{"id":17747,"date":"2013-06-25T09:49:50","date_gmt":"2013-06-25T07:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17747"},"modified":"2015-08-09T09:40:48","modified_gmt":"2015-08-09T07:40:48","slug":"regierungsprogramm-von-cdu-und-cdu-1-merkel-2-weiter-so-3-weiter-so-mit-merkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17747","title":{"rendered":"Regierungsprogramm von CDU und CSU: \u201e1. Merkel; 2. Weiter so; 3.Weiter so mit Merkel\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das einzig Positive, was wir unseren Leserinnen und Lesern &uuml;ber das gestern (nat&uuml;rlich) einstimmig auf einem gemeinsamen &bdquo;Kongress&ldquo; von 600 geladenen G&auml;sten beschlossenen &bdquo;Regierungsprogramm 2013 &ndash; 21017&ldquo; von CDU und CSU versichern k&ouml;nnen, ist, dass Sie sich nicht der M&uuml;he unterziehen m&uuml;ssen, sich durch die 127 Seiten hindurch zu qu&auml;len. Denn Sie haben nahezu jeden Satz aus den Sprechblasen von Kanzlerin Merkel in der Vergangenheit sicherlich schon mehrfach geh&ouml;rt. Ausnahmsweise muss man dem in Journalistenkreisen als &bdquo;Kanzlerinnen-Z&auml;pfchen&ldquo; besp&ouml;ttelten Bild-Kolumnisten Hugo M&uuml;ller-Vogg einmal zustimmen: <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/news\/standards\/bild-kommentar\/kommentar-von-hugo-mueller-vogg-rot-gruen-gelbe-merkel-union-30955472.bild.html\">&bdquo;Genau genommen k&ouml;nnte die CDU\/CSU ihr Programm auf drei Punkte eindampfen: 1. Merkel; 2. Weiter so; 3.Weiter so mit Merkel&ldquo;<\/a>. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nAuch dem Kommentar von Hans Peter Sch&uuml;tz im &bdquo;stern&ldquo; kann ich mich anschlie&szlig;en: Merkels &ldquo;Regierungsprogramm&rdquo; ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde. In dem von selbstherrlichem Selbstlob strotzenden Text setzt sich der eklatante Widerspruch zwischen der Selbstdarstellung und der tats&auml;chlichen Politik der Kanzlerin (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16450\">Stephan Hebel<\/a>) nahtlos fort. Die Verfasser dieses Papiers haben offenbar mit Copy and Paste die besch&ouml;nigenden Worth&uuml;lsen der &bdquo;Teflon&ldquo;-Kanzlerin zusammengef&uuml;gt, mit denen sie es bisher verstanden hat, sich gegen&uuml;ber SPD und Gr&uuml;nen und gegen&uuml;ber den Mainstream-Medien unangreifbar zu machen. <\/p><p>Regelm&auml;&szlig;ige Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten k&ouml;nnten nahezu jeden Absatz dieses &bdquo;Programms&ldquo; gegen den Strich b&uuml;rsten und damit die Besch&ouml;nigungen, die Realit&auml;tsverdr&auml;ngungen, ja die L&uuml;gen offen legen. Ich will Ihnen das an dieser Stelle ersparen, denn sonst brauchte ich gleichfalls &uuml;ber hundert Seiten. CDU und CSU bauen offenbar auf den Orwellschen Satz, der sinngem&auml;&szlig; lautet, wenn man die L&uuml;gen nur oft genug wiederholt, dann werden sie zur Wahrheit. Wie weit die ideologische Verbr&auml;mung der Wirklichkeit schon zur Wahrheit geworden ist, zeigt sich an der Kritik von SPD und Gr&uuml;nen, die sich gar nicht mehr inhaltlich mit dem den Programmaussagen auseinandersetzen, sondern vor allem die fehlenden &bdquo;Finanzierungsvorschl&auml;gen zu diesen wahnwitzigen Versprechen&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.spd.de\/103524\/20130624_gabriel_steinbrueck_cdu_wahlprogramm.html\">kritisieren<\/a>.<\/p><p>Offenbar wird die Kluft zwischen Wirklichkeit und Regierungspropaganda schon gar nicht mehr gesehen. Da hei&szlig;t es in dem Programm pathetisch: &bdquo;Wir d&uuml;rfen unseren Kindern und Enkeln keinen immer gr&ouml;&szlig;er werdenden Schuldenberg hinterlassen.&ldquo; Dabei sind in der Kanzlerzeit Merkels die Schulden mehr angestiegen als unter jeder anderen Regierung.