{"id":18096,"date":"2013-07-25T09:34:49","date_gmt":"2013-07-25T07:34:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18096"},"modified":"2019-07-05T10:56:25","modified_gmt":"2019-07-05T08:56:25","slug":"griechenland-geht-die-alte-kumpanei-geht-weiter-oder-gibt-es-eine-chance-fur-eine-politische-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18096","title":{"rendered":"Griechenland: Geht die alte Kumpanei geht weiter oder gibt es eine Chance f\u00fcr eine politische Alternative?"},"content":{"rendered":"<p>Dass die politische Klasse &ndash; in ihrer Inkarnation durch eine Koalition der alten Systemparteien ND und Pasok &ndash;  weder zu einer Selbsterneuerung noch zu einer Erneuerung des politischen Systems in Griechenland f&auml;hig ist, f&uuml;hrt sie der Bev&ouml;lkerung tagt&auml;glich vor Augen. Die Beispiele daf&uuml;r k&ouml;nnte man im Dutzend anf&uuml;hren. Welche Wahl bleibt aber den Griechen, die im Lande bleiben und das politische System erneuern und wirklich reformieren wollen? Welche politische Alternativen gibt es f&uuml;r Griechenland im f&uuml;nften Jahr seiner &ouml;konomischen Rezession? Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWelchen politischen Ausweg gibt es f&uuml;r das Land mit der h&ouml;chsten Staatsverschuldung Europas (in H&ouml;he von 160,5 % des BIP) und mit der h&ouml;chsten Arbeitslosigkeit (27,2 %) in der EU; f&uuml;r ein Land mit h&ouml;chst eingeschr&auml;nkter Souver&auml;nit&auml;t, dessen eigene Bev&ouml;lkerung &uuml;berwiegend der Meinung ist, dass sich das ganze System auf dem falschen Weg befindet; f&uuml;r ein Land, in dem zwei Drittel der Bev&ouml;lkerung davon ausgehen, dass sich ihre pers&ouml;nliche Lage weiter verschlechtern wird und fast 60 Prozent glauben, dass die Krise noch l&auml;nger als f&uuml;nf Jahre andauert?<\/p><p>Wie steht es um die Chancen der Opposition zu einer Regierung der verbrauchten Kr&auml;fte, die z&uuml;gig ihre letzte Glaubw&uuml;rdigkeit verspielt und ihre Unf&auml;higkeit zur Erneuerung durch plumpes und zudem rechtswidriges Imponiergehabe (im Fall ERT) oder durch propagandistische Schaumschl&auml;gerei zu kaschieren versucht (wie im Fall der Gaspipeline TAP oder der provisorischen Mehrwertsteuersenkung)? <\/p><p><strong>Die neugeborene Syriza als politische Alternative<\/strong><\/p><p>Ein derart dramatisches Krisenpanorama m&uuml;sste der wichtigsten Oppositionspartei eine politische Offensive er&ouml;ffnen. Der gro&szlig;e Herausforderer der alten Systemparteien ist seit Sommer letzten Jahres vor allem die Linkspartei Syriza. Sie bekam im Juni 2012 fast 27 Prozent der W&auml;hlerstimmen und landete damit nur ganz knapp hinter der konservativen Nea Dimokratia. Seit diesem Erfolg, der damals alle Erwartungen (auch der Syriza selbst) weit &uuml;bertroffen hat, zeigen die Meinungsumfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Linkspartei und der ND. Die letzte Momentaufnahme von Mitte Juli zeigt die ND nur hauchd&uuml;nn vorn. (Aber das besagt nicht viel: Bei der &bdquo;Sonntagsfrage&ldquo; hat die F&uuml;hrung in diesem Umfrage-Derby in den letzten sechs Monaten f&uuml;nf Mal gewechselt.)<br>\nEs ist also durchaus realistisch, wenn sich die europ&auml;ischen Partner Griechenlands mit der Vorstellung vertraut machen, dass die Syriza nach einer n&auml;chsten Wahl  &ndash; ob vorzeitig oder zum planm&auml;&szlig;igen Termin im Sommer 2016 &ndash; mit der Bildung einer Regierung beauftragt wird (wobei sie h&ouml;chstwahrscheinlich einen Koalitionspartner brauchen w&uuml;rde).<\/p><p>In der New York Times vom 23. Juni ist unter der &Uuml;berschrift &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2013\/06\/24\/opinion\/only-syriza-can-save-greece.html?