{"id":181,"date":"2005-04-15T17:29:57","date_gmt":"2005-04-15T16:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=181"},"modified":"2016-03-15T17:24:02","modified_gmt":"2016-03-15T16:24:02","slug":"schwarzarbeit-in-deutschland-oder-die-langen-schatten-des-prof-schneider","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=181","title":{"rendered":"Schwarzarbeit in Deutschland oder die langen Schatten des Prof. Schneider"},"content":{"rendered":"<p>Von Ulrich Sedlaczek.<br>\n<!--more--><br>\nEdmund Stoiber wei&szlig;, wo Rot-Gr&uuml;n Arbeitspl&auml;tze geschaffen hat: In der Schwarzarbeit: <\/p><blockquote><p>Nach den Berechnungen der OECD erreicht sie in Deutschland heute einen Jahresumsatz von 350 Milliarden Euro &ndash; damit schlagen wir sogar Italien. Durch die Politik der Schr&ouml;der-Regierung hat die Schwarzarbeit in Deutschland mit rund 17 Prozent des Bruttosozialprodukts einen absoluten Nachkriegsrekord erreicht. Mit Schr&ouml;der boomt in Deutschland nur die Schwarzarbeit.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Welt am Sonntag vom 8.6.2003<\/p>\n<\/blockquote><p>Die Bundesregierung gibt ihm sogar Recht und meldet f&uuml;r das Jahr 2003, dass die Lage angeblich noch schlimmer ist. Auf ihrer Internetseite findet sich folgende Einsch&auml;tzung zur Schwarzarbeit: <\/p><blockquote><p>Ihr Umfang wird in Deutschland auf 370 Milliarden Euro gesch&auml;tzt, das entspricht einem Anteil von 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Der weitaus gr&ouml;&szlig;te Betrag entf&auml;llt mit 140 Milliarden Euro auf den Bausektor und mit 55 Milliarden Euro auf haushaltsnahe Dienstleistungen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Politik mit Geisterzahlen <\/strong><\/p><p>Derartige Zahlen geistern seit Jahren durch die deutsche Medienlandschaft. Die politischen Schl&uuml;sse, die daraus gezogen werden, sind meist folgende: Die hohen Steuern- und Sozialabgaben f&ouml;rdern die Schwarzarbeit. Deren Senkung w&uuml;rde zu einer Reduzierung der Schwarzarbeit, mehr regul&auml;rer Besch&auml;ftigung und damit mehr Einnahmen beim Fiskus und den Sozialkassen f&uuml;hren. <\/p><p>Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist nicht so schlimm, wie es scheint. Da wahrscheinlich ein gro&szlig;er Teil der Arbeitslosen schwarz arbeitet, haben diese neben dem Arbeitslosengeld weitere Eink&uuml;nfte, durch die Ihre soziale Lage deutlich verbessert wird.<\/p><p>Friedrich Merz fasst diese Argumente folgenderma&szlig;en zusammen: <\/p><blockquote><p>Wir haben in Deutschland ein gesch&auml;tztes Volumen in der Schattenwirtschaft von etwa 380 bis 400 Milliarden Euro. Dass es in diesem Land Arbeit genug gibt, zeigt die rasant wachsende Schattenwirtschaft, die Schwarzarbeit. 400 Milliarden Euro ist ein &Auml;quivalent von &uuml;ber sechs Millionen Vollzeitarbeitspl&auml;tzen. Viele derer, die heute in der Sozialhilfe sind und arbeitsf&auml;hig sind, haben ja Erwerbseinkommen auch zus&auml;tzlich in der Schattenwirtschaft. Wenn sie deren Einkommen addieren, dann haben Sie verf&uuml;gbare Einkommen im Monat, die sie unter der gegenw&auml;rtigen Abgabenbelastung im regul&auml;ren Arbeitsmarkt nicht erzielen k&ouml;nnen.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Interview Friedrich Merz mit dem DLF vom 11. Mai 2004<\/p>\n<\/blockquote><p>17% der BIP werden in Deutschland angeblich in der Schwarzarbeit erwirtschaftet. Also m&uuml;ssen 17% des Konsums und der Investitionen in die Schwarzarbeit flie&szlig;en. Unternehmen die investieren, ben&ouml;tigen von ihren Lieferanten in der Regel eine Rechnung um die Ausgaben steuerlich geltend zu machen. Also ist anzunehmen, dass der Anteil der Schwarzarbeit am privaten Konsum deutlich &uuml;ber 17% liegen m&uuml;sste, um diesen Wert am gesamten BIP zu erreichen. <\/p><p>Einige einfache &Uuml;berlegungen auf Basis der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) zeigen, dass all diese Zahlen wenig plausibel sind. <\/p><p>Die privaten Konsumausgaben lagen in Deutschland im Jahre 2004 laut Berechnung des Statistischen Bundesamts bei 1270 Mrd. Euro. Setzt man sehr vorsichtig auch beim Konsum einen Anteil von 17% f&uuml;r Schwarzarbeit an, ergibt das etwa 216 Milliarden oder 5500 Euro pro Haushalt und Jahr. 55 Milliarden Euro f&uuml;r haushaltsnahe Dienstleistungen in Schwarz-arbeit entspricht ca. 1400 Euro j&auml;hrlich pro Haushalt. Die &uuml;berwiegende Mehrheit der deutschen Haushalte putzt, b&uuml;gelt und kocht aber selber. Diese Zahl scheint also schon sehr hoch gegriffen. Wohin aber die restlichen &uuml;ber 4000 Euro gehen sollen, die jeder Durchschnitts-haushalt angeblich Jahr f&uuml;r Jahr f&uuml;r Schwarzarbeit ausgibt, ist v&ouml;llig unklar. <\/p><p>Noch weniger nachvollziehbar sind die Zahlen f&uuml;r das Baugewerbe. Die Bruttowertsch&ouml;pfung lag hier laut Statistischem Bundesamt 2004 bei 82 Mrd. Euro. Ein Umfang der Schwarzarbeit von 140 Mrd. Euro in diesem Bereich scheint somit v&ouml;llig unplausibel. Daf&uuml;r sprechen folgende Gr&uuml;nde:<\/p><ul>\n<li>Ein gro&szlig;er Teil der Baut&auml;tigkeit erfolgt im Auftrag der &ouml;ffentlichen Hand (Stra&szlig;enbau, Schulen usw.). Selbst wenn es auch da illegale Besch&auml;ftigung gibt, so d&uuml;rfte sie sich in Grenzen halten. Ebenso werden gro&szlig;e private Bautr&auml;ger, Immobilienfonds usw. kaum ohne Rechnung ihre Auftragnehmer bar bezahlen. Damit w&uuml;rden sie ja auch ihren Gew&auml;hrleistungsanspruch gef&auml;hrden.