{"id":1813,"date":"2006-10-24T14:23:38","date_gmt":"2006-10-24T12:23:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1813"},"modified":"2016-01-23T11:14:55","modified_gmt":"2016-01-23T10:14:55","slug":"die-ausgeblendete-vorgeschichte-eine-bilanz-des-scheiterns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1813","title":{"rendered":"Die ausgeblendete Vorgeschichte: Eine Bilanz des Scheiterns"},"content":{"rendered":"<p>Auszug aus &bdquo;Machtwahn&ldquo;<br>\n<!--more--><br>\nUm zu verstehen, wie es dazu gekommen ist, dass sich alles &auml;ndert und doch so bleibt, wie es war, brauchen wir in der Zeit nur ein wenig zur&uuml;ckgehen &ndash; gar nicht weit zur&uuml;ck. Nur ins Vor- und Umfeld des 22. Mai 2005, als Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der und der SPD-Vorsitzende Franz M&uuml;ntefering entschieden, Neuwahlen zu verlangen. Eine kleine Chronologie der Ereignisse:<\/p><p>Zu Beginn des Jahres 2005 hatte die rot-gr&uuml;ne Regierungskoalition noch gehofft, die Reformpolitik werde sich bezahlt machen, es werde mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit geben. Der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel beispielsweise hatte am <strong>5. Januar 2005<\/strong> erkl&auml;rt, er sehe ein Signal f&uuml;r eine bessere Konjunktur. Und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte <strong>Ende Januar 2005<\/strong> behauptet: &raquo;Es geht aufw&auml;rts &hellip; Die Schw&auml;chephase ist &uuml;berwunden.&laquo;2 Deutschland habe das Potential f&uuml;r einen substantiellen Abbau der Arbeitslosigkeit, meinte der Minister.<br>\nDann kam die Meldung, dass die Arbeitslosenzahl im Januar 2005 die F&uuml;nfmillionengrenze &uuml;berschritten hatte &ndash; der h&ouml;chste Stand seit der Weimarer Republik. &raquo;Wir m&uuml;ssen etwas tun&laquo;, forderte daraufhin der gleiche Wolfgang Clement.3 Aktionismus statt nachdenken. Daraus wurde dann am <strong>17. M&auml;rz 2005<\/strong> ein Jobgipfel mit einer Erkl&auml;rung zur Reform der Unternehmenssteuer.<br>\nAm <strong>23. Februar 2005<\/strong> war im Wochenbericht des Deutschen Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) zu lesen: &raquo;Minijob-Reform: keine durchschlagende Wirkung.&laquo;<br>\nAm <strong>29. April 2005<\/strong> stand in der Financial Times Deutschland: &raquo;Modernisierer in Erkl&auml;rungsnot &ndash; die Aufregung um M&uuml;nteferings Poltern [die sogenannte Heuschreckendebatte, A. M.] l&auml;sst erahnen, wie sehr die Reformer im Land in die Defensive geraten. Das Volk wundert sich, wie wenig all der Verzicht bringt.&laquo;<\/p><blockquote class=\"blockquote_with_border\"><p>Typisch Wolfgang Clement<\/p>\n<p>    Dass Clement auch &raquo;Ank&uuml;ndigungsminister&laquo; genannt wurde, k&ouml;nnte man als ironische Randnotiz der Geschichte verbuchen, w&auml;re er nicht unser Wirtschafts- und Arbeitsminister gewesen, von dessen Regierungskunst das Schicksal von Millionen Arbeitnehmern, Selbst&auml;ndigen und ihren Familien abhing. Der Fall Clement ist deshalb von Interesse, weil sich bei ihm wie in einem Brennglas ein Elitenproblem unserer Zeit zeigt.