{"id":18629,"date":"2013-09-17T09:49:30","date_gmt":"2013-09-17T07:49:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18629"},"modified":"2015-08-18T08:26:57","modified_gmt":"2015-08-18T06:26:57","slug":"das-qs-world-university-ranking-es-geht-nicht-um-wissenschaft-sondern-ums-geschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18629","title":{"rendered":"Das \u201eQS World University Ranking\u201c \u2013 Es geht nicht um Wissenschaft sondern ums Gesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Tage ist wieder einmal das j&auml;hrliche <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/higher-education-network\/table\/2013\/sep\/10\/qs-world-university-rankings-2013\">&bdquo;QS World University Ranking&ldquo; ver&ouml;ffentlicht worden<\/a>. Das QS Ranking wird in einschl&auml;gigen Kreisen, also an den Hochschulen, in der Politik und bei den Arbeitgebern, wie &uuml;blich, Furore machen. Man muss allerdings wissen, dass dieses Ranking aus rein kommerziellen Motiven erstellt wird.<br>\nDer Unsinn des QS Rankings beginnt schon damit, dass Gesamturteile &uuml;ber Hochschulen gef&auml;llt werden und nicht nach St&auml;rken und Schw&auml;chen differenziert wird, die jede Hochschule hat. Die Reihung der Hochschulen erfolgt nach kaum durchschaubaren und h&ouml;chst zweifelhaften Kriterien. Es ist nach wissenschaftlichen Standards eher peinlich, wenn sich Hochschulen ihrer Platzierung in solchen Rankings r&uuml;hmen. Und es ist gef&auml;hrlich, wenn Studierende ihre Auswahlentscheidung f&uuml;r eine Hochschule an solchen Rankings orientieren, weil zumindest das QS Ranking ziemlich wenig dar&uuml;ber aussagt, wie die Lehr- und Studienqualit&auml;t an den &bdquo;gerankten&ldquo; Hochschulen in den einzelnen F&auml;chern ist. Noch schlimmer ist allerdings, wenn Hochschulleitungen und Hochschulpolitiker ihre Entscheidungen danach ausrichten, wie sie ihre jeweiligen Hochschulen auf solchen Rankinglisten nach oben bringen k&ouml;nnten. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas &bdquo;QS Ranking&ldquo; geh&ouml;rt &ndash; zusammen mit dem &bdquo;Times Higher Education&rsquo;s World University Ranking&ldquo; und dem &bdquo;Shanghai Ranking Consultancy&rsquo;s Academic Ranking of World Universities&ldquo; (ARWU) &ndash;  zu den international am meisten Aufsehen erregenden Ranking. Es wird auch in diesem Jahr in einschl&auml;gigen Kreisen, also an den Hochschulen, in der Politik und bei den Arbeitgebern wie jedes Jahr seit 2009 Furore machen.<\/p><p>Die gut &bdquo;gerankten&ldquo; Hochschulen werden sich auf die Schulter klopfen. Die Hochschulpolitiker werden sich &uuml;ber weitere &bdquo;Exzellenzinitiativen&ldquo; Gedanken machen und sich fragen, was man tun k&ouml;nnte, um die Kriterien, an denen gemessen wird, besser erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen. Die karriereorientierten und diejenigen unter den Studierenden, die es sich vom Zeugnis und vor allem vom Geldbeutel her leisten k&ouml;nnen, werden sich danach ihre Kaderschmieden aussuchen. Und die Personalchefs der gro&szlig;en Unternehmen sowie die Berufungskommissionen an den Hochschulen weltweit, werden die Bewerbungen von Absolventen aus hoch &bdquo;gerankten&ldquo; Hochschulen unbesehen in die engere Auswahl nehmen. Oder die &bdquo;high calibre prospective students&ldquo; und die &bdquo;Headhunter&ldquo; von