{"id":17666,"date":"2013-06-18T12:54:40","date_gmt":"2013-06-18T10:54:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17666"},"modified":"2015-08-09T09:08:53","modified_gmt":"2015-08-09T07:08:53","slug":"wirbel-um-den-aachener-friedenspreis-an-die-hulda-pankok-gesamtschule-schulleiterin-ignoriert-beschluss-der-schulkonferenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17666","title":{"rendered":"Wirbel um den Aachener Friedenspreis an die Hulda-Pankok-Gesamtschule \u2013 Schulleiterin ignoriert Beschluss der Schulkonferenz"},"content":{"rendered":"<p>Am 1. September, dem Antikriegstag, sollte der Aachener Friedenspreis an drei deutsche Schulen verliehen werde, die beschlossen haben, keine Werbeauftritte der Bundeswehr in ihrer Schule zuzulassen. Eine der Preistr&auml;gerinnen ist die Hulda-Pankok-Gesamtschule in D&uuml;sseldorf, benannt nach der Frau des bekannten Malers Otto Pankok, selbst engagierte Friedensk&auml;mpferin. Die Schulkonferenz hatte im Oktober 2010 einstimmig einen entsprechenden Beschluss gefasst. Die Schulleiterin Alexandra Hau&szlig;mann teilte nun dem Friedenspreiskomitee mit, sie lehne den Preis ab. Einen entsprechenden Schulkonferenzbeschluss habe es n&auml;mlich nie gegeben. Die Vertreterin des Friedenspreises dagegen hat den Beschluss gesehen, der damalige Schulsprecher versichert, er wurde einstimmig gefasst. Den Lehrerinnen und Lehrern wurde die Ablehnung des Preises und die obrigkeitlich angeordnete Nichtexistenz des Konferenzbeschlusses auf einer Dienstbesprechung offiziell mitgeteilt. Von <strong>Karl-Heinz Heinemann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVor vier Wochen noch hatte sich die Schulleiterin Alexandra Haussmann im WDR erfreut gezeigt, dass unter anderen  ihre Schule mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet werden soll. Diese hatten n&auml;mlich den Beschluss gefasst: Keine Bundeswehr-Veranstaltungen  in ihrer Schule. Nun soll das alles nicht wahr sein: Erstens gebe es den Beschluss gar nicht und zweitens sei die Bundeswehr in der Hulda-Pankok-Schule herzlich willkommen.<\/p><p>Diese Einlassung der Schulleiterin fordert doppeltes Kopfsch&uuml;tteln heraus: Wieso kann sie einen einstimmig gefassten Schulkonferenzbeschluss f&uuml;r nicht existent erkl&auml;ren? &Uuml;berdies ist ja nur konsequent, dass eine Schule, die  nach einer Gegnerin der deutschen Wiederbewaffnung benannt ist,  der Bundeswehr keinen Raum f&uuml;r Werbeveranstaltungen geben will?<\/p><p>Die Autonomie jeder einzelnen Schule gilt als demokratischer Fortschritt im Kampf gegen b&uuml;rokratische G&auml;ngelung. Und die Schulkonferenz, parit&auml;tisch besetzt mit Lehrern, Eltern und Sch&uuml;lern soll das oberste Beschlussorgan jeder Schule sein, ihre Beschl&uuml;sse gelten mehr als das Wort des Schulleiters oder der Schulleiterin.  Es w&auml;re doch absurd, wenn, wie die Schulleiterin nun behauptet, dass Sch&uuml;ler zwar stimmberechtigte Mitglieder der Schulkonferenz sind, aber dort keine Antr&auml;ge einbringen d&uuml;rften.<\/p><p>Wie ist es nun mit der Bundeswehr in der Schule? F&uuml;r die politische Bildung in der Schule gilt das &Uuml;berw&auml;ltigungsverbot und das Prinzip der Kontroversit&auml;t. Das hei&szlig;t:  Sch&uuml;ler d&uuml;rfen nicht in eine bestimmte Richtung gedr&auml;ngt werden, weder durch einseitige Information noch durch Werbeveranstaltungen. Bei den Themen,  bei denen es in der Gesellschaft unterschiedliche Auffassungen gibt, m&uuml;ssen diese Unterschiede auch  zur Sprache kommen.<\/p><p>Als die Schulkonferenz im Jahr 2010 beschloss, die Vertreter der Streitkr&auml;fte nicht in die Schule einzuladen, galt noch eine andere Kooperationsvereinbarung mit dem Wehrbereichskommando als heute.  In der neuen Vereinbarung von 2012, mit dem inzwischen gr&uuml;n besetzten Schulministerium beschlossen, ist ausdr&uuml;cklich davon die Rede, dass auch Vertreter der Friedensbewegung in die Schulen kommen d&uuml;rfen, und dass man die Jugendoffiziere nur in Begleitung der zust&auml;ndigen Lehrerinnen und Lehrer in die Klassen lassen wolle. Von Chancengleichheit f&uuml;r Friedensbewegte und Bundeswehr kann dabei allerdings keine Rede sein. Die Bundeswehr trat im letzten Jahr &uuml;ber 5000 mal in Schulen auf und hat 100 Jugendoffiziere im Einsatz. Sie gab 29 Millionen Euro f&uuml;r diese Werbung aus. Da kann die Friedensbewegung nicht mithalten. Das ist, als wenn man  der Lebensmittelbranche die Schultore zu Werbezwecken &ouml;ffnen w&uuml;rde mit dem Argument, da d&uuml;rften ja McDonalds und der Biob&auml;cker gleicherma&szlig;en auftreten.<\/p><p>Die Bundeswehr wird zur Berufsarmee, und ihre Besch&auml;ftigten m&uuml;ssen sich in Auslandseins&auml;tzen dem finalen Zweck des Waffengebrauchs stellen. Umso wichtiger ist es, dass sich auch Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler mit diesem Thema auseinandersetzen. Doch die Bundeswehr wird auf ihrer Personal-Werbetour kein Interesse daran haben, die blutige Seite ihrer Existenz hervorzuheben oder gar zu problematisieren.  Wie gut, dass es Schulen gibt, die einen Raum frei von Werbung und anderen &auml;u&szlig;eren Zw&auml;ngen f&uuml;r diese notwendigen Auseinandersetzungen zur Verf&uuml;gung stellen. Gl&uuml;ckwunsch also an die Schulkonferenzmitglieder, die das 2010 einstimmig beschlossen haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. September, dem Antikriegstag, sollte der Aachener Friedenspreis an drei deutsche Schulen verliehen werde, die beschlossen haben, keine Werbeauftritte der Bundeswehr in ihrer Schule zuzulassen. Eine der Preistr&auml;gerinnen ist die Hulda-Pankok-Gesamtschule in D&uuml;sseldorf, benannt nach der Frau des bekannten Malers Otto Pankok, selbst engagierte Friedensk&auml;mpferin. Die Schulkonferenz hatte im Oktober 2010 einstimmig einen entsprechenden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17666\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[151,126,170],"tags":[358],"class_list":["post-17666","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildungspolitik","category-erosion-der-demokratie","category-friedenspolitik","tag-bundeswehr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17666","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17666"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17666\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27117,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17666\/revisions\/27117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17666"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17666"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17666"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}