{"id":17860,"date":"2013-07-04T16:05:33","date_gmt":"2013-07-04T14:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17860"},"modified":"2015-08-10T09:34:01","modified_gmt":"2015-08-10T07:34:01","slug":"dass-deutschland-kein-souveraner-staat-ist-ist-nichts-neues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17860","title":{"rendered":"Dass Deutschland kein souver\u00e4ner Staat ist, ist nichts Neues"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt wird angesichts der sichtbaren T&auml;tigkeit ausl&auml;ndischer Geheimdienste in unserem Land und angesichts der &Uuml;berwachung von Internet und Telekommunikation emp&ouml;rt dar&uuml;ber ger&auml;tselt, was sich US-Amerikaner und die Briten bei uns und in Europa erlauben. Das musste man erwarten, nachdem auch bei den Vertr&auml;gen zur Deutschen Einheit nicht daf&uuml;r gesorgt worden ist, dass wir ein souver&auml;nes Land werden. Ich habe die Einschr&auml;nkung der Souver&auml;nit&auml;t als Bundestagsabgeordneter Ende der achtziger Jahre und Anfang der Neunzigerjahre handfest erlebt. Dar&uuml;ber will ich kurz berichten. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie S&uuml;dpfalz, der Wahlkreis, in dem ich damals kandidierte und den ich in Bonn vertrat, war in mehrerer Hinsicht von mangelnder Souver&auml;nit&auml;t betroffen: Wir waren wie einige andere Regionen in Deutschland von Tiefflug&uuml;bungen meist US-amerikanischer Milit&auml;rmaschinen geplagt; es gab in der Region und in der Nachbarschaft &ndash; von Pirmasens bis Kaiserslautern &ndash; Kasernen, Milit&auml;r-Flugh&auml;fen, Munitionsdepots und vermutlich auch Giftgaslager der Alliierten; bei uns waren Patriot-Raketen stationiert; von Ramstein aus starteten beim ersten Golfkrieg 1990 schwere Bomber in Richtung Irak; die Soldaten der Alliierten unterstanden nicht der deutschen Gerichtsbarkeit, usw.. <\/p><p>Die Tiefflug&uuml;bungen dienten erkennbar nicht der Abwehr der Bedrohung durch die Sowjetunion und den Warschauer Pakt. Hier wurde der Einsatz von Milit&auml;rmaschinen f&uuml;r die weltweite Intervention ge&uuml;bt. Wegen der sehr schweren Belastung durch Tiefflugl&auml;rm haben sich viele Menschen engagiert. Sie haben demonstriert und Ballons in den Himmel steigen lassen. Ich selbst begleitete und unterst&uuml;tzte dieses Engagement durch eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland, die die Alliierten vertreten hatte. Wir haben es gemeinsam geschafft, die Belastung durch tief fliegende Milit&auml;rmaschinen zu verringern. Aber komplett beseitigt ist diese Belastung nicht. <\/p><p>Mir war bei dieser Auseinandersetzung schon klar geworden, dass der deutschen Seite die H&auml;nde gebunden waren. Noch deutlicher wurde dies dann bei den Verhandlungen der Vertr&auml;ge zur deutschen Einheit. Offenbar legten die Alliierten gro&szlig;en Wert darauf, dass ihre besonderen Rechte auch &uuml;ber den Tag der deutschen Einheit hinaus fortbestehen.<\/p><p>Die Entscheidungsfindung fand in einer geheimnisumwitterten Grauzone statt. In der SPD-Fraktion und auch im deutschen Bundestag wurde nicht offen &uuml;ber den Fortbestand der Sonderrechte gesprochen. Offensichtlich waren jedoch die Fraktionsf&uuml;hrung und auch die fachlich zust&auml;ndigen Kollegen eingeweiht. Jedenfalls bekam ich den Druck dieser Parteifreunde deutlich zu sp&uuml;ren, als ich meinen Widerstand gegen den Fortbestand der alliierten Sonderrechte nicht aufgeben wollte.