_r=0\">Only Syriza Can Save Greece<\/a>&ldquo; ein Gastkommentar erschienen, der von den &Ouml;konomen James K. Galbraith und Jannis Varoufakis stammt. Da beide Autoren zum Beraterkreis von Alexis Tsipras geh&ouml;ren, ist ihr Text in doppelter Hinsicht aufschlussreich. Zum einen wollen sie die amerikanische &Ouml;ffentlichkeit und die politische Klasse davon &uuml;berzeugen, dass sie keine Angst vor einer Regierung Tsipras haben m&uuml;ssten. &bdquo;F&uuml;r die Vereinigten Staaten w&uuml;rde sich nichts Entscheidendes &auml;ndern. Die Syriza hat nicht vor, aus der Nato auszutreten oder die amerikanischen Milit&auml;rbasen zu schlie&szlig;en&hellip; und Mr. Tsipras will sich nicht mit Washington anlegen.&ldquo; Zum anderen verraten sie, welche wirtschaftspolitischen Ratschl&auml;ge sie Tsipras geben, von denen sie nat&uuml;rlich w&uuml;nschen, dass eine Syriza-Regierung sie beherzigen wird. &bdquo;Die Griechen&ldquo; schreiben sie und meinen damit Tsipras, &bdquo;wollen weder den Euro verlassen noch die Eurozone zerfallen sehen&ldquo;. Kurzum, die Syriza wolle &bdquo;das europ&auml;ische Projekt retten&ldquo; und sei deshalb wom&ouml;glich &bdquo;Europas gr&ouml;&szlig;te Hoffnung&ldquo;.<\/p><p>Diese Worte in Tsipras&lsquo; Ohr, d&uuml;rften die vielen Griechen sagen, die sich den Kopf &uuml;ber die Frage zerbrechen, ob sie der Syriza die Regierungsmacht in ihrem Land &uuml;berantworten wollen. Denn so gro&szlig; die Wut &uuml;ber die alten Systemparteien und deren einfalls- und erfolgloses Krisenregime im Auftrag der Troika ist, so gro&szlig; ist ihre Skepsis gegen&uuml;ber der Krisendiagnose und den Heilungsrezepten der linken Opposition. Das zeigen auch die Umfragen, die seit dem gro&szlig;en Wahlerfolg vom Sommer 2012 eine Konstante aufweisen, die f&uuml;r die Syriza-F&uuml;hrung h&ouml;chst beunruhigend sein muss: Eine gro&szlig;e Mehrheit der Griechen, und sogar viele ihrer eigenen W&auml;hler, hegen gro&szlig;e Zweifel an der F&auml;higkeit der Partei, das Land aus der Krise herauszuf&uuml;hren. (Die Gr&uuml;nde f&uuml;r diesen Zweifel habe ich ausf&uuml;hrlich in einer fr&uuml;heren Analyse (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15254\">vom 27. November 2012<\/a>) dargestellt. Diese Darstellung ist im Wesentlichen immer noch g&uuml;ltig.)<\/p><p>Die j&uuml;ngsten Umfragen zeigen, dass nur 14 Prozent der Befragten mit der Opposition zufrieden sind. Dieser Wert liegt konstant unter der Zufriedenheitsquote mit der Regierung (die selbst nach der unpopul&auml;ren ERT-Entscheidung noch knapp h&ouml;her liegt). Der wichtigste Grund f&uuml;r das mangelnde Vertrauen in die Opposition: Gerade mal ein F&uuml;nftel der Befragten glaubt, dass die Linke das bessere Konzept gegen die Krise hat. Der entsprechende Wert f&uuml;r die Regierung liegt nach wie vor h&ouml;her, wenn auch unter 30 Prozent. Aber noch viel mehr Griechen (im Juni waren es 43 Prozent) sind der Meinung, dass weder die Linke noch die Rechte &uuml;ber ein tragf&auml;higes Krisenkonzept verf&uuml;gen. <\/p><p>Dieses Meinungsbild wirft f&uuml;r die Syriza zwei Fragen auf. Erstens: Wie interpretiert die Partei und ihre F&uuml;hrung diese d&uuml;rftige Akzeptanz und wie reagiert sie darauf? Und zweitens: Wurde auf dem Parteikongress im Juli dieses Jahres eine Perspektive entwickelt, wie diesem Problem begegnet werden k&ouml;nnte? Mit diesem Kongress ist auch eine dritte Frage verbunden: W&auml;re die Syriza eine handlungsf&auml;hige Regierungspartei? <\/p><p>Letzteres ist f&uuml;r die Parteif&uuml;hrung eine existentielle Frage, denn einer der wichtigsten Kritikpunkte der potentiellen W&auml;hler war bislang die innere Disparit&auml;t der Syriza, die bewusst als loses Konglomerat verb&uuml;ndeter, aber auch konkurrierender linker Gruppen konstruiert war. Diesen Zustand will die Parteif&uuml;hrung seit einiger Zeit durch eine Strukturreform &uuml;berwinden. Der lange geplante Kongress, der aus der Syriza eine vereinheitlichte Mitgliederpartei machen sollte, hat vorletzte Woche stattgefunden. Doch diese &bdquo;Neugeburt&ldquo;  ist auf dem lebhaften, viert&auml;gigen Kongress mit etwa 3.500 Delegierten wohl nicht ganz so verlaufen, wie es sich Tsipras und die Parteif&uuml;hrung vorgestellt haben.