{"id":1769,"date":"2006-09-25T15:47:01","date_gmt":"2006-09-25T13:47:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1769"},"modified":"2016-01-25T12:57:11","modified_gmt":"2016-01-25T11:57:11","slug":"steingart-mittelmas-in-der-sache-aber-meister-in-der-kunst-der-verfuhrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1769","title":{"rendered":"Steingart &#8211; Mittelma\u00df in der Sache aber Meister in der Kunst der Verf\u00fchrung."},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen sind im Spiegel und in SpiegelOnline insgesamt sieben Ausz&uuml;ge aus dem neuen Buch von Gabor Steingart erschienen. Steingart ist Leiter des Berliner B&uuml;ros des Spiegel. Sein letztes Buch ist wohlwollend von M&uuml;ntefering vorgestellt worden. Auch seine jetzigen Thesen verfangen. Wolfgang Lieb berichtete von einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, bei der sich gleich mehrere Diskussionsteilnehmer auf Steingarts neues Buch beriefen. In der Sache begreifen kann ich das nicht, verstehen schon, denn Steingart hat eine perfid eing&auml;ngige Art zu schreiben. Damit &uuml;berspielt er die vielen Denkfehler und Argumentationsl&uuml;cken. Er nutzt Vorurteile, er &uuml;bertreibt und arbeitet mit Assoziationen. Davon darf man sich nicht mitnehmen lassen. Man kommt ihm nur auf die Schliche, wenn man seinen Text pr&auml;zise und Satz f&uuml;r Satz hinterfragt.<br>\nIm folgenden finden Sie zun&auml;chst die Links auf die sieben bis heute erschienenen Beitr&auml;ge (A) und dann eine zusammenfassende Kritik (B) .<br>\nMan muss dieses Buch nicht kaufen. Es zu lesen ist f&uuml;r an Aufkl&auml;rung interessierte Menschen eine Zumutung. Es ist zudem die Schrift eines Verfassungsfeindes. Das schreibe ich mit Bedacht und nach reiflicher Pr&uuml;fung. Wie n&auml;mlich Steingart mit dem Sozialstaatsgebot umgeht, ist jenseits dessen, was sich streitbare Demokraten bieten lassen k&ouml;nnen. Und wie er mit Schw&auml;cheren umgeht, hat mit Demokratie und mit der Achtung vor der W&uuml;rde von Menschen nichts zu tun. Und die H&auml;me gegen&uuml;ber Arbeitnehmern und Gewerkschaften ist bemerkenswert. Aber pr&uuml;fen Sie selbst.<br>\n<!--more--><br>\nZun&auml;chst noch den Hinweis auf einen kurzen Text von Heiner Flassbeck zu Steingart, den Sie bei uns <a href=\"?p=1757\">hier finden<\/a>.<\/p><p>Und eine weitere Vorbemerkung: Der folgende Text ist leider lang geworden. Damit will ich nicht insinuieren, dass die Steingart-Texte bedeutsam sind. Sie sind eing&auml;ngig. Um Ihnen das Lesen zu erleichtern, ist in den jeweiligen Ziffern fett markiert, um was es geht.<\/p><p><strong>A. Und nun zu den sieben Links zu Steingarts Buch-Kapiteln einschlie&szlig;lich Titel und Vorspann:<\/strong><\/p><ol>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436345,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436345,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 11. September 2006<\/a><br>\n<strong>Globalisierung<br>\nGleicher Lohn f&uuml;r gleiche Arbeit<\/strong><br>\nAsien trumpft auf, China und Indien wachsen zu neuen &ldquo;Masters of the Universe&rdquo; heran. Der Westen droht zum Verlierer der Globalisierung zu werden. Die Arbeitskraft der Europ&auml;er wird entwertet &ndash; millionenfach.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436348,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436348,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 12. September 2006, 11:09<\/a><br>\n<strong>Abbau des Sozialstaats<br>\nDolchsto&szlig; durch den Konsumenten<\/strong><br>\nDer normale K&auml;ufer bei Karstadt, Metro und Lidl ist ein regelrechter Globalisierungsfanatiker: Er vergleicht Preis und Leistung und will immer das Billigste. So vernichtet er massenweise Jobs in Europa &ndash; am Ende auch den eigenen.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436480,00.html\" title=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436480,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 15. September 2006, 16:17<\/a><br>\n<strong>Trag&ouml;die der Gewerkschaften<br>\nDer Erfolgsfilm l&auml;uft r&uuml;ckw&auml;rts<\/strong><br>\nDas Zeitalter der Globalisierung wird zur Trag&ouml;die f&uuml;r die Gewerkschaften. Der einst m&auml;chtige Prellbock gegen Unternehmerwillk&uuml;r ist heute selbst schutzbed&uuml;rftig geworden. Den Verfall der Sozialstandards k&ouml;nnen die Gewerkschafter nur kritisieren &ndash; &auml;ndern k&ouml;nnen sie daran nichts.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436351,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,436351,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 16. September 2006, 12:14<\/a><br>\n<strong>Sozialer Verfall<br>\nDie neuen Proleten<\/strong><br>\nDie fortschreitende Deindustrialisierung hat im Westen eine neue Unterschicht der Unproduktiven und geistig Verwahrlosten geschaffen. Diese Fremdlinge im eigenen Land werden zur ernsten Gefahr f&uuml;r die Demokratie.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,437158,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,437158,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 18. September 2006, 11:47<\/a><br>\n<strong>Weltw&auml;hrung auf Abruf<br>\nBrandgef&auml;hrliches Spiel mit dem Dollar<\/strong><br>\nNoch immer ist der Dollar die Reservew&auml;hrung der Welt, doch er verdient diese Rolle schon heute nicht mehr. Sein Sturz l&auml;sst sich nur verz&ouml;gern, nicht verhindern. Die Folge k&ouml;nnte eine globale Wirtschaftskrise sein.