<br>\n    Clement hatte weder als nordrhein-westf&auml;lischer Wirtschaftsminister noch als NRW-Ministerpr&auml;sident herausragende sach&shy;liche oder politische Erfolge vorzuweisen, und auch in seiner Zeit als Wirtschafts- und Arbeitsminister in Berlin ist er nie als besonders erfolgreich aufgefallen. Und dennoch wurde er popul&auml;r, und er wurde stellvertretender SPD-Vorsitzender, was manchen Sozialdemokraten, die ihn kennen, das Herz gebrochen hat. Wie hat er das geschafft? Er hat zum einen den Medien immer wieder einen neuen Knochen zum Abnagen hingeworfen und zum anderen ein Netzwerk von ihm verbundenen, mit ihm befreundeten oder von ihm abh&auml;ngigen Journalisten aus den F&uuml;hrungsetagen aufgebaut.<br>\n    Im konkreten Fall wird auch sichtbar, wie bedr&uuml;ckend unsachlich diese Art von Politik abl&auml;uft. Als f&uuml;r Januar 2005 ein Rekordstand bei den Arbeitslosen verk&uuml;ndet wurde, reagierte Clement nur darauf. Ein Wirtschaftsminister muss aber agieren, und das hei&szlig;t: rechtzeitig handeln und gegensteuern. Und dabei hat er zu pr&uuml;fen, welches Instrument er sinnvollerweise einsetzt. Clement griff in dieser Situation einfach zu dem Instrument, das ihm seine Freunde in der Wirtschaft einfl&uuml;sterten: Senkung des Unternehmenssteuersatzes. Dabei spielte &uuml;berhaupt keine Rolle, dass bei uns die Steuern auch f&uuml;r den Unternehmensbereich permanent gesenkt worden sind &ndash; ohne erkennbare Wirkung.<br>\n    Einem wie Clement macht das nichts aus. Hauptsache, die &shy;Medien finden gut, was er vorschl&auml;gt.<\/p>\n<p>    M&uuml;nte und die Heuschrecken &ndash; Ein Lehrst&uuml;ck<\/p>\n<p>    Als im April 2005 immer deutlicher wurde, wie erfolglos die &shy;Reformpolitik ist, und Wahlen in Nordrhein-Westfalen ins Haus standen, brachte der damalige SPD-Vorsitzende Franz M&uuml;nte&shy;fering eine Debatte &uuml;ber das Verhalten von Investoren meist &shy;angels&auml;chsischer Herkunft beim Kauf von deutschen Unternehmen ins Gespr&auml;ch. Er beklagte bitter das unverantwortliche und arbeitnehmerfeindliche Auspl&uuml;ndern gesunder Unternehmen. Diese Debatte war und ist notwendig, weil in der Tat gro&szlig;es, anonymes Geld von Investment- oder Hedgefonds h&auml;ufig mit einer geringen Beteiligung an einem Unternehmen, aber &shy;gepaart mit massiver &Ouml;ffentlichkeitsarbeit reihenweise Unternehmen aufkaufte, die Unternehmen aufteilte, die L&ouml;hne senkte und die Arbeitsbedingungen verschlechterte, um die Einzelteile dann wieder zu verscherbeln. Es w&auml;re Aufgabe der Fachleute in den Ministerien und in der Politik gewesen (und w&auml;re es auch heute noch), zu &uuml;berlegen, mit welchen Regelungen man solchen Ausw&uuml;chsen begegnen kann. Unter der F&uuml;hrung von Franz M&uuml;nte&shy;fering haben unsere verantwortlichen Eliten dar&uuml;ber aber nur diskutiert. Sie haben nicht einmal die zum 1. Januar 2002 ein&shy;gef&uuml;hrte Steuerbefreiung der Gewinne bei Unternehmensverk&auml;ufen zur&uuml;ckgenommen. Diese Steuerbefreiung hat das Fleddern der Unternehmen und die Ausbeutung der Arbeitnehmer erleichtert, und sie besteht nach wie vor fort. Weder der damalige SPD-Vorsitzende und heutige Vizekanzler noch der damalige Bundeskanzler oder gar die heutige Bundeskanzlerin haben einen Finger ger&uuml;hrt, um diese Privilegierung von Pseudoinvestoren zu kor&shy;rigieren. Auch an diesem Beispiel wird eines der Prinzipien der mo&shy;dernen Politik sichtbar: Die Eliten haben erkannt, dass es nicht auf die praktische Politik, sondern auf die Medienwirkung ankommt.