<\/p><p><strong>Statt autonomer Fraktionen zwei gro&szlig;e Bl&ouml;cke<\/strong><\/p><p>Die Syriza hat sich zwar als Mitgliederpartei (nach dem Prinzip one member, one vote) etabliert, was durch die Selbstaufl&ouml;sung des &bdquo;Synaspismos&ldquo; m&ouml;glich wurde (dieser Zusammenschluss unterschiedlicher linksradikaler bis &bdquo;gr&uuml;ner&ldquo; Gruppen stellte den urspr&uuml;nglichen Mitgliederkern der Syriza dar). Aber einige der Organisationen, die schon den Synaspismos und damit auch die &bdquo;alte Syriza&ldquo; ausmachten, wollten sich dem neuen Statut, nachdem es keine autonomen &bdquo;Gruppen&ldquo; mehr geben soll, noch nicht f&uuml;gen. Um einen offenen Krach zu vermeiden, hat der Parteitag eine &bdquo;Gnadenfrist&ldquo; f&uuml;r ihre Selbstaufl&ouml;sung einger&auml;umt. Das Ziel, die Syriza zu einer normalen Mitgliederpartei zu machen, wird also bestenfalls mit leichter Verz&ouml;gerung erreicht.<\/p><p>Allerdings w&auml;re damit die &bdquo;Fraktionierung&ldquo; der Partei noch lange nicht &uuml;berwunden. Es gibt weiterhin zwei gro&szlig;e Bl&ouml;cke, die in wichtigen inhaltlichen Fragen recht unterschiedliche Positionen vertreten. Die Abstimmungen auf dem Parteitag haben gezeigt, dass es auch in der &bdquo;neuen&ldquo; Syriza eine starke Opposition gegen den Kurs der Parteif&uuml;hrung und sogar auch gegen die Person von Alexis Tsipras gibt. Die innerparteiliche Opposition tritt als &bdquo;linke Plattform&ldquo; auf und vertritt etwa in der &bdquo;Euro&ldquo;-Frage, aber auch in Fragen der B&uuml;ndnispolitik und der Ausgestaltung eines Regierungsprogramms der Partei,  weit radikalere Positionen als die &bdquo;Mehrheitsfraktion&ldquo;, die ihrerseits aus mehreren Gruppen und Str&ouml;mungen besteht.<\/p><p>Diese innerparteiliche Opposition hat bei den Wahlen zum &bdquo;Zentralkomitee&ldquo; der neuen Partei, bei denen die Fraktionen nach Listen abstimmten, deutlich besser abgeschnitten als erwartet. In der Umgebung von Tsipras rechnete man damit, dass die &bdquo;linke Plattform&ldquo; h&ouml;chstens ein Viertel der Delegierten kontrolliert. Am Ende verf&uuml;gte sie &uuml;ber 30 Prozent der Stimmen. Auch die Wahl zum Parteivorsitzenden war f&uuml;r Tsipras mit nur 74 Prozent Zustimmung eher eine Entt&auml;uschung; die meisten Delegierte der &bdquo;linken Plattform&ldquo; enthielten sich der Stimme. Dennoch bleibt die F&uuml;hrungsrolle von Tsipras unangefochten, zumal er seine Vorstellung durchsetzen konnte, dass der Vorsitzende vom Parteitag gew&auml;hlt wird (und nicht vom Zentralkomitee, wie von der &bdquo;linken Plattform&ldquo; beantragt), was ihm eine st&auml;rkere &bdquo;plebiszit&auml;re&ldquo; Legitimit&auml;t verschafft. <\/p><p>Ob die Autorit&auml;t von Tsipras durch den Parteitag gest&auml;rkt oder geschw&auml;cht wurde, und was das Ergebnis f&uuml;r die Wahlaussichten der Syriza bedeutet, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur, dass die Parteif&uuml;hrung und die Mehrheitsfraktion sich von der Neugr&uuml;ndung der Syriza eine positivere Wirkung versprochen haben. Zwar ist die Partei jetzt nicht mehr ein verwirrendes Konglomerat vieler Fraktionen, aber die Spaltung in zwei gro&szlig;e Bl&ouml;cke tritt damit noch deutlicher hervor. Zwar konnte sich die &bdquo;linke Plattform&ldquo; bei den Abstimmungen &uuml;ber das Gr&uuml;ndungsmanifest in keinem wichtigen Punkt durchsetzen, aber dass knapp ein Drittel der Delegierten dem ersten Grundsatzprogramm der organisatorisch vereinheitlichten Partei die Zustimmung verweigert hat, d&uuml;rfte z&ouml;gernde Wechselw&auml;hler beunruhigen. Zumal die innerparteilichen Differenzen auch im politischen Alltag st&auml;ndig zu Tage treten, weil die beiden Fl&uuml;gel auch in der Parlamentsfraktion repr&auml;sentiert sind, deren Vorsitzender Panagiotis Lafazanis dazuhin der Kopf der &bdquo;linken Plattform&ldquo; ist. (Es sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, dass die griechischen W&auml;hler bei fr&uuml;heren Umfragen als ein negatives Hauptmerkmal der Syriza deren innere Uneinigkeit genannt haben.)