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,437159,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,437159,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 19. September 2006, 09:39<\/a><br>\n<strong>Aufstieg Asiens<br>\nDer Westen muss sich wehren &ndash; oder er scheitert<\/strong><br>\nIm Weltkrieg um Wohlstand k&auml;mpfen die Angreiferstaaten Asiens mit brutalen Methoden: Sie ertragen im Land bittere Armut und verursachen gigantische Umweltzerst&ouml;rung. Ihr Aufstieg ist unser Abstieg &ndash; es sei denn, der Westen &uuml;berwindet seine Angst und schmiedet ein Abwehrb&uuml;ndnis.<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,438372,00.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,438372,00.html\">SPIEGEL ONLINE &ndash; 22. September 2006, 11:22<\/a><br>\n<strong>Westb&uuml;ndnis gegen Asien<br>\nDrei Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Nato der Wirtschaft<\/strong><br>\nDie Asiaten sind die freundlichsten Angreifer der Weltgeschichte. Trotzdem muss die Politik rasch auf den Aufstieg Chinas und Indiens reagieren. In Angela Merkels Kanzleramt wird &uuml;ber Geschichtsm&auml;chtiges nachgedacht: eine europ&auml;isch-amerikanische Freihandelszone.<\/li>\n<\/ol><p><strong>B. Zusammenfassender Kommentar zu den Texten von Steingart<\/strong><\/p><p>Vorbemerkung:<br>\nIn den NachDenkSeiten wie auch in meinen beiden B&uuml;chern &bdquo;Die Reforml&uuml;ge&ldquo; und &bdquo;Machtwahn&ldquo; finden Sie eine F&uuml;lle von Argumenten und Fakten zu den Texten von Steingart. Deshalb beschr&auml;nke ich mich hier auf Stichworte, die Ihnen hoffentlich so viel Hinweise geben, dass Sie die Texte selbst kritisch bewerten k&ouml;nnen:<\/p><ol>\n<li> Zun&auml;chst <strong>zum Schreibprinzip dieses Autors: Der Leser wird mit R&uuml;ckgriff auf ein paar vorfindbare, angelernte Vorurteile und mittels flotter Formulierungen auf eine Ebene der Emp&ouml;rung, jedenfalls des Aufgeregtseins gehoben. <\/strong>(Arbeiterinflation, Weltkrieg um Wohlstand, Angreiferstaaten, Weltarbeitsmarkt, Weltw&auml;hrung auf Abruf, die neuen Proleten, De-Industrialisierung, u.a.m.). Der Autor pflegt die Attit&uuml;de der Anklage und H&auml;me. Dabei darf sich der Leser zusammen mit dem Autor als Beobachter f&uuml;hlen, der nicht Ziel der permanenten Klagen des Autors wird. Schuld sind immer die andern: die Kartellbr&uuml;der, die neuen Proleten, der Sozialstaat und so weiter.<\/li>\n<li>   <strong>Vorweg sei noch gesagt, dass die Texte durchaus auch Richtiges enthalten.<\/strong><br>\n      Zum Beispiel, dass die Arbeitslosen-, die Wachstums- und Produktivit&auml;tsstatistiken der USA die Lage dieses Landes besch&ouml;nigen.<br>\n      Zum Beispiel, dass die Ware Arbeit weniger Schutz genie&szlig;t als die Bienen, wie Steingart meint.<br>\n      Zum Beispiel, dass der Einfluss und Aktionsraum der Gewerkschaften sinkt. Die Gewerkschaften seien verstorben, behauptet der Autor in seiner g&auml;ngigen Art zu &uuml;bertreiben. (Da w&auml;re nachzufragen, wieso der &bdquo;Spiegel&ldquo; am 18.11.2002 noch behaupten konnte, wir lebten in einem &bdquo;Gewerkschaftsstaat&ldquo;. Es w&uuml;rde mich nicht wundern, wenn der damalige, hoch manipulative Spiegel-Titel auch unter dem Einfluss von Steingart geschrieben worden w&auml;re.)<br>\n      Richtig sieht Steingart zum Beispiel weiter, dass es wichtig ist, Wettbewerb zu f&ouml;rdern und gegen Kartelle und Monopole einzuschreiten.<br>\n      Zum Beispiel ist richtig, dass wir in Europa eine kl&uuml;gere, aktive Handelspolitik betreiben m&uuml;ssten.<br>\n      Zum Beispiel, dass die Gefahr eines Absturzes des Dollars da ist und gef&auml;hrlich werden kann.\n<\/li>\n<li>   <strong>An der Warnung vor dem Sturz des Dollar<\/strong>, die im Beitrag &bdquo;Weltw&auml;hrung auf Abruf. Brandgef&auml;hrliches Spiel mit dem Dollar&ldquo; (siehe A. Link Nr. 5) ausf&uuml;hrlich dargelegt wird, <strong>kann man zeigen, wie unoriginell und versp&auml;tet dieser Autor des Wegs kommt und dennoch so tut, als sei seine Beobachtung brandneu<\/strong>. Auf die Gefahren, die aus den Leistungsbilanzdefiziten und damit der wachsenden Auslandsverschuldung der USA f&uuml;r die Weltw&auml;hrungsordnung und damit auch f&uuml;r unsere Wirtschaftsentwicklung in Europa folgen, haben &Ouml;konomen, die nicht zum gro&szlig;en Strom der herrschenden Meinung geh&ouml;ren, schon seit Jahren hingewiesen und davor gewarnt, weiterhin nichts zur Minderung des Risikos zu tun. Auf den NachDenkSeiten konnten sie reihenweise Beitr&auml;ge dazu lesen. Ich habe mich schon anl&auml;sslich eines Gutachtens des Sachverst&auml;ndigenrates vom 15.11.2000 mit der abenteuerlichen Behauptung, die Konjunktur laufe rund, mit dem heutigen Thema von Herrn Steingart besch&auml;ftigt. Immerhin blickten damals die USA auf ein schon 17 Jahre lang w&auml;hrendes Leistungsbilanzdefizit, meist im dreistelligen Bereich, zur&uuml;ck. Steingart entdeckt das Problem 23 Jahre sp&auml;ter. Bei meinen Lesungen zur &bdquo;Reforml&uuml;ge&ldquo;, die im August 2004 erschien, zitiere ich regelm&auml;&szlig;ig aus einem <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2004\/35\/Interview_oNeill\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.zeit.de\/2004\/35\/Interview_oNeill\">Interview des Chef&ouml;konomen von Goldman Sachs Jim O&rsquo;Neill in der ZEIT vom 19.8.2004<\/a>. Lesenswert. O&rsquo;Neill warnt vor dem Absturz des Dollars und er empfiehlt den Deutschen dringlich, nicht nur auf den Export zu setzen, sondern endlich das zweite Bein, die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Er beschreibt, wie absurd es ist, dazu die Steuern f&uuml;r die Unternehmen zu senken. Die Kaufkraft der breiten Masse muss gest&auml;rkt werden. W&ouml;rtlich: &bdquo;Weil die Reichen von ihrem Einkommen relativ weniger f&uuml;r Konsum ausgeben als die Armen, muss die Fiskalpolitik bei den unteren Einkommensgruppen ansetzen. Dieser Aspekt wird von vielen deutschen &Ouml;konomen und Politikern vernachl&auml;ssigt.