{"id":18886,"date":"2013-10-09T15:22:24","date_gmt":"2013-10-09T13:22:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18886"},"modified":"2015-08-19T08:40:17","modified_gmt":"2015-08-19T06:40:17","slug":"zeit-wissen-klaert-irrtuemer-zum-demografischen-wandel-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18886","title":{"rendered":"ZEIT WISSEN kl\u00e4rt Irrt\u00fcmer zum demografischen Wandel auf"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Werden wir wirklich zu alt? Vier Irrt&uuml;mer &uuml;ber den Demografiewandel + eine Bitte an den Deutschen Bundestag&ldquo;. &ndash;  So ist ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/131009_irrtuemer_demografischer_wandel_dossier_613.pdf\">Dossier [PDF &ndash; 810.2 KB]<\/a> im ZEIT Magazin vom 07.10.2013 &uuml;berschrieben. Wenn man sich seit Mitte der siebziger Jahre mit dem demographischen Wandel besch&auml;ftigt hat und in den NachDenkSeiten seit 2003 und davor in anderen Publikationen st&auml;ndig &uuml;ber diese Irrt&uuml;mer geschrieben hat, dann haut es einen angesichts dieser Erkenntnisse &bdquo;vom Hocker&ldquo;. Aber besser sp&auml;t als gar nicht. Deshalb k&ouml;nnen wir Kritiker der Dramatisierung des demographischen Wandels angesichts dieses Medienereignisses nur froh und dankbar sein. Danke vielmals an &bdquo;ZEIT WISSEN&ldquo; f&uuml;r die Genehmigung zur &Uuml;bernahme. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_508\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-18886-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131010_Demographischer_Wandel_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131010_Demographischer_Wandel_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131010_Demographischer_Wandel_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131010_Demographischer_Wandel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=18886-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/131010_Demographischer_Wandel_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"131010_Demographischer_Wandel_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Der Artikel enth&auml;lt einige wirklich wichtige Erkenntnisse:<\/strong><\/p><ul>\n<li>dass es die Alterung schon immer gab, jedenfalls im gesamten 20. Jahrhundert,<\/li>\n<li>dass Bev&ouml;lkerungsprognosen unsicher sind,<\/li>\n<li>dass es auf die Produktivit&auml;tsentwicklung ankommt und der Zuwachs an Produktivit&auml;t die &bdquo;durch Alterung bewirkte Finanzl&uuml;cke mehr als ausgleicht&ldquo;,<\/li>\n<li>dass es darauf ankommt, junge Menschen gut ausgebildet in Arbeit zu bringen,<\/li>\n<li>dass die Vorstellung, die Frauen kriegen zu wenig Kinder, falsch ist,<\/li>\n<li>usw.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Gr&ouml;&szlig;tes Handicap des Dossiers: <\/strong><\/p><p>Die Autorin Ulrike Meyer-Timpe tut so, als w&auml;ren die Irrt&uuml;mer vom Himmel gefallen. Sie &uuml;bersieht, dass die Irrt&uuml;mer zum demographischen Wandel zum gr&ouml;&szlig;eren Teil in die K&ouml;pfe der Menschen &bdquo;eingepflanzt worden sind&ldquo; und hinter den Kampagnen der Meinungsmache dicke Interessen stecken. Ersatzweise bem&uuml;ht die Autorin einen Psychologen, den Leiter der &bdquo;Forschungsgruppe f&uuml;r Kognitive Anthropologie&ldquo; der Max Planck Institute Leipzig und Niymwegen, damit er erkl&auml;rt, &bdquo;warum eine Mehrheitsmeinung manchmal so zementiert&ldquo; ist.<br>\nAuf diese Interessen und die zur Durchsetzung dieser Interessen laufenden PR-Kampagnen haben wir in den NachDenkSeiten immer wieder aufmerksam gemacht. Als Autor des kleinen B&uuml;chleins &bdquo;Mut zur Wende&ldquo; habe ich diese Zusammenh&auml;nge 1997 beschrieben und belegt. (Siehe Anlage 1).<br>\nDann wieder in einem Beitrag f&uuml;r das Kritische Tagebuch des WDR vom November 1999. (Siehe Anlage 2) Das sind jetzt 14 Jahre her.<br>\nIm Buch &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=23\">Die Reforml&uuml;ge. 40 Denkfehler, Mythen und Legenden, mit denen Politik und Wirtschaft Deutschland ruinieren<\/a>&ldquo; von 2004 sind drei Kapitel den Irrt&uuml;mern zum demographischen Wandel gewidmet. Sie wurden auch in den NachDenkSeiten wiedergegeben, siehe die angef&uuml;gten Links:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;Denkfehler 5: Wir werden immer weniger&ldquo;,<\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1159\">&bdquo;Denkfehler 6: Wir werden immer &auml;lter. Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr.&ldquo;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1081\">&bdquo;Denkfehler 7: Jetzt hilft nur noch private Vorsorge.