{"id":1839,"date":"2006-11-06T16:58:37","date_gmt":"2006-11-06T14:58:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1839"},"modified":"2016-01-23T10:42:59","modified_gmt":"2016-01-23T09:42:59","slug":"scharlatan-mit-professorentitel-ulrich-beck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1839","title":{"rendered":"Scharlatan mit Professorentitel: Ulrich Beck"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich zur Sache komme, m&ouml;chte ich eine Anmerkung zur redaktionellen Arbeit der NachDenkSeiten machen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nManche unserer Leser denken, wir seien eine gro&szlig;e Redaktion. Tats&auml;chlich wird die redaktionelle Arbeit von Wolfgang Lieb und mir sowie von Kai Ruhsert geleistet, der in seiner Freizeit meist die &bdquo;Hinweise des Tages&ldquo; zusammenstellt und redigiert.<br>\nDie einzelnen Hinweise auf interessante Artikel bekommen wir von einem guten Dutzend Leser der NachDenkSeiten, denen wir und unsere Leser zu gro&szlig;em Dank verpflichtet sind. Sie schicken uns teilweise schon nachts, wenn die ersten Artikel ins Netz gestellt werden, die Ausbeute ihrer Recherchen.<br>\nEiner davon ist Orlando Pascheit. Er hat uns den folgenden Hinweis geschickt &ndash; &uuml;brigens wie immer so aufgemacht, dass wir den Hinweis direkt in die Hinweise des Tages kopieren k&ouml;nnten: &Uuml;berschrift, kurze Anmoderation zum Inhalt, Link und manchmal ein kurzer, zwei- bis f&uuml;nf-zeiliger Kommentar.<br>\nDen Artikel von Ulrich Beck hat er mit einem ausf&uuml;hrlichen Kommentar versehen, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten m&ouml;chten. Hier der Hinweis plus Kommentar von Orlando Pascheit und am Ende ein Abbinder von mir: <\/p><p><strong>Abschied von der Utopie der Vollbesch&auml;ftigung<\/strong><br>\nDie Debatte &uuml;ber Armut und Arbeitslosigkeit in Westeuropa steckt in der nationalstaatlichen Falle &ndash; so die These des folgenden Diskussionsbeitrags, der einen unkonventionellen Vorschlag skizziert.<br>\nVon Ulrich Beck<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/2006\/11\/04\/fe\/articleEM5N6.print.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.nzz.ch\/2006\/11\/04\/fe\/articleEM5N6.print.html\">NZZ<\/a><\/p><p>Kommentar: Man fragt sich, warum renommierte Zeitungen Schlagwortproduzenten wie Ulrich Beck erlauben, ihr altbekanntes, nicht sonderlich interessantes Zeug wiederk&auml;uen zu lassen. Allerdings ist die Community der deutschen Gesellschaftswissenschaften mit der Vergabe des Schader-Preises an Beck nach Raffelh&uuml;schen (!) mit gutem Beispiel vorangegangen. Welch ein Ausweis f&uuml;r die analytische Kraft unserer Wissensgesellschaft, armes Deutschland!<\/p><p>Die Diskussion um produktivit&auml;tsbedingte Arbeitslosigkeit ist so alt wie die industrielle Revolution selbst, wie auch die von Beck verfochtene L&ouml;sung &ndash; Abschied von der Vollbesch&auml;ftigung gekoppelt an die Forderung an bedingungsloses B&uuml;rgereinkommen &ndash; nur eine weitere Variante von Brot und Spiele (Juvenal 100 n.Chr.) darstellt. Die seit den fr&uuml;hen 80ern gef&uuml;hrte Diskussion ist durch einige Vertreter von Attac bis hin zu Politikern der &lsquo;CDU&rsquo; wieder in Mode gekommen. Statt in diese Debatte konkret einzusteigen, drischt Beck Phrasen wie &ldquo;Freiheit statt Vollbesch&auml;ftigung&rdquo; und betreibt ein bi&szlig;chen &lsquo;name dropping&rsquo;. Sachlich f&auml;ngt die Crux schon damit an, da&szlig; die negative Einkommenssteuer nicht klar zum bedingungslosen Grundeinkommen abgegrenzt wird. Beck mag ja zur Finanzierung die Machbarkeitsstudie der Konrad-Adenauer-Stiftung gelesen haben, aber als Sozialwissenschaftler m&uuml;&szlig;te er den statischen Charakter solcher Untersuchungen, d.h. die nicht intendierten Nebenfolgen (und Kosten) solcher &lsquo;Modelle&rsquo; im Auge haben.<br>\nVor allem lenkt das Geschw&auml;tz vom Ende der Vollbesch&auml;ftigung davon ab, da&szlig; einige nationale Eliten, z.B. in DE, ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, d.h. sie die bestehenden nationalstaatlichen Potentiale in str&auml;flicher Weise vernachl&auml;ssigt haben. Wie erkl&auml;rt sich Beck z.B. die besch&auml;ftigungspolitischen Erfolge der skandinavischen Nationalstaaten?