{"id":18236,"date":"2013-08-09T09:07:29","date_gmt":"2013-08-09T07:07:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18236"},"modified":"2015-08-11T09:14:17","modified_gmt":"2015-08-11T07:14:17","slug":"geschichte-wiederholt-sich-als-tragodie-und-als-farce-zugleich-schon-seit-1989-hatte-die-bundesregierung-uber-die-uberwachung-durch-die-nsa-bescheid-wissen-konnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18236","title":{"rendered":"Geschichte wiederholt sich als Trag\u00f6die und als Farce zugleich &#8211; Schon seit 1989 h\u00e4tte die Bundesregierung \u00fcber die \u00dcberwachung durch die NSA Bescheid wissen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Im Februar 1989 brachte der Spiegel eine Titelgeschichte &bdquo;Freund h&ouml;rt mit&ldquo;. Die &Uuml;berschrift des Artikels lautete damals: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13494509.html\">&bdquo;NSA: Amerikas gro&szlig;es Ohr, Die National Security Agency, der aggressivste Nachrichtendienst, h&ouml;rt Freund und Feind ab&ldquo;<\/a>. Daraufhin hatte die Fraktion der Gr&uuml;nen im Bundestag eine Aktuelle Stunde zum Thema &bdquo;Die Haltung der Bundesregierung zu Behauptungen in der Presse &uuml;ber das amerikanische NSA-System (Nationale Sicherheits-Agentur)&ldquo; beantragt. (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/130809_Aktuelle_Stunde_1989_zur_NSA.pdf\">Stenografischen Bericht der Sitzung des Deutschen Bundestags vom 24. Februar 1989, S. 9517 ff. [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a>).<br>\nIn dieser Debatte von damals begegnet man den gleichen Abwiegelungsstrategien der Politik gegen&uuml;ber dem &Uuml;berwachungswahn der Geheimdienste, wie wir sie jetzt, fast ein Viertel Jahrhundert sp&auml;ter als Reaktion auf die Snowden-Enth&uuml;llungen wieder erleben m&uuml;ssen.<br>\nGeschichte wiederholt sich offenbar als Trag&ouml;die und als Farce zugleich.<br>\nEs ist eine Trag&ouml;die, wie die demokratischen Staaten und ihre Geheimdienste seit Jahrzehnten mit dem Grundrecht auf Gew&auml;hrleistung des Fernmeldegeheimnisses, mit der informationellen Selbstbestimmung, dem Schutz der Privat- und Intimsph&auml;re umgehen und statt ihren B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern Schutz zu gew&auml;hrleisten, diese unter Generalverdacht stellen.<br>\nEs ist zugleich eine Farce, wie die Politik mit den immer gleichen Ausreden die totale &Uuml;berwachung rechtfertigt, jede Kritik daran an sich abprallen l&auml;sst und schon gar nichts gegen die Unterwanderung von Recht und Gesetz durch Geheimabkommen &uuml;ber die T&auml;tigkeit von Geheimdiensten unternimmt.<br>\nVon <strong>Wolfgang Lieb<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3680\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-18236-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130809_Geschichte_wiederholt_sich_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130809_Geschichte_wiederholt_sich_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130809_Geschichte_wiederholt_sich_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130809_Geschichte_wiederholt_sich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=18236-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130809_Geschichte_wiederholt_sich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"130809_Geschichte_wiederholt_sich_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>In dem Spiegel-Artikel hie&szlig; es damals u.a.: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Die abgeschirmten Anlagen sind Knotenpunkte eines unsichtbaren Netzes, das die Bundesrepublik und den gesamten Erdball umspannt. Amerikas geheimster Geheimdienst, die National Security Agency (NSA), lauscht weltweit und rund um die Uhr, ganz besonders in der Bundesrepublik.