<\/p><p>Eine kleine Episode kennzeichnet schlaglichtartig die Konstellation: der Spitzenkandidat der SPD f&uuml;r die rheinland-pf&auml;lzische Landtagswahl des Jahren 1991, Rudolf Scharping, hatte im Landtagswahlkampf  lautstark gefordert, Rheinland-Pfalz d&uuml;rfe nicht weiter der Flugzeugtr&auml;ger der USA in Deutschland und Europa sein. Als Scharping dann Ministerpr&auml;sident geworden war, reiste er zu Beratungen nach Washington. Als er wieder kam, war keine Rede mehr davon, die besondere Rolle von Rheinland-Pfalz  als amerikanische Luftwaffenbasis nicht weiter spielen zu wollen. Noch mehr. In einem Gespr&auml;ch in der sozialdemokratischen rheinland-pf&auml;lzischen Landesgruppe im Bundestag weigerte sich der neue Ministerpr&auml;sident ausdr&uuml;cklich, der Festlegung im SPD Grundsatzprogramm vom Dezember 1989 f&uuml;r ein Ende beider Milit&auml;r-Bl&ouml;cke zu folgen. Scharping war offensichtlich davon unterrichtet worden, dass die Sonderrechte der USA und der anderen Alliierten in Deutschland fortbestehen, auch &uuml;ber den Tag der deutschen Einheit hinaus.<\/p><p>Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen kann ich nur anmerken, dass mich nichts an den neuen Offenbarungen zu &Uuml;berwachung und T&auml;tigkeit der alliierten Geheimdienste &uuml;berrascht.<\/p><p><strong>Anlage<\/strong><\/p><p><strong>Zwei Hinweise auf aktuelle Artikel zum Thema:<\/strong><\/p><ul>\n<li><strong>Befreundete Dienste (I)<\/strong>\n<p>02.07.2013<\/p>\n<p>&hellip;<\/p>\n<p><strong>Eine Verwaltungsvereinbarung<\/strong><\/p>\n<p>&Uuml;ber geheime Vereinbarungen aus dieser Zeit hat seit letztem Jahr mehrfach der Freiburger Historiker Joseph Foschepoth berichtet. Grundlage ist seine umfassende Studie &ldquo;&Uuml;berwachtes Deutschland&rdquo; &uuml;ber die Post- und Telefon&uuml;berwachung in der fr&uuml;hen Bundesrepublik. Foschepoth hat nicht nur festgestellt, dass zeitweise 80 Prozent aller Postsendungen aus der DDR in die BRD von den bundesdeutschen Beh&ouml;rden abgegriffen und von diesen wiederum 80 Prozent vernichtet wurden. Vor allem berichtet er von &Uuml;bereink&uuml;nften &uuml;ber eine Kooperation der Geheimdienste. Demnach hat Bonn im Jahr 1968 eine geheime Verwaltungsvereinbarung abgeschlossen, die auf &auml;ltere Abkommen aus den 1950er Jahren zur&uuml;ckging und die Bundesregierung verpflichtete, &ldquo;f&uuml;r die westlichen Siegerm&auml;chte Post- und Fernmelde&uuml;berwachungen durchzuf&uuml;hren oder von diesen selbst durchf&uuml;hren zu lassen&rdquo;. Foschepoth zufolge gilt die Verwaltungsvereinbarung &ldquo;bis heute unver&auml;ndert fort&rdquo;. Auf ihrer Grundlage sei es US-Milit&auml;rdiensten unver&auml;ndert erlaubt, bei Bedarf auch eigenst&auml;ndig in der Bundesrepublik &ldquo;&Uuml;berwachungsma&szlig;nahmen des Post- und Fernmeldeverkehrs&rdquo; durchzuf&uuml;hren.[10] Ob die praktische deutsch-US-amerikanische Spionage-Kooperation auf dieser Vereinbarung oder eher auf den nach dem 11. September 2001 eingeleiteten Ma&szlig;nahmen des &ldquo;Anti-Terror-Krieges&rdquo; beruht oder ob beides untrennbar verflochten ist, dar&uuml;ber schweigt sich die Bundesregierung bis heute ebenso aus wie &uuml;ber die Frage, wie weit sie reicht.