger spitzt sich &uuml;berall in Europa und in der ganzen Welt der Konflikt &laquo;Elite gegen das Volk&raquo; zu. Dabei stehen die  Journalisten allzu oft auf der Seite der Eliten. Diese Erkenntnis ergibt sich aus der von der Fakult&auml;t f&uuml;r Sozialwissenschaften und Philosophie der Universit&auml;t Leipzig angenommenen Dissertation &bdquo;Meinungsmacht: Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten &ndash; eine kritische Netzwerkanalyse&ldquo;. Ein Interview von <strong>Michael Voregger<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17471#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Warum haben Sie sich wissenschaftlich mit dem Einfluss der Eliten auf Journalisten besch&auml;ftigt?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Ich war selber Journalist und wurde an der Universit&auml;t mit hohen Idealen gef&uuml;ttert &ndash; von Unabh&auml;ngigkeit, Kritik und Kontrolle. Als ich dann medienjournalistisch t&auml;tig war, also &uuml;ber Journalismus und Journalisten berichtet habe, stie&szlig; ich auf eine geheime Konferenz &ndash; die j&auml;hrliche Bilderberg-Konferenz. Dort treffen sich Politiker, Milit&auml;rs, Wirtschaftsf&uuml;hrer und Journalisten aus Nordamerika und Westeuropa. &Uuml;ber diese Konferenz war damals kaum etwas bekannt, die anwesenden Journalisten berichteten dar&uuml;ber nicht. F&uuml;r mich begann eine Spurensuche, was da eigentlich im Hintergrund l&auml;uft. <\/p><p><strong>Wie nah kommen Journalisten den Eliten unserer Gesellschaft und welche Medien verf&uuml;gen &uuml;ber besonders gute Kontakte?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Ich habe auf breiter Front Elitenkontakte von Journalisten erfasst. Es waren 64 Journalisten, die in 82 Organisationen involviert waren, wo auch Eliten aus Politik oder Wirtschaft beteiligt waren. Besonders heraus stachen die Netzwerke von vier Au&szlig;enpolitik-Journalisten: dem Au&szlig;enpolitik-Ressortleiter der S&uuml;ddeutschen Zeitung, Stefan Kornelius,  dem verantwortlichen Redakteur f&uuml;r Au&szlig;enpolitik der FAZ, Klaus-Dieter Frankenberger, dem Chefkorrespondenten der Welt, Michael St&uuml;rmer, und dem Mitherausgeber der Zeit, Josef Joffe. Die waren in  au&szlig;en- und sicherheitspolitischen Think Tanks, US- und Nato-affinen Vereinen und vertraulichen Runden involviert, in denen sie teilweise immer auf dieselben Leute trafen.<\/p><p><strong>Wie wirkt sich das harmonische Verh&auml;ltnis auf die Berichterstattung aus?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Ich habe die entsprechenden Artikel der vier vernetzten Journalisten zu dem Themenfeld Sicherheit, Verteidigung und Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr untersucht &ndash; speziell zu Afghanistan, wo es eine Kluft zwischen den Eliten und der Bev&ouml;lkerung gibt. Die Bev&ouml;lkerung ist mehrheitlich skeptisch gegen&uuml;ber dem milit&auml;rischen Engagement im Ausland und die Elite ist fast komplett daf&uuml;r. Es zeigte sich, dass die vier Journalisten in ihren Artikeln den Diskurs der Eliten abbilden, deren Argumente verbreiten und f&uuml;r mehr milit&auml;risches Engagement werben. <\/p><p><strong>Was verstehen Sie unter dem von Ihnen angef&uuml;hrten erweiterten Sicherheitsbegriff?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Dem aktuellen Elitendiskurs liegt ein erweiterter Sicherheitsbegriff zugrunde. Der klassische Sicherheitsbegriff &ndash; wir verteidigen unser Territorium, wenn es angegriffen wird &ndash; ist seit den 1990er Jahren erweitert worden. Es geht jetzt um einen anderen Sicherheitsbegriff, der alle m&ouml;glichen Gefahren einschlie&szlig;t: Terrorismus, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Piraterie, Drogen, organisierte Kriminalit&auml;t, Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me, Demografie und Klimawandel. Wir verteidigen nicht mehr nur unser Territorium, sondern auch unseren Wohlstand, Kommunikationsinfrastruktur, die Versorgung mit Rohstoffen und Energie. Unter Sicherheitspolitik l&auml;uft jetzt ziemlich viel, und das kann dann eben auch den Einsatz von Milit&auml;r au&szlig;erhalb des eigenen B&uuml;ndnisgebietes wegen ziemlich vieler Probleme legitimieren. Die im Elitenmilieu vernetzten vier Journalisten haben den neuen Begriff verwendet und aktiv beworben, obwohl es in der Zivilgesellschaft und in der Friedensforschung massive Kritik an dem Begriff gibt<\/p><p><strong>Gibt es andere Beispiel f&uuml;r einseitige Berichterstattung?