{"id":18217,"date":"2013-08-07T11:50:03","date_gmt":"2013-08-07T09:50:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18217"},"modified":"2015-08-11T09:08:05","modified_gmt":"2015-08-11T07:08:05","slug":"nachtrag-zu-mollath-und-die-medien-die-nurnberger-nachrichten-haben-eine-sehr-gute-rolle-gespielt-an-anfang-an-respekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18217","title":{"rendered":"Nachtrag zu \u201eMollath und die Medien\u201c: Die \u201eN\u00fcrnberger Nachrichten\u201c haben eine sehr gute Rolle gespielt. Von Anfang an. Respekt."},"content":{"rendered":"<p>Sie haben den Skandal der bayerischen Justiz erstmals aufgegriffen; der Fortgang der Recherche des NN-Redakteurs Michael Kasperowitsch f&uuml;hrte zu einigen Wendemarken des Falles. Alexander Jungkunz, Stellvertretender Chefredakteur der N&uuml;rnberger Nachrichten und Leser der NDS schickt uns die heutige Berichterstattung im Blatt einschlie&szlig;lich eines Gespr&auml;chs mit Gustl Mollath und Kommentar. Siehe unten. Lesenswert. Danke. Tut uns leid, dass wir nur die gro&szlig;en Bl&auml;tter im Blick hatten.<br>\n<strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Chronologie eines zehnj&auml;hrigen Dramas<\/strong><br>\n<strong>Die wichtigsten Stationen im Fall Mollath &mdash; Ein NN-Artikel brachte das Thema ans Licht<\/strong><\/p><p>Der Justiz- und Psychiatrie-Fall Gustl Mollath hat im vergangenen halben Jahr Zeitungen und Rundfunkanstalten bundesweit intensiv besch&auml;ftigt. Seinen Anfang genommen hatte das Drama, das nun ein vorl&auml;ufiges Ende gefunden hat, bereits vor rund zehn Jahren. Wir haben die wichtigsten Stationen in einer Chronologie zusammengefasst.<\/p><p>September 2003: Vor dem N&uuml;rnberger Amtsgericht beginnt die Hauptverhandlung gegen Gustl Mollath wegen K&ouml;rperverletzung. Er soll seiner damaligen Ehefrau &mdash; das Paar wird 2004 geschieden &mdash; Gewalt angetan haben. Sp&auml;ter kommt der Vorwurf hinzu, er habe Autoreifen von ihm missliebigen Personen zerstochen. Bereits in dieser Verhandlung &uuml;bergibt der N&uuml;rnberger eine Verteidigungsschrift, die unter anderem auch Angaben &uuml;ber seiner Ansicht nach illegale Geldgesch&auml;fte seiner Frau enth&auml;lt. Sie war bei der HypoVereinbank N&uuml;rnberg besch&auml;ftigt. Seine Frau strebt bereits zu diesem Zeitpunkt eine nerven&auml;rztliche Begutachtung von Gustl Mollath an. Das Gericht ordnet diese auch an.<\/p><p>Februar 2006: Weil eine Unterbringung Mollaths in der Psychiatrie im Raum steht, ist das Landgericht N&uuml;rnberg-F&uuml;rth zust&auml;ndig. Im August 2006 spricht es den Mann vom Vorwurf der gef&auml;hrlichen K&ouml;rperverletzung und Sachbesch&auml;digung frei. Er sei wegen einer psychischen St&ouml;rung schuldunf&auml;hig, von ihm gehe au&szlig;erdem eine Gefahr f&uuml;r die Allgemeinheit aus. Mollath wird &nbsp;in der Bayreuther Forensik untergebracht. Dieses Urteil, das der Bundesgerichtshof sp&auml;ter best&auml;tigt, gilt heute als h&ouml;chst umstritten.