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.german-foreign-policy.com\/de\/fulltext\/58636\">german-foreign-policy.com<\/a><\/p><\/li>\n<li>Mittwoch, 03. Juli 2013\n<p><strong>Spionage der NSA<\/strong><br>\n<strong>Kanzleramt hat lieber nichts gewusst<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Hubertus Volmer<\/em><\/p>\n<p>SPD und Gr&uuml;ne wollen der Regierung nachweisen, dass sie entweder unf&auml;hig ist, die Deutschen vor den US-Geheimdiensten zu sch&uuml;tzen. Oder aber mitverantwortlich f&uuml;r die Spitzelei. Kanzleramt und deutsche Geheimdienste sind lieber ahnungslos. Dabei darf man die Frage, wer was wusste, als gekl&auml;rt ansehen. <\/p>\n<p>&hellip;<\/p>\n<p>Es geht um Strukturen<\/p>\n<p>Der Haken aus Sicht der SPD ist nur, dass sie nicht immer Opposition war. Vor acht Jahren hie&szlig; der Kanzler Gerhard Schr&ouml;der, sein Kanzleramtsminister war der heutige SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Allerdings ist die Frage, wer wann was wusste, vielleicht gar nicht entscheidend. &ldquo;Wir haben es hier mit einem gewachsenen System zu tun, das auf das Engste mit der Entwicklung der Bundesrepublik verkn&uuml;pft ist&rdquo;, <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Das-System-des-Kalten-Kriegs-besteht-weiter-article10923526.html\">sagt der Historiker Josef Foschepoth n-tv.de<\/a>. Demnach geht es weniger um Personen, sondern um Strukturen.<\/p>\n<p>Foschepoth hat ein &uuml;beraus lesenswertes Buch &uuml;ber die Geschichte der &Uuml;berwachung in der alten Bundesrepublik geschrieben. Bei seinen Recherchen fand er heraus, dass die Gro&szlig;e Koalition den drei westlichen Alliierten 1968 in einem Geheimabkommen das Recht zu unbegrenzter geheimdienstlicher T&auml;tigkeit zugesichert hatte. Unglaublich, aber wahr: Dieses Abkommen ist von der Bundesregierung nie gek&uuml;ndigt worden, auch nicht im Zuge der Wiedervereinigung 1990. Foschepoths bedr&uuml;ckendes Fazit: Artikel 10 des Grundgesetzes, der das Post- und Fernmeldegeheimnis sichern soll, ist ausgehebelt.<\/p>\n<p>Der Historiker fordert, dass die Bundesregierung die &ldquo;Relikte aus der Besatzungszeit&rdquo; abschafft, &ldquo;die unsere Verfassung nachhaltig besch&auml;digt&rdquo; h&auml;tten. &ldquo;Faktisch gibt es im Moment kein Grundrecht nach Artikel 10 mehr&rdquo;, so Foschepoth. &ldquo;Dieser Makel muss beseitigt werden.&rdquo;<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Kanzleramt-hat-lieber-nichts-gewusst-article10930971.html?service=print\">n-tv.de<\/a><\/p><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt wird angesichts der sichtbaren T&auml;tigkeit ausl&auml;ndischer Geheimdienste in unserem Land und angesichts der &Uuml;berwachung von Internet und Telekommunikation emp&ouml;rt dar&uuml;ber ger&auml;tselt, was sich US-Amerikaner und die Briten bei uns und in Europa erlauben. Das musste man erwarten, nachdem auch bei den Vertr&auml;gen zur Deutschen Einheit nicht daf&uuml;r gesorgt worden ist, dass wir ein souver&auml;nes<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17860\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[184,126,60],"tags":[1543,901,1554],"class_list":["post-17860","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ueberwachung","category-erosion-der-demokratie","category-innere-sicherheit","tag-deutsche-einheit","tag-geheimdienste","tag-orwell-2-0"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17860"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17860\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27142,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17860\/revisions\/27142"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}