{"id":18575,"date":"2013-09-11T09:13:11","date_gmt":"2013-09-11T07:13:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18575"},"modified":"2019-03-19T12:17:31","modified_gmt":"2019-03-19T11:17:31","slug":"blogger-nawalny-will-russland-vor-uberfremdung-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18575","title":{"rendered":"Blogger Nawalny will Russland vor \u201e\u00dcberfremdung\u201c retten"},"content":{"rendered":"<p>Der Moskauer B&uuml;rgermeister-Kandidat Aleksej Nawalny ist mehr Nationalist als manche denken. Trotzdem wurde er von den Liberalen gew&auml;hlt. Von <strong>Ulrich Heyden<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18575#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\nDass der Blogger Aleksej Nawalny bei den Moskauer B&uuml;rgermeisterwahlen am 8. September 27,3 Prozent der Stimmen bekam, war eine &Uuml;berraschung. Nach Meinungsumfragen vor der Wahl lag Nawalny bei 19 Prozent der Stimmen. Doch der Blogger, der mit einer gro&szlig;en Zahl von jungen liberalen und nationalistischen Aktivisten einen &auml;u&szlig;erst gut organisierten Wahlkampf f&uuml;hrte, gelang es mit seinem populistischen Get&ouml;se gegen Beamten-Korruption und die &bdquo;&Uuml;berfremdung&ldquo; Moskaus nicht nur die Stimmen der aktiver Protest-B&uuml;rger sondern auch Stimmen einfacher Moskauer zu gewinnen. <\/p><p>Die Stimmen der W&auml;hler aus dem liberalen Spektrum waren dem Kandidaten von Anfang an sicher. Viele Liberale w&auml;hlten den Blogger zwar mit Bauchschmerzen. Doch nur mit Nawalny sei es m&ouml;glich, Putin irgendwann zu st&uuml;rzen, so die feste &Uuml;berzeugung der meisten Liberalen.<\/p><p><strong>Nawalny bediente alle Unzufriedenen<\/strong><\/p><p>In westlichen Medien herrscht gro&szlig;e Aufregung &uuml;ber den Achtungserfolg von Nawalny. Unterschwellig sp&uuml;rt man sogar Freude, dass da endlich mal einer ist, der Putin gef&auml;hrlich werden kann. Der Kandidat  fische zwar auch &bdquo;mal&ldquo; im nationalistischen Spektrum liest man, vertrete aber ansonsten vern&uuml;nftig-demokratische Forderungen gegen Korruption und Putins politisches Monopol. Tats&auml;chlich waren die Ausf&auml;lle gegen Arbeitsmigranten aus Zentralasien einer der Grundpfeiler von Nawalnys Wahlkampf. &bdquo;Wissen Sie, dass Moskau die Stadt mit den  weltweit meisten Migranten ist. Ist das in Ordnung?&ldquo;, fragte der 37j&auml;hrige Blogger rhetorisch auf einer Wahlkundgebung in einem Park, im Stadtbezirk Stschukino nordwestlich des Stadtzentrums. &bdquo;Nein, das ist nicht in Ordnung&ldquo;, antworteten ein paar &auml;ltere Frauen aus der ersten Reihe. Der Redner legt nach. &bdquo;40 Prozent aller m&auml;nnlichen Tadschiken wohnen in Moskau. Fast ganz Tadschikistan ist nach Moskau gefahren. Ist das richtig?&ldquo; Und in diesem Stil ging es dann weiter. Nur mit der Abschaffung der Visa-freien Einreise f&uuml;r die Gastarbeiter aus den ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien, k&ouml;nne man in Moskau Ordnung schaffen, erkl&auml;rte der Kandidat, der 2007 wegen abf&auml;lliger &Auml;u&szlig;erungen &uuml;ber Georgier aus der sozialliberalen Jabloko-Partei ausgeschlossen wurde. <\/p><p>Nawalny bediente nicht nur ausl&auml;nderfeindliche Stimmungen, sondern versuchte auch bei &auml;lteren B&uuml;rgern, die sich gerne an die Stabilit&auml;t der 1970er Jahre erinnern Plus-Punkte zu sammeln. Unter Generalsekret&auml;r Leonid Breschnew seien die Gewinne aus dem &Ouml;l und Gas-Export in den Bau von Fabriken, Stra&szlig;en und Wohnbezirken investiert worden, erkl&auml;rte der Kandidat auf besagter Kundgebung im Nordwesten Moskaus. W&auml;hrend der 13 Jahre unter Putin sei keine einzige Fabrik gebaut worden. (Was nachweislich nicht stimmt.) Heute lande ein Gro&szlig;teil der Rohstoff-Erl&ouml;se in den Taschen korrupter Beamter.