{"id":18746,"date":"2013-09-23T16:58:30","date_gmt":"2013-09-23T14:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18746"},"modified":"2015-08-18T08:46:15","modified_gmt":"2015-08-18T06:46:15","slug":"als-junger-mensch-mit-ein-bisschen-kritischem-verstand-muss-man-sich-angesichts-der-wahlen-vom-sonntag-grosse-sorgen-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18746","title":{"rendered":"Als junger Mensch mit ein bisschen kritischem Verstand muss man sich angesichts der Wahlen vom Sonntag gro\u00dfe Sorgen machen"},"content":{"rendered":"<p>So habe ich ihre Reaktion auch erlebt. Die Perspektive ist grausam: Die Demokratie funktioniert nicht mehr. Sanktionen bleiben aus. Kritische Medien muss man mit der Lupe suchen. Die Wahlstrategien der Herausforderer waren j&auml;mmerlich. Sie sind mehr gepr&auml;gt von Meinungsmache als von sachlichen Erw&auml;gungen. Die einzige wenn auch schwache Alternative wird nicht einmal gepr&uuml;ft. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nEs folgen einige erg&auml;nzende Gedanken zur umfassenden <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18736\">Wahlanalyse von heute Fr&uuml;h<\/a>:<\/p><ol>\n<li>Der Erfolg von Angela Merkel und der CDU\/CSU ist wesentlich dem Umstand zu verdanken, dass die wirkliche Lage der Mehrheit unseres Volkes nur noch gesch&ouml;nt wahrgenommen wird. Merkel und der CDU\/CSU ist es gelungen, die Botschaft, es gehe uns gut, umfassend unters Volk zu bringen. Wer dazu nicht geh&ouml;rt, blieb vermutlich bei der Wahl zuhause oder w&auml;hlte links. Die unfaire Einkommensverteilung und immer schlimmer werdende Verm&ouml;gensverteilung ist kein Thema &ndash; Die Folgen der deutschen Austerit&auml;tspolitik f&uuml;r andere V&ouml;lker und damit auf mittlere Sicht auch f&uuml;r uns werden nicht bedacht, obwohl dies in Europa selbstverst&auml;ndlich sein sollte. Egoismus ist am vergangenen Sonntag als hoff&auml;hig und siegreich best&auml;tigt worden. Auch dass die Bundesregierung &Uuml;berwachung und Aussp&auml;hung durch unsere amerikanischen und britischen Freunde zul&auml;sst, hat nicht zu Sanktionen gef&uuml;hrt.<\/li>\n<li>Der Ausfall der Sanktionsmechanismen, die wesentlich zu einer Demokratie geh&ouml;ren, gr&uuml;ndet vor allem in einer atemberaubenden Ausrichtung der Mehrheit der Medien auf die in Berlin herrschenden konservativen Parteien. Die Medien machen alles mit, was ihnen als Strategien von Seiten ihrer politischen Partner angeboten und anempfohlen wird: Dass es uns gut geht, dass die Agenda 2010 einen gro&szlig;en Anteile daran hat und deshalb von der Einheitspartei der neoliberalen Ideologie aus CDU, CSU, SPD und Gr&uuml;nen bittesch&ouml;n fortgef&uuml;hrt werden musse, dass Angela Merkel sich sozialdemokratisiert habe, dass die Linkspartei des Teufels ist &ndash; alle diese Botschaften sind gelernt und werden von ziemlich gef&uuml;gigen Medien transportiert. Man musste sich am Sonntag nur die Runde mit den Parteivorsitzenden anschauen und man wusste alles: Die &ouml;ffentlich-rechtlichen Sender sind mit Peter Frey vom ZDF und Baumann von der ARD stramm auf Kurs. Die Linkspartei hat die Medien aggressiv gegen sich, die FDP wurde im Wahlkampf wenn auch erfolglos hofiert, SPD und Gr&uuml;ne erhalten sichtbar das Gnadenbrot.<br>\nWenn die Parteien jenseits der Union das Thema Medienbarriere nicht mehr thematisieren, dann werden sie auf Dauer erfolglos bleiben.