&ldquo;<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Seit Jahren liegt also alles auf den Tisch. Meinungsf&uuml;hrende Medien in Deutschland brauchen 14 bzw. 16 Jahre, um zur Einsicht zukommen, dass es sich bei den dramatisierenden Vorstellungen zum demographischen Wandel um Irrt&uuml;mer handelt. Aber wie gesagt: Sp&auml;t ist besser als gar nicht. <\/strong><\/p><p>Und ich kann die Autorin und die &bdquo;Zeit&ldquo; auch deshalb von Herzen loben, weil andere Medien nach wie vor weit von dieser Erkenntnis entfernt sind. Noch immer erinnere ich mich einer Diskussion bei einem Medien Konferenz in Leipzig Ende April 2010. Damals reagierte der Chefredakteur von GEO emp&ouml;rt auf meine Zweifel an der Weisheit der Demographiedebatte. Siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=5538\">hier<\/a>.<\/p><p>Auf die fr&uuml;hen Quellen mit aufkl&auml;renden Texten habe ich nicht zum Spa&szlig; hingewiesen. Ich will die Sorge artikulieren, dass unsere Aufkl&auml;rungsarbeit offensichtlich wenig Sinn macht, weil wir Schaden offenbar nicht abwenden k&ouml;nnen. Denn in der langen Zeit, nach der nun zu mindest bei der &bdquo;Zeit&ldquo; die Einsicht eingekehrt ist, ist ja vieles passiert:<\/p><ul>\n<li>Das Vertrauen in die gesetzliche Rente ist nahezu zerst&ouml;rt,<\/li>\n<li>ihre Leistungsf&auml;higkeit ist enorm gemindert worden,<\/li>\n<li>und damit werden Millionen von Menschen in die Altersarmut geschickt,<\/li>\n<li>es sind Milliarden zur F&ouml;rderung der privaten Vorsorge ausgegeben worden und damit in die Taschen der Versicherungswirtschaft und der Banken geflossen &ndash; eine glatte Ressourcenvergeudung,<\/li>\n<li>auf dem Feld der Altersvorsorge grassiert, gef&ouml;rdert von der Dramatisierung der demographischen Entwicklung, die politische Korruption; man denke nur an Maschmeyer, Riester, R&uuml;rup und Bohl.<\/li>\n<\/ul><p>Die Aufkl&auml;rungsversuche m&uuml;ssen wohl trotzdem weitergehen. N&uuml;chtern. Ern&uuml;chtert.<\/p><p><strong>Anhang 1: <\/strong><\/p><p><strong>Das Gerede &uuml;ber Demographie und Kapitaldeckung ist ein klassischer Fall von Brainwashing &ndash; Auszug aus einem alten und aktuellen Text. Er stammt von 1997.<\/strong><br>\n(Es beginnt mit der Einf&uuml;hrung eines Eintrags vom 10.9.2012. Dann kommt der Auszug.)<\/p><p>Bei der Vorbereitung f&uuml;r einen NDS-Text zur laufenden Debatte um die Altersarmut und die Strategie der dahinter steckenden Interessen habe ich mich eines eigenen fr&uuml;heren Textes erinnert. Es handelt sich um ein Kapitel eines 1997 im Aufbau-Verlag erschienenen Taschenbuchs. Die Aussagen zum Generationenvertrag, zur Illusion &uuml;ber den Vorteil der Kapitaldeckung, zur damals anlaufenden Propaganda und den dahinter steckenden Interessen, zu den einfachen L&ouml;sungsm&ouml;glichkeiten usw. sind immer noch aktuell. Der Blick auf heute aus damaliger Sicht scheint mir auch f&uuml;r NDS-Leser\/innen interessant, vielleicht auch am&uuml;sant. Deshalb die Wiedergabe dieses fr&uuml;heren Textes. Albrecht M&uuml;ller. Mehr. <\/p><p>Am&uuml;sant sein k&ouml;nnte, dass ich wie andere auch meine Hoffnung auf die Wende zu Rot-Gr&uuml;n setzte. Eine eitle Hoffnung, wie wir heute wissen und damals ahnten. Ich hatte skeptisch gefragt, ob SPD und B&uuml;ndnis\/Gr&uuml;ne bei diesem Thema noch kampagnenf&auml;hig sind. Der folgende Text ist Antwort 4 von 8 Antworten auf die Frage nach den Themen und Projekten zu einer Alternative zu Helmut Kohl und Schwarz-Gelb. Das Buch war im Vorfeld der Bundestagswahl von 1998 erschienen.<\/p><p>Ich kann nicht verschweigen, dass die R&uuml;ckerinnerung an diesen Text deprimiert: Die wichtigsten Schritte zur Zerst&ouml;rung einer unserer wichtigen S&auml;ulen der sozialen Sicherung sind vorhergesagt  und es wird auch klar, was zu tun w&auml;re und wie einfach das w&auml;re. Und dennoch mussten wir machtlos zusehen, wie uns die damals schon zu erkennende PR- und Lobby-Maschine &uuml;berrollte. Und wir sehen heute, wie auf den Tr&uuml;mmern &ndash; der Altersarmut &ndash; die n&auml;chste Zerst&ouml;rungsstrategie aufgebaut wird.<br>\nBeides wird Gegenstand meines n&auml;chsten Beitrags zum Thema sein. <\/p><p><strong>Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: Mut zur Wende! <\/strong><br>\nErschienen 1997 im Aufbau Taschenbuchverlag, Berlin. (Besonders einschl&auml;gige Passagen sind gefettet.)<\/p><ol start=\"4\">\n<li><strong>Der Generationenvertrag zur Altersvorsorge h&auml;lt<\/strong>\n<p>Das Vertrauen in die soziale Sicherung der Renten wird vors&auml;tzlich zerst&ouml;rt. Diesen Vorgang offenzulegen und zu erkl&auml;ren, wie der Generationenvertrag der gesetzlichen Rentenversicherung auch f&uuml;r die junge Generation gesichert werden kann, das ist eines der ganz gro&szlig;en Wahlkampfthemen f&uuml;r 1998 und ein Schl&uuml;sselprojekt zur Verteidigung der Sozialstaatlichkeit.