<\/p>\n<p>Von alliierten Sonderrechten erm&auml;chtigt und durch Gesetze gesch&uuml;tzt, von allzeit schussbereiten Sicherheitskr&auml;ften bewacht, von kamerabest&uuml;ckten Stacheldrahtz&auml;unen und elektronischen Schutzschilden umh&uuml;llt, hat sich die NSA zu einer Monsterorganisation entwickelt, die in einem politischen Vakuum weitgehend nach eigenem Gutd&uuml;nken operiert.<\/p>\n<p>Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit hat irgendeine Macht der Erde Vergleichbares zustande gebracht &ndash; Lauschangriffe rund um die Erde. Was Pr&auml;sidenten oder Minister in Kabinettssitzungen reden, was in K&ouml;nigsh&auml;usern oder auf Vorstandsetagen gesprochen wird, ob Generale saufen oder Botschafter fremdgehen, alles auf Band: Die Vertraulichkeit des Wortes ist aufgehoben, die Privatsph&auml;re verletzt &hellip;<\/p>\n<p>Die US-Regierung gibt j&auml;hrlich etliche Milliarden Dollar aus, um im gigantischen Gewimmel der elektromagnetischen Wellen kein Signal, keinen Befehl und kein Gespr&auml;ch zu verpassen, das auch nur im Entferntesten die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika ber&uuml;hren k&ouml;nnte.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><strong>Nine Eleven nur ein Vorwand f&uuml;r den &Uuml;berwachungswahn<\/strong><\/p><p>Im Kern wurde in dem Artikel schon 1989 beschrieben, was fast ein Viertel Jahrhundert danach durch die Enth&uuml;llungen von Edward Snowden erst wieder in die &ouml;ffentliche Debatte gebracht worden ist.<\/p><p>Diese Ver&ouml;ffentlichung &uuml;ber die weltweiten Lauschangriffe der NSA lag 12 Jahre vor den Terroranschl&auml;gen vom 11. September 2001. Daran mag man erkennen, dass die heute g&auml;ngige Begr&uuml;ndung f&uuml;r die totale &Uuml;berwachung, n&auml;mlich  9\/11 oder al-Quaida nur einen neuen und zus&auml;tzlichen Vorwand f&uuml;r den &Uuml;berwachungswahn der Geheimdienste und ihrer jeweils f&uuml;r sie verantwortlichen und mit Milliarden finanzierenden Regierungen ist. <\/p><p><strong>Es fehlte jeder politische Wille die Grundrechte zu gew&auml;hrleisten<\/strong><\/p><p>Man h&auml;tte &ndash; selbst wenn man dem Spiegel-Artikel &ndash; damals keinen Glauben geschenkt hat, dem dort aufgeworfenen Verdacht gegen die massenhaften Lauschangriffe der NSA also  schon unter der Regierung Kohl nachgehen k&ouml;nnen, wenn man nur gewollt h&auml;tte. <\/p><p>Die damalige Abgeordnete der Gr&uuml;nen, Angelika Beer, beklagte schon damals &bdquo;die Unf&auml;higkeit der Bundesrepublik, ihren B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern Schutz vor der Verletzung ihrer Grundrechte zu gew&auml;hrleisten&ldquo;. Es fehle am Willen der Bundesregierung, die Gew&auml;hrleistung der Grundrechte auch nur zu versuchen. (S. 9517 des stenografischen Berichts).<\/p><p><strong>Die Argumente, mit denen abgewiegelt wird, waren und bleiben immer die gleichen<\/strong><\/p><p>Interessant ist dabei, wie schon damals die Regierungsparteien und die SPD den im Spiegel beschriebenen Skandal abzuwiegeln versuchten.