{"id":17806,"date":"2013-07-01T08:10:25","date_gmt":"2013-07-01T06:10:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17806"},"modified":"2015-08-09T09:57:44","modified_gmt":"2015-08-09T07:57:44","slug":"ard-sommerinterview-koalitionsspekulationen-und-fragen-die-aus-dem-konrad-adenauer-haus-kommen-konnten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17806","title":{"rendered":"ARD Sommerinterview: Koalitionsspekulationen und Fragen, die aus dem Konrad-Adenauer-Haus kommen k\u00f6nnten"},"content":{"rendered":"<p>Da verk&uuml;ndet Ulrich Deppendorf vor dem ersten Sommerinterview gro&szlig;spurig: &bdquo;Der Kollege Rainald Becker und ich m&ouml;chten nat&uuml;rlich von den Gespr&auml;chspartnern erfahren, was sie wirklich mit einem <a href=\"http:\/\/m.evangelisch.de\/artikel\/85735\/deppendorf-mir-sind-feurige-politiker-lieber\">Wahl- oder einem Regierungsprogramm<\/a> erreichen wollen.&ldquo;<br>\nDie H&auml;lfte der Fragen im ersten Sommerinterview mit der Gr&uuml;nen Karin G&ouml;ring-Eckardt hat jedoch rein gar nichts mit dem Wahlprogramm zu tun. Es geht wie &uuml;blich im Fernsehen um Personalisierung von Politik und um Koalitionsspekulationen.<br>\n&bdquo;Es gibt keinerlei Abstimmung bei den Fragen, das haben wir noch nie gemacht und das machen wir auch k&uuml;nftig nicht&ldquo;, verspricht Deppendorf weiter. Mit G&ouml;ring-Eckardt waren die Fragen sicherlich nicht abgestimmt, aber sie h&auml;tten auch aus der CDU-Zentrale im Konrad-Adenauer-Haus kommen k&ouml;nnen. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas waren die Fragen:<\/p><ol>\n<li><strong>Personalisierung von Politik:<\/strong>\n<p>&bdquo;Trittin f&uuml;hrt Sie (G&ouml;ring-Eckhardt) so, dass man Sie nicht wahrnehmen soll.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Sind Sie so etwas wie die Merkel der Gr&uuml;nen?&ldquo;<\/p>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong> Gerade durch das Fernsehen kam es zu einer Personalisierung von Politik in den Medien. Personalisierung hei&szlig;t aber Entsachlichung von Politik und eine oberfl&auml;chliche Vereinfachung politischer Prozesse. Der Soziologe Max Weber, nannte das einen Niedergang von &bdquo;rationaler&ldquo; zu &bdquo;charismatischer&ldquo; Herrschaft. Statt dass die Medien die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger instand setzen, komplexe politische Vorg&auml;nge zu durchschauen, st&uuml;rzen sie sich auf die Darstellung von Personen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Koalitionsspekulationen<\/strong>\n<p>Frage nach Schwarz-Gr&uuml;n: &bdquo;Bleiben Sie dabei, machen wir nicht.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Das hei&szlig;t, Sie erkl&auml;ren hier und heute verbindlich, falls es f&uuml;r Rot-Gr&uuml;n nicht reicht, Schwarz-Gr&uuml;n wird`s mit uns nicht geben.&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Erkl&auml;ren Sie auch verbindlich, dass Rot-Rot-Gr&uuml;n nicht zustande kommt?&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Auch nicht das Modell Nordrhein-Westfalen, wir lassen uns von den Linken tolerieren, wenn es zu einer Regierungsbildung kommt?&ldquo;<\/p>\n<p>&bdquo;Was sagen Sie eigentlich zu dem Kanzlerkandidaten der SPD, zu Peer Steinbr&uuml;ck, der ja erst kein Fettn&auml;pfchen ausgelassen hat und jetzt keinen sehr erfolgreichen Wahlkampf macht?&ldquo; <\/p>\n<p>&bdquo;Gabriel w&auml;re nicht der bessere Kandidat aus Sicht der Gr&uuml;nen?&ldquo;<\/p>\n<p><strong>Anmerkung:<\/strong> Koalitionsspekulationen sind das beliebteste Besch&auml;ftigungsprogramm f&uuml;r Journalisten. Auch damit kann man jedes sachliche Thema umgehen und Sachpolitik auf die Spekulation &bdquo;wer mit wem&ldquo; reduzieren. <\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Fragen aus dem Konrad-Adenauer-Haus:<\/strong><\/p><p>&bdquo;Nicht nur die SPD, auch sie stagnieren in den Umfragen,&hellip;haben Sie mit Ihren Steuerpl&auml;nen nicht aufs falsche Pferd gesetzt, m&uuml;ssen Sie nicht f&uuml;rchten, dass Ihnen die W&auml;hler laufen gehen, wenn sie ab 60.000 Euro Jahreseinkommen mehr zahlen m&uuml;ssen?&ldquo; <\/p><p>&bdquo;Warum wollen Sie unbedingt die Lastesel, die schon heute ein Drittel des Gesamtsteueraufkommens bezahlen,&hellip;nochmals besonders steuerlich bestrafen, Sie treffen damit den Mittelstand?&ldquo; <\/p><p>&bdquo;Das Ehegattensplitting wollen Sie nun auch noch f&uuml;r die &bdquo;Altehen&ldquo; abschaffen, verletzen Sie damit nicht den Vertrauensschutz einer ganzen Generation?