<\/p>\n<p>Die Bonner Koalition suggeriert zwar mit ihrem Rentenreformentwurf, die gesetzliche Rentenversicherung, wie sie bisher auf dem Generationenvertrag beruht, erhalten zu wollen, doch Teile der CDU\/CSU und vor allem der FDP geben das bisherige System der Sozialversicherung preis. Hier spielt sich eine Entwicklung ab, die den Charakter eines Krimis und die Dimension eines Milliardendeals hat.<\/p>\n<p>Statt notwendige politische Entscheidungen zu treffen, die eine Entlastung der Sozialkassen bewirken k&ouml;nnten, wird Stimmung gemacht. Die Ver&auml;nderung der Alterspyramide hin zu mehr Rentenempf&auml;ngern bei gleichzeitiger Abnahme der Beitragszahler werde den Generationenvertrag zerbrechen lassen, hei&szlig;t es aus Kreisen der Union, der FDP und der mit ihnen verbundenen Interessengruppen. Das System sei nicht mehr haltbar, man m&uuml;sse umsteigen auf das sogenannte Kapitaldeckungsverfahren. Modelle, wie das nach dem s&auml;chsischen Ministerpr&auml;sidenten benannte Biedenkopf-Modell, pl&auml;dieren f&uuml;r eine Grundsicherung, finanziert durch Steuern: jeder Mann und jede Frau soll k&uuml;nftig einen Sockel an Altersrente vom Staat beziehen, den man dann zus&auml;tzlich aufstocken kann &ndash; &uuml;ber Betriebsrenten und Zusatzrenten, mit privat angespartem Verm&ouml;gen und &uuml;ber private Lebensversicherungen. Auf den ersten Blick eine vern&uuml;nftige, einfache L&ouml;sung.<\/p>\n<p>Tats&auml;chlich jedoch haben wir es bei dem Gerede um das angebliche Ende des Generationenvertrags und die notwendige Umstellung vom Umlageverfahren zum Kapitaldeckungsverfahren mit einem klassischen Fall von Brainwashing zu tun.<\/p>\n<p>Zum einen ist die demographische Verschiebung bei weitem nicht so dramatisch, wie es dargestellt wird. Es wird einen Anstieg der Belastungen f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung bis etwa zum Jahre 2030 geben. Die Lage entspannt sich dann wieder geringf&uuml;gig, und sie kann sich ohnehin &auml;ndern, wenn sich die Geburtenrate oder die Zuwanderung ver&auml;ndert. Niemand kann das genau vorhersagen.<\/p>\n<p><strong>Viel wichtiger f&uuml;r die Kl&auml;rung der Frage, wie die Arbeitenden durch die Rentner und durch die nicht arbeitende Kindergeneration belastet werden, sind folgende Aspekte: Wie entwickelt sich die Produktivit&auml;t der Volkswirtschaft, wie hoch ist die Arbeitslosigkeit, und welche Art von Arbeitsverh&auml;ltnissen &ndash; sozial gesicherte oder ungesicherte &ndash; werden die Regel? Wenn es gelingt, endlich die Arbeitslosigkeit abzubauen und die Produktivit&auml;tsentwicklung unserer Volkswirtschaft wenigstens ann&auml;hernd so zu halten wie in den vergangenen Jahren, dann werden ohne &Auml;nderung des Systems, also selbst ohne Senkung des Rentenniveaus, die verf&uuml;gbaren Realeinkommen der arbeitenden Menschen und Familien auch in Zukunft steigen. Das Vertrauen in diese M&ouml;glichkeit aufzugeben k&auml;me einer politischen Bankrotterkl&auml;rung gleich.<\/strong><\/p>\n<p>Zudem und auch dar&uuml;ber wird falsch informiert, &auml;ndert sich durch die Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren nichts an der Tatsache, da&szlig; auch k&uuml;nftig eine bestimmte Anzahl von Menschen f&uuml;r die nicht arbeitende alte Bev&ouml;lkerung und die Kindergeneration zu sorgen haben wird. Die Umstellung des Finanzierungssystems &auml;ndert nichts an dieser Relation, es sei denn, man unterstellt, da&szlig; Menschen fruchtbarer werden, wenn sie von der gesetzlichen Renten- zur privaten Lebensversicherung wechseln. Die gel&auml;ufige Behauptung, die erh&ouml;hte Kapitalbildung, die mit einer Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren verbunden sei, f&uuml;hre zu einem h&ouml;heren Wachstum, mu&szlig;, zumal in einer offenen Volkswirtschaft, nicht zutreffen,<\/p>\n<ul>\n<li>weil sich m&ouml;glicherweise &uuml;berhaupt keine Zunahme der volkswirtschaftlichen Sparquote ergibt, sondern nur eine Substitution von Anlageformen eintritt und<\/li>\n<li>weil die nationale Ersparnis angesichts internationaler Kapitalm&auml;rkte keinen limitierenden Faktor f&uuml;r die Investitionsquote und das Wachstum darstellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Die Konservativen zerst&ouml;ren das System der gesetzlichen Rentenversicherung &ndash; teils gewollt, teils ungewollt<\/em><\/p>\n<p>Die gesetzliche Rentenversicherung