und f&uuml;r Unternehmen und f&uuml;r Hochschulen werden sich auf entsprechenden (Karriere-)Messen oder Recruit-Centers direkt an &bdquo;QS Advance&ldquo; oder an &bdquo;QS QUACQUARELLISYMONDS LIMITED&ldquo; wenden, um Studienpl&auml;tze oder &bdquo;high potentials&ldquo; f&uuml;r ihre Firmen zu ergattern. <\/p><p>Dieses Vermittlungsgesch&auml;ft ist n&auml;mlich der eigentliche Grund f&uuml;r die Veranstaltung des &bdquo;QS World University Rankings&ldquo;. Das Motiv f&uuml;r das Ranking ist das &bdquo;Business&ldquo; von Nunzio Quacquarelli, der 1990 noch als Student &bdquo;Quacquarelli Symonds&ldquo; (QS) als eine &bdquo;TopMBA Career Guide and TopMBA International MBA Recruitment and Salary Research&ldquo;-Firma gegr&uuml;ndet hat. Quacquarelli hat die Idee von AIESEC (Association Internationale des Etudiants en Sciences Economiques et Commerciales) aufgegriffen, einer urspr&uuml;nglich von Studierenden gegr&uuml;ndeten Organisation zur F&ouml;rderung der V&ouml;lkerverst&auml;ndigung durch den Austausch von Studierenden, die sp&auml;ter zur von Unternehmen gesponsert Plattform zur Vermittlung von F&uuml;hrungskr&auml;ften mutierte.  <\/p><p>Quacquarelli hat die Idee von <a href=\"http:\/\/companycheck.co.uk\/director\/905608081\">AIESEC kommerzialisiert<\/a> und inzwischen vom Standort London ein Karrierenetzwerk mit 200 Mitarbeitern und B&uuml;ros in Portland, Paris, Singapur, Stuttgart und Alicante aufgebaut. QS versteht sich als weltweitf&uuml;hrendes Unternehmen zur Vermittlung von Studienkarrieren und akademischer Personalrekrutierung.<\/p><p>&bdquo;QS events offer direct access to high calibre prospective students across five continents and over 200 cities annually. No other provider has the international expertise and connectivity with market that QS can offer. We organize education fairs; linking undergraduate, graduate and MBA candidates with some of the world&rsquo;s best universities and business schools around the world&ldquo;, so hei&szlig;t es etwa in der <a href=\"http:\/\/www.qs.com\/fairs.html\">Eigenwerbung<\/a>.<\/p><p>Quacquarelli Symonds Ltd war fr&uuml;her f&uuml;r die Datensammlung f&uuml;r das &bdquo;Times Higher Education Ranking&ldquo; zust&auml;ndig und gibt &ndash; auf den Geschmack dieser Gesch&auml;ftsidee gekommen &ndash; seit <a href=\"http:\/\/topuniversities.com\/university-rankings\">2009<\/a> ein eigenes Ranking heraus. Quacquarelli hatte erkannt, dass man mit Rankings nicht nur ein gutes Eigen-Marketing betreiben kann, sondern damit gleichzeitig das eigene Vermittlungsgesch&auml;ft weltweit voranbringen kann. Nahezu alle Rankings haben vor allem das Ziel ihren Veranstaltern eine Medien&ouml;ffentlichkeit zu verschaffen. Sie bedienen die Geltungssucht von Hochschulen und schaffen einen Marktplatz f&uuml;r karrierebewusste Studierende und gesch&auml;ftst&uuml;chtige Anwerber.  Die Motive f&uuml;r das QS Ranking sind rein kommerzieller Natur und die angebotenen &bdquo;Dienstleistungen&ldquo; werden von den angeblich rund 3 Millionen international mobilen Studierenden, vor allem aber auch von Unternehmen bzw. Nachwuchsj&auml;gern und leider h&auml;ufig auch von Hochschulen offenbar gern angenommen.<\/p><p>Das Gesch&auml;ftsmotiv muss man im Auge behalten, wenn man die QS Rankings selbst betrachtet.