&ldquo;. Wenn Herrn Steingart diese Erkenntnis wenigstens zum Zeitpunkt des Interviews mit dem Chef&ouml;konomen von Goldman Sachs ged&auml;mmert h&auml;tte, wenn er seitdem im &bdquo;Spiegel&ldquo; entsprechend aufgekl&auml;rt und f&uuml;r die St&auml;rkung der Binnennachfrage geworben h&auml;tte, dann s&auml;he unsere Wirtschaftspolitik und unsere wirtschaftliche Lage heute vermutlich anders und besser aus. Jedenfalls m&uuml;sste der Autor Steingart heute massiv gegen die Mehrwertsteuererh&ouml;hung im Jahre 2007 intervenieren. Tut er das? Das Kapitel &uuml;ber die Gefahr des Sturzes des Dollar enth&auml;lt nichts Einleuchtendes dazu, was wir hierzulande tun k&ouml;nnten und tun m&uuml;ssten, um dieses gef&auml;hrliche Risiko wenigstens ein bisschen abzufedern.<br>\n      <strong>Zusammengefasst: Steingart verkauft einen ganz alten Hut als neu und im Gegensatz zu jenen, die rechtzeitig gewarnt haben, bietet er nicht einmal eine wirksame Therapie.<\/strong><\/li>\n<li>   Wie in vielen Teilen seiner hier besprochenen Texte <strong>gibt sich der Autor als Pessimist und schicksalsergeben<\/strong>: &bdquo;Der Sturz l&auml;sst sich nur verz&ouml;gern, nicht verhindern. Der Westen droht zum Verlierer der Globalisierung zu werden. Die Arbeitskraft der Europ&auml;er wird entwertet.&ldquo; So und &auml;hnlich werden die Leser auf Aussichtslosigkeit eingestimmt. Das liegt auf der Linie seines letzten Buches: &bdquo;Der Abstieg eines Superstars.&ldquo; Das ist immer das gleiche. Die Folgen der makro&ouml;konomischen Unf&auml;higkeit unsere Eliten werden als objektiv unvermeidbar dargestellt.<\/li>\n<li>   <strong>Die Schwierigkeiten der Gewerkschaften, ihre Mitglieder zu halten, wird auf das Entstehen des weltweiten Arbeitsmarktes zur&uuml;ckgef&uuml;hrt. Dass daran ein gutes St&uuml;ck<\/strong> von der jeweiligen Bundesregierung als Arbeitgeber, als Gesetzgeber und als makropolitischer Akteur, genauer: als Nichtakteur, <strong>hausgemacht ist<\/strong>, dass die Gewerkschaften und Arbeitnehmer unter dem Aushungern der Binnennachfrage, unter der geschaffenen &bdquo;Reservearmee&ldquo; und damit unter einem einseitigen Arbeitsmarkt ohne echten Wettbewerb zu leiden haben, kommt bei Steingart nicht vor. Auch in diesem Beitrag (Nummer A. 3) erscheint die gesamte Entwicklung als zwangsl&auml;ufig. So zum Beispiel: &bdquo;Den Verfall der sozialen Standards k&ouml;nnen die Gewerkschafter nur kritisieren &ndash; &auml;ndern k&ouml;nnen sie daran nichts.&ldquo; Die Folgen der makro&ouml;konomischen Unt&auml;tigkeit und Unf&auml;higkeit werden als struktur- und globalisierungsbedingt dargestellt.\n<\/li>\n<li>Was ich bisher kritisiert habe, sind vergleichsweise l&auml;ssliche S&uuml;nden. <strong>Viel gravierender sind zwei andere Inhalte und Eigenschaften seiner Texte:\n<p>      Erstens: Steingart polemisiert so massiv gegen wichtige Versprechen unseres Grundgesetzes, insbesondere die in Artikel 20 versprochene Sozialstaatlichkeit, dass man ihn als Feind unserer Verfassung bezeichnen muss<\/p><\/strong>. Das gilt insbesondere f&uuml;r das Kapitel &bdquo;Abbau des Sozialstaats. Dolchsto&szlig; durch den Konsumenten&ldquo; ( Siehe oben Link bei Ziffer 2). Der Text beginnt schon entsprechend: &bdquo;Der Sozialstaat ist im Grunde nichts anderes als ein Kartell.&ldquo;\n<p>      <strong>Zweitens: Steingart polemisiert in menschenverachtender Weise gegen die &bdquo;neue Unterschicht der Unproduktiven und geistig Verwahrlosten&ldquo;. Er nennt sie die &bdquo;neuen Proleten&ldquo;. Dieser Text hat die Grenze zur Volksverhetzung &uuml;berschritten.<\/strong> (Siehe oben Link bei Ziffer A. 4). Diese Hetze liegt im Trend. Wir kennen diese neuen Usancen unserer Eliten schon aus der Kampagne gegen &bdquo;Florida Rolf&ldquo; und vielen anderen Beitr&auml;gen in der Bild-Zeitung und anderen Medien. Auf ein neues Beispiel dieser uns&auml;glichen Hetze machte mich gestern ein Nutzer unserer NachDenkSeiten aufmerksam: In der &bdquo;Welt&ldquo; vom 19.9. erschien die Polemik eines Superliberalen mit der Forderung &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/data\/2006\/09\/19\/1041723.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.welt.de\/data\/2006\/09\/19\/1041723.html\">Entzieht den Nettostaatsprofiteuren das Wahlrecht!<\/a>&ldquo;. Wir sind schon weit gediehen.<br>\n      Wenn Verfassungsfeindlichkeit von so genannten linken Spinnern kommt, dann wird der Verfassungsschutz t&auml;tig. Bei unseren Eliten nicht. Wenn Volksverhetzung und Gewalt von rechten Glatzk&ouml;pfen kommt, dann r&uuml;mpfen unsere meinungsf&uuml;hrenden Kreise immerhin die Nase. Unsere Eliten hingegen k&ouml;nnen sich die Polemik gegen das Verfassungsversprechen Sozialstaatlichkeit bis in allerh&ouml;chste Kreise hinein leisten.<\/p><\/li>\n<li>   <strong>Steingart baut seine Polemik gegen den Sozialstaat &auml;u&szlig;erst geschickt auf.