{"id":18736,"date":"2013-09-23T08:23:20","date_gmt":"2013-09-23T06:23:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18736"},"modified":"2015-08-18T08:44:01","modified_gmt":"2015-08-18T06:44:01","slug":"angela-allein-zu-haus-rot-gruen-zum-dritten-mal-gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18736","title":{"rendered":"Angela allein zu Haus \u2013 Rot-Gr\u00fcn zum dritten Mal gescheitert"},"content":{"rendered":"<p>So ganz &uuml;berraschend war das Ergebnis der Bundestagswahl eigentlich nicht. Die CDU\/CSU hat gegen&uuml;ber den j&uuml;ngsten Umfragen dank des Merkel-Effekts mit 41,5% (+7,7)  knapp besser abgeschnitten, als von den Demoskopen vorhergesagt. Die FDP hatte in schon den letzten Monaten immer nur um die 5 Prozent herumged&uuml;mpelt und landete bei 4,8% (- 9,8). Die SPD hat mit 25,7% zwar  2,7 Prozentpunkte zugelegt, aber dennoch etwas schlechter abgeschnitten als ihr manche Meinungsforschungsforschungsinstitute zugesprochen hatten. Die Gr&uuml;nen sind schon seit einigen Wochen in den Umfragewerten deutlich gesunken (8,4%; &ndash; 2,3) und landeten wie DIE LINKE (8,6%; &ndash; 3,3) etwas schw&auml;cher in etwa auf den prognostizierten Werten. Der Wahlausgang spiegelte also ungef&auml;hr die Stimmungslage wieder, wie sie sich schon seit einigen Monaten herrschte. Eine rot-gr&uuml;ne Mehrheit hatte sich &uuml;ber die gesamte letzte Legislaturperiode nicht abgezeichnet. Rot-Gr&uuml;n alleine ist zum dritten Mal hintereinander bei Bundestagswahlen gescheitert. Und h&auml;tte die FDP (4,8%; -9,8) noch hunderttausend Stimmen mehr bekommen, so w&auml;re der Jubel im schwarz-gelben Regierungslager trotz der Tatsache das der Stimmenanteil der FDP gegen&uuml;ber 2009 auf ein Drittel zusammengeschmolzen ist, ziemlich vollkommen gewesen. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSPD und Gr&uuml;ne zusammen liegen auch bei dieser Wahl mit &uuml;ber sieben Prozent hinter CDU\/CSU und selbst wenn man das &bdquo;linke Lager&ldquo; addierte und DIE LINKE noch hinzuz&auml;hlte, g&auml;be es f&uuml;r des &bdquo;linke Lager&ldquo; prozentual nur eine hauchd&uuml;nne Mehrheit (42,7 %) links von der CDU\/CSU (mit 41,5%) und eine Mandatsmehrheit von 8 Sitzen. (319 gegen&uuml;ber 311von CDU\/CSU) Das w&uuml;rde zwar reichen um Angela Merkel als Kanzlerin abzuw&auml;hlen, aber das sind nur Zahlenspiele. Denn sowohl Gabriel, als auch Steinbr&uuml;ck und sowohl Trittin als auch G&ouml;ring-Eckardt haben solche Denkm&ouml;glichkeiten vor den Kameras weit von sich gewiesen.<\/p><p>Von einer gesellschaftlichen Mehrheit links vom konservativen Lager kann man jedenfalls bei denjenigen, die zur Wahl gingen kaum sprechen. Die Stimmenanteile von CDU\/CSU, (den an der F&uuml;nf-Prozent-Klausel gescheiterten) FDP und der AfD liegen bei knapp &uuml;ber 50%, w&auml;hrend das &bdquo;linke Lager&ldquo; bei knapp 43 % (wenn man die Piraten noch dazu z&auml;hlen wollte bei 45%) gelandet ist. Selten sind bei Bundestagswahlen wohl so viele abgegebenen Stimmen f&uuml;r Parteien nicht im Bundestag vertreten, n&auml;mlich knapp 16% (FDP (4,8%), AfD (4,7%), Piraten (2,2%), Andere(4,1%), darunter die NPD mit 1,3%. Rechnet man die Nichtw&auml;hler hinzu so sind weit &uuml;ber 40 Prozent der Wahlbev&ouml;lkerung im Parlament nicht vertreten.