<\/li>\n<li>In den Zahlen des statistischen Bundesamts ist im &uuml;brigen bereits ein Zuschlag f&uuml;r die Schattenwirtschaft enthalten.\n<\/li>\n<li>Bei den 82 Mrd. Euro handelt es sich um die Bruttowertsch&ouml;pfung. Darin sind also auch Materiallieferungen und Abschreibungen enthalten. 140 Milliarden f&uuml;r Schwarzarbeit am Bau, bedeuten aber streng genommen 140 Milliarden Nettowertsch&ouml;pfung.<\/li>\n<li>Unterstellt man einem Schwarzarbeiterstundenlohn von gro&szlig;z&uuml;gigen 15 Euro und 1500 Arbeitsstunden pro Jahr, w&uuml;rde dies &uuml;ber 6 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeiter auf deutschen Baustellen bedeuten. [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/li>\n<li>Einer Pressemitteilung des Bundesfinanzministeriums vom 6.5 2004 ist zu entnehmen, dass sich auf 14% der vom Zoll auf Schwarzarbeit kontrollierten Gro&szlig;baustellen Verdachtsf&auml;lle f&uuml;r Schwarzarbeit ergaben. Dies bedeutet nun nicht, dass auf diesen Baustellen ausschlie&szlig;lich schwarz gearbeitet wurde. Umgekehrt wurden wahrscheinlich auf den anderen 86% mancher Schwarzarbeiter nicht entdeckt. Also ist die Annahme von 14% durchschnittlicher Schwarzarbeit vielleicht realistisch. Das sind aber dann um die 10 Mrd. Euro Wertsch&ouml;pfung und nicht 140.\n<\/li>\n<\/ul><p><strong>Der Experte der Schattenwirtschaft: Prof. Friedrich Schneider <\/strong><\/p><p>Woher stammen nun diese &auml;u&szlig;erst zweifelhaften Zahlen? Von Experten? Genau genommen von einem einzigen Experten: Prof. Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universit&auml;t in Linz. Seit &uuml;ber 10 Jahren besch&auml;ftigt sich Schneider mit der Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit und schockte die &Ouml;ffentlichkeit mit immer h&ouml;heren Zahlen &uuml;ber deren Ausma&szlig; in Deutschland. Nach seinen Berechnungen, lag die Gr&ouml;&szlig;e der Schattenwirtschaft 1970 in Deutschland bei etwa 3% des BIP und hat 2003 besagte 17% erreicht. Ab 2004 stellte Schneider wegen der Minijobregelung einen R&uuml;ckgang fest und f&uuml;r 2005 soll sie &bdquo;nur noch&ldquo; 15,5% des BIP betragen. 6 Dies entspricht nach Schneiders Angaben einer rechnerischen Gr&ouml;&szlig;e von ca. 10,5 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeitern, davon 1,2 Millionen illegale ausl&auml;ndische Besch&auml;ftigte. Dabei betont Schneider, dass der gr&ouml;&szlig;te Teil der Schwarzarbeit als Nebenerwerb ausgef&uuml;hrt wird. 21 Millionen Halbtagsschwarzarbeiter oder 42 Millionen mit 10 Stunden die Woche sind aber auch nicht realistischer. Als Quellenangabe sind &bdquo;Eigene Berechnungen&ldquo; angegeben, die nirgends erl&auml;utert werden. [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/p><p>Woher hat Prof. Schneider nun seine Erkenntnisse? Er berechnet die Gr&ouml;&szlig;e der Schattenwirtschaft mit Hilfe des Bargeldansatzes. Neuerdings kombiniert er diese Berechnungen mit Ergebnissen eines DYMIMIC-Ansatzes. <\/p><p>Vor der Besch&auml;ftigung mit der Frage, wie Schneider rechnet, ist zu kl&auml;ren, was er eigentlich berechnet. Er berechnet den Umfang der Schattenwirtschaft. <\/p><blockquote><p>\nUnter Schattenwirtschaft k&ouml;nnen demzufolge alle wirt schaftlichen Aktivit&auml;ten subsumiert werden, die nicht in die Berechnungen des Brutto&shy;sozialprodukts (BSP) eingehen, obwohl sie zur gesamtwirtschaftlichen Wertsch&ouml;pfung beitragen. Die Schattenwirtschaft kann daher mit einer Arbeitsdefinition wie folgt um schrieben werden: Unter Schattenwirtschaft werden all jene Leistungen zusammenge fasst, die normaler Weise zum Sozialprodukt gerechnet werden m&uuml;ssten, aber aus wel chen Gr&uuml;nden auch immer nicht im offiziellen Sozialprodukt enthalten sind. Dies be&shy;deutet, dass die Schattenwirtschaft eigentlich im Wertsch&ouml;pfungsbeitrag entsprechend der Konzeption der volkswirtschaftlichen Gesamt-rechnung (VGR) erfasst werde m&uuml;ss te, was aber durch die privatwirtschaftlichen Ausweichungsstrategien nicht gelingt. Das bedeutet wiederum, dass Schattenwirtschaft auch alle &ouml;konomischen Aktivit&auml;ten um fasst, die grunds&auml;tzlich steuerpflichtig w&auml;ren, wenn sie nicht dem Finanzamt verheim licht w&uuml;rden. <\/p>\n<p>Der Bereich der Schattenwirtschaft umfasst nach dieser Abgrenzung sowohl v&ouml;llig legale T&auml;tigkeiten im Bereich der Selbstversorgungswirtschaft (z.B. Nachbarschaftshil fe, Gef&auml;lligkeiten, Do-it-yourself, Hausarbeiten