{"id":18692,"date":"2013-09-19T09:14:56","date_gmt":"2013-09-19T07:14:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18692"},"modified":"2015-08-18T08:34:08","modified_gmt":"2015-08-18T06:34:08","slug":"warum-ich-am-sonntag-die-linke-wahle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18692","title":{"rendered":"Warum ich am Sonntag die Linke w\u00e4hle"},"content":{"rendered":"<p>In Deutschland gelten Wahlempfehlungen immer noch als Tabubruch. Es soll ja hierzulande sogar Ehepaare geben, bei denen der eine Partner nicht wei&szlig;, was der andere w&auml;hlt. Selbst unter politisch interessierten und engagierten Menschen wird das Wahlgeheimnis meist so ausgelegt, dass man seine Wahlentscheidung unter allen Umst&auml;nden geheim halten muss. Warum eigentlich? W&auml;hrend hierzulande selbst politische Journalisten aus ihrer pers&ouml;nlichen Wahlentscheidung ein gro&szlig;es Geheimnis machen, geh&ouml;rt es in den USA zum guten Ton, dass Journalisten und politische Kommentatoren nicht nur um den hei&szlig;en Brei herumreden, sondern ihre Leser auch an der elementarsten Frage in einer Demokratie teilhaben lassen. Diesem Beispiel m&ouml;chte ich gerne folgen[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18692#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8431\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-18692-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130918_Warum_ich_Linke_waehle_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130918_Warum_ich_Linke_waehle_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130918_Warum_ich_Linke_waehle_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130918_Warum_ich_Linke_waehle_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=18692-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/130918_Warum_ich_Linke_waehle_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"130918_Warum_ich_Linke_waehle_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>CDU und FDP?<\/strong><\/p><p>Die Regierungsparteien CDU und FDP spielen bei meiner pers&ouml;nlichen Wahlentscheidung  f&uuml;r den, der meine Artikel kennt, keine Rolle. Die FDP wirkt immer mehr wie eine (schlechte) Parodie ihrer selbst und Angela Merkels Politik ist nicht nur f&uuml;r Deutschland, sondern auch f&uuml;r Europa eine einzige Katastrophe. Die Frage, warum Angela Merkel derart popul&auml;r ist, zermartert wohl den meisten ihrer Kritiker den Kopf. Auch ich habe keine Antwort auf diese Frage. Der blo&szlig;e Umstand, dass Angela Merkel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Deutschland vier weitere Jahre &bdquo;marktkonform&ldquo; regieren wird, ist sicher nicht unbedingt motivationsstiftend f&uuml;r den Gang zur Urne. Das ist jedoch kein Grund, den Kopf h&auml;ngen zu lassen und die Flinte ins Korn zu werfen. Im Gegenteil &ndash;  je gr&ouml;&szlig;er die politische Unvernunft der Mehrheit scheint, desto wichtiger ist es, als (subjektiv) vern&uuml;nftige Minderheit &bdquo;nein&ldquo; zu sagen. Doch wen kann man w&auml;hlen, wenn man der Politik Merkels die rote Karte zeigen will?<\/p><p><strong>SPD und Gr&uuml;ne<\/strong><\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/img\/min2.jpg\" style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-bottom: 10px\" border=\"0\"><\/p><p>Wenn man sich die SPD im Wahlkampfendspurt anschaut, k&ouml;nnte man ja fast glauben, dass die Genossen aus ihren Fehlern gelernt haben. Doch diese Beobachtung w&auml;re zu oberfl&auml;chlich. Dass die SPD im Wahlkampf gerne links blinkt und nach den Wahlen rechts abbiegt, ist nicht unbedingt neu. Und es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass sich daran in diesem Wahlkampf etwas ge&auml;ndert haben k&ouml;nnte. Im Gegenteil. Mit der Wahl Peer Steinbr&uuml;cks zum Spitzenkandidaten hat die SPD sich bereits vor Beginn des eigentlichen Wahlkampfs weitestgehend auf die Fortsetzung von Schr&ouml;ders Agaenda-Kurs festgelegt. Wir haben auf den NachDenkSeiten unz&auml;hlige Male die Politik Steinbr&uuml;cks thematisiert und sind mehrfach darauf eingegangen, dass es unglaubw&uuml;rdig ist, dem Agenda-Freund und Finanzmarktderegulierer Steinbr&uuml;ck das soziale M&auml;ntelchen &uuml;berzuwerfen. Unabh&auml;ngig von dieser Personalie muss man jedoch auch in Frage stellen, wie ernst es der SPD &uuml;berhaupt mit ihrem neuen Programm sein kann, wenn sie ohne gro&szlig;e Not die Umsetzung dieses Programms, was nach aller Voraussicht nur in einer rot-rot-gr&uuml;nen Koalition m&ouml;glich w&auml;re, kategorisch auszuschlie&szlig;t. So lange die SPD sich nicht glaubhaft von der Agenda 2010 distanziert und signalisiert, dass f&uuml;r sie Themen wichtiger als Koalitionen sind, bleibt sie f&uuml;r mich unw&auml;hlbar. <\/p><p>Gleiches gilt auch f&uuml;r die Gr&uuml;nen. Was nutzt das beste Programm &ndash; und das Wahlprogramm der Gr&uuml;nen ist keinesfalls schlecht -, wenn man mittels &bdquo;Ausschlie&szlig;eritis&ldquo; daf&uuml;r sorgt, dass das Programm garantiert nicht umgesetzt werden kann?