<\/strong> (Siehe dazu Link Nr.2.) Zun&auml;chst behauptet er, der Sozialstaat sei ein &bdquo;Kartell&ldquo; und die Beg&uuml;nstigten der Sozialstaatlichkeit seien &bdquo;Kartellbr&uuml;der&ldquo;. Damit ist ein negativer Akzent vorgepr&auml;gt. Das &bdquo;Schutzkartell&ldquo; verteure den Preis der Arbeitskraft um einen Sozialaufschlag, der das Land im Wettbewerb mit einem Wirtschaftsraum, der diesen Sozialaufschlag nicht kenne, teurer mache. &bdquo;Einer der Gr&uuml;nde f&uuml;r die Preisdifferenz zwischen den neuen Mitgliedern und den alten Mitgliedern des Weltarbeitsmarkts ist der Sozialstaat.&ldquo; Das klingt schl&uuml;ssig, weil dabei andere wichtige Informationen, die ein einigerma&szlig;en rationales Urteil m&ouml;glich machen w&uuml;rden, weggelassen sind. Ich will einige dieser Informationen aufz&auml;hlen:\n<ul>\n<li>Die L&ouml;hne machen in Deutschland im Schnitt 21% der Kosten eines Industrieproduktes aus, der Anteil der Sozialabgaben ist dann wieder ein Bruchteil davon. In die Preiskalkulation und damit in die Konkurrenzf&auml;higkeit gehen eine Reihe anderer Faktoren ein: die Produktivit&auml;tsunterschiede, die Transportkosten, die F&uuml;hlungsvorteile, die Erwartungen zur Lohnkostenentwicklung in den beiden zu vergleichenden L&auml;ndern (wenn ein Betrieb investiert, muss er mit einkalkulieren, wie sich die L&ouml;hne im Konkurrenzland vermutlich entwickeln und welche sonstigen Risiken entstehen k&ouml;nnen). (Zur Entwicklung der L&ouml;hne in China siehe Thomas Fricke in der FTD vom 15.9.: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/meinung\/leitartikel\/115299.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/meinung\/leitartikel\/115299.html\">Zeitlich befristete Billigkonkurrenz<\/a>&ldquo;)<\/li>\n<li>          Der entscheidende Denkfehler bei Steingart ist, dass er unterstellt und suggeriert, der Aufschlag f&uuml;r die soziale Sicherung sei vermeidbar, wenn man eine soziale Sicherung wie die unsere nicht hat. &ndash; Auch andere Verfahren kosten aber etwas. Nehmen wir den Fall der Altersvorsorge: Wie man die Vorsorge f&uuml;rs Alter auch organisiert, ob man sie &uuml;ber ein Umlageverfahren als gesetzliche Rente oder &uuml;ber ein Kapitaldeckungsverfahren als Privatvorsorge organisiert oder ob der Staat zur Vermeidung von Altersarmut zum gegebenen Zeitpunkt mit Steuergeldern eintritt, immer fallen Kosten an. Da das Umlageverfahren besonders preisg&uuml;nstig arbeitet, unter anderem weil dabei vermieden wird, Ressourcen f&uuml;r den Vertrieb von Pensionsfonds und anderen Produkten der privaten Versicherer zu verschwenden, ist nicht verst&auml;ndlich, warum dieses Verfahren und damit das sozialstaatliche Verfahren nicht das g&uuml;nstigere sein soll. &ndash; Die private Vorsorge f&uuml;rs Alter verlangt von dem Arbeitenden die Zahlung einer Versicherungspr&auml;mie. Das muss er in seine Gehaltsvorstellungen einplanen. Der Lohn und das Gehalt muss entsprechend h&ouml;her sein. Auf lange Sicht wird das so sein. Volkswirtschaftlich betrachtet ist es sowieso kein Unterschied. Das kann man sich klarmachen, wenn man versucht, den Geldschleier wegzuziehen und in realen Gr&ouml;&szlig;en zu denken. Dann versteht man, dass es v&ouml;llig gleichg&uuml;ltig ist, wie das Finanzierungssystem der Altersvorsorge oder der Gesundheitsvorsorge oder der Vorsorge f&uuml;r den Pflegefall und den Fall der Arbeitslosigkeit aussieht, immer m&uuml;ssen die Alten, die Kranken, die Arbeitslosen irgendwie von den anderen mitgetragen werden. Das gilt auch f&uuml;r die chinesische Gesellschaft, selbst dann, wenn es vor&uuml;bergehend in einzelnen F&auml;llen anders sein sollte. Auch die chinesische Gesellschaft muss ihre Alten, ihre Kranken und Pflegebed&uuml;rftigen irgendwie versorgen. Wenn sie das nicht tut, dann wird die Vernachl&auml;ssigung auf andere Weise zum Kostenfaktor. Das gilt hier &auml;hnlich wie bei der Umweltverschmutzung, die beginnt, ein Kostenfaktor f&uuml;r die chinesische Volkswirtschaft zu werden. Eine solche Entwicklung kann ich doch nicht ausblenden, wenn ich &uuml;ber die Konkurrenz auf den Weltm&auml;rkten der G&uuml;ter und der Arbeitskr&auml;fte philosophiere.<\/li>\n<li>          Die Behauptung Steingarts, die sozialen Errungenschaften westlicher Zivilisation wirkten wie ein Klotz am Bein, zeigt, dass er das Gesamte nicht durchschaut. Diesen &bdquo;Klotz&ldquo; (dass wir &auml;lter und manchmal krank werden) hat eine Gesellschaft immer zu tragen, ganz gleich, wie sie das Finanzierungssystem f&uuml;r die jeweiligen Vorsorgen organisiert.<\/li>\n<li>          Vor allem beachtet er nicht den gesamtwirtschaftlichen Produktivit&auml;tsfaktor einer sicheren Gesellschaft, im speziellen Fall: einer sozial gesicherten Gesellschaft. Da entspricht der Autor ganz und gar dem Bild des eng betriebswirtschaftlich denkenden Zeitgenossen. Die gesellschaftliche Regelung der Absicherung gegen die Risiken des Lebens hat n&auml;mlich nicht nur den Vorteil, recht preiswert zu arbeiten. Sie hat auch den Vorteil, dass sich die Beg&uuml;nstigten, in der Sprache Steingarts: die Kartellbr&uuml;der, nicht um diese Dinge sorgen m&uuml;ssen. Ihr Kopf ist frei f&uuml;r die wichtigen Dinge des Lebens und ihrer Unternehmen. &ndash; Deshalb lautet meine Gegenthese zur Anti-Sozialstaats-Polemik des Berliner Spiegel-B&uuml;ro-Chefs: Eine gut organisierte Sozialstaatlichkeit, die sich auch dadurch auszeichnet, dass die B&uuml;rger sich mit dieser Gestaltung ihres Zusammenlebens identifizieren und groben Missbrauch unterlassen, &auml;chten und bek&auml;mpfen, ist preiswert und vermittelt ein hoch produktives und Kreativit&auml;t f&ouml;rderndes Gef&uuml;hl der Sicherheit. Ich gebe allerdings zu, dass die seit 1982 andauernde neoliberale Agitation unsere Gesellschaft &ndash; anders als skandinavische Gesellschaften &ndash; schon so gespalten hat, dass dieser Faktor der Produktivit&auml;t erst wieder belebt werden muss. Die fortw&auml;hrend dramatisierenden und die Sozialstaatlichkeit miesmachenden Zeitgenossen vom Schlage Steingart haben einen bemerkenswerten Beitrag zu dieser Zerst&ouml;rungsarbeit geleistet.