ist vor allem deswegen in finanziellen Schwierigkeiten,<\/p>\n<ul>\n<li>weil die hohe Arbeitslosigkeit und die zeitweise gro&szlig;z&uuml;gigen Vorruhestandsregelungen dazu f&uuml;hren, da&szlig; es zu Mindereinnahmen bei der Rentenversicherung kommt,<\/li>\n<li>weil sie mit 30 Milliarden DM versicherungsfremden (genauer: nicht durch Beitr&auml;ge gedeckten) Leistungen belastet ist; z.B. Ausgaben f&uuml;r Renten der Aus- und Umsiedler und Belastungen aus der Wiedervereinigung, die eigentlich vom Bund bezahlt werden m&uuml;&szlig;ten, aber aus Rentenversicherungsbeitr&auml;gen der Arbeitnehmer finanziert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>W&uuml;rde die Bundesregierung darauf verzichten, allgemeine Staatsaufgaben den Beitragszahlern anzulasten, dann k&ouml;nnten die Beitr&auml;ge sofort um ca. 2% gesenkt werden. &raquo;Die aktuellen Finanzierungsdefizite der Rentenversicherung gehen auf die Arbeitslosigkeit und die vereinigungsbedingten zus&auml;tzlichen Lasten zur&uuml;ck&laquo;, res&uuml;miert das Deutsche Institut f&uuml;r Wirtschaftsforschung (DIW) in einer am 12. Juni 1997 ver&ouml;ffentlichten Studie.<\/p>\n<p>Dazu kommt, da&szlig; immer mehr junge Menschen aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage entweder nicht st&auml;ndig einen Arbeitsplatz finden oder auf Arbeitsverh&auml;ltnisse angewiesen sind, bei denen keine Sozialversicherungspflicht besteht. Der von den Neoliberalen betriebene Trend wirkt langfristig gegen das bestehende Rentensystem. Hier gibt es tats&auml;chlich ein Reformproblem. Wer weiter ungesicherte Arbeitsverh&auml;ltnisse oder Scheinselbst&auml;ndigkeit ohne Sozialversicherung zul&auml;&szlig;t, der untergr&auml;bt das Rentensystem finanziell und das Vertrauen in die soziale Sicherung.<\/p>\n<p>Eine neue politische Koalition m&uuml;&szlig;te in ihrem Wahlkampf dar&uuml;ber aufkl&auml;ren, da&szlig; der Systemwechsel nichts an den demographischen Problemen l&ouml;st, ja da&szlig; die Schwierigkeiten der gesetzlichen Rentenversicherung zuallererst mit der fehlgeschlagenen bzw. nicht vorhandenen Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung und ihres Mi&szlig;managements bez&uuml;glich der deutschen Vereinigung zu tun haben. Anstatt eine bew&auml;hrte Sozialversicherung ohne Not preiszugeben, m&uuml;ssen zuerst diese Fehlentwicklungen wirksam bek&auml;mpft werden. &Auml;nderungen, die das bew&auml;hrte System als Ganzes nicht in Frage stellen, sind durchaus vern&uuml;nftig. Sie sind wegen vieler gesellschaftlicher Verschiebungen wie der &Auml;nderung der Erwerbsbiografien und wegen hoher Scheidungsraten auch notwendig.<\/p>\n<p>&Auml;nderungen, die das Vertrauen zerst&ouml;ren, sind hingegen unvern&uuml;nftig. Das gilt f&uuml;r das wichtigste Element der von der Bundesregierung geplanten Rentenreform. Danach soll das Standard-Rentenniveau von 70 auf 64% des durchschnittlichen Nettogehaltes sinken. Gerade f&uuml;r Geringverdienende und Frauen, die wegen ihrer Kinder oft nicht durchg&auml;ngig arbeiten, ist eine solche gro&szlig;e Absenkung nicht zumutbar. Dar&uuml;ber zu befinden ist heute auch wirklich nicht n&ouml;tig. Wer diese Entscheidung heute dennoch betreibt, mu&szlig; sich vorhalten lassen, die B&uuml;rger verunsichern, von der sozialen Vorsorge weg und hin zur privaten treiben zu wollen.<\/p>\n<p>Nach einer im Juli 1997 ver&ouml;ffentlichten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB)27 nahm das Vertrauen der B&uuml;rger in die sozialen Sicherungssysteme in den letzten Jahren rapide ab. Diese Verunsicherung ist die Folge der &raquo;Reform&laquo;-Debatte und tats&auml;chlicher Eingriffe wie etwa der Zuzahlungen im Krankenkassenwesen. Schon die jungen Leute machen sich Sorgen um ihre Renten, unter den herrschenden Umst&auml;nden mit Recht, wenn sie keine Arbeit haben und die Ausbildungszeiten nur begrenzt angerechnet werden.<\/p>\n<p><strong>Soweit diese Verunsicherung bewu&szlig;t betrieben wird, mu&szlig; man fragen: Wer verdient daran, wer hat ein Interesse daran? &ndash; Die privaten Lebensversicherer betreiben mit viel Aufwand Werbung in H&ouml;rfunk, Fernsehen und Zeitungen. Es ist interessant, zu beobachten, wie Artikel &uuml;ber die angeblich desolate Lage der gesetzlichen Rentenversicherung mit Anzeigen der Versicherungswirtschaft gekoppelt sind, manchmal so geschickt, da&szlig; kaum noch deutlich wird, ob es sich um einen redaktionellen oder einen gesponserten Beitrag handelt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die privaten Lebensversicherungsgesellschaften nehmen heute knapp 90 Milliarden an Pr&auml;mien ein. Sie wittern jetzt das Gesch&auml;ft des Jahrhunderts. Schlie&szlig;lich hat die gesetzliche Rentenversicherung einen Leistungsumfang von ca. 300 Milliarden. Nur 1\/10 dieses Kuchens herauszuschneiden br&auml;chte den privaten Lebensversicherungen einen Zuwachs ihrer Pr&auml;mien von 33%, also einen au&szlig;erordentlich gro&szlig;en Gesch&auml;ftszuwachs.