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/130625_entwicklung_der_staatsschulden.jpg\" alt=\"Entwicklung der Staatsschulden\" title=\"Entwicklung der Staatsschulden\"><\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/154798\/umfrage\/deutsche-staatsverschuldung-seit-2003\/\">Statista<\/a><\/p><p>Der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/muenchhausen-check-regierungsprogramm-der-cdu-csu-a-906620.html\">Spiegel rechnet vor<\/a>, dass allein von Ende 2009 bis Ende 2012 die Staatsverschuldung von 1768,9 Milliarden auf 2166,3 Milliarden Euro zunahm und dieser schwarz-gelben Regierungszeit nahezu ein F&uuml;nftel der &ouml;ffentlichen Schulden zu &bdquo;verdanken&ldquo; sind.  <\/p><p>Die Besch&ouml;nigungen beginnen schon im dritten Satz: &bdquo;Es geht darum, ob Deutschland ein starkes und erfolgreiches Land bleibt. Ein Land mit einem stabilen Euro, in dem die Menschen sichere Arbeitspl&auml;tze haben und f&uuml;r sich und ihre Familien sorgen k&ouml;nnen. Ein Land, in dem jeder Mensch die Chance hat, aus seinem Leben etwas zu machen und zugleich bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Pflege oder im Alter gut abgesichert ist.&ldquo;<\/p><p>Haben wir tats&auml;chlich sichere Arbeitspl&auml;tze? Ist es nicht vielmehr so, dass inzwischen fast die H&auml;lfte der Neueinstellungen (44 %) <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17713#h11\">befristet erfolgt<\/a>. K&ouml;nnen die <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/PresseService\/Presse\/Pressemitteilungen\/2012\/09\/PD12_308_62.html;jsessionid=58223F34505E484A029E8FA6CF81A8D0.cae2\">&uuml;ber 22 % im Niedriglohn Besch&auml;ftigten<\/a> tats&auml;chlich f&uuml;r sich und ihre Familien sorgen. Hat nicht gerade dieser Tage sogar die gewiss regierungsfreundliche Bertelsmann Stiftung <a href=\"http:\/\/www.chancen-spiegel.de\/\">festgestellt<\/a>, dass von Chancengleichheit keine Rede sein kann. Und haben CDU, CSU und FDP das Risiko der Altersarmut f&uuml;r Millionen Menschen nicht sogar noch <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/gastkolumnen\/butterwegge\/versagen-von-cdu-csu-und-fdp-altersarmut-ein-armutszeugnis-fuer-die-bundesregierung_aid_1024480.html\">erh&ouml;ht<\/a>? Liegt etwa nicht jede zweite Rente unter dem Sozialhilfesatz? <\/p><p>&bdquo;F&uuml;r unsere Jugend gibt es ausreichend Ausbildungspl&auml;tze&ldquo;, hei&szlig;t es da. Stehen aber nicht etwa rund 300.000 Jugendliche in der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14967\">Warteschleife des &Uuml;bergangssystems<\/a>? <\/p><p>&bdquo;Das neue Deutschlandstipendium ist gut angelaufen&ldquo; wird in dem Programm behauptet. Aber <a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++5454224c-c472-11e2-a9f1-00188b4dc422\">gerade einmal 14.000<\/a> dieser Stipendien (0,6 % der Studierenden) wurden abgerufen.<\/p><p>&bdquo;Die Besch&auml;ftigungssituation von Nachwuchs-Wissenschaftlern hat sich positiv entwickelt&ldquo;, wird vollm&uuml;ndig verk&uuml;ndet. Sind aber nicht &uuml;ber 80 Prozent der Berufseinsteiger an Hochschulen <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/42005_42026.htm\">befristet besch&auml;ftigt<\/a>?<\/p><p>Oder: &bdquo;Die Anstrengungen der internationalen Verb&uuml;ndeten, die Sicherheitslage in Afghanistan zu verbessern und stabile Strukturen aufzubauen, tragen Fr&uuml;chte.&ldquo; Zeigte sich aber nicht etwa selbst Verteidigungsminister de Maizi&egrave;re vor wenigen Tagen <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/asien\/afghanistan-de-maiziere-beunruhigt-ueber-sicherheitslage-12239134.html\">&bdquo;beunruhigt &uuml;ber die Sicherheitslage&ldquo; in Afghanistan<\/a>? <\/p><p>Wie gesagt, man k&ouml;nnte das gesamte Wortgeklingel, von der &bdquo;erfolgreichen Besch&auml;ftigungs- und Wirtschaftspolitik&ldquo;, &uuml;ber die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15631\">&bdquo;Rekordbesch&auml;ftigung&ldquo;<\/a>, die &bdquo;strengen Regeln f&uuml;r die Finanzm&auml;rkte, die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17717\">&bdquo;Bildungsrepublik Deutschland&ldquo;<\/a>, &bdquo;Willkommenskultur schaffen&ldquo; bis zu &bdquo;Deutschlands Zukunft in Europa&ldquo; durchgehen, an jeder Stelle k&ouml;nnte man Fakten gegen die in dem  Programm verbreitete Ideologie stellen.