<\/p><p>Da f&auml;llt zun&auml;chst einmal auf, dass unter den zehn erstplatzierten Universit&auml;ten 7 amerikanische und 4 britische sind (der 10. Platz ist doppelt besetzt). Unter den ersten zwanzig Unis finden sich 2 kontinentaleurop&auml;ische, n&auml;mlich die Schweizer ETH Z&uuml;rich und die Ecole Polytechnique F&eacute;d&eacute;rale de Lausanne. Die erste deutsche Uni landet gerade mal auf Platz 50, n&auml;mlich die Ruprecht-Karls-Universit&auml;t Heidelberg (&bdquo;Memories of Heidelberg sind Memories of you&ldquo; (Song von Peggy March) lassen gr&uuml;&szlig;en, schon Elvis Presley war in Heidelberg stationiert und sang &bdquo;Auf wieders&auml;hn&ldquo;). Die TU M&uuml;nchen musste sich dahinter mit Rang 53 begn&uuml;gen, lag damit aber immerhin noch vor dem Lokalrivalen, der Ludwig-Maximilians-Universit&auml;t, die auf Rang 65 landete.<\/p><p>Schon jenseits der ersten 100 ist die Universit&auml;t Freiburg gelistet (Platz 102), dann folgen noch die Freie Universit&auml;t Berlin (Platz 109), das Karlsruhe Institute of Technology (KIT) (Platz 116), die Humboldt Universit&auml;t Berlin (Platz 126), die Georg-August-Universit&auml;t G&ouml;ttingen (Platz 128), die Eberhard Karls Universit&auml;t T&uuml;bingen (Platz 134), ziemlich abgeschlagen noch die Rheinisch-Westf&auml;lische Technische Hochschule Aachen (Platz 147) und die  Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universit&auml;t Bonn (Platz 163), die Technische Universit&auml;t Berlin (Platz 183) und schlie&szlig;lich mit der &bdquo;roten Laterne&ldquo; der deutschen Universit&auml;ten, die Universit&auml;t Hamburg (Platz 186).<\/p><p>Unter den ersten 200 Universit&auml;ten dieser Welt finden sich also nur 13 deutsche Universit&auml;ten und das nur im Mittelfeld oder auf den hinteren Pl&auml;tzen. Die Uni Greifswald oder die Uni Siegen etwa, sind vermutlich noch nicht einmal in den Akten von Quacquarelli Symonds Ltd erw&auml;hnt. Von vorneherein, werden weltweit nur 700 Hochschulen erfasst.<\/p><p>Eine Schmach f&uuml;r den Wissenschaftsstandort Deutschland, wenn man dieses Ranking ernst n&auml;hme. <\/p><p>Deutschland liegt in diesem Ranking also weit hinter der kleinen Schweiz, hinter Gro&szlig;britannien sowieso, aber auch hinter Frankreich. Nur die Niederlande, Spanien, Italien, Irland und Belgien schneiden noch schlechter ab. Mit noch einigen wenigen Hochschulen in Finnland und D&auml;nemark ist Europa nach dem QS Ranking bestenfalls zweite Liga, ganz &uuml;berwiegend aber h&ouml;chstens Kreisklasse in der Weltliga der Hochschulen. Daf&uuml;r findet man allein unter den ersten 100 &bdquo;gerankten&ldquo; Universit&auml;ten 28 Hochschulen der Vereinigten Staaten, darunter so renommierte wie die University of Texas at Austin oder die Carnegie Mellon University. Nichts gegen diese Hochschulen, aber das erstaunt schon etwas.<\/p><p>Aber trotz ihres in diesem Ranking schlechten Abschneidens r&uuml;hmen sich nat&uuml;rlich die deutschen Hochschulen, dass sie &uuml;berhaupt genannt wurden und sie finden nat&uuml;rlich immer noch ein Argument, dass sie die besten seien: &bdquo;Universit&auml;t Heidelberg beste deutsche Hochschule&ldquo;, <a href=\"http:\/\/www.uni-heidelberg.de\/presse\/news2013\/pm20130910_qs_world_university_ranking.html\">verk&uuml;ndet diese voller Stolz<\/a>. <\/p><p><strong>So viel Eitelkeit ist eher peinlich.