<\/p><p>Februar 2011: Erneut stellt ein Gutachter bei der j&auml;hrlichen &Uuml;berpr&uuml;fung fest, dass Mollath einem f&uuml;r die Allgemeinheit gef&auml;hrlichen Wahn unterliegt. Im Oktober 2011 berichten die N&uuml;rnberger Nachrichten als erste Zeitung &uuml;ber den Fall. In der Reportage werden erste Zweifel an den psychiatrischen Gutachten und am Vorgehen der Justiz angesprochen. Kurz darauf ergeben weitere NN-Recherchen, dass die HypoVereinsbank die Angaben und Anzeigen Mollaths anders als die Staatsanwaltschaft N&uuml;rnberg-F&uuml;rth sehr ernst genommen hat. Nach diesem NN-Bericht fordert die Staatsanwaltschaft &mdash; fast zehn Jahre nach den ersten Anzeigen &mdash; von der Bank einen internen Revisionsbericht an. Dieser stammt bereits aus dem Jahr 2003 und hatte damals schon im Kern Mollaths Vorw&uuml;rfe best&auml;tigt.<\/p><p>Januar 2012: Inzwischen ist der Unterst&uuml;tzerkreis um den N&uuml;rnberger gewachsen. Ein Anwalt aus Freiburg, der f&uuml;r Mollath t&auml;tig geworden ist, reicht beim Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde ein. Lange Zeit ist von dort zu dem Fall nichts zu h&ouml;ren. Erst im Juli 2013 fordert Karlsruhe eine Stellungnahme vom bayerischen Justizministerium und von der Generalbundesanwaltschaft dazu an. Beide Beh&ouml;rden &auml;u&szlig;ern deutliche Zweifel daran, dass die Unterbringung Mollaths in der Psychiatrie nach sieben Jahren noch verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig ist. Eine Entscheidung hat Karlsruhe bis heute nicht getroffen. 2012 scheitern alle Versuche vor Gerichten, den N&uuml;rnberger freizubekommen.<\/p><p>November 2012: Inzwischen w&auml;chst der politische Druck vor allem auf Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) enorm. Sie war in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Fall Mollath befasst. Im Landtag wird vor allem bei den Freien W&auml;hlern (FW) und den Gr&uuml;nen, sp&auml;ter auch bei der SPD, scharfe Kritik am Verhalten der Ministerin und der Justizbeh&ouml;rden im Umgang mit Gustl Mollath laut. <\/p><p>Der Landtag setzt einen Untersuchungsausschuss ein, der sp&auml;ter zahlreiche Fehler in dem Verfahren aufdeckt. Als durch Recherchen der NN bekannt wird, dass der Richter, der Mollath 2006 verurteilte, bereits 2004 bei den N&uuml;rnberger Steuerfahndern angerufen und dabei Mollath als &bdquo;verr&uuml;ckt&ldquo; bezeichnet hatte, ordnet die Justizministerin die Pr&uuml;fung eines Wiederaufnahmeverfahrens an.<\/p><p>M&auml;rz 2013: Beim Landgericht Regensburg geht ein Wiederaufnahmeantrag der Staatsanwaltschaft Regensburg ein. Diese listet zahlreiche Rechtsfehler auf, die ihrer Auffassung nach zu einer neuen Verhandlung gegen Gustl Mollath f&uuml;hren m&uuml;ssten. Eine Woche zuvor hat bereits der Mollath-Anwalt Gerhard Strate aus Hamburg einen solchen Antrag eingereicht. Die Wochen danach sind f&uuml;r Gustl Mollath und seine Unterst&uuml;tzer qu&auml;lend, sein Anwalt r&auml;tselt &uuml;ber den Grund f&uuml;r die lange Dauer des Verfahrens in Regensburg.<\/p><p>Juli 2013: Das Landgericht in Regensburg lehnt ein Wiederaufnahmeverfahren mit einer &uuml;ber einhundertseitigen Begr&uuml;ndung ab. Diese Entscheidung korrigiert das N&uuml;rnberger Oberlandesgericht jetzt, im August 2013. Gustl Mollath muss nach sieben Jahren in der Psychiatrie vorerst freigelassen werden.