etc.), als auch illegale T&auml;tigkeiten in der Untergrundwirtschaft. Unterschieden werden k&ouml;nnen dabei Delikte, etwa Drogenhandel, Diebstahl etc. von legalen T&auml;tigkeiten, die jedoch illegal durchgef&uuml;hrt werden. Zu die sen geh&ouml;rt die Schwarzarbeit im weiten Sinne, die wesentliche Formen der illegalen Be sch&auml;ftigung umfasst. Illegale Besch&auml;ftigung: Leistungsmissbrauch, illegale Ausl&auml;nder-besch&auml;ftigung, illegale Arbeitnehmer&uuml;berlassung, Verst&ouml;&szlig;e gegen das Arbeitnehmer-Entsendegesetz. Schwarzarbeit im engeren Sinne: Steuer- und Sozialabgabenhinterziehung, Unerlaubte Gewerbe- und Handwerksaus&uuml;bung. Schwarzarbeit ist also eine echte Teilmenge der Schattenwirtschaft&ldquo;. <\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Friedrich Schneider, J&uuml;rgen Volkert, Siegried Caspar, Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit; Beliebt bei Vielen &ndash; Problem f&uuml;r alle, Baden-Baden, 2002, S13-15.<\/p>\n<\/blockquote><p>Nach dieser Definition scheint klar, dass die Schattenwirtschaft zum einen aus rein illegalen Aktivit&auml;ten wie Drogenhandel besteht zum anderen aus legalen Aktivit&auml;ten wie Bauarbeiten, die illegal ausge&uuml;bt werden. Letzteres bezeichnet man landl&auml;ufig als Schwarzarbeit. Diese Definition wird jedoch eine Seite sp&auml;ter wieder ge&auml;ndert: <\/p><blockquote><p>Aus Tabelle 2.1 geht nochmals hervor, dass zur Schattenwirtschaft alle (an und f&uuml;r sich legalen) Aktivit&auml;ten gez&auml;hlt werden sollen, die im Sinne der volkswirtschaftli chen Gesamtrechnung eine Wertsch&ouml;pfung darstellen, aber aufgrund der Steuerhinter ziehungs- und Umgehungsm&ouml;glichkeiten nicht deklariert werden.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.16.<\/p>\n<\/blockquote><p>Dieses Durcheinander der Begriffe Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit zieht sich durch alle Ver&ouml;ffentlichungen Prof. Schneiders. F&uuml;r ihn scheint Schwarzarbeit im engeren Sinn die einzig relevante Form der Schattenwirtschaft zu sein. Klar ist, dass in den 370 Milliarden f&uuml;r die Schattenwirtschaft auch Drogen- Frauen- und Waffenhandel, Diebstahl, Hehlerei usw. enthalten sind. Der Umfang dieser Wirtschaftszweige ist keineswegs gering. Vor allem sind nat&uuml;rlich die politischen Schlu&szlig;folgerungen andere,. wenn die Schattenwirtschaft w&auml;chst, weil z.B. immer mehr Waffen gehandelt werden, als wenn die Ursache in vermehrter T&auml;tigkeit der Feierabendmaurer zu suchen ist. In der &ouml;ffentlichen Diskussion geht der Unterschied zwischen Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit dann ganz verloren. <\/p><p><strong>Nur Bares ist Wahres <\/strong><\/p><p>Schneiders Berechnung beruhen im wesentlichen auf den Bargeldansatz. <\/p><blockquote><p>Eine der zentralen Eigenheiten der schattenwirtschaftlichen Aktivit&auml;ten liegt darin begr&uuml;ndet, dass diese &uuml;blicherweise in bar abgewickelt werden, um m&ouml;glichst wenig Spuren zu hinterlassen. Das gilt sowohl f&uuml;r die Schwarzarbeit im engen Sinne als auch f&uuml;r die an sich schon kriminellen Bereiche der Schattenwirtschaft, wie Hehlerei und Drogenhandel. Steigt daher der Bargeldbedarf im Zeitablauf &uuml;ber einen als normal be trachteten absoluten und relativen Wert hinaus an, dann wird daraus auf die Existenz schattenwirtschaftlicher Aktivit&auml;ten geschlossen. Die Bargeldhaltung wird als Indikator f&uuml;r den Umfang der Schattenwirtschaft angesehen, und wenn die Bargeldhaltung wie in der Abbildung 2.3 angenommen, st&auml;rker steigt, als unter der Ber&uuml;cksichtigung weiterer Einflussfaktoren &bdquo;normalerweise&rdquo; zu erwarten gewesen w&auml;re, l&auml;sst sich eine Zunahme der Schattenwirtschaft vermuten.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.25<\/p>\n<\/blockquote><p>Somit folgt auch aus der Sch&auml;tzmethode der Schattenwirtschaft zwingend, dass zwischen der Schwarzarbeit und rein kriminellen Aktivit&auml;ten wie Drogenhandel usw. nicht unterschieden werden kann. Schlie&szlig;lich gilt der Grundsatz &bdquo;Nur Bares ist Wahres&ldquo; hier nicht nur um Spuren zu vermeiden, sondern auch wegen der h&auml;ufig geringen Kreditw&uuml;rdigkeit der Kunden. <\/p><p>Es gibt jedoch noch eine Reihe weiterer &bdquo;inoffizieller&ldquo; Transaktionen, die bevorzugt mit Bargeld get&auml;tigt werden, um nicht entdeckt zu werden: <\/p><ul>\n<li>Mancher Gebrauchtwarenh&auml;ndler verlangt Barzahlung, wenn er auf die Erhebung der Mehrwertsteuer verzichten soll.<\/li>\n<li>&Uuml;ber die Grenzen Deutschlands zu &Ouml;sterreich, Schweiz und Luxemburgs werden erhebliche Mengen Bargeld in Koffern und Plastikt&uuml;ten transportiert. H&auml;ufig stammt dieses Geld aus regul&auml;r versteuerten Einkommen. Die Eigent&uuml;mer m&ouml;chten aber die Zinsen auf diese Betr&auml;ge nicht versteuern.