<\/strong><\/p><p>Der Unsinn des QS Rankings &ndash; wie &uuml;brigens der beiden anderen internationalen Rankings auch &ndash; beginnt schon damit, dass ganze Hochschulen &bdquo;gerankt&ldquo; werden. Es werden also Gesamturteile &uuml;ber Universit&auml;ten konstruiert und nicht etwa die wissenschaftlichen oder die Lehrleistungen einzelner wissenschaftlicher Einheiten dieser Hochschule. Jeder einigerma&szlig;en Informierte wei&szlig;: Auch die beste Hochschule in der Welt &ndash; sofern man ein solches Gesamturteil &uuml;berhaupt treffen sollte &ndash; ist nicht in allen F&auml;chern und Disziplinen gleich stark. Es gibt &uuml;berall gute und weniger gute Fachbereiche, weil es eben auch mehr oder weniger gute und vor allem auch erfolgreiche Forscher gibt. Wobei auch solche Unterscheidungen &auml;u&szlig;erst schwierig sind. Ob ein Forscher einen wissenschaftlichen Meilenstein gesetzt hat, entscheidet sich meist erst nach vielen Jahren, manchmal gar Jahrzehnten.<\/p><p>Aber aufgrund solcher Tabellen kann sich jeder noch so unqualifizierte Forscher oder leistungsschwacher Studierender und jede noch so miserable Forschungseinheit einer Hochschule mit der jeweils im Ranking ihrer Hochschule zugewiesenen Platzierung r&uuml;hmen. Jeder Absolvent des MIT ist also sozusagen Elite. Ja, auch George W. Bush hat Harvard besucht und hat damit seine Geistesgr&ouml;&szlig;e bewiesen.<\/p><p>Die Eigenarten der bildungspolitischen Landschaften in den einzelnen Staaten bleiben bei solchen undifferenzierten Einstufungen v&ouml;llig unber&uuml;cksichtigt. Aber es ist z.B. eine politische Entscheidung oder zumindest hat es etwas mit der Bildungstradition des jeweiligen Landes zu tun, ob man wie etwa im amerikanischen Hochschulsystem, eine hierarchisch tief gestaffelte Hochschullandschaft mit einigen wenigen Spitzenuniversit&auml;ten mit Ausbildungsangeboten f&uuml;r den Nachwuchs der Upper Class und einer gro&szlig;en Masse von Hochschulen ganz unterschiedlicher Qualit&auml;t f&uuml;r die gro&szlig;e Masse der Studierenden will, oder ob man nach der deutschen Tradition eine m&ouml;glichst hohe Qualit&auml;t in m&ouml;glichst fl&auml;chendeckender Breite f&uuml;r m&ouml;glichst viele Studierenden anbieten m&ouml;chte. Deutschlands Hochschulwesen hatte z.B. vor den &bdquo;Reformen&ldquo; und &bdquo;Exzellenzinitiativen&ldquo; der letzten Jahre seine international anerkannte besondere St&auml;rke in der Breite der wissenschaftlichen Ausbildung bei hoher und vergleichbarer Qualit&auml;t der Hochschulen. Und unser Land ist damit auch &ouml;konomisch und innovatorisch offenbar nicht schlecht gefahren. Wenn man schon auf Rankings verweist, sollte man auch einen Blick auf das Shanghai-Ranking werfen, wonach Deutschland mit knapp vierzig Universit&auml;ten unter den Top 500 vertreten ist, das sind gemessen an der Zahl der Unis mehr als die USA. Aber damit soll auch dieses Ranking nicht als Gradmesser genommen werden, denn es ist genauso beliebig wie die anderen. So werden etwa die Zahl der Nobelpreistr&auml;ger als wichtiges Kriterium genommen, diese Preise beziehen sich aber auf eine kleine Forschungspalette, wenn sie &uuml;berhaupt eine aktuelle Aussagekraft haben. Das Ranking ist danach ausgerichtet die Kluft zwischen den chinesischen Unis mit den westlichen, vor allem englischsprachlichen Unis aufzuzeigen.