<\/p><p><strong>Die Linke und die Piraten<\/strong><\/p><p>Regelm&auml;&szlig;ige Leser der NachDenkSeiten wird es sicher nicht &uuml;berraschen, dass meine Positionen in den Kernthemen,  &uuml;ber die ich regelm&auml;&szlig;ig arbeite und schreibe, gro&szlig;e &Uuml;berschneidungen zum Programm der Linken haben. Das f&auml;ngt beim Steuerkonzept (mit Einschr&auml;nkungen) an, geht &uuml;ber das klare Bekenntnis zu einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik, der weitgehenden &Uuml;bereinstimmung in der Analyse der Ursachen der Eurokrise bis zur klaren Ablehnung weiterer Privatisierungen. Auch wenn ich in Detailfragen und auf einigen Politikfeldern dezidiert anderer Meinung bin, so &uuml;berwiegen doch die Gemeinsamkeiten in den Kernfragen. <\/p><p>Nat&uuml;rlich gibt es auch bei der Linken offene Fragen. So ist es durchaus zu vermuten, dass einigen Karrieristen in der Partei, die dem sogenannten &bdquo;Reformerfl&uuml;gel&ldquo; angeh&ouml;ren, das n&ouml;tige R&uuml;ckgrat fehlt und sie ihre Prinzipien &uuml;ber Bord werfen, wenn sie erst einmal an den Tr&ouml;gen der Macht angekommen sind. Diese Frage spielt jedoch f&uuml;r mich im Moment keine Rolle, da keine reale &bdquo;Gefahr&ldquo; besteht, dass die Prinzipientreue einiger Reformer nach den Wahlen ernsthaft auf die Probe gestellt wird. Eine &auml;hnlich untergeordnete Rolle spielen f&uuml;r mich die Fl&uuml;gelk&auml;mpfe innerhalb der Partei. Es geh&ouml;rt nun einmal &ndash; ob man das gut findet oder nicht &ndash; zu einer linken Partei dazu, dass es bei inhaltlichen und personellen Fragen auch mal zu offenen Konflikten kommt. Das mag stellenweise kontraproduktiv sein und ein schlechtes Bild nach au&szlig;en abgegeben. Die Alternative, eine Ein-Personen-Partei mit fast bedingungslosen Kadavergehorsam und Korpsgeist, wie es beispielsweise die CDU ist, w&auml;re f&uuml;r mich jedoch noch schlimmer. Da ist mir eine streitlustige Linke schon lieber.<\/p><p>Besonders streitlustig waren bekanntlich auch die Piraten. Interessanterweise ebbte das Interesse der Medien an den Piraten urpl&ouml;tzlich ab, als sie ihre Personalstreitigkeiten einstellten und sich programmatisch auf der linken Seite des politischen Spektrums einordneten. W&auml;hrend die Massenmedien die Linke mit Vorliebe &ndash; gerne auch unter der G&uuml;rtellinie &ndash; attackieren, wurden die Piraten mit der H&ouml;chststrafe des Kampagnenjournalismus belegt: sie werden, so gut es geht, komplett ignoriert. Dabei lohnt es sich, einmal einen Blick auf das noch l&uuml;ckenhafte Programm der jungen Partei zu werfen. F&uuml;r W&auml;hler, f&uuml;r die die Linke &ndash; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &ndash; keine Option ist, k&ouml;nnten die Piraten durchaus eine &Uuml;berlegung wert sein. <\/p><p><strong>Die entscheidende Frage<\/strong><\/p><p>Wenn es eine Partei g&auml;be, die zu einhundert Prozent meine Positionen teilt, dann h&auml;tte diese Partei wohl nur ein einziges Mitglied und wohl auch nur einen einzigen W&auml;hler &ndash; und zwar mich. Es ist vollkommen klar, dass die konkrete Wahlentscheidung stets eine Abw&auml;gung verschiedener Positionen und Argumente ist. Dies kann man als die Wahl des gr&ouml;&szlig;ten gemeinsamen Nenners oder auch etwas boshafter als die Wahl des kleinsten &Uuml;bels bezeichnen. F&uuml;r mich ist die Linke, vor allem wegen ihres Programms, kein kleineres &Uuml;bel, sondern eine gute Wahl. Daher werde ich meine Stimme in diesem Jahr der Linken geben. Damit steht freilich fest, dass ich am Sonntag nicht zu den Wahlgewinnern geh&ouml;ren werde. Das ist mir aber nicht so wichtig. Im Zweifelsfalle ist es besser, eine inhaltlich &uuml;berzeugende Opposition zu st&auml;rken, als sich zu fr&uuml;h mit den Siegern zu freuen. <\/p><p>P.s.: Auch wenn es eigentlich &uuml;berfl&uuml;ssig sein sollte, dies zu erw&auml;hnen: Eine Wahlentscheidung ist etwas anderes als ein Glaubensbekenntnis. Regelm&auml;&szlig;ige Leser der NachDenkSeiten wissen, dass ich die Linke, dort wo es Not tut, auch ohne Vorbehalte hart kritisiere. Und sollte sich meine Wahlentscheidung im Nachhinein als Fehler herausstellen, bin ich auch der Erste, der dies offen eingesteht. Als ehemaliger SPD- und Gr&uuml;nen-W&auml;hler hat man damit schlie&szlig;lich Erfahrung.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Dieser Artikel beschreibt meine pers&ouml;nliche Position und nicht unbedingt die Position der NachDenkSeiten und\/oder die Position anderer Personen im Umfeld der NachDenkSeiten<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Deutschland gelten Wahlempfehlungen immer noch als Tabubruch. Es soll ja hierzulande sogar Ehepaare geben, bei denen der eine Partner nicht wei&szlig;, was der andere w&auml;hlt. Selbst unter politisch interessierten und engagierten Menschen wird das Wahlgeheimnis meist so ausgelegt, dass man seine Wahlentscheidung unter allen Umst&auml;nden geheim halten muss. Warum eigentlich? 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