<\/strong><\/p>\n<p>Bei aller Verunsicherung der B&uuml;rger scheint vielen die Aussicht auf eine Grundrente verlockend. Da diese &uuml;ber Steuergelder, also vom Staat, finanziert werden soll, hat sie schon fast Wohlfahrtsstaatscharakter. Doch was sind die Folgen?<\/p>\n<p>Die angepeilte Umstellung auf das Kapitaldeckungsverfahren h&auml;tte gravierende Auswirkungen auf die junge Generation, derentwegen angeblich die Umstellung vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren betrieben wird. Sie w&uuml;rde mehrfach belastet: Die heute Jungen m&uuml;&szlig;ten erstens weiterhin mit ihren Beitr&auml;gen die Renten der Alten bezahlen; sie w&auml;ren also bei den Beitr&auml;gen gar nicht entlastet. Sie m&uuml;&szlig;ten zweitens ihre eigene private Lebensversicherung bezahlen. Das hei&szlig;t, der Beitrag f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung und f&uuml;r die private m&uuml;&szlig;te addiert werden, was zu einer Rentenbeitragsbelastung von 22, 23, 25% oder noch mehr f&uuml;hren w&uuml;rde. Der jungen Generation mutet man drittens zu, da&szlig; sie mit unsicheren Arbeitsverh&auml;ltnissen fertig werden soll. Und dann soll viertens diese Generation auch noch akzeptieren, da&szlig; die ihnen nachwachsende Generation in 30 oder 40 Jahren keine Beitr&auml;ge mehr f&uuml;r sie zu zahlen hat.<\/p>\n<p>Es besteht die Gefahr, da&szlig; die steuerfinanzierte Grundsicherung f&uuml;r Alte nicht ausreichend hoch festgesetzt oder in Zeiten der Finanzknappheit nicht ausreichend einem Inflations- und Reallohnzuwachs angepa&szlig;t wird, w&auml;hrend das gegenw&auml;rtige Rentensystem durch die formelm&auml;&szlig;ige Dynamisierung in Gestalt der Nettolohnanpassung dieses Problem bisher nicht hatte. Da Menschen gerade in jungen Jahren die Notwendigkeit der Vorsorge nicht sehen und deshalb nicht an eine private Zusatzversicherung zur Grundsicherung denken, wird die Altersarmut anwachsen. Dazu ein Zitat zur Praxis in Gro&szlig;britannien aus der &raquo;ZEIT&laquo; vom 14. M&auml;rz 1997: &raquo;Nach dieser neoliberalen Maxime haben bereits die Briten ihr Rentensystem zugunsten privater Vorsorge umgebaut. John Bridgeman, Generaldirektor des auch f&uuml;r die Kontrolle privater Lebensversicherer zust&auml;ndigen Office of Fair Trade, fa&szlig;t die Stimmung unter den &auml;lteren Menschen im modernen Gro&szlig;britannien so zusammen: &rsaquo;Die Leute f&uuml;rchten heute mehr, da&szlig; sie zu lange leben, als da&szlig; sie zu fr&uuml;h sterben, weil ihr Geld f&uuml;r einen einigerma&szlig;en ausk&ouml;mmlichen Lebensabend nicht mehr reicht.&lsaquo;&laquo;<\/p>\n<p>Da&szlig; politische Entscheidungen dieses Ausma&szlig;es bei uns direkt oder indirekt auf die Interessen von privaten gro&szlig;en Konzernen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren sind, ist sehr bemerkenswert. Die wirkliche Triebfeder der hier geplanten Revolution sind die Milliarden Pr&auml;mien, die k&uuml;nftig bei den privaten Lebensversicherungen anfallen und die den gesetzlichen Rentenversicherungen fehlen werden.<\/p>\n<p><em>Ob SPD und B&uuml;ndnisGr&uuml;ne noch kompagnenf&auml;hig sind?<\/em><\/p>\n<p>Die Rentenfinanzierung hat alle Dimensionen eines gro&szlig;en Wahlkampfthemas:<\/p>\n<ul>\n<li>Es betrifft viele Menschen.<\/li>\n<li>Es gibt einen wirklichen Konflikt. Die andere Seite mu&szlig; und wird um ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit willen versuchen, diesem Konflikt auszuweichen.<\/li>\n<li>Die CDU\/CSU ist in dieser Frage gespalten. Es gibt f&uuml;hrende Politiker und zahlreiche W&auml;hler der CDU\/CSU, die genauso wie die meisten Sozialdemokraten und Gewerkschafter das System der sozialen Sicherung vor dem Ausverkauf an private Interessen retten wollen und die genau wissen, was gespielt wird.