<\/p><p><strong>Gespr&auml;ch mit Gustl Mollath kurz nach seiner Freilassung &mdash; Unterst&uuml;tzerkreis bietet ihm Bleibe und Arbeit &mdash; Klinik: Hilfe angeboten<\/strong><br>\n<em>VON MICHAEL KASPEROWITSCH<\/em><\/p><p>N&Uuml;RNBERG &mdash; Von seiner gelassenen, aber immer leicht k&auml;mpferischen, auch bisweilen sp&ouml;ttischen Haltung hat Gustl Mollath in dem wohl bewegendsten Moment seines Lebens nichts eingeb&uuml;&szlig;t. Sieben Jahre sa&szlig; der 56-j&auml;hrige N&uuml;rnberger unter schwierigsten Umst&auml;nden in psychiatrischen Krankenh&auml;usern ein. Seine Nachbarn waren auch h&ouml;chst gef&auml;hrliche und kranke Kriminelle.<\/p><p>Jetzt steht er vor der T&uuml;r des Bayreuther Bezirkskrankenhauses, das ihn nach einem aufreibenden Kampf vor Gerichten, nach entt&auml;uschenden Niederlagen und nie nachlassender Hoffnung in die Freiheit entlassen musste. Sein alter Schulfreund Robert Lindner aus Hersbruck nimmt ihn dort in Empfang. Lindner war all die Jahre im N&uuml;rnberger Unterst&uuml;tzerkreis f&uuml;r Mollath aktiv und reicht das Handy f&uuml;r ein kurzes Gespr&auml;ch mit den N&uuml;rnberger Nachrichten an ihn weiter.<\/p><p>Gustl Mollath ist nicht etwa sprachlos, welch &uuml;berraschende Wende sein gut zehnj&auml;hriges Drama mit der unerwarteten Entscheidung des Oberlandesgerichts in N&uuml;rnberg genommen hat, das gesamte Verfahren gegen ihn vor Gericht neu aufzurollen. Er wirkt auch emotional nicht sonderlich bewegt. Das kommt vielleicht noch, in ruhigeren Momenten, in den n&auml;chsten Tagen. Jetzt beschwert er sich erst einmal geh&ouml;rig dar&uuml;ber, wie man ihn auch jetzt, an diesem f&uuml;r ihn gro&szlig;en Tag, behandelt hat.<\/p><p>Der Rechtsanwalt, den das Bayreuther Bezirkskrankenhaus mit der Wahrung der eigenen Interessen betraut hat, sei mit einem Arzt, &bdquo;den ich schon lange nicht mehr gesehen habe&ldquo;, in seinem Zimmer aufgetaucht. Sie h&auml;tten ihm unger&uuml;hrt mitgeteilt, dass er entlassen sei und das Haus bis 15 Uhr mit all seinen Habseligkeiten zu verlassen habe.<\/p><p>Ohne jedes Dokument<\/p><p>&bdquo;Ich habe keine Papiere, keinen Ausweis, kein einziges Dokument bei mir&ldquo;, sagt Mollath gestern Abend am Telefon, &bdquo;ich wei&szlig; nicht, ob ich mich da nicht vielleicht strafbar mache, wenn ich jetzt so durch die Stra&szlig;en spaziere.&ldquo; Vielleicht gebe es einen Notdienst bei der Bayreuther Stadtverwaltung f&uuml;r solche F&auml;lle. Schlie&szlig;lich sei er jetzt einige Jahre B&uuml;rger dieser Stadt gewesen, wenn auch zwangsweise.<\/p><p>Mollath h&auml;tte auch erwartet, dass er Klinikchef Klaus Leipziger zu Gesicht bekommt. Aber der kam nicht pers&ouml;nlich vorbei, um seinen wohl prominentesten Patienten zu verabschieden.<\/p><p>Leipziger berichtet gegen&uuml;ber unserer Zeitung &auml;u&szlig;erst n&uuml;chtern &uuml;ber die Freilassung. Gegen Mittag sei ein Fax von der N&uuml;rnberger Justiz in seinem B&uuml;ro eingegangen, das die unverz&uuml;gliche Entlassung anordnete. &bdquo;Wir haben uns erst einmal versichert, dass diese Mitteilung auch authentisch ist&ldquo;, erz&auml;hlt Leipziger.