{"id":1762,"date":"2006-09-20T10:09:19","date_gmt":"2006-09-20T08:09:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1762"},"modified":"2016-01-25T20:12:27","modified_gmt":"2016-01-25T19:12:27","slug":"tipp-neues-globalisierungsbuchs-von-joseph-e-stiglitz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1762","title":{"rendered":"Tipp: Neues Globalisierungsbuchs von Joseph E. Stiglitz"},"content":{"rendered":"<p>\tZusammenfassender Bericht von Gerhard Kilper &uuml;ber Eric Le Bouchers Besprechung des neu erschienen Globalisierungsbuchs von Joseph E. Stiglitz (&bdquo;Un autre monde, contre le fanatisme du march&eacute;&ldquo;, Verlag Fayard 2006), erschienen in der franz&ouml;sischen Tageszeitung Le Monde vom 15.September 2006, Seite 19. Nach Le Boucher fordert Stiglitz &ndash; &auml;hnlich wie sein franz&ouml;sischer &Ouml;konomen-Kollege Daniel Cohen &ndash; eine politische Korrektur des neoliberalen Globalisierungskonzepts.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Globalisierung neu ausrichten<\/strong><\/p><p>Bericht und &Uuml;bersetzung von Gerhard Kilper<\/p><p>Joseph E. Stiglitz, fr&uuml;herer wirtschaftspolitischer Berater von Bill Clinton, ehemaliger Chefvolkswirt der Weltbank und Nobelpreistr&auml;ger 2001 entfachte im Jahr 2002 mit seinem Buch &bdquo;Die Schatten der Globalisierung&ldquo; international eine kritische Diskussion &uuml;ber die in den 1980er Jahren von Beamten des US-Finanzministeriums und Vertretern des Internationalen W&auml;hrungsfonds (&bdquo;Washington Consenus&ldquo;) eingeleitete, ganz bewusst neoliberal gepr&auml;gte Globalisierung. Stiglitz machte die erzwungene Umsetzung der Thesen des &bdquo;Washington Consensus&ldquo; (schrankenlose Liberalisierung aller M&auml;rkte, rigoroser Ausgleich der Staatshaushalte, Privatisierung) f&uuml;r die Zunahme von Armut und Elend auf der Welt verantwortlich.<\/p><p>In seinem neuen Globalisierungs-Buch pr&auml;zisiert Stiglitz nach Le Boucher seine Haltung zur Globalisierung und nimmt dabei in Kauf, seine bisherigen Anh&auml;nger der Antiglobalisierungsbewegung entt&auml;uschen zu m&uuml;ssen.<\/p><p>Stiglitz ist &Ouml;konom und als &Ouml;konom kann er kein prinzipieller Gegner des globalen Warenaustausch und des Austauschs von Wissen, technologischen Fertigkeiten und politischen Erfahrungen zum Nutzen der Menschheit sein. Le Boucher zitiert Stiglitz mit den Worten: &bdquo;Ich bin sicher, dass die Globalisierung in sich ein immenses Wohlstands-Potential sowohl f&uuml;r die Entwicklungsl&auml;nder als auch f&uuml;r die schon entwickelten L&auml;nder tr&auml;gt.&ldquo; Damit die inzwischen weit fortgeschrittene Globalisierung den Menschen wirklich Fortschritt bringe, sei &bdquo;eine Neuausrichtung und Neuorganisation der Globalisierung&ldquo; mit dem Ziel erforderlich, sie politisch so zu gestalten, dass sie wirklich Nutzen f&uuml;r alle Menschen bringt.<\/p><p>Wie sieht das alternative Globalisierungskonzept Stiglitz&rsquo; aus?<\/p><p>Nach Le Boucher st&uuml;tzt sich Stiglitz grunds&auml;tzlich auf das erfolgreiche asiatische Entwicklungsmodell mit der tragenden Rolle des Staates. Er rehabilitiert staatlich-wirtschaftspolitisches Handeln und unterstreicht seine Haltung mit dem Hinweis auf die Schw&auml;che des Staates in S&uuml;damerika. Genau diese staatliche Schw&auml;che sei zuallererst f&uuml;r die dortigen wirtschaftlichen Globalisierungs-Misserfolge verantwortlich (was im &Uuml;brigen noch mehr f&uuml;r Afrika gilt).