{"id":1856,"date":"2006-11-10T17:36:11","date_gmt":"2006-11-10T16:36:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1856"},"modified":"2016-01-22T10:44:15","modified_gmt":"2016-01-22T09:44:15","slug":"alle-unterstutzen-die-privatisierung-der-bahn-und-keiner-sagt-warum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1856","title":{"rendered":"Alle unterst\u00fctzen die Privatisierung der Bahn &#8211; und keiner sagt warum."},"content":{"rendered":"<p>Haben Sie irgendwo schl&uuml;ssig begr&uuml;ndet bekommen, warum die Bahn privatisiert werden soll und was ein B&ouml;rsengang bringen soll? Ich habe es bisher nicht verstanden. Ich h&ouml;re nur hohle Worte wie in der unten wiedergegebenen Presseerkl&auml;rung des Bundesministeriums f&uuml;r Verkehr, Wolfgang Tiefensee. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nDrei Anmerkungen will ich dazu machen:<\/p><ol>\n<li>Der B&ouml;rsengang wird als etwas Erstrebenswertes dargestellt. Wieso eigentlich? Das ist nichts weiter als eine eigene Art der Finanzierung. Die Bahn k&ouml;nnte sich auch weiterhin anders finanzieren, Kredite aufnehmen, Anleihen auflegen, und so weiter. Oder der Bund kann finanzieren und muss das wohl auch in Zukunft tun, auch bei einer teilprivatisierten Bahn &ndash; mit allen Problemen, die daraus folgen, das mit &ouml;ffentlichen Geldern das Verm&ouml;gen privater Eigent&uuml;mer gef&ouml;rdert wird. Worin soll der Vorteil des B&ouml;rsengangs liegen? Die Bahn ger&auml;t wie jetzt schon die Telekom in die Abh&auml;ngigkeit von Gro&szlig;aktion&auml;ren, die mit einer Minderheitsbeteiligung kr&auml;ftig hineinregieren.<br>\nDer Vorteil kann auch darin liegen, das die Finanzwirtschaft an einem solchen B&ouml;rsengang zwei- bis dreistellige Millionen verdient. Wohl gemerkt, das ist kein Vorteil f&uuml;r uns, die bisherigen Eigner der Bahn. Dieser Vorteil f&auml;llt bei Dritten an. Und es kann durchaus sein, dass diese die Willensbildung zum B&ouml;rsengang und zur Teilprivatisierung bestimmen. In vielen F&auml;llen ist das so.<\/li>\n<li>Damit bin ich bei der Frage, was die Privatisierung beziehungsweise Teilprivatisierung bis maximal 49,9% bringen soll. Wird damit das Unternehmen mobiler? Wieso eigentlich? Wer hindert Herrn Mehdorn heute an den von ihm gew&uuml;nschten Entscheidungen? Er hat falsche Entscheidungen getroffen, wie etwa die Einf&uuml;hrung eines Preissystems, das am Luftverkehr orientiert war, und glatt gescheitert ist. Er hat Entscheidungen zur Ausd&uuml;nnung des Personals getroffen, deren Folgen wir heute an den Schaltern sehen. Wartezeiten von einer halben Stunde und mehr ramponieren das Image der Bahn und sind auch unzumutbar. Die F&uuml;hrung der Bahn hat nicht begriffen, was ein wichtiger Vorteil dieses Verkehrsmittels ist: Dass man nicht vorher planen muss, wann man fahren will, zum Schalter geht, kauft und f&auml;hrt. Diesen Imagevorteil macht die Bahnf&uuml;hrung systematisch kaputt. Niemand von Seiten des Eigent&uuml;mers Bund hat das Management von solchem Unsinn abgehalten. Die Bahnspitze kann auch heute schon operieren so, als w&auml;re sie privatisiert.<br>\nDie Privatisierung in schlechten &ouml;konomischen Zeiten, bringt dem Eigent&uuml;mer, dem Bund und damit auch uns allen nicht den entsprechenden Gegenwert in die Kasse. Der Bund wird einen schlechten Preis erzielen. Das wird nicht einmal verheimlicht. Und kaum kritisiert. So unkritisch sind viele unserer Medien.