<\/p><p>Das war dringend geboten. Vor einiger Zeit hatte ein Unbekannter mit Mollath einen &uuml;blen Scherz getrieben und eine gef&auml;lschte Gerichtsentscheidung nach Bayreuth gesandt. Ein Klinikarzt hatte Mollath dann ohne Pr&uuml;fung des vermeintlichen Dokuments tats&auml;chlich mitgeteilt, dass er gehen k&ouml;nne. Der Irrtum kl&auml;rte sich erst danach auf. Diesmal war die Klinik gr&uuml;ndlicher.<\/p><p>Man habe, so Leipziger, erst nach der Echtheitspr&uuml;fung des Bescheids dem Patienten er&ouml;ffnet, dass er die forensische Abteilung der Bayreuther Klinik verlassen m&uuml;sse, und zwar bis 15 Uhr. &bdquo;Herr Mollath hat dann um etwas mehr Zeit gebeten&ldquo;, f&auml;hrt der Klinikchef fort, &bdquo;die hat er auch bekommen.&ldquo; Der N&uuml;rnberger hat in seinem Zimmer umfangreiche Akten untergebracht. Die mussten erst zusammengepackt werden. Gegen 17.30 Uhr war es dann so weit.<\/p><p>Leipziger versichert, man habe Mollath, wie in solchen F&auml;llen &uuml;blich, sozialp&auml;dagogische Hilfe angeboten. Da geht es darum, dem Entlassenen mit einem kleineren Geldbetrag die ersten Schritte in Freiheit zu erleichtern. Hat er ein Dach &uuml;ber dem Kopf? Braucht er Hilfe bei Beh&ouml;rdeng&auml;ngen? Um so etwas gehe es dabei.<\/p><p>Ob sein ber&uuml;hmtester Patient eine solche Unterst&uuml;tzung in Anspruch nehmen wollte oder nicht, will der Arzt nicht sagen. Seine Schweigepflicht verbiete ihm das. Mollath aber schimpft.<\/p><p>&bdquo;Und dann auch noch so was&ldquo;<\/p><p>Rein gar nichts habe man ihm angeboten. Man habe ihn einfach nach drau&szlig;en geschickt. &bdquo;Fast acht Jahre haben die mich hier gehalten, und dann auch noch so was.&ldquo; F&uuml;r Gustl Mollath ist das der Gipfel der Respektlosigkeit. Wo er seine erste Nacht in Freiheit verbringt, wei&szlig; er nach eigenen Angaben noch nicht. &bdquo;Vielleicht sollte ich beim Bayreuther B&uuml;rgermeister nach einer Obdachlosenunterkunft fragen&ldquo;, sagt er, ohne dass man sicher sagen k&ouml;nnte, es handle sich dabei um einen Witz.<\/p><p>In der Vergangenheit haben ihm Unterst&uuml;tzer wie Gerhard D&ouml;rner aus N&uuml;rnberg schon ein Domizil angeboten. Wo Gustl Mollath jetzt die ersten Tage in Freiheit tats&auml;chlich verbringt, ist allerdings offen. Ein Obdachlosenheim aber bleibt ihm wohl erspart. Robert Lindner hat seinem Freund auch Arbeit in seinem Betrieb angeboten.<\/p><p>In Unterst&uuml;tzerkreisen erinnert man sich in diesen Stunden an Gustl Mollaths Konzept, das er schon vor Jahren in festem Glauben an seine Sache entworfen hat: 1. &Ouml;ffentlichkeit, 2. Wiederaufnahme, 3. Rehabilitierung, 4. Entsch&auml;digung f&uuml;r erlittenes Unrecht.