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>   <strong>Bei Steingart, wie in vielen anderen Werken, l&auml;uft wie ein roter Faden die Vorstellung durch den Text, alles sei neu, vor allem die Globalisierung habe es angeblich bisher nicht gegeben.<\/strong> Dies entspricht nicht den Tatsachen. Wir waren immer schon in den Weltmarkt integriert. Es gab immer schon Konkurrenz aus Asien; was wurde nicht alles geschrieben &uuml;ber die japanischen Pkws. In der Standortdebatte zu Beginn der neunziger Jahre wurden ganz &auml;hnliche Thesen vertreten wie heute von Steingart. Schon damals konnte man nachweisen, dass der Handelsaustausch mit den asiatischen L&auml;ndern enorm gestiegen war, dass aber auch unsere Lieferungen dorthin gestiegen waren und am Ende h&ouml;her als die Eink&auml;ufe von dort. Auch heute steigt der Warenaustausch, auch Deutschlands Exporte nach China steigen. Dazu siehe auch den erw&auml;hnten Beitrag von Heiner Flassbeck.<br>\n      &Uuml;brigens behauptet Steingart, den asiatischen Menschen sei fr&uuml;her &bdquo;die Teilnahme an der internationalen Arbeitsteilung des Westens verwehrt worden&ldquo;. Das ist wie oben beschrieben nicht wahr und eine der &uuml;blichen &Uuml;bertreibungen, von denen die Schriften des Spiegel-Autors leben.<br>\n      Die internationale Verflechtung ist wirklich kein neues Ph&auml;nomen. Es gab auch schon immer Kapitalbewegungen und die Wanderung von Arbeitnehmern, es wurden immer schon Filialen im Ausland aufgemacht und Produktionen verlagert. Die Dimension ist heute eine andere. Aber dass damit eine neue Qualit&auml;t erreicht sei, ist aus meiner Sicht falsch. Wir empfinden es so, weil sich hierzulande nichts Ausreichendes f&uuml;r die St&auml;rkung des Binnenmarktes und der Binnennachfrage tut.\n<p>      Das Tempo der Verflechtung l&ouml;st &uuml;brigens immer neue Strukturver&auml;nderungen aus. Manche Industriesektoren leiden unter der massiven Konkurrenz, andere gewinnen. Es gibt deshalb gute Gr&uuml;nde daf&uuml;r, von der Politik zu verlangen, diesen Anpassungsprozess zu gestalten. Siehe dazu auch Ziffer 9, 10 und folgende.<\/p><\/li>\n<li>   <strong>Schon ein ganzes St&uuml;ck neuer ist die Beobachtung, dass wir in einer globalisierten Welt unsere eigenen wirtschaftspolitischen Hausaufgaben nicht richtig erledigen. Bei Steingart kommt jedoch das Versagen der makro&ouml;konomischen Seite der deutschen Wirtschaftspolitik nicht vor. Er tut so, als sei das Ergebnis einer nun &ndash; mit Unterbrechungen &ndash; 25 Jahre w&auml;hrenden Strangulierung der Binnennachfrage strukturbedingt, eine Folge des angeblich neu erschienenen Weltmarktes.<\/strong> &Uuml;brigens: Mitte der 70er Jahre waren mehr Gastarbeiter hier als heute. Warum f&auml;llt die Konkurrenz durch ausl&auml;ndische Arbeitnehmer dennoch heute mehr auf? Weil unsere Konjunktur schlechter ist. Weil es an Binnennachfrage fehlt. Weil wir den heimischen Markt vernachl&auml;ssigen. Auch Steingart ist v&ouml;llig fixiert auf Export und Import. Die viel gr&ouml;&szlig;ere Dimension dessen, was hier im Land und vor allem im gro&szlig;en Binnenmarkt Europa geschieht, interessiert ihn nur wenig. Er ist fixiert auf China und Indien. Und noch ein bisschen auf die osteurop&auml;ischen Staaten.<br>\n      Die hier beschriebene Schieflage von Steingart wird besonders sichtbar in seinem Kapitel &uuml;ber die &bdquo;Trag&ouml;die der Gewerkschaften&ldquo;. Da behauptet er, die St&auml;rke der Gewerkschaften in der fr&uuml;heren Zeit zwischen Kriegsende und dem Auftauchen der Chinesen sei die Folge dessen gewesen, dass die Fabrikbesitzer keine andere Wahl gehabt h&auml;tten &bdquo;als bei den Gewerkschaften einzukaufen&ldquo;, &bdquo;denn es gab den nationalen und bestenfalls noch den westlichen Arbeitsmarkt, aber keinen Weltarbeitsmarkt&hellip;&ldquo; Diese Beschreibung ist fern jeder Realit&auml;t. Auch in den f&uuml;nfziger, sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts standen die deutschen Arbeitnehmer in Konkurrenz mit den Arbeitnehmern anderer L&auml;nder, die nach Deutschland exportierten. Ganze Branchen sind in jener Zeit verschwunden, jedenfalls geschrumpft, weil die Konkurrenz von au&szlig;en zu massiv und einfach gut war: die Fotoindustrie, die Schuhindustrie, die Lederwarenindustrie, die Z&uuml;ndholzproduktion, gro&szlig;e Teile der Textilindustrie &ndash; das sind nur einige Beispiele. Das Kapitel &uuml;ber Gewerkschaften (Link Nr. A. 3) strotzt &uuml;brigens von H&auml;me. Dieser Autor hat von den Gr&uuml;nden f&uuml;r die im Grundgesetz gesch&uuml;tzte Koalitionsfreiheit der Arbeitnehmer nichts begriffen &ndash; von der Tatsache n&auml;mlich, dass die gro&szlig;e Zahl der nicht verm&ouml;genden Arbeitnehmer der anderen Seite, den Anbietern von Arbeitspl&auml;tzen, hilflos ausgeliefert ist, wenn sie sich nicht zusammentun. H&auml;tte Steingart dies begriffen, w&uuml;rde er sich nicht so freuen &uuml;ber den Druck auf die L&ouml;hne.<\/li>\n<li>  <strong>Auch wird Steingart bei der Skizze der politischen Gestaltungsm&ouml;glichkeiten zum Gegensteuern sehr unkonkret. Was tun, um die von ihm als neu betrachtete Globalisierung zu gestalten?<\/strong><br>\n      Die Haupt&uuml;berschrift des Beitrags Nummer 6 lautet zwar &bdquo;Der Westen muss sich wehren &ndash; oder er scheitert.