<\/li>\n<li>Es geht um viel Geld. Damit hat das Thema die Dimension des Themas &raquo;Gro&szlig;es Geld&laquo; der Wahl 1972. Damals hatten Teile der deutschen Wirtschaft mit mehreren Millionen Mark in den Wahlkampf eingegriffen, um Bundeskanzler Willy Brandt loszuwerden. Die SPD hat aus diesem Versuch der Einflu&szlig;nahme ein gro&szlig;es Thema gemacht und gewonnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Thema Rentenfinanzierung wird ein guter Test daf&uuml;r sein, ob die SPD und die B&uuml;ndnisGr&uuml;nen f&auml;hig sind, eine Alternative zur konservativen Hegemonie zu entwerfen, zu propagieren und zu verteidigen. Das ist fraglich geworden. Teile der B&uuml;ndnisGr&uuml;nen signalisieren deutliche Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Privatversicherungsvariante. Bei den &raquo;Modernisierern&laquo; der SPD ist es &auml;hnlich. Das gilt nicht f&uuml;r die Rentenreformkommission der SPD und die gro&szlig;e Mehrheit der Mitglieder und Verantwortungstr&auml;ger.<\/p>\n<p>Dennoch lohnt es sich in dieser Frage, eine gemeinsame Basis zu suchen und zu finden. Die soziale Sicherung ist das Verm&ouml;gen der &raquo;kleinen Leute&laquo;. Wenn es nicht gelingt, ihnen dieses &raquo;Verm&ouml;gen&laquo; zu erhalten, dann werden sie sich dem Umweltschutz, liberalen Rechtsauffassungen und Menschenrechtsfragen noch mehr verschlie&szlig;en, als dies heute der Fall ist.<\/p>\n<p><em>Die Entscheidung &uuml;ber die Zukunft der Sozialstaatlichkeit f&auml;llt 1998<\/em><br>\n(Anmerkung AM 9.10.13: Da hatte ich eindeutig zu viel Vertrauen in Rot und Gr&uuml;n. Sie haben das begonnene Zerst&ouml;rungswerk fortgesetzt.)<\/p>\n<p>Es entscheidet sich in diesen Monaten, ob es den privaten Interessenten gelingt, den Zusammenbruch des jetzigen Sozialversicherungssystems endg&uuml;ltig einzuleiten. Es entscheidet sich, ob es gelingen k&ouml;nnte, den Menschen, die unter Dauerberieselung der Werbung zum Einstieg in eine Privatversicherung stehen und denen eingeredet wird, das soziale Sicherungssystem breche demn&auml;chst zusammen, wieder Sicherheit zu geben. Deshalb ist es h&ouml;chste Zeit, die f&uuml;r das Renommee der Sozialstaatlichkeit entscheidende Weichenstellung zum gro&szlig;en Thema zu machen. Noch einmal: Es gen&uuml;gt nicht, die Ideologie der andern allein durch Sachargumente zu entkr&auml;ften bzw. eigene Vorschl&auml;ge zur Rentenreform gegen die anderen Reformvorstellungen zu setzen. Es ist wichtig, den Menschen zu sagen, warum ihnen Angst gemacht wird. Sie m&uuml;ssen das der Kampagne zugrundeliegende Interessengeflecht erkennen. Nur dann werden sich Emotionen und damit eine Gegen&ouml;ffentlichkeit mobilisieren lassen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/131009_mut_zur_Wende.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anlage 2:<\/strong><\/p><p><strong>Ein Beitrag f&uuml;r das Kritische Tagebuch des WDR vom Anfang November 1999:<\/strong><\/p><p><strong>Glaubenss&auml;tze auf dem Pr&uuml;fstand<\/strong><\/p><ol start=\"3\">\n<li><strong>Der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr. Deshalb m&uuml;ssen wir die bisherige Rentenversicherung um die private Altersvorsorge erg&auml;nzen.<\/strong>\n<p>Angenommen, Sie h&auml;tten einen Umsatz von 100 Milliarden Mark und einen Konkurrenten, der 400 Milliarden Mark umsetzt. Und nun h&auml;tten Sie die Chance, mit einer Mischung aus Eigenwerbung und Verbreitung des Ger&uuml;chtes, der Konkurrent sei ein Auslaufmodell, die Umsatzzuw&auml;chse des Konkurrenten und dann auch von seiner Substanz Milliarden auf sich umzulenken; vielleicht f&uuml;r&rsquo;s erste gute 10% seines Umsatzes. So k&ouml;nnten Sie auf Anhieb Ihren Umsatz um 40 Milliarden, also um mehr als ein Drittel aufstocken. &ndash; Das w&auml;re doch was&hellip;  Bei einem erwarteten Umsatzplus von 40 Milliarden w&auml;ren einige 10 Millionen f&uuml;r Zeitungsanzeigen und eine gro&szlig; angelegte PR-Arbeit unter Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten eine l&auml;cherlich kleine Investition, um das Ger&uuml;cht &uuml;ber den Konkurrenten als Auslaufmodell am Leben zu halten. Peanuts sozusagen. <\/p>\n<p>Dieses M&auml;rchen ist Wirklichkeit. Nicht f&uuml;r Sie und nicht f&uuml;r mich. Aber f&uuml;r die Lebensversicherungsbranche und die Banken.<br>\nEine Kostprobe aus der laufenden Werbearbeit. Zitat aus einem Brief des Vorstandmitglieds der Dresdner Bank, Dr. jur. Joachim von Harbou, ver&ouml;ffentlicht per Zeitungsanzeige am 22. Oktober:<\/p>\n<p><em>Sprecher:<\/em><br>\n<em>&bdquo;Sehr geehrte Damen und Herren,<\/em><br>\n<em>angesichts des demographischen Wandels &ndash; immer mehr &auml;lter werdende Menschen stehen immer weniger jungen B&uuml;rgern gegen&uuml;ber &ndash; machen sich viele Sparer Gedanken &uuml;ber ihre finanzielle Sicherheit im Alter. Es zeichnet sich ab, dass die staatliche Rentenversicherung den Versicherten in Zukunft nicht mehr das gewohnte Leistungsniveau bieten kann. Deshalb w&auml;chst der privaten Altersvorsorge eine immer gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung zu&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>Und weil das so sei, wirbt Herr von Harbou f&uuml;r <\/p>\n<p><em>Sprecher:<\/em><br>\n<em>&bdquo;..ertragsstarke Anlageformen wie beispielsweise Wertpapierfonds&ldquo;<\/em><\/p>\n<p>&bdquo;Ihre deutschen Lebensversicherungen&ldquo; werben schon seit dem letzten Bundestags-Wahlkampf nahezu ununterbrochen in teuren Anzeigen f&uuml;r die private Vorsorge durch Abschluss einer Lebensversicherung:<\/p>\n<p><em>Sprecher:<\/em><br>\n<em>&bdquo;Was bei der gesetzlichen Rente sp&auml;ter f&uuml;r Sie rausspringt, kann Ihnen keiner sagen&ldquo;<\/em><br>\n<em>&bdquo;Eine Lebensversicherung h&auml;lt, was sie verspricht. Ein Leben lang&ldquo;.