<\/p><p>Man muss wissen, dass Hochschulrankings urspr&uuml;nglich aus den USA stammen. Sie machen dort einen gewissen Sinn, weil die Qualit&auml;t der Studienangebote der &uuml;berwiegend privat organisierten Hochschulen recht unterschiedlich ist. Sie sollten dort an den &uuml;berwiegend privaten Hochschulen ein staatlich garantiertes Qualit&auml;tssicherungssystem ersetzen. Rankings sind gerade f&uuml;r private Hochschulen von gro&szlig;er Wichtigkeit, weil sie einen erheblichen Einfluss auf deren Marktwert, d.h. auf die H&ouml;he der einwerbbaren Studiengeb&uuml;hren haben. Es ist deshalb ganz interessant in diesem Zusammenhang einmal auf die Geb&uuml;hren zu schauen, die die hoch &bdquo;gerankten&ldquo; Hochschulen verlangen. Es ist sicherlich mehr als ein Zufall, dass gerade diese Hochschulen (fast in der gleichen Reihenfolge wie im QS Ranking) <a href=\"http:\/\/hometeamcareers.blogspot.de\/2011\/09\/qs-world-university-rankings-201112.html\">die teuersten sind<\/a>. Und diese Rangfolge der teuersten amerikanischen Hochschulen hat sich in den Rankings seit fast 30 Jahren kaum ver&auml;ndert. Und das, obwohl Westeuropa die USA in der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1974\">Anzahl der wissenschaftlichen Ver&ouml;ffentlichungen deutliche &uuml;berfl&uuml;gelt hat<\/a> &ndash; wenn man schon nach solchen Kriterien misst. <\/p><p>Wenn man genauer hinschaut, wie das QS Ranking zu seiner Hitliste kommt, werden die Zweifel nicht geringer. 40 Prozent der Reihung h&auml;ngen von den Ergebnissen einer weltweiten Umfrage unter Akademikern zum Ansehen von Hochschulen ab, weitere zehn Prozent von einer zus&auml;tzlichen Befragung unter Arbeitgebern. Je 20 Prozent der Wertung ergeben sich aus dem Zahlenverh&auml;ltnis Studierende-Lehrende sowie der Forschungsleistung gemessen in Zitierungen und je f&uuml;nf Prozent aus dem Anteil an internationalen Studenten bzw. Forschern und Lehrenden. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.iu.qs.com\/2013\/05\/qs-global-academic-advisory-board\/\">Das letzte Wort liegt bei einem &bdquo;Advisory Board&ldquo; mit 28 Mitgliedern<\/a>. Darunter sind 7 Asiaten, 6 Amerikaner, 5 Briten, 4 Australier und 3 S&uuml;damerikaner und 3 Europ&auml;er. Ein Deutscher ist nicht dabei. Um nur ein Beispiel f&uuml;r die fragw&uuml;rdige Autorit&auml;t dieser Jury zu nehmen: Wirklich nichts gegen den Vize-Rektor der wundersch&ouml;nen alten Universit&auml;t von Coimbra in Portugal, schon die Bibliothek aus dem 16. Jahrhundert ist eine Touristenattraktion, aber die Liebe zum Fado de Coimbra ist eben noch lange kein Ausweis f&uuml;r Urteilskraft &uuml;ber die Wissenschaftslandschaft in Europa oder gar in der Welt. Kaum eines der Mitglieder im &bdquo;Board&ldquo; hat sich durch wissenschaftliche Leistungen hervorgetan, es sind Wissenschaftsjournalisten, Berater, der Chef und der Herausgeber des QS Rankings und &uuml;berwiegend Vize-Rektoren von irgendwelchen beliebigen Hochschulen. Wirklich nichts gegen die Ehrw&uuml;rdigkeit dieser Personen, aber was weist sie aus, solche Urteile &uuml;ber zweihundert Hochschulen auszusprechen? <\/p><p>Da das Kriterium des sog. &bdquo;academic peer review&ldquo; von h&ouml;chstem Gewicht ist, w&uuml;rde man schon gerne wissen, wie viele, welche oder von wem diese &bdquo;Peers&ldquo; ausgew&auml;hlt wurden, wer sie empfiehlt, woher sie stammen und wie viele von wo kommen und warum. Wie sehen &uuml;berhaupt