&ldquo; Aber dann sucht man vergebens nach konkreten und umsetzbaren Vorschl&auml;gen f&uuml;r die Handelspolitik zum Beispiel. Der Verweis auf die Usancen in den USA, die auch eher politischer Natur sind und ziemlich unkritisch, was den dortigen Einfluss spezieller einseitiger Lobbys betrifft, ist nicht sehr hilfreich und keinesfalls konkret. Ich teile die Ansicht des Autors, dass Deutschland und Europa eine aktivere Handelspolitik betreiben m&uuml;ssten. Wir m&uuml;ssten die Anpassungsprozesse an die Exporte aus China zum Beispiel steuern, uns gegen Dumping wehren, und so weiter. Aber bei Steingart lerne ich daf&uuml;r nicht viel. Ich lerne in den hier zur Diskussion stehenden Texten auch nichts dar&uuml;ber, wie wir mit &bdquo;Heuschrecken&ldquo; besser umgehen. Zumindest die Steuerbefreiung wieder abzuschaffen w&auml;re aber wichtig, wenn man erschweren will, dass neben den angels&auml;chsischen Hedgefonds zum Beispiel die Chinesen und Inder mit dem durch Export&uuml;bersch&uuml;sse angeh&auml;uften Kapital gute Unternehmen aufkaufen und fleddern. &Uuml;brigens suche ich vergebens bei Steingart eine Analyse der Umstellung der Kapitalm&auml;rkte und ihrer Folgen. Heute haben internationale Investoren zunehmend Einfluss auf Unternehmen in Deutschland. Das ist nicht ganz neu, aber es hat eine Dimension gewonnen, die f&uuml;r unsere Volkswirtschaft erstens teuer ist und zweitens die M&ouml;glichkeiten zur Steuerung einschr&auml;nkt. Die Aufl&ouml;sung der so genannten Deutschland AG (das ist nicht meine Sprache) hat ihre Konsequenzen. Sie hat die Gestaltungsm&ouml;glichkeiten weiter eingeschr&auml;nkt.\n<p>      F&uuml;r Steingart ist das (zumindest in den bisher ver&ouml;ffentlichten Texten) kein Thema. Hat dies vielleicht damit zu tun, dass er eng an DB Research, also an der Forschungsabteilung der Deutschen Bank, dran h&auml;ngt. In seinem letzten Buch konnten wir lesen, dass er sich f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung durch Norbert Walter und seine Gruppe bedankte. Die Deutsche Bank des Josef Ackermann profitiert vom Gesch&auml;ft mit den &bdquo;Heuschrecken&ldquo;.<\/p><\/li>\n<li>  <strong>Steingart unterschl&auml;gt unsere eigenen M&ouml;glichkeiten, in der Konkurrenz mit den asiatischen L&auml;ndern und auf dem Weltmarkt insgesamt auch k&uuml;nftig zu bestehen.<\/strong> Dazu zun&auml;chst:<\/li>\n<li>  <strong>Steingart tut so, als m&uuml;ssten sich die L&ouml;hne weltweit angleichen, was bei uns eine Angleichung nach unten bedeuten w&uuml;rde. Vermutlich w&uuml;nscht er das auch.<\/strong> Er spricht vom Weltarbeitsmarkt. Er behauptet in diesem Zusammenhang, die Staaten des Westens seien auf dem Arbeitsmarkt bisher weitgehend unter sich geblieben. Schon das stimmt nicht. Wenn ein Land wie wir in den sechziger und siebziger Jahren 2 Millionen Gastarbeiter hierher holt, dann sind wir nicht unter uns geblieben.<br>\n      So wie bei dieser Behauptung geht er auch bei seiner Behauptung, es gelte dann auch international &bdquo;Gleicher Lohn f&uuml;r gleiche Arbeit&ldquo;, gro&szlig;z&uuml;gig &uuml;ber die Realit&auml;ten hinweg: Die L&ouml;hne in Stuttgart sind h&ouml;her als in Mecklenburg-Vorpommern und dennoch ist Stuttgart konkurrenzf&auml;higer als Mecklenburg-Vorpommern; die L&ouml;hne sind in Portugal niedriger als in Deutschland und dennoch hat uns Portugal noch nicht &uuml;berholt.<br>\n      Steingart erweist sich bei seinen Thesen zu der Lohnangleichung als ziemlich einf&auml;ltig. Denn w&uuml;rde er nur ein bisschen die Realit&auml;t wahrnehmen, dann m&uuml;sste er wissen, dass eine Reihe anderer Faktoren in die Kalkulationen der Unternehmen mit eingehen: die Produktivit&auml;t der Arbeitnehmer, die Produktivit&auml;t des Landes, seine Verkehrsinfrastruktur, die Vorteile von industriellen Regionen mit Unternehmen hoher Produktivit&auml;t und Lieferkapazit&auml;t, die Verl&auml;sslichkeit und der Bildungsstand der Arbeitnehmer, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, ihre G&uuml;ltigkeit und die Durchsetzbarkeit von zivilrechtlichen Forderungen, das gesamte Ambiente einschlie&szlig;lich der inneren Sicherheit, der kulturelle Reichtum und die &ouml;kologische Belastung beziehungsweise Entlastung &ndash; alle diese Faktoren gehen in die Kalkulationen ein. Deshalb zum Beispiel ist der deutsche Maschinenbau trotz hoher L&ouml;hne weltweit konkurrenzf&auml;hig und hat seine Wertsch&ouml;pfung und seine Exporte in den letzten Jahren immer wieder ausgebaut. F&uuml;r andere Bereiche gilt das &auml;hnlich. F&uuml;r andere nicht.<\/li>\n<li>  <strong>Weil Steingart diese anderen Faktoren &uuml;bersieht, weil er ein primitives Kostenkalkulationsmodell hat, in das nur L&ouml;hne und Lohnebenkosten eingehen, vermag er nicht zu bewerten und zu w&uuml;rdigen, dass Deutschland nach wie vor einen Export&uuml;berschuss hat.<\/strong> Wenn die L&ouml;hne und der von Steingart gebrandmarkte Sozialstaat und die aus ihm folgenden Lohnnebenkosten allein entscheidend w&auml;ren, dann d&uuml;rfte Deutschland nichts mehr exportieren und schon gar nicht einen so hohen Leistungsbilanz&uuml;berschuss erreichen. Steingart &uuml;bersieht deshalb auch die Aktionsm&ouml;glichkeiten unseres Landes jenseits der au&szlig;enwirtschaftlichen Elemente: die Infrastruktur auf Vordermann bringen, die Produktivit&auml;t der Menschen steigern durch Bildung und Ausbildung, die &ouml;kologischen Belastungen gering halten und so weiter. Wenn man in diesen Bereichen eine kluge Politik betreibt, dann ist die Lohnangleichung nicht n&ouml;tig.