<\/p><\/blockquote><p>Am <strong>18. Mai 2005<\/strong> berichtete Spiegel-Online unter der &Uuml;berschrift &raquo;L&auml;nder versacken in der Schuldenfalle&laquo;, die L&auml;nder bek&auml;men die ersten Auswirkungen der angek&uuml;ndigten dramatischen Steuerausf&auml;lle zu sp&uuml;ren: &raquo;Niedersachsen steht vor dem Bankrott, Schleswig-Holstein und Th&uuml;ringen verh&auml;ngen Haushaltssperren, um das Desaster in den Griff zu bekommen.&laquo; Ebenfalls am <strong>18. Mai 2005<\/strong> berichtete die Frankfurter Rundschau, Hartz IV werde mit Mehrkosten in Milliardenh&ouml;he deutlich teurer.<br>\nAm <strong>23. Mai 2005<\/strong>, einen Tag nach der Neuwahlverk&uuml;ndung durch Franz M&uuml;ntefering und Gerhard Schr&ouml;der (jedoch zwei Tage vorher geschrieben), erschien ein Spiegel-Titel mit dem Aufmacher: &raquo;Die total verr&uuml;ckte Reform &ndash; Milliarden-Grab Hartz IV&laquo;. Die Titelgeschichte begann in f&uuml;r den Spiegel ungew&ouml;hnlicher Offenheit:<\/p><p>    &raquo;Der Hartz-Horror &ndash; In der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit bahnt sich das gr&ouml;&szlig;te Finanzdebakel seit der deutschen Einheit an. Die von einer Allparteien-Koalition verabschiedete Hartz-Reform f&uuml;hrt zu Mehrkosten, die den Bildungsetat deutlich &uuml;bersteigen. Neue Arbeitspl&auml;tze sind nicht entstanden &ndash; au&szlig;er in der B&uuml;rokratie.&laquo; <\/p><p>Am <strong>24. Juli 2005<\/strong> erschien der Berliner Tagesspiegel mit einer Bilanz des Scheiterns. Der Titel: &raquo;Vision und Wirklichkeit: die Bilanz einer Reform &ndash; 13 Module hat die Hartz-Kommission definiert &ndash; von der Ich-AG bis zu den Profis der Nation&laquo;. Im Vorspann hie&szlig; es: &raquo;&rsaquo;Ziel ist es, die Zahl der Arbeitslosen in drei Jahren um zwei Millionen zu reduzieren.&lsaquo; Das hat Peter Hartz am 16. August 2002 gesagt, als er seine Reformvorschl&auml;ge vorlegte. Die 13 Punkte der Arbeitsmarktreformen und was sie schon &shy;gebracht haben &ndash; eine Bilanz.&laquo; Und dann wird im einzelnen n&uuml;chtern berichtet, was die Reformen von Hartz I bis III gebracht haben. Kernst&uuml;cke wie die Personal-Service-Agenturen (PSA) und die Ich-AGs waren wenig erfolgreich und haben unglaublich viel gekostet. Viele Vorschl&auml;ge wurden gar nicht realisiert, andere, wie die Ich-AGs, werden 2007 voraussichtlich eingestellt. &raquo;Hartz am Ziel vorbei&laquo;, lautete der Kommentar des Tagesspiegels.