<\/li>\n<\/ul><p>Derartige Aktivit&auml;ten enthalten keine oder nur geringe Wertsch&ouml;pfung, ben&ouml;tigen aber dennoch Schwarzgeld. Aus dem Bargeldansatz kann vielleicht geschlossen werden, wieviel Schwarzgeld im Umlauf ist, aber nicht wieviel davon f&uuml;r Schwarzarbeit eingesetzt wird. <\/p><p>Der Bargeldansatz erm&ouml;glicht auch keine Unterscheidung von Brutto- und Nettowertsch&ouml;pfung. Auch bei den Ausgaben f&uuml;r die Schwarzarbeit, sind oft Vorleistungen enthalten, die nicht aus der Schattenwirtschaft stammen. Ein Beispiel: Ein Hauseigent&uuml;mer beauftragt einen Schwarzarbeiter damit, sein Bad neu zu fliesen. Er vereinbart einen Gesamtpreis von 1000 &euro; inklusive Material. Der Schwarzarbeiter kauft daf&uuml;r im Baumarkt Fliesen und anderes Material f&uuml;r 500 Euro. Darin ist die Mehrwertsteuer enthalten. Der Baumarkt zahlt normale Steuern und Sozialabgaben. Um nicht entdeckt zu werden, zahlt der Fliesenleger bar. Ebenso sein Auftraggeber die vereinbarten 1000 Euro. Die tats&auml;chliche &bdquo;schwarze&ldquo; Wertsch&ouml;pfung betr&auml;gt aber nur 500 Euro. <\/p><p>Einen weiteren Einwand gegen die Tauglichkeit der Bargeldmethode zur Ermittlung des Umfangs der Schattenwirtschaft erw&auml;hnt Schneider selbst: <\/p><blockquote><p>F&uuml;r einige L&auml;nder besteht ein weiteres schwerwiegendes Problem: Ein unbekannter, vermutlich aber bedeutender Teil des Bargeldes wird im Ausland gehalten und dies vermutlich auch, um dort Steuern zu hinterziehen. Diese Art von &bdquo;schwarzem Geld&rdquo; kann also nicht als Indikator f&uuml;r die Schattenwirtschaft in L&auml;ndern wie z.B. Deutschland, Schweiz und den USA angesehen werden.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Friedrich Schneider, Dominik Enste, Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit; M&uuml;nchen, 2000, S18.<\/p>\n<\/blockquote><p>In der Fu&szlig;note hei&szlig;t es zur Erl&auml;uterung: <\/p><blockquote><p>Die Deutsche Bundesbank sch&auml;tzt beispielsweise, da&szlig; sich &uuml;ber ein Drittel der deutschen Banknoten im Ausland (z.B. in Osteuropa) im Umlauf befindet&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Este (2000), S18<\/p>\n<\/blockquote><p>Nun w&auml;re es interessant zu erfahren, wie Schneider diese Tatsache in seinem Modell ber&uuml;cksichtigt. Doch dazu gibt es keine Angaben. Stattdessen wird folgendes Res&uuml;mee gezogen: <\/p><blockquote><p>Trotz dieser offenkundigen Schw&auml;chen ist es mit diesem Ansatz m&ouml;glich, die Entwicklung der Schattenwirtschaft &uuml;ber die Zeit zumindest rudiment&auml;r zu erfassen. Der Bargeldansatz z&auml;hlt heute zu den am meisten verwendeten Analysetechniken und brachte f&uuml;r eine Mehrzahl der F&auml;lle durchaus sinnvolle Resultate.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Este (2000), S18<\/p>\n<\/blockquote><p>Inzwischen sind die meisten DM-Best&auml;nde auch in Osteuropa wohl in Euro umgetauscht. Mit den Problemen f&uuml;r den Bargeldansatz zur Messung der Schwarzarbeit, die daraus entstehen, besch&auml;ftigen sich auch Urban Janisch und Dieter Br&uuml;mmerhoff. <\/p><blockquote><p>Zur nationalstaatlichen Bargeldnachfrage-Abgrenzung innerhalb des Euro-Raums wurden von Schneider. keine Aussagen getroffen. Es wird also angenommen, dass hier 1:1 die Nach frageabgrenzungen der EZB zugrunde gelegt wurden. In diesem Zusammenhang m&uuml;sste aber gekl&auml;rt werden, ob die deutschen Schattenwirtschaftsakteure ab 2001 nur in Deutschland Eu ro-Bargeld nachfragen. Grunds&auml;tzlich k&ouml;nnten sich z.B. s&uuml;ddeutsche Schwarzarbeitgeber auch an &ouml;sterreichischen bzw. franz&ouml;sischen Geldautomaten mit Euro versorgen. Ebenfalls gilt es zu kl&auml;ren, ob sich das von Touristen des Euro-Raums &uuml;ber die deutschen Grenzen be wegte Euro-Bargeld mit dem der deutschen Touristen ausgleicht. Insofern die Besucher Deutschlands mehr Euro-Bargeld ausf&uuml;hren, als Deutsche einf&uuml;hren, w&uuml;rde nach der Bar geldmethode auf schattenwirtschaftliche Wertsch&ouml;pfung geschlossen werden, obwohl nur Bargeld transferiert wurde.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Urban Janisch, Dieter Br&uuml;mmerhoff. &bdquo;M&ouml;glichkeiten und Grenzen der Sch&auml;tzung der Schattenwirtschft &ndash; Eine kritische Auseinandersetzung mit den Sch&auml;tzergebnissen der Bargeldmethode nach Schneider, in Th&uuml;nen series of applied economic theory ; Rostock 2004, S34. Leider ist dieser Aufsatz eine der ganz wenigen Arbeiten aus dem &bdquo;akademischen Lager&ldquo;, der sich kritisch mit den Sch&auml;tzungen Schneiders auseinandersetzt.