{"id":18183,"date":"2013-08-05T15:19:09","date_gmt":"2013-08-05T13:19:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18183"},"modified":"2015-08-11T08:55:38","modified_gmt":"2015-08-11T06:55:38","slug":"ziviler-ungehorsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18183","title":{"rendered":"Ziviler Ungehorsam"},"content":{"rendered":"<p>Ziviler Ungehorsam &ndash; so lesen wir bei den Kennern der Materie (Arendt 1986) &ndash; unterbricht die Routinen und Automatismen des staatlichen Machthandelns von unten, wenn wesentliche Teile des Volkes ihre Anliegen nicht mehr angemessen repr&auml;sentiert sehen. Was dem staatlichen Handeln  der Operationsmodus von Krise und Ausnahmezustand ist: Selbsterm&auml;chtigung zu ungew&ouml;hnlichen und normalrechtlich nicht gedeckten Ma&szlig;nahmen angesichts einer &bdquo;Krise&ldquo;,  eben das ist ziviler Ungehorsam f&uuml;r das Volk, dem Souver&auml;n demokratischer Staaten. Der liberale Philosoph John Stuart Mill warnt im 19. Jahrhundert, die F&auml;higkeit zur kooperativen Verfolgung gemeinsamer Ziele sei ein &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrliches Mittel der niederen Klassen geworden. Es steht zu vermuten, dass die neoliberalen Meisterdenker der Gegenwart das immer noch ganz &auml;hnlich sehen.<br>\nVon <strong>Anna-Lena Die&szlig;elmann &amp; Clemens Knobloch<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18183#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><\/p><ol type=\"I\">\n<li>Versetzen wir uns in die Lage eines k&uuml;nftigen Historikers, der die publizistischen Quellen der Gegenwart im f&uuml;nften Jahr der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise sichtet. W&auml;hrend es vor 10 Jahren keinen &ouml;ffentlichen Zweifel an den tadellos demokratischen Verh&auml;ltnissen im Lande gab, hat die Postdemokratie-Diagnose (Crouch 2008, in wechselnder Radikalit&auml;t vorgetragen) mittlerweile den publizistischen Mainstream geflutet. Dass Lobbyisten die Strippen ziehen und die Anwaltskanzleien des Kapitals bei der Formulierung von Gesetzen, die ihre Klientele betreffen, mehr als nur eine Hand im Spiel haben, ist &uuml;berall zu lesen. Dass das Vertrauen der W&auml;hler nichts wert ist, wenn das Vertrauen der M&auml;rkte fehlt, gilt mittlerweile beinahe f&uuml;r normal. Dass Gro&szlig;investoren ohne &ouml;ffentliche Kontrolle (von der Elbphilharmonie &uuml;ber das Bonner Kongresszentrum bis zum Berliner Flughafen) beinahe unbegrenzt &uuml;ber die Steuermittel verf&uuml;gen, die der Steuerzahler den &ouml;ffentlichen H&auml;nden f&uuml;r gemeinsame Angelegenheiten zur Verf&uuml;gung stellt, ist fast eine Petitesse gegen die Privatisierungs- und Sozialabbau-Auflagen, welche die Vertreter &bdquo;der M&auml;rkte&ldquo; L&auml;ndern auferlegen, die ihr Vertrauen verloren haben. Eine beispiellose (und nat&uuml;rlich staatlich administrierte) Umverteilung von unten nach oben sorgt zudem weltweit daf&uuml;r, dass die Kapitalseite zu den Steuert&ouml;pfen, die sie sich aneignet, nur ganz unwesentlich beitr&auml;gt. Laut Wehler (2013) machen in Deutschland Lohn-, Umsatz- und Verbrauchssteuer 80% des staatlichen Aufkommens, die Unternehmens- und Gewinnsteuern 12%.\n<p>Zwei Pr&auml;missen, die axiomatisch f&uuml;r den politischen Diskurs der vergangenen Jahrzehnte waren, scheinen sich pl&ouml;tzlich in Rauch aufgel&ouml;st zu haben: Einmal der Satz, dass die Staatslegitimit&auml;t der modernen Massendemokratien auf marktkompensatorischer Umverteilung und Abmilderung der Marktfolgen beruht (durch Besteuerung der Kapitalseite und staatliche Finanzierung von Gleichheitschancen f&uuml;r die 95% der Bev&ouml;lkerung ohne  Marktmacht). Und weiterhin der Satz, dass jede Bedrohung  demokratischer Grundrechte von innen nach den Erfahrungen von 1933 zu massivem Widerstand aus der Bev&ouml;lkerung f&uuml;hren w&uuml;rde. <\/p>\n<p>Stattdessen spricht die Kanzlerin unverhohlen von &bdquo;marktkonformer