{"id":1843,"date":"2006-11-08T09:34:46","date_gmt":"2006-11-08T07:34:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1843"},"modified":"2016-01-23T10:35:24","modified_gmt":"2016-01-23T09:35:24","slug":"neue-modellrechnungen-zur-bevolkerungsentwicklung-taz-verabschiedet-sich-wieder-mal-von-jeder-aufklarerischen-absicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1843","title":{"rendered":"Neue Modellrechnungen zur Bev\u00f6lkerungsentwicklung &#8211; taz verabschiedet sich wieder mal von jeder aufkl\u00e4rerischen Absicht."},"content":{"rendered":"<p>Sie berichtet von einer Pressekonferenz des Vizepr&auml;sidenten des Statistischen Bundesamtes zu den neuen Modellrechnungen seines Amtes zur Bev&ouml;lkerungsentwicklung. Ich will an Hand des <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/11\/08\/a0083.1\/text\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/11\/08\/a0083.1\/text\">Berichtes der taz<\/a> einige Hinweise geben. Wir werden sp&auml;ter noch ausf&uuml;hrlicher auf diese neuen Modellrechnungen eingehen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><ol>\n<li>&bdquo;Rente mit 75 Jahren&ldquo; &uuml;berschreibt die taz den Artikel ihres Korrespondenten MARTIN LANGEDER. Und weiter hei&szlig;t es: &bdquo;Die Deutschen m&uuml;ssen sich auf einen noch sp&auml;teren Renteneintritt gefasst machen. Das ergeben Zahlen, die gestern das Statistische Bundesamt vorlegte. Denn nur mit einem h&ouml;heren Eintrittsalter l&auml;sst sich der aktuelle Altenquotient halten, der das Verh&auml;ltnis von Rentnern zu den 20- bis 65-J&auml;hrigen beschreibt.&ldquo;\n<p>Diese Feststellungen sind in mehrerer Hinsicht falsch und gewagt:<\/p>\n<ul>\n<li>Was das Statistische Bundesamt vorgelegt hat, ist eine Modellrechnung, keine Prognose. Das war &uuml;brigens auf der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes am Ende vermerkt. Was hei&szlig;t Modellrechnung im Vergleich zur Prognose: es gehen in diese Modellrechnung verschiedene Annahmen ein. Zum Beispiel eine Annahme &uuml;ber die Zuwanderung. Die Annahmen &uuml;ber die Zuwanderung sind heute offenbar geringer als noch vor drei Jahren. Vor drei Jahren n&auml;mlich lag die mittlere Modellrechnung f&uuml;r die Bev&ouml;lkerungsentwicklung insgesamt bei 75 Millionen in Deutschland lebender Menschen. Jetzt, nach nur drei ! Jahren, reicht die Spanne von 69 bis 74 Millionen, also nur bis zum mittleren Wert der letzten Modellrechnung.<br>\nDie Zuwanderung ist geringer. Nach nur drei Jahren hat man die Annahmen so massiv ver&auml;ndert. Wenn die Konjunktur anspr&auml;nge und Zuwanderer gebraucht w&uuml;rden, wie man vor drei Jahren noch annahm, dann w&uuml;rden die Modellrechnungen wieder ganz andere Ergebnisse bringen. Vielleicht werden sie in drei Jahren wieder korrigiert. Kaffeesatzleserei.<\/li>\n<li>Die reale Belastung der Arbeitsf&auml;higen wird anders, als in dem Beitrag der taz (und des statistischen Bundesamtes) unterstellt wird, nicht nur vom Altenquotienten, also von der Relation von arbeitsf&auml;higen zu alten Menschen, bestimmt. Die Belastung wird zum ersten auch von der so genannten Jugendlast bestimmt. Wenn in 20, 30 oder 40 Jahren weniger f&uuml;r Kinder und Jugendliche und f&uuml;r ihre Ausbildung gesorgt werden muss, dann stellt das eine Entlastung der arbeitsf&auml;higen Generation dar &ndash; wie man diese Entwicklung auch sonst bewerten m&ouml;ge. Entscheidend ist zum zweiten aber die Entwicklung der Erwerbsquote und noch mehr die Entwicklung der Arbeitsproduktivit&auml;t. Wenn diese wie bisher in der Regel steigt, dann k&ouml;nnen selbstverst&auml;ndlich weniger Erwerbst&auml;tige f&uuml;r mehr alte (und junge) Menschen sorgen. Dass es ein Ziel sein k&ouml;nne &ndash; wie schon im ersten Absatz der taz als selbstverst&auml;ndlich unterstellt wird -, den &bdquo;aktuellen Altenquotienten&ldquo; auch noch in 20, 40 oder 50 Jahren zu halten, ist absurd. Das ist eigentlich der Kernfehler der gesamten Interpretationen. Die politische Absicht ist leicht zu erkennen: die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters soll scheinbar mit Zahlen unterf&uuml;ttert werden.<br>\nEs w&auml;re eine interessante Rechercheaufgabe f&uuml;r Journalisten, heraus zu finden, wie es zu der gravierenden Ver&auml;nderung der Annahmen &uuml;ber die Zuwanderung kam und welche Personen hinter dem so &uuml;beraus politisch formulierten Text der Pressemitteilung und den Feststellungen auf der Pressekonferenz stecken.