<\/p><p>Weder geh&ouml;rt die Ablehnung des kommunalen Wahlrechts und der doppelten Staatsb&uuml;rgerschaft zur &bdquo;Willkommenskultur&ldquo;, noch bietet der in dem Programm weiter vertretene Austerit&auml;tskurs eine &bdquo;Zukunft&ldquo; f&uuml;r Europa. <\/p><p>Hinter der in dem Programm gezeichneten Idylle steht eine ern&uuml;chternde Wirklichkeit.<br>\nEs geht auch k&uuml;nftig um die Umverteilung von unten nach oben: &bdquo;Nein zur Verm&ouml;gensteuer &ndash; Keine Erh&ouml;hung der Erbschaftsteuer&ldquo;. Die versprochene Erh&ouml;hung des Kinderfreibetrags f&uuml;hrt gleichfalls nur dazu, dass je h&ouml;her das Einkommen desto gr&ouml;&szlig;er die finanziellen Vorteile sind. <\/p><p>Es geht weiter mit der Losung: Sozial ist was Arbeit schafft. Egal zu welchem Lohn und zu welchen Bedingungen: &bdquo;Zeitarbeit, Minijobs und Teilzeitbesch&auml;ftigung geh&ouml;ren seit langem zum Arbeitsmarkt. Sie erm&ouml;glichen vielen Menschen den Einstieg in die Arbeitswelt&ldquo; &ndash; alle empirischen Daten sprechen dagegen. <\/p><p>&bdquo;Europa und der Euro kommen voran&ldquo;, ein Spruch, der f&uuml;r die Griechen, die Spanier oder die Portugiesen wie ein Schlag ins Gesicht ist. <\/p><p>CDU und CSU tun so, als h&auml;tten sie mit der Finanzkrise nichts zu tun, als w&auml;re sich wie ein Unwetter aus heiterem Himmel &uuml;ber uns gekommen: &bdquo;Deutschland und Europa erlebten (!) die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.&ldquo;<\/p><p>Nicht ohne chauvinistischen Populismus steht die &bdquo;Wettbewerbsideologie&ldquo; &uuml;ber allem: &bdquo;F&uuml;r viele in Europa und in der Welt ist Deutschland heute ein Vorbild, wenn es um gute Politik f&uuml;r<br>\neine stabile und nachhaltige Entwicklung geht. Diese Erfolge bringen uns weltweit Anerkennung ein.&ldquo; Deutschland sei zum &bdquo;Stabilit&auml;tsanker und Wachstumsmotor<br>\nEuropas geworden&ldquo;. Wohl dadurch, dass wir viel mehr exportieren als importieren und unsere s&uuml;dlichen Nachbarn niederkonkurrieren? <\/p><p>Die Politik der milit&auml;rischen Interventionen zur Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen wird festgeschrieben: &bdquo;Die Europ&auml;ische Union braucht eine strategische Diskussion, was sie mit zivilen Mitteln und milit&auml;rischen Eins&auml;tzen erreichen kann und will.&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Gemeinsam erfolgreich f&uuml;r Deutschland&ldquo; ist das &bdquo;Regierungsprogramm&ldquo; &uuml;berschrieben. &bdquo;Mitmachen! Einmischen! &ndash; Mehr B&uuml;rgerbeteiligung&ldquo; wird vorgegaukelt. Wie ernst solche Parolen zu nehmen sind, zeigt die Verabschiedung dieses Programms. Da wurden 600 G&auml;ste zu diesem Kongress eingeladen. Zu sagen hatten sie allerdings nichts, sie durften allenfalls noch applaudieren, denn verabschiedet wurde das Programm schon am Vortag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das einzig Positive, was wir unseren Leserinnen und Lesern &uuml;ber das gestern (nat&uuml;rlich) einstimmig auf einem gemeinsamen &bdquo;Kongress&ldquo; von 600 geladenen G&auml;sten beschlossenen &bdquo;Regierungsprogramm 2013 &ndash; 21017&ldquo; von CDU und CSU versichern k&ouml;nnen, ist, dass Sie sich nicht der M&uuml;he unterziehen m&uuml;ssen, sich durch die 127 Seiten hindurch zu qu&auml;len. 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