Demokratie&ldquo;, w&auml;hrend die einstweilen zu den Zentralbanken gewechselten Funktion&auml;re von Goldman Sachs europaweit &bdquo;Ma&szlig;nahmen&ldquo; verordnen, die den Regierungen helfen sollen, das Vertrauen der M&auml;rkte wiederzugewinnen. Die Staaten finden zusehends Wohlgefallen an ihrem neuen Operationsmodus &bdquo;multiple Krise&ldquo;. Dieser Modus n&auml;mlich erlaubt es ihnen, kleinliche Einw&auml;nde des Souver&auml;ns zu ignorieren und sich auf das Kerngesch&auml;ft der Machtsicherung zu begrenzen, auf innere und &auml;u&szlig;ere &bdquo;Sicherheit&ldquo;. Wer da wogegen gesichert wird, fragt ohnehin keiner mehr. Was z&auml;hlt der Ruf nach Demokratie, wenn alle Horizonte von drohender Denormalisierung umstellt sind?<\/p>\n<p>Und wo bleibt der Widerstand? Nun, solange unser Historiker allein die gedruckten publizistischen Quellen sichtet, wird er sich vor lauter Widerstand kaum retten k&ouml;nnen. Das gedruckte Wort ist so radikal wie selten zuvor. Da gibt es Anleitungen zum Widerstand (Welzer 2013) und dramatisch inszenierte Alternativen zwischen &bdquo;Kapitalismus ohne Demokratie&ldquo; und &bdquo;Demokratie ohne Kapitalismus&ldquo; (Streeck 2013). An Vorschl&auml;gen, wie die nach oben wegdelegierte Volkssouver&auml;nit&auml;t an ihre urspr&uuml;nglichen Inhaber zur&uuml;ck gelangen k&ouml;nnte, fehlt es keineswegs (Dahn 2013). Und manche Autoren fragen bang und hilflos: &bdquo;Wo bleibt der Widerstand?&ldquo; (Wehler 2013: 55). Sollte n&auml;mlich unser Historiker (wie jeder gute Historiker) aber von den publizistischen Quellen in die Welt der wirklichen politischen Handlungen hin&uuml;berwechseln wollen, so f&auml;nde er dort: nichts. Keine machtvollen Kundgebungen der Gewerkschaften, schon gar keine Aktion der politisch und &ouml;konomisch Marginalisierten. Eine wirksame &ouml;ffentliche Verteidigung demokratischer Prinzipien gegen ihre Usurpation durch das B&uuml;ndnis von Staat und Finanzmarkt hat in Deutschland in den letzten Jahren nicht stattgefunden. <\/p><\/li>\n<li><em>Qui tacet consentire videtur<\/em> (Wer schweigt, erweckt den Anschein zuzustimmen). Das ist ein ehrw&uuml;rdiger r&ouml;mischer Rechtsgrundsatz. In der Mediendemokratie ist schweigen keine Option, es geht in jeder Minute um Aufmerksamkeitspolitik, um eine Nachricht, die ein m&ouml;glichst gro&szlig;es Publikum erreicht und dessen Aufmerksamkeit bindet. Dass der Widerstand publizistisch allgegenw&auml;rtig, politisch aber inexistent ist, das darf man unter den gegebenen Verh&auml;ltnissen erwarten. Man darf blo&szlig; beides nicht verwechseln.\n<p>Die Mediendemokratie legt n&auml;mlich den Schluss nahe: Wenn alles gesagt werden kann, ist auch alles gut. Die Meinungs&auml;u&szlig;erung sieht auf den ersten Blick so aus, als sei sie schon die politische Aktion, die sie ank&uuml;ndigt und ersetzt. Aber sie ist es  nicht. Alles Reden von Widerstand ist darum noch kein Widerstand. Der Graben zwischen &ouml;ffentlicher Rede und politischer Aktion wird in der Mediendemokratie immer tiefer. Nie war der Weg zwischen publizistischen Aufrufen zum Widerstand und politisch widerst&auml;ndigem Handeln weiter.  Wer schweigt, indem er nicht mehr zu den Wahlen geht, macht sich eher verd&auml;chtig, nicht zuzustimmen, als einer, der am folgenlosen Spiel der medialen Emp&ouml;rung teilnimmt.<\/p>\n<p>Zu den Grunds&auml;tzen einer wirklichen Demokratie geh&ouml;rt, was Hannah Arendt &uuml;ber das Verh&auml;ltnis von Dissens und Konsens in einem freien Staat notiert: &bdquo;jemand, der wei&szlig;, dass er widersprechen kann, wei&szlig; auch, dass er gewisserma&szlig;en zustimmt, wenn er nicht widerspricht&ldquo; (Arendt 1986: 147).  