<\/p>\n<\/blockquote><p>So errechnet Schneider f&uuml;r die Jahre 2002\/2003 f&uuml;r die Eurol&auml;nder &Ouml;sterreich, Deutschland und Italien Anteile der Schattenwirtschaft am BIP von 10,8, 16,8 und 26,2%. [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Gerade zwischen diesen 3 L&auml;ndern gibt es einen regen Bargeldaustausch, so dass es kaum m&ouml;glich sein d&uuml;rfte, aus den in den jeweiligen L&auml;ndern gedruckten Banknoten, auf den tats&auml;chlichen Bargeldumlauf zu schlie&szlig;en. Schneider erw&auml;hnt an keiner Stelle, ob bzw. wie er dieses Problem ber&uuml;cksichtigt. <\/p><p>Etwas absurd mutet es auch an, wenn Schneider seine Sch&auml;tzergebnisse f&uuml;r die Schattenwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika ver&ouml;ffentlicht. Demnach liegt in Afrika Tansania mit einem Anteil von 58,3% der Schattenwirtschaft am BIP an der Spitze, in Asien Thailand mit 52,6% und in Lateinamerika Bolivien mit 67,1 %. [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Leider teilt Schneider nicht mit, welche Steuern und Sozialabgaben z.B. ein Kleinbauer in Tansania zu zahlen hat und wie er diese durch Flucht in die Schattenwirtschaft vermeiden kann. Da Schattenwirtschaft ja vor allem ein Ergebnis hoher Steuern und Sozialabgaben sein soll, m&uuml;ssen diese in Tansania wohl besonders hoch sein. Zu vermuten ist, dass der hohe Bargeldumlauf in Tansania nicht so sehr in der H&ouml;he der Abgaben an den Staat liegt, Vielmehr d&uuml;rfte u.a. die Tatsache eine Rolle spielen, da&szlig; auch die Staatsagenten vorzugsweise Bargeld einfordern, wenn sie ihre Geh&auml;lter durch &bdquo;Nebeneink&uuml;nfte&ldquo; f&uuml;r Gef&auml;lligkeiten aufbessern. Eine Zunahme der Korruption, k&ouml;nnte auch in L&auml;ndern wie Deutschland eine weitere Erkl&auml;rung f&uuml;r eine gestiegene Bargeldnachfrage sein. <\/p><p><strong>Schwarzarbeit in Deutschland &ndash; realistisch betrachtet <\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich sind alle Sch&auml;tzungen &uuml;ber illegale und halblegale Aktivit&auml;ten schwierig, auch bei der Schwarzarbeit. Doch Prof. Schneider liefert auch Information, die ein realistischeres Bild vom Umfang der Schwarzarbeit zeichnen. In seinem 2002 ver&ouml;ffentlichen Buch &bdquo;Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit: Beliebt bei Vielen &ndash; Problem f&uuml;r alle&ldquo; kombiniert er den Bargeldansatz mit Ergebnissen einer direkten Befragung. Dieses Buch basiert auf einer Pilotstudie, die das Institut f&uuml;r angewandte Wirtschaftsforschung (IAW), T&uuml;bingen, zusammen mit Prof. Schneider im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Baden-W&uuml;rttemberg erarbeitet hat. Darin wird der Umfang der Schattenwirtschaft in Baden-W&uuml;rttemberg mit Hilfe der Bargeldmethode auf 79 Mrd. DM im Jahre 2000 gesch&auml;tzt.  Dies entspricht 13,6% des BIP. Diese Sch&auml;tzungen wurden erg&auml;nzt durch eine Befragung von 600 Baden-W&uuml;rttembergern, den folgende Fragen vorgelegt wurden: <\/p><blockquote><p><strong>Frage 3:<\/strong> Nach neuesten Sch&auml;tzungen ist Schwarzarbeit sehr weit verbreitet. So soll etwa jeder f&uuml;nfte Arbeitende schwarz arbeiten. Hand aufs Herz. Haben Sie selbst schon einmal schwarz gearbeitet bzw. schwarz arbeiten lassen? <\/p>\n<p><strong>Frage 4 (an Schwarzarbeiter):<\/strong><br>\na) Und wie h&auml;ufig arbeiten sie normalerweise schwarz?<br>\nb) Bitte geben Sie noch an, wie umfangreich die von Ihnen ausgef&uuml;hrten Schwarz arbeiten &uuml;blicherweise sind.<br>\nc) Und was bekommen Sie normalerweise f&uuml;r eine Stunde Schwarzarbeit? <\/p>\n<p><strong>Frage 5 (an Auftraggeber von Schwarzarbeit):<\/strong><br>\na) Sie haben gesagt, dass Sie schon einmal schwarz arbeiten haben lassen. Wie h&auml;ufig lassen Sie denn normalerweise schwarz arbeiten?<br>\nb) Bitte geben Sie auch noch an, wie umfangreich die von Ihnen vergebenen Schwarzarbeiten &uuml;blicherweise sind. <\/p>\n<p>Und was haben Sie f&uuml;r eine Stunde Schwarzarbeit bezahlt?&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.44<\/p>\n<\/blockquote><p>Diese Befragung brachte folgendes Ergebnis: 8,2% der Befragten haben selbst schon mal schwarz gearbeitet und 8,1% haben sowohl selbst schwarz gearbeitet als auch Schwarzarbeiter f&uuml;r sich arbeiten lassen. Die Schlu&szlig;folgerung Schneiders lautet dann: &bdquo;Der Anteil der Schwarzarbeiter an der befragten Gesamtbev&ouml;lkerung betr&auml;gt damit mindestens 16,4%.&ldquo; [<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Diese Ergebnisse scheinen gut zu den 13,6% Anteil der Schattenwirtschaft am BIP durch den Bargeldansatz zu passen. Doch die Frage war ja nicht :&bdquo;Arbeiten sie fast ausschlie&szlig;lich schwarz?&ldquo;, sondern: &bdquo;Haben sie schon einmal schwarz gearbeitet?