<\/li>\n<li>  <strong>Dass Steingart in diesem Bereich so falsch analysiert und zu falschen Schl&uuml;ssen kommt, hat vermutlich etwas damit zu tun, dass er die &ouml;konomische Theorie vom komparativen Kostenvorteil noch nie geh&ouml;rt oder nicht verstanden hat. <\/strong>Diese besagt grob formuliert, dass auch dann, wenn einer von zwei Handelspartnern alle G&uuml;ter billiger produzieren sollte, ein vorteilhafter Handelsaustausch zwischen beiden L&auml;ndern stattfinden kann. Wenn Portugal, so das historische Beispiel (nach meiner Erinnerung an das Studium), sowohl Wein als auch Textilien billiger produzieren kann als Gro&szlig;britannien, dann wird dennoch ein Handel sinnvoll und n&uuml;tzlich: Portugal produziert Wein klimabedingt mit einem eindeutigen komparativen Vorteil und liefert diesen und bezieht Textilien aus Gro&szlig;britannien. Auf heute und Deutschlands Handel mit China &uuml;bertragen: wir k&ouml;nnten auch dann noch Maschinen liefern, wenn China in vielen anderen Bereichen wie auch im Maschinenbau billiger produziert. Allerdings ist dabei immer noch unterstellt, dass die Chinesen nicht so irrational sind wie Herr Steingart und meinen, sie k&ouml;nnten uns alles und wir nichts liefern, und von den angesammelten Forderungen an uns leben.<\/li>\n<li>  <strong>Hier wie in vielen anderen F&auml;llen leben die Texte von Steingart immer wieder von ma&szlig;loser &Uuml;bertreibung.<\/strong> Das ist das eigentliche Lebenselixier seiner Texte. Wenn man diese &Uuml;bertreibungen auf ihren Realit&auml;tsgehalt pr&uuml;ft und reduziert, dann l&ouml;sen sich die meisten seiner Thesen in hei&szlig;e Luft auf.\n<p>      Steingart behauptet, es gebe einen Weltarbeitsmarkt. Den gibt es nicht, auch wenn die Zusammenh&auml;nge enger geworden sind. Er tut so, als st&uuml;nden 1,2 Milliarden Chinesen, Inder u.a.m. vor unserer T&uuml;r. Das trifft aber nicht zu. Nicht einmal die Mehrheit der Polen will nach Deutschland auswandern und hier arbeiten. Wenn ihre L&ouml;hne nur ein bisschen steigen, dann bleiben sie lieber in ihrer Heimat. &ndash; Steingart schwadroniert von der De-Industrialisierung. Auch das ist &uuml;bertrieben und wird nicht dadurch richtig, dass diese These heute auf allen Fluren unserer Meinungsmacher verbreitet wird. Auch hier ist ein Hinweis auf den Maschinenbau angebracht: die Maschinen sind konkret, in der Regel aus Metall und in Industriebetrieben hergestellt.<\/p><\/li>\n<li>  <strong>Der Autor Steingart hat vermutlich nicht verstanden, dass sich die Position eines Landes auf dem Weltmarkt, die ihren Niederschlag in der Leistungsbilanz des Landes findet, aus den Wirtschaftsbeziehungen mit vielen und unterschiedlichen L&auml;ndern zusammensetzt.<\/strong> Aus der bilateralen Bilanz mit China zum Beispiel kann ich in der Regel wenig, auf jeden Fall kein abschlie&szlig;endes Urteil &uuml;ber unsere Weltmarktposition und -st&auml;rke ableiten. Erst der Gesamtsaldo sagt etwas &uuml;ber die Position auf dem Weltmarkt und &uuml;ber m&ouml;gliche Gefahren. Schon diesen einfachen Zusammenhang hat Steingart nicht verstanden und kommt deshalb bei der Betrachtung von China und Indien zu dem Alarmismus, der seinen Text von vorn bis hinten durchzieht. Solange ein Land wie Deutschland einen so massiven Leistungsbilanz&uuml;berschuss hat und damit selbst ein Problem f&uuml;r andere L&auml;nder und f&uuml;r die Weltwirtschaft darstellt, sollte es sich mit Klagen &uuml;ber die Exportst&auml;rke Chinas zur&uuml;ckhalten. Sowohl Indien als auch die neuen Konkurrenten in Mittel- und Osteuropa haben keinen positiven Leistungsbilanzsaldo.<\/li>\n<li>  <strong>Steingart ist ein Merkantilist. Er hat offensichtlich nicht richtig gelernt, in so genannten real terms zu denken. <\/strong>Andernfalls w&uuml;sste er, dass es einem Land nun wirklich nichts n&uuml;tzt, auf Dauer Export&uuml;bersch&uuml;sse zu erzielen. Bleiben wir zur Demonstration dieses Problems bei uns: Was haben wir davon, wenn wir immer wieder Export&uuml;bersch&uuml;sse im Verh&auml;ltnis zu dem Rest der Welt erzielen. Wir erwerben damit Forderungen zum Beispiel an die amerikanischen Banken, den Staat oder bunkern Dollars. Wir essen aber keine Dollars, sondern Bananen zum Beispiel. Auch die Chinesen werden sp&auml;testens dann, wenn der Wert ihrer Dollar-Forderungen zusammenbricht, merken, dass eine internationale Wirtschaftsordnung nur funktionieren kann, wenn auf lange Sicht die Handels- und Dienstleistungsstr&ouml;me einigerma&szlig;en ausgeglichen sind. Solche Erw&auml;gungen aber sind dem flotten Spiegel-Autor fremd, obwohl er das Risiko eines Dollarsturzes abhandelt. (Siehe Link Ziffer A. 5.)<\/li>\n<li>  Steingart arbeitet unterschwellig mit dem alten Horrorbild von der gelben Gefahr. <strong>Er sch&uuml;rt die Angst vor wirtschaftlich aufstrebenden L&auml;ndern in Asien. Die schiere Gr&ouml;&szlig;e ist bei ihm ein Argument und Anlass f&uuml;r Sorge.<\/strong> Auch das ist eine eigenartige Sicht der Dinge. Denn wir sind in Europa von einer Reihe von kleinen Volkswirtschaften umgeben, die auch als kleine L&auml;nder &uuml;berleben, vergleichsweise sehr gut sogar: die Schweiz, Luxemburg, die Niederlande, D&auml;nemark, Schweden, Slowenien, &Ouml;sterreich, usw. Sie alle sind kleiner als wir und dennoch erfolgreich in der internationalen Verflechtung.