<\/p><p>Menschen, die ihn seit Jahren kennen und lange Zeit an seinem Schicksal teilgenommen haben, sind immer wieder erstaunt, mit welcher Konsequenz Gustl Mollath auch hier vorgegangen ist. &bdquo;Den zweiten Schritt hat er jetzt erreicht&ldquo;, sagt einer von ihnen nicht ohne Respekt in der Stimme. <\/p><p><strong>Notwendiger Befreiungsschlag<\/strong><br>\n<strong>Neuauflage im Fall Mollath hilft ihm, aber auch der Justiz selbst <\/strong><br>\n<em>ALEXANDER JUNGKUNZ<\/em><\/p><p>Es ging nun sehr schnell, &uuml;berraschend schnell: Nicht einmal zwei Wochen nach der h&ouml;chst umstrittenen Entscheidung des Landgerichts Regensburg, kein Wiederaufnahmeverfahren im Fall Mollath einzuleiten, hat jetzt das Oberlandesgericht N&uuml;rnberg genau ein solches Verfahren angeordnet. Damit dreht die Justiz die Uhr zur&uuml;ck aufs Jahr 2006, bevor jenes Strafverfahren gegen den N&uuml;rnberger er&ouml;ffnet wurde, das ihn sieben lange Jahre in die Bayreuther Psychiatrie brachte.<\/p><p>Ebenso knapp wie klar kam das OLG N&uuml;rnberg nun also zu einer ganz anderen Entscheidung als die vorherige Instanz in Regensburg: Das Gericht verwies nun &nbsp;allein darauf, dass sich das f&uuml;r Mollath so verh&auml;ngnisvolle Urteil von 2006 auch auf ein &bdquo;unechtes&ldquo; Dokument st&uuml;tzte (siehe Beitrag unten links) &mdash; jenes stets umstrittene Attest einer N&uuml;rnberger &Auml;rztin. Ein Formfehler mit erheblichen Auswirkungen &mdash; indem das OLG diesen Fehler nun eindeutig feststellt, macht es den Weg f&uuml;r die alles andere als einfach einzuleitende Neuauflage des Prozesses frei.<\/p><p>Warum ging nun so schnell, was in Regensburg etliche Monate dauerte &mdash; die Beratung &uuml;ber ein Wiederaufnahmeverfahren, das in h&ouml;chst ungew&ouml;hnlicher Einm&uuml;tigkeit ja sowohl die Staatsanwaltschaft als auch Mollaths Verteidiger gefordert hatten? Denkbar, dass die akkuraten N&uuml;rnberger Richter auch einer m&ouml;glichen Justizschelte durch das Bundesverfassungsgericht zuvorkommen wollten. Erst am Freitag hatte Generalbundesanwalt Harald Range den Unterbringungsbeschluss des OLG Bamberg von 2011 als &bdquo;unzureichend&ldquo; begr&uuml;ndet ger&uuml;gt: Warum von Mollath weiter Gefahr ausgehe, &nbsp;sei &bdquo;nicht ausreichend belegt und konkretisiert&ldquo;.<\/p><p>Viel transparenter<\/p><p>Wohlgemerkt: Dabei geht es um einen ganz anderen Sachverhalt &mdash; die Frage n&auml;mlich, ob Mollath noch zu Recht in der Psychiatrie festgehalten wurde. Bei der jetzt eingeleiteten Neuauflage des Prozesses dreht es sich nicht darum: In Regensburg, wo dieses Verfahren l&auml;uft, ist zu kl&auml;ren, zu welchem neuen Urteil die damalige Anklage gegen Mollath wegen Sachbesch&auml;digung und Gewalt f&uuml;hrt &mdash; wobei das neue Verfahren nun allein wegen des riesigen &ouml;ffentlichen Interesses viel transparenter und wohl auch akkurater ablaufen wird als der Prozess 2006.<\/p><p>Denn dass damals etliche Pannen passierten, dass es wohl auch eine Voreingenommenheit insbesondere des Vorsitzenden Richters gegen&uuml;ber Mollath gab, dass es auch an der notwendigen Gr&uuml;ndlichkeit fehlte &mdash; das wurde nicht erst in den Anh&ouml;rungen des Untersuchungsausschusses im Landtag sichtbar. All diese Fragw&uuml;rdigkeiten in dem Fall des nun bekanntesten Ex-Psychiatrie-Patienten der Republik gelangten vorher schon und erst dadurch in den Blickwinkel der &Ouml;ffentlichkeit, dass Medien entsprechenden Hinweisen aus dem Umfeld Mollaths nachgingen.