<\/p><p>&Uuml;ber den ganzen Fernsehabend wurde die hohe Wahlbeteiligung gefeiert. Sie lag jedoch mit 71,5 % nicht einmal ein Prozent (0,8%) h&ouml;her als bei der letzten Bundestagswahl. Auch diese zweitschlechteste Wahlbeteiligung ist ein deutlicher Hinweis, dass keine Wechselstimmung vorlag, die die W&auml;hlerinnen und W&auml;hler an die Wahlurne gedr&auml;ngt h&auml;tte.<\/p><p><strong>CDU\/CSU<\/strong><\/p><p>Bei dieser Wahl hat sich das W&auml;hlermotto &bdquo;Angela &uuml;ber alles&ldquo; durchgesetzt, die CDU wurde mit Abstand die gr&ouml;&szlig;te Partei, wenngleich sie innerhalb des selbsternannten &bdquo;b&uuml;rgerlichen Lagers&ldquo; nicht wettmachen konnte, was die FDP verloren hat. <\/p><p>Fast 40 Prozent w&auml;hlten die CDU nur wegen Merkel. Mehr als zwei Drittel (68%) sind der Ansicht, dass es vor allem an Merkel lag, dass die CDU\/CSU so gut abgeschnitten haben. Die Anh&auml;nger nahezu aller Parteien finden sie &bdquo;gut&ldquo;. Sie lag im Direktwahlvergleich mit 58 zu 34 vor Steinbr&uuml;ck. &Uuml;ber die H&auml;lfte der Befragten sind der Ansicht, Steinbr&uuml;ck habe der SPD im Wahlkampf eher geschadet. 84 % insgesamt und sogar 75% der SPD-W&auml;hler meinen, sie vertrete unser Land gut. Und mehr als die H&auml;lfte waren vor allem mit der CDU in der Bundesregierung zufrieden. Merkel und die CDU\/CSU haben auch in fast allen Kompetenzwerten besser abgeschnitten.<\/p><p>Die merkelsche Wahlstrategie, emotional f&uuml;r ihre Person zu werben (&bdquo;Sie kennen mich&ldquo;), eine &bdquo;Uns-geht-es-gut&ldquo;-Stimmung zu erzeugen und streitige Themen zu unterlaufen oder auszuweichen, scheint aufgegangen zu sein. Ob sie damit auch &ndash; wie sie am Wahlabend mehrfach verk&uuml;ndete &ndash; die CDU wieder zu einer &bdquo;Volkspartei&ldquo; gemacht hat, ist &auml;u&szlig;erst fraglich, denn hinter ihrer Person war ihre Partei kaum noch zu erkennen.<\/p><p>Merkel hat das beste Wahlergebnis der CDU\/CSU seit 1994 geholt, doch was f&auml;ngt sie nun mit ihrer Mehrheit an, wo ihr doch ihr Wunschpartner FDP abhandengekommen ist. Die &bdquo;Freude&ldquo; und der &bdquo;Stolz&ldquo; am Wahlabend k&ouml;nnten schon nach &uuml;berschlafener Wahlnacht der Ern&uuml;chterung weichen. Das machte Wolfgang Sch&auml;uble schon in bei G&uuml;nther Jauch deutlich, als er sich nur &bdquo;teils, teils&ldquo; mit dem Ergebnis zufrieden zeigte. &bdquo;Man kann gewinnen und ist trotzdem nicht der Gewinner des Abends&ldquo; meinte Steinmeier s&uuml;ffisant, ohne allerdings angeben zu k&ouml;nnen, wer nun gewonnen hat. Merkel muss sich jedenfalls einen neuen Koalitionspartner suchen. <\/p><p>Wenn man den Aussagen von Trittin oder Lemke von den Gr&uuml;nen Glauben schenken darf, d&uuml;rfte das mit den Gr&uuml;nen schwer werden. Trittin: Er rate seiner Partei nicht in eine Koalition zu gehen, wo es auf sie nicht mehr ank&auml;me. Aber wer wei&szlig;, ob es bei den Gr&uuml;nen nicht eine Palastrevolution gibt und diejenigen in der Partei, die ohnehin das Wahlprogramm als zu weit &bdquo;links&ldquo; angesiedelt sahen, nicht den Aufstand proben werden. K&uuml;nast warf schon am Wahlabend die Frage auf, &bdquo;wie orientieren wir uns neu, um die Mitte der Gesellschaft zu gewinnen&ldquo;. Auch G&ouml;ring-Eckardt schlug &auml;hnliche T&ouml;ne an. Dennoch die Gr&uuml;nen d&uuml;rften sich noch eine Zeit lang vor den Schwarzen zieren. Aber dass sich der Fl&uuml;gel des baden-w&uuml;rttembergischen Ministerpr&auml;sidenten Kretschmann durchsetzen k&ouml;nnte, der sich schon jetzt vom Kurs seiner Parteif&uuml;hrung absetzte, ist durchaus realistisch.