<br>\nWas ist dann der Sinn der Privatisierung? Es ist ein Geschenk an k&uuml;nftige Eigent&uuml;mer. Und wiederum ein Geschenk an jene, die beim Privatisierungsvorgang verdienen: als Berater, als Banken, als B&ouml;rsen und einen ganzen Rattenschwanz von weiteren Profiteuren.<\/li>\n<li>Die freundliche Zur&uuml;ckhaltung der zust&auml;ndigen Gewerkschaften kann ich nicht verstehen. Das Telegramm inform Nummer 24\/10.11.2006 von TRANSNET beginnt wie folgt: &bdquo;DB AG: Zukunft gesichert? Nach monatelangem Stillstand ist endlich wieder Bewegung in die Debatte um die Zukunft der DB AG und ihre Arbeitspl&auml;tze gekommen. Die Koalition hat sich grunds&auml;tzlich auf eine Variante der Privatisierung geeinigt. Und die Tarifverhandlungen zur Besch&auml;ftigungssicherung sind auf einem guten Weg.&ldquo;<br>\nDas klingt wie in der allgemeinen Reformdebatte. Man freut sich &uuml;ber Bewegung. Bewegung ist alles, ganz egal wohin?<br>\nDas Beispiel der Privatisierung der Telekom, &uuml;ber deren Erfolg man endlich etwas nachdenklicher wird, sollte eigentlich Denkansto&szlig; genug f&uuml;r die Kolleginnen und Kollegen der Bahn sein.<\/li>\n<\/ol><p>&nbsp;<\/p><p><strong>Anhang: Presseerkl&auml;rung<\/strong><\/p><p>09. November 2006, Nr.: 364\/2006<br>\nBundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat die Koalitions-Entscheidung zur Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG begr&uuml;&szlig;t. &ldquo;Wir haben eine sehr gute L&ouml;sung gefunden. Damit ist die Modelldiskussion beendet. Im Vordergrund stehen jetzt die vereinbarten Grundz&uuml;ge eines B&ouml;rsenganges. Die Koalition hat ihre Handlungsf&auml;higkeit bewiesen und den weiteren Fahrplan auf dem Weg zur Teilprivatisierung der Deutschen Bahn AG erstellt. Der Koalitionsausschuss hat das Ergebnis heute best&auml;tigt und sich den Inhalten angeschlossen. Die Koalition unterstreicht damit ihren politischen Willen, die Teilprivatisierung der Bahn noch in dieser Legislaturperiode umzusetzen&rdquo;, so Tiefensee.<br>\n&ldquo;Der gemeinsame Antrag ist nach Verabschiedung durch den Bundestag das Ger&uuml;st zur Erarbeitung eines Gesetzentwurfes. Mein Haus wird m&ouml;glichst bis zum 31. M&auml;rz 2007 einen Gesetzentwurf vorlegen, auf dessen Basis die Teilprivatisierung der Bahn beschlossen werden soll&rdquo;, sagte der Minister. Die DB AG beh&auml;lt die M&ouml;glichkeit, Schienenverkehr und Infrastruktur in einer wirtschaftlichen Einheit zu betreiben und zu bilanzieren. Zus&auml;tzliche Schulden und Risiken f&uuml;r den Bundeshaushalt und damit finanziellen Belastungen f&uuml;r den Steuerzahler sind ausgeschlossen. Der Wettbewerb auf der Schiene wird noch st&auml;rker gef&ouml;rdert. Die Weichen sind gestellt, die DB AG in ihrer positiven wirtschaftlichen Entwicklung weiter zu unterst&uuml;tzen&rdquo;, so Tiefensee.<br>\n&ldquo;Dar&uuml;ber hinaus sieht der Antrag eine Fortf&uuml;hrung des Besch&auml;ftigungsb&uuml;ndnisses und des konzerneigenen Arbeitsmarktes vor. Zur Sicherung des diskriminierungsfreien Netzzugangs und eines fairen Wettbewerbs auf der Schiene werden die Regulierungsinstrumente der Bundesnetzagentur entsprechend den vorliegenden Erfahrungen fortentwickelt.&rdquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Sie irgendwo schl&uuml;ssig begr&uuml;ndet bekommen, warum die Bahn privatisiert werden soll und was ein B&ouml;rsengang bringen soll? Ich habe es bisher nicht verstanden. Ich h&ouml;re nur hohle Worte wie in der unten wiedergegebenen Presseerkl&auml;rung des Bundesministeriums f&uuml;r Verkehr, Wolfgang Tiefensee. 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