<\/p><p><strong>Das Totschlagargument des Anti-Amerikanismus<\/strong><\/p><p>Der Abgeordnete Karl Lamers von der CDU, sah in der Beantragung der Aktuellen Stunde und in den Ausf&uuml;hrungen von Angelika Beer &bdquo;eine eindeutige Spitze gegen die Vereinigten Staaten&ldquo;. Auch damals wurde einfach unterstellt, dass die &bdquo;Rechtsverh&auml;ltnisse klar sind&ldquo; und dass &bdquo;keine Erkenntnisse &uuml;ber Aktionen vorliegen, die deutsches Recht und Vereinbarungen mit den Alliierten verletzten&ldquo;. Man m&uuml;sse pr&uuml;fen, &bdquo;ob angesichts der au&szlig;erordentlich erweiterten, wohl zutreffend beschriebenen technischen M&ouml;glichkeiten, die wenn ich es richtig sehe, vor zwei Jahrzehnten getroffenen Regelungen und Vereinbarungen veraltet sind und angepasst werden m&uuml;ssen.&ldquo; Es m&uuml;sse &bdquo;soweit wie m&ouml;glich jeder Verdacht  ausger&auml;umt werden.&ldquo; Damit sollte man es aber auch bewenden lassen, es gebe &bdquo;wei&szlig; Gott wichtigere Fragen, auch wichtigere au&szlig;enpolitische Fragen.&ldquo; &bdquo;Das letzte, was wir dabei brauchen k&ouml;nnen, ist Misstrauen zwischen den Verb&uuml;ndeten, vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland.&ldquo; <\/p><p>Auch das Mitglied der Parlamentarischen Kontrollkommission Rolf Olderog (CDU) tat die Enth&uuml;llungen des Spiegels als &bdquo;antiamerikanische Gruselgeschichte&ldquo; und als ein &bdquo;Gebr&auml;u von Tatsachen, Halbwahrheiten und Phantasien&ldquo; ab. Der der US-B&uuml;ndnispartner solle mit allen Tricks journalistischer Unfairness diffamiert werden.<\/p><p>Auch bei der derzeitigen Debatte warf Innenminister den Kritikern Antiamerikanismus vor (<a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/kommentar\/friedrich-nsa100.html\">&bdquo;Diese Mischung aus Antiamerikanismus und Naivit&auml;t geht mir geh&ouml;rig auf den Senkel&rdquo;<\/a>) und die Medien kritisierten gar Merkel, sie bediene <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/nsa-affaere-unter-vorbehalt-12307233.html\">&bdquo;antiamerikanische Populismen&ldquo;<\/a>. <\/p><p><strong>Das Verschweigen von geheimen Abkommen und der Verweis auf die Parlamentarische Kontrollkommission<\/strong><\/p><p>Der damalige SPD-Abgeordnete Hans de With verwies darauf, dass durch das im Rahmen der Notstandsverfassung 1968 eingef&uuml;hrte G-10-Gesetz die &bdquo;alliierten Sicherheitsvorbehalte endg&uuml;ltig und restlos abgel&ouml;st&ldquo; worden seien. Man m&uuml;sse bei der Bundesregierung auf Klarstellung dr&auml;ngen. <\/p><p>Der FDP-Abgeordnete Dr. Burkhard Hirsch verwies hingegen auf die &bdquo;Verpflichtung zur Zusammenarbeit auch hinsichtlich der Sicherheit von Truppen, die im Rahmen des Truppenstatuts in der Bundesrepublik&ldquo; l&auml;gen. &bdquo;Wenn im Rahmen einer solchen Zusammenarbeit der Eindruck entsteht, dass das &Uuml;berwachen eines Telefongespr&auml;chs notwendig ist, dann geschieht das ausschlie&szlig;lich gem&auml;&szlig; den Regeln des G-10-Gesetzes.&ldquo; Gegebenenfalls m&uuml;sse das NATO-Truppenstatut &uuml;berarbeitet werden.<br>\nDie Angaben im Spiegel-Artikel w&uuml;rden in der Parlamentarischen Kontrollkommission &uuml;berpr&uuml;ft und wenn es sich notwendig erweisen sollte, werde man auch handeln. <\/p><p>Bis heute ist keines der geheimen Abkommen bekannt, geschweige denn &uuml;berpr&uuml;ft oder gar abgel&ouml;st. Die &Uuml;berpr&uuml;fungen der Parlamentarischen Kontrollkommission, so sie denn &uuml;berhaupt stattgefunden haben sollten, haben zu keinerlei erkennbaren Ergebnissen gef&uuml;hrt.   <\/p><p><strong>Die Regierung stellt sich unwissend und verweist auf die Geheimhaltungspflicht<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die Regierung antwortete der Staatsminister im Ausw&auml;rtigen Amt Helmut Sch&auml;fer. Auch er verwies auf die &bdquo;engsten Verbindungen&ldquo; zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten und auf die &bdquo;feste Klammer&ldquo; des Nordatlantischen B&uuml;ndnisses. Andererseits besitze &bdquo;die Bundesrepublik Deutschland auf Grund der Pariser und Bonner Vertr&auml;ge seit 1955 die volle Macht eines souver&auml;nen Staates &uuml;ber ihre inneren und &auml;u&szlig;eren Angelegenheiten.&ldquo; In den Vertr&auml;gen mit den USA sei die &bdquo;Respektierung des deutschen Rechts ausdr&uuml;cklich sichergestellt&ldquo;. Auch im NATO-Truppenstatut hei&szlig;e es: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Eine Truppe und ihr ziviles Gefolge, ihr Mitglieder sowie deren Angeh&ouml;rige haben die Pflicht, das Recht des Aufnahmestaates zu achten und sich jeder mit dem Geiste dieses Abkommens nicht zu vereinbarenden T&auml;tigkeit, insbesondere jeder politischen T&auml;tigkeit im Aufnahmestaat zu enthalten.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Bundesregierung sei kein Fall eigenm&auml;chtiger Abh&ouml;rpraktiken durch die in Rede stehenden Geheimdienste der drei L&auml;nder bekannt. &bdquo;Unter diesen Umst&auml;nden sieht die Bundesregierung keine Notwendigkeit, mit den Verb&uuml;ndeten &uuml;ber eine Ver&auml;nderung der v&ouml;lkerrechtlichen Grundlagen &ndash; Truppenstatut, Zusatzabkommen &ndash; in eine Er&ouml;rterung einzutreten.&ldquo;<\/p><p>Im &Uuml;brigen k&ouml;nne die  Bundesregierung zu Presseberichten &uuml;ber angebliche nachrichtendienstliche Vorg&auml;nge nicht &ouml;ffentlich Stellung nehmen. <\/p><p>Auch heute verh&auml;lt sich die Bundesregierung zu den Snowden-Enth&uuml;llungen wie die drei weisen Affen: Sie stellt sich blind, taub, und stumm. (Siehe dazu: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=17892\">Die Demokratie nur noch ein Spielball der Geheimdienste?<\/a>) <\/p><p><strong>Totale &Uuml;berwachung, ein Fluch der Technik<\/strong><\/p><p>Der SPD-Abgeordnete Wim N&ouml;bel und auch andere Redner sahen das Problem als eine Frage &bdquo;der Beherrschbarkeit dieser Technik&ldquo;. <\/p><p>Auch im Jahre 2013 wird so getan, als sei die Totalerfassung von Daten eben ein Fluch der Technik, der &uuml;ber uns gekommen ist und vor der sich jeder selbst sch&uuml;tzen m&uuml;sse.<\/p><p><strong>Der &bdquo;Terrorismus&ldquo; als Begr&uuml;ndung hat die &bdquo;Gefahr aus dem Osten&ldquo; ersetzt<\/strong><\/p><p>Wir finden in der damaligen Debatte also nahezu alle Argumente, Ausfl&uuml;chte und Abwiegelungen wieder, die wir auch in der j&uuml;ngsten politischen Behandlung des Aussp&auml;hskandals antreffen. Mit Ausnahme des Hinweises auf die Gefahr durch &bdquo;Terrorismus&ldquo;, aber statt dieser Drohkulisse diente damals (1989, also kurz vor dem Fall der Mauer) die &bdquo;Gefahr aus dem Osten&ldquo;. <\/p><p><strong>Ein Viertel Jahrhundert ist nichts unternommen worden<\/strong><\/p><p>Den letzten Satz in dieser Debatte sprach der SPD-Abgeordnete Helmuth Becker (Nienberge), laut Protokoll unter dem Beifall der SPD, der CDU\/CSU und der FDP: &bdquo;Es besteht kein Grund zu besonderer Aufregung&ldquo;. <\/p><p>Und weil kein Grund zur Aufregung gesehen wurde, konnte sich die Bundesregierung zur&uuml;cklehnen und darauf setzen, dass die Debatte &uuml;ber dieses Thema wieder einschlief. Denn keine der gro&szlig;en Parteien hatte ein Interesse daran, das wach zu halten. Erst Edward Snowden hat 24 Jahre sp&auml;ter die Politik und die Medien wieder aufgeweckt.<\/p><p>Unternommen worden ist seither nichts. Das einzige was sich ver&auml;ndert hat, ist die Tatsache, dass durch neue technische M&ouml;glichkeiten, die Abh&ouml;rpraktiken noch weiter vorangetrieben und perfektioniert worden sind.