<\/p><p>Es waren zuerst die N&uuml;rnberger Nachrichten, die das Thema aufgriffen, immer wieder, oft &nbsp;auch nervt&ouml;tend f&uuml;r die Verantwortlichen bei der Justiz. Beliebt hat sich unser Kollege Michael Kasperowitsch dort gewiss nicht gemacht. Aber er hat, wie sp&auml;ter andere Bl&auml;tter und Sender &nbsp;auch, selbst mit manchen Zuspitzungen doch ein Unbehagen artikuliert, f&uuml;r das sich im Laufe der Recherchen immer mehr Belege fanden. <\/p><p>Bei vielen B&uuml;rgern steigerte sich dieses Unbehagen in ein teils fundamentales Misstrauen gegen&uuml;ber dem Rechtsstaat. Verschw&ouml;rungstheorien kursieren &mdash; es gibt f&uuml;r sie keinerlei Belege. Und jene zum Teil sehr einseitigen Mollath-Unterst&uuml;tzer, die k&uuml;rzlich auf der Demo in N&uuml;rnberg Schilder mit Vergleichen wie &bdquo;Fr&uuml;her KZ, heute Psychiatrie&ldquo; hochhielten, schossen ma&szlig;los &uuml;bers Ziel hinaus.<\/p><p>Der Rechtsstaat funktioniert<\/p><p>Denn nun hat sich, nach langen und verschlungenen Wegen, eben doch gezeigt: Er funktioniert sehr wohl, dieser Rechtsstaat. Mit dem gestrigen Befreiungsschlag hat der zust&auml;ndige Senat des N&uuml;rnberger Oberlandesgerichts nicht zuletzt auch seinem eigenen Berufsstand einen Dienst erwiesen, der zu sehr (und teils auch sehr zu Unrecht) ins Gerede gekommen war. <\/p><p>Es bleibt aber nach wie vor &nbsp;viel Unbehagen in diesem Fall: Wie gro&szlig; war der Druck, den die Politik (in diesem Fall vor allem Horst Seehofer) auf die unabh&auml;ngige Justiz und die f&uuml;r sie zust&auml;ndige, sehr sp&auml;t ein bisschen sensibler gewordene Ressortchefin Beate Merk ausge&uuml;bt hat, kurz vor der Landtagswahl? <\/p><p>Es bleibt Unbehagen auch daher, weil zwar dieser Fall im glei&szlig;enden Licht der &Ouml;ffentlichkeit ausgebreitet wurde. Aber gibt es &auml;hnliche, unentdeckte F&auml;lle, in denen Menschen m&ouml;glicherweise jahrelang auf fragw&uuml;rdige Weise in geschlossenen Abteilungen landeten? Diese &nbsp;Frage, die viele umtreibt, bleibt, und es ist gut, dass die Justizminister da &uuml;ber gesetzliche Korrekturen nachdenken.<\/p><p>Und es bleibt festzustellen: Klar ist auch jetzt noch gar nichts im Fall Mollath. Er ist zwar auf freiem Fu&szlig;, aber nur vorl&auml;ufig. Nun wird &uuml;ber ihn und seine ihm zur Last gelegten Taten erneut verhandelt, in der Folge dann wohl auch &uuml;ber seinen Geisteszustand. Und es ist v&ouml;llig offen, wie diese Verhandlungen ausgehen. Aber es ist gut und f&uuml;r die Demokratie wie den Rechtsstaat &nbsp;wichtig, dass ein derart fragw&uuml;rdiges Alt-Verfahren noch einmal genauer aufgerollt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie haben den Skandal der bayerischen Justiz erstmals aufgegriffen; der Fortgang der Recherche des NN-Redakteurs Michael Kasperowitsch f&uuml;hrte zu einigen Wendemarken des Falles. Alexander Jungkunz, Stellvertretender Chefredakteur der N&uuml;rnberger Nachrichten und Leser der NDS schickt uns die heutige Berichterstattung im Blatt einschlie&szlig;lich eines Gespr&auml;chs mit Gustl Mollath und Kommentar. Siehe unten. Lesenswert. Danke. 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