{"id":17879,"date":"2013-07-06T18:33:20","date_gmt":"2013-07-06T16:33:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17879"},"modified":"2015-08-10T09:39:10","modified_gmt":"2015-08-10T07:39:10","slug":"edward-snowden-ein-freund-ein-guter-freund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17879","title":{"rendered":"Edward Snowden \u2013 ein Freund, ein guter Freund &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Nun haben sich auch Daniel Ortega und Nicol&aacute;s Maduro im Fall Snowden zu Wort gemeldet. Der Pr&auml;sident Venezuelas bot dem NSA-Whistleblower Asyl im &bdquo;Vaterland von Bol&iacute;var und Ch&aacute;vez&ldquo; an, um ihn &bdquo;von der imperialistischen Verfolgung Nordamerikas&ldquo; zu bewahren. Wunderbar, aber warum ist Maduro diese Idee nicht drei Tage fr&uuml;her gekommen, als er mit seinem Regierungsflugzeug in Moskau war? Die S&uuml;damerikaner entdecken ihre Freundschaft f&uuml;r Snowden immer dann, wenn sie sich sicher sein k&ouml;nnen, dass er weit weg ist und dies auch bleibt. Auch die EU-Staaten sind  gewiss kein sicherer Hafen f&uuml;r Snowden, da seine Dokumente nicht nur die Machenschaften der  NSA, sondern auch die Machenschaften der europ&auml;ischen Geheimdienste blo&szlig;legen. Daran haben auch einige m&auml;chtige Personen in Berlin und Pullach nicht das geringste Interesse. Edward Snowden hat viele m&auml;chtige Feinde, w&auml;hrend seine vermeintlichen Freunde sich bislang gr&ouml;&szlig;tenteils als Maulhelden erwiesen haben. Von <strong>Jens Berger<\/strong><br>\n<!--more--><br>\nDer Fall Edward Snowden ist seit heute um eine Posse reicher. Nach dem  besch&auml;menden <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17846\">Luftraum-Zwischenfall<\/a> vom Mittwoch dieser Woche haben nun auch die Staatschefs von Nicaragua und Venezuela ihr Herz f&uuml;r den jungen Whistleblower entdeckt. Warum erst jetzt, mag man da fragen. Die Antwort liegt zumindest zum Teil auf der Hand. Auch Nicol&aacute;s Maduro weilte die erste H&auml;lfte der letzten Woche in Moskau (und Minsk). H&auml;tte er Snowden drei Tage vorher Asyl angeboten, h&auml;tte er den Whistleblower gleich mit nach Venezuela nehmen k&ouml;nnen &ndash; die Regierungsmaschine gilt im internationalen Recht als Staatsgebiet des betreffenden Landes. Nun sitzt Snowden ohne g&uuml;ltige Reisepapiere im Transitbereich des Moskauer Flughafens und hat keine Chance nach Venezuela zu kommen.<\/p><p>Es ist auff&auml;llig, dass sich die Gro&szlig;z&uuml;gigkeit (und Gro&szlig;m&auml;uligkeit) der Pr&auml;sidenten s&uuml;damerikanischer L&auml;nder mit linksgerichteter Regierung stark davon abh&auml;ngt, wie wahrscheinlich es ist, dass Edward Snowden tats&auml;chlich irgendwann einmal vor der T&uuml;r steht. Als Snowden noch im fernen Hong Kong war, gefiel sich beispielsweise der ecuadorianische Pr&auml;sident Rafael Correa noch als mutige Stimme S&uuml;damerikas, die den USA die Stirn bieten will. Dass sein Botschafter in London ihn beim Wort nehmen w&uuml;rde und Edward Snowden die n&ouml;tigen Reisepapiere ausstellte, mit denen er von Hong Kong nach Moskau kam, konnte Correa ja nicht ahnen. Nun bestand n&auml;mlich die reale &bdquo;Gefahr&ldquo;, dass Snowden via Havanna ins sch&ouml;ne Quito kommt. Fluchs <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/world\/2013\/jul\/02\/ecuador-rafael-correa-snowden-mistake\">widerrief Correa die Reisepapiere<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/world\/politics\/exclusive-incredible-strain-in-relations-between-ecuador-and-wikileaks-founder-julian-assange-over-his-involvement-in-edward-snowden-nsa-whistleblower-affair-8681776.html\">distanzierte sich<\/a> in aller Form von seinem Botschafter in London und dessen Dauergast Julian Assange und zog sein vorheriges Asylangebot zur&uuml;ck. Ohne Reisepapiere kann Snowden Moskau nicht verlassen. Wenn es Daniel Ortega oder Nicol&aacute;s Maduro mit ihrem Asylangebot ernst meinen w&uuml;rden, h&auml;tten sie Snowden auch die n&ouml;tigen Reisepapiere ausgestellt, um nach Nicaragua oder Venezuela zu kommen. Beides ist jedoch nicht der Fall und Ortega und Maduro wissen genau warum. <\/p><p>Heuchlerisch ist auch die Diskussion, ob Edward Snowden in Deutschland oder einem anderen EU-Staat Asyl bekommen sollte. Was hierzulande gerne vergessen wird, ist, dass Snowdens NSA-Mitbringsel nicht nur Dokumente beinhalten, die die NSA und die USA schwer belasten. Es ist schlie&szlig;lich ein offenes Geheimnis, dass auch der BND und die &bdquo;Partnerdienste&ldquo; anderer europ&auml;ischer Staaten mit der NSA kooperieren und dabei vermutlich diverse nationale Gesetze verletzt haben. Nach den Buchstaben des deutschen Gesetzes k&ouml;nnten sich dabei einige hohe Damen und Herren in Berlin und Pullach strafbar gemacht haben. Selbstverst&auml;ndlich w&uuml;rden diese Personen und ihre Freunde in Berlin Edward Snowden lieber in Guantanamo oder einem &auml;hnlich &bdquo;verschwiegenen&ldquo; Ort sehen. Auch der Luftraum-Zwischenfall vom Mittwoch war zwar wahrscheinlich von den USA &ldquo;angeregt&ldquo;, es wird jedoch bei der Bewertung gerne vergessen, dass auch die westeurop&auml;ischen Regierungen und Geheimdienste nicht das geringste Interesse daran haben, dass Edward Snowden aus einem sicheren Drittstaat heraus Geheiminformationen ausplaudert und wom&ouml;glich belegt, die sie selbst schwer belasten. Es ist ja nicht so, dass die USA der einzige &bdquo;b&ouml;se Bube&ldquo; im Spiel der internationalen Geheimdienste w&auml;ren<\/p><p>Auch Wladimir Putins Begeisterung f&uuml;r den unerbetenen Gast h&auml;lt sich in Grenzen. Zwar besitzt Russland die n&ouml;tige  Souver&auml;nit&auml;t um den Auslieferungsgesuchen der USA zu widerstehen, auf den gro&szlig;en Kladderadatsch will es Putin jedoch auch nicht ankommen lassen. Daher koppelte er sein Aufenthaltsangebot an Snowden auch mit der Bedingung, der Whistleblower m&uuml;sse &bdquo;dann  mit seiner Arbeit aufh&ouml;ren, die dagegen gerichtet ist, unseren amerikanischen Partnern Schaden zuzuf&uuml;gen&ldquo;. Nicht nur bei Obama, sondern auch bei Cameron, Merkel und Hollande d&uuml;rfte er nun einiges gut haben. Putin erweist sich einmal mehr als knallharter Pokerspieler. Au&szlig;er den Goodwill westlicher &Uuml;berwachungsgegner h&auml;tte er nichts gewinnen k&ouml;nnen, daf&uuml;r aber f&uuml;r die russische Wirtschaft sehr viel zu verlieren, w&auml;re es zu einem Stimmungstief zwischen Moskau und den westlichen Staaten gekommen. Und was f&uuml;r Russland gilt, gilt spiegelbildlich auch f&uuml;r China. <\/p><p>Nat&uuml;rlich kann man weder Correa noch Maduro vorwerfen, dass sie