<\/em><\/p>\n<p>Die Banken und die Lebensversicherer schwimmen mit ihrer Kampagne zur St&ouml;rung des Vertrauens in die klassische Rentenversicherung wie der Fisch im gro&szlig;en Strom von Wissenschaftlern und Politikern, von Talkshows, Zeitungen und Zeitschriften.  Der SPIEGEL &ndash; bei diesem Thema schon seit langem an vorderer Front &ndash; forcierte die Kampagne am 30. August mit einer eigenen Titelgeschichte:<\/p>\n<p><em>Sprecher:<\/em><br>\n<em>&bdquo;Weil Deutschland vergreist, wird die Rentenversicherung unbezahlbar,&hellip;.&ldquo;  <\/em><\/p>\n<p>An einer Reform der sozialen Sicherungssysteme mit mehr Eigenvorsorge und weniger staatlicher F&uuml;rsorge f&uuml;hre kein Weg vorbei.<br>\nAnfang Oktober fasste der SPIEGEL  die Kernbotschaft so zusammen :<\/p>\n<p><em>Sprecher:<\/em><br>\n<em>&bdquo;Letztlich geht es in der neu entfachten Debatte um eine Grundsatzfrage. Alle Parteien haben erkannt, dass die staatliche Rente allein k&uuml;nftig nicht mehr ausreichen wird. Das Umlageverfahren, das die Beitr&auml;ge der aktiven Arbeitnehmer direkt an die derzeitige Rentnergeneration weiterreicht, bedarf der Erg&auml;nzung durch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, es soll also privat Geld zur&uuml;ckgelegt werden&ldquo;.*<\/em><\/p>\n<p>Das klingt schl&uuml;ssig und logisch. Aber logisch ist die Behauptung, unser demographisches Problem sei dadurch zu l&ouml;sen, dass die Gesetzliche Rentenversicherung durch ein privates Bein erg&auml;nzt wird, allein f&uuml;r die Versicherungswirtschaft, die Banken und die mit ihnen verbundenen Wirtschaftsinteressen. Sie gewinnen, wenn die Soziale Alterssicherung in Richtung Grundsicherung gedr&uuml;ckt wird und alles Zus&auml;tzliche in private Altersvorsorge gelenkt wird &ndash; in Versicherungen, in Wertpapierfonds oder was auch immer. <\/p>\n<p>Weder f&uuml;r uns B&uuml;rger noch f&uuml;r die Politiker ist die Behauptung schl&uuml;ssig, der Generationenvertrag der Rentenversicherung trage angesichts der demographischen Ver&auml;nderungen nicht mehr und das Problem sei nur mit Hilfe privater Vorsorge l&ouml;sbar. Sie klingt nur so. <\/p>\n<p>Es ist nicht zu bestreiten, dass in absehbarer Zeit auf einen arbeitsf&auml;higen Erwachsenen zunehmend mehr Menschen im Rentenalter kommen.<br>\nAber wegen dieses demographischen Problems m&uuml;sste unsere Gesellschaft nicht die Leistungsf&auml;higkeit des bisherigen Systems der Rentenversicherung in Zweifel ziehen und durch ein staatlich verordnetes privates Bein erg&auml;nzt werden.<br>\nErstens ist die bisherige Soziale Alterssicherung mit dem Umlageverfahren als Kernst&uuml;ck eine hochmoderne soziale Erfindung, eine au&szlig;erordentlich leistungsf&auml;hige und kosteng&uuml;nstige Sozialtechnik. Es werden, vereinfacht gesagt, von den Arbeitenden Beitr&auml;ge erhoben und direkt an die Rentner ausgezahlt. F&uuml;r jeden Arbeitenden wird eine Art Konto gef&uuml;hrt. Er oder sie erwirbt mit dem Beitrag einen Anspruch gegen&uuml;ber dem Staat, den dieser im Kern nicht antasten kann, weil die Eigentumsgarantie der Verfassung den Rentenanspruch sch&uuml;tzt. Der besteht gegen die n&auml;chste erwerbst&auml;tige Generation, den heutigen Beitragszahlern sp&auml;ter eine Rente zu zahlen. Deshalb ist die Gesetzliche Rentenversicherung auch eine sichere Altersvorsorge. -Die Bundesversicherungsanstalt und die Landesversicherungsanstalten verwalten die Gelder und Anspr&uuml;che, man braucht keine gro&szlig;e Verm&ouml;gensverwaltung. Entsprechend niedrig sind die Verwaltungskosten. Sie lagen 1996 bei 1,8 % des Umsatzes. Die Verwaltungskosten der privaten Lebensversicherungen liegen hingegen bei 4,5% plus den Provisionen der Versicherungagenturen, also um mehr als das Dreifache h&ouml;her.<\/p>\n<p>Zweitens spricht f&uuml;r das bisherige System, dass die Erg&auml;nzung durch ein private Vorsorge am Problem der demographischen Entwicklung &uuml;berhaupt nichts &auml;ndert. Die Belastung der im Jahre 2020, 2030 oder 2040 arbeitenden Generation wird durch &Auml;nderung des Finanzierungssystems vom sogenannten Umlageverfahren in ein System der Kapitalansammlung nicht vermindert.