&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Haben Sie ihr Ohr eigentlich noch an der Basis der Gr&uuml;nen, denn die Steuerpl&auml;ne sind ja da nicht der gro&szlig;e Renner, da wird der Tierschutz ganz oben gesehen, was ist da passiert?&ldquo;  <\/p><p>&bdquo;Wie wollen Sie eigentlich die Energiepreise stabil halten, das Ausland, alle, sch&uuml;ttelt gerade den Kopf &uuml;ber Deutschland, wie soll das geschehen?&ldquo; <\/p><p>&bdquo;Die Union macht die Energiewende, die schwarz-gelbe Bundesregierung legt jetzt noch ein Endlagersuchgesetz vor. &Auml;rgert Sie das nicht ma&szlig;los, dass die Regierung viele Ihrer Themen abr&auml;umt?&ldquo;  <\/p><p>&bdquo;H&auml;tten Sie als Spitzenkandidatin nicht vielleicht auch (in die T&uuml;rkei zum Gezi-Park) fahren m&uuml;ssen. Halten Sie es weiter f&uuml;r richtig Mitglied der EU werden soll?&ldquo;<\/p><p>&bdquo;Was machen Sie nach der Wahl?&ldquo; <\/p><p>Das waren s&auml;mtliche Fragen des ARD-Sommerinterviews.<\/p><p><strong>Anmerkung:<\/strong> Bislang konnte zwar niemand widerlegen, dass durch die Steuerpl&auml;ne der Gr&uuml;nen 90 Prozent der Steuerzahler nicht belastet oder sogar weniger Steuern bezahlen m&uuml;ssten, doch die ARD-Interviewer tischen die Behauptung von CDU und FDP auf, dass Einkommensbezieher von &uuml;ber 60.000 Euro im Jahr mehr Steuern bezahlen m&uuml;ssten.<\/p><p>Mit der zweiten Frage wiederholen die Interviewer die L&uuml;ge, die h&ouml;heren Einkommensbezieher w&uuml;rden ein Drittel des &bdquo;Gesamtsteueraufkommens&ldquo; bezahlen. Richtig ist, dass die Einkommensteuer gerade einmal ein Drittel der gesamten Steuereinnahmen ausmachen. (Siehe zur <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17287\">Steuerverteilung<\/a>)<\/p><p>Das Steuerthema wird von CDU und FDP in populistischer Manier als wichtigste Schlagwaffe gegen Gr&uuml;n und Rot genutzt. Auch Deppendorf und Becker machen sich diese Polemik zu Eigen. <\/p><p>Die Kritik, dass das Ausland &uuml;ber die Energiewende in Deutschland den Kopf sch&uuml;ttelt k&ouml;nnte auch von der FDP kommen.<\/p><p>Nicht dass man solche Fragen nicht auch stellen d&uuml;rfte, aber nur solche Fragen zu stellen, ist ein Beleg daf&uuml;r, dass unter der K&auml;seglocke des Berliner Journalistenzirkels der kritische Journalismus sich darauf reduziert, die Propagandaphrasen der etablierten Parteien zu wiederholen und ihnen dann gegenseitig vorzuhalten. Mit einer kompetenten und kritischen Auseinandersetzung mit Sachaussagen hat das kaum etwas zu tun. Die politische Diskussion wird so nicht in der Sache gef&uuml;hrt, sondern auf das Spektrum der parteipolitischen Propaganda eingeengt &ndash; und damit nat&uuml;rlich auf das Meinungskartell von CDU\/CSU\/FDP und SPD sowie Gr&uuml;nen. Journalismus gibt also nur noch den Ping-Pong-Ball f&uuml;r die etablierte Politik ab.<\/p><p>Nachdem die Medien an der Legende gestrickt haben, die Kanzlerin habe sich &bdquo;sozialdemokratisiert&ldquo;, vertreten die Interviewer des ARD-Sommerinterviews nun sogar auch noch die These, die Regierung habe die Themen der Gr&uuml;nen &bdquo;abger&auml;umt&ldquo;. Ein weiteres typisches Beispiel, wie oberfl&auml;chlich der Journalismus inzwischen geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da verk&uuml;ndet Ulrich Deppendorf vor dem ersten Sommerinterview gro&szlig;spurig: &bdquo;Der Kollege Rainald Becker und ich m&ouml;chten nat&uuml;rlich von den Gespr&auml;chspartnern erfahren, was sie wirklich mit einem <a href=\"http:\/\/m.evangelisch.de\/artikel\/85735\/deppendorf-mir-sind-feurige-politiker-lieber\">Wahl- oder einem Regierungsprogramm<\/a> erreichen wollen.&ldquo;<br \/> Die H&auml;lfte der Fragen im ersten Sommerinterview mit der Gr&uuml;nen Karin G&ouml;ring-Eckardt hat jedoch rein gar nichts mit dem Wahlprogramm zu tun.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17806\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[194,183,137,190],"tags":[1546,1396,1349,488],"class_list":["post-17806","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gruene","category-medienkritik","category-steuern-und-abgaben","category-wahlen","tag-ard","tag-goering-eckardt-katrin","tag-sommerinterview","tag-steuererhoehungen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17806","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17806"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17806\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17809,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17806\/revisions\/17809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17806"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}