<\/p><p>Die erste Umfrage, die als Reaktion auf den Syriza-Parteitag gesehen werden kann, zeigt eine gemischte Reaktion. Auf die Frage, ob der Gr&uuml;ndungskongress f&uuml;r die Syriza im Sinne der &bdquo;Umwandlung in eine radikale regierungsf&auml;hige Partei&ldquo; erfolgreich war, antworteten nur 23 Prozent der Befragten mit ja und 17 Prozent mit wahrscheinlich, dagegen 31 Prozent mit Nein und 13 Prozent mit wahrscheinlich nicht. F&uuml;r die mittelfristigen Chancen der Syriza, die Regierung Samaras abzul&ouml;sen, wird also entscheidend sein, ob sie den von den alten Kr&auml;ften entt&auml;uschten und frustrierten W&auml;hlern ein realistisches und vertrauensw&uuml;rdiges Konzept f&uuml;r einen Ausweg aus der Krise vorschlagen kann.<\/p><p><strong>Eine Regierungspartei im Wartestand?<\/strong><\/p><p>Seit Juni 2012 geht die Syriza offiziell davon aus, dass die Regierung Samaras die vier Jahre der Legislaturperiode nicht durchhalten wird. Wann immer die Koalition in Schwierigkeiten war oder neue Sparma&szlig;nahmen verabschiedete, forderten der Syriza-Vorsitzende Alexis Tsipras und andere f&uuml;hrende Parteivertreter  sofortige Neuwahlen. Auch anl&auml;sslich der Parlamentsdebatte in der vorigen Woche gab die Syriza &ndash; im Parlament wie auf der Stra&szlig;e &ndash; die Parole aus: &bdquo;Statt Entlassungen im &Ouml;ffentlichen Dienst &ndash; Entlassung dieser Regierung&ldquo;. Die Botschaft lautet also, gerade auch nach dem Parteikongress: Wir sind auf Neuwahlen vorbereitet, wir haben ein fertiges Regierungsprogramm in der Tasche. <\/p><p>Dabei &uuml;bergeht allerdings die Parteif&uuml;hrung mit einer Unbefangenheit, die ans Frivole grenzt, die wichtigste Frage, die &uuml;ber jedem detaillierten Programm steht und die jedem W&auml;hler den Schlaf rauben muss: Wie reagieren die &bdquo;Gl&auml;ubiger&ldquo; des Landes, repr&auml;sentiert durch die Troika, wenn eine Syriza-Regierung das tut, was sie st&auml;ndig verk&uuml;ndet: das Memorandum, also das Sparprogramm aufk&uuml;ndigen und ultimativ einen weitgehenden Schuldenerlass fordern. <\/p><p><strong>Problem 1: Hat die Syriza einen strategischen Plan f&uuml;r die Folgen eines Ausstiegs aus dem Memorandum?<\/strong><\/p><p>In den offiziellen Verlautbarungen wird diese zentrale Frage entweder nicht zur Kenntnis genommen oder aber &uuml;berspielt. Diese &bdquo;programmatische L&uuml;cke&ldquo; wurde bislang am klarsten von einem hoch respektierten Parteiveteranen benannt. Der bekannte Rundfunkjournalist Vassilis Paikos schrieb in der Parteizeitung Avgi am 10. Juni, einen Monat vor der &acute;zweiten Gr&uuml;ndung` der Syriza: Das griechische Volk wolle eine &bdquo;reife&ldquo; Partei, die auf die Aus&uuml;bung der Macht tats&auml;chlich vorbereitet ist. Dazu m&uuml;sse man den W&auml;hlern ein &bdquo;ausformuliertes, vollst&auml;ndiges, integriertes und vor allem glaubw&uuml;rdiges Regierungsprogramm&ldquo; vorlegen. Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;sse man dem Volk &bdquo;pr&auml;zise darlegen, was sie im Einzelnen tun wird, falls die Gl&auml;ubiger ihr genau dann, wenn sie an die Macht kommt und ihre Versprechungen umsetzen will, den Geldhahn zudrehen.&ldquo; In dieser Frage k&ouml;nne man die W&auml;hler nicht mit irgendwelchen Arbeitshypothesen oder spekulativen Szenarios abspeisen. Die Antwort m&uuml;sse &bdquo;klipp und klar&ldquo; ausfallen, und zwar bis hin zu &bdquo;wirklich schwierigen Detailfragen&ldquo;. <\/p><p>Die Geldhahn-Frage zielt in der Tat auf den schw&auml;chsten Punkt des &bdquo;Wahlprogramms&ldquo; der Syriza, der auch die Glaubw&uuml;rdigkeit ihres Vorsitzenden ber&uuml;hrt. Alexis Tsipras hatte sich diese Frage w&auml;hrend der Wahlkampfperiode im Fr&uuml;hjahr und Sommer 2012 noch mit der Behauptung vom Leibe gehalten, die EU k&ouml;nnte Athen den Geldhahn gar nicht abdrehen, weil sie damit ihre Selbstzerst&ouml;rung riskiere. Diese damals einigerma&szlig;en plausible These wurde in den Augen vieler Griechen allerdings durch die Zypern-Krise und der damit eingeschlagenen neuen Strategie der Troika im M&auml;rz dieses Jahres schwer ersch&uuml;ttert. Deshalb verk&uuml;ndet Tsipras neuerdings die abgespeckte Theorie, wenn eine Syriza-Regierung die Zinszahlungen an ihre Gl&auml;ubiger einstelle, habe sie genug Geld, um die laufenden Staatsausgaben (einschlie&szlig;lich h&ouml;herer Geh&auml;lter, Renten und Sozialleistungen) zu finanzieren. Die l&auml;stige Frage, wie lange dieser Vorrat an &bdquo;eingesparten&ldquo; Zins-Milliarden reicht, spart Tsipras jedoch aus. Auch die &ouml;konomischen Fachleute der Syriza haben zu diesem Szenario betreten geschwiegen.