<\/p><p>Man mag an der Tabuisierung der Geheimdienstaktivit&auml;ten und der geheimen Abkommen auch erkennen, wie l&auml;cherlich die Schwarze-Peter-Spiele sind, die die Parteien jetzt wieder einmal betreiben, wobei Regierung und Opposition sich jeweils gegenseitig die Verantwortung in die Schuhe schieben will. Die Gr&uuml;nen haben sich zwar 1989 noch gewehrt, aber da waren sie noch weit weg davon, jemals auf einer Regierungsbank sitzen zu d&uuml;rfen. Aber auch das hat sich inzwischen ge&auml;ndert.<br>\nUnd die einzige Partei die bisher nicht in die geheimen Abkommen &uuml;ber die T&auml;tigkeit von alliierten Geheimdiensten eingebunden war, n&auml;mlich die LINKE, kann nicht gegen das Allparteienb&uuml;ndnis von CDU\/CSU\/FDP\/SPD\/Gr&uuml;ne ank&auml;mpfen, weil sie von allen sofort mit Stasi-Vorw&uuml;rfen &uuml;bersch&uuml;ttet w&uuml;rde. Die Heuchelei, die sich dabei zeigt &ndash; westliche &Uuml;berwachung ist grunds&auml;tzlich gut, &ouml;stliche &Uuml;berwachung ist grunds&auml;tzlich b&ouml;se &ndash; wird nicht einmal bemerkt. <\/p><p><strong>Geschichte wiederholt sich als Trag&ouml;die und als Farce<\/strong><\/p><p>Die Bundesregierung tut immer noch so, als habe sie keine Ahnung und sie gibt Absichtserkl&auml;rungen ab, die Dinge aufkl&auml;ren zu wollen. Die abwiegelnden Argumente der Politiker und der Journalisten sind nahezu die gleichen wie seit Jahrzehnten. <\/p><p>In einem Interview mit dem K&ouml;lner Stadt-Anzeiger sagte Merkel: <a href=\"http:\/\/www.ksta.de\/politik\/merkel-interview--jede-koalition-kennt-reibereien-,15187246,12748812.html\">&bdquo;Geschichte wiederholt sich nicht und wenn, dann nur als Farce.&ldquo;<\/a> Sie h&auml;tte besser das vollst&auml;ndige Zitat von Karl Marx nennen sollen: Geschichte wiederholt sich: &bdquo;das eine Mal als Trag&ouml;die, das andere Mal als Farce&ldquo;. <\/p><p>Die &Uuml;berwachungsskandale und der politische Umgang damit bieten jedoch eine andere Geschichtsinterpretation an, n&auml;mlich dass sich Geschichte zugleich als Farce und auch noch als Trag&ouml;die wiederholen kann. <\/p><p>Als Trag&ouml;die n&auml;mlich, wie die demokratischen Staaten und ihre Geheimdienste mit dem Grundrecht auf Gew&auml;hrleistung des Fernmeldegeheimnisses, mit der informationellen Selbstbestimmung, dem Schutz der Privat- und Intimsph&auml;re umgehen und ihren B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger, statt ihnen Schutz zu gew&auml;hrleisten, diese unter einen dauerhaften Generalverdacht stellen. Es scheint eine Tendenz aller Regierungsformen zu geben, zur Stabilisierung ihrer Macht, sich zu einem &Uuml;berwachungsstaat zu entwickeln.<\/p><p>Als Farce scheint sich die Geschichte aber auch zugleich zu wiederholen, wenn man beobachten muss, wie die Politik mit den immer gleichen Ausreden die totale &Uuml;berwachung rechtfertigt, jede Kritik daran an sich abprallen l&auml;sst und schon gar nichts gegen die Unterwanderung von Recht und Gesetz durch Geheimabkommen und Geheimdienste unternimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Februar 1989 brachte der Spiegel eine Titelgeschichte &bdquo;Freund h&ouml;rt mit&ldquo;. Die &Uuml;berschrift des Artikels lautete damals: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13494509.html\">&bdquo;NSA: Amerikas gro&szlig;es Ohr, Die National Security Agency, der aggressivste Nachrichtendienst, h&ouml;rt Freund und Feind ab&ldquo;<\/a>. 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