{"id":1877,"date":"2006-11-20T10:49:03","date_gmt":"2006-11-20T09:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1877"},"modified":"2016-01-21T12:04:27","modified_gmt":"2016-01-21T11:04:27","slug":"wir-werden-in-der-euro-zone-von-keiner-inflation-bedroht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1877","title":{"rendered":"Wir werden in der Euro-Zone von keiner Inflation bedroht!"},"content":{"rendered":"<p>Der vom Pr&auml;sidenten der Europ&auml;ischen Zentralbank Jean-Claude Trichet angek&uuml;ndigte verst&auml;rkt  monetaristische Kurs der EZB zeugt nach Patrick Artus, Chef&ouml;konom der franz&ouml;sischen Bankengruppe Ixis, von einem Analysedefizit der EZB-Banker. Zusammenfassung eines in der Pariser Tageszeitung Le Monde vom 18.11.2006 erschienen Artikels (&bdquo;Quand l&rsquo;inflation ne menace pas&ldquo;). &Uuml;bertragen von Gerhard Kilper.<br>\n<!--more--><br>\nNach der in Deutschland &uuml;blichen Monetarismus-Interpretation erh&ouml;ht die Zentralbank bei einem von ihr als &uuml;berm&auml;&szlig;ig empfundenen Geldmengen- oder Kreditwachstum die Zinsen &ndash; um eine drohende Inflation schon im Keim zu ersticken. Der EZB-Pr&auml;sident Trichet k&uuml;ndigte jetzt in einem am 9. November 2006 in der Financial Times erschienen Artikel an, die EZB wolle &ndash; exakt mit dieser monetaristischen Begr&uuml;ndung &ndash; die Zinsen in der Euro-Zone erh&ouml;hen.<\/p><p>Die Europ&auml;ische Zentralbank begeht damit nach Artus den gleichen Fehler wie die Deutsche Bundesbank in den 1990er-Jahren. Die Bundesbank habe damals bei ihrer Analyse andere wichtige Wirtschaftsindikatoren &ndash; Wachstum und Besch&auml;ftigung &ndash; vollkommen au&szlig;er Acht gelassen.<br>\nDie Begr&uuml;ndung Trichets ist nach Artus deswegen von ihrem Ansatz her wenig &uuml;berzeugend, weil in den Volkswirtschaften der Euro-Zone tats&auml;chlich der Zusammenhang zwischen Geldmengen-\/Kreditwachstum und Inflation nur sehr gering ist. Ein starkes Geldmengen- und Kreditwachstum werde sich nur beim relativ starren Angebot der Anlage- und Umlaufverm&ouml;gens-Objekte in Preissteigerungen niederschlagen (Erh&ouml;hungen der Immobilien-Preise bzw. Kurssteigerungen an der B&ouml;rse), weil das verf&uuml;gbare Angebot solcher Aktiva kurzfristig nicht erh&ouml;ht werden k&ouml;nne. Das gelte aber keineswegs f&uuml;r die Preise des flexibler reagierenden Angebots der Masse anderer G&uuml;ter und Dienstleistungen. Wenn etwa hier verst&auml;rkte Kreditgew&auml;hrung zu Nachfragesteigerungen f&uuml;hre, k&ouml;nne die Zusatznachfrage heutzutage leicht durch mehr Importe abgedeckt werden und ziehe keine Preissteigerungen nach sich.<\/p><p>In der Euro-Zone und in Gro&szlig;britannien nahm nach Artus seit 1998 die Menge vergebener Kredite stark zu und trieb Immobilienpreise sowie Aktienkurse in die H&ouml;he &ndash; jedoch mit nur sehr geringen Auswirkungen auf das Preisniveau insgesamt. Heute, nach fast 9 Jahren permanenter Kredit-\/Schulden-Zunahme, betrage die Inflationsrate (ohne Energiepreise) in beiden Wirtschaftszonen lediglich rund 1,5%. Es sei bei dieser Sachlage unverst&auml;ndlich, warum die EZB-Zentralbanker eine Verbindung zwischen Geldmengen- \/ Kreditwachstum und Inflation herstellten, wenn es in einem so langen Zeitraum diesen Zusammenhang  tats&auml;chlich in der EU und in Gro&szlig;britannien nicht gegeben habe.<\/p><p>Aufgrund der Offenheit internationaler M&auml;rkte k&ouml;nne die Geldpolitik der EZB zudem keinen entscheidenden Einfluss auf die international zirkulierende Geld- und Kreditmenge nehmen und wenn Inflations-Tendenzen ein internationales Problem w&auml;ren, k&ouml;nne dies nur in globaler Abstimmung aller f&uuml;r die Geldpolitik verantwortlichen Geld-Institute angegangen werden.<\/p><p>Der von den EZB-Bankern hergestellte Zusammenhang zwischen Geldmengen-\/Kreditwachstum und Inflation, sowie die davon abgeleitete, beabsichtigte Zinserh&ouml;hung bergen nach Artus die Gefahr in sich, dass Konjunktur und Wachstum in der Euro-Zone im Jahr 2007 unn&ouml;tig abgebremst werden, da ein sehr substanzieller Teil des Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone auf kreditfinanzierter Nachfrage der Haushalte beruhe. Sachlich sei die angek&uuml;ndigte Zinserh&ouml;hung  jedenfalls v&ouml;llig unn&ouml;tig, weil die Inflation f&uuml;r die Euro-Zone &uuml;berhaupt kein Problem darstelle bzw. weil sich die Weltwirtschaft durch den starken Warenexport der Schwellenl&auml;nder eher in einer ausgesprochen deflation&auml;ren Phase befinde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der vom Pr&auml;sidenten der Europ&auml;ischen Zentralbank Jean-Claude Trichet angek&uuml;ndigte verst&auml;rkt monetaristische Kurs der EZB zeugt nach Patrick Artus, Chef&ouml;konom der franz&ouml;sischen Bankengruppe Ixis, von einem Analysedefizit der EZB-Banker. 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