<\/p><p><strong>SPD<\/strong><\/p><p>Trotz des zweitschlechtesten Ergebnisses in der Nachkriegsgeschichte und obwohl der Abstand zur CDU\/CSU noch gr&ouml;&szlig;er geworden ist als bei dem Tiefststand vor vier Jahren, traten Gabriel und SPD im Willy-Brandt-Haus vor begeisterte Claqueure und freuten sich &uuml;ber einen Zuwachs von gerade einmal 2,5% gegen&uuml;ber dem Vorwahljahr 2009. Die Generalsekret&auml;rin Andrea Nahles meinte sogar ihren Parteimitgliedern &bdquo;Stolz und Zuversicht&ldquo; verk&uuml;nden zu m&uuml;ssen und Steinbr&uuml;ck r&uuml;hmte sich eines &bdquo;sehr guten Wahlkampfes&ldquo; und der Parteivorsitzende lobte ihn als &bdquo;Pfundskerl&ldquo;. Trotz eines hohen Wahlkampfeinsatzes und sozialer T&ouml;ne, konnten die Sozialdemokraten ihre in den vorausgegangenen Regierungsbeteiligungen verlorene Glaubw&uuml;rdigkeit nicht wieder zur&uuml;ckgewinnen. Die Sozialdemokraten haben offenbar einen gro&szlig;en Teil ihrer fr&uuml;heren Anh&auml;ngerschaft dauerhaft verloren. Nach wie vor halten z.B. 71% die Einf&uuml;hrung der Rente mit 67 f&uuml;r falsch. Sie hat es weder geschafft  gegen&uuml;ber der CDU mit dem Thema soziale Gerechtigkeit zu punkten noch konnte sie mit ihrem Ausgrenzungswahlkampf die Linke aus dem Parlament zu verdr&auml;ngen. Nach dem wiederholten Scheitern von Rot-Gr&uuml;n ist eine eigene Machtoption f&uuml;r die SPD im Bund nicht mehr in Sicht.<\/p><p>Die Parteif&uuml;hrung wies zwar Koalitionsspekulationen zur&uuml;ck, &bdquo;der Ball liege nun im Spielfeld der Union.&ldquo; Steinmeier wiegelte ein Zusammengehen mit der CDU noch ab: Die Erinnerung an die letzte Gro&szlig;e Koalition sei noch zu tief im Ged&auml;chtnis und dr&auml;nge nicht auf Wiederholung. Wie bei seiner eigenen Wahlniederlage vor vier Jahren meldete Steinmeier aber schon wieder am Wahlabend seinen Anspruch auf den Fraktionsvorsitz an: Er hoffe, dass er f&uuml;r dieses Amt weiter f&uuml;r f&auml;hig gehalten werde. Steinbr&uuml;ck blieb zwar dabei, dass er unter Angela Merkel kein Ministeramt &uuml;bernehmen werde, doch seine Rolle sei nicht beendet, er bleibe &bdquo;an Deck der SPD&ldquo;. Da mag der Parteivorsitzende Gabriel schon f&uuml;r diese Woche einen Parteikonvent angek&uuml;ndigt haben, wenn Steinmeier Fraktionsvorsitzender bliebe und auch die F&uuml;hrungsriege in der SPD nicht (wenigstens teilweise) ausgetauscht w&uuml;rde (was ein Parteikonvent nicht kann), dann d&uuml;rfte die Gro&szlig;e Koalition nicht sehr weit sein.<\/p><p>Und wenn man Merkels Ank&uuml;ndigung, sie werde sich um eine stabile Mehrheit bem&uuml;hen und keine Vabanque-Spiele eingehen, nicht ganz falsch deutet, dann liegt man sicher nicht daneben, wenn man das so interpretiert, dass ihr eine Koalition mit der SPD gar nicht so  unlieb w&auml;re. Sie lobte nebenbei noch Gerhard Schr&ouml;der und meinte, dass die Rente mit 67 bei uns genauso unpopul&auml;r sei, wie auch sonst in Europa. In der Angela Merkel eigenen Chuzpe spielte sie mit den &Auml;ngsten innerhalb der SPD vor einer Gro&szlig;en Koalition: &bdquo;Die SPD wird sich das heutige Ergebnis angucken und wird sagen m&uuml;ssen, dass es nicht nur an mir gelegen hat&ldquo;, dass die SPD nach der letzten gemeinsamen Regierung so schlecht abgeschnitten habe. &bdquo;Die Differenz der Ergebnisse ist nicht so, dass man alles bei mir abladen kann&ldquo;, meinte sie.