Das jederzeit widersprechen k&ouml;nnen ist der Kern der Demokratie, nicht das Wahlritual. Wenn unsere Gazetten (was sie ja sehr gerne tun!) &uuml;ber Demonstrationen und zivilen Ungehorsam aus den L&auml;ndern der &bdquo;unteren Normalit&auml;tsklassen&ldquo; berichten, welche die Kapitalraison als unfrei (gemeint ist da stets: unfrei bez&uuml;glich der unbegrenzten Verwertungsfreiheit des Kapitals) kodieren, dann setzen sie das ganz selbstverst&auml;ndlich voraus. Nat&uuml;rlich sind die Aktionen der russischen &bdquo;Demokratiebewegung&ldquo; legitim und die der syrischen Opposition erst recht. Und wenn die t&uuml;rkische Opposition radikalen zivilen Ungehorsam praktiziert, dann sind die Journale auch dann begeistert, wenn Gesetze missachtet werden. Aber hierzulande?<\/p>\n<p>Der allgemein unterstellbare demokratische  Konsens (so f&auml;hrt Hannah Arendt fort) schlie&szlig;t ja nicht von selbst bestimmte Gesetze, deren aktuelle Auslegung oder gar eine bestimmte Politik ein, auch dann nicht, wenn sie durch Wahlen und parlamentarische Mehrheiten legitimiert sind. Der Skandal der deutschen Atompolitik besteht z.B. darin, dass auch 40 Jahre ziviler Ungehorsam die gew&auml;hlten Partien und Politiker nicht dazu bringen konnten, ein Problem zu l&ouml;sen, dass nach allen Regeln der politischen Verantwortung vorab h&auml;tte gel&ouml;st werden m&uuml;ssen: das der Endlagerung von Atomm&uuml;ll. <\/p>\n<p>Die Praxis der massendemokratischen Parteien ist in diesen Dingen einfach: Im macht- und wirtschaftspolitischen Kerngesch&auml;ft demonstriert man Souver&auml;nit&auml;t und &bdquo;F&uuml;hrung&ldquo;  und gibt keinen Zipfel der strategischen Entscheidungen aus der Hand, in den Feldern der Symbolpolitik reagiert man demonstrativ auf Au&szlig;endruck, besch&auml;ftigt den Souver&auml;n und l&auml;sst ihn gerne wissen, dass er es ist. In Frankreich mobilisiert die Gleichgeschlechtlichenehe ein enormes Aktions- und Widerstandspotential, w&auml;hrend der Krieg  in Mali oder die Finanzkrise der Regierung dazu dienen, &bdquo;F&uuml;hrung zu demonstrieren&ldquo;. In den hoch moralisierten Themen, die der Altkanzler Schr&ouml;der einst als &bdquo;Ged&ouml;ns&ldquo; verspottete, wird demonstrativ Demokratie gespielt. Dass Frauen in den Aufsichtsr&auml;ten der gro&szlig;en Konzerne unterrepr&auml;sentiert sind, scheint viel wichtiger zu sein, als dass sie nach wie vor f&uuml;r gleiche Arbeit ein Drittel weniger Lohn bekommen.<\/p>\n<p>Zu keiner Zeit hat die Macht in der Massen- und Mediendemokratie zu f&uuml;rchten, was gedacht und geschrieben wird. Sucht sie schon das zu unterbinden, steht es gew&ouml;hnlich schlecht um sie. Immer f&uuml;rchten muss sie dagegen, was (im emphatischen Sinne des Wortes) getan wird, nicht von einzelnen, sondern im Namen eines Bev&ouml;lkerungsanteils, der sich nicht mehr &bdquo;repr&auml;sentiert&ldquo; f&uuml;hlt. Es ist gemeinsames Handeln, durch das Macht begr&uuml;ndet und gest&uuml;rzt wird. <\/p>\n<p>Wo aber w&auml;ren die sozialen Bewegungen, die so ziemlich alles erk&auml;mpft haben, was an sozialen und demokratischen Errungenschaften des Landes nennenswert ist, wenn sie auf die Waffen des zivilen Ungehorsams verzichtet h&auml;tten?  <\/p><\/li>\n<li><em>W&auml;re es nicht besser, die Regierung l&ouml;ste das Volk auf und w&auml;hlte sich ein neues?<\/em> Fragt Brecht angesichts der Ereignisse am 17. Juni 1953 in der DDR. Die Deutungen dessen, was da geschah, schwanken bis heute zwischen &bdquo;Volksaufstand&ldquo; und &bdquo;Konterrevolution&ldquo;. Gleich, wie man sich in dieser Opposition entscheidet, die Logik des zivilen Ungehorsams hat Brecht jedenfalls verstanden. Auch delegierte Macht bleibt immer in der Hand des Souver&auml;ns, der sie delegiert hat. Die Gew&auml;hlten k&ouml;nnen sich nicht einfach neue W&auml;hler suchen. Aber die W&auml;hler haben immer das Recht, sich neue Repr&auml;sentanten zu suchen. Akte des zivilen Ungehorsams weisen stets auf diesen Umstand hin. Sie sind Erkl&auml;rungen des Anspruchs auf Wiederaneignung delegierter Macht und Souver&auml;nit&auml;t &ndash; durch den, der Souver&auml;nit&auml;t delegieren, aber nicht aus der Hand geben darf.