<br>\nEnde 2005 wurde der Bericht des Tagesspiegels in weiten Teilen best&auml;tigt. Am <strong>26. Dezember 2005<\/strong> berichtete das Handelsblatt unter der &Uuml;berschrift &raquo;Die Hartz-Reformen verpuffen&laquo; von einer im Auftrag der Bundesregierung vorgenommenen Evaluierung der Reformpakete Hartz I bis III durch eine Reihe von Forschungsinstituten. &raquo;Besonders schlecht kommen die Personal-Service-Agenturen (PSA) weg, die einst als Herzst&uuml;ck der Reformen galten&laquo;, hie&szlig; es im Handelsblatt. Die Vermittlung &uuml;ber die PSA habe die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Vergleich zur herk&ouml;mmlichen Vermittlung durch die Agentur f&uuml;r Arbeit um fast einen Monat verl&auml;ngert. Die monatlichen Kosten l&auml;gen weit &uuml;ber den sonst entstandenen Kosten: Jeder Arbeitslose, der an eine private PSA verwiesen werde, koste 5700 Euro mehr.<\/p><blockquote class=\"blockquote_with_border\"><p>Abgehobene Eliten<\/p>\n<p>    Auch noch die letzte Belanglosigkeit wird auf Englisch ausgedr&uuml;ckt: Personal-Service-Agentur, Job-Center, Quickvermittlung, Job-to-Job, Bridge-System, Minijob, Job-Floater &ndash; die Beispiele lie&szlig;en sich endlos fortf&uuml;hren. Diese Sprache schafft Distanz zu den Betroffenen, den Arbeitslosen und Arbeitsuchenden und jenen, die noch Arbeit haben, aber um ihren Arbeitsplatz bangen. Diejenigen, die die Reformen planen, sind Fremde, meilenweit entfernt von der Lebenswelt normaler Menschen. <\/p><\/blockquote><p>Am <strong>2. August 2005<\/strong> erschien in der Financial Times Deutschland eine Bilanz der Steuerpolitik: &raquo;Gro&szlig;e Steuersenkung, kleine Wirkung. Hans Eichel ist eine tragische Figur. Das &rsaquo;gr&ouml;&szlig;te Steuersenkungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik&lsaquo; hat der Finanzminister nach eigener Aussage ins Werk gesetzt. Und was bleibt von ihm am Ende seiner Amtszeit in Erinnerung? Der &rsaquo;Herr der L&ouml;cher&lsaquo;.&laquo; Dabei war Hans Eichel nicht unt&auml;tig gewesen: Der Eingangssteuersatz sank seit dem Regierungswechsel in mehreren Stufen von 25,9 Prozent auf 15 Prozent. Der Spitzensteuersatz betrug 2005 nicht mehr 53 Prozent wie unter der Regierung Kohl, sondern 42 Prozent. Kapitalgesellschaften zahlten nicht mehr 45 Prozent K&ouml;rperschaftsteuer auf einbehaltene Gewinne und 30 Prozent auf ausgesch&uuml;ttete Profite, sondern einheitlich 25 Prozent. Aber: Gro&szlig;e Ver&auml;nderung, kleine Wirkung &ndash; Investitionen sind dadurch nicht in Gang gekommen, der Konjunkturmotor ist nicht angesprungen. Da hat die Financial Times Deutschland mit ihrer Bewertung recht.<br>\nAm <strong>16. August 2005<\/strong> berichtete die Berliner Morgenpost, der Chef der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit Frank-J&uuml;rgen Weise &uuml;be harsche Selbstkritik. &raquo;Wir haben keine besonders guten Ergebnisse&laquo;, wird Weise zitiert.<br>\nAm <strong>16. Oktober 2005<\/strong> berichtete die Berliner Zeitung: &raquo;Hartz-Reform ist wirkungslos. Rechnungshof kritisiert mangelnde Vermittlungserfolge \/ Nur jeder 20. bekommt einen Job \/ Umbau der Bundesagentur f&uuml;r Arbeit verpufft.&laquo; Die Hartz-Reformen I bis III haben im Kern nicht viel gebracht, schon gar nicht die Verringerung der Arbeitslosigkeit um zwei Millionen, die der Beauftragte der Bundesregierung Peter Hartz im August 2002 vor der damaligen Bundestagswahl versprochen hatte. Und sie sind um vieles teurer geworden als geplant. Bereits im Oktober 2004 hatte der Bundesrechnungshof die hohen Kosten und die Erfolglosigkeit der Hartz-Reformen kritisiert.