{"id":18814,"date":"2013-10-01T11:41:56","date_gmt":"2013-10-01T09:41:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18814"},"modified":"2015-08-18T09:02:58","modified_gmt":"2015-08-18T07:02:58","slug":"wo-bleibt-die-lokomotive-fuer-die-weltwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18814","title":{"rendered":"Wo bleibt die Lokomotive f\u00fcr die Weltwirtschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Dennis Snower geh&ouml;rt <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/f-a-z-oekonomenranking-die-einflussreichsten-oekonomen-im-gesamt-ranking-12560426.html\">laut FAZ<\/a> zu den einflussreichsten &Ouml;konomen Deutschlands. In einem aktuellen Kommentar in der FAZ macht sich der Pr&auml;sident des Kieler Instituts f&uuml;r Weltwirtschaft seine Gedanken &uuml;ber die anstehenden &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftspolitik\/gastbeitrag-hausaufgaben-fuer-deutschland-12596103.html\">Hausaufgaben f&uuml;r Deutschland<\/a>&ldquo;. Snowers Aufsatz belegt dabei eindrucksvoll die Denkfehler vieler deutscher &Ouml;konomen und Politiker. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9785\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-18814-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131004_Die_Lokomotive_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131004_Die_Lokomotive_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131004_Die_Lokomotive_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131004_Die_Lokomotive_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=18814-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131004_Die_Lokomotive_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"131004_Die_Lokomotive_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Ginge es nach Dennis Snower, w&auml;re die dringendste Aufgabe einer neuen Bundesregierung, den &bdquo;Wohlfahrtsstaat wettbewerbsf&auml;higer zu machen&ldquo;. Snower formuliert dies folgenderma&szlig;en:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Intern muss sich Deutschland durch eine umfassende Reform des Wohlfahrtsstaates wettbewerbsf&auml;higer machen. Der Aufstieg Deutschlands vom &bdquo;kranken Mann&ldquo; zur &bdquo;Lokomotive Europas&ldquo; geht nicht allein auf die Reformen der Agenda 2010 zur&uuml;ck, sondern vor allem auf die moderate Lohnentwicklung. Diese Phase ist nun vorbei. Nur durch Flexibilit&auml;t und hohe Besch&auml;ftigungsraten kann Deutschland im weltweiten Wettbewerb bestehen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Man kann sich vortrefflich dar&uuml;ber streiten, wie eine &bdquo;Lokomotive&ldquo; f&uuml;r andere Volkswirtschaften aussehen sollte. Dass Deutschland eine solche &bdquo;Lokomotive&ldquo; sein soll, ist jedoch ziemlich skurril. Vor der Krise waren die USA die unbestrittene Lokomotive der Weltwirtschaft. Bef&ouml;rdert durch die lockere Kreditpolitik der amerikanischen Banken importierten die Amerikaner damals Waren aus allen Wirtschaftsr&auml;umen der Welt. Einer der Profiteure des amerikanischen Nachfragebooms war China, das seine Rolle als &bdquo;Fabrik der Welt&ldquo; auch und vor allem durch die steigenden Exporte in die USA begr&uuml;nden konnte. Deutschland profitierte gleich doppelt von dieser Situation. Einerseits konnten die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft selbst mehr Waren in die USA exportieren, andererseits geh&ouml;rte Deutschland zu den Ausr&uuml;stern der chinesischen &bdquo;Fabrik der Welt&ldquo;. <\/p><p>Nicht die Agenda 2010, sondern die solide Weltwirtschaft war treibender Faktor f&uuml;r die positive konjunkturelle Entwicklung Deutschlands in den Jahren 2003 bis 2008. Und wenn man schon das Bild der &bdquo;Lokomotive&ldquo; bem&uuml;hen will, so waren die USA diese Lokomotive, die durch ihre wachsende Nachfrage weltweit Wachstumsimpulse ausl&ouml;ste und so andere Volkswirtschaften anzog. Das Model einer nachfragegetriebenen Lokomotive f&uuml;r die Weltwirtschaft hat jedoch ein entscheidendes Problem: Wenn eine Volkswirtschaft permanent mehr Waren und Dienstleistungen importiert als sie exportiert, verschuldet sie sich gegen&uuml;ber dem Ausland. Spiegelbildlich bauen Volkswirtschaften wie Deutschland und China, die permanent mehr Waren und Dienstleistungen exportieren als sie importieren, Forderungen gegen&uuml;ber dem Ausland auf. Mit dem Platzen der Kreditblase wurden die Probleme dieses Models offensichtlich. Es ist wohl einzig und allein der lockeren Geldpolitik der amerikanischen Notenbank zu verdanken, dass die USA auch nach dem (ersten) Platzen der Kreditblase