<\/p><p>F&uuml;r die Machtstrategin Merkel w&auml;re die Gro&szlig;e Koalition beim gegebenen Wahlausgang sicherlich auch die beste L&ouml;sung. Sie k&ouml;nnte damit die L&auml;nderkammer einbinden. Nur noch in Bayern, wo die CSU allein regieren kann und in Sachsen, dem letzten Land, in dem Schwarz-Gelb regiert, hat die CDU das Sagen. Die schwarz-gelbe Landesregierung in Hessen ist ja gestern auch noch gefallen. Im Saarland, in Th&uuml;ringen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg Vorpommer regiert Schwarz-Rot schon. Und mit einer Koalition mit der SPD h&auml;tte eine erneut gew&auml;hlte Kanzlerin auch noch Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und das &bdquo;rote&ldquo; Hamburg neutralisiert. Das Gr&uuml;n-Rot regierte Baden-W&uuml;rttemberg d&uuml;rfte sich gleichfalls nicht quer legen k&ouml;nnen. Merkel w&auml;re nicht Merkel, wenn sie nicht das Machtkalk&uuml;l verfolgen w&uuml;rde, die SPD einzubinden, in die den Steuerzahler noch schwer belastenden Entscheidungen ihrer Europa-Politik. <\/p><p>Au&szlig;erdem k&ouml;nnte sie in einer Koalition mit der SPD den vor Kraft protzenden Bayern Seehofer wieder zurechtstutzen, der mit der CSU f&uuml;r Merkel immerhin 50 Prozent in seinem Land geholt hat. Wie antwortete sie doch auf die Frage, ob sie nun die von ihr (bisher) abgelehnte PKW-Maut einf&uuml;hren m&uuml;sse, so s&uuml;ffisant: &bdquo;Koalitionsverhandlungen werden mit gro&szlig;er Wahrscheinlichkeit nicht zwischen CDU und CSU gef&uuml;hrt&ldquo;. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnte die CDU sich in einer Koalition mit der SPD wieder st&auml;rker nach rechts profilieren und damit die AfD, die ihr doch eine beachtliche Stimmenzahl abgezogen hat, klein halten. <\/p><p>Es spricht &ndash; wie wir auf den NachDenkSeiten schon vor langer Zeit vorausgesagt haben &ndash; also alles f&uuml;r eine Gro&szlig;e Koalition. Die Frage ist eigentlich nur noch, was sich Merkel von der SPD an politischen Zugest&auml;ndnissen noch abhandeln lassen muss. <\/p><p>F&uuml;r die SPD bedeutete eine erneute Gro&szlig;e Koalition den endg&uuml;ltigen Offenbarungseid. Anders als wenn die hessische SPD mit der Linken kooperieren w&uuml;rde, w&uuml;rde der Bundes-SPD kaum jemand den Vorwurf des &bdquo;Wortbruchs&ldquo; machen, zumal auch noch 57% der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger eine Gro&szlig;e Koalition als Wunschb&uuml;ndnis angeben. Aber gleichzeitig w&uuml;rde f&uuml;r jedermann klar, dass politische Versprechen der Sozialdemokraten keinen h&ouml;heren Wert haben als Ramschhypotheken. Merkel hat der mitregierenden FDP schon knapp 10 Prozent der Stimmen abgezogen, mit ungef&auml;hr genauso hohen Verlusten (11,2 %) ging die SPD aus der letzten Koalition mit Merkel. <\/p><p>Aber wie die SPD schon dreimal nichts daraus gelernt hat, dass es mit Rot-Gr&uuml;n nicht reicht, wird sie auch zum zweiten Mal in eine Gro&szlig;e Koalition gehen. Daf&uuml;r wird der &ndash; jedenfalls auch in der k&uuml;nftigen Bundestagsfraktion herrschende &ndash; rechte Parteifl&uuml;gel mit den &bdquo;Seeheimern&ldquo; und nieders&auml;chsischen &bdquo;Netzwerkern&ldquo; schon sorgen. Ihre Repr&auml;sentanten haben ohnehin noch nie ein anderes Ziel gehabt, als (wieder) ein paar Regierungsposten zu ergattern.  <\/p><p><strong>FDP<\/strong><\/p><p>Obwohl es nach allen Umfragen nicht besonders &uuml;berraschend war, das Ausscheiden der FDP aus dem Deutschen Bundestag darf man &bdquo;historisch&ldquo; nennen. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist diese Partei, die als &bdquo;Z&uuml;nglein an der Waage&ldquo; und &bdquo;Steigb&uuml;gelhalter&ldquo; f&uuml;r CDU und SPD l&auml;nger in Bundesregierungen vertreten war als alle anderen Parteien, nicht mehr im Bundestag vertreten. Die vielfach &bdquo;totgesagte&ldquo; Partei hat es dank ihrer Geldgeber und ihrer einflussreichen Klientel auch in Landtagen immer wieder geschafft &uuml;ber die F&uuml;nf-Prozent-H&uuml;rde zu kommen. Nun ist sie binnen einer Woche aus den Parlamenten in Bayern und im Bund gew&auml;hlt worden. In Hessen schaffte sie es so gerade noch Sie ist nur noch gut der H&auml;lfte aller L&auml;nderparlamente mit insgesamt nur noch knapp hundert  Parlamentariern vertreten. Selbst die eingefleischte Klientel dieser Partei scheint  allm&auml;hlich erkannt zu haben, dass das liberale Freiheitspathos der F&uuml;hrungsmannschaft dieser Partei nur noch hohl ist und ihr ordnungspolitischer Marktliberalismus nur noch eine Phrase ist. Mit dem alleinigen Thema &bdquo;Steuersenkung&ldquo; ist offenbar selbst bei der eigenen Klientel kein Staat mehr zu machen.<br>\nDie &bdquo;Bettelkampagne&ldquo; (so der Vorsitzende der Jungen Liberalen Lasse Becker) nach der Abwahl in Bayern in der letzten Woche hat es in geradezu peinlicher Weise deutlich gemacht, dass die FDP nur noch &bdquo;Funktionspartei&ldquo; ist. Sie hatte schon bei der Bewertung ihrer Regierungsarbeit einen Tiefstwert erreicht. Sie geriet in eine &bdquo;Wirbelschleppe&ldquo; (Wolfgang Gerhardt) des Vertrauensverlustes. Mit minus 12% hat sie in der mittleren Altersgruppe der 30 bis 44-J&auml;hrigen am meisten verloren. Selbst ihr Parteivorsitzender Philipp R&ouml;sler schaffte in seinem Wahlkreis nur 2,7% f&uuml;r seine Partei. Und der zum &bdquo;Spitzenkandidat&ldquo; ernannte Rainer Br&uuml;derle diente mit seinen poltrigen Stammtischparolen nur noch als Lachnummer. Da konnte Guido Westerwelle noch so staatstragend durch die Welt jetten und &bdquo;den Genscher&ldquo; imitieren. Bei der FDP d&uuml;rfte es zu einem grundlegenden Personalwechsel kommen. Als neue F&uuml;hrungsfigur hat sich schon am Wahlabend der Vorsitzende der nordrhein-westf&auml;lischen Landtagsfraktion, Christian Lindner, angedient. <\/p><p><strong>Gr&uuml;ne<\/strong><\/p><p>Der H&ouml;henflug der Gr&uuml;nen in neu-b&uuml;rgerliche Schichten ist erst einmal gestoppt. N&auml;herte sich diese Partei nach der Euphorie in Baden-W&uuml;rttemberg schon den Umfragewerten der SPD an und wurde sie schon als neue &bdquo;Volkspartei&ldquo; gehandelt, fiel sie mit 8,4% (- 2,3%) auf ihre Stammw&auml;hlerschaft zur&uuml;ck. Die Gr&uuml;nen hatten mit ihren Steuerpl&auml;nen heftigen Gegenwind aus dem