die herangezogenen statistischen Daten aus? Wie hoch ist die R&uuml;cklaufquote? An Hand welcher Beurteilungsma&szlig;st&auml;be kommen die &bdquo;Experten&ldquo; zu ihrem Urteil? Usw. usf. Gibt es da einen regionalen Bias? Wer hat und nach welchen Ma&szlig;st&auml;ben wurden die Hochschulen jeweils evaluiert? Gibt es eine sprachliche Dominanz? Alle diese Fragen sind beim QS Ranking ziemlich intransparent, ja, geradezu verschlossen in einer &bdquo;Black Box&ldquo;. <\/p><p>Wie zum Zweiten die Arbeitgeber urteilen, das hat mit der wissenschaftlichen Qualit&auml;t der zu beurteilenden Hochschule sicherlich kaum etwas zu tun. Deren Urteil gleicht eher einer sich selbsterf&uuml;llenden Prophezeiung, das hei&szlig;t, sie w&auml;hlen die Hochschulen aus, deren Ruf sie ohnehin kennen und sch&auml;tzen. Und es ist naheliegend, dass gerade solche Hochschulen ein besonderes Ansehen genie&szlig;en, die enge Verbindungen zur Industrie haben, die also technisch-naturwissenschaftlich orientiert sind, wie etwa der Spitzenreiter MIT.<br>\nEs ist doch nur selbstverst&auml;ndlich, dass Personalchefs und Personalvermittler eher auf die Besch&auml;ftigungsf&auml;higkeit der Absolventen als auf die Qualit&auml;t ihrer wissenschaftlichen Ausbildung achten. <\/p><p>Vergleicht man eine naturwissenschaftlich ausgerichtete Hochschule mit einer Universit&auml;t, die ihre Schwerpunkte eher auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften hat, so vergleicht man ohnehin &Auml;pfel mit Birnen. <\/p><p>Was das Zahlenverh&auml;ltnis zwischen Studierenden und Lehrenden anbetrifft, m&uuml;ssen nat&uuml;rlich die deutschen Hochschulen miserabel abschneiden. (Und das ist in der Tat ein Alarmzeichen.) Aber ist es ein Ausweis von Lehrqualit&auml;t, wenn dank horrender Studiengeb&uuml;hren die Betreuungsrelation an den amerikanischen Ivy-League-Universit&auml;ten erheblich besser ist. Ist eine Verschulung im kleinen Klassenverband mit bis auf die Seitenzahl vorgegebenem Lesestoff eine bessere wissenschaftliche Ausbildung als eine gute Vorlesung vor 200 Studierenden?<\/p><p>Nur mit 20 Prozent gehen die Forschungsleistungen ein. Wissenschaftliche Leistungen werden &uuml;blicherweise an wissenschaftlichen Auszeichnungen (z.B. Nobelpreisen) und nach ihrem &bdquo;Impact&ldquo;, also nach bibliometrischen Daten, wie etwa nach der L&auml;nge der Publikationsliste oder der H&auml;ufigkeit, wie oft Ver&ouml;ffentlichungen in Fachzeitschriften zitiert werden, gemessen. Als wissenschaftliche Leistung gilt demnach, was zahlenm&auml;&szlig;ig wahrgenommen wird. Resonanz gilt als Qualit&auml;t. Doch der Impact Factor belegt eher, was in den jeweiligen Disziplinen gerade Mode ist, als dass er Qualit&auml;t oder Forschungsinnovation ausweist. <\/p><p>Die Aussagekraft des &bdquo;Journal Impact Factor&ldquo; ist dementsprechend h&ouml;chst umstritten. Gro&szlig;e Wissenschaftsjournale haben nat&uuml;rlich eine ganz andere Reichweite als kleine hochspezialisierte &bdquo;Letters&ldquo;, die h&auml;ufig eine viel h&ouml;here wissenschaftliche Tiefe und Qualit&auml;t aufweisen, aber wegen ihrer Spezialisierung von viel weniger Wissenschaftlern zur Kenntnis genommen oder &uuml;berhaupt verstanden werden.