<\/p><p><strong>Die Geldhahn-Frage auf dem Parteikongress<\/strong><\/p><p>Und wie wurde die Geldhahn-Frage auf dem Parteitag behandelt? In der verabschiedeten Resolution (der die Parteilinke nicht zugestimmt hat) hei&szlig;t es plakativ, eine Syriza-Regierung werde &bdquo;die Verwandlung unseres Landes in eine Schuldenkolonie&ldquo; r&uuml;ckg&auml;ngig machen. Das wollen sicher alle Griechen, aber wie will man das schaffen? Die Antwort lautet: durch Aufk&uuml;ndigung des Memorandums und aller Gesetze, die Sparma&szlig;nahmen beinhalteten, und die anschlie&szlig;ende Neuverhandlung der Kreditvereinbarungen mit EU und IWF, wobei man als &bdquo;erstes Thema&ldquo; die Abschreibung des &bdquo;gr&ouml;&szlig;eren Teils der Schulden&ldquo;, also einen neuerlichen &bdquo;haircut&ldquo; auf die Tagesordnung setzen wolle.<\/p><p>Wenn aber bei diesen &bdquo;Neuverhandlungen&ldquo; nicht alles nach Wunsch verl&auml;uft? Wenn die Troika nicht einfach nachgibt, sondern mit der Einstellung der Kreditprogramme droht? Was dann? Dazu erkl&auml;rt die Resolution energisch: &bdquo;Wir verpflichten uns, dass wir m&ouml;glichen Drohungen oder Erpressungen der Gl&auml;ubiger mit all den starken Waffen, die wir mobilisieren k&ouml;nnen, entgegentreten werden, und sind bereits dabei, uns auf die ung&uuml;nstigste Entwicklung einzustellen, in der Gewissheit, dass das griechische Volks uns unterst&uuml;tzen wird.&ldquo; (alle Zitate stammen aus der Parteizeitung Avgi vom 15. Juli).<\/p><p>Ob die Sache damit &bdquo;klipp und klar&ldquo; und bis hin zu den &bdquo;schwierigsten Detailfragen&ldquo; gekl&auml;rt ist, wie es Paikos gefordert hat, m&uuml;ssen die potentiellen Syriza-W&auml;hler entscheiden. Doch als Au&szlig;enstehender w&uuml;rde ich die Griechen gut verstehen, wenn sie sich nicht auf die &bdquo;starken Waffen&ldquo; verlassen m&ouml;chten, die ihnen die Syriza in Aussicht stellt &ndash; ohne zu verraten, was sie damit meint. <\/p><p><strong>Problem 2: Wie sieht die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Syriza aus?<\/strong><\/p><p>Welche Bedeutung die Geldhahn-Frage gewinnen kann, mag sich die Syriza von der Pasok erkl&auml;ren lassen. Die hat nach ihrem Wahlsieg vom Oktober 2009 binnen weniger Wochen ihre politische Autorit&auml;t v&ouml;llig verspielt, nachdem sie im Wahlkampf gro&szlig;e Versprechungen gemacht und behauptet hatte: &bdquo;Das Geld ist da&ldquo; (&bdquo;lefta yparchoun&ldquo;). Den Fehler wird die Syriza wohl nicht wiederholen wollen. Aber in ihrem am 13. Juli verabschiedeten Parteiprogramm hat sie der Versuchung nicht widerstanden, die R&uuml;ckkehr zum alten Niveau der L&ouml;hne, Renten und Sozialleistungen zu versprechen, ohne sich &bdquo;klipp und klar&ldquo; &uuml;ber die die Finanzierung zu &auml;u&szlig;ern. So stehen den Versprechungen, dass es unter einer Syriza-Regierung &bdquo;keinen B&uuml;rger ohne Minimaleinkommen&hellip;, ohne Betreuung und sozialen Schutz und ohne eine  soziale Grundversorgung an Nahrungsmitteln und einer w&uuml;rdigen Wohnung&ldquo; geben werde, nur sehr pauschale Ideen &uuml;ber die Finanzierung eines solchen sozialstaatlichen Modells gegen&uuml;ber.<br>\nDie &ouml;ffentlichen Einnahmen, die eine sozialstaatliche &Uuml;berwindung der Krise finanzieren sollen, will die Syriza aus folgenden Quellen sch&ouml;pfen:<\/p><ul>\n<li>aus einem &bdquo;gerechten radikalen Steuersystem&ldquo;, basierend auf der Besteuerung von Gro&szlig;verm&ouml;gen, Unternehmensgewinnen, hohen Einkommen und dem gro&szlig;en Immobilienbesitz, sowie der kirchlichen Verm&ouml;genswerte;<\/li>\n<li>der harten Verfolgung von Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit<\/li>\n<li>der Abschaffung der Privilegien von Oligarchen und multinationalen Konzernen;<\/li>\n<li>der wirtschaftlichen Erholung (w&ouml;rtlich: &bdquo;D&auml;mpfung der Rezession&ldquo;);<\/li>\n<li>der Ausbeutung von Bodensch&auml;tzen (unter &bdquo;&ouml;kologisch sicheren&ldquo; Bedingung);<\/li>\n<li>der Erh&ouml;hung der Produktivit&auml;t.