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Ich habe die Berichterstattung &uuml;ber die M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz untersucht. Einige Journalisten von Leitmedien sind dort als normale Teilnehmer und nicht nur als Berichterstatter. Die bilden in ihren Medien sehr ausf&uuml;hrlich den Diskurs der Eliten ab, der auf der Konferenz l&auml;uft. Die Konferenz als Institution wird nicht hinterfragt, obwohl sie nicht ganz einwandfrei legitimiert ist &ndash; sie ist eigentlich eine private Veranstaltung, die mit Steuergeldern gef&ouml;rdert und mit Polizisten und Soldaten abgesichert wird. Die Demonstrationen und Gegenveranstaltungen werden in diesen Medien ignoriert oder marginalisiert. Die Parteinahme ist schon offensichtlich.   <\/p><p><strong>Warum engagieren sich Journalisten hier so stark?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Es gibt offensichtlich einen hohen individuellen Nutzen f&uuml;r Journalisten: Hintergrundinformationen, Orientierung, exklusive Kontakte, hochrangige Interviewpartner. Ich sehe aber nur einen eingeschr&auml;nkten Nutzen f&uuml;r Leser und Zuschauer. Die bekommen  das Wissen ja  nicht in Form von Berichten und Reportagen aus diesen Hintergrundzirkeln vermitteln, sondern das Wissen und auch die Perspektive der Eliten. Das  flie&szlig;t  in Kommentare und Leitartikel ein, von denen man glaubt, sie seien von unabh&auml;ngigen und kritischen Journalisten verfasst  Das kann auch absolut kontraproduktiv werden, wenn Journalisten integraler Teil von vertraulichen Politikplanungsprozessen sind, &uuml;ber die sie sich verpflichten zu schweigen. Denn  Eliten schaffen im vertraulichen Rahmen Spannungen aus der Welt und finden einen Konsens bevor die &ouml;ffentliche Diskussion &uuml;berhaupt beginnen kann. Der Journalist aber ist Anwalt der &Ouml;ffentlichkeit.<\/p><p><strong>Wie weit entfernen sich Journalisten hier von ihrer Kontrollfunktion?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Je n&auml;her sie den Machthabern und Entscheidern kommen, desto weiter entfernen sie sich von Kritik und Kontrolle. Die N&auml;he ist meist erkauft mit Konformit&auml;t.<br>\nDa muss man diskutieren, wie gro&szlig; der Abstand zwischen Journalisten und Eliten sein soll. Wollen wir, dass unsere gr&ouml;&szlig;ten und einflussreichsten  Medien eine starke Schlagseite in Richtung der Eliten haben, oder wollen wir eher neutrale Beobachter, Kritiker und Kontrolleure haben &ndash; die aber vielleicht nicht immer die hei&szlig;esten Indiskretionen und neuesten Insider-Informationen aus dem Elitenmilieu haben?<\/p><p><strong>Wie k&ouml;nnte der von Ihnen geforderte &bdquo;Sicherheitsabstand zwischen Journalisten und Eliten&ldquo; aussehen?<\/strong><\/p><p><strong>Uwe Kr&uuml;ger:<\/strong> Etwa so wie bei der New York Times. Die hat in ihrem Ethik-Kodex einen Paragrafen drin, dass Journalisten sich nicht in Organisationen engagieren d&uuml;rfen, die selbst nachrichtenw&uuml;rdige Aktivit&auml;ten entfalten oder die mit Politik und Wirtschaft zusammenh&auml;ngen. Sie d&uuml;rfen nicht in Beir&auml;ten oder Kuratorien sitzen. Sie d&uuml;rfen sich lediglich in der journalistischen Aus- und Weiterbildung engagieren. Das ist ein Reinheitsgebot, das ich gerne auch in Deutschland verankert s&auml;he.<\/p><p><em>Uwe Kr&uuml;ger<br>\nMeinungsmacht.<br>\nDer Einfluss von Eliten auf Leitmedien und<br>\nAlpha-Journalisten &ndash; eine kritische Netzwerkanalyse<br>\nInstitut f&uuml;r Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <a href=\"http:\/\/www.voregger.de\">www.voregger.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Doktorarbeit von <strong>Uwe Kr&uuml;ger<\/strong> untersucht, welchen Einfluss Eliten auf die Berichterstattung haben und zeigt die Netzwerke der wichtigen Menschen in Wirtschaft, Politik und Journalismus. 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