<br>\nUnd es ist doch eine offenkundige Tatsache, dass jeweils herrschende wissenschaftliche Schulen h&auml;ufiger zitiert werden, als neue Ideen abseits des Mainstreams. <\/p><p>Ist es nicht angesichts der Tatsache, dass englisch den Rang einer wissenschaftlichen Verkehrssprache erlangt hat, ziemlich selbstverst&auml;ndlich, dass vor allem auch englischsprachige Ver&ouml;ffentlichungen zitiert und wahrgenommen werden? Ist es nicht so, dass weil eigentlich nur noch in Deutschland die Promotion und dazu auch noch die Habilitation vor allem als &bdquo;Buch&ldquo; &ndash; will sagen als eine umfassende, in sich weitgehend vollst&auml;ndige Abhandlung &uuml;ber einen Forschungsgegenstand &ndash; anerkannt sind, nicht ein geradezu dramatischer Startnachteil junger deutscher Wissenschaftler gegen&uuml;ber den weltweit &uuml;blichen kumulativen PhD-(Doktorgrad)-Abschl&uuml;ssen mit einer Vielzahl von Einzelver&ouml;ffentlichungen zu wissenschaftlichen Detailaspekten? Sind in englischsprachlichen L&auml;ndern nicht die Postgraduierten geradezu gezwungen ihre Arbeiten in wissenschaftlichen Zeitschriften unterzubringen, w&auml;hrend die deutschen Doktoranden oder Habilitanden geradezu gehindert sind Detailergebnisse ihre Arbeiten zu publizieren?<\/p><p>Mit je f&uuml;nf Prozent Anteil geht der Anteil an internationalen Studenten bzw. Forschern und Lehrenden in das QS Ranking ein. Hat dieses Kriterium etwas mit der wissenschaftlichen Qualit&auml;t der Hochschule zu tun? Was sagt es ganz grunds&auml;tzlich &uuml;ber das Bildungs- und Hochschulwesen aus, wenn z.B. in den USA ein Drittel der erfolgten Promotionen und in den Natur- und Ingenieurwissenschaften bis zur H&auml;lfte, in der Elektrotechnik gar zwei Drittel an Ausl&auml;nder verliehen werden (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1974\">Janson et al. zitiert nach Michael Hartmann<\/a>). <\/p><p>Da eine halbe Milliarde Menschen auf der Welt englisch als Muttersprache sprechen (gegen&uuml;ber 120 Millionen, die deutsch sprechen) und dazuhin englisch zur g&auml;ngigen Wissenschaftssprache geworden ist, ist es deshalb nicht mehr als selbstverst&auml;ndlich, dass Studierende oder vor allem auch junge Wissenschaftler eher ins englischsprachige Ausland, also vor allem in die USA oder nach Gro&szlig;britannien wechseln, als in L&auml;nder deren Sprache weitaus weniger verbreitet ist und wo das Studieren, aber auch das Lehren auf viel gr&ouml;&szlig;ere Sprachbarrieren st&ouml;&szlig;t. Es ist doch viel komplikationsloser, wenn Asiaten oder Deutsche als ersten Fremdsprache englisch schon in der Schule lernen in den angels&auml;chsischen Sprachraum wechseln, als wenn umgekehrt Amerikaner nach Deutschland oder Frankreich wechseln, deren Sprache sie nicht gelernt haben. Kleine L&auml;nder mit einer eigenen Sprache, wie etwa Griechenland oder die L&auml;nder des slawischen Sprachraums sind bei diesem Kriterium von vorneherein benachteiligt.   <\/p><p>Man muss nicht so weit gehen wie etwa Brian Leiter, der Direktor des Center for Law, Philosophy, and Human Values an der University of Chicago, der bei solchen Rankings von <a href=\"http:\/\/www.insidehighered.com\/news\/2013\/05\/29\/methodology-qs-rankings-comes-under-scrutiny#ixzz2eaOybyxj%20Inside%20Higher%20Ed\">einem &bdquo;Betrug an der &Ouml;ffentlichkeit&ldquo; spricht<\/a>, aber es ist geradezu unwissenschaftlich, wenn sich Hochschulen ihrer Platzierung in solchen Rankings r&uuml;hmen.