<\/li>\n<\/ul><p>Dieser klassisch sozialdemokratische Katalog (im guten alten Sinne) enth&auml;lt noch viele andere sch&ouml;ne Dinge, die dem skandinavischen oder &bdquo;rheinischen&ldquo; Modell eines sozial moderierten Kapitalismus gut zu Gesicht stehen w&uuml;rden. Das macht das Syriza-Programm f&uuml;r griechische Verh&auml;ltnisse noch nicht automatisch zur Utopie, wohl aber wirft es die Frage auf, in welchem Zeitraum man ein solches Modell verwirklichen will. Und angesichts der &ouml;ffentlichen Verschuldung und der tiefen Wirtschaftskrise m&ouml;chte man auch gerne wissen, wie die unmittelbaren Priorit&auml;ten aussehen, welche Schritte in welcher Reihenfolge vorgesehen sind. Und neben einem Reform-Fahrplan sollte eine &bdquo;Regierung im Wartestand&ldquo; eigentlich auch einen realistischen Finanzierungsplan auf der Basis einer ungef&auml;hren volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung vorlegen. All dies sucht man in dem Syriza-Programm vom 13. Juli vergebens.<\/p><p><strong>Problem 3: Was sagt die Syriza zu Steuerhinterziehung, Klientelismus und Korruption?<\/strong><\/p><p>Neben dem Fehlen eines Fahrplans und einer  realistischen Gesamtrechnung fallen noch weitere L&uuml;cken ins Auge. Zum Beispiel fehlt eine pr&auml;zise Auseinandersetzung mit so notorischen Problemen wie der Steuerhinterziehung und der Ineffizienz des in weiten Teilen parasit&auml;ren &ouml;ffentlichen Dienstes. Hier beschr&auml;nkt sich das Programm auf die Versicherung, man werde in der Regierung wie in der kommunalen Verwaltung &bdquo;das Transparenz- und Leistungsprinzip durchsetzen sowie Nepotismus, Korruption, Parteiwirtschaft und Klientelismus eind&auml;mmen&ldquo;. Aber man findet allerdings kein Wort &uuml;ber den &bdquo;systemischen&ldquo; Steuerbetrug der Freiberufler, &uuml;ber unproduktive oder teilweise &uuml;berfl&uuml;ssige Beh&ouml;rden, oder &uuml;ber die qualitativen Defizite im &ouml;ffentlichen Dienst. Und die Syriza l&auml;sst auch offen, ob ihr Versprechen, den von der Troika erzwungenen Sozialabbau r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen, zugleich bedeutet, dass sie auch die Privilegien des &ouml;ffentlichen Sektors beibehalten will, die von den meisten Griechen als anst&ouml;&szlig;ig empfunden wurden.<\/p><p>Kurzum: Die Syriza-Regierung will zwar, um die &ouml;ffentlichen Haushalte zu sanieren, den Oligarchen und Plutokraten, den Reedern und Unternehmern an den Kragen gehen, aber die Freiberufler, die f&uuml;r 60 Prozent der dem Fiskus vorenthaltenen Steuersumme verantwortlich zu machen sind, kommen in dem Programm an keiner Stelle vor. Die Partei fordert abstrakt einen &bdquo;&ouml;ffentlichen Sektor neuen Typs&ldquo;, der &bdquo;st&auml;rker, produktiver und effektiver&ldquo; sein soll als der alte Typ, wagt es aber nicht, &ouml;ffentliche Dienste und Bereiche zu benennen, die fast alle B&uuml;rger t&auml;glich als ineffektiv und parasit&auml;r erleben. Sie verlangt nicht einmal den Rauswurf jener korrupten Staatsdiener, die ihren Beamteneid gebrochen haben.  <\/p><p>In beiden Punkten scheut die Partei offensichtlich davor zur&uuml;ck, einen Teil ihrer potentiellen W&auml;hler (v.a. Freiberufler) und Bundesgenossen (etwa die Berufsvertretungen des &ouml;ffentlichen Dienstes) zu verprellen. Aber genau mit solcher R&uuml;cksichtnahme &ndash; auf Kosten des Gemeinwohls &ndash; f&auml;ngt der vermaledeite Klientelismus an, den die Syriza als &bdquo;Partei neuen Typs&ldquo; zu bek&auml;mpfen verspricht. Wobei sie beim Thema des &ouml;ffentlichen Dienstes vermutlich nicht einmal viele Stimmen verlieren w&uuml;rde. <\/p><p>Der einzige Punkt, in dem die Syriza eine konsequente Position auch gegen die Interessen einer potentiellen &bdquo;Klientel&ldquo; bezieht, ist ihre klare Absage an das Frontistirio-Systems: Das Parteiprogramm bezeichnet die privaten Nachhilfeschulen, die von den meisten Sch&uuml;lern und ihren Eltern ernster genommen werden als der staatliche Schulbetrieb, als pathologische Erscheinung, die mittels einer Aufwertung und Verbesserung des &ouml;ffentlichen Schulwesens beseitigt werden m&uuml;sse. Damit ist offensichtlich gemeint, dass zig Tausende von ausgebildeten Lehrern, die ihren Beruf an privaten Instituten aus&uuml;ben, vom &ouml;ffentlichen Schulwesen absorbiert werden sollten.