<\/p><p>Stiglitz verlangt spezifische Handelskonditionen f&uuml;r die zur&uuml;ckgebliebenen L&auml;nder als Teil eines &bdquo;gerechten&ldquo; internationalen Handels. Weiter pl&auml;diert er nach Le Boucher f&uuml;r eine effektive Durchsetzung internationalen Rechts sowohl im internationalen Wettbewerb als auch im Vertragsrecht. So k&ouml;nne z.B. die Weltbank dar&uuml;ber wachen, &bdquo;dass die Entwicklungsl&auml;nder korrekt von den internationalen Erd&ouml;l- und Bergbau-Konzernen behandelt werden.&ldquo; Nach Le Boucher kritisiert Stiglitz am bestehenden internationalen W&auml;hrungssystem  besonders die Instabilit&auml;t der aktuell bestehenden Sonderziehungsrechte, die immer nur &ndash; meist unter Auflagen &ndash; verl&auml;ngert werden. Grunds&auml;tzlich sollten Kredite speziell f&uuml;r Entwicklungsl&auml;nder zu g&uuml;nstigen Konditionen angeboten werden. Zwar anerkennt Stiglitz nach Le Boucher schon besehende Spezialklauseln zugunsten armer L&auml;nder, meint aber, insbesondere Denken und Einstellungen der verantwortlich agierenden &Ouml;konomen m&uuml;ssten von Grund auf ver&auml;ndert werden. Es d&uuml;rfe nicht mehr sein, dass die wirtschaftspolitisch Verantwortlichen sich nur fragen, was dieser oder jener Vertrag f&uuml;r ihr Land bringe. Sie m&uuml;ssten in der globalisierten Welt weiter denken und sich fragen, was &bdquo;gerecht&ldquo; ist und was dazu beitr&auml;gt, auch die Ressourcen der unterentwickelten L&auml;nder umfassend zu entwickeln.<\/p><p>Im Bereich der internationalen Institutionen tritt Stiglitz f&uuml;r eine  echte Demokratisierung ein. Es gehe nicht weiter an, dass diese Institutionen unter dem dominierenden Einfluss der USA und der Industriel&auml;nder stehen und von diesen vorrangig f&uuml;r ihre eigene Wirtschafts- Interessen eingesetzt werden. Konkret seien die Stimmrechte im Internationalen W&auml;hrungsfonds zu &auml;ndern.<\/p><p>Schlie&szlig;lich m&uuml;sse global das &bdquo;Gef&uuml;hl einer Weltidentit&auml;t&ldquo; entwickelt werden, das die verantwortlich agierenden &Ouml;konomen dazu zwinge, bei allen wichtigen Entscheidungen die Folgewirkungen &bdquo;f&uuml;r alle anderen&ldquo; zu bedenken. &bdquo;Negativen Externalien&ldquo;, verstanden als Handlungen einer Teileinheit zum Schaden der anderen, m&uuml;ssten aufh&ouml;ren, unabh&auml;ngige Nichtregierungsorganisationen (wie Oxfam) m&uuml;ssten mehr als bisher konsultiert und die Transparenz internationaler Entscheidungsprozesse m&uuml;sse verbessert werden. Die Globalisierung k&ouml;nne nur dann gerecht sein und weltweit akzeptiert werden, wenn diese &ndash; f&uuml;r Stiglitz unerl&auml;sslichen &ndash; Reformen  mit dem Ziel durchgef&uuml;hrt werden, die Interessen der Armen wirtschaftspolitisch besser zum Tragen zu bringen. \t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Zusammenfassender Bericht von Gerhard Kilper &uuml;ber Eric Le Bouchers Besprechung des neu erschienen Globalisierungsbuchs von Joseph E. Stiglitz (&bdquo;Un autre monde, contre le fanatisme du march&eacute;&ldquo;, Verlag Fayard 2006), erschienen in der franz&ouml;sischen Tageszeitung Le Monde vom 15.September 2006, Seite 19. 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