<\/li>\n<li>Das schlechte Abschneiden von SPD und Gr&uuml;nen hat &ndash; wie schon oft in den NachDenkSeiten vor der Wahl beschrieben &ndash; sehr viel damit zu tun, dass diese Parteien nicht erkl&auml;ren konnten, wie sie an die Macht kommen wollen. Indem sie ein illusion&auml;res Ziel, Rot-Gr&uuml;n, propagierten, haben die Parteien SPD und Gr&uuml;ne massiv an Glaubw&uuml;rdigkeit eingeb&uuml;&szlig;t. Im Inneren werden viele W&auml;hler, die auch nur ein bisschen durchblicken, registriert haben, dass Steinbr&uuml;ck, Steinmeier, Trittin, G&ouml;ring-Eckardt usw. den Verstand verloren haben m&uuml;ssen. Man kann ein so unrealistisches Ziel wie die Erreichung von Rot-Gr&uuml;n nur propagieren, wenn man hinnimmt, als nicht ganz bei Trost betrachtet zu werden.<\/li>\n<li>Alle jetzt im Bundestag vertretenen Parteien au&szlig;er der Union haben eine wichtige Bedingung f&uuml;r einen erfolgreichen Wahlkampf nicht beachtet:<br>\nMan muss interessant sein und man muss mit der m&ouml;glichen Breite antreten. Das hat die SPD nicht getan. Von Steinbr&uuml;ck &uuml;ber Steinmeier bis zu Gabriel und Nahles war die SPD durch eine einzige Richtung vertreten: die neoliberal gepr&auml;gte. Die andere trat nicht in Erscheinung. Die SPD hat aber ihre guten Ergebnisse immer nur dann erreicht, wenn sie ihre volle Breite ausgespielt hat. Das gleiche gilt f&uuml;r die Gr&uuml;nen. Die sozial engagierte gr&uuml;ne Bewegung war nicht durch Trittin und schon gar nicht durch G&ouml;ring-Eckardt vertreten. &ndash; Die Linkspartei hat den gleichen Fehler gemacht. Die Konzentration auf Gregor Gysi hat ihm seelisch sicher gut getan. Von wahlstrategischer Relevanz darf eine solche therapeutische Erw&auml;gung allerdings nicht sein.<br>\nEinzig die Union hat fantastisch Pluralit&auml;t vorgespielt. Schon bei der bayerischen Landtagswahl weckte der Vorschlag f&uuml;r eine Pkw Maut Interesse &ndash; kritisches oder zustimmendes Interesse. Genauso wieder jetzt. Die Union trat in voller Breite an und hat sich als interessant pr&auml;sentiert.<br>\nWenn man dagegen die einf&auml;ltige Wahlstrategie der andern sieht, bei denen Geschlossenheit offenbar die einzige wahlstrategische Tugend ist, dann versteht man die Ergebnisse.<\/li>\n<li>Von wahlstrategischer Bedeutung ist das Spitzenpersonal: mit einer Person wie Steinbr&uuml;ck kommt die SPD nicht aus dem Loch. Das war bekannt seit der NRW Wahl von 2005, als Steinbr&uuml;ck als Ministerpr&auml;sident abgew&auml;hlt wurde. Ihm fehlt nahezu alles, was ein Spitzenkandidat braucht: Ausstrahlung, Sexappeal, Sachverstand, eine nicht belastete politische Vergangenheit, interessante Gedanken &ndash; &uuml;berall Fehlanzeige.<\/li>\n<li>In den Analysen f&uuml;r die Verluste der Gr&uuml;nen wird, ganz im Sinne der Grundlinie der Mehrheitsmedien, der Sympathiebruch &bdquo;geschlabbert&ldquo;, der mit dem Weiterlaufenlassen von Stuttgart 21 durch den baden-w&uuml;rttembergischen gr&uuml;nen Ministerpr&auml;sidenten Kretschmann eingetreten ist. Freunde von &Ouml;kologie und Vernunft haben sich seit dem nicht nur in Stuttgart, sondern weit dar&uuml;ber hinaus von den Gr&uuml;nen abgewandt. Das ist meine Vermutung. Ich st&uuml;tze sie auf eine Reihe von Gespr&auml;chen und Beobachtungen unter Freunden der Gr&uuml;nen.<br>\nWenn jetzt G&ouml;ring-Eckardt &ndash; &bdquo;W&auml;hler in der Mitte&ldquo; suchen &ndash; und Kretschmann die weitere Strategie bestimmen, dann werden sich die Gr&uuml;nen mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter dezimieren.<\/li>\n<\/ol><p>Soviel zum Wahltag 22.9.2013.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So habe ich ihre Reaktion auch erlebt. Die Perspektive ist grausam: Die Demokratie funktioniert nicht mehr. Sanktionen bleiben aus. Kritische Medien muss man mit der Lupe suchen. Die Wahlstrategien der Herausforderer waren j&auml;mmerlich. Sie sind mehr gepr&auml;gt von Meinungsmache als von sachlichen Erw&auml;gungen. 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