<br>\nUnd es ist gef&auml;hrlich, wenn Studierende ihre Auswahlentscheidung an solchen Rankings orientieren, weil zumindest das QS Ranking ziemlich wenig dar&uuml;ber aussagt, wie die Lehr- und Studienqualit&auml;t in den einzelnen F&auml;chern an den jeweiligen Hochschulen ist. Noch schlimmer ist allerdings, wenn Hochschulleitungen und Hochschulpolitiker ihre Entscheidungen danach ausrichten, wie sie ihre jeweiligen Hochschulen auf solchen Rankinglisten nach oben bringen k&ouml;nnten. Die Gr&uuml;nde, warum das ein falscher Weg ist, sich etwa am QS Ranking zu messen, hoffe ich einigerma&szlig;en plausibel gemacht zu haben. <\/p><p>P.S.: Lesen Sie zur allgemeinen Kritik an Rankings etwa<\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/isa-global-dialogue.net\/german-sociologists-boycott-university-rankings\/\">German Sociologists Boycott University Rankings<\/a><\/li>\n<li>Rankings sollen &uuml;berall dort, wo kein Markt besteht und das Steuerungsinstrument des (Markt-)Wettbewerbs nicht funktionieren kann, also eben auch in der Wissenschaft, als Fiktion f&uuml;r den Wettbewerb dienen. Es ist jedoch ein Wettbewerb um die von den Ranking-Veranstaltern vorgegebenen Kriterien, mit denen versucht wird, Qualit&auml;t durch quantifizierbares Messen darzustellen. Es handelt sich um die &Uuml;bertragung betriebswirtschaftlicher Prinzipien auf wissenschaftliche Leistungen. Neben quantitativen Messgr&ouml;&szlig;en (&uuml;ber deren Gewichtung und Relevanz man streiten kann) bleiben aber viele qualitative, nicht in Zahlen quantifizierbare Aspekte die f&uuml;r ein Urteil &uuml;ber die Lehr- und Forschungsleistungen unerl&auml;sslich sind, unber&uuml;cksichtig.<\/li>\n<li>Siehe auch: Michael Hartmann: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=16967\">Die Exzellenzinitiative und die Hierarchisierung des deutschen Hochschulsystems<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/studienfoerderung\/08407.pdf\">Rankings im Wissenschaftssystem &ndash; Zwischen Wunsch und Wirklichkeit [PDF &ndash; 392 KB]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Tage ist wieder einmal das j&auml;hrliche <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/higher-education-network\/table\/2013\/sep\/10\/qs-world-university-rankings-2013\">&bdquo;QS World University Ranking&ldquo; ver&ouml;ffentlicht worden<\/a>. Das QS Ranking wird in einschl&auml;gigen Kreisen, also an den Hochschulen, in der Politik und bei den Arbeitgebern, wie &uuml;blich, Furore machen. Man muss allerdings wissen, dass dieses Ranking aus rein kommerziellen Motiven erstellt wird.<br \/> Der Unsinn des QS Rankings beginnt<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18629\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[131,17],"tags":[1520,234],"class_list":["post-18629","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-oekonomie","category-hochschulen-und-wissenschaft","tag-hochschulranking","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=18629"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18629\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":18663,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/18629\/revisions\/18663"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=18629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=18629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=18629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}