bisherigen Regierungslager  und durch die Lobbygruppen der Reichen in diesem Land erfahren. FDP und vor allem die CSU konnten die Gr&uuml;nen mit deren Vorschlag eines &bdquo;Veggie Days&ldquo; als &bdquo;Bevormundungspartei&ldquo; jagen. Und schlie&szlig;lich wurden viele Sympathisanten mit der lange zur&uuml;ckliegenden &bdquo;P&auml;dophilen-Aff&auml;re&ldquo; erschreckt. Die CDU nahm Rache f&uuml;r Baden-W&uuml;rttemberg und die FDP wehrte sich aggressiv gegen einen Einbruch der Gr&uuml;nen in ihre gutb&uuml;rgerlichen W&auml;hlergruppen.  <\/p><p>Den Gr&uuml;nen d&uuml;rfte einmal mehr ein Machtkampf zwischen dem &bdquo;Realo&ldquo;-Fl&uuml;gel und der eher sozial orientierten derzeitigen F&uuml;hrungsriege ins Haus stehen. Mit dem Ausscheiden der FDP d&uuml;rften die &bdquo;Regierungs&ldquo;-Gr&uuml;nen aus Baden-W&uuml;rttemberg die Chance f&uuml;r ein Vorschieben dieser Partei in h&ouml;here Einkommensgruppen und in die neu-b&uuml;rgerlichen Schichten der ehemaligen &Ouml;kobewegung, die l&auml;ngst ihren &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=8850\">Frieden mit der Elterngeneration geschlossen hat<\/a>&ldquo;, sehen. Die Frage wird in Zukunft sein, ob die Gr&uuml;nen sich von der SPD entfernen und in die Rolle der FDP als Mehrheitsbeschaffer wechseln werden. <\/p><p><strong>Die Linke<\/strong><\/p><p>Die Linke wurde mit 8,6% (- 3,3) trotz Stimmenverlusten erstmals drittst&auml;rkste Partei vor den Gr&uuml;nen und der CSU. Im Osten wurde die Linke mit &uuml;ber 20% zweitst&auml;rkste Partei noch vor der SPD, sie hat dort jedoch  Direktmandate verloren. Auch im Westen blieb diese Partei entgegen aller Prognosen &uuml;ber f&uuml;nf Prozent. In Hessen kam sie zum dritten Mal in einem Fl&auml;chenland in den Landtag. Bei einer gro&szlig;en Koalition fiele der Linken die Oppositionsf&uuml;hrerschaft zu, was ihre Zukunftschancen nicht schm&auml;lern d&uuml;rfte. Das w&auml;re wie Parteivorsitzende Bernd Riexinger meinte, die beste &bdquo;Lebensversicherung&ldquo; f&uuml;r die Linke.   <\/p><p><strong>AfD<\/strong><\/p><p>Die AfD holte als neue Partei aus dem Stand in wenigen Monaten ihres Auftretens beachtliche 4,7%. Ihre Stimmen kamen zum gr&ouml;&szlig;ten Teil von Nichtw&auml;hlern und von der CDU, aber sie profitierte auch von anderen Parteien, sogar von W&auml;hlern der Linken. Die AfD diente vielen (vor allem m&auml;nnlichen) W&auml;hlern als Protestpartei. Die nach wie vor vorhandene Sehnsucht nach der D-Mark und die werbliche Unterst&uuml;tzung durch spendable Geldgeber f&uuml;r Werbematerial und Gro&szlig;-Anzeigen zahlten sich aus. <\/p><p><strong>Piraten<\/strong><\/p><p>Die Piratenpartei konnte offenbar die Skandale um die &Uuml;berwachung durch ausl&auml;ndische Geheimdienste nicht f&uuml;r sich nutzen und verfehlte den Einzug in den Bundestag deutlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So ganz &uuml;berraschend war das Ergebnis der Bundestagswahl eigentlich nicht. Die CDU\/CSU hat gegen&uuml;ber den j&uuml;ngsten Umfragen dank des Merkel-Effekts mit 41,5% (+7,7) knapp besser abgeschnitten, als von den Demoskopen vorhergesagt. Die FDP hatte in schon den letzten Monaten immer nur um die 5 Prozent herumged&uuml;mpelt und landete bei 4,8% (- 9,8). 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