<\/p><p><strong>Problem 4: Die 100.000-Euro-Frage<\/strong><\/p><p>Eine zentrale Frage, die mit der Forderung nach Aufk&uuml;ndigung des Memorandums zusammen h&auml;ngt, ist die Haltung der Syriza zum Euro. Nachdem sie zu Beginn der Krise und kurz nach der &bdquo;Invasion&ldquo; der Troika in Griechenland fast instinktiv eine Euro-skeptische Haltung bezogen hatte, versuchte die Parteif&uuml;hrung in der Folge, gegen die radikalen Euro-Gegner von der &bdquo;linken Plattform&ldquo; eine Euro-freundlichere Orientierung durchzusetzen. Im Vorfeld der Wahlen von 2012 machte Tsipras zwar noch verbale Zugest&auml;ndnisse an die innerparteiliche Opposition (die im Grund den Austritt Griechenlands aus der &bdquo;neoliberalen&ldquo; bzw. &bdquo;imperialistischen&ldquo; EU anstrebt), als er im Mai 2012 erkl&auml;rte, der Euro d&uuml;rfe f&uuml;r die Syriza kein &bdquo;Fetisch&ldquo; sein. Doch nach den Wahlen legte sich der Parteivorsitzende &ndash; im Bem&uuml;hen, auf internationaler Ebene akzeptiert zu werden &ndash; gegen&uuml;ber seinen EU-Gespr&auml;chspartnern, aber auch in den USA und gegen&uuml;ber dem IWF auf die Position fest, dass der Verbleib in der Eurozone im griechischen Interesse liege. Diese Aussage reflektierte auch die Stimmung in der griechischen Bev&ouml;lkerung, die in allen Umfragen bis Mitte 2012 mit gro&szlig;er Mehrheit  (70 bis 75 Prozent) f&uuml;r den Euro votierte, wogegen nicht einmal 20 Prozent eine R&uuml;ckkehr zur Drachme w&uuml;nschten. Auch bei den Syriza-W&auml;hlern waren die Euro-Bef&uuml;rworter bis 2012 in einer deutlichen Mehrheit. <\/p><p>Aber dann kam im M&auml;rz 2013 die Zypern-Krise. Das Ultimatum der Troika, das mit dem &bdquo;bail-in&ldquo; der Bankguthaben von &uuml;ber 100.000 Euro endete, l&ouml;ste in Griechenland fast so viel Angst und Schrecken aus wie unter den griechischen Zyprioten. Bei einer speziell diesem Thema gewidmeten Umfrage vom April (<a href=\"http:\/\/www.publicissue.gr\/2232\/var-apr-2013-special_issue1\/\">Public Issue<\/a>) waren auf einmal 68 Prozent der Syriza-W&auml;hler der Meinung, Zypern w&auml;re besser daran, wenn es aus der Eurozone ausscheidet. 51 Prozent der Syriza-Anh&auml;nger hielten das Ausscheiden Zyperns f&uuml;r wahrscheinlich, eine noch gr&ouml;&szlig;ere Mehrheit ging von einem Zerfall der gesamten Eurozone aus, und der Anteil derer, die eine negative Meinung &uuml;ber den Euro hatten, stieg auf den Rekordwert von 63 Prozent. Inzwischen hat sich die Sicht der Dinge wieder etwas beruhigt. Aber auch derzeit gibt es unter den Syriza-W&auml;hlern keine Mehrheit f&uuml;r den Verbleib Griechenlands in der Eurozone, wie das im Sommer 2012 noch der Fall war. <\/p><p>Das hei&szlig;t: In derselben Zeit, in der Tsipras  auf Dr&auml;ngen seiner &ouml;konomischen Experten auf den Euro-Verbleib und gegen die R&uuml;ckkehr zur Drachme festlegte, bewegten sich die Syriza-W&auml;hler in entgegengesetzter Richtung. Das gibt den innerparteilichen Euro-und EU-Gegnern neuen Auftrieb, den die Parteif&uuml;hrung nicht ignorieren kann. Deshalb wurde die Euro-Frage in dem programmatischen Manifest kaum thematisiert und kommt nur in einem einzigen Satz vor, und der lautet: &bdquo;Keinerlei Opfer f&uuml;r den Euro.&ldquo; Das ist offensichtlich eine Kompromissformel, mit dem die Parteif&uuml;hrung die linke Plattform beschwichtigen will. Dennoch fordert die &bdquo;linke Plattform&ldquo; beharrlich, die Partei m&uuml;sse eine Diskussion &uuml;ber &bdquo;die Diktatur des Euro&ldquo; f&uuml;hren, wie ihr Anf&uuml;hrer Lafazanis sich ausdr&uuml;ckt. Der glaubt im &Uuml;brigen, dass das in dem Syriza-Manifest umrissene &ldquo;Programm einer linken Regierung&ldquo; innerhalb der Eurozone nicht umzusetzen ist &ndash; eine These, die nicht leicht von der Hand zu weisen ist.