{"id":1874,"date":"2006-11-17T18:16:25","date_gmt":"2006-11-17T17:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1874"},"modified":"2016-01-22T10:26:52","modified_gmt":"2016-01-22T09:26:52","slug":"arbeitslosigkeit-als-unabanderlich-hinnehmen-oder-trotz-allem-dagegen-angehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1874","title":{"rendered":"Arbeitslosigkeit als unab\u00e4nderlich hinnehmen oder trotz allem dagegen angehen?"},"content":{"rendered":"<p>Das ist meines Erachtens die entscheidende Frage, bei der sich die Geister heute scheiden. Die einen, vermutlich die Minderheit, sehen immer noch einen Sinn darin, mit makro&ouml;konomischen Instrumenten Besch&auml;ftigungspolitik zu betreiben. Die andern halten dies f&uuml;r eine eitle Hoffnung. Die &ouml;ffentliche Debatte und auch die praktische Politik k&uuml;mmert sich vornehmlich um die Verwaltung der Arbeitslosigkeit &ndash; um Hartz IV und seine Korrektur, um die Milderung der Folgen der Arbeitslosigkeit mithilfe eines B&uuml;rgergeldes und so weiter.<br>\nDas Institut f&uuml;r Makro&ouml;konomie und Konjunkturforschung (IMK) hat am 15.11. eine <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-F85C5A36\/hbs\/hs.xsl\/32014_84431.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.boeckler.de\/cps\/rde\/xchg\/SID-3D0AB75D-F85C5A36\/hbs\/hs.xsl\/32014_84431.html\">Studie dar&uuml;ber vorgelegt, wie erfolgreichere L&auml;nder verfahren sind<\/a>. Die Studie zeigt, dass ideologisch so unterschiedliche L&auml;nder wie Schweden und Gro&szlig;britannien die Arbeitslosigkeit mit sehr &auml;hnlichen Mitteln und erfolgreich bek&auml;mpft haben. Beide L&auml;nder verfolgten auch in der Konjunkturflaute 2000\/2001 einen expansiven Mix aus Geld-, Lohn- und Finanzpolitik. Warum soll das bei uns nicht m&ouml;glich sein? Leben wir in einer andern Welt? Leben wir auf einem anderen Globus mit einer anderen Globalisierung? Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nIn beiden L&auml;ndern wird Makropolitik gemacht. Bei uns h&auml;lt eine Koalition aus Vertretern des angebots&ouml;konomisch orientierten Mainstream auf der einen Seite und eher fortschrittlich orientierten Wachstumskritikern und Wachstumsskeptikern auf der anderen Seite makro&ouml;konomische Ans&auml;tze nicht mehr f&uuml;r m&ouml;glich. Die einen sind f&uuml;r noch mehr Strukturreformen, die andern f&uuml;r eine menschenw&uuml;rdige Gestaltung (und Verwaltung) der Arbeitslosigkeit.<\/p><p>So verschieden l&auml;uft es in Europa: &bdquo;Die britische und schwedische Fiskalpolitik reagierten im Abschwung 2001 klar antizyklisch: Staatskonsum und &ouml;ffentliche Investitionen stiegen stark. In Deutschland geschah das genaue Gegenteil: Zwar trat zuf&auml;llig 2001 ein Teil der Steuerreform in Kraft. Doch der Staatskonsum wurde eingeschr&auml;nkt, die &ouml;ffentlichen Investitionen sanken.&ldquo; So das IMK.<\/p><p>Die Abwesenheit jeglichen Sinns f&uuml;r die notwendige antizyklische Makropolitik f&uuml;hrt in Europa immer mehr zu gef&auml;hrlichen Querlagen. Darauf wies gerade Werner Vontobel in einem Beitrag f&uuml;r den schweizerischen &bdquo;Blick&ldquo; hin. Es ist interessant zu lesen, wie aus der Perspektive unserer Nachbarn die Abwesenheit einer einigerma&szlig;en rationalen Makropolitik in Deutschland bewertet wird. Der Beitrag im &bdquo;Blick&ldquo; vom 11.11.2006:  <a href=\"http:\/\/www.blick.ch\/news\/wirtschaft\/artikel48982?layout=popup\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.blick.ch\/news\/wirtschaft\/artikel48982?layout=popup\">&bdquo;Immer tiefere L&ouml;hne, noch weniger Gewinnsteuern. Deutschlands Dumping legt Europas Aufschwung lahm.&ldquo;<\/a>    <\/p><p>Mit der Vernachl&auml;ssigung der makro&ouml;konomischen Komponente der Wirtschaftspolitik schaden wir also uns, unseren Nachbarn und &uuml;ber die Gef&auml;hrdung ihrer konjunkturellen Entwicklung wiederum und erneut uns selbst. Eine typische Spirale nach unten.<\/p><p>Die Diagnose im &bdquo;Blick&ldquo; wird auch von der Studie des IMK best&auml;tigt. In der Pressemitteilung hei&szlig;t es: &bdquo;Die Lohnentwicklung war in Deutschland besonders zur&uuml;ckhaltend. Dies war eine wesentliche Ursache f&uuml;r die schwache Binnennachfrage, w&auml;hrend sich die preisliche Wettbewerbsf&auml;higkeit deutscher Unternehmen verbesserte.&ldquo; <\/p><p>Wie verschieden die ideologischen und konzeptionellen Welten in Deutschland sind, wird sichtbar, wenn man einen gerade erschienenen Artikel im &bdquo;Managermagazin&ldquo; mit der Studie des IMK vergleicht.<br>\nIn einem Beitrag von Christian Rickens mit dem Titel <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/magazin\/artikel\/0,2828,438294,00.html%20\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.manager-magazin.de\/magazin\/artikel\/0,2828,438294,00.html \">&bdquo;Die ignorante Elite&ldquo;<\/a> wird alles an g&auml;ngigen Vorurteilen aufgetischt, was man von Autoren der neoliberalen Bewegung zu h&ouml;ren bekommt: Es mangelt an Reformeifer, die Lohnzusatzkosten sind ein wichtiger Standortnachteil, und so weiter.<\/p><p>Dieser Beitrag ist nur lesenswert, weil er die eingefahrenen Parolen und Denkweisen sichtbar macht und auch erkennen l&auml;sst, warum man in Deutschland nicht auf den Trichter kommt, endlich das Selbstverst&auml;ndliche zu tun: alle notwendigen Instrumente der Wirtschaftspolitik, auch die makro&ouml;konomischen, zum Wohle unseres Landes einzusetzen. Der Mainstream ist sichtlich monoman. Im hier erw&auml;hnten Beitrag wird uns diese fragw&uuml;rdiger Denkweise auch noch als Schule der Politik empfohlen. Ein bisschen zu viel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist meines Erachtens die entscheidende Frage, bei der sich die Geister heute scheiden. Die einen, vermutlich die Minderheit, sehen immer noch einen Sinn darin, mit makro&ouml;konomischen Instrumenten Besch&auml;ftigungspolitik zu betreiben. Die andern halten dies f&uuml;r eine eitle Hoffnung. 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