\n<p>Es ist inzwischen ein offenes Geheimnis, dass die auf der Vorderb&uuml;hne als alternativlos-siegreich gefeierte Demokratie hinter den Kulissen der glitzernden Konsumfassade bek&auml;mpft und gef&uuml;rchtet wird. Die ideologischen Wortf&uuml;hrer des neoliberalen Putsches haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie demokratische Staaten als Schranken der grenzenlosen Kapitalfreiheit ansehen. Im kleinen Kreis (und nicht nur da) gilt der demokratische Staat als konfiskatorisches Monster, das ausgehungert werden muss. Die Einsetzung und Beratung blutiger Diktaturen (von Hayek hat die wirtschaftspolitische Hand des Massenm&ouml;rders Pinochet in Chile gef&uuml;hrt) ist kein Betriebsunfall, sie hat Methode, und niemand sollte so naiv sein zu glauben, dass &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; auch nur einen Zipfel der ihnen zugeschanzten (und zugefallenen) Macht kampflos aufgeben werden &ndash; blo&szlig; weil es parlamentarische Mehrheiten gegen ihre Vertreter gibt. <\/p>\n<p>Mit viel Verst&auml;ndnis wurde in der FAZ neulich ein B&uuml;chlein besprochen, dessen Autor sich daf&uuml;r aussprach, Staatsbediensteten und Transferempf&auml;ngern das Wahlrecht zu entziehen, weil ihr Lebensunterhalt als staatliche &bdquo;Bestechung&ldquo; und Stimmenkauf zu werten sei. Als die griechische Bev&ouml;lkerung &uuml;ber die &bdquo;Rettung&ldquo; ihres Landes (sprich: &uuml;ber eine fortdauernde Gewinngarantie f&uuml;r die Gl&auml;ubiger des Landes) abstimmen sollte, galt das als unerh&ouml;rt, und der Urheber des Vorschlags verschwand schnell von der politischen B&uuml;hne. Die neuen Machthaber sind dabei, Brechts Vorschlag in die Tat umzusetzen:  Sie w&auml;hlen sich ein neues Volk, wie sie es brauchen. Es ist das (l&auml;ngst internationalisierte) Volk ihrer Gl&auml;ubiger, ihm f&uuml;hlen sie sich verpflichtet, ihm garantieren sie die Verzinsung seines privaten Reichtums, indem sie zugleich der Masse der Bev&ouml;lkerung, dem verfassungsm&auml;&szlig;igen Souver&auml;n, alle Mitwirkungsm&ouml;glichkeiten abschneiden. Alle Staatsschulden sind zugleich privater Reichtum. Und wenn die Gl&auml;ubiger um ihren Reichtum (bzw. um dessen Verzinsung) f&uuml;rchten, dann z&ouml;gern die Staaten nicht lange mit der Enteignung des alten zugunsten des neuen Souver&auml;ns.<\/p>\n<p>Ein zusehends beliebtes Deutungsmuster (z.B. bei Streeck 2013) besagt, dass der &bdquo;Schuldenstaat&ldquo; eingeklemmt und zerrissen sei zwischen den Loyalit&auml;tspflichten gegen den Souver&auml;n, gegen seine B&uuml;rger, und den Verpflichtungen gegen&uuml;ber seinen Gl&auml;ubigern, den ber&uuml;hmten M&auml;rkten. Das klingt gut und weckt wom&ouml;glich sogar Mitgef&uuml;hl mit dem armen Staat! Doch das ist nicht am Platz. Der demokratische Staat hat die wirtschaftlichen Verh&auml;ltnisse so zu ordnen, dass sie seinen B&uuml;rgern zum Wohl gereichen &ndash; nicht den M&auml;rkten und ihren Finanzakteuren. Und wenn er diese zum Wohle der Bev&ouml;lkerung entmachten  muss, dann sollte er es besser tun. Keine Verfassung sieht besondere staatliche Loyalit&auml;tspflichten gegen&uuml;ber Banken und Finanzmarktjongleuren vor.<\/p>\n<p>Dem Beobachter dr&auml;ngt sich freilich der Eindruck auf, die freundschaftlichen Bande zwischen den Eliten der Politik und der Finanzwirtschaft seien eher noch enger geworden, seit die Letztere das Staatsmonster auszuhungern gedenkt. Offenbar haben die neoliberalen Finanz- und Politikeliten l&auml;ngst erkannt, dass sie in einem Boot sitzen, in einem Boot zudem, das durch jede Form von gelebter Demokratie und Partizipation rasch zum Kentern gebracht werden kann. In Island, dem wohl einzigen land, das seine Verh&auml;ltnisse nach der Finanzkrise demokratisch in Ordnung gebracht hat (&uuml;brigens  &bdquo;angespornt&ldquo; durch massive und andauernde Akte des zivilen Ungehorsams), haben &bdquo;die M&auml;rkte&ldquo; nichts mehr zu melden, und die politischen Eliten, die ihnen das Land ausgeliefert haben, sind ersetzt oder &bdquo;bekehrt&ldquo;. <\/p><\/li>\n<li>Diskursiv