&ldquo; Wie wichtig dieser Unterschied ist, zeigt sich bei den Antworten auf die Frage nach der H&ouml;he der Einkommen aus Schwarzarbeit. Demnach erzielten 48,1% der Befragten ein monatliches Schwarzarbeitereinkommen von unter 100 DM, 45,5% ein Einkommen von 101-1000 DM. Lediglich 3,9% erhielten &uuml;ber 1000 DM und bestritten damit vielleicht den gr&ouml;&szlig;ten Teil ihres Lebensunterhalts durch Schwarzarbeit. [<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] [<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><p>Schneider errechnet dann aus den Angaben der Schwarzarbeiter ein Schwarzarbeitsvolumen von ca. 5,3 Milliarden DM und nach den Angaben der Auftraggeber ein Volumen von ca. 2,3 Milliarden. Diese Differenz ist zum Teil dadurch zu erkl&auml;ren, dass die &bdquo;Kunden&ldquo; der Schwarzarbeiter ja h&auml;ufig nicht wissen, ob z.B. der Kellner im Restaurant schwarz arbeitet oder nicht. Somit d&uuml;rfte die Zahl von 5,3 Milliarden DM die plausiblere sein. Legt man auf diese Sch&auml;tzung noch einmal 50% darauf, weil die Befragten den Umfang ihrer Schwarzarbeit bagatellisierten und Migranten ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis nicht befragt wurden, landet man bei ca. 8 Milliarden. Dies w&auml;ren dann etwa 10% der durch den Bargeldansatz berechneten 79 Milliarden DM, oder 1,4 statt 13,6% vom BIP Baden-W&uuml;rttembergs. Dieses Zahlen stimmen auch in etwa mit den Ergebnissen einer Untersuchung zur Schwarzarbeit in Deutschland durch eine Umfrage im Jahre 1984 &uuml;berein. Demnach betrug das Volumen damals zwischen 0,7 und 1,2 % des BSP. [<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] <\/p><p>Die Erkl&auml;rung f&uuml;r Differenzen aus dem Bargeldansatz und den Befragungen hat Prof. Schneider seinen Ergebnissen vorangestellt: <\/p><blockquote><p>Bei direkten Befragungen tritt das Problem auf, dass die Befragten den konkreten Umfang ihrer Schwarzarbeit aus mehreren Gr&uuml;nden systematisch untersch&auml;tzen, da:<\/p>\n<ul>\n<li>ein Teil der Befragten eigene Schwarzarbeitsaktivit&auml;ten nicht eingestehen wird. Im Unterschied zum Bargeldansatz werden bei der Befragung Aktivit&auml;ten, die grund s&auml;tzlich kriminell sind (z. B. Drogenhandel, Hehlerei) nicht erfasst. Des weiteren ist davon auszugehen, dass die Bereitschaft zu korrekter Auskunft abnimmt, sobald die betreffenden T&auml;tigkeiten nicht mehr individuell ausgef&uuml;hrt werden, sondern im Ver bund mit anderen (z. B. Banden oder Kolonnen).<\/li>\n<li>davon auszugehen ist, dass Schwarzarbeiter, die sich in Befragungen zu diesen T&auml; tigkeiten bekennen, nur einen Teil ihrer hieraus entstehenden Eink&uuml;nfte angeben werden, insbesondere, wenn es sich um relativ hohe Betr&auml;ge handelt.<\/li>\n<li>Konsumenten sich teilweise nicht bewusst sind, dass sie faktisch Schwarzarbeit ver geben oder (Schwarz-) Arbeiten in einem Umfang durchf&uuml;hren, der nicht mehr als Gef&auml;lligkeit oder Nachbarschaftshilfe klassifiziert werden kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hieraus folgt, dass direkte Befragungen sich weniger zur Absch&auml;tzung des Umfangs von Schwarzarbeit eignen, sondern lediglich eine Mindestschwelle angeben, die vom tats&auml;chlichen Umfang der Schwarzarbeit vermutlich deutlich &uuml;berschritten wird. <\/p>\n<p>Diese Probleme treten bei indirekten monet&auml;ren Methoden, wie beispielsweise dem Bargeldansatz, nicht auf. Sie werden daher h&auml;ufig f&uuml;r die Bestimmung von Entwicklung und Ausma&szlig; der Schattenwirtschaft in verschiedenen W&auml;hrungsr&auml;umen herangezogen. &Uuml;ber die bereits skizzierten Probleme und Grenzen dieser Ans&auml;tze hinaus muss ber&uuml;ck&shy;sichtigt werden, dass Bargeldans&auml;tze:<\/p>\n<ul>\n<li>in der Regel zu hohen Werten f&uuml;r den Umfang der Schwarzarbeit f&uuml;hren, die auf grund der methodischen Probleme nur als sehr grobe Orientierungsgr&ouml;&szlig;en angese hen werden k&ouml;nnen<\/li>\n<li>wie alle anderen indirekten Methoden Teile der Selbstversorgungswirtschaft, Eigen arbeit und Nachbarschaftshilfe erfassen, obwohl diese nicht zur Schwarzarbeit im engeren Sinne z&auml;hlen&ldquo;<\/li>\n<\/ul>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.40-41<\/p>\n<\/blockquote><p>Im Klartext: Die Befragungen liefern zu niedrige, die Bargeldmethode zu hohe Werte. Rein kriminelle Aktivit&auml;ten wie Drogenhandel werden bei der Bargeldmethode erfa&szlig;t bei den Befragungen nicht. All diese Erkenntnisse hindern Prof. Schneider nicht daran, die Ergebnisse des Bargeldansatzes als die einzig relevanten Zahlen zur Schwarzarbeit zu verbreiten. Auch in der Untersuchung in Baden-W&uuml;rttemberg werden die Befragungsergebnisse im weiteren ignoriert und ausschlie&szlig;lich mit den Resultaten des Bargeldansatzes weiter gearbeitet. Eigentlich m&uuml;sste auf all Ver&ouml;ffentlichungen Schneiders gro&szlig; vermerkt sein: &bdquo;Achtung: Diese Zahlen zur Schwarzarbeit sind aufgrund methodischer Probleme zu hoch, und sie umfassen auch kriminelle Aktivit&auml;ten wie Drogenhandel und Hehlerei, sowie Teile der Selbstversorgungswirtschaft.&ldquo; Allerdings w&auml;re dann das Interesse der Politiker und Journalisten an diesen Zahlen sehr viel geringer. <\/p><p><strong>Fazit <\/strong><\/p><p>Wie h&auml;ufig in der Diskussion um den Arbeitsmarkt in Deutschland, haben wir es auch beim Thema Schwarzarbeit mehr mit Mythen, als mit Fakten zu tun.  [<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>] Das Besondere ist in diesem Fall, dass alle gesellschaftspolitischen Akteure &ndash; auch die Gewerkschaften &ndash; nicht sonderlich an einer realistischen Sichtweise interessiert scheinen. Schlie&szlig;lich ist Schwarzarbeit h&auml;ufig mit illegaler Besch&auml;ftigung zu Dumpingl&ouml;hnen verbunden. Gerade an deren Bek&auml;mpfung sind nat&uuml;rlich auch die Gewerkschaften interessiert. Wenn es auf deutschen Baustellen, neben den 2,3 Millionen offiziell Besch&auml;ftigten, 6 Millionen Vollzeit-Schwarzarbeiter g&auml;be, m&uuml;sste es doch sehr einfach sein, wenigstens 5 Millionen davon zu finden und sie bzw. ihre Auftraggeber zu bestrafen. Dass dies nicht gelingt, zeigt wie unrealistisch diese Zahlen sind, macht aber das Vorgehen gegen Schwarzarbeit nicht unn&ouml;tig. Wenn der Staat gegen die Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben vorgeht, ist dies zu begr&uuml;&szlig;en. Die Fantasiezahlen Friedrich Schneiders scheinen jedoch die Auffassung zu best&auml;tigen, dass Schwarzarbeit ein Kavaliersdelikt sei, das fast alle Menschen begehen. <\/p><p><strong>Nachtrag: Zur Methode des Bargeldansatzes.<\/strong><\/p><p>Es ist generell nicht m&ouml;glich die Berechnungen Schneiders tats&auml;chlich nachzuvollziehen. Er ver&ouml;ffentlicht nur einige allgemeine &ouml;konometrische Modellgleichungen und das Endergebnis. Eine der detailliertesten Darstellungen seiner Vorgehensweise lautet: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Eine Fortf&uuml;hrung der Ans&auml;tze von Cagan und Gutman stellen die Arbeiten von Tanzi (1982, 1983), Cloveland (1984), Kirchg&auml;ssner (1984) und Schneider (1986, 1994, 1997) dar. In diesen verfeinerten Bargeldumlaufans&auml;tzen, werden mittels multipler Regression die verschiedenen Determinanten der Bargeldnachfrage, die konventio nellen (Zinssatz, H&ouml;he des Einkommen Bargeldsubstitute wie Kreditkarten, Euro chequesysteme) und diejenigen, die den Einfluss der Schattenwirtschaft wiederspie geln, ber&uuml;cksichtigt. Dieser Ansatz wird Bargeldmethode genannt und ist heute das am meisten angewendete Verfahren zur Messung der Schwarzarbeit. Kloveland, Kirchg&auml;ssner und Schneider sch&auml;tzen &ouml;konometrische Nachfragefunktionen f&uuml;r die Bargeldhaltung. Als Basismodell ziehen sie folgende Bargeldfunktion heran: BG = f (P, Y, R, S, USt &hellip;.USN) <\/p>\n<p>Die Bargeldnachfrage (BG) h&auml;ngt demzufolge ab vom Preisniveau (P), dem Transak tionsvolumen in der offiziellen Wirtschaft (Y), einem Zinssatz (R), den Bargeldsub stituten (S) und mehreren Variablen (US, bis USN), die als Ursachen f&uuml;r schatten wirtschaftliche Aktivit&auml;ten (marginale und durchschnittliche Steuers&auml;tze, Regulie rungsdichte, Steuermoral, Komplexit&auml;t des Steuersystems usw.) stehen. <\/p>\n<p>Die Berechnung wird folgenderma&szlig;en durchgef&uuml;hrt: Man simuliert die Bargeld haltung in der &ouml;konometrisch gesch&auml;tzten Bargeldfunktion unter den ceteris paribus Annahmen einer konstanten Steuerbelastung und der Konstanthaltung der anderen Faktoren, die als Ursachen f&uuml;r die Schattenwirtschaft gelten k&ouml;nnen; d.h. man &bdquo;schal tet&rdquo; die Entstehungsursachen f&uuml;r die Schattenwirtschaft aus. Dann wird aus der posi tiven Differenz zwischen der theoretischen und der tats&auml;chlichen Bargeldhaltung auf die Existenz schattenwirtschaftlicher Aktivit&auml;ten geschlossen. Die korrespondierende Gr&ouml;&szlig;e der Wertsch&ouml;pfung im Schattensektor l&auml;sst sich in einem zweiten Schritt da durch ermitteln, dass man die steuerinduzierte (und aufgrund anderer Faktoren indu zierte) Bargelddifferenz mit der Geldumlaufgeschwindigkeit multipliziert. Dabei wird die bedeutsame Annahme getroffen, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit im offiziellen und im inoffiziellen Sektor gleich ist.&ldquo; 25 <\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.26-27<\/p>\n<\/blockquote><p>Sehen wir zun&auml;chst von den Variablen US bis USN ab, die Ursachen f&uuml;r die Schattenwirt sein sollen. Dann wird in diesem Modell aus den Variablen f&uuml;r Zinssatz, Bargeldsubstituten usw. eine theoretische Bargeldmenge errechnet. Dazu braucht man z.B. die Annahme, dass 10% mehr Kreditkarten zu 15% weniger Bargeldeinsatz im offiziellen Sektor f&uuml;hren. Leider kann die Richtigkeit dieser Annahme nicht &uuml;berpr&uuml;ft werden. Bekannt ist ja (n&auml;herungsweise) nur der tats&auml;chliche Bargeldumlauf. Jede Differenz zwischen errechneten und tats&auml;chlichen Bargeldumlauf gilt aber als Bargeld f&uuml;r die Schattenwirtschaft. Anders ausgedr&uuml;ckt jede falsche Annahme bez&uuml;glich der quantitativen Wirkung der Variablen P,Y, R, S f&uuml;hrt zu Fehlern bei der Berechnung der Schattenwirtschaft. Um vern&uuml;nftige Werte f&uuml;r die Koeffizienten dieser Variablen zu ermitteln, m&uuml;sste es m&ouml;glich sein diese f&uuml;r l&auml;ngere Zeit und\/oder in mehreren L&auml;ndern ohne Schattenwirtschaft zu berechnen. &Ouml;konometrische Modelle beruhen immer auf Me&szlig;reihen mit m&ouml;glichst vielen