<\/li>\n<li>Wer die Unm&ouml;glichkeit der Interpretation des Statistischen Bundesamtes und der taz begreifen will, der sollte sich in Erinnerung rufen, was wir sonst t&auml;glich an Botschaften auf den Tisch bekommen: dass n&auml;mlich die Arbeitsproduktivit&auml;t so voranschreite, das demn&auml;chst die Arbeit ausginge. Das kann ich doch jeden zweiten Tag in den einschl&auml;gigen Bl&auml;ttern lesen. Wenn das aber so sein sollte, wenn immer weniger Menschen alles zu produzieren verm&ouml;gen, dann braucht man auch keine Angst davor zu haben, dass die arbeitsf&auml;hige Generation &uuml;berlastet werde. &ndash; Beide Vorstellungen sind typische &Uuml;bertreibungen unseres Zeitalters. Packen wir beide Sichten zusammen, dann wird klar, dass es keinen Grund zu Aufgeregtheit gibt.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Die taz schreibt: &bdquo;Das wesentliche Ergebnis: Im Jahr 2050 wird man in Deutschland vor allem alte Menschen finden.&ldquo; Sie beruft sich dabei auf den Vizepr&auml;sidenten des Statistischen Bundesamts, der auf der Pressekonferenz offenbar gesagt hat: &bdquo;2050 wird jeder Dritte 65 Jahre oder &auml;lter sein, heute ist es jeder F&uuml;nfte.&ldquo; Wenn wir ein ordentlicher Staat w&auml;ren, dann m&uuml;sste diesem Beamten die Pension gestrichen werden. Er l&auml;sst sich politisch instrumentalisieren. Er m&uuml;nzt n&auml;mlich &ndash; vermutlich absichtlich zum Zwecke der politischen Dramatisierung und zur propagandistischen Unterst&uuml;tzung der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters &ndash; eine Modellrechnung (siehe oben) in eine handfeste Prognose um. Das ist absolut leichtfertig. Der Vizepr&auml;sident m&uuml;sste n&auml;mlich wissen, dass sein Amt innerhalb von drei Jahren s&auml;mtliche Modellrechnungen korrigiert hat. Woher wei&szlig; er, dass das Statistische Bundesamt in drei oder in sechs oder in 12 oder in 42 Jahren (das w&auml;re im drei Jahresrhythmus die letzte Modellrechnung vor dem Jahr 2050) seine Modellrechnungen nicht immer wieder korrigiert. Die Wahrscheinlichkeit ist &uuml;beraus gro&szlig;. Im vereinten Europa werden auf eine lange Sicht von 44 Jahren (bis 2050) junge Menschen enorm mobil werden. Das kann dazu f&uuml;hren, dass mehr abwandern. Es kann bei guten &ouml;konomischen Bedingungen dazu f&uuml;hren, dass Menschen vermehrt zuwandern.\n<p>Im &uuml;brigen finden Wanderungen offenbar aus den verschiedensten Motiven statt. Am 7.11. 2006 brachte SpiegelOnline einen Beitrag &uuml;ber Auswanderung von Gro&szlig;britannien nach Deutschland. Da spielt zum Beispiel die h&ouml;here Sicherheit vor Kriminalit&auml;t und Bel&auml;stigung als Motiv eine gro&szlig;e Rolle. <\/p>\n<p>Wenn unsere verantwortlichen Personen und Eliten etwas kl&uuml;ger w&auml;ren, und wenn sie nicht die permanente Neigung h&auml;tten, unser Land in den schlechtesten Farben darzustellen, dann w&uuml;rden sie mit diesen Standortvorteilen werben.<br>\nDa wir Spiegel und SpiegelOnline ansonsten h&auml;ufig kritisieren, ist es mir ein wahres Vergn&uuml;gen, den Link auf den genannten, wirklich guten Beitrag hier einzuf&uuml;gen, auch als Kontrast zur sonderbaren Performance der taz. <\/p>\n<p>Hier der Einstieg in den SpiegelOnline-Beitrag:<\/p>\n<blockquote><p>BRITISCHE AUSWANDERER<\/p>\n<p>Lust auf lovely Deutschland<\/p>\n<p>Von Anna Regeniter, London<\/p>\n<p>Noch nie seit den f&uuml;nfziger Jahren wollten so viele Deutsche auswandern wie derzeit. Kein Grund zur Panik: Aus Gro&szlig;britannien ziehen pro Jahr weitaus mehr Menschen weg &ndash; und f&uuml;r viele hei&szlig;t das Wunschziel Deutschland.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,446817,00.html\">SPIEGEL ONLINE<\/a><\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie berichtet von einer Pressekonferenz des Vizepr&auml;sidenten des Statistischen Bundesamtes zu den neuen Modellrechnungen seines Amtes zur Bev&ouml;lkerungsentwicklung. Ich will an Hand des <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/11\/08\/a0083.1\/text\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.taz.de\/pt\/2006\/11\/08\/a0083.1\/text\">Berichtes der taz<\/a> einige Hinweise geben. Wir werden sp&auml;ter noch ausf&uuml;hrlicher auf diese neuen Modellrechnungen eingehen. 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