<\/p><p>Und dann: die nationalstaatliche Sackgasse. Was ist denn nun das Kapital, &ldquo;national&rdquo; oder &ldquo;mobil&rdquo;? Sollte Beck entgangen sein, da&szlig; die EU schon immer ein neoliberales Unternehmensprojekt gewesen ist, um nationalstaatliche Regulierungen und Barrieren zu &uuml;berwinden, letztlich um Europa zu globalisieren? Ebenso verkennt Beck, da&szlig; die EU gleichzeitig auch immer ein politisches Projekt war, um negative Effekte dieses Prozesses eben die &ldquo;Brasilianisierung der Wohlfahrtsgesellschaften&rdquo; zu verhindern &ndash; wenn auch vielen Entwicklungen nachhinkend und nicht im erforderlichen Umfang erfolgreich. Dies gilt z.B. f&uuml;r das von Beck eingeforderte Bem&uuml;hen, europaweit Innovationssch&uuml;be zu generieren, oder auch f&uuml;r andere Bestrebungen, wie z.B. auf internationaler Ebene Steuerschlupfl&ouml;cher zu schlie&szlig;en. Das Problem ist bekannt. &ldquo;Die Europ&auml;er k&ouml;nnten&rdquo; nicht nur, wie Beck meint, sie haben die &ldquo;nationalstaatliche Sackgasse&rdquo; l&auml;ngst erkannt. Auch hier formuliert Beck konkreten Entwicklungen hinterher.<br>\nWohlfeil aber wenig hilfreich sind abstrakte Forderungen nach &ldquo;praktische(n) Ideen f&uuml;r eine Humanisierung des Globalisierungsprozesses&rdquo;. Was sind die konkreten Strategien f&uuml;r Verhandlungen mit dem &ldquo;Traummarkt China? &rdquo; Herrlich diese naive Vorstellung von der &ldquo;professionellen Phantasie&rdquo; Europas, welche von den billigen Arbeitskr&auml;ften in China zum gegenseitigen Nutzen umgesetzt wird.<br>\nInsgesamt nervt dieses dauernde &ldquo;k&ouml;nnte&rdquo;, &ldquo;m&uuml;&szlig;te&rdquo; nicht nur Becks, sondern vieler Sozial- und Geisteswissenschaftler. Die realen Schwierigkeiten z.B. der jetzt bevorstehenden Umsetzung eines Chemikaliengesetzes f&uuml;r einen ganzen Kontinent interessieren nicht. &ndash; Nat&uuml;rlich l&auml;&szlig;t sich &uuml;ber die inhaltliche Ausformung streiten, aber &ldquo;nationalstaatliche Sackgassen&rdquo; werden &uuml;berwunden. Im &Uuml;brigen geht es weniger um Nationalstaat und Europa, sondern eher um einzelwirtschaftliches und gesamtwirtschaftliches Denken, um kurzfristige Gewinne und langfristige Ertr&auml;ge, um Markt und Staat (eben auch supranational), um &lsquo;ego&rsquo; und &lsquo;polis&rsquo; usw. <\/p><p>Beck sollte sich selbst beim Wort nehmen und versuchen, ein &ldquo;sinnvolles Leben&rdquo; zu f&uuml;hren &ndash; als &ldquo;selbstbewusster B&uuml;rger ohne Lohnarbeit.&rdquo; Vielleicht k&ouml;nnte eine Sammelbewegung organisiert werden, um Beck ein Grundeinkommen von 700 Euro zu sichern mit der Auflage, solche Texte zu unterlassen. <\/p><p><strong>Erg&auml;nzungen von Albrecht M&uuml;ller:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Mit Recht weist Orlando Pascheit daraufhin, dass Ulrich Beck davon ablenkt, dass die nationalen Eliten wie zum Beispiel die unseren ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Beck blendet einfach aus, dass zum Beispiel die Verantwortlichen in Deutschland 1992\/93 die gute Entwicklung unserer Volkswirtschaft mit geldpolitischen und fiskalpolitische Ma&szlig;nahmen brutal abgebrochen haben. Der Diskontsatz wurde damals von der Bundesbank von 2,9 auf 8,75% erh&ouml;ht. Und auch seitdem wurde immer wieder prozyklisch eingegriffen und so der Niedergang verst&auml;rkt. Unsere Eliten haben makro&ouml;konomisch versagt. Aber Beck wei&szlig; das besser. Er w&auml;scht die Verantwortlichen wei&szlig;. Anzunehmen, bei der Arbeitslosigkeit handle es sich &bdquo;um ein Versagen &ndash; der Politik, der Wirtschaft, der Gesellschaft&ldquo;&hellip; &ndash; &bdquo;Auch das ist falsch&ldquo;, erkl&auml;rt Beck kategorisch.<br>\nEs ist, wie ich immer schon vermutet habe: Viele so genannte Intellektuelle in Deutschland haben keine Ahnung von &ouml;konomischen Zusammenh&auml;ngen, aber ein um so festeres Urteil dazu. Auch in dem hier kommentierten Beitrag von Ulrich Beck findet man diesen Eindruck mehrfach best&auml;tigt.<\/li>\n<li>Erg&auml;nzend kommentieren muss ich auch, dass Beck die Kooperation mit anderen Staaten als etwas Neues, als eine neue Idee darstellt. Was uns unsere Professoren so alles zumuten, ist nicht mehr zu fassen. Der IMF (und sei seine Politik auch noch so zweifelhaft), genauso die Weltbank, die OECD, die EU, der urspr&uuml;ngliche Gipfel der Sieben &ndash; das waren und sind allesamt Koordinierungsversuche. Die Bundesregierung hat sich &uuml;brigens in den letzten 15 Jahren mehrmals einer Koordination der Wirtschafts- und Finanzpolitik innerhalb der Europ&auml;ischen Union zu Gunsten der Besch&auml;ftigung verweigert. So etwas einfach zu unterschlagen &ndash; Wahnsinn.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bevor ich zur Sache komme, m&ouml;chte ich eine Anmerkung zur redaktionellen Arbeit der NachDenkSeiten machen. 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