<br>\nAnderes anzunehmen, w&auml;re ein Fehlschluss. Das kann man mit Hilfe eines Tricks erkennen, mit dem Laien auch sonst gelegentlich volkswirtschaftliche Probleme besser durchschauen k&ouml;nnen. Man muss sich daf&uuml;r volkswirtschaftliche Zusammenh&auml;nge in realen Kategorien vorstellen. In der National&ouml;konomie sagt man: To understand better, think in real terms.  Konkret: Heute versorgen 100 Arbeitenden 37* Rentner mit G&uuml;tern und Dienstleistungen. Im Jahre 2040 m&uuml;ssen 100 Arbeitende voraussichtlich f&uuml;r 68 Rentner aufkommen. Wenn wir in der Zwischenzeit das bisher &uuml;bliche Umlageverfahren der Rentenfinanzierung durch ein  privates Kapitaldeckungsverfahren der Lebensversicherungskonzerne abl&ouml;sen oder erg&auml;nzen, &auml;ndert sich an der Tatsache nichts, dass 100 Arbeitende f&uuml;r 68 Rentner mitzusorgen haben.<br>\nDie propagierte &Auml;nderung des Finanzierungssystems &auml;ndert &uuml;brigens auch nichts an der speziellen Last der jungen Generation zwischen 20 und 40 Jahren. Sie vor allem wird a gegen das soziale Rentenversicherungssystem in Front gebracht. Ihretwegen h&auml;lt man die Beitr&auml;ge unter 20 % fest, angeblich weil mehr nicht zu vermitteln sei. Gleichzeitig sollen sie aber bis zu 2,5% ihres Einkommens &ndash; sp&auml;ter auch mehr &ndash; f&uuml;r ihr Alter obligatorisch privat anlegen. Offenbar spekulieren die Entscheider darauf, dass die J&uuml;ngeren unf&auml;hig sind, 20 und 2,5 zusammenzuz&auml;hlen. Nach Lage der Dinge muss man darauf gefasst sein, dass die Spekulation aufgeht.<br>\nDie J&uuml;ngeren, die gegenw&auml;rtig zus&auml;tzlich zur Altersvorsorge so eifrig Lebensversicherungen, haben offenbar auch nicht begriffen, dass sie dadurch nicht aus der Verpflichtung des Generationenvertrages entlassen werden; sie werden weiterhin Beitr&auml;ge oder Steuern f&uuml;r die Versorgung der Rentnergeneration zu zahlen haben  <\/p>\n<p>Wie k&ouml;nnte man dennoch die arbeitende Generation von der steigenden Alterlast entlasten? Wieder in real terms gedacht:<\/p>\n<p><em>Sprecher:<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Erstens indem man k&uuml;nftig von den 5, 6, oder 7 Millionen Arbeitsf&auml;higen, die heute ohne Arbeit sind, mehr in Arbeit bringt. Auch wenn das nicht leicht ist, es w&auml;re ein Entlastung. Mehr Schultern schultern mehr.<\/em><\/li>\n<li><em>Zweitens, indem man die Anspr&uuml;che der Rentner, also das, was f&uuml;r sie vom Sozialprodukt abgezweigt wird, geringer als vorgesehen wachsen l&auml;&szlig;t. Das ist das, was die jetzige Regierung mit der Anpassung nach Inflationsausgleich plant oder die Regierung Kohl mit dem Absenken auf 64 % *Rente geplant hatte.<\/em><\/li>\n<li><em>Drittens kann man die arbeitende Generation entlasten, in dem man alles tut, um die volkswirtschaftliche Produktivit&auml;t zu steigern. Wenn so die Gesamtleistung der Arbeitenden &ndash; das Sozialprodukt &ndash; kr&auml;ftig steigt, dann tut es nicht weh, wenn ein fairer Teil f&uuml;r die wachsende Zahl der Rentner abgezweigt wird. Es bleibt immer noch ein Wohlstandzuwachs f&uuml;r die Arbeitenden.<\/em><\/li>\n<li><em>Viertens kann man die Alterslast der hier Arbeitenden mildern, in dem man vom Ausland G&uuml;ter und Dienste einf&uuml;hrt, ohne sie gleich zu bezahlen, sich also beim Ausland verschuldet.<\/em><\/li>\n<li><em>F&uuml;nftens kann man die Last f&uuml;r die Arbeitenden verringern, in dem man die Alten sp&auml;ter in Rente gehen l&auml;&szlig;t.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&Uuml;ber alle diese Entlastungsm&ouml;glichkeiten kann man sprechen. Man sollte dies auch tun, wenn sich die junge Generation &uuml;bervorteilt f&uuml;hlt. Aber man sollte aufh&ouml;ren, das bisherige System grundlos madig zu machen. &ndash; Es k&ouml;nnte sein, da&szlig; dies den Versicherungskonzernen und Banken mit ihrer massiven Werbe- und PR-Kampagne dennoch gelingt. Da mit w&auml;re eine der gro&szlig;en Erfindungen der deutschen Sozialgeschichte ruiniert.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Werden wir wirklich zu alt? Vier Irrt&uuml;mer &uuml;ber den Demografiewandel + eine Bitte an den Deutschen Bundestag&ldquo;. &ndash; So ist ein <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/131009_irrtuemer_demografischer_wandel_dossier_613.pdf\">Dossier [PDF &ndash; 810.2 KB]<\/a> im ZEIT Magazin vom 07.10.2013 &uuml;berschrieben. 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