\n<p>      Die Angst vor China und anderen asiatischen Staaten wird in dem letzten hier einbezogenen Text von Steingart (Nr. 7) massiv genutzt und missbraucht. Schon der Titel des Buches &bdquo;Weltkrieg um Wohlstand&ldquo; macht klar, um was es geht. Um eine militante Auseinandersetzung mit einem &bdquo;Termitenstaat&ldquo;. Steingart behauptet, &uuml;berall in Asien w&uuml;rden wir auf eine Gleichg&uuml;ltigkeit gegen&uuml;ber den westlichen Werten sto&szlig;en. Und dann z&auml;hlt er eine Reihe von Werten auf. Darin enthalten sind sogar die &bdquo;soziale Umrahmung des Arbeitsalltags&ldquo; und die Umwelt. Da denkt man als Leser schon: Bravo, der Mann hat es kapiert. Aber denkste. Zwei Abs&auml;tze sp&auml;ter schon empfiehlt er, unsere Betriebsr&auml;te zu domestizieren, die Umweltgesetze zu lockern und die soziale Absicherung an den Einzelnen beziehungsweise die Familie abzugeben, das hei&szlig;t aufzugeben. So viel sind ihm unsere Werte wert?! Nicht einmal einen d&uuml;nnen Gedanken daran, dass man die Werte realisieren und dennoch im Wettbewerb bestehen kann. Alles n&ouml;tige dazu ist zuvor erl&auml;utert.<br>\n      Und dann kommt die L&ouml;sung bei dem gro&szlig;en Autor Steingart: Eine &bdquo;NATO f&uuml;r die Wirtschaft&ldquo;. Donnerwetter denkt man da und erwartet die Konkretisierung. Ein M&auml;uschen, noch dazu ein getr&auml;umtes M&auml;uschen: &bdquo;eine transatlantische Freihandelszone.&ldquo; &ndash; Was soll das denn bringen? Wie soll das denn gehen &ndash; wir werden uns mit den Amerikanern doch heute schon nicht einig &uuml;ber das Verschwinden von Z&ouml;llen? Wie sollten wir uns einig werden &uuml;ber die Gestaltung einer solchen Freihandelszone und &uuml;ber die gemeinsame Politik dieser Region nach au&szlig;en, mit einer Nation, die von starken Lobbys gepr&auml;gten Protektionismus betreibt? Dieser Gedanke ist auch deshalb ziemlich abwegig, weil er in einer Zeit formuliert wird, in der die amerikanische Politik zunehmend fast religi&ouml;s ideologisiert wird. Wir w&auml;ren evangelikalen Fundamentalisten direkt ausgesetzt. Wir m&uuml;ssten den Kampf gegen den Terror, wie ihn die Amerikaner verstehen, mitmachen. Wir w&uuml;rden auch noch weiter auf die schiefe Bahn gehoben, immer mehr und immer mehr zu meinen, internationale Konflikte mit milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen zu l&ouml;sen. Und wir w&auml;ren ganz schnell Mitspieler und Teilhaber der Auslandsverschuldung der USA, die der Autor Steingart in einem anderen Kapitel doch so dramatisch schildert.<br>\n      Au&szlig;erdem w&uuml;rden wir in einer solchen Freihandelszone auch noch die letzten M&ouml;glichkeiten aufgeben, etwas gegen das Fleddern wichtiger deutscher Betriebe durch angels&auml;chsische Investoren zu unternehmen, jedenfalls die Steuerbefreiung ihrer Ver&auml;u&szlig;erungs-Gewinne endlich wieder aufzuheben.<\/p>\n<p>      Sch&ouml;n an dem Beitrag &bdquo;Drei Gr&uuml;nde f&uuml;r eine NATO der Wirtschaft&ldquo; ist das offene Bekenntnis des Autors, dass hier von ihm eine Idee propagiert wird, die in gleicher Weise das Herz unserer Bundeskanzlerin bewegt. Wenn man den Text liest, denkt man unwillk&uuml;rlich, Gabor sitzt auf Angelas Scho&szlig; und spricht f&uuml;r sie.<br>\n      Dieses Kapitel sollten Sie wirklich lesen. Es ist so einf&auml;ltig und es ist in einer m&auml;rchenhaft blumigen Sprache geschrieben. Vom &bdquo;asiatischen Steigflug&ldquo; ist die Rede, davon dass sich unsere &bdquo;Flugbahnen nicht st&auml;ndig in die Quere kommen&ldquo; sollen (gemeint sind Exporte und Importe zum Beispiel), vom &bdquo;Aufwind, der am Boden Turbulenzen ausl&ouml;st&ldquo; und von &bdquo;der milderen Thermik, die andere mitzieht in die h&ouml;heren L&uuml;fte&ldquo;.<br>\n      Das sollten sie wirklich lesen, um endlich mal wieder befreit laut lachen zu k&ouml;nnen.<\/p><\/li>\n<li>  Ein bisschen ernster ist dann schon <strong>die Tatsache, dass Steingart in diesem eigentlich wirtschaftspolitischen Buch so nebenbei versucht, noch ein paar sicherheitspolitische Eintr&auml;ge in die Geschichtsb&uuml;cher fest zu mei&szlig;eln<\/strong>: An der Richtigkeit des Nachr&uuml;stungsbeschlusses darf es keine Zweifel mehr geben. Und die NATO hat den entscheidenden Beitrag zum Ende des Ost-West-Konflikts geleistet. Kein Wort von der Entspannungspolitik. Kein Wort von dieser Voraussetzung f&uuml;r die KSZE-Erfolge. Kein Wort davon, dass man beides, die Rolle der NATO und die Rolle des speziellen Falles Nachr&uuml;stungs-\/Doppel-Beschluss, differenzierter sehen kann. <strong>Aber bei Steingart gibt es durchgehend kaum differenzierende Gedanken. Immer ex cathedra. Dieser Haltung nimmt den Leser von vorn bis hinten mit. Im doppelten Sinne dieses Satzes.<\/strong>\n<\/li>\n<li>  <strong>Interessant war &uuml;brigens die Abstimmung zwischen Spiegel und Bild.<\/strong> Genau in der Woche des Erscheinens der Artikel von Steingart kam Bild am 15.9. mit der Schlagzeile &bdquo;Schockbericht der Weltbank. Deutschland sozialistischer als China!&ldquo; und wenig sp&auml;ter erschien Steingart mit einem Interview in der Bild-Zeitung. Die Grenze zwischen Bild und Spiegel verschwimmt. <strong>Beide Bl&auml;tter sind auf dem gleichen Niveau angekommen.<\/strong> Steingart macht uns dies mit seinem neuen Buch noch mal deutlich klar.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen sind im Spiegel und in SpiegelOnline insgesamt sieben Ausz&uuml;ge aus dem neuen Buch von Gabor Steingart erschienen. Steingart ist Leiter des Berliner B&uuml;ros des Spiegel. Sein letztes Buch ist wohlwollend von M&uuml;ntefering vorgestellt worden. Auch seine jetzigen Thesen verfangen. 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