wirkt jede einvernehmlich diagnostizierte &bdquo;Krise&ldquo; als Selbsterm&auml;chtigung der Machtakteure. Wenn &bdquo;Krise&ldquo; gespielt wird, sind immer auch unkonventionelle (sprich: undemokratische) Handlungen legitim. Krisen erfordern schnelles und entschlossenes Handeln. Mit jeder neuen Drehung der Krisenschraube k&ouml;nnen demokratische Standards weiter gesenkt werden. Der politische Operationsmodus &bdquo;Krise&ldquo; erm&ouml;glicht die ratenweise Einf&uuml;hrung des Ausnahmezustandes, per Salamitaktik gewisserma&szlig;en. Wie vollkommen der Krisenzustand mittlerweile von Finanzmarktakteuren definiert wird,  ist unschwer an den hektischen Staatsaktionen zu erkennen, die es ausl&ouml;st, wenn Moody&acute;s (oder eine andere gro&szlig;e Ratingagentur) h&uuml;stelt. Und wenn die Bev&ouml;lkerung aufmuckt: F&uuml;r den Ausbau der &bdquo;Sicherheitskr&auml;fte&ldquo; hat auch der Schuldenstaat immer noch hinreichend Mittel. Nur massiver ziviler Ungehorsam kann das Pingpongspiel zwischen Staaten und M&auml;rkten unterbrechen.\n<p>Das Recht auf zivilen Ungehorsam wird nicht gew&auml;hrt. Man muss es sich nehmen. Und nur wenn man es sich nimmt, gibt es eine Chance, die expansive Selbsterm&auml;chtigung des Staates zu begrenzen, die jeden Vorfall verwendet, um die Pfl&ouml;cke der &bdquo;Sicherheit&ldquo; immer noch ein St&uuml;ckchen weiter vorne einzuschlagen. Die massive Kriminalisierung von antifaschistischen Demonstranten in Sachsen und die fl&auml;chendeckende Abh&ouml;rung von Millionen Mobiltelefonen w&auml;hrend einer Anti-NPD-Demonstration in Dresden geben einen Vorgeschmack darauf, dass bereits die Wahrnehmung elementarer Verfassungsrechte kriminalisiert werden kann. Die Geheimdienstskandale der letzten Wochen zeigen, dass niemand vor dem durchgeknallten Sicherheitsstaat sicher ist. Der Sicherheitsstaat sch&uuml;tzt das Demonstrationsrecht nur, solange er selbst es ist, der zum &bdquo;Aufstand der Anst&auml;ndigen&ldquo; bl&auml;st. <\/p>\n<p>Die multiple Krise, welche unseren immer noch weitgehend &bdquo;normalen&ldquo; Alltag blickdicht umstellt, lehrt einmal mehr die pragmatische Plastizit&auml;t und Dehnbarkeit politischer Wertbegriffe. Der spanische Staat hat es zuwege gebracht, einen Streik der Fluglotsen zum Anlass zu nehmen, den Staatsnotstand zu erkl&auml;ren, weil mit der Reise- und Bewegungsfreiheit der Bev&ouml;lkerung ein Grundrecht tangiert sei: das Grundrecht auf Reise- und Bewegungsfreiheit. Nach dieser Logik w&auml;re beinahe jeder Streik und jede Demonstration verfassungswidrig. Ein zusehends beliebtes Spiel der Beh&ouml;rden besteht in der stereotypen Wiederholung der &bdquo;Sorge&ldquo;, politische Manifestationen k&ouml;nnten die &bdquo;Sicherheit&ldquo; der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger beeintr&auml;chtigen oder gef&auml;hrden. Die somit gebotene massive Polizeipr&auml;senz best&auml;tigt diesen Eindruck gerne, und damit schlie&szlig;t sich der Kreis. <\/p>\n<p>Wer die wortradikale politische Publizistik der multiplen Krise sichtet, der wird den Eindruck nicht los, dass es vornehmlich die Brandstifter sind, die augenblicklich am lautesten nach der Feuerwehr rufen. Wolfgang Streck (2013), der uns vor die Alternative &bdquo;Kapitalismus ohne Demokratie&ldquo; oder &bdquo;Demokratie ohne Kapitalismus&ldquo; stellt und der die Unvereinbarkeit von demokratischen Prozeduren und Finanzmarktkapitalismus konstatiert, ist, um es vorsichtig zu formulieren, an der &bdquo;Entfesselung&ldquo; der Finanzm&auml;rkte unter der Regierung Schr&ouml;der nicht ganz unbeteiligt gewesen. Frank Schirrmachers (2013) kulturkritische Erz&auml;hlung von den kriegerischen Finanzmarktalgorithmen, die dabei sind, uns nach ihrem Ebenbild zu formen, wirft ebenfalls die Frage auf, ob seine Zeitung, die FAZ, in dieser Sache auf dem Gas oder auf der Bremse gestanden hat. Nach der massenmedialen Meinungs- und Aufmerksamkeitslogik ist die Sache