{"id":1786,"date":"2006-10-11T09:46:39","date_gmt":"2006-10-11T07:46:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1786"},"modified":"2016-01-24T17:10:05","modified_gmt":"2016-01-24T16:10:05","slug":"die-grose-koalition-leidet-eher-unter-falschen-konzepten-und-konzeptionslosigkeit-als-unter-streitsucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1786","title":{"rendered":"Die gro\u00dfe Koalition leidet eher unter falschen Konzepten und Konzeptionslosigkeit als unter Streitsucht."},"content":{"rendered":"<p>Am 28.9. erschien ein Interview mit Altkanzler Helmut Schmidt in der &bdquo;Zeit&ldquo;. &Uuml;berschrift: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/40\/Historie-Grosse-Koalition\">&ldquo;Es gab keinen Streit. Helmut Schmidt &uuml;ber die Gro&szlig;e Koalition von 1966 &ndash; und &uuml;ber den fatalen Einfluss der Ministerpr&auml;sidenten heute&ldquo;<\/a>. Mich hat es bei Lekt&uuml;re dieses Interviews schon gereizt, etwas dazu zu schreiben. Ich lie&szlig; davon ab, weil ich die alten M&auml;nner nicht gerne kritisiere. Jetzt kommt aber auch noch Erhard Eppler mit einem &auml;hnlichen Tenor in der Frankfurter Rundschau. Sein Beitrag &uuml;ber die gro&szlig;e Koalition ist &uuml;berschrieben mit: <a href=\"http:\/\/www.f-r.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/?em_cnt=985839\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.f-r.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/?em_cnt=985839\">&ldquo;Undiszipliniertes Palaver&rdquo;<\/a>.<br>\nDie Aussagen sind sachlich nicht ganz richtig. Auch zwischen Dezember 1966 und September 1969 gab es Konflikte. Noch wichtiger: die beiden Altpolitiker erwecken den Eindruck, als sei das Hauptproblem der heutigen Gro&szlig;en Koalition der Streit und die Disziplinlosigkeit.<!--more--><\/p><p>Wenn Helmut Schmidt davon spricht, es h&auml;tte keinen Streit gegeben, oder Erhard Eppler meint, die damaligen Minister h&auml;tten sich an das Ressortprinzip gehalten, dann haben beide Wichtiges vergessen: Der &ndash; immerhin von Erhard Eppler erw&auml;hnte &ndash; Streit um die Anerkennung der DDR durch andere Staaten hat sich &uuml;ber l&auml;ngere Zeit und durchaus mit Blessuren hingezogen. &ndash; Der damalige Wirtschaftsminister Karl Schiller hat permanent in andere Ressorts hineinregiert und sich auch &ouml;ffentlich zu Problemen jenseits seines eigenen Ressorts ge&auml;u&szlig;ert. Seine damalige Grundsatzabteilung, die Abteilung I, hatte mehrere Unterabteilungen und Referate, die andere Ressorts widerspiegelten. Das war ein Relikt aus der Zeit des Konfliktes zwischen Ludwig Erhard als Wirtschaftsminister und Konrad Adenauer als Bundeskanzler. Ludwig Erhard hatte das Wirtschaftsministerium zu einer Art Kontrollressort ausgebaut. Karl Schiller hat die personellen und sachlichen M&ouml;glichkeiten weidlich ausgenutzt. &ndash; Aber auch der konkurrierende Bundesfinanzminister Franz Josef Strau&szlig; hat sich nach getaner gemeinsamer Arbeit zur &Uuml;berwindung der Rezession immer wieder in Belange des Wirtschaftsministers eingemischt. Der Bundeswirtschaftsminister war damals n&auml;mlich f&uuml;r die W&auml;hrungspolitik verantwortlich. Beginnend mit dem Sommer 1968 und endend mit dem Wahltermin 1969 haben sich die beiden fast bis aufs Messer &ouml;ffentlich und dar&uuml;berhinaus W&auml;hrungsspekulationen ausl&ouml;send um die Frage gestritten, ob die D-Mark gegen&uuml;ber dem Dollar aufgewertet werden soll. Das war ein riesiger Streit, es wurde im Novembers 1968 eigens eine internationale Konferenz nach Bonn einberufen. Sie endete mit einer Hilfskonstruktion. Schiller konfrontierte dann ein halbes Jahr sp&auml;ter, am 9.5.1969, Kanzler Kiesinger und das Kabinett mit einer offiziellen Kabinettvorlage, die D-Mark aufzuwerten. Ab da gab es nur noch Krach und dieser bestimmte &uuml;ber weite Strecken das Vorfeld des Wahlkampfes und den Wahlkampf selbst &ndash; einschlie&szlig;lich begleitender massiver W&auml;hrungsspekulationen. Das damalige Koalitionsgremium, der so genannte Kressbronner Kreis, hatte auch damals eine Menge Arbeit und was dort beraten wurde blieb auch nicht immer geheim.<\/p><p>Wie man angesichts dieser Tatsachen davon sprechen kann, es habe keinen Streit gegeben, kann man im Falle von Helmut Schmidt erkl&auml;ren. Er war schon damals zusammen mit Herbert Wehner f&uuml;r die Fortsetzung der gro&szlig;en Koalition und nimmt vermutlich Willy Brandt bis heute &uuml;bel, dass dieser die sozialliberale Koalition eingef&auml;delt hat. &Uuml;brigens war auch einer der wesentlichen Beitr&auml;ge zum Einf&auml;deln dieser Koalition &ndash; die Wahl des Sozialdemokraten Gustav Heinemann durch SPD und den k&uuml;nftigen Koalitionspartner FDP &ndash; nicht gerade ein Akt des Friedens f&uuml;r die amtierende Koalition aus CDU, CSU und SPD.<\/p><p>Diese meine Kritik an der historischen Aufarbeitung ist jedoch, das sei noch angemerkt, zweitrangig gegen&uuml;ber der anderen Kritik der beiden Wortmeldungen. Es fehlt nicht zu aller erst an Disziplin. Die gro&szlig;e Koalition verfolgt das falsche Konzept. Das ist der entscheidende Fehler. Die damalige gro&szlig;e Koalition war erfolgreicher, weil beide Parteien bessere Konzepte hatten. Am besten sichtbar wird das daran, dass heute beide gro&szlig;en Parteien unf&auml;hig sind, eine unserer wirtschaftlichen Lage angemessene Makropolitik zu betreiben und so endlich die wirtschaftliche Stagnation zu &uuml;berwinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 28.9. erschien ein Interview mit Altkanzler Helmut Schmidt in der &bdquo;Zeit&ldquo;. &Uuml;berschrift: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/40\/Historie-Grosse-Koalition\">&ldquo;Es gab keinen Streit. Helmut Schmidt &uuml;ber die Gro&szlig;e Koalition von 1966 &ndash; und &uuml;ber den fatalen Einfluss der Ministerpr&auml;sidenten heute&ldquo;<\/a>. Mich hat es bei Lekt&uuml;re dieses Interviews schon gereizt, etwas dazu zu schreiben. 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