<br>\nDas wurde einfach nicht wahrgenommen. Wie zynisch die Modernisierer mit dieser Kritik umgehen und wie blind sie f&uuml;r die Realit&auml;t des Misserfolgs und des Scheiterns ihrer Ideologie sind, konnte man bei dem damaligen BDI-Pr&auml;sidenten Michael Rogowski studieren. Im Bayerischen Rundfunk antwortete er am 16. November 2004 auf die Kritik an der Wirkungslosigkeit der Hartz-Reformen: &raquo;Wenn Sie fragen: Wo sind die Jobs, und wie kriegen wir die Jobs, dann w&uuml;rde ich empfehlen: Hartz V bis VIII.&laquo; Was soll man mit solchen Eliten anfangen?<br>\nSelbst treue Bef&uuml;rworter der Strukturreformen wie der Spiegel, die Bild-Zeitung, die FAZ und der Gro&szlig;teil der Wirtschaftsredaktionen bei Presse, Rundfunk und Fernsehen mussten eingestehen, dass die Hartz-Reformen nicht ann&auml;hernd das brachten, was man uns versprochen hatte. Auch die unendlich vielen Steuer&shy;reformen haben alle nichts gebracht. Obwohl Deutschland mit 21,9 Prozent die niedrigste effektive Steuerquote im internationalen Vergleich hat4 und obwohl die echte Unternehmenssteuerbelastung f&uuml;r Kapitalgesellschaften 2004 bei 15 Prozent lag,5 blieb die prognostizierte Wirkung aus. Nach neoliberaler Theorie &ndash; Steuern senken, dann geht&rsquo;s los &ndash; h&auml;tten die Investitionen brummen m&uuml;ssen. Doch ein vern&uuml;nftiger Unternehmer investiert ja erst dann, wenn er wachsende Ums&auml;tze erwarten, also mehr G&uuml;ter verkaufen kann. Oder er investiert, um zu rationalisieren und so den Gewinn zu erh&ouml;hen. Eine Senkung der Unternehmenssteuern jedoch bewirkt weder das eine noch das andere.<br>\nAuf die Arbeitslosigkeit haben sich die Steuersenkungen also nicht ausgewirkt. Sehr wohl aber auf den Staat und dessen Budgets. Sie haben den Gemeinden, den L&auml;ndern und dem Bund wichtige Investitionsmittel entzogen und die Schulden weiter in die H&ouml;he getrieben. Wilfried Herz hat das der alten Koalition am 8. September 2005, also kurz vor den Wahlen, in der Zeit ins Stammbuch geschrieben: &raquo;Das gr&ouml;&szlig;te Geschenk aller Zeiten. &ndash; Die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung feierte ihre Unternehmenssteuerreform &ndash; bis die Konzerne aufh&ouml;rten, Steuern zu bezahlen.&laquo;<br>\nW&auml;hrend die &Ouml;ffentlichkeit im Jahr 2004 und in besonderer Weise im Jahr 2005 also das Scheitern wahrzunehmen und zu dokumentieren begann, warben die Reformer angesichts der Miss&shy;erfolge um mehr Zeit, damit die Reformen wirken k&ouml;nnten. Andere wollten die Dosis erh&ouml;hen. Es gab sogar Anzeichen f&uuml;r eine Kurskorrektur. Beispielsweise erschien am 12. Juni 2005 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein ganzseitiger Beitrag von Nils Minkmar unter der &Uuml;berschrift: &raquo;Die R&uuml;ckkehr der Linken &ndash; der Neoliberalismus wei&szlig; auf die wichtigen Fragen keine Antworten. Die Zeit ist reif f&uuml;r neue Ideen.