Me&szlig;punkten. Der Wert eines einzigen Referenzjahres l&auml;&szlig;t solche Berechnungen nicht zu. Werden nun die Variablen US1 bis USN in das Modell einbezogen, zeigt sich das dessen Ergebnisse ohne gro&szlig;en Erkenntniswert sind. [<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Sicher ist es naheliegend, dass eine h&ouml;here Steuer- und Abgabenbelastung die Attraktivit&auml;t von Schwarzarbeit steigert. Damit ist allerdings nicht gesagt, dass der Wunsch nach mehr Schwarzarbeit auch realisiert werden kann. &Ouml;konometrische Modelle sollten eigentlich dazu dienen, Thesen wie &bdquo;H&ouml;here Steuern f&uuml;hren zu mehr Schwarzarbeit&ldquo; zu &uuml;berpr&uuml;fen und den Umfang der Ver&auml;nderung abzusch&auml;tzen. Schneider geht den umgekehrten Weg. Er setzt die G&uuml;ltigkeit dieser Annahme voraus und erh&ouml;ht f&uuml;r L&auml;nder mit hohen Steuern die gesch&auml;tzte Schwarzarbeit. <\/p><p>So ist es auch zu erkl&auml;ren, dass Schneider inzwischen auch Prognosen f&uuml;r die Schattenwirtschaft abgibt. F&uuml;r 2005 sagt er einen R&uuml;ckgang um 2,8% voraus. Eigentlich m&uuml;sste er dazu zumindest den Bargeldumlauf 2005 kennen, der ja nach seiner Theorie entscheidend vom Umfang der Schwarzarbeit abh&auml;ngt. Auch hier nimmt Schneider einfach an, dass die Reduzierung der Abgabenlast bei den Minijobs zum R&uuml;ckgang der Schwarzarbeit f&uuml;hrt. Wie er dessen Umfang berechnet, bleibt sein Geheimnis. Die Politik sieht sich dann durch Schneiders Berechnungen best&auml;tigt, obwohl er eigentlich nur ihre Annahme teilt.<br>\nJanisch\/Br&uuml;mmerhoff formulieren ihr Fazit zur Bargeldmethode vorsichtig aber deutlich: <\/p><blockquote><p>Aus den zahlreich angef&uuml;hrten Nachteilen und methodischen Kritiken an der von Schneider verwendeten Bargeldmethode wird deutlich, dass die damit ermittelten Sch&auml;tzergebnisse mit erheblichen Unsicherheiten behaftet und nicht voll belastbar sind.&ldquo;<\/p>\n<div class=\"cite_hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div>\n<p class=\"reference\">Janisch\/Br&uuml;mmerhoff, 2004<\/p>\n<\/blockquote><p><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Friedrich Merz hat bei seiner Umrechnung des angeblichen Volumens der Schwarzarbeit in Vollzeitarbeitspl&auml;tze wohl mit normalen Bruttostundenl&ouml;hnen + Sozialabgaben gerechnet. Mit realistischen15 Euro w&auml;re er auf fast 18 Millionen Schwarzarbeiter in Vollzeit gekommen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Friedrich Schneider, Arbeit im Schatten &ndash; Wo Deutschlands Wirtschaft wirklich w&auml;chst, Wiesbaden 2004, S.59<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Friedrich Schneider, Robert Klinglmair, Shadow economies around the world: What do we know?, CESIFO Working Paper No. 1167, 2004, S13<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Schneider\/Klinglmair (2004) S7-10<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.44<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Eigene Berechnungen aufgrund der Angaben in Schneider\/Volkert\/Caspar (2002) S.46. 2,5% machten keine Angaben.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] In Schneider(2004) S.63 werden Befragungsergebnisse aus Deutschland im Jahre 2003 wiedergegeben, nach denen 25% der Befragten angeben, da&szlig; sie regelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r 300 Euro und mehr schwarz arbeiten. &bdquo;Quelle: Repr&auml;sentative Umfrage.&ldquo; Angaben, wer diese beauftragt und ausgef&uuml;hrt hat, zur Gr&ouml;&szlig;e der Stichprobe, Erhebungstechnik usw. werden nicht gemacht und finden sich auch sonst nirgends in Schneiders zahlreichen Ver&ouml;ffentlichungen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Klaus Wolff: Schwarzarbeit in der Bundesrepublik Deutschland: eine mikroanalytische Untersuchung, Frankfurt\/Main, 1991, S.72<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] 24 Eine gute Zusammenstellung solcher Mythen findet sich bei Albrecht M&uuml;ller: Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren. M&uuml;nchen, 2004.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Die Einbeziehung dieser Variablen stellt die Kombination von Bargeldmethode und DYMIMIC-Ansatz dar.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Ulrich Sedlaczek. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[141,11],"tags":[343,783,1784,1738],"class_list":["post-181","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-luegen-mit-zahlen","tag-merz-friedrich","tag-schwarzarbeit","tag-sozialmissbrauch"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=181"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32160,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/181\/revisions\/32160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=181"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=181"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=181"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}