ihre Rolle als &bdquo;Lokomotive&ldquo; wieder aufnehmen konnten. Davon profitiert wiederum an allererster Stelle Deutschland. <\/p><p>Die Exporte in die USA konnten 2012 einen neuen Rekord verzeichnen und damit die wegbrechenden Exporte in die europ&auml;ischen Krisenstaaten kompensieren. Nachhaltig ist dies jedoch nicht. Der Wunsch der US-Regierung, dass andere Staaten, vor allem Deutschland, k&uuml;nftig auch ihren Teil dazu beitragen, die Weltwirtschaft anzukurbeln, verhallt hierzulande ungeh&ouml;rt. W&uuml;rde sich Deutschland an der Funktion als &bdquo;Lokomotive&ldquo; beteiligen wollen, m&uuml;sste hierzulande die Nachfrage gest&auml;rkt werden und das ist nur dann m&ouml;glich, wenn die Einkommen der Bev&ouml;lkerung steigen. Und eben dies, lehnt die deutsche Politik kategorisch ab, da sie um die &bdquo;Wettbewerbsf&auml;higkeit&ldquo; Deutschlands f&uuml;rchtet.<\/p><p>China w&uuml;rde liebend gerne die &bdquo;Lokomotive&ldquo; der Weltwirtschaft geben. Die chinesische Lohnentwicklung zeigt dies sehr eindr&uuml;cklich. Dennoch ist China momentan immer noch ein industrieller Gigant mit einer vergleichsweise schwachen Nachfrage. Bei einer stabilen Weltwirtschaft k&ouml;nnte China k&uuml;nftig ohne weiteres die Rolle einer &bdquo;Lokomotive&ldquo; &uuml;bernehmen. Bis dahin flie&szlig;t jedoch noch viel Wasser den Jangtsekiang hinunter und eine lahmende Weltwirtschaft k&ouml;nnte den Wandel von einer exportorientierten zu einer nachhaltigen Volkswirtschaft mit starker Binnenwirtschaft abw&uuml;rgen. <\/p><p><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131001_01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131001_01_small.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/p><p>Kommen wir zu Dennis Snower zur&uuml;ck. Ohne auf Snowers Vorschl&auml;ge im Detail einzugehen, l&auml;sst sich subsummieren, dass Snower es bei seiner &bdquo;radikalen Reform des rigiden Wohlfahrtsstaats&ldquo; eigentlich um eine Senkung der Arbeitgeberbeitr&auml;ge bei der Sozialversicherung geht. Daraus ergeben sich zwei Szenarien: Gleichbleibende Leistungen der Sozialversicherungen und h&ouml;here Beitr&auml;ge f&uuml;r die Arbeitnehmer oder gleichbleibende Beitr&auml;ge der Arbeitnehmer und sinkende Leistungen der Sozialversicherungen. In beiden F&auml;llen w&uuml;rde das zur Verf&uuml;gung stehende Einkommen der Bev&ouml;lkerung sinken, w&auml;hrend die Gewinnmargen der Arbeitgeber steigen. Snowers Reformvorschl&auml;ge laufen also auch darauf hinaus, die Binnennachfrage zu schw&auml;chen.<\/p><p>Und nun kommen wir zur &bdquo;Lokomotive&ldquo; zur&uuml;ck. Wie soll eine Volkswirtschaft, die ihre Binnennachfrage schw&auml;cht, andere Volkswirtschaften zu mehr Wachstum treiben? &Ouml;konomen wie Dennis Snower haben nie verstanden, dass es auch eine Nachfrageseite gibt, die die produzierten Produkte kauft. Auch Angela Merkel hat diesen Zusammenhang nie verstanden. Das exportorientierte Deutschland weigert sich standhaft, eine harmonische Rolle im Konzert der Weltwirtschaft einzunehmen. Kurzfristigen und kurzsichtigen Renditesteigerungen einiger weniger exportorientierter Unternehmen wird nicht nur die eigene Binnennachfrage, sondern auch die Entwicklung der Weltwirtschaft untergeordnet. <\/p><p>Die Weltwirtschaft krankt momentan vor allem daran, dass die Nachfrage eingebrochen ist. W&uuml;rde eine gro&szlig;e Volkswirtschaft wie Deutschland die Nachfrage weiterhin schw&auml;chen, w&auml;re dies f&uuml;r die Weltwirtschaft &auml;u&szlig;erst unerfreulich. Und wer soll denn bitte sch&ouml;n k&uuml;nftig f&uuml;r Wachstumsimpulse sorgen, wenn nicht die Staaten, die gigantische Export&uuml;bersch&uuml;sse vorweisen? Dabei w&auml;re es f&uuml;r alle Beteiligten von Vorteil, wenn Deutschland seine Binnennachfrage steigert und so die Rolle einer &bdquo;Lokomotive&ldquo; &uuml;bernimmt. Denn irgendwann ist Zahltag und dann wird auch die deutsche Volkswirtschaft feststellen, dass der gigantische Berg an Auslandsforderungen, der eine Folge der Export&uuml;bersch&uuml;sse ist, nichts wert ist, wenn die Schuldner die Forderungen nicht mehr bedienen k&ouml;nnen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg01.met.vgwort.de\/na\/892602455e354679b09c2c0d3bee1ee3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dennis Snower geh&ouml;rt <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/wirtschaftswissen\/f-a-z-oekonomenranking-die-einflussreichsten-oekonomen-im-gesamt-ranking-12560426.html\">laut FAZ<\/a> zu den einflussreichsten &Ouml;konomen Deutschlands. 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