&laquo;<br>\nDie R&uuml;ckkehr der Linken? Das war etwas &uuml;bertrieben. Es w&auml;re schon gut gewesen, wenn unsere Eliten das Versagen der neo&shy;liberalen Rezepte erkannt und zur&uuml;ckgefunden h&auml;tten zu einer pragmatischen Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik und zu einer sozialen Marktwirtschaft.<\/p><blockquote class=\"blockquote_with_border\"><p>Eliten: Geliehene Gedanken<\/p>\n<p>    Wie konnte man glauben, dass von den sogenannten Arbeitsmarktreformen die Schaffung neuer Arbeitspl&auml;tze und &uuml;berhaupt die L&ouml;sung gro&szlig;er Probleme ausgehen sollte? Die Mehrheit der Unternehmer hat mit dem Arbeitsamt wenig zu tun. Sie engagieren ihre Mitarbeiter auf vielf&auml;ltige Weise &ndash; &uuml;ber Anzeigen, &uuml;ber Mund-zu-Mund-Propaganda, &uuml;ber die bisherigen Mitarbeiter und so weiter. Was in N&uuml;rnberg und den regionalen Agenturen, den fr&uuml;heren Arbeits&auml;mtern, betrieben wird, betrifft nur einen Teil dessen, was auf dem Arbeitsmarkt geschieht. Dennoch hat sich die gesamte politische Kapazit&auml;t mehrere Jahre lang auf &shy;dieses Segment konzentriert. Allein diese Konzentration auf ein Teilsegment des Arbeitsmarkts ist schon ein Beleg f&uuml;r beachtliche M&auml;ngel der handelnden Personen.<br>\n    Wenn unsere Eliten, vom Sachverst&auml;ndigenrat bis zur Bundeskanzlerin, vom Bundesverband der Industrie bis zum gro&szlig;en Heer der Wirtschaftsjournalisten, immer wiederholen, unser Kern&shy;problem sei die mangelnde Reform auf dem Arbeitsmarkt, dann ist das keine durch Ausbildung, Bildung oder eigenes Nachdenken erworbene Erkenntnis. Es ist ein geliehener Gedanke, eine von anderen &uuml;bernommene Analyse, die einfach nachgeplappert wird.<br>\n    Das ist ein wiederkehrendes Muster. Achten Sie einmal darauf, wie h&auml;ufig die &ouml;ffentliche Debatte mit &uuml;bernommenen Urteilen gef&uuml;hrt wird. Sie k&ouml;nnen es schon daran erkennen, dass von den Analysierenden nie der Versuch gemacht wird, einen sachlichen Beleg f&uuml;r die Analyse mitzuliefern. Dasselbe gilt f&uuml;r die geforderten Therapien: Nichts &uuml;berlegt, nichts belegt, alles zusammengeklaubt. Deshalb die vielen Flops.<br>\n    Das Verr&uuml;ckte daran ist: Gerade durch Nachplappern werden die Angeh&ouml;rigen der Elite in der &ouml;ffentlichen Debatte erstaunlich stark. Dadurch, dass sie ihre Gedanken von anderen leihen, sind sie automatisch nie einsam, nie allein, nie isoliert, nie exotisch, immer mittendrin. Das bringt heimelige W&auml;rme.<br>\n    Unsere Eliten denken nicht selbst, sie lassen denken. <\/p><\/blockquote><blockquote class=\"blockquote_with_border\"><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus &bdquo;Machtwahn&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[140,14,190],"tags":[1695,300],"class_list":["post-1813","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hartz-gesetze-buergergeld-grundsicherung","category-veroffentlichungen-der-herausgeber","category-wahlen","tag-machtwahn","tag-mueller-albrecht"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1813"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1813\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":30518,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1813\/revisions\/30518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}