<\/p><p>Bei Versammlungen, wo eher liberales Publikum zusammenkam, kehrte der Kandidat den Liberalen raus und forderte die Freilassung der Frauen von Pussy Riot, die Freilassung des ehemaligen Yukos-Chefs und &Ouml;l-Milliard&auml;rs Michail Chodorkowski und die Zulassung von Gay-Paraden in Fu&szlig;ballstadien. <\/p><p>Die Wahlen in Moskau liefen selbst nach Meinung Kreml-kritischer Beobachter ohne gr&ouml;&szlig;ere Unregelm&auml;&szlig;igkeiten ab. Trotzdem zweifelt Nawalny, der auf eine Stichwahl mit dem Amtsinhaber Sergej Sobjanin hoffte, das Ergebnis an. Das scheint aber mehr ein Man&ouml;ver zu sein, um die eigenen Anh&auml;nger zufriedenzustellen. Der amtierende Moskauer B&uuml;rgermeister, Sergej Sobjanin, erreichte mit 51,7 Prozent zwar kein Traum-Ergebnis. Doch f&uuml;r Moskau mit seinem gro&szlig;en Potential an kritischen und protestbereiten B&uuml;rgern, ist das Ergebnis auch nicht schlecht. <\/p><p><strong>&bdquo;Noch z&uuml;nden wir keine Bengalos an&ldquo;<\/strong><\/p><p>Einen Tag nach der Wahl rief der Blogger, der von der rechtsliberalen Partei RPR-PARNAS als Kandidat f&uuml;r das Amt des Stadtoberhauptes nominiert worden war, seine etwa zehntausend Anh&auml;nger, die sich auf dem Bolotnaja-Platz versammelt hatten, auf, nach der Kundgebung nicht auf dem Platz zu bleiben und keine unerlaubten Aktionen zu starten. &bdquo;Wenn die Zeit gekommen ist, wann man die Bengalos anz&uuml;nden und Autos umwerfen muss, werde ich es ihnen sagen&ldquo;, erkl&auml;rte der Blogger in der Pose eines Allm&auml;chtigen. Doch ob es jemals zu solchen Szenen kommen wird, darf man bezweifeln, denn Nawalny wird inzwischen auch von &uuml;ber 200 Gesch&auml;ftsleuten unterst&uuml;tzt, die mit den Kandidaten einen symbolischen Vertrag abgeschlossen haben und an Stra&szlig;enschlachten vermutlich kein Interesse haben. <\/p><p>Das Wahlergebnis von Nawalny ist ein politischer Erfolg. Dieser Erfolg wird jedoch geschm&auml;lert durch die Tatsache, dass die Wahlbeteiligung bei nur 33 Prozent lag. Auch in anderen russischen Regionen, wo am gleichen Tag Gouverneure gew&auml;hlt wurden, lag die Wahlbeteiligung nicht viel h&ouml;her, zum Teil sogar niedriger. Die Menschen in Russland, die t&auml;glich erleben, wie das Bildungswesen und die Gesundheitsversorgung kommerzialisiert werden, seien in einen &bdquo;Wahl-Streik&ldquo; getreten, erkl&auml;rte der Politologe Boris Kagarlitsky im Internet-Portal Rabkor.ru. <\/p><p>F&uuml;r Wladimir Putin beginnen jetzt schwierige Zeiten. Die Opposition stabilisiert sich und f&auml;hrt Wahlerfolge ein. Russlands Wachstumsrate ist von sieben Prozent (2007) auf zwei Prozent (2013) gefallen. Der Kreml-Chef k&uuml;ndigte schon die K&uuml;rzung von Sozialausgaben an. Die Kritik der B&uuml;rger wird dadurch weiter wachsen. Denn Viele verstehen nicht, wieso trotz massivem Rohstoff-Export der Graben zwischen Armen und Reichen immer gr&ouml;&szlig;er wird. <\/p><p><strong>Erfolge gegen das politische Monopol der Kreml-Partei<\/strong><\/p><p>Nicht nur in Moskau auch in der Millionenstadt Jekaterinenburg konnte ein Oppositionskandidat einen Erfolg erringen. Jewgeni Roisman, Gr&uuml;nder der Stiftung &bdquo;Stadt ohne Drogen&ldquo;, wurde in der im Ural gelegenen Stadt zum B&uuml;rgermeister gew&auml;hlt. Roisman ist zwar als Oppositioneller, der gegen das Machtmonopol der Partei Einiges Russland angeht, bei den B&uuml;rgern beliebt. Doch seine Methoden beim Drogenentzug sind alles andere als human. So wurden in den Einrichtungen der Stiftung Abh&auml;ngige beim kalten Entzug mit Handschellen an Betten gefesselt.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Ulrich Heyden<\/strong>, Journalist und Buchautor, ist seit 1992 freier Korrespondent f&uuml;r deutschsprachige Medien in Moskau. Ulrich Heyden\/Ute Weinmann, Opposition gegen das System Putin, Herrschaft und Widerstand im modernen Russland, Rotpunktverlag 2009.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Moskauer B&uuml;rgermeister-Kandidat Aleksej Nawalny ist mehr Nationalist als manche denken. Trotzdem wurde er von den Liberalen gew&auml;hlt. 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