klar:  Die hegemoniale Publizistik tut alles, um die Deutungsmacht auch des oppositionellen Geschehens in den eigenen H&auml;nden zu halten. Nur medial unkontrollierte Gegen&ouml;ffentlichkeit ist ein m&ouml;glicher Kristallisationskern f&uuml;r veritable Gegenmacht und f&uuml;r politisches Handeln. Solange die mediale Deutungsmaschine unverzagt weiter l&auml;uft, ist mit Gegenmacht nicht zu rechnen. Erst wenn die Meinungsmaschinen zu stottern beginnen, wenn ihre Routinen und Automatismen unterbrochen werden, wird es politisch interessant. Und unterbrochen werden sie durch massenhafte Akte des zivilen Ungehorsams. <\/p>\n<blockquote><p><em>Ziviler Ungehorsam entsteht, wenn eine bedeutende Anzahl von Staatsb&uuml;rgern zu der &Uuml;berzeugung gelangt ist, dass entweder die herk&ouml;mmlichen Wege der Ver&auml;nderung nicht mehr offen stehen bzw. auf Beschwerden nicht geh&ouml;rt und eingegangen wird oder dass im Gegenteil die Regierung dabei ist, ihrerseits &Auml;nderungen anzustreben, und dann beharrlich auf einem Kurs bleibt, dessen Gesetz- und Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit schwerwiegende Zweifel aufwirft.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><em>(Arendt 1986: 136)<\/em><\/p>\n<p>Entweder ist die allgegenw&auml;rtige Postdemokratie-Diagnose bl&uuml;hender Unsinn oder es ist vollkommen unverst&auml;ndlich, dass niemand gegen die marktkonforme Schrumpfdemokratie mit den Mitteln des zivilen Ungehorsams zu Felde zieht. Wenn die Diagnose stimmt, ist ziviler Ungehorsam weit mehr als eine exotische Option. Es ist dann n&auml;mlich der Artikel 20 des Grundgesetzes, der in den Blick r&uuml;ckt. Auch das Demokratieprinzip geh&ouml;rt zu den so gesch&uuml;tzten Grundrechten. Exemplarische Regelverletzungen, &ouml;ffentlich begangen mit dem Ziel, die Recht- und Verfassungsm&auml;&szlig;igkeit politischer Entscheidungen und Aktionen zu &uuml;berpr&uuml;fen &ndash; das ist der harte Kern des zivilen Ungehorsams. Historiker sollten wissen, dass so gut wie alle Errungenschaften der Demokratie (vom Streikrecht &uuml;ber das Wahlrecht bis zur rechtlichen Gleichstellung der Schwarzen in den USA) nicht von Parlamenten gew&auml;hrt, sondern durch zivilen Ungehorsam erk&auml;mpft worden sind. <\/p><\/li>\n<li>Dass es sich beim Recht auf zivilen Ungehorsam um eine Art Gewissensprivileg des einzelnen B&uuml;rgers (analog etwa dem Recht auf Verweigerung des Kriegsdiensts) handele, hat Hannah Arendt (1986) bereits ausf&uuml;hrlich und schl&uuml;ssig widerlegt. Das Gewissen ist privat, ihm geht es einzig um das &bdquo;Heil&ldquo; des Selbst, der zivile Ungehorsam verweist ganz im Gegensatz dazu auf den &ouml;ffentlichen und politischen Charakter eines Problems. Ziviler Ungehorsam zielt gegen die klandestine Aktion, die Absprache im Hinterzimmer, die Verlegung folgenreicher Entscheidungen in informelle und demokratisch nicht legitimierte Zirkel, die Drapierung interessierter Machtentscheidungen als &bdquo;Sachzw&auml;nge&ldquo;, kurz: gegen alles, was die Demokratie zur Postdemokratie macht, aber offenbar die lethargische &Ouml;ffentlichkeit viel weniger aufregt, weil sie es f&uuml;r &bdquo;normal&ldquo; nimmt. Diese Diskrepanz wird durch zivilen Ungehorsam skandalisiert. Je mehr die faktische Aus&uuml;bung der Macht sich in postdemokratische R&auml;ume zur&uuml;ckzieht, desto mehr wird ziviler Ungehorsam zum &bdquo;Leuchtturm der Demokratie&ldquo; (Peter Grottian).\n<p>Rabulistisch ist die These, im Wort &bdquo;Ungehorsam&ldquo; liege ein Nicht-Tun, eine Verweigerung und ergo eine Festlegung auf passiven Widerstand. Ein politischer Begriff bedeutet niemals das, was er im Sprachsystem bedeutet. Eine Veranstaltung st&ouml;ren, den &ouml;ffentlichen Raum in Anspruch nehmen, eine Stra&szlig;e blockieren, all das sind Aktionen, die nicht an sich ziviler Ungehorsam &bdquo;sind&ldquo;, die aber zum zivilen Ungehorsam werden durch den politischen Konflikt, auf den sie die Aufmerksamkeit lenken. Die Unterscheidung zwischen Tun und Unterlassen ist aus konsequentialistischer Sicht &ndash; welche sich f&uuml;r die Bewertung von Aktionen des zivilen Ungehorsams eignet &ndash; obsolet. Tun und Unterlassen werden als bewusste Handlungen in politischen Aktionen miteinander verschmolzen, das Unterlassen kann m&auml;chtiger wirken als eine aktive Handlung.