sich nicht ernsthaft f&uuml;r Edward Snowden stark machen. Was h&auml;tten sie denn zu gewinnen, wenn sie den USA die Stirn bieten? Daf&uuml;r steht jedoch einiges auf dem Spiel, schlie&szlig;lich h&auml;ngen auch tausende Arbeitspl&auml;tze in den s&uuml;damerikanischen Staaten von den Wirtschaftsbeziehungen zu den USA ab. Um verantwortungsvoll f&uuml;r das eigene Volk zu handeln, muss ein Pr&auml;sident hier die Vor- und Nachteile sorgf&auml;ltig abwiegen. Doch so viel Realpolitik ist nat&uuml;rlich nicht so sexy wie das Maulheldentum, mit dem man die gedem&uuml;tigte s&uuml;damerikanische Seele mit einer Mischung aus Antiamerikanismus, Machismo und Nationalstolz vers&ouml;hnen kann. Edward Snowden ist damit jedoch nicht geholfen.<\/p><p>Erstaunlich still verhalten sich derweil die Castro-Br&uuml;der im sonnigen Havanna. Und auch sie wissen ganz genau, warum. Anders als  zwischen Managua und Caracas besteht zwischen der  kubanische Hauptstadt und Moskau eine  direkte Flugverbindung.  Ehe man sich versieht, k&ouml;nnte es passieren, dass Snowden (von sich aus oder mit sanftem Druck von Putin) sich in einem Aeroflot-Flieger von Moskau nach Havanna wiederfindet und damit Kuba in die Bredouille bringt. Einerseits k&ouml;nnte Kuba Snowden alleine schon wegen des jahrzehntelang sorgsam gepflegten Antiamerikanismus nicht ausliefern, andererseits w&uuml;rde eine Aufnahme Snowdens die von Ra&uacute;l Castro verfolgte Ann&auml;hrungspolitik zu den USA empfindlich st&ouml;ren. Auch Kuba kann demnach kein Interesse an einem Aufenthalt Snowdens haben &ndash; und sei es nur im Transitbereich des Aeropuerto Internacional Jos&eacute; Mart&iacute;. Dies schlie&szlig;t jedoch auch automatisch eine Reise Snowdens in andere s&uuml;damerikanische L&auml;nder, die mit Moskau nur via Havanna mit dem Flugzeug zu erreichen sind, aus. Und das wissen die &bdquo;gro&szlig;z&uuml;gigen&ldquo; Herren Ortega und Maduro nur zu genau.<\/p><p>Edward Snowden &auml;hnelt dem Schwarzen Peter im gleichnamigen Spiel. Keiner will ihn bei sich haben und jeder, der ihn hat, ist heilfroh, wenn er ihn weitergeben kann. Wenn sich niemand bewegt, wird Wladimir Putin wohl auf dem Schwarzen Peter sitzenbleiben und Edward Snowden hat die Wahl, sein k&uuml;nftiges Leben schweigend in Russland zu verbringen oder in den USA eine sehr lange Haftstrafe abzusitzen. Und damit haben die NSA und andere Geheimdienste ihr Ziel erreicht. Der Fall Snowden ist auch eine gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Warnung f&uuml;r potentielle Nachahmer. Der iranische Fl&uuml;chtling <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mehran_Karimi_Nasseri\">Mehran Karimi Nasseri<\/a> musste ganze 18 Jahre im Transitbereich des Pariser Flughafens Charles de Gaulle verbringen. Hoffen wir, dass es Edward Snowden da besser ergeht.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/730d6f610ef54e4faf64c5be9c33d65c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun haben sich auch Daniel Ortega und Nicol&aacute;s Maduro im Fall Snowden zu Wort gemeldet. Der Pr&auml;sident Venezuelas bot dem NSA-Whistleblower Asyl im &bdquo;Vaterland von Bol&iacute;var und Ch&aacute;vez&ldquo; an, um ihn &bdquo;von der imperialistischen Verfolgung Nordamerikas&ldquo; zu bewahren. 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