{"id":1822,"date":"2006-10-28T10:51:43","date_gmt":"2006-10-28T08:51:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=1822"},"modified":"2016-01-23T11:05:01","modified_gmt":"2016-01-23T10:05:01","slug":"anmerkung-zur-ftd-studie-alle-burger-werden-bei-abgaben-entlastet-richtig-ist-es-wird-weiter-umverteilt-und-zwar-von-unten-nach-oben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1822","title":{"rendered":"Anmerkung zur FTD-Studie \u201eAlle B\u00fcrger werden bei Abgaben entlastet\u201c. Richtig ist: Es wird weiter umverteilt und zwar von unten nach oben."},"content":{"rendered":"<p>In den Hinweisen vom 27.10.06 berichteten wir &uuml;ber eine Studie des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der K&ouml;lner Universit&auml;t f&uuml;r die <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/125228.html?mode=print\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/125228.html?mode=print\">Financial Times Deutschland<\/a>. Darin wird errechnet, dass die h&ouml;heren Beitr&auml;ge f&uuml;r Renten- und Krankenversicherung durch die geplante Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags mehr als ausgeglichen werden. Dem widerspricht einer unserer Leser mit guten Argumenten.<br>\n<!--more--><br>\n\tDie Studie des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts K&ouml;ln und der sich darauf beziehende FTD-Artikel sind gute Beispiele, wie interessensorientierte Wirtschaftsforschung und &bdquo;Wirtschafts&ldquo;-Presse Fakten verdrehen und die Wirklichkeit verf&auml;lschen.<\/p><p>Schon die &Uuml;berschrift &ldquo;Alle B&uuml;rger werden bei Abgaben entlastet&rdquo; ist schlicht falsch. Von den 82 Millionen Einwohnern und etwa 39 Millionen Erwerbst&auml;tigen Deutschlands zahlen &ndash; hoch gesch&auml;tzt &ndash; 26 Millionen Erwerbst&auml;tige Beitr&auml;ge in die gesetzliche Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung.<br>\nWenn es durch die Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags unter dem Strich zu einer Entlastung k&auml;me, dann w&auml;ren auch nur diese 26 Millionen davon beg&uuml;nstigt, wenn es denn &uuml;berhaupt zutr&auml;fe, dass die Arbeitslosenbeitr&auml;ge st&auml;rker sinken w&uuml;rden als Krankenkassen- und Rentenbeitr&auml;ge steigen.<br>\nAlleine die 20 Millionen Rentnerinnen und Rentner aber sind ausschlie&szlig;lich von h&ouml;heren Krankenkassenbeitr&auml;gen und Zuzahlungen betroffen, denn sie zahlen h&ouml;here Abgaben, weil sie von der Senkung der Arbeitslosenbeitr&auml;ge nicht profitieren.<\/p><p>Dass das von der FTD beauftragte Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut der K&ouml;lner Universit&auml;t die dreiprozentige Mehrwertsteuererh&ouml;hung nicht in die Berechnung einbezogen hat, wird zwar im Schlusssatz des Artikels erw&auml;hnt, gerade dass diese Erh&ouml;hung aber nicht ber&uuml;cksichtig wird, ist methodisch fragw&uuml;rdig.<br>\nDenn ein Teil der Mehrwertsteuererh&ouml;hung (ca. ein Prozentpunkt) in H&ouml;he von sechs Milliarden Euro wird zur Senkung des Arbeitslosenbeitrags um einen Prozentpunkt f&uuml;r die Arbeitgeberseite aufgewandt. Ein weiterer Prozentpunkt (der Anteil, der auf die Arbeitnehmer entf&auml;llt) wird aus &bdquo;&Uuml;bersch&uuml;ssen&ldquo; der Bundesanstalt f&uuml;r Arbeit aufgebracht. Diese &bdquo;&Uuml;bersch&uuml;sse&ldquo; wiederum sind jedoch vor allem durch K&uuml;rzungen der Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld und durch massive Einschnitten bei arbeitsmarktpolitischen Wiedereingliederungs- und Qualifizierungsma&szlig;nahmen der Bundesagentur entstanden.<br>\nWenn man also die Entlastung auf der Arbeitnehmerseite bei den Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;gen genauer unter die Lupe nimmt, kommt man zu dem Schluss, dass hier &ldquo;innerhalb der Klasse&rdquo; umverteilt wird. Die Arbeitnehmer zahlen ein Prozent weniger Beitr&auml;ge um den Preis, dass die Leistungen &bdquo;ihrer&ldquo; Arbeitslosenversicherung verschlechtert werden.<\/p><p>Und die sechs Milliarden Euro Entlastung f&uuml;r die Arbeitgeberseite aus der Mehrwertsteuererh&ouml;hung bezahlen wiederum alle Verbraucherinnen und Verbraucher, also insbesondere Menschen, die den allergr&ouml;&szlig;ten Teil ihres verf&uuml;gbaren Einkommens &bdquo;verkonsumieren&ldquo;, n&auml;mlich vor allem Arbeitnehmer, Rentner, Arbeitslose, Sch&uuml;ler und Studenten.<br>\nDie &Uuml;berschrift &ldquo;Alle B&uuml;rger werden bei Abgaben entlastet&rdquo; ist somit eine glatte Irref&uuml;hrung.<\/p><p>Bei einer realistischen Analyse der sozial- und steuerpolitischen Ma&szlig;nahmen h&auml;tte es hei&szlig;en m&uuml;ssen:<\/p><p><strong><\/strong><\/p><blockquote><p>Es wird weiter umverteilt &ndash; und zwar von unten nach oben.<\/p><\/blockquote><p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Hinweisen vom 27.10.06 berichteten wir &uuml;ber eine Studie des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts (FiFo) der K&ouml;lner Universit&auml;t f&uuml;r die <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/125228.html?mode=print\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/125228.html?mode=print\">Financial Times Deutschland<\/a>. Darin wird errechnet, dass die h&ouml;heren Beitr&auml;ge f&uuml;r Renten- und Krankenversicherung durch die geplante Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags mehr als ausgeglichen werden. 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