<\/p>\n<p>Die organisierte Verhinderung von Zwangsr&auml;umungen, die sich nicht nur in Spanien ausbreitet, wo die Krise in der Hauptsache ein finanzkapitalistisch &uuml;berhitzter Bauboom ist, mag als Beispiel dienen. Da nimmt das geltende &bdquo;Recht&ldquo; Abertausenden die Wohnungen weg, f&uuml;r die sie bereits betr&auml;chtliche Zahlungen geleistet haben. Die Wohnungen gehen an die Banken, die sie nicht brauchen, die aber sowohl den Boom als auch die Krise zu verantworten haben. Und die zudem mit den Milliarden der Steuerzahler st&auml;ndig &bdquo;gerettet&ldquo; werden wollen. Dieses Ensemble von bauboombedingten gigantischen Leerst&auml;nden, permanenten Zwangsr&auml;umungen von B&uuml;rgern, die ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen k&ouml;nnen, und staatlicher Bereicherung des Bankensektors aus der Steuerkasse d&uuml;rfte mit einigem Recht die Frage aufwerfen, wen eigentlich die Regierung repr&auml;sentiert. Wir kennen kaum jemanden, der die aktive Verhinderung von solchen Zwangsr&auml;umen verwerflich f&auml;nde, obwohl sie rechtswidrig sind. <\/p>\n<p>Das Ziel des Zivilen Ungehorsams muss demnach nicht darin bestehen, auf ein bestehendes Recht hinzuweisen und es einzufordern, sondern kann auch die Rechtslage in Frage stellen &ndash; oder gar den Hintergrund aufzeigen, vor dem das Regieren mit ungerechten Gesetzen erst m&ouml;glich ist. Ziviler Ungehorsam hat eben auch die Aufgabe, Skandale &ouml;ffentlich zu machen, wenn die Massenmedien es vorziehen, das Publikum anderweitig zu unterhalten. Und was den politischen Erfolg betrifft: die spanische Regierung hat bereits zaghaft begonnen, das Zwangsr&auml;umungsrecht zu revidieren. Glaubt irgendjemand, das h&auml;tte sie auch von sich aus und ohne den massiven zivilen Ungehorsam getan? Und wer bitte soll bekannt machen, dass die Deutsche Bank als gr&ouml;&szlig;ter slum lord in Los Angeles mit Wohnungsspekulation, Zwangsr&auml;umungen und Verfallenlassen ganzer Stra&szlig;enz&uuml;ge nicht wenige der von Ackermann stolz pr&auml;sentierten Milliarden &bdquo;erwirtschaftet&ldquo; hat? <\/p>\n<p>Mit einiger Zwangsl&auml;ufigkeit schlie&szlig;t sich an Aufrufe zum zivilen Ungehorsam der Vorwurf der rechtswidrigen Gewaltbef&uuml;rwortung an. Zuletzt hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen einige Hundert Unterzeichner des Papiers er&ouml;ffnet, das anl&auml;sslich eines weiteren Atomm&uuml;lltransports nach Gorleben im Jahr 2010 dazu aufrief, die Gleise auf der Transportstrecke zu &bdquo;schottern&ldquo;. Gegenw&auml;rtig laufen noch etliche Prozesse. Auch das ist ein Spielzug im krisenmodusbedingten Pingpong zwischen B&uuml;rgerbewegungen und staatlichen Sicherheitsapparaten. In diesem Spiel agiert die Exekutive eskalierend, einsch&uuml;chternd, und die Rechtsprechung d&auml;mpfend.<\/p>\n<p>Erfahrungsgem&auml;&szlig; ist die Angst vor Ermittlungsverfahren und Verurteilungen die h&ouml;chste H&uuml;rde, die potentiell &bdquo;ungehorsame&ldquo; B&uuml;rger &uuml;berwinden m&uuml;ssen. Das ist auch kein Wunder, da das Internet zwar den gl&auml;sernen B&uuml;rger, nicht aber den gl&auml;sernen Staat installiert hat, so dass Ermittlungsverfahren, Anklagen und Verurteilungen auch in Angelegenheiten, welche die politischen Freiheiten betreffen, leicht zum b&uuml;rgerlichen und beruflichen Tod der &bdquo;Delinquenten&ldquo; f&uuml;hren k&ouml;nnen. Beziehungsweise bei jungen Leuten dazu, dass ihnen der Eintritt ins b&uuml;rgerliche Berufsleben gar nicht erst er&ouml;ffnet wird. <\/p>\n<p>Das jedenfalls sind die Bef&uuml;rchtungen, mit denen zu rechnen