<\/p><p><strong>Radikale Illusionen und die Machtfrage<\/strong><\/p><p>Der schon zitierte Syriza-Veteran Vassilis Paikos w&uuml;nschte sich vor dem Kongress eine &bdquo;wahrhaft vereinigte und ernsthafte Partei, die nicht schon die Saat k&uuml;nftiger Abenteuer in sich tr&auml;gt&ldquo;. Das entspricht auch den Vorstellungen derjenigen potentiellen Wechselw&auml;hler, die f&uuml;r eine linke Alternative gewonnen werden m&uuml;ssten, damit Griechenland in absehbarer Zeit eine Regierung Tsipras erlebt. Die zweite Gr&uuml;ndung der Syriza ist zwar ein wichtiger Schritt der Konsolidierung, hat aber auch erneut den Widerspruch klar gemacht, den eine im linksradikalen Milieu verwurzelte Partei aufheben oder mindestens &uuml;berbr&uuml;cken muss, n&auml;mlich die Dynamik und Ausstrahlung einer linken Bewegungspartei in Einklang zu bringen mit der Zuverl&auml;ssigkeit und Realit&auml;tsn&auml;he einer &bdquo;Machtpartei&ldquo;, die dazu noch in einer tiefen Krise die Verantwortung &uuml;bernehmen will. Dazu muss die Syriza nicht nur eine W&auml;hlermehrheit gewinnen, sie muss auch &uuml;ber l&auml;ngere Zeit von einer gesellschaftlichen Mehrheit &bdquo;getragen&ldquo; werden.<\/p><p>Diese Aufgabe beschreibt sehr realistisch Nick Malkoutzis (Herausgeber der englischen Ausgabe von Kathimerini) in einem Kommentar nach dem Syriza-Parteitag. Er geht davon aus, dass die Linkspartei das politische Potential ihrer Anti-Troika-Politik weitgehend ausgesch&ouml;pft hat. Deshalb m&uuml;sse die neue Syriza jetzt ihre Opposition gegen das Memorandum durch eine politische Strategie erg&auml;nzen, &bdquo;die den W&auml;hlern der Mitte &uuml;berzeugend klarmacht, dass sie die f&uuml;rchterliche Lage Griechenlands nicht noch verschlimmert, dass sie also die Chance verdient, das Land zu regieren.&ldquo;<\/p><p>Eine solche Strategie kann wohl nicht darin bestehen, die Krise als historische Chance zum direkten Durchmarsch in den Sozialismus zu sehen, wie es der harte Kern der &bdquo;linken Plattform&ldquo; verbalisiert. Diese Illusion teilen Tsipras und die Mehrheit der Syriza gewiss nicht, aber sie sehen sich gezwungen, sich ideologisch st&auml;ndig mit ihrer innerparteilichen Opposition auseinandersetzen. Das aber f&auml;rbt auf die Selbstdarstellung der Partei in einer Weise ab, die den z&ouml;gernden und zweifelnden W&auml;hlern das Votum f&uuml;r eine Abl&ouml;sung der alten politischen Klasse schwerer macht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die politische Klasse &ndash; in ihrer Inkarnation durch eine Koalition der alten Systemparteien ND und Pasok &ndash; weder zu einer Selbsterneuerung noch zu einer Erneuerung des politischen Systems in Griechenland f&auml;hig ist, f&uuml;hrt sie der Bev&ouml;lkerung tagt&auml;glich vor Augen. Die Beispiele daf&uuml;r k&ouml;nnte man im Dutzend anf&uuml;hren. Welche Wahl bleibt aber den Griechen, die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18096\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[173,137,30],"tags":[1045,1224,654,1230],"class_list":["post-18096","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-griechenland","category-steuern-und-abgaben","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-grexit","tag-syriza","tag-troika","tag-tsipras-alexis"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18096","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18096"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18096\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53086,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18096\/revisions\/53086"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18096"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18096"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18096"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}