ist. Sie nehmen den Platz ein, den die Angst vor dem Berufsverbot f&uuml;r die letzte Generation hatte. &Uuml;berdeutlich ist ja, dass es eines politischen Berufsverbots heute gar nicht mehr bedarf, wenn mit einem Mausklick zu ermitteln ist, welche Aufrufe man unterschrieben und wo jemand sich in der Vergangenheit politisch exponiert hat. Es sind aber durchaus merkw&uuml;rdige Konsequenzen, die aus dieser Konstellation gezogen werden. Einmal hei&szlig;t es, Organisationen wie attac (oder gar Parteien wie die Linke) d&uuml;rften nicht zu Aktionen des zivilen Ungehorsams aufrufen, weil sie damit ihre Mitglieder und Anh&auml;nger unverantwortlicherweise zu Rechtsbrechern machen k&ouml;nnten. <\/p>\n<p>Das Gegenteil ist der Fall. Wenn solche Organisationen zum zivilen Ungehorsam aufrufen, sorgen sie daf&uuml;r, dass Individuen, die dem Aufruf folgen, nicht so leicht als &bdquo;Rechtsbrecher auf eigene Rechnung&ldquo; abgestempelt werden k&ouml;nnen. Dass jeder f&uuml;r sich selbst entscheiden muss, ob er\/sie an einer Aktion des zivilen Ungehorsams teilnimmt, bleibt davon v&ouml;llig unber&uuml;hrt und versteht sich von selbst. F&uuml;r seine Handlungen ist man immer verantwortlich, und dass man nicht immer genau wei&szlig;, was aus den eigenen Handlungen folgt, geh&ouml;rt nicht nur im zivilen Ungehorsam zum Leben.<\/p>\n<p>Es braucht keine Prophetie, um vorherzusagen, dass sich im Umfeld der diesj&auml;hrigen bloccupy-Aktionen (ganz ebenso wie schon im letzen Jahr) der Streit um den zivilen Ungehorsam erneut entz&uuml;nden und hoffentlich intensivieren wird.\n<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Literatur<\/strong><\/p><ul>\n<li>Arendt, Hannah (1986 [1970]): &bdquo;Ziviler Ungehorsam&ldquo;. In: <em>Zur  Zeit<\/em>. Politische Essays. Berlin: Rotbuch. S. 119-160 (zuerst 1970 im <em>New Yorker<\/em>). <\/li>\n<li>Crouch, Colin (2008): <em>Postdemokratie<\/em>. Frankfurt\/M.: Suhrkamp.<\/li>\n<li>Dahn, Daniela (2013): <em>Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht gen&uuml;gt.<\/em> Reinbek: Rowohlt.<\/li>\n<li>Streeck, Wolfgang (2013): <em>Gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus<\/em>. Berlin: Suhrkamp.<\/li>\n<li>Wehler, Hans-Ulrich (2013): &bdquo;Die Explosion der Ungleichheit&ldquo;. In: <em>Bl&auml;tter f&uuml;r deutsche und internationale Politik 4\/2013<\/em>, S. 47-56.<\/li>\n<li>Welzer, Harald (2013): <em>Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand<\/em>. Frankfurt\/M.: Fischer.<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>M.A. Anna-Lena Die&szlig;elmann<\/strong> ist Lecturer im Fachbereich Germanistik an der Universit&auml;t Siegen<br>\n<strong>Clemens Knobloch<\/strong> lehrt Sprach- und Kommunikationswissenschaft an der Universit&auml;t Siegen. Forschungsschwerpunkte u.a. &Ouml;ffentliche und politische Kommunikation<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziviler Ungehorsam &ndash; so lesen wir bei den Kennern der Materie (Arendt 1986) &ndash; unterbricht die Routinen und Automatismen des staatlichen Machthandelns von unten, wenn wesentliche Teile des Volkes ihre Anliegen nicht mehr angemessen repr&auml;sentiert sehen. Was dem staatlichen Handeln der Operationsmodus von Krise und Ausnahmezustand ist: Selbsterm&auml;chtigung zu ungew&ouml;hnlichen und normalrechtlich nicht gedeckten Ma&szlig;nahmen<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18183\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,127,203,11],"tags":[282,1185,1509],"class_list":["post-18183","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-postdemokratie","category-strategien